Sonntag, 17.12.1995:

Gegen 9:00 Uhr traf ich mich mit Sepp, und wir fuhren zu dem Haus von Ernst, um uns den Altbestand anzusehen. Ich machte ein paar Aufnahmen, und Sepp kontrollierte die Hausabmaße, ob sie sich auch mit den Angaben des 35 Jahre alten Planes deckten. Ernst selbst war nicht erreichbar.
Der Standort des Hauses war zwar unmittelbar am Waldrand, die Lage jedoch war abgeschieden und traumhaft. Typisch für die hohe Lage war auch der strahlend blaue Himmel, wogegen nur 100 m tiefer im Tal dichter Nebel herrschte.
Das Haus selbst schien nicht mehr erhaltenswürdig zu sein. Fragen über Widmung im Grünland und Genehmigung der Altbauförderung tauchten auf.
Als wir nach der Besichtigung nochmals zu Ernst fuhren, war dieser zwischenzeitlich zu Hause angekommen. Kurz besprachen wir die weiteren Schritte.

Erika und Olivia waren vom Großvater vom Bahnhof Winzendorf abgeholt worden. Gegen 11:00 Uhr waren sie zu Hause. Wir aßen zu Mittag und trafen uns anschließend mit der Familie D. und Familie K. auf der Kirchenwiese, um Schlitten zu fahren. Es war für alle sehr lustig. Die D.s haben drei, die K.s zwei Kinder. Mit unseren Kindern waren also gleich acht Kinder beisammen und unsere Stimmung entsprechend ausgelassen. Auch wir Erwachsenen tobten fleißig mit.

Gegen 17:00 Uhr musste ich mit Olivia wieder zurück in die Klinik.
Während der Nacht schrie Olivia wieder einmal vor Bauchschmerzen laut auf und musste sich übergeben. In solchen Momenten ist Olivia furchtbar arm dran. Klagend und wimmernd verlangte sie nach ihrer Mutter. So gut ich konnte, versuchte ich, sie zu beruhigen und sie von dem Erbrochenen zu befreien. Mir selbst ging es dabei auch recht schlimm, denn meine Sorge betreffend den bereits angerichteten und noch immer erzeugten Schaden der Chemo am Körper meiner Tochter ließ mich nicht los.

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Montag, 18.12.1995:

Gegen 7:45 Uhr wurden wir durch den allgemeinen Lärm auf der Station geweckt. Die Waage zeigte heute bereits 24 kg Körpergewicht an, obwohl Olivia kurz zuvor auf der Toilette war.
Sie ging zur Schule. Für heute stand Keksebacken auf dem Stundenplan.

Telefonat mit Mag. Rebasso:
Er nahm sich vor, mit Prof. Urbanek zu sprechen, damit für kommenden Mittwoch, den 20.12.95 entweder Erika oder auch er selbst bei der geplanten Konferenz im AKH anwesend sein könne.

Am Nachmittag wurde Olivia ein Mittel gegen Übelkeit gespritzt. Dabei vergaß der Arzt den Plastikverteiler, den Olivia am Ende ihres Herzkatheders ständig mit sich führen musste, korrekt mit einem Abschluss zu verschließen. Erst als eine Schwester Olivia fragte, ob auch die Klemme den Plastikschlauch zwischen dem Verteiler und ihrem Herzen fest abschließe, erwähnte Olivia den fehlenden Stopfen. Die Schwester ermahnte Olivia, dies immer gleich zu melden, denn sonst wäre es möglich, dass Luft über den Katheder ins Herz und den Blutkreislauf gelangen könnte.
Der verantwortliche Arzt, ein Ausländer, erschien daraufhin und behob sein Versehen. Es war noch einmal gut gegangen.

Mit den Medien hatte ich es satt, deshalb schaltete ich mein Handy ab. Somit verlief der Tag völlig ruhig. Olivia spielte oder sah fern, und ich las mich weiter in die „Geheimgesellschaften“ ein.

