Sonntag, 10.12.1995:

Gegen 11:00 Uhr kam Olivia mit Veronika in Winzendorf an. Es war ein nebliger Wintertag, deshalb fuhren wir später, als auch Christoph von meiner Schwester Silvia gebracht worden war, auf die Hohe Wand zum Schlittenfahren.
Oben am Berg war prächtigster Sonnenschein, und die Kinder konnten sich im Schnee austoben. Um Olivia kümmerte sich jedes der Kinder liebevoll. Fiel sie im Schnee nieder, waren sofort alle bereit, ihr aufzuhelfen. Meistens fuhr sie aber mit Erika gemeinsam auf einem Rodel.

Olivia beim Schlittenfahren
10.12.1995 Olivia für einige Stunden zu Hause Schlitten fahren in der „Hohen Wand“

AKH:
Ich musste mit Olivia nach Wr. Neustadt fahren, da wir den Zug in Winzendorf um Haaresbreite versäumten. Im Zug nach Wien saßen wir bei zwei Damen, die gar nicht wussten, wohin sie schauen sollten, da sie uns offensichtlich erkannt hatten.
In der Klinik angekommen, machten wir es uns beim Fernseher gemütlich. Olivia bekam Hunger, und wir bestellten eine Pizza. Davon aß sie gleich zwei Stücke fast vollständig auf. Zusätzlich aß sie noch einen ganzen Apfel und ein Stück Aftereight. Die Nacht verlief völlig ruhig.

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Montag, 11.12.1995:

Gegen 8:00 Uhr wurden wir von einem Pfleger, der das Frühstück bringen wollte, geweckt. Olivia war nur schwer wach zu bekommen, denn wir hatten wieder einmal bis 23:00 Uhr ferngesehen. Zum Frühstück wollte sie nichts, das war üblich.
Nach der Schule bekam sie die Chemospritze, und ich drehte mich zum Fenster. Kurz darauf kam die Physiotherapeutin, und wir gingen gemeinsam in den Turnsaal. Olivia musste ihren Gleichgewichtssinn trainieren, indem sie über einen Pfosten und dann über eine Springschnur balancierte. Die Therapeutin kontrollierte auch Olivias Reflexe an den Füßen und war mit dem Ergebnis zufrieden. Hocherfreut war sie, als Olivia ohne fremde Hilfe selbständig vom Boden aus dem Sitzen aufstehen konnte. Dazu musste sich Olivia allerdings auf allen vieren umdrehen, einen Fuß auf den Boden aufsetzen und sich dann mit beiden Händen an dem abgewinkelten Oberschenkel abstützen. Dies waren die Lähmungserscheinungen, welche durch das Chemopräparat Vincristin hervorgerufen wurden. Meine Freude über die sogenannten Fortschritte Olivias hielten sich in Grenzen und waren überhaupt zweigeteilt.

Zur Visite kam Frau Dr. Slavc ins Zimmer, begleitet von einem ganzen Anhang der üblichen Ärzte der Station. Sie fragte Olivia, wie es ihr gestern zu Hause gefallen habe, und zu mir gewandt meinte sie, dass wir diese Regelung nun beibehalten sollten, denn dann könnte die Behörde auch keine Einwände und vor allem keine Befürchtungen äußern.
Es war wirklich verwunderlich, aber sie hielt zu uns. Ich dankte ihr für ihr Vertrauen herzlichst. Sie bestätigte mir nochmals, dass die Chemotherapie nunmehr reduziert werde.

Erika kam mit Elisabeth und Alexander. Auch Mutter kam wieder zu Besuch.

Am Nachmittag lernte ich Helgas Freundin Schupsi kennen. Sie plante für morgen zum Dalai Lama zu fliegen. Wir führten bei einem Kaffee im Restaurant ein einstündiges Gespräch.
Sie erzählte mir vieles, was ich bereits früher erahnt und vor kurzem durch das Buch „Die Prophezeiungen der Celestine“ bestätigt gefunden hatte. Von Olivia nahm sie ein Foto mit.

Mit Alexander und Elisabeth fuhr ich später nach Hause.

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Dienstag, 12.12.1995:

Elisabeth ging nun bereits mit Begeisterung in den Kindergarten. Es zeigte sich wieder der Unterschied zwischen Zwangsausübung auf ein Kind und dessen eigener Bereitschaft gegenüber einer Tätigkeit. Zwingen kann man jedes Kind, die Frage bleibt immer nur, welchen Schaden es davonträgt.

