Kapitel 12

Wieder in Österreich - ein Staat bricht einen Vertrag

Montag, 24.7.95, morgens:

Ankunft Wien Schwechat:
Im Flieger hatte man uns bereits mitgeteilt, dass wir außerhalb am Rollfeld stehenbleiben würden. Den Reportern hatte man eine ganz andere Ankunftsposition auf die Nase gebunden. Dem stehenden Flieger fuhr ein Krankenwagen vor und parkte. Mehrere Polizeiwagen und Motorräder waren in kurzer Zeit aufgefahren. Wir stiegen aus und kletterten in den Krankenwagen.
Ein Herr von der Bezirkshauptmannschaft Wr. Neustadt stellte sich als Dr. Heinz Zimper, Bezirkshauptmannstellvertreter, vor und überreichte mir nochmals das, bereits in Spanien erhaltene Fax der „BH“ Wr. Neustadt. Wir konnten nicht sofort abfahren, da noch Herr Prof. Gadner kommen sollte. Von diesem Treffen war uns zuvor nichts mitgeteilt worden. Schließlich kam er an, und wir bestiegen nochmals den Flieger, um ein Gespräch führen zu können.

Gespräch mit Prof. Gadner, Dr. Heinz Zimper, Dr. Marcovich, Erika und mir:
Frau Dr. Marcovich überreichte Herrn Prof. Gadner die Vereinbarung vom 24.7.95. Prof. Gadner bemerkte dazu, dass er wohl kaum in dieser vereinbarten Form weiter die Verantwortung für Olivia übernehmen könne. Ich lehnte den Vorschlag des Herrn Dr. Heinz Zimper ab, demzufolge Frau Dr. Rostovsky die alleinige Behandlung Olivias übernehmen sollte und bestand darauf, wieder, entsprechend der Vereinbarung, Herrn Dr. Bauml beiziehen zu dürfen.
Prof. Gadner machte einen absolut steifen Eindruck auf mich. Erika erklärte mir gleich, nachdem wir aus dem Flieger geklettert waren, sie wolle nie wieder mit diesem Menschen zu tun haben. Er habe eine absolut negative Ausstrahlung, und sie könne diesem Menschen nie Olivia anvertrauen. Trotzdem kletterte Prof. Gadner anschließend zu Olivia in den Krankenwagen und betastete ihren Bauch. Diesen Mann in der Nähe meiner Tochter empfand ich widerlich.

Ich wusste nicht, was von diesem Gespräch im Flieger zu halten war. Alles schien wieder in Schwebe. Die von Herrn Konsul Esten vorgenommen Rückübertragung des Sorgerechts an Erika war angeblich ungültig.

Ich war heilfroh, als wir endlich aufbrachen und mit der Rettung Richtung Maiersdorf fuhren. Lustig war, dass wir mit Polizeieskorte unterwegs waren. Während der ganzen Geschichte war die Polizei uns normalerweise im Nacken, jetzt machte sie für uns den Weg frei. In einem ziemlich raschen Tempo fuhren wir dahin. Olivia beklagte sich über die Rumpelei, so wurden wir langsamer und mit uns die Polizeieskorte. Das Polizeimotorrad wurde auf der Südautobahn von einem Polizeiwagen abgelöst, dieser in Wr. Neustadt von einem weiteren, den wir allerdings kurz vor Maiersdorf plötzlich verloren. Er fuhr einfach in einer falschen Richtung weiter.

Wir waren wieder daheim. Erika brachte Olivia sofort auf ihr Zimmer. Erst nach ca. einer Stunde trafen die zu erwartenden Reporter ein. Ein Polizeiwagen parkte an unserer Grundstücksgrenze. Aber innerhalb kurzer Zeit war annähernd der selbe Medienrummel, wie in Spanien vor unserem Haus. Wir zählten um die zehn Reporter und fünf Kamerateams. Zuerst hielten wir uns verborgen, schließlich musste ich doch raus zu den wartenden Journalisten. Ob die Polizei dazu da wäre, um eine neuerliche Flucht zu verhindern, wurde ich befragt. Nein, entgegnete ich, sie sollten uns eigentlich vor zudringlichen Journalisten schützen. Doch ganz überzeugt von meiner Äußerung war ich selbst nicht und fragte deshalb die wartenden Polizisten über ihren Auftrag aus. Sie hätten lediglich die Order erhalten, hier zu bleiben. Sollte ich wegfahren, werde ich daran nicht gehindert.

Telefonat mit Dr. Bauml:
Dr. Hamer hatte mir in Malaga versichert, Dr. Bauml würde Olivia in Behandlung nehmen. Jetzt aber dementierte dies Dr. Bauml. Ich war entsetzt und redete so lange auf ihn ein, bis er sich bereit erklärte. Olivia müsste aber auf alle Fälle in ein Krankenhaus, verlangte er. Er machte den Vorschlag, mit dem Tullner Krankenhaus diesbezüglich zu sprechen. Der dortige Primar wäre ein älterer umsichtiger Herr, der kurz vor der Pensionierung stand. Deshalb hätte er keine Ambitionen, sich zu profilieren, hätte aber auch dadurch mit keinen größeren Schwierigkeiten zu rechnen, sollte die Therapie entsprechend der Neuen Medizin fehlschlagen. Weiters wäre es auch möglich, im Krankenzimmer eine Kochgelegenheit für Erika einzurichten. Dies war unserer Meinung unbedingt erforderlich, da Olivia anderes als von ihrer Mutter Gekochtes verschmähen könnte. Ein weiterer Vorteil wäre es, dass der Aufenthaltsort von Olivia geheim gehalten werden konnte, um so vor den Journalisten endlich Ruhe zu bekommen. Dr. Bauml beabsichtigte mit dem Tullner Primar Dr. Vanura diesbezüglich zu verhandeln. Am Abend war ein Treffen bei Frau Dr. Rostovsky anberaumt worden.

Besuch von Gerald:
Aus den Nachrichten hatte er erfahren, dass wir heute aus Spanien zurückkommen würden. Sofort hatte er sich von Kärnten aus auf den Weg gemacht, um uns zu begrüßen. Als er aus dem Wagen stieg, gab ich gerade über dem Gartentor hinweg ein Interview. Gerald hörte diesem zu und war begeistert, wie ruhig ich die Fragen beantwortete.
Später überlegte ich, ob es nicht besser wäre, ebenfalls zu diesem Treffen bei Dr. Rostovsky zu fahren. Gerald war sofort bereit, mich dorthin zu fahren.

18.30 Uhr- 22.30 Uhr. Treffen bei Dr. Rostovsky:
Anwesend waren: Dr. Heinz Zimper, Frau Dr. Marcovich, Frau Dr. Rostovsky, Herr Dr. Bauml, Herr Gerald Kobierski, zwei von Frau Dr. Rostovsky entsprechend der Neuen Medizin beratene und geheilte Patienten und ich.
Es wurde vereinbart, Olivia am nächsten Morgen nach Tulln zu bringen, darauf bestand vor allem auch Dr. Heinz Zimper.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ein Ärztegesetz vorschreibt, dass in öffentlichen Spitälern nur nach der reinen Schulmedizin vorgegangen werden darf. Es war eine der vielen Fallen, in die wir geführt wurden.
Da der Aufenthaltsort vorerst geheim bleiben sollte, wurde besprochen, so früh wie möglich von Maiersdorf aus aufzubrechen. In Tulln würde die weitere Behandlung von Herrn Dr. Bauml und Frau Dr. Rostovsky übernommen werden. Der Tullner Primar hätte sich mit allem einverstanden erklärt, wurde mir versichert. Unter diesen Umständen willigte ich gerne in einen stationären Aufenthalt ein, da mir die Vorteile der dortigen Ruhe und einer ständigen medizinischen Aufsicht von Olivia optimal erschienen.
Nach dem sich alle in diesen Punkten einvernehmlich einigten, verließ Frau Dr. Marcovich das Treffen.
Ich händigte Herrn Dr. Heinz Zimper alle bisher erstellten CTs, sowie den Originalbefund aus Malaga aus, worauf dieser mir versprach, diese CTs nach Begutachtung vollständig zurückzuerstatten. Es wurden von Herrn Dr. Bauml und Frau Dr. Rostovsky die vorhandenen CTs im Beisein des Herrn Dr. Heinz Zimper betrachtet. Von den beiden Ärzten wurde wiederum an hand der ersten CTs, die auch die Befundungsgrundlage des Herrn Prof. Jürgenssen und Herrn Dr. Manns waren, eine bereits schon zu diesem Zeitpunkt deutlich sichtbare Leberschwellung festgestellt. Für Frau Dr. Rostovsky und Herrn Dr. Bauml war anhand der Schädel- CTs der Hamersche Herd im Leberrelais die Sicherheit dafür, dass die Leber von einem Krebsgeschehen betroffen sei. Dr. Heinz Zimper schien beeindruckt und schüttelte auch oft fassungslos den Kopf. Seine Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Chemotherapie zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurde von den beiden Ärzten klar verneint und medizinisch definitiv begründet. Laut Dr. Bauml richtet eine Chemotherapie im Allgemeinen mehr Schaden als Nutzen an.
Aber speziell im Falle Olivias mit ihrem Leberkrebs würde der Einsatz einer Chemotherapie strikt abzulehnen sein.
Für die Weiterbehandlung erachteten die Ärzte eine weitere CT-Serie als sinnvoll.
Zu bemerken gilt noch, dass dieses Treffen von einer äußerst wohlmeinenden Atmosphäre geprägt war und mich mit Optimismus für das Wohl meines Kindes erfüllte.