Gespräch mit einer Mutter auf der Station:
Ihr vierjähriger Sohn wurde nun bereits zum dritten Mal an einem „Kopftumor“ operiert. Diesmal mussten die Chirurgen allerdings einen „Rest“ zurücklassen, da bereits das Stammhirn befallen war.
Das Gespräch mit dieser leidgeprüften Frau berührte mich tief. In wenigen Sätzen brachte sie ihre Situation auf den Punkt. Trotz dieser aussichtslosen Situation zwang sie sich zur Fröhlichkeit und Unbeschwertheit, wenn sie das Krankenzimmer betrat. Ihr Mann arbeitete bei der Bahn und verdiente sicherlich nicht gerade ein Vermögen. Obwohl sie noch einen weiteren Sohn hatten, wurde ihr Karenzgeld auf lediglich ÖS 21 pro Tag gekürzt. Das ergab im Monat etwas mehr als ÖS 400!! Das konnte man wirklich nur mehr als Hohn bezeichnen!
Auch sie versuchte schon viele andere therapeutische Wege und war auch dazu noch immer bereit. Es schien aber immer am Finanziellen zu scheitern, so dass sie lediglich in der auf Krankenschein erhältlichen Chemotherapie Hilfe erwarten konnten.
Dass laut der Neuen Medizin Gehirntumore gar nicht in der ihr erklärten Form existierten, konnte ich ihr nicht erzählen. Ich hörte ihr vielmehr zu, und sie und ihr Kind taten mir unendlich leid.

Strafverfahren:
Zeugeneinvernahme des Dr. Leibold.

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Dienstag, 19.12.1995:

Mitten in der Nacht schrie Olivia schrill auf. Mir blieb fasst das Herz vor Schreck stehen, bis ich mich endlich orientieren konnte. Sie war aus dem Bett gefallen und steckte mit ihrem Oberkörper zwischen Bettgestell und Nachtkästchen. Als ich ihr half, wieder ins Bett zu kommen, war auch schon eine Schwester, aufgeschreckt durch den Lärm, zu Hilfe herbeigeeilt. Sie erklärte, einen Arzt rufen zu müssen, damit dieser Olivia wegen des Sturzes untersuche.
Irgendwie hatte ich den Eindruck, sie befürchtete, ich wäre an diesem Zwischenfall schuld. Die gerufene Ärztin stellte aber nichts Böses fest. Sie untersuchte Olivia auf Schrammen und kontrollierte den Katheder. Olivia war mit dem Schrecken davongekommen.

Gegen 8:15 Uhr weckte mich eine Schwester, Olivia war bereits munter und spielte in ihrem Bett. Ich war wie gerädert, ein böser Traum hatte mich gequält.