Telefonat mit Erika:
Sie hatte sich mit Richter Zak für kommenden Freitag um 9:00 Uhr einen Termin vereinbart. Er fragte sie, ob sie noch einen Termin mit einem Psychiater ausständig oder ob sie ebenfalls diese Gutachten abgelehnt hatte. Natürlich hatte sie es abgelehnt. Sicherheitshalber nahm ich mir vor, als Zeuge mit ins Gericht zu kommen.

Telefonat mit Frau Dr. Rostovsky:
Dr. Martin Zimper hatte sich an sie gewendet und um ein Interview für den Film gebeten. Sie wollte sich nun mit mir treffen, um über diese Angelegenheit zu sprechen.

Telefonat mit Dr. Martin Zimper:
Für morgen 17:00 Uhr vereinbarten wir einen Termin im Cafe.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Eine Ärztin vom Gesundheitsamt würde sich vielleicht bereit erklären, über Olivia im Sinne der Neuen Medizin ein Gutachten zu erstellen. Sie gab an, wenn sie nicht Neue Medizin praktizieren dürfe, wolle sie den Beruf wechseln.
Eine sehr löbliche Einstellung, vor allem dann, wenn sie konsequent durchgeführt werden sollte.
Würden alle Menschen lediglich Berufe ausüben, zu denen sie wirklich „berufen“ sind, so wäre vieles klarer. Niemand müsste sich für irgendwelche perversen Ziele, des Geldes wegen, missbrauchen lassen. Jeder könnte seinem wirklichen Beruf entsprechende Taten setzen und leisten, welche nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für sämtliche seiner Mitmenschen sinnvoll und wünschenswert wären. Dazu bedarf es aber einer gesunden Portion Selbstvertrauen und Eigenverantwortung.
„Ich tue das, was ich auch verantworten kann“, dies müsste für jeden die Devise sein. Zur Zeit leben wir in einem System, das uns die persönliche Verantwortung abgenommen hat. Leider in sehr vielen Belangen wie Umwelt, Gesundheit, Kindeserziehung, Politik, Landesverteidigung usw.
Wenn ich mir nun einen Job wähle, bei dem ich einen sinnvollen Beitrag z.B. zum Umweltschutz leisten kann, so ziehe nicht nur ich, sondern viele andere ebenfalls daraus einen Nutzen. Vor allem aber unterstütze ich nicht mit meiner Arbeitskraft dieses perverse, lebensunfreundliche System und trage nicht zu dessen Machtvermehrung bei.

Mein nächster Job muss einen Sinn besitzen. Ich will nicht mehr ein einsamer Programmierer in einer Geisterfabrik sein, welche für den einfachen Arbeiter kaum erschwingliche, aber „lebensnotwendige“ Produkte herstellt, nur damit ein paar Superreiche noch reicher werden. Das kann ich nicht mehr verantworten!

Telefonat mit Olivia:
Ich erzählte ihr, dass es bei uns in Maiersdorf fürchterlich viel schneien würde und mindest fünf oder drei oder vielleicht auch zwei Meter Schnee bereits liegen müssten. Sie lachte und meinte, dass es in Wien bereits zu schneien aufgehört habe und sie sich nun für einen Spaziergang bereit machten. Soweit ginge es ihr ganz gut, versicherte sie.
Die Kinder versuchten, im dichten Schneetreiben weiter unten im Garten einen Schneemann zu bauen. Eine Nachbarfreundin half tatkräftig mit. Es begann bereits dunkel zu werden und mit der absoluten Windstille war es eine vorweihnachtliche, ruhige Stimmung.

Treffen mit Ernst bei Sepp:
Ernst erhielt vom Grünbacher Bürgermeister die Erlaubnis, sein altes Haus im Grünland am Fuße der Hohen Wand umzubauen. Nun fragte er nach, ob eventuell Sepp dafür einen Bauplan fertigen könne. Natürlich war Sepp damit einverstanden, zumal er und ich schon seit geraumer Zeit planten, uns in dieser Sparte selbständig zu machen.
Es wurde sehr spät.

Schreiben von Dr. Leibold an das AKH:
Er bat wiederholt um Befunde über / ob Metastasen usw.
Weiters, dass sich Prof. Dr. Urbanek verstärkt dafür einsetzen sollte, dass Olivia bald nur mehr zu Hause sein und wir Eltern unser Sorgerecht zurückerhalten sollten.