Nach dem Treffen begleiteten Gerald und ich Dr. Bauml zum Auto. Wir konnten feststellen, dass auch dieser Arzt sehr gläubig war. Ich war über alle Maßen froh, ihn für die Behandlung von Olivia gewonnen zu haben.

Erst spät in der Nacht kamen wir heim. Erika wusste noch nicht, dass wir kommenden Morgen Olivia ins Spital bringen sollten. Da beide bereits schliefen, konnte ich es ihr erst morgens erklären.

Olivia lag bei uns im Ehebett. Ich roch ihre, durch die Tbc verursachte, eigentümliche Körperausdünstung.

Dr. Hamer hatte, nichtsahnend von den einstweiligen Vorgängen in Österreich, eine Presseerklärung in Malaga verfasst.

Presseerklärung:

Am 23.11.95, abends 19:00 Uhr habe ich Frau Dr. Marcovich in Wien angerufen. Im Verlauf der Nacht bis 24.7.95 1:00 Uhr morgens haben wir sechsmal telefoniert, uns abwechselnd angerufen.

Mein Anliegen war: Frau Dr. Marcovich, können Sie nicht eine Garantieerklärung der österreichischen Behörden mitbringen, wenn Sie morgen Mittag nach Malaga kommen, dass niemand die Eltern zwingen wird zu Chemo und stationärem Aufenthalt im Krankenhaus? Wenn Sie das bringen, fährt die ganze Familie freiwillig mit nach Hause. Frau Dr. Marcovich recherchierte und meldete beim nächsten Anruf, dass sie eine solche Garantieerklärung in etwa mitbringen könne. Wir waren beide einig, dass unter dem ungeheuren Druck von Journalisten und Behörden eine für die Heilung von Olivia notwendige Ruhe hier nicht möglich ist.

Darauf vereinbarten wir, die ganze Aktion - unter Einschluss des Herrn Konsuls W. Esten als Blitznacht- und Nebelaktion durchzuführen. Wir, d.h. Frau Dr. Marcovich, die Eltern von Olivia und ich, vereinbarten Stillschweigen, um den zu erwartenden Journalistenpulk abzuhängen: Schon eine Stunde nach unserem letzten Telefonat startete die Luftrettungsmaschine (um 2:00 Uhr) in Wien.

Der Rückflug von Malaga wurde für 5:00 Uhr festgesetzt. Alles klappte reibungslos. Nur der Herr Konsul Esten kam schon „sicherheitshalber“ oder wegen Schlaflosigkeit, um 3:00 Uhr zur Wohnung der Familie Pilhar. Einzig der „Ort“ hatte durch ein „Loch“ in Wien von der bereits angelaufenen Blitzaktion Wind bekommen. Er drehte den Abflug der Familie aus Malaga.

Die einzige Gefahr für Olivia bestand noch darin, dass Herrn Prof. Gadner, der bei der Ankunft der Maschine die Eltern erwartete, diese hätte überreden können zu einem stationären Aufenthalt. Aber die ganze Familie ist inzwischen glücklich - eskortiert von 10 Polizeimännern zu Hause gelandet.

Dr. Hamer

Medien

kronen zeitung - VERSTECKSPIEL UM OLIVIA IN SPANIEN
kurier - OLIVIA: ELTERN LENKEN EIN
salzburger nachrichten - KOMMUNIKATION FÜR ÄRZTE
standard - MALAGA, EIN HEIßES PFLASTER FÜR REPORTER UND DIE FAMILIE PILHAR
täglich alles - OLIVIAS ELTERN SCHREIBEN OFFENEN BRIEF AN KLESTIL!

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Dienstag, 25.7.1995:

Erika war natürlich sehr erstaunt, Olivia nun doch in ein Spital bringen zu müssen und konnte es gar nicht fassen. In Kürze versuchte ich ihr alle Zusagen der Ärzte zu vermitteln, und ich beschwor sie, Dr. Bauml zu vertrauen. Die Zeit drängte, denn der erste Journalist war bereits im Wagen vorgefahren. Ich ging zu ihm, und wollte ihn veranlassen, wegzufahren. Als er erkannte, dass er zu keinem Interview oder Foto kommen sollte, wurde er stur und blieb einfach im Auto sitzen. Ich holte meinen Fotoapparat und knipste zur Abwechslung ihn. Er wurde nervös und fing an zu schimpfen, blieb aber. So kamen wir nicht weiter. Schließlich kam ich auf die Idee, die Großeltern zu Hilfe zu rufen. Jeweils einer sollte sich vor und einer hinter dem Wagen des Journalisten aufstellen, so dass er nicht wegfahren konnte. Derweil würden wir in Geralds Auto mit Olivia aus der Garage wegfahren. Der Plan funktionierte besser, als wir dachten. Die Großeltern verwickelten den Journalisten in ein Gespräch und dieser bemerkte gar nicht, dass wir uns in seinem Rücken aus dem Staub machten.

Wieder wurde Olivia transportiert. Sie war so unsagbar arm, nicht in Ruhe gelassen zu werden. Das Gehen war ihr oft eine Qual.

Jetzt, so hofften wir, würde sie endlich eine Bleibe finden, die all das bieten konnte, was anderen Patienten der Neuen Medizin bisher verwehrt worden war, - eine ständige ärztliche Kontrolle.

Telefonat mit Dr. Leibold:
Erika hatte mir bereits erzählt, dass dieser Arzt keine Mühen gescheut und Olivia gestern spätabends einen Besuch abgestattet hatte. Somit hatte er einen Eindruck über Olivias Befinden gewinnen können. In diesem Gespräch entsetzte er mich jedoch gewaltig. Er sprach, als stünde Olivias Tod unmittelbar bevor. Meiner Bitte, Olivia öfters in Tulln zu besuchen, wollte er auf alle Fälle nachkommen.

Überstellung von Olivia ins Kinderkrankenhaus Tulln.
Wie gestern mit Herrn Dr. Bauml besprochen, suchten wir den Hintereingang des Krankenhauses, damit ein unnötiges Aufsehen vermieden werden konnte. Wir wurden bereits erwartet, ein Zimmer war vorbereitet worden. Es hatte fließendes Wasser, ein eigenes WC, zwei Betten, eine Balkontür auf die Rückseite des Hauses, nur keine Kochgelegenheit. Ein kleines Kochgerät würde man noch besorgen, teilte man uns mit.
Ein junger Arzt, der im Krankenzimmer die Aufnahmeformalitäten erledigte, versicherte mir abermals, dass nichts gegen unseren Willen unternommen werde und dass ausschließlich Primar Dr. Vanura und Dr. Bauml für die weitere Behandlung Olivias zuständig wären. Nachdem Olivia und Erika untergebracht waren, verließ ich mit Gerald das Krankenhaus wieder durch den Hintereingang.

Ich brauchte meinen Wagen wieder. Dieser stand aber noch bei Gerald in der Scheune. Er hatte ihn schließlich doch noch auf Drängen der verängstigten Familie Pfennig holen müssen. So machten wir uns auf den Weg nach Kärnten. Spät abends waren wir am Hof angekommen.

Medien

kronen zeitung - WUNDERHEILER HAT AUSGESPIELT
kurier - OLIVIA HEIMGEKEHRT: ALLE HOFFEN AUF RETTUNG
salzburger nachrichten - OLIVIA PILHAR: ELTERN UND ÄRZTE BERATEN GEMEINSAM
standard - PSYCHISCHE ATEMPAUSE FÜR OLIVIA PILHAR
täglich alles - ICH GEBE OLIVIA SICHER NICHT IN EIN SPITAL

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Mittwoch, 26.7.1995:

Eigentlich hatte ich vor, bei Gerald zu übernachten, doch plötzlich überfielen mich fürchterliche Vorahnungen. Was war, wenn insgeheim geplant worden war, Olivia auf keinen Fall nach der Neuen Medizin gesund werden zu lassen? Dr. Hamer hatte mir bereits von seinem Verdacht erzählt, dass vermutlich einige seiner Patienten kurzerhand z.B. mit Morphium umgebracht worden seien. Möglichkeiten hätte so ein Krankenhaus genügend. Eine Möglichkeit wäre über die Nahrung. Über Infusionen brauchten wir uns keine Kopfzerbrechen machen, diese würden ja nach der Neuen Medizin nicht erforderlich sein. Das gleiche galt für die Medikamente. Sollte das wirklich geplant sein und in Erwägung musste ich es nun ziehen, so könnte ich es folgendermaßen vereiteln. Wir müssten das Krankenhausessen verschwinden lassen, ohne dass dies bemerkt werden sollte. Das beste Essen für einen Krebskranken wäre sowieso Dinkelbrei, frisches Obst und Gemüse. Der Aufwand, dies zuzubereiten wäre nicht so groß

Ich fand keine Ruhe mehr. Gerald versorgte mich mit Dinkelgetreide, Obst, Gemüse, Säften und ein paar Milchprodukten vom Bauern, und ich brach sogleich auf. Zuerst fuhr ich nach Maiersdorf und räumte die überschüssigen Lebensmittel in den Vorratskeller. Anschließend fuhr ich zu Frau Dr. Rostovsky und besprach mit ihr meine Bedenken. Es war bereits früh am Morgen, als ich zu einem nächsten Termin eilte.