Gleich nach dem Wachwerden vollführte ein Arzt die morgendliche Prozedur der Blutabnahme. Dabei zuzusehen, war für mich immer eine Überwindung, und meistens sah ich weg. Ich vergaß völlig, seine Arbeit zu kontrollieren, um einen Vorfall wie den gestrigen zu vermeiden. Der Arzt kam aber immer in Begleitung einer Schwester, so dass Fehler oder Unachtsamkeiten minimiert werden konnten. Vermutlich wurde der gestrige Vorfall sowieso gemeldet, und der Arzt von seinem Vorgesetzten zurechtgewiesen. Immerhin könnte ein solcher Zwischenfall von mir an die große Glocke gehängt werden.
Das Vergessen eines Abschlussstückes an einem Katheder ist sicherlich nicht ungefährlich, aber wenn man die Vorrichtung betrachtet, so müssten drei Ereignisse zur gleichen Zeit eintreten, damit es wirklich zu einem Unglück kommen kann. Erstens, der Abschluss muss fehlen, zweitens, das Drehventil muss in Durchflussrichtung gestellt sein und drittens, die Klemme am dünnen Schlauch zum Herzen muss offen sein. Sicherlich besteht auch hierfür eine gewisse Wahrscheinlichkeit, welche auf alle Fälle minimiert werden muss.
Leider ereignen sich immer wieder solche Anhäufungen von Zufällen, wie zuletzt bei der irrtümlichen Hodenamputation vor ein paar Wochen im AKH. Hierbei muss man aber sorgfältig unterscheiden zwischen unabsichtlichen, vielleicht auch fahrlässigen Tatbeständen und Vorgängen, welche von höherer Stelle „vorgeschrieben“ werden. Hier möchte ich auch nochmals auf den §1 des Ärztegesetzes hinweisen: Verstößt der Arzt bei seiner Behandlung gegen auf medizinisch-wissenschaftlicher Erkenntnis aufbauende Regeln, begeht er einen Kunstfehler... Behandlungsfehler beruhen nicht auf Nichtwissen oder Nichtbeherrschen von Kunstregeln, sondern auf Nachlässigkeit. Somit war die „Hodenamputation“ kein Kunstfehler, sondern pure Nachlässigkeit. Dagegen könnte man die Anwendung der üblichen Onkologie, also Chemo- und Strahlentherapie, voreilige und ein Zuviel an Operationen, sowie die Anwendung von Morphium gegen Schmerzen als Gesamtes als Kunstfehler bezeichnen. Denn Dr. Hamers fünf Naturgesetzmäßigkeiten sind auf reinen empirischen Erkenntnissen aufgebaut, und somit müssen sie auch eine rein medizinisch-wissenschaftliche Geltung besitzen. Leider schreibt aber dieses Ärztegesetz auch vor, dass sämtliche Heilmethoden durch den Obersten Sanitätsrat anerkannt werden müssen. Nicht dass diese Einrichtung an und für sich negativ einzuschätzen ist ... Es ist jedoch so, dass sich diese Kotrollinstanz in rein schulmedizinischem Oktroi befindet und dadurch ein Durchbruch des Dr. Hamer, der wirklich die gesamte Medizin auf den Kopf stellen würde, von vornherein keine Chance bekommt.

Es ist also nicht die Schulmedizin wegen eines einzelnen Arztpfuschers oder wegen einer unglücklichen Aneinanderreihung von Zufällen verdammenswürdig, man muss sie allerdings sehr in Frage stellen, wenn sie sich, wie im Falle der Neuen Medizin des Dr. Hamer, strikt und vehement, ohne Angabe von prüfbaren Gründen, einer Verifikation dieser und somit einem möglichen Fortschritt in den Weg stellt.

Gleich am frühen Morgen kam Hanni und vollführte ihre energetische Körperarbeit mit Olivia. Als Olivia in die Schule ging, lud ich Hanni auf einen Frühstückskaffee im Restaurant ein. Etwas später kam auch Sigrun hinzu, mit der ich die weitere Vorgehensweise betreffend der Medien besprach.
Sigrun machte mich darauf aufmerksam, dass zur Zeit lediglich eine schöne, liebliche Weihnachtsstory gefragt war, und wir keinerlei wesentliche Informationen an die Bevölkerung weitergeben konnten. Ich musste ihr Recht geben.

Gegen 11.30 Uhr machte ich mich mit Olivia auf den Weg nach Maiersdorf.

Telefonat mit Herrn Ehgartner „ganze woche“:
Herr Falk wünsche, ein fertiges Manuskript vorgelegt zu bekommen, um zu einer Entscheidung einer eventuellen auszugsweisen Vorveröffentlichung meines Tagebuches zu kommen.
Herr Ehgartner bat mich um ein schönes Weihnachtsbild und kündigte auch seine Absicht an, eine Geschichte rund um Olivias Geburtstag zu Silvester machen zu wollen.