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Mittwoch, 13.12.1995:

Erst gegen 11:00 Uhr kam ich aus dem Bett und konnte gerade noch zeitgerecht Elisabeth vom Kindergarten holen. Danach fuhr ich zum Treffen mit Frau Dr. Rostovsky.

Treffen Frau Dr. Rostovsky:
Ich überreichte ihr die Kopie meines Antichemo-Ordners und sie übergab mir die Kopie eines sehr brisanten Buches.
In einem Restaurant besprachen wir uns betreffend des Filmes. Ich riet ihr, einfach bei der Wahrheit zu bleiben, so dass keinerlei Widersprüche auftauchen könnten.
Ihr selbst ging es momentan eher schlecht. Durch den erfolgten Rufmord und das monatelange Berufsverbot hatte sie viele ihrer Patienten verloren und nun musste sie mit der Arbeitslosenunterstützung ihr Auskommen finden.

Telefonat mit „news“, Herr Pohl:
In einem älteren „profil“-Artikel, den ich gestern erst wieder durchgelesen hatte, hatte Herr Pohl gesagt, dass Olivia ohne schulmedizinische Behandlung „verendet“ wäre. Dies nahm ich ihm übel. Ein Tier kann vielleicht verenden, bei einem Menschen muss man schon eine andere Formulierung wählen.
Er unterbreitete den Vorschlag, für kommendes Wochenende bei uns zu Hause einen Weihnachtsbaum mit allem Drumunddran aufzustellen, von Olivia ein paar Fotos zu schießen und für die Ausgabe vor Weihnachten eine schöne Geschichte zu gestalten.
Ich behielt mir vor, darüber noch mit meiner Frau sprechen zu müssen.

AKH:
Erika und meine Mutter waren bei Olivia. Gerade machten sie sich für einen Spaziergang bereit. Im Cafe wartete ich auf Dr. Martin Zimper.

Treffen mit Dr. Martin Zimper:
Er roch den Braten. Wir forderten als weitere Sicherheit zur Vertragseinhaltung seitens „ARENA-Film GesmbH“ eine Woche vor Ausstrahlung die Einsichtnahme des fertigen Filmes. Natürlich zu dem Zwecke, eine einstweilige Verfügung erwirken zu können. Mit diesem Recht könnten wir Druck auf den Produzenten ausüben und sichergehen, dass wir eben nicht verrissen würden.
Nach langem Hin und Her erklärte er sich bereit, diesbezüglich mit Herrn Malmedy zu sprechen.
Betreffend der Aussage des Herrn Schmier erklärte Dr. Martin Zimper, es stimme, dass er mit diesem Herrn gesprochen habe, allerdings sei der Sachverhalt der, dass für die Dreharbeiten innerhalb Österreichs eine Ausschreibung erfolgen solle, bei der Herr Schmier sicherlich mitbieten könne. Herr Schmier soll angeblich erzählt haben, dass bei Inanspruchnahme von Filmförderungen, bis zu ÖS fünf Millionen möglich wären.

Telefonat mit Herrn Sellin, „bild am sonntag“:
Auch er machte den Vorschlag, bei uns zu Hause einen Weihnachtsbaum aufstellen zu wollen. Nach kurzem Überlegen entschied ich, dass er die Geschichte bekommen soll. Grund dafür war sicherlich auch die gerade geführten rechtlichen Auseinandersetzungen mit „kronen“, „kurier“ und „news“, bei denen ich nur profitieren konnte. Sigrun bat ich, ein entsprechendes Fax an Herrn Sellin zu schicken. Wegen „news“ musste ich mir noch etwas einfallen lassen, um sie nicht völlig zu verärgern.

Telefonat mit Frau Taube, „bild“:
Sie wollte Fotos von Olivia im Schnee. Ich erklärte ihr, dass diese Fotos nunmehr Herr Sellin erhalten werde. Sie war natürlich beleidigt.

Erika hatte den Wunsch, mit Maria D. und Helga K. einen gemeinsamen Abend zu verbringen. Also löste ich sie bei Olivia ab.
Die Nacht war schrecklich. Olivia wachte weinend auf und wand sich vor Bauchschmerzen, bis sie endlich erbrechen konnte. Dies geschah etwas später nochmals.