Gestern rief mich eine mysteriöse, aber anscheinend gut meinende Person an und erzählte mir von ihren geistigen Kräften, aber auch von möglichen Druckmitteln, die sie gegenüber gewissen, in der Öffentlichkeit stehenden Personen besitzen sollte. Mit dieser Frau Schor traf ich mich gegen 7:00 Uhr. Ihr Erscheinungsbild erinnerte mich an einen buddhistischen Mönch. Wir führten ein längeres Gespräch, und schließlich überredete sie mich, zu einem ihr bekannten Arzt mitzugehen, um diesen zu bitten, Olivia zu behandeln. Ihrer Überzeugung nach sollte dieser Arzt mutig und absolut korrekt vorgehen und wäre ein absolut fähiger Mediziner. Dieses Gespräch war aber mehr als enttäuschend. Als er meinen Namen erfuhr, war er sofort zugeknöpft. Wieso hatte ich mich auch überreden lassen, hierher zu kommen? Eigentlich sollte ich ja am schnellsten Weg zu Olivia fahren, stattdessen ließ ich mich hier unnötig aufhalten. Leicht verärgert über diesen Reinfall und über die an den Arzt zu bezahlenden 300 ÖS gingen wir wieder.
Frau Schor wollte unbedingt mit nach Tulln. Während der Fahrt erzählte sie, dass selbst Altbundeskanzler Kreisky wegen Nierenproblemen eine ausländische Klinik den österreichischen Kliniken vorgezogen hatte.

Als ich endlich in Tulln angekommen war, traf mich fast der Schlag! Überall waren Reporter, der Balkon zu Olivias Zimmer war mit Polizeimännern flankiert, die Balkontür war versperrt und durch das Fenster sah ich, dass Olivia an einer Infusion hing. Ich eilte über den Haupteingang, die Hintertür war verschlossen, in Olivias Zimmer und fand Erika völlig verstört vor. Was war passiert? Verunsichert erzählte Erika, dass Olivia während der Nacht schmerzstillende Medikamente verabreicht wurden und nun wegen ihrer körperlichen schwachen Verfassung an eine künstliche Ernährung angeschlossen worden war. Olivia hatte wieder wie im St. Anna- Kinderspital ein Ventil an der rechten Hand. Verantwortlich für diese Maßnahmen war Primar Dr. Vanura. Er hatte auch veranlasst, dass Fenster und Türen zum Krankenzimmer versperrt gehalten wurden. Wie in einer Gefängniszelle musste Erika, wenn sie das Zimmer verlassen wollte, rufen, dass ihr eine Schwester die Zimmertür aufsperrte. Herr Dr. Bauml hätte zu allem lediglich mit gesenktem Kopf zugestimmt.

Ich erkannte die Tragweite meines Fehlers, Olivia hierher zu bringen. Ich war außer mir. Wieso kann man uns nur so grausam hintergehen? Ich selbst hatte Erika noch eindringlich geraten, Dr. Bauml uneingeschränkt zu vertrauen. Wie hätte ich damit rechnen sollen, dass Dr. Bauml selbst wieder, wie vor zwei Jahren, unter den Druck der Schulmediziner geraten und somit unser entgegengebrachtes Vertrauen derart missbraucht werden könnte? Nach der Neuen Medizin wurde hier nicht vorgegangen, das war eindeutig. Ich suchte Primar Dr. Vanura und stellte ihn zur Rede.
Für mich war nichts von einem umsichtigen Arzt an ihm zu erkennen. Im Gegenteil. Er erklärte, er sei der verantwortliche Leiter und lasse sich von niemandem, auch nicht von Dr. Bauml oder Frau Dr. Rostovsky in seine Behandlung dreinreden. Olivia wäre unterernährt und hätte Schmerzen. Deshalb seine Maßnahmen. Außerdem hätte sie zuwenig rote Blutkörperchen, so dass eine Bluttransfusion vorbereitet werde. Und wann er mit der Chemo beginnen würde, wollte ich wissen? Dies könne er nicht ausschließen. Ich hätte kein Sorgerecht mehr und könne also auch nicht mitentscheiden.

Ohnmächtig vor Zorn und Enttäuschung rief ich Dr. Heinz Zimper an. Dieser erklärte mir auf ähnliche Weise, wie Primar Dr. Vanura, dass ich absolut nichts mehr mitzubestimmen habe. Ich brach in Tränen aus und musste mich im Garten auf die Wiese setzen, damit ich nicht umkippte.
Ich war wie gelähmt. Man hatte uns von Spanien mit Versprechungen und schriftlichen Zusagen nach Österreich gelockt. Man hatte mich überzeugt, Olivia nach Tulln zu bringen. In gutem Glauben habe ich Olivia selbst ins Tullner Spital gefahren! Und jetzt machten sie trotzdem die Therapie, vor der wir so große Angst hatten und der zu entgehen wir all diese Strapazen auf uns genommen hatten!

Olivia durfte nicht nach den Regeln der Neuen Medizin gesund werden! Das hätte die schulmedizinische Onkologie kurzerhand widerlegt! Dies durfte die Schulmedizin nicht zulassen!

Dr. Bauml traf in Tulln ein und versuchte, mit mir zu sprechen. Wir gingen auf den, wieder aufgesperrten Balkon hinaus, damit Olivia von unserem Gespräch nichts mitbekommen konnte. Da mich meine Füße nicht mehr tragen wollten, verbrachte ich die meiste Zeit während des Gespräches in der Hocke, an der Mauer lehnend.
Die erstellten CTs vom Vormittag hätten ergeben, dass die rechte Niere völlig zerfressen sei. Er erzählte von Heilungsvorgängen bei Patienten, die einfach zu stark waren, so dass der Patient schließlich an dieser Heilung starb. Auch bei Olivia sei ein derartig überschießender Heilungsprozess gegeben, und jetzt würde auch er für die Chemotherapie eintreten. Auch Dr. Hamer, so behauptete er weiters, würde unter bestimmten Umständen einer schulmedizinischen Bestrahlung zustimmen.
Ich war noch immer in Tränen aufgelöst, ganz langsam aber fing ich wieder an, klarer zu denken. Dr. Bauml hatte vor zwei Jahren Schlimmes durchmachen müssen, als er der Universität in Wien 120 von ihm überprüfte Fälle vorlegte und um Bestätigung der Neuen Medizin bat. Seine Kinder wurden anonym mit dem Tod bedroht. Er selbst wurde durch die Presse diffamiert, so dass er schließlich für Monate erkrankte. Dr. Bauml hatte oftmals in Zertifikaten die Richtigkeit der Neuen Medizin bestätigt und mich in Telefonaten von der brutalen Vorgehensweise dieser Mächtigen gewarnt. Erika sagte mir zuvor, er sei stumm mit hängendem Kopf bei Primar Dr. Vanuras Anweisungen dabeigestanden.

Die Niere sollte zerfressen sein? Mit einer zerfressenen Niere könnten doch die Harnwerte, die wir täglich dreimal mit Papierindikatoren kontrollierten, nicht in Ordnung gewesen sein! Sie waren es aber! Dr. Hamer soll für Radiobestrahlung sein? Niemals, da war ich mir hundertprozentig sicher. Dr. Bauml trat jetzt für die Chemo ein? Gestern noch hatte er diese ganz entschieden abgelehnt. Langsam fasste ich diese Ungeheuerlichkeit. Dr. Bauml stand derart unter Druck, dass er mich belügen musste. Er musste, entgegen seiner persönlichen Überzeugung, falsche ärztliche Ratschläge erteilen.

Ich wurde völlig ruhig und erklärte Dr. Bauml, dass ich ihm nicht mehr glaube. Als ich ihm meine Schlussfolgerungen unterbreitete, schüttelte er den Kopf und ging. Ich war Dr. Bauml nicht böse, wir sind es auch heute nicht. Wir verstanden seine Zwangslage.
Ihn hatten wir seit damals zwischenzeitlich nicht mehr gesehen. Allgemein wurde später erzählt, er wäre ein gebrochener Mann.

Ich hatte wieder ein Ziel, für das ich kämpfen musste. Wir mussten das Spital verlassen, unbedingt. Zurück im Zimmer, veranlasste ich den diensthabenden Arzt, sofort alles von Olivia zu entfernen. Es gab eine fürchterliche Aufregung unter den Ärzten, aber selbst Primar Dr. Vanura konnte unserem Willen vorerst nichts entgegensetzen. Händeringend kämpfte er mit Tränen.

Keiner der Ärzte nahm in dieser Auseinandersetzung ein Blatt vor den Mund, um Olivia nach Möglichkeit zu schonen. Primar Vanura erklärte vor ihr brutal seine Ahnung, sollten wir nicht seinen Rat und seine Therapie befolgen.