Telefonat mit Dr. Leibold:
Er erzählte, dass bei seiner geleisteten Zeugenaussage ein eher junger willfähriger Richter ihm zugeteilt war, der kaum Verständnis für unsere Situation aufbringen wollte. Sein Protokoll gelang somit trotz seiner Vorbereitung nur zu einem gewissen Prozentsatz für uns positiv. Doktor Hamer käme in diesem Protokoll auch nicht sonderlich gut weg. Auch hatte Dr. Leibold dem Richter erklärt, dass Erika früher als mir Zweifel an der Neuen Medizin gekommen seien (?!).
Wegen Olivia meinte er, wenn ihre Bauchschmerzen stärker werden sollten, müssten wir ihr die zweite Dosis des erhaltenen homöopathischen Mittels verabreichen.
Auf dieses Protokoll war ich wirklich gespannt. Unklar war noch, ob Dr. Leibold der einzige vorgeladene Zeuge bleiben sollte, oder ob auch Dr. Liebner, Dr. Bauml sowie unsere Freunde Sepp und Frau Ingrid, wie von uns beantragt, vorgeladen würden.

Telefonat mit Herrn Mag. Rebasso:
Es gelang ihm wirklich, sich bei der morgigen Konferenz im AKH einzuladen. Laut Prof. Urbanek seien wir Eltern dabei jedoch nicht erwünscht.
Für nächste Woche nahm er sich den Angriff gegen die verschiedenen Zeitungen vor, welche in der Vergangenheit schändlich über uns berichtet hatten.

Telefonat mit Frau PichIer, „deutsches fernsehen“:
Sie hatte mir vor Tagen die Frageliste zu dem von ihr gewünschten Interview gesendet. Ich gab ihrem Wunsch nach und willigte in einen Interviewtermin für morgen ein.

Telefonat mit Frau I., „Freya-Verlag“:
Sie faxte mir einen Brief sowie einen üblichen Standardvertrag. Sie bat mich, sie so rasch als möglich mit den Arbeiten am Tagebuch beginnen zu lassen.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Das Filmprojekt konnte seiner Meinung nach nur schädlich sein. Ich versuchte zwar, ihm meinen Standpunkt zu vermitteln, doch stieß ich nur auf taube Ohren. Keines meiner Argumente ließ er gelten. Ich verstand ihn nur zu gut, und wenn ich gekonnt hätte, hätte ich von diesem Projekt Abstand genommen. So aber, in dieser Zwangslage, musste ich versuchen, meinen eigenen Weg zu gehen.
Auf der einen Seite standen nun die Filmemacher, von denen ich kaum Gutes zu erwarten hatte, welche mir aber bei Nichtzusammenarbeit mit Prozessen und einem Film ohne unser Mitwirken drohten. Auf der anderen Seite stand Dr. Hamer, der sich vehement gegen den Film aussprach und mir prophezeite, dass ich damit der Neuen Medizin und Olivia schaden würde. Mein Plan war es, soweit als möglich auf dieses scheinbar unvermeidliche Filmprojekt Einfluss zu nehmen.

Telefonat mit Erika:
Sie war bereits gegen 17:00 Uhr mit Olivia ins AKH zurückgefahren und berichtete nun, dass Olivia eine Blutkonserve verabreicht wurde, damit sie auf alle Fälle über Weihnachten bei uns zu Hause sein könne. Wahrscheinlich waren die roten oder weißen Blutkörperchen wegen der Chemo gefallen.
Bei dieser Nachricht drehte sich mein Magen um. Welcher Leidensweg steht uns noch bevor?

Strafverfahren:
Ein Gnadengesuch eines Pfarrers i.R. wurde zurückgewiesen. Zeugeneinvernahme des Dr. Bauml.

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Mittwoch, 20.12.1995:

Arbeitsamt:
Bis jetzt wurden mir Stellenausschreibungen gegeben, die bereits inaktuell waren. Die Sachbearbeiterin erklärte mir unumwunden, dass man mich nicht bis Herbst nächsten Jahres durchbringen werde und ich bald mit minderqualifizierten Arbeiten vorliebnehmen müsse. Kurz erwähnte ich meine Absicht, mich selbständig zu machen, und sie empfahl mir, bei der Handelskammer vorzusprechen.
Als ich mir den Ausdruck einer neuen Stellenbeschreibung abgeholt hatte, traf ich Richter Masizek.