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Donnerstag, 14.12.1995:

Morgens war Olivia etwas bedrückt. Es ging ihr nicht sonderlich gut. Gegen 9:00 Uhr brachte ich sie zur Schule.

Telefonat mit Frau Taube, „bild“:
Sie war sehr zudringlich. Schließlich gab ich nach und für 14:00 Uhr wollte sie einen Fotografen zu uns nach Maiersdorf schicken. Ich veranlasste Erika, auch „täglich alles“ für diesen Termin zu bestellen. Wenn „bild“ diese Fotos erhalten soll, dann sollte auch diese österreichische Tageszeitung welche erhalten.

Gegen 10:30 Uhr machte ich mich mit Olivia auf den Weg nach Hause. Wir nahmen die öffentlichen Verkehrsmittel. Allerdings versäumten wir den gewünschten Zug und mussten auf einen späteren warten.
Im Zug erbrach sich Olivia, es waren aber sofort hilfsbereite Damen da, die mir Taschentücher und ein Plastiksackerl zur Verfügung stellten. Natürlich kannten sie Olivia. Nach dem Erbrechen ging es Olivia wieder besser. Zu Hause erwarteten wir die Fotografen. Mit der Zeit fiel uns dies bereits sehr lästig. Auch Olivia klagte deswegen und setzte gleich selbstbewusst den Fotografen gewisse Schranken. Ich musste darüber lächeln.

Telefonat mit Frau Schanza, „news“:
Ich bot ihr eine Vorweihnachtsgeschichte an, und sie war sofort einverstanden. Wir vereinbarten für kommendes Wochenende auf den Christkindlmarkt zu gehen. Interessant war ihr Angebot für einen „Runden Tisch“, bei dem zwei Herrn vom „orf“, ein Medienwissenschaftler, Frau Dr. Marcovich und ich teilnehmen sollten. Der Termin hierfür war morgen um 15:00 Uhr.

Telefonat mit Herrn Sellin, „bild am sonntag“:
Als ich ihm von der „news“ Story am Christkindlmarkt erzählte, erklärte er, nunmehr seine Weihnachtsstory fallenlassen zu müssen, da die von „news“ veröffentlichten Bilder dann von allen anderen Zeitungen abgekauft werden. Somit sei für ihn die Geschichte uninteressant geworden. Er müsse nun nochmals mit seinem Chef, Herrn Paulsen, sprechen.
Das tat mir für ihn leid, aber allen konnte ich es nicht recht machen.

Gegen 17:00 Uhr fuhr ich mit Olivia wieder in das AKH. Später am Abend kam Helga noch zu Besuch. Ich gab ihr die Kopie meines Antichemo-Ordners. Sie erzählte mir, dass an der Universität ein Professor das Thema „Freie Energie Maschinen“ behandle. Ich war natürlich sofort interessiert, mehr Informationen zu erhalten.

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Freitag, 15.12.1995:

Die Nacht war ruhig verlaufen. Gestern waren wir einmal früher schlafen gegangen. so waren wir beide auch besser ausgeschlafen.

Ultraschall:
Seit der letzten Untersuchung hätte sich nichts verändert, erklärte mir der untersuchende Arzt. Ich machte gute Miene zu bösem Spiel und verhielt mich, wie sich ein braver Vater im Sinne der Schulmediziner eben zu verhalten hatte: ich stellte keine Fragen.

Telefonat mit Erika:
Sie hatte das Gespräch mit dem U-Richter gut überstanden.

Gegen 10:30 Uhr kam meine Mutter, um mit Olivia nach Maiersdorf zu fahren, jedoch fühlte sich Olivia nicht imstande, die Strapazen einer Zugfahrt zu ertragen. Ich war tief betroffen, wollte sie aber nicht überreden. Mutter fuhr unverrichteter Dinge wieder heim. Da ich um 15:00 Uhr einen Termin bei „news“ hatte, musste Erika vorzeitig ins AKH kommen.