So nicht! So durfte man mit uns nicht verfahren. Man hatte uns schriftlich zugesichert, dass nichts gegen unseren Willen mit Olivia geschehe. Ein Konsul, ein Vertreter des österreichischen Staates, hatte uns dies zugesichert!
Wir wollten aus diesem Spital wieder raus. Es würde sich schon ein Weg finden, Olivia auch zu Hause unter medizinische Aufsicht zu stellen. Wir hatten die Zusage der Diplomkrankenschwester Hildegard, Olivia zu betreuen und mit dem Rat und mehrmaligen persönlichen Besuchen von Dr. Hamer würden wir es schon schaffen. In einem Telefonat sagte mir Dr. Hamer zu. Vorwurfsvoll fragte er mich, wie es nur möglich war, dass ich diesen Leuten Glauben schenken und Olivia freiwillig in das Spital bringen konnte.

Über das Zentrum für Neue Medizin in Burgau ließen wir folgende Presseerklärung versenden:

PRESSEERKLÄRUNG:

Wir, Erika und Helmut Pilhar, vertrauen Dr. Hamer hundertprozentig. Dr. Hamer ist einverstanden die Behandlung unserer Tochter Olivia in vollem Umfang zu übernehmen. Wir sind nicht einverstanden, Olivia mit Chemotherapie und Bestrahlung behandeln zu lassen. Ebenfalls darf Olivia zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht operiert werden. Wir fordern die von der österreichischen Behörde mehrmals schriftlich zugesicherte volle Mitsprache und Entscheidungsfreiheit, damit nichts ohne unsere Einwilligung geschieht. Wir sind bereit, die volle Verantwortung zu übernehmen. Ich, Helmut Pilhar, bin auch bereit, für die freie Wahl der Therapie ins Gefängnis zu gehen.

Dr. Zimper war ebenfalls in Tulln angekommen. Er nahm mich beiseite und wir führten ein Gespräch unter vier Augen. Was ich machen würde, wenn trotzdem Olivia die Chemo gegeben werden sollte, wollte er wissen. Man müsste mich einsperren, entgegnete ich siegessicher, denn ich würde ein Fenster einschlagen um zu meinem Kind zu kommen, und ich würde wie zuvor die Ärzte zwingen, damit aufzuhören.
Dieser, von mir ausgesprochene Satz, sollte mich für lange Zeit von meiner Tochter trennen. Dieser Satz war Grund dafür, dass man mich später im AKH nicht zu meinem Kind gelassen hatte. Man unterstellte mir, ich sei gewalttätig und könnte meinem Kind ein Leid zufügen.

Zwischenzeitlich waren Frau Dr. Marcovich und Frau Dr. Rostovsky eingetroffen. Sämtliche Ärzte und Dr. Heinz Zimper zogen sich zu einer Beratung zurück. Das Ergebnis war folgender Vorschlag: Frau Dr. Rostovsky würde die Behandlung von Olivia bei uns zu Hause übernehmen, wenn ein Chirurg sich bereit erklären könnte, diesen Tumor ohne Chemo zu operieren. Als Chirurg war Dr. Geißler geplant. Von ihm hieß es, dass er am ehesten dafür in Frage käme. Sollte er aber ebenfalls für Chemo plädieren, müssten wir einwilligen. Frau Dr. Marcovich, Frau Dr. Rostovsky, also jene Ärztinnen, denen wir noch am meisten trauten, waren für diesen Vorschlag. Ich vermutete, dass dieser Chirurg durch unseren unbeugsamen Willen, den nun sämtliche Ärzte und Behörden respektieren mussten, gezwungen war, seine Einwilligung in unserem Sinne zu leisten. Wahrscheinlich war er der Form halber nötig, um eine Behandlung der nur praktischen Ärztin, Frau Dr. Rostovsky, rechtlich abzudecken. Vielleicht aber war er auch ein solcher Chirurg, wie z.B. Prof. Klippel aus C., der Wilmstumoren ab einer gewissen, mechanisch nicht hinderlichen Größe, gar nicht mehr operierte.

Meine ganze Hoffnung setzte ich auf diesen Chirurgen. Es dauerte aber noch eine Weile, bis er kommen konnte.

Es wurde Abend. Der Reporterandrang war enorm. Ich wunderte mich, wie die Presse von Olivias Aufenthaltsort erfahren konnte? Auch dies konnte ich später von einem Reporter einer lokalen Zeitung erfahren und, rekonstruiert, musste sich folgendes zugetragen haben: Dr. Bauml war am vergangenen Montag persönlich in Tulln, um die Lage abzuklären. Ein ansässiger Arzt dürfte Wind davon bekommen haben, dass Olivia hierher verlegt werden sollte. Dieser Arzt hatte einen guten Freund bei der Tageszeitung „kurier“ und dieser befreundete Redakteur veröffentlichte diese Neuigkeit in der Mittwochausgabe, welche bekanntlich bereits am Vorabend zu kaufen ist. Der „orf“ sendete diese Neuigkeit über Olivias Verlegung bereits um 7:00 Uhr Mittwoch morgens im Radio.
Am Montag hatten wir bei dem Treffen bei Frau Dr. Rostovsky Stillschweigen über den Aufenthaltsort von Olivia vereinbart. Dienstagabend bzw. Mittwochmorgen wusste bereits ganz Österreich, wohin Olivia verlegt worden war.

Ein Arzt namens Dr. Langer drängte sich zu mir. Er war uns nach Spanien gefolgt, allerdings just am Montag, also an dem Tag, an dem wir nach Österreich zurückkehrten. Dort hatte man ihn ausgeraubt, so dass ihm ein großer Schaden entstanden war. Sein Motiv war, dieser unerträglichen Situation ein Ende zu bereiten und uns als alternative Therapie das Krebsmittel „Ukrain“ anzubieten. Davon hielt ich aber absolut gar nichts und argwöhnte, dass uns dieser Arzt für seine Zwecke gebrauchen wollte. Allerdings nahm ich sein Angebot, mir einen Rechtsanwalt verschaffen zu können, an.
Relativ schnell waren sogar gleich zwei Konsulenten dieser empfohlenen Rechtsanwaltskanzlei Wegrostek am Ort des Geschehens. Ich brachte sie mit Dr. Heinz Zimper zusammen und gemeinsam besprachen wir die derzeitige Situation. Noch immer warteten wir auf den angekündigten Chirurgen. Dr. Zimper erklärte den Verteidigern, dass bei weiterer Nichtzustimmung zur Chemo, Olivia ohne Beisein der Eltern zwangstherapiert werden sollte.

Diese Aussage erschreckte mich, ich hoffte zwar noch immer auf diesen Chirurgen, aber wenn Olivia therapiert werden sollte, dann durfte man uns doch nicht von Olivia trennen. Ich wandte ein, dass wenn der Chirurg Dr. Geißler die Chemo erforderlich halten würde, wir dann zustimmen werden.

Dr. Zimper reagierte für mich recht überraschend. Er sah mich an, stand von seinem Platz auf, nahm meinen Kopf in seine Hände und meinte, dass er sich unendlich über meine jetzige Vernunft freue, wenn ich es auch wirklich ernst meinte. Was blieb mir auch anderes übrig? Sollte ich Olivia für Wochen oder Monate alleine in einer Klinik therapieren lassen, ohne ihre Mutter, ohne ihre Eltern? Das würde Olivia und wir nicht ertragen. Dr. Zimper entschuldigte sich und ging tief bewegt vom Tisch. Ich ging ihm nach und sah, dass er geweint hatte. In diesem Moment tat er mir sogar leid. Er war sicher davon überzeugt, dass nur die Chemotherapie Olivia retten könnte.

Endlich kam der Chirurg. Frau Dr. Rostovsky raunte mir nochmals zu, auf alle Fälle zuzustimmen, wenn Dr. Geißler die Chemo als erforderlich betrachtet. Es war bereits vor Mitternacht. Ich hatte seit Dienstag Morgen kein Auge zugetan und war auch emotional kurz vor einem Zusammenbruch.

23.00 Uhr Bewertung der letzten CTs aus Stockerau:
Teilnehmer: Dr. Vanura, Dr. Geißler, Dr. Heinz Zimper, Frau Dr. Rostovsky, Mag. Miklautz und ich.
Es wurde von Dr. Heinz Zimper ein Tonbandprotokoll erstellt. Dr. Vanura erläuterte die CTs und stellte fest, dass Olivia verwunderlicher Weise, sehr gute Nierenwerte hatte und auch die rechte Niere trotz Tumor nicht beschädigt sei.
Ich hatte also richtig geraten. Dr. Bauml hatte mich belogen.
Weiters seien keine weiteren Metastasen erkennbar. Der Tumor selbst hatte angeblich bereits ein Volumen von 4,6 Liter erreicht.
Dr. Geißler verlangte die Chemotherapie. Dr. Zimper sprach auf sein Diktiergerät, dass sich der Vater einverstanden erklärt hätte. Ich nickte und geistig verabschiedete ich mich von Olivia und überreichte sie den Ärzten.

Ich war leer. Erika schloss mich in ihre Arme und gegenseitig versuchten wir uns einzureden, dass doch noch alles gut werden könnte, dass Olivia vielleicht auch so keine Chance gehabt hätte.

Es war zum Verzweifeln. Es wurde mir ein drittes Bett ins Zimmer gebracht.