Treffen Richter Masizek:
Verwundert fragte er, was ich hier suche. Was sucht man wohl als Arbeitsloser auf dem Arbeitsamt? Ob meine Frau diesen Nachmittag in der Klinik sei, wollte er wissen und erklärte, dass wir für den Zeitraum über Weihnachten und Neujahr, wenn Olivia zu Hause sein könne, unseren Reisepass abgeben müssten.
Mein Rechtsanwalt werde heute sowieso bei der im AKH stattfindenden Konferenz anwesend sein, und dann könne dies ja näher besprochen werden, gab ich zu verstehen.
Es war schon interessant, dass man nun unseren Reisepass haben wollte, wo dies doch unser eigener Vorschlag war, der damals aber höhnisch abgelehnt wurde! Weiters beklagte sich Richter Masizek über ein Fax von Dr. Hamer, worin sämtliche mit Richter Masizek und mir besprochenen Punkte erwähnt wurden. Dies hatte ihm nicht gefallen. Er meinte, uns in jedem Punkte entgegenkommen zu wollen, wir aber würden derart sein Vertrauen missbrauchen. Er müsse die Verantwortung tragen, und es rechtfertigen, dass er uns Olivia mit nach Hause gäbe, bekomme aber immer wieder Schwierigkeiten, weil wir nicht gehorsam seien und nicht von weiteren Interviews Abstand nähmen.
Zum zweiten Mal erwähnte Richter Masizek, dass er Schwierigkeiten bekomme. Ich muss wirklich die Frage in den Raum stellen: Ja, von wem kann ein unabhängiger Richter in Österreich wohl Schwierigkeiten bekommen?

Gegen 12:00 Uhr holte ich Erika und Olivia vom Bahnhof Wr. Neustadt ab. Olivia war quietschvergnügt.

Um 14:30 Uhr kam ein Kamerateam mit Frau Pichler. Das von mir aufgenommene Interview sollte in der „ard“ ausgestrahlt werden. Frau Pichler versprach, mich noch über den Sendetermin rechtzeitig zu informieren.
Später kam Silvia, die in Winzendorf zu tun gehabt hatte, und brachte Erika und Olivia wieder zurück ins AKH. Silvia erwähnte kurz, dass Sonja, unsere Schwester, ebenfalls große Schwierigkeiten wegen ihres Sorgerechts mit ihrem Sohn, dem kleinen Erik, bekommen hatte. Eigentlich wollte ich damit genauso wenig zu tun haben wie Sonja mit mir zu tun haben wollte.

Telefonat mit Herrn Puschler:
Er bat um eine Dreherlaubnis bei uns kommenden Freitag, den 22.12.95 für „rtl“. Später am Abend rief er nochmals an und erzählte mir den letzten Stand der vom AKH offiziell mitgeteilten Ergebnisse der heutigen Konferenz. Dass Olivia über Weihnachten und Neujahr nach Hause dürfe, wusste ich aber bereits.

Telefonat mit meiner Schwester Sonja:
Sie erzählte mir weinend ihre Sorgen und bat mich, ihr zu helfen. Ich konnte ihr lediglich versprechen, mich wegen eines Rechtsanwaltes umzusehen.
Es war grotesk. Zuerst wurde ich vor Wochen von ihr beschimpft und mit Medienaktionen ihrerseits gegen mich bedroht, und nun bat sie mich um Hilfe. Über meine eigene Familie konnte ich nur den Kopf schütteln.

Telefonat mit Mag. Rebasso:
Lustig war, dass das AKH seiner Kanzlei mitteilte, dass er bei der heutigen Konferenz doch nicht dabei sein dürfe. Herr Rebasso war aber nicht in der Kanzlei anwesend, erfuhr daher nichts von diesem Rückzieher, der sicherlich von Richter Masizek veranlasst worden war und ließ sich auch nicht von seinem Vorhaben, im AKH bei der Konferenz dabei zu sein, abbringen. Allerdings musste er eine geraume Zeit warten, bis er in die begonnene Konferenz reingebeten wurde. Anwesend waren Richter Masizek, Hofrat Marady, Prof. Dr. Urbanek, Frau Dr. Slavc und „Oberonki“ Gadner.
Herr Rebasso hatte den Eindruck, dass Richter Masizek und Hofrat Marady unterwürfig vor den Ärzten auf dem Bauch lagen.