Runder Tisch bei „news“:
Teilnehmer: Chefredakteur Herr Schimmer und Frau Schanza von „news“, vom „orf“ Herr Besenböck und der „orf“-Stratege Herr Manola, ein Medienwissenschaftler namens Herr Bauer, Frau Dr. Marcovich und ich.
Das Thema war die Mediengeschichte rund um Olivia. Eine von „news“ organisierte Umfrage ergab, dass in den Rängen der Persönlichkeiten und Thematiken der „Fall Olivia“ jeweils den dritten Platz einnahm.
Ich hatte das Gespräch auf Tonband aufgenommen, jedoch ließ die Qualität zu wünschen übrig. Interessant war, dass Herr Besenböck seinen Job als „zib“- Verantwortlicher, wegen seiner Einstufung, die aktuellen Ereignisse rund um unsere Geschichte als Spitzenmeldungen in den „orf“-Nachrichten zu bringen, verloren hatte und dass der „orf“-Stratege eine absolut feindliche Haltung gegenüber der Alternativmedizin einnahm.
Damit bestätigte er die von Herrn Novak geäußerte Behauptung, der „orf“ hätte bereits im Februar einen „Schlag“ gegen die Alternativmedizin geplant.
Interessant war auch die oftmalige Betonung dieser Herren Meinungsmacher, dass es ja um das Kind ginge, so, als wären sie zu einer Hilfeleistung im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ihrer Standpunkte verpflichtet gewesen.
Allein, mir fehlte der Glaube. Herr Dipl. Ing. Fröhlich hatte unter anderem auch sämtliche Medien über die asbestverseuchten Infusionen und die Verwendung von nicht sterilisierten Implantaten in Wiener Spitälern informiert. Diese verseuchten Infusionen und Implantate wurden auch bei Kindern verwendet, welche nachweislich zu Tode gekommen waren!
Alles nachzulesen in „Der missbrauchte Patient“. Aber genauso wie die österreichische Ärztekammer und wie die österreichischen Politiker, haben auch die österreichischen Medien dieses Thema nicht aufgenommen. Warum nicht? Die vorgebrachten, ach so edlen Motive der Presseleute waren für mich absolut unglaubhaft.
Den Bock schoss schließlich noch Herr Schimmer ab, als er mir nach der Diskussion gegenübertrat und sich dafür entschuldigte, dass „news“ einen immensen Druck auf unsere Familie ausgeübt habe. Warum hatte „news“ das getan? Warum formulierte diese Zeitschrift in einem ihrer „Druck“-Artikel: „Terror des Vaters“? Warum nahm diese Zeitschrift uns gegenüber eine gegnerische Position ein? Waren Mediziner in ihrer Redaktion tätig, die die Neue Medizin des Dr. Hamer in einer Verifikation als falsch erkannt hatten? Vermutlich nicht! Aber selbst wenn, was veranlasste dieses Blatt, derart infame Lügen über einen besorgten Vater zu verbreiten? Mit ihren scheinheilig vorgebrachten, edlen Beweggründen war dies wirklich nicht vereinbar. Erscheinen sollte diese Diskussion im neuen Magazin „tv-media“.

Wieder zurück im AKH, traf ich Ingrid mit ihren Kindern im Zimmer an. Sie hatte Olivia den versprochenen Schaffellschlafsack mitgebracht. Dieser Schlafsack hätte um die ÖS 8.000,- gekostet. Gegen ein Foto von Olivia im Schlafsack für die Erzeugerin war er nur mehr auf ÖS 5.000,- gekommen, und diesen Betrag sammelte Ingrid bei ihren Bekannten ein. Einer ihrer Bekannten, der ebenfalls gespendet hatte, war mein ehemaliger Deutschprofessor der HTL - Maschinenbau, Herr Prof. G. Dieser, so fiel es mir später im Gespräch wieder ein, hatte ebenfalls einen Verlag. Eventuell könnte dies noch von Interesse für mich sein.
Mit Ingrid und ihren Kindern fuhr ich gegen Abend wieder heim. Alexander und Elisabeth waren bei Familie D.. Sie wollten unbedingt bei ihnen nächtigen und kurz besuchte ich sie. um nach dem Rechten zu sehen.

Strafverfahren:
Neuerliche Einvernahme von Erika im Rahmen der Voruntersuchung.

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Samstag, 16.12.1995:

Gleich nach dem Frühstück holte ich die Kinder von der Familie D. ab, und wir fuhren ins AKH. Gegen 14:00 Uhr hatten wir „news“ versprochen, mit den Kindern zum Christkindlmarkt am Rathaus zu gehen, was auch gelang, da Olivia es selbst so wollte. Die Kinder konnten auf Ponys reiten, mit dem Karussell und einem kleinen Zug fahren. Es wurden jede Menge Fotos gemacht. Nach ca. einer Stunde litt Olivia unter der Kälte, und wir fuhren wieder in das AKH.