Olivia, Helmut und Dr. Hamer
So war’s in Malaga
Zeichnung von Olivia
Zeichnung Olivias vom 26.07.1995 ins Tagebuch ihres Vaters

Bezirkshauptmannschaft, Tonbandprotokoll:
Es wurde von Dr. Heinz Zimper in Beisein von Primar Vanura, Dr. Geißler, Mag Miklautz, Dr. Rostovsky, Dr. Marcovich und mir aufgenommen. Es wurden die letzten CTs von Olivia betrachtet und festgestellt, dass sie frei von Metastasen sei. Vor allem Lunge und Gehirn wurden als metastasenfrei erklärt. Über die Leber wurde nichts erwähnt.
Meine Zustimmung zur Chemotherapie wurde so ausgelegt, dass ich nunmehr einsah, dass dies die einzige Hoffnung für Olivia sei. Innerhalb der nächsten 48 Stunden sollte mit der Therapie begonnen werden. Zwischenzeitlich wäre die Eingabe lebensrettender Medikamente notwendig.

Ich sah niemals in der Chemotherapie eine Chance für Olivia, vielmehr willigte ich ein, damit man uns nicht von unserer Tochter zwangsweise fernhielt. Ich wollte lediglich eine Zwangstherapie ohne unser Beisein verhindern!

Medien

ganze woche - DR. GEERD HAMER. KREBSHEILER ODER MÖRDER?
kronen zeitung - VATER VERWEIGERT CHEMOTHERAPIE: ÄRZTE IN GRÖßTER SORGE UM OLIVIA
Presse - ANZEIGE GEGEN WUNDERHEILER HAMER“, "BOX- STATT DER SAMTHANDSCHUHE"
salzburger nachrichten - DER KREBS, DAS KIND UND DIE KURPFUSCHEREI, OLIVIA SOLL NICHT LÄNGER DRUCK AUSGESETZT SEIN
täglich alles - WELCHE RECHTE HABEN OLIVIAS ELTERN?
standard - DIE MÜHSAL DEN EIGENEN GLAUBEN ZU PRAKTIZIEREN. HELMUT GADENER, CHEF DES ST. ANNA-KINDERSPITALS
kurier - ZUSAMMENBRUCH: OLIVIA INS SPITAL EINGELIEFERT

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Donnerstag, 27.7.1995:

Am Vormittag kam Frau Dr. Marcovich zu uns ins Zimmer. Jetzt hätte die Meute ihr Opfer und nun werde wohl endlich Ruhe einkehren, bemerkte sie.
Warum wurde mit uns so umgegangen? Warum zwingt man uns? Meine Gedanken waren gelähmt. Ich fand keine Antwort. Warum nur hatten wir zugestimmt? Ich fuhr nach Hause.

Großvater sagte, dass man gegen diese Übermacht keine Chance hätte.

Olivias Therapie würde innerhalb der nächsten zwei Tage beginnen. Ärzte und Behörden hatten erreicht, was sie wollten. Nach deren Formulierung waren wir Eltern schließlich doch noch „vernünftig“ geworden. Für Olivia allerdings würde eine Tortur nicht absehbaren Ausmaßes beginnen.

Wofür hatten wir eigentlich gekämpft? Wie oft vermutete ich mich bereits vor meinem Ziel, Olivia doch noch nach der Neuen Medizin therapieren zu dürfen? Waren die bisherigen Strapazen alle umsonst? Hätten wir gleich zugestimmt, wäre uns allen vieles erspart geblieben.
Was war richtig? Was würde ich tun, wenn mir freie Wahlmöglichkeit gestattet sein würde? Ich würde Olivia laut Dr. Hamer behandeln lassen. Aber warum hatte ich jetzt zugestimmt? Weil wir sonst von unserem Kind getrennt werden sollten und Olivia dann diese Strapazen wohl kaum überleben könnte. Wir wurden erpresst! Es war unfassbar, was von uns verlangt wurde.
Wir hatten zugestimmt. Jetzt würde man sagen: „Endlich sind die Eltern zu Vernunft gekommen!“ Was würde geschehen, wenn Olivia diese Therapie nicht überlebt? Man würde sagen: „Liebe Eltern, Sie sind mit Ihrem Kind leider zu spät gekommen!“
Wir hatten zugestimmt. Olivia kann aber diese Therapie nicht überleben, wir spürten es, und wir wussten es von Ärzten. Wenn man schon unser Kind umbringen wollte, dann aber ohne unsere Zustimmung. Es war ein Fehler, unsere Zustimmung zu erteilen. Wenn sie Olivia unbedingt die Chemo geben wollen, dann müssen sie auch die Verantwortung tragen und sie nicht auf uns abwälzen.
Wir konnten keine Verantwortung für die Chemo übernehmen!

Ich wusste weder ein noch aus. Was sollte ich tun? Meine Gedanken rotierten. Wenn man Olivia tötet, so würde ich mich umbringen, dachte ich im ohnmächtigen Zorn. Ich würde in den Hungerstreik treten. Aber warum eigentlich nicht gleich? Natürlich, das wäre wirkungsvoller! Dann läge es wieder an den Behörden und Ärzten, den nächsten Zug zu setzen. Ich nutzte unseren Vorteil, in den Medien präsent zu sein. Ich wusste, dass dies eine Schlagzeile geben musste. In einem Telefonat teilte ich Erika meine nächsten Schritte mit. Ich hatte eine wirklich tapfere Frau und entschlossene Mutter für unsere Kinder. Zusammen waren wir auch gegen diese Übermacht stark.
Innerhalb von einer Stunde hatte ich einer Tageszeitung und dem „orf“ meinen Entschluss mitgeteilt. „Da Olivia die Chemo gegeben werden soll, trete ich hiermit sofort in den Hungerstreik!“

Eigentlich hatte ich seit dem Rückflug aus Spanien fast nichts gegessen, und die Strapazen der vergangenen zwei Wochen hatten mich bereits deutlich Gewicht verlieren lassen. Meine Hosen flatterten bereits um die Oberschenkel. Ich war wild entschlossen, meinen Plan durchzuführen.

Offener Brief des Vaters von Olivia Pilhar an den Bundespräsidenten
Thomas Klestil:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!

Meine Familie und ich, vor allem aber unser krebskrankes Kind Olivia wurde von den Behörden offen durch halb Europa gejagt. Der wahre Grund hierfür ist nicht der Entzug des Sorgerechts und nicht unsere angebliche Sorglosigkeit unserer Tochter gegenüber, sondern einzig und allein unser „NEIN“ zur Chemotherapie und unser Wunsch, nach Dr. Hamer Olivias Krankheit zu therapieren.

Uns wird unterstellt, einem Scharlatan aufgesessen zu sein. Die Gesetze werden angeblich geändert, um endlich Dr. Hamers Neue Medizin offiziell verbieten zu können. Das alles, ohne einen einzigen wissenschaftlichen Beweis gegen seine Thesen antreten zu können. Ich habe gestern meine Einwilligung zur chemotherapeutischen Behandlung gegeben.

Den Grund hierfür möchte ich kurz umreißen:
Uns wurde versprochen, wenn wir zurück nach Österreich kämen, würde nichts gegen unseren Willen an unserer Tochter vorgenommen, und sie würde auch nur stationär untersucht werden.
Die Situation in Malaga war fatal, von Ruhe für meine Tochter war nicht zu sprechen. Also willigten wir ein.
In Österreich angekommen, quartierten wir Olivia zu Hause ein. Wir wurden jedoch von Reportern und Kamerateams regelrecht belagert. Am Abend des selben Tages fand eine Besprechung zwischen Frau Dr. Rostovsky, Frau Dr. Marcovich, Herr Dr. Heinz Zimper, Herr Dr. Bauml und mir unter Zeugen statt. Es wurde vereinbart, Olivia wegen der ständigen Belagerung von Journalisten in das Tullner Kinderspital unter Aufsicht von Dr. Bauml und Frau Dr. Rostovsky zu stellen. Ich willigte wiederum ein. Nächsten Tag brachten wir Olivia in die Klinik. Gestern, 26.7.95 kam es zum Eklat. Als ich in das Spital kam, war Olivia an einer Infusion. Das war eindeutig gegen die Abmachungen. Ich veranlasste sofort deren Entfernung. Unsere beiden Vertrauensärzte Dr. Bauml und Dr. Rostovsky standen meiner Meinung nach wieder unter Druck von schulmedizinischer Seite. Sie verstießen gegen die Regel der Neuen Medizin. Warum, können Sie im öffentlichen Bekennen von Frau Dr. Rostovsky nachlesen, in dem sie die weitere Behandlung von Olivia ablehnte.
Diese Schlagzeilen gingen durch die Medien.
Es wurde uns ein weiteres Angebot unterbreitet. Dr. Rostovsky übernimmt wiederum die Behandlung von Olivia unter der Voraussetzung, einen Chirurgen zu bekommen, der diesen Tumor ohne Chemotherapie operiert. Das gelang jedoch nicht. Olivias Tumor an der Niere ist noch nicht ganz fest (induriert). Er hat jedoch schon ein Volumen von 4,6 Liter. In diesem Zustand der Halbflüssigkeit wird nach der Neuen Medizin ein weiteres Wachstum erwartet. Nach der Neuen Medizin kann der Tumor aber erst im festen Zustand operiert werden. Ein weiteres Wachstum des Tumors birgt jedoch die Gefahr von Organquetschungen jeglicher Art. Eine ständige ärztliche Kontrolle nach den Regeln der Neuen Medizin wäre daher für Olivia unumgänglich. Nur, hierfür gibt es kein Krankenhaus. Wir in Österreich besitzen kein Krankenhaus für humane, menschenwürdige und wirklich effektive Krebstherapie nach der Neuen Medizin.
Das Recht, Olivia auf unser eigenes Risiko mit nach Hause zu nehmen, haben wir nicht, da wir kein Sorgerecht besitzen.
So lange sich Olivia in unseren Händen befand, konnte sie gefahrlos gesunden, obwohl ihr von verschiedenen Seiten oft der baldige Tod prophezeit wurde.
Ich willigte in die Chemotherapie ein, weil keine Alternative von Gesetz aus offen stand. Ich willigte in den baldigen „Chemotherapeutischen“ Tod meiner Tochter ein, weil ich sonst keinen Ausweg mehr sah. Für eine nochmalige Flucht sind wir zu müde. Olivia bräuchte ärztliche Kontrolle.