Olivia dürfe vom 23. bis am Morgen des 25.12 sowie am 31.12 bis 1.1. und 6.1. bis 8.1.96 bei uns zu Hause bleiben. Dafür müssten wir aber unsere Reisepässe abliefern. Dies würde uns in einem Schreiben mitgeteilt werden, das ich auch morgen auf der BH zu unterschreiben hätte.
Olivia ist aber nur in Erikas Reisepass eingetragen. Nachforschungen des Herrn Hofrat Marady, meinen Reisepass betreffend, waren erfolglos geblieben. Er konnte nicht herausfinden, wo dieser ausgestellt worden war. Herr Rebasso empfahl vorerst, beide Pässe abzugeben und für später würde sicherlich Erikas Pass genügen.
Ein Einblick in die Krankengeschichte soll uns so rasch als möglich gewährt werden. Viel diskutiert wurde auch über den geplanten Film. Lustigerweise machten sich die Ärzte des AKH dieselben Sorgen verrissen zu werden, wie wir es taten.
Interessant war auch, dass Prof. Dr. Urbanek bisher gegenüber Mag. Rebasso immer von einem CT-Termin um die Weihnachtszeit gesprochen hatte. Jetzt aber korrigierte er diesen CT-Termin auf Ende März, also wirklich am Ende der Chemopseudotherapie.

In den Nachrichten wurde gemeldet, dass Olivia über Weihnachten und Neujahr nach Hause dürfe.
Diese Meldung war eine Überlegung wert. Olivia war ja schon oft bei uns zu Hause gewesen und darüber existierten ja bereits veröffentlichte Bilder in Tageszeitungen. Jetzt wurde es vom „orf“ so gebracht, als wäre es das erste Mal möglich, Olivia uns Eltern zu überlassen. Ich fragte mich, ob sich nicht „orf“ und die Leute, die hinter dieser Organisation stehen, lächerlich machen, so spät mit dieser Information rauszukommen.
Die Antwort erhielt ich kurze Zeit später. Zwei Bekannte riefen aufgrund dieser Nachrichtensendung an und vergewisserten sich, ob diese Meldung auch stimme. Sie hatten die Tageszeitung „täglich alles“ nicht gelesen.
So einfach war das. Objektiv betrachtet, hat ein jedes Medium eine gewisse Reichweite. So kann nun eine Milchmädchenrechnung folgendes Ergebnis bringen: Die Information dieser Tageszeitung hat z.B. 500.000 Leser erreicht. Im Gegensatz dazu hat der Rundfunk eine viel größere Reichweite, z.B. 3.000.000 Hörer. So ergibt sich ein Verhältnis 1 zu 6, also lediglich 16-17% der Bevölkerung wissen über den tatsächlichen Hergang Bescheid.
Sicherlich hat dieser Umstand, dass Olivia bereits oftmals vor Weihnachten nach Hause durfte, keine wesentliche Bedeutung. Dieses Beispiel zeigt aber, wie mit dem Werkzeug „Medien“ umgegangen werden kann.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Klüger wäre es, mit meinem Tagebuch „Farbe zu bekennen“. Damit meinte er, dass sein Verlag es verlegen sollte. Außerdem möchte er einen medizinischen Teil zum Fall „Olivia“ herausgeben, und dieser würde sicher von seinem Verlag gedruckt werden.
Selbst dann, wenn wir das Buch anderswo verlegen lassen sollten, erklärte er sich bereit, uns finanziell zu unterstützen, damit wir finanziell unabhängig sein könnten. Allerdings hätte er ja einen Vertrieb in Deutschland und Österreich und für den Vertrieb des Tagebuchs könne noch jemand zusätzlich engagiert werden.