Telefonat mit Frau Kustermann (Initiative für Elternrechte):
Es war ein sehr langes und ausführliches Gespräch, welches ich auch teilweise aufzeichnete. Der Kern war der gemeinsame Nenner, dass die Eltern über viel mehr Rechte verfügen müssten und wofür es sich zu kämpfen lohne.
Obwohl diese Frau nicht pro Dr. Hamer war, glaube ich trotzdem, in ihr eine wichtige Kampfkameradin gefunden zu haben.

Telefonat mit Dr. Leibold:
Er wurde für kommenden Montag zu einer Zeugenaussage in unserer Angelegenheit von seinem Bezirksgericht vorgeladen. Der Angelpunkt war das uns belastende onkologische Gutachten. Darin wurde auch behauptet, dass wir alles, auch eine primäre Operation abgelehnt hätten. Dies stimmte eigentlich nicht ganz. Damals erwähnte Dr. Mann, dass bei vorhergehender Chemo mit folgender Operation und Fortsetzung der Chemotherapie eine Erfolgschance von 90% bestünde, bei alleiniger Operation lediglich 40%. Das war für uns keine Alternative.
Für die Zeit kurz nach Weihnachten kündigte Dr. Leibold seinen Besuch an.

Vorbereitung für das deutsche Fernsehen:
Es wurde um ein Interview gebeten mit folgenden Fragen:
- Wie geht es Olivia?
Olivia leidet nach wie vor an der spastischen Lähmung an Händen und Füßen, welche sie am normalen Greifen und Gehen hindert. Weiters leidet sie unter sporadisch auftretenden, starken, aber nicht eruierbaren Bauchschmerzen, die sie auch des Nachts oft nicht schlafen lassen. Dies alles sowie Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit und Depressionen sind Begleiterscheinungen der Chemotherapie, die für gerechtfertigt gehalten werden.
Trotzdem ist derzeit ihr herabgesetztes Immunsystem noch stark genug, so dass wir fast täglich mit ihr für Stunden das Krankenhaus verlassen können. Abends müssen wir sie aber wieder in das AKH zurückbringen, da sie über Nacht an eine künstliche Ernährung angeschlossen werden muss.
- Was wünschen Sie sich für Olivia zu Weihnachten?
In erster Linie sicherlich, dass sie Weihnachten im Kreise ihrer Familie verbringen darf und vor allem auch kann. Weiters wünsche ich ihr, dass sie die Therapie überstehen soll, ein langes Leben und eine sorgenfreie Familie haben soll, wie sie es vor dieser Geschichte hatte.
- Darf Olivia über Weihnachten nach Hause?
Dies hängt sicherlich primär von ihrem Gesundheitszustand ab. Sollte sich dieser nicht wesentlich verschlechtern, und wenn die Behörden keine Einsprüche erheben, so steht für Olivia einer Weihnachtsfeier im Kreise ihrer Familie nichts im Wege.
- Was wünscht sich ihre Tochter?
Sicherlich, dass sie über Weihnachten und auch zu ihrem Geburtstag, welcher zu Silvester ist, zu Hause sein kann. Wie jedes andere Kind wünscht sie sich jede Menge Geschenke. Wessen ich mir aber auch sicher bin, ist, dass sich Olivia ein Ende ihres Krankenhausaufenthaltes wünscht.
- Wie soll es jetzt weitergehen?
Das können wir nur wenig mitbestimmen. Wir, die Eltern von Olivia, haben zwei Strafverfahren im Stadium der Voruntersuchung offen. Eines lautet auf Kindesentführung, das andere auf Kindesmisshandlung. Weiters läuft auch noch ein Pflegschaftsverfahren. Das Pflegschaftsgericht hat uns das vollständige Sorgerecht über Olivia aberkannt.
Sowohl meine Frau als auch ich mussten bis heute von einer regelmäßigen Arbeit Abstand nehmen. Unsere derzeitige Situation lässt eine Arbeitsaufnahme einfach nicht zu.
Die Chemotherapie soll bis Ende März fortgesetzt werden, vorerst egal ob Olivia Metastasen hat oder nicht. Seit ihrer Operation am 18. September sind noch immer keine CTs erstellt worden. Wir wissen also nicht, ob andere Organe ebenfalls Krebs aufweisen oder nicht.
Sollten Ende März Metastasen vorhanden sein, dann gnade Gott Olivia! Wir wissen nicht, was der morgige Tag mit sich bringen wird.

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