Nun habe ich mich zum letzten Schritt im Kampf um das Leben meiner Tochter Olivia entschlossen. Ich trete hiermit in den Hungerstreik. Wir verweigern jede Art der Chemotherapie und fordern für unsere Tochter eine Therapie entsprechend der Neuen Medizin unter Leitung des Dr. Hamer.

Hochachtungsvoll...

Ich machte mich wiederum auf den Weg nach Tulln. Dr. Langer, der ab nun kaum mehr von unserer Seite wich, erklärte, dass er uns voll verstehe und auch, soweit er könne, unterstützen werde. Sollte ich in Hungerstreik treten, so wollte auch er damit beginnen. Von seinem Krebsmittel „Ukrain“ nahm er Abstand, da er erkannte, dass wir nichts von einem Zytostatikum hielten.

Dr. Vanura erklärte via Fernsehen, dass eine Zwangstherapie ohne Beisein der Eltern undurchführbar sei und zum Tod des Kindes führen würde.

Ich erfuhr von einem handschriftlichen Schreiben des Herrn Dr. Heinz Zimper, in dem festgehalten wurde, dass Olivia keiner zwangsweisen Chemotherapie ausgesetzt werden kann. Unterzeichnet von:
Dr. Heinz Zimper, Dr. Rostovsky, Dr. Marcovich, Primar Dr. Vanura.

Gespräch mit Dr. Heinz Zimper in einem nahegelegenen Gasthof:
Im Verlaufe des Gespräches erklärte ich Herrn Dr. Heinz Zimper gegenüber, dass eine Chemotherapie ohne Beisein der Eltern die Erfolgschancen derart minimieren würde, dass kaum ein Kind diese überleben könnte. Dessen wären sich die Ärzte bewusst. Würden wir doch noch zu einer Chemotherapie unserer Tochter gezwungen, hatten wir bereits in Erwägung gezogen, das Kind den Ärzten alleine zu überlassen, damit die Ärzte die Undurchführbarkeit einer Zwangsbehandlung ohne die Eltern einsähen. Mit dem vorherigen Interview von Primar Vanura wäre somit eine Entfernung des Kindes von der Mutter mit Mord gleichzusetzen und die ganze Bevölkerung würde davon wissen.
Ich hatte großes Vertrauen gegenüber Dr. Heinz Zimper, denn ich spürte den Menschen im Beamten und dieser Mensch zeigte Mitgefühl und Verständnis. Im Gegensatz zum Vormittag fühlte ich mich jetzt als Sieger. Es schien, als hätte ich erreicht, was ich wollte. Vielleicht aus diesem Grunde gestand ich Dr. Heinz Zimper weiters, dass die vorherigen Überlegungen, Olivia alleine zu lassen, Erika niemals übers Herz bringen könnte.
Dr. Zimper meinte, wenn Dr. Hamer nach Tulln kommen würde und ihm persönlich versichere, dass er das Leben von Olivia retten könnte, würde er uns Olivia in unsere Obsorge zurückgeben. Die einzige Bedingung wäre, dass ich dies nicht der Presse mitteilen dürfe. Ich akzeptierte dies sofort und war überglücklich eine solche Lösung angeboten zu bekommen. Es zeigte mir auch deutlich, wie sehr sich Dr. Heinz Zimper um Olivia sorgte.

Frau Dr. Marcovich und Frau Dr. Rostovsky waren über die derzeitige Entwicklung höchst zufrieden. Beide ließen deutlich erkennen, dass sie die zuvor erteilte Zustimmung zur Chemo nicht aus Überzeugung tätigten und sich jetzt freuten, dass die große, mächtige Schulmedizin gegen den Willen von entschlossenen Eltern, nur mehr kleinbeigeben konnte.
Ich hatte wieder meine Ruhe gefunden und beobachtete gelassen das hektische Treiben der Reporter und Ärzte.

Bezirkshauptmannschaft, Besprechungsergebnis:
Es wurde unser Widerruf zur Einwilligung in die Chemotherapie festgehalten und auch unsere Standpunkte dargelegt. Auch wurden die Stellungnahmen der Ärzte Primar Dr. Vanura, Dr. Rostovsky und Dr. Marcovich erläutert, die alle einhellig eine Zwangstherapierung ablehnten.

Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Schreiben an die Bezirkshauptmannschaft:
Zur Frage der Bezirkshauptmannschaft, wie sich eine von Zwangsmaßnahmen begleitende Trennung des Kindes von der Mutter aus psychologischer Sicht auswirken würde, nahm Dr. Neumayer, klinischer und Gesundheitspsychologe, Leiter des Psychologischen Dienstes der Jugendwohlfahrt folgendermaßen Stellung:

„ ... Aus psychologischer Sicht können die Chancen nur dann positiv gesehen werden, wenn die Beziehung zwischen Kind und Mutter förderlich genutzt wird. Eine, noch dazu gewaltsame, Trennung wäre aus psychologischer Sicht nicht zu verantworten und geradezu kontraproduktiv anzusehen.“

Trotz dieser eindeutigen Aussage sollte Olivia mit Gewalt ihrer Mutter entrissen werden.

Medien

kurier - DRAMATISCHE KRAFTPROBE DER ÄRZTE MIT OLIVIAS VATER, OLIVIA KAM UM 70 TAGE ZU SPÄT
neue post - ELTERN VERSTECKTEN IHRE TODKRANKE TOCHTER, WEIL SIE DEM 'WUNDERDOKTOR' VERTRAUTEN
news - DER STREIT UM OLIVIA, DIE NATION LEIDET MIT DEM KIND
presse - HELMUT PILHAR BEREUT WEG INS SPITAL, ÄRZTE FÜRCHTEN UM DAS LEBEN OLIVIAS
täglich alles - ZWANGS-CHEMOTHERAPIE FÜR DIE KLEINE OLIVIA
weltspiegel - KREBSTHERAPIE FÜR OLIVIA

 



Freitag, 28.7.1995:

Am Vormittag war plötzlich Dr. Heinz Zimper wie ausgewechselt. Er mied mich. Was lief jetzt schon wieder? In einem Telefonat mit Frau Dr. Marcovich bestätigte auch sie Dr. Heinz Zimpers plötzliche Reserviertheit ihr gegenüber. Es war etwas im Busch. Aber was? Erschrocken war ich, als erzählt wurde, Richter Masizek sei in Tulln anwesend.

Olivia lag die meiste Zeit im Bett. Wir versuchten, sie jede volle Stunde zu einem kleinen Spaziergang im Zimmer zu bewegen, um die Blutzirkulation aufrecht zu erhalten. Sie atmete flach und jede Änderung ihrer Position verursachte ihr Schmerzen. Sie aß, trank und hatte regelmäßigen Stuhlgang. In der Nacht konnte sie ohne Probleme schlafen. Olivia reagierte mit untröstlichem Weinen, wenn die Mutter sie auch nur für Minuten verlassen musste. Ihre Nähe aber beruhigte sie sofort. Oft fragte sie nach ihren Geschwistern.

Am Nachmittag ging der Zirkus von Neuem los.

Vernehmung von Erika:
Erika wurde von Herrn Dr. Heinz Zimper aus dem Krankenzimmer abgeholt. Den Einwand von mir, zuvor einen Rechtsbeistand rufen zu wollen, oder mit Erika mitgehen zu dürfen, wurde von Herrn Zimper abgelehnt. Erika musste in das Zimmer des Richters Masizek. Ich wurde nervös und befürchtete, dass meine Frau unter psychischem Druck zu einer Unterschrift gezwungen werden sollte. Deshalb rief ich ihr laut durch die bewachte Tür zu, nichts ohne Rechtsbeistand zu unterschreiben. Ich wurde von einem Wachbeamten von der Tür abgedrängt. Diese Szene wurde auch im „orf“ ausgestrahlt, natürlich aber völlig falsch erklärt. Nach der Vernehmung erklärte mir Erika, Richter Masizek hätte ihr den Vorschlag unterbreitet, ein Ärztekomitee aus drei Ärzten ihrer Wahl und drei Ärzten der Schulmedizin einzuberufen. Sollten die drei Ärzte der Schulmedizin einstimmig die Chemotherapie beschließen, müsste dann Erika einwilligen. Diese Vereinbarung sollte sie mit ihrer Unterschrift besiegeln, was sie aber mit der Begründung verweigerte, sich erst mit mir absprechen zu wollen.
Die Absicht war klar erkennbar. Die Schulmediziner würden auf alle Fälle für die Chemo sein und die Meinung der Ärzte der Neuen Medizin würden sie schon entsprechend lenken können.