Dr. Hamer hatte Recht. Wenn ich nun das Tagebuch bei einem anderen Verlag verlegen würde, wären zwei Nachteile gegeben. Erstens, die Möglichkeit, dass ein wesentlicher Inhalt des Buches gefälscht wiedergegeben werden konnte, und zweitens, dass es dann den Anschein hätte, wir würden uns von Dr. Hamer distanzieren. Der unbestrittene Vorteil eines etablierten Verlages wäre aber der, dass eine professionelle Vermarktung und ein funktionierender Vertrieb garantiert wäre. Was war mir wesentlich? Wesentlich war mir, die Information über die Richtigkeit der Neuen Medizin unter die Bevölkerung zu bringen. Dazu war ich direkt gezwungen, diesen Schachzug, also die Wahl seines Verlages, zu treffen. Es besteht sicher ein großes Interesse in der Bevölkerung, mein Tagebuch betreffend. Es würde sicherlich gekauft werden. So konnte ich dieses Ziel erreichen, dass Dr. Hamer darin direkt und unverfälscht zu Wort kommen kann.

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Donnerstag, 21.12.1995:

Gegen 11:00 Uhr kam Herr Sellin von „bild am Sonntag“ mit einem Fotografen. Sie hatten einen kleinen Tannenbaum im Dorf gekauft und brachten auch Christbaumschmuck, sowie Geschenke für Olivia mit. Während sie den Baum schmückten, erhielt ich jede Menge Telefonanrufe.

Telefonat mit Herrn Rebasso:
Er las mir die Vereinbarung zwischen uns und der BH vor und empfahl mir, so rasch als möglich zum Bezirkshauptmann, Herrn Hofrat Marady, zu fahren und diese Vereinbarung zu unterzeichnen. Herr Hofrat Marady fühle sich nicht wohl und sei allein unseretwegen im Amt.

Nun gut, ich machte mich auf den Weg. Sicherheitshalber sperrte ich sämtliche wichtigen Unterlagen und Gegenstände, wie Videos etc. weg und ließ die beiden Herren alleine.

Auf der Bezirkshauptmannschaft, Herr Hofrat Marady:
Herr Hofrat Marady schien wirklich kränklich zu sein. Er war überaus höflich und las mir die Vereinbarung sowie eine Genehmigung über eine finanzielle Unterstützung für Olivia vor. Hofrat Marady meinte, dass er den Gendarmerieposten wegen unserer Observierung verständigt hätte. Unsere Beschattung werde aber ohne Aufsehen und diskret erfolgen, versicherte er mir. Ich gab beide Reisepässe ab. Diese Reisepässe würde er am Gendarmerieposten hinterlegen, so dass ich sie jederzeit, auch feiertags, wiederbekommen könnte. Zuletzt wünschte er uns noch alles Gute, und ich ging.
Gegen 13:00 Uhr kam Herr Dr. Martin Zimper zwecks Arbeiten am Drehbuch. Etwas später brachte Großvater Erika und Olivia von einem Theaterstück in Wr. Neustadt nach Hause. Nachdem genügend Fotos gemacht worden waren, brachten die Zeitungsherren Erika und Olivia noch nach Wr. Neustadt zur Bahn. Ich konnte mit Herrn Martin Zimper das erste Gespräch über das Drehbuch führen.

Drehbucharbeit mit Dr. Martin Zimper:
Er machte sich Notizen in einem kleinen Heftchen und stellte verschiedene Fragen über den Beginn der Geschichte. So gut ich mich erinnern konnte, gab ich sie wahrheitsgetreu wieder. Bis gegen 20:00 Uhr saßen wir beisammen, und Herr Zimper war über das Ergebnis recht zufrieden.
Interessant war seine Vermutung, dass „orf“ und „news“ gemeinsam den Jet der Airambulanz bestellt hatten. Es schien, als hätten die beiden Medien hier unsere Geschichte gesteuert.
Für den 26. Dezember vereinbarten wir den nächsten Termin.