Meine Vernehmung:
Kurze Zeit später wurde ich von Herrn Dr. Heinz Zimper abgeholt. Richter Masizek erklärte mir, er werde ein Ärztekomitee einberufen, das die voraussichtliche Heilungschance des Kindes bei einer Therapie ohne Beisein der Eltern bewerten solle. Würde dieses Komitee zum Schluss kommen, es bestünden 50%, so wird die Zwangstherapie durchgeführt, bestünden lediglich 10%, so würde der Richter uns das Kind in unsere Obsorge zurückgeben mit der Auflage, dem Kind vom Hausarzt homöopathische, schmerzstillende Mittel verabreichen zu lassen. Diese 10% würde sich der Richter nicht wünschen, da er wüsste, er überlasse uns dann das Kind zum Sterben.
Mir wurde erst jetzt der Obsorgeentzug und die Rekursentscheidung30 in zweifacher Ausfertigung übergeben, die ich mit meiner Unterschrift bestätigte.

Welche Chance gibt die Schulmedizin einem Kind, das eine Nierenzyste, ein Sammelrohrkarzinom, einen Leberkrebs und Knochenkrebs an einem Lendenwirbel hat?
Alle Krebse, außer dem Wilmstumor, wurden verleugnet!

Abends:
Ich erhielt von Dr. Hamer die Verständigung, dass sich folgende Spitäler bereit erklären würden, Olivia in ihre Behandlung aufzunehmen:
Univ. Klinik Barcelona unter Prof. Rius
Univ. Klinik Heidelberg unter Prof. Stehler
Univ. Klinik Madrid unter Prof. Fernandez

Ich klärte unverzüglich die Möglichkeit eines Transportes mit der „Österreichischen Flugambulanz“ nach Barcelona. Herr Kristovics-Binder sowie Frau Dr. Marcovich erklärten sich bereit, neuerlich den Transport von Olivia zu begleiten.

Als ich diese Neuigkeiten Erika mitteilen wollte, traf ich das angekündigte Ärztekomitee im Krankenzimmer bei Olivia an. Der ganze Raum war von einer unheilvollen Schwingung erfüllt. Prof. Gadner, Patientenanwalt Prof. Pickl, Dr. Stacher und wie sie alle hießen, standen am Fußende von Olivias Krankenbett. Olivia betrachtete sie still, aber argwöhnisch. Auf Fragen antwortete sie keinem. Sie hatte Angst vor dieser „ehrenwerten“ Gesellschaft.

Auf die Frage des Herrn Prof. Gadner, ob Olivia wenig esse, las Erika die von Olivia verzehrten Speisen dieses Tages vor. Diese Menge hätte auch mich sättigen können. Ein Kind, das normal aß, normalen Stuhlgang hatte, das wollte ihnen nicht in ihren Kram passen. Olivia sei fürchterlich abgemagert, stellten sie fest. Das stimmte auch, es war auch bei einem Krebspatienten in der Heilung normal. Solange er aber normal essen konnte, bestand auch keine weitere Gefahr einer körperlichen Auszehrung. Im Gegensatz dazu sehen schulmedizinisch Therapierte nicht anders aus, können aber aufgrund der Chemotherapie nicht mehr essen.

Ich erklärte, das Angebot aus Barcelona annehmen zu wollen. Das Ärztekomitee nahm meine Aussage stillschweigend zur Kenntnis und zog sich für mehrere Stunden zurück.

Wir empfanden es als spürbare Erleichterung, als sie das Zimmer verlassen hatten. Eine nobel gekleidete Gattin eines der Herren, blieb noch etwas bei Erika, um mit ihr zu sprechen. Erika versuchte immer wieder in Erfahrung zu bringen, warum die Schulmediziner nicht endlich die Neue Medizin überprüfen wollten. So viele Ärzte hätten die Richtigkeit bereits bestätigt und Patienten nachweislich auf humanem Weg helfen können. Warum nur diese Borniertheit?

Ich war fix und fertig und ahnte Böses. Gegen meine Gewohnheit, und um mir Ablenkung zu verschaffen, stellte ich mich zu dem Pflegepersonal und sah mir die 22:00 Uhr Nachrichten an. Es war sofort erkennbar, dass jetzt und hier in Tulln eine für uns negative Entscheidung getroffen werden sollte. Herr Dr. Heinz Zimper war in dieser Sendung als nicht entscheidungsfreudig hingestellt worden.

Abschrift der „Zib 2“ („orf“) vom 28. Juli 1995, 22:00 Uhr:

Sprecher:
„Gast im Studio Minister Bartenstein zum Fall Olivia Pilhar. Durch die Sendung führt Ingrid Turnher.“

Ingrid Turnher:
„Guten Abend meine Damen und Herren, willkommen zur „Zib 2“ heute am Freitag, wie immer ... ist vom Landesgericht Wiener Neustadt ein Haftbefehl erlassen worden. Als Begründung wurde der Verdacht des Quälens oder Vernachlässigens unmündiger oder wehrloser Personen genannt. Hamer hat unterdessen seine Theorien in einer Telefonsendung von Radio Steiermark erneut verteidigt. Olivia Pilhar dürfe erst operiert werden, wenn die Nierenzyste, so Hamer, reif sei. Eine Chemotherapie sei hingegen völlig sinnlos, sagt er. Und genau dieser Theorie vertrauen auch die Eltern von Olivia weiterhin, obwohl der Tumor im Bauch des Mädchens schon mehr als vier Liter Volumen erreicht hat. Der gesetzliche Vormund, der stellvertretende Bezirkshauptmann von Wiener Neustadt, Zimper steht jetzt zunehmend unter Entscheidungsdruck.“

Sprecher:
„Heute um 13:30 Uhr ist Heinz Zimper nicht nur als stellvertretender Bezirkshauptmann, sondern auch als Vormund von Olivia auf den Weg ins Krankenhaus Tulln. Noch einmal will er versuchen, die Eltern von Olivia von der Notwendigkeit einer Chemotherapie zu überzeugen.“

Interviewer: Werden Sie jetzt auch wieder versuchen Druck zu machen?
Dr. Heinz Zimper: Man muss berücksichtigen, dass es sich hierbei im Mittelpunkt um ein krankes Kind handelt, ein krankes Kind, das eigentlich die Eltern braucht.
Interviewer: Eine ganze Nation steht eigentlich da, schaut zu, muss zuschauen. Gibt es da keine rechtlichen Möglichkeiten, gibt es überhaupt nichts?
Dr. Heinz Zimper: Rechtsmöglichkeiten gibt es - nur menschliche Aspekte beschränken sicher die Rechtsmöglichkeit.
Interviewer: Aber der rechtliche Aspekt muss doch der sein, dass Sie im Augenblick immer noch der Vormund sind, und wenn das Kind ja irgendwie stirbt, was wir ja nicht hoffen wollen, die Eltern dann sagen können, wir können ja gar nicht dafür verantwortlich gemacht werden, weil wir waren ja gar nicht Vormund.
Dr. Heinz Zimper: Dass die Rechtssituation uns mit dem Pflegschaftsbereich betraut hat, ist ein Faktum, das wollen wir auch auf alle Fälle unterstreichen und hoffen noch immer, dass wir mit den Eltern einen Weg finden werden.
Interviewer: Aber Sie werden nicht dafür sein, dass es eine Zwangsbehandlung gibt?
Dr. Heinz Zimper: Dazu möchte ich jetzt keine Stellungnahme abgeben.

Sprecher:
„Verhandelt wird von Heinz Zimper und einem Richter aus Wiener Neustadt, sowie Primar Hans Vanura hinter dieser Tür. Vorerst nicht dabei, Olivias Vater. Als Helmut Pilhar mitverhandeln will, wird er unsanft vor die Tür befördert. Und schließlich von einem Gendarmeriebeamten in Zivil daran gehindert, den Verhandlungsraum zu betreten. Später darf Vater Pilhar dann doch teilnehmen. Bis 17 Uhr wird verhandelt, das Ergebnis ist dürftig.“

Primar H. Vanura: Die Verhandlungen wurden zur Befragung weiterer Spezialisten unterbrochen. Wir werden in den nächsten Tagen darüber entscheiden, was zu geschehen hat.
Interviewer: Was für Spezialisten? Dr. Hamer, wird er auch zugezogen oder wie schaut das aus?
Primar H. Vanura: Da kann ich nur lächeln darüber.

 

Dr. Heinz Zimper: Zwangsmaßnahmen sollen wirklich nur der letztmögliche Weg sein.
Interviewer: Aber der bleibt immer noch offen?
Dr. Heinz Zimper: Er bleibt noch offen, selbstverständlich.

Frau Turnher:
„Jene Behandlungsmethode, die die Pilhars für ihre Tochter Olivia so vehement ablehnen, die Chemotherapie also, gilt nach aktuellem Stand der Schulmedizin als eine der erfolgreichsten Behandlungsmethoden gegen Krebs. Viele andere Möglichkeiten gibt es nämlich nicht. Mangelnde Erkenntnisse über die Effekte und über sichtbare Nebenwirkungen, wie z. B. vorübergehender Haarausfall lösen begreiflicherweise Ängste aus, und da müssen die Ärzte mithelfen, ein Vertrauensverhältnis zum Patienten aufzubauen.“

Sprecherin:
„Bei der Chemotherapie werden vorwiegend synthetisch hergestellte Substanzen, sogenannte Zytostatika, verwendet. Es geht darum, wuchernde Zellen zu zerstören oder deren Wachstum zu hemmen, gleichzeitig aber keine gesunden Zellen anzugreifen. Moderne Zytostatika wirken hauptsächlich auf Zellen, die sich schnell teilen. Zellen im Ruhezustand bleiben weitgehend verschont. Deshalb ist Chemotherapie vor allem bei rasch wachsenden Tumoren besonders wirksam. Weil Krebszellen aber auch vorübergehend ruhen, muss die Chemotherapie in 4-6 wöchigen Abständen solange wiederholt werden, bis der Tumor zur Gänze zerstört ist. In vielen Fällen wird die Chemotherapie kurz vor oder unmittelbar nach Operationen zur Absicherung des Erfolges eingesetzt. Zahlreiche Patienten verdanken der Chemotherapie ihr Leben, wobei die Erfolgsquote bei Kindern deutlich höher ist als bei den häufigsten Krebserkrankungen der Erwachsenen.“

Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski:
„Die sind sicher viel schwieriger zu behandeln als die kindlichen Tumoren, die einfach in ihrem Therapieansprechen viel optimistischer noch einzuschätzen sind als die des Erwachsenen. Ganz im Gegenteil, wir würden uns in der Erwachsenenmedizin sehr häufig das gute Ansprechen wünschen, das bei kindlichen Tumoren häufig beobachtet wird.“

Sprecherin:
„Unbestritten ist, dass die Chemotherapie nicht bei allen Patienten gleichermaßen wirkt. In diesem Fall wird diese schmerzlose Therapie abgesetzt. Die gezielte Wirkung auf Zellen mit hohen Wachstumsraten lösen allerdings auch die gefürchteten Nebenwirkungen auf das Blutbild und die Magenschleimhaut aus.“

Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski:
„Sie wissen, dass sehr viele Dinge erst ins Bewusstsein der Bevölkerung übergehen, wenn sie schon sehr lang praktiziert werden. In dem Fall ist das sicher der Grund, dass Übelkeit eines der größten Probleme der Chemotherapie gewesen ist. Wir haben aber neue Medikamente, die die Übelkeit zu 90% nehmen können, so dass man fast dem Patienten mit einer großen Sicherheit sagen kann: Es wird Ihnen nicht schlecht werden oder wenn, dann werden Sie vielleicht einen flauen Magen haben oder Appetitlosigkeit, aber das große Erbrechen wird nicht eintreten.“

Sprecherin:
„Auch gegen die Blutarmut gibt es bereits wirksame Medikamente. Nur gegen den Haarausfall gibt es noch kein Mittel. Da Haare rasch nachwachsen, leiden sie oft sichtbar unter der Chemotherapie. Allerdings wachsen sie nach Abschluss der Behandlung meist schneller und dichter nach als zuvor.“

Frau Turnher: Seit eines von seinen eigenen Kindern vor vielen Jahren eine Krebserkrankung überstanden hat, ist er selbst sehr engagiert. Martin Bartenstein, jetzt Umweltminister ist auch Präsident der Kinderkrebshilfe und ich begrüße ihn nun in unserem Studio in Graz. Schönen guten Abend.
Dr. Martin Bartenstein: Guten Abend, Frau Turnher nach Wien.
Frau Turnher: Herr Dr. Bartenstein, verstehen Sie als ehemals auch Betroffener und aus Ihrer Erfahrung heraus mit der Kinderkrebshilfe das, was die Eltern von Olivia Pilhar jetzt tun.
Dr. Martin Bartenstein: Nein, das ist jetzt längst nicht mehr verständlich. Wer weiß, dass gerade die Chemotherapie, gerade bei Krebs im Kindesalter zu 70% also zu mehr als 2/3 diese Kinder wirklich heilen kann, versteht diese Vorgangsweise der Eltern der kleinen Olivia schon längst nicht mehr.
Frau Turnher: Jetzt liegt doch eigentlich die Vormundschaft für Olivia bei den Behördenvertretern und damit auch irgendwie beim Staat. Ist es nicht in höchstem Maß unverantwortlich, das frage ich Sie jetzt auch als Regierungsmitglied, dass da der Staat seine Verantwortung einfach nicht wahrnimmt.
Dr. Martin Bartenstein: Nun, wir wissen, dass die Situation eine dramatische ist und dass es in einigen Tagen unter Umständen schon zu spät sein kann, mit der Therapie zu beginnen und deswegen spreche ich mich klar dafür aus, die kleine Olivia einer Chemotherapie zuzuführen, und wäre ich der Vormund der kleinen Olivia, dann würde ich da auch nicht eine Minute zögern.
Frau Turnher: Ärzte warnen davor, die Chemotherapie zwangsweise durchzuführen, weil sie sagen, wenn das Kind seinen Eltern entrissen wird, dann kommt es in einen seelischen Konflikt, der sehr schwer zu bewältigen ist, und man kann einen Menschen sozusagen nicht gegen seinen Willen heilen. Können Sie über so etwas aus Ihrer Erfahrung auch mit Ihrem eigenen krebskranken Kind etwas sagen?
Dr. Martin Bartenstein: Nun, ich glaube man muss hier klar unterscheiden zwischen dem Willen der Eltern, dem Willen dieses Sektenführers, dieses Herrn Hamer, und dem Willen, den die kleine Olivia hat, und ich kann nur sagen, es wurde vorhin im Beitrag gesagt, Olivia braucht ihre Eltern, das zweifellos auch, aber ich glaube es ist jetzt der Zustand eingetreten, wo Olivia die Ärzte, die Schulmedizin und damit die Chemotherapie noch viel dringender braucht und man daher Olivia mit oder ohne Zustimmung ihrer Eltern oder des Vormunds jetzt der Chemotherapie zuführen sollte, weil, wie gesagt, in einigen Tagen kann das zu spät sein, und das wäre eine unendlich traurige Angelegenheit.
Frau Turnher: Die Entscheidung liegt jetzt in der Hand des stellvertretenden Bezirkhauptmannes von Wiener Neustadt Zimper, er tut sich offensichtlich schwer mit einer Entscheidung, möglicherweise auch unter dem großen öffentlichen Druck, unter dem er steht. Wäre es nicht an der Zeit, dass ihm vielleicht der zuständige Minister, Justizminister Michalek, einmal unter die Arme greift bei dieser Entscheidung?
Dr. Martin Bartenstein: Wenn das der Entscheidung des Herrn Dr. Zimper helfen könnte, zweifellos. Ich darf betonen, dass Kinder, die auch jetzt ohne Besuch der Eltern und wo sich vielleicht nur eine Großmutter drum kümmert - und das hab' ich alles schon erlebt in den letzten Jahren - therapiert werden, aufgrund des großartigen Einsatzes der Ärzte, aber auch der Schwestern, die sich in besonders rührender Weise auf den kinderonkologischen Abteilungen um die kleinen Patienten kümmern - und das auch monatelang - dass es der kleinen Olivia dort vermutlich recht gut ginge und wirklich zuvorderst jetzt das Ziel stehen sollte, rasch mit der Therapie zu beginnen, weil das, was sich in den letzten Tagen hier abgespielt hat, das ist in der Sicht eines Mitarbeiters der Kinderkrebshilfe, der viele hundert Fälle in den letzten Jahren irgendwo gesehen hat, nicht mehr verständlich, das ist unendlich schade und traurig.
Frau Turnher: Herr Dr. Bartenstein, Sie haben vorher im Zusammenhang mit Ryke Geerd Hamer von einem Sektenführer gesprochen. Haben Sie irgendwelche Hinweise darauf, dass Hamer tatsächlich einer Sekte angehört?
Dr. Martin Bartenstein: Nein. Das, was man liest und hört und das, was einem auch viele Ärzte sagen, das deutet darauf hin, und ich scheue mich auch nicht zu sagen, dass ich meine, dass solchen Leuten das Handwerk gelegt gehört. Vor allem dann, wenn sich in deren Umfeld - und gewissermaßen auch fast fatalen Einflussbereich - solche Tragödien abspielen, wie diejenige der kleinen Olivia.
Frau Turnher: Herr Dr. Bartenstein, ich bedanke mich sehr herzlich, dass Sie bei uns zu Gast gewesen sind und - schönen guten Abend nach Graz.
Dr. Martin Bartenstein: Danke Frau Turnher.

Herr Dr. Martin Bartenstein, Umweltminister, war bis April '95 Geschäftsführer folgender Pharmaunternehmen, die er nachfolgend für die Zeit seines Ministeramtes durch eine Vermögensverwaltungsgesellschaft verwalten lässt:
Der „Bartenstein Ges.m.b.H.“, der „Pharmavit Ges.m.b.H.“, der „Genericon Pharma Ges.m.b.H.“, sowie der „Lannacher Heilmittel Ges.m.b.H.“ Letztere Firma stellt z.B. ein