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Freitag, 22.12.1995:

Gegen 7:30 Uhr fuhr ich Richtung Graz, um mich mit Sigrun zu treffen. Sie erklärte, ihre Arbeit mit den Medien niederlegen zu wollen. Sie konnte darin keinen Sinn mehr erkennen und warf mir vor, mich nicht an getroffene Vereinbarungen gehalten zu haben. Damit meinte sie meine Wankelmütigkeit, einmal den Medien den Rücken kehren zu wollen, dann aber doch am laufenden Band Interviews zu geben. Für sie war ich schlichtweg unzuverlässig. Ihr Absprung traf mich, ich wollte sie aber nicht umstimmen.

Gegen 11:30 Uhr holte ich Erika und Olivia vom Bahnhof Wr. Neustadt ab, und wir fuhren abermals zur BH, damit auch Erika die geforderte Vereinbarung unterschreiben und eine Kopie davon erhalten konnte.

Ein Interview mit Herrn Puschler verlief eher gezwungen, ging aber auch vorüber.

Für diese Nacht kam ich wieder an die Reihe, mit Olivia ins AKH zu fahren. Im Zug trafen wir meine Mutter, die es sich nicht nehmen ließ, Olivia täglich für ein, zwei Stunden zu besuchen.

Die Nacht überstand Olivia ohne Erbrechen, wachte aber doch einmal, laut über Bauchschmerzen klagend, auf.

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Samstag, 23.12.1995:

Gegen 8:00 Uhr wurden wir munter. Bald darauf kam Hanni mit ihrer Tochter und machte mit Olivia ihre Übungen.
Die Ärzte verspäteten sich mit dem Abschließen der künstlichen Ernährung derart, dass ich schließlich mit Olivia zur U-Bahn laufen musste. Die Bürokratie verlangte sogar noch einen Schrieb, welchen wir uns an einem Schalter im AKH abholen sollten. Aus Zeitmangel übernahm dies Hanni.
Erika und die Kinder holten uns in Winzendorf vom Bahnhof ab, und wir gingen vis-a-vis in ein Restaurant essen.
Danach waren wir so erschöpft, dass wir uns zu einem Mittagsschläfchen niederlegen mussten.

Telefonat mit Frau Dr. Marcovich:
Sie hatte auf den Anrufbeantworter eine Bitte um Rückruf gesprochen. Spontan fragte mich Erika, welcher Zeitung Frau Dr. Marcovich nun ein Interview vermitteln sollte?
Ich musste lächeln, dachte aber, dass sie uns lediglich Weihnachtsgrüße bestellen wollte. Der Rückruf ergab aber beides. Frau Dr. Marcovich erzählte, dass sie beim „orf“ wegen eines Interviews gewesen war. Dieser gestaltete soeben für die Sendung „report“ einen Jahresrückblick und natürlich kam da auch der Fall Olivia vor. Frau Dr. Marcovich erzählte von einem letzten Interview des Herrn Prof. Dr. Urbanek, der uns sehr für unsere Mitarbeit lobte. Ihr Wunsch war es nun, dass auch wir uns zu Wort melden sollten.

Für mich war die Situation soweit klar. Man wollte Olivia in einem Interview präsentieren, um ihren derzeitigen Gesundheitszustand zu zeigen. Frau Dr. Marcovich stellt sich als Katalysator zur Verfügung. Die Frage blieb, ob unser Interview dann auch wirklich ausgestrahlt werden würde.

Noch spät abends erinnerte mich ein metallisches Geräusch von der Straße her an die angekündigte Observierung, und es wurde mir bewusst, dass der österreichische Staat merkwürdig viel Aufwand „zum Wohle des Kindes“ betrieb.

Medien

die zwei - SIE WOLLTE IHR TODKRANKES KIND STERBEN LASSEN. DARF SO EINE FRAU NOCH EIN KIND BEKOMMEN?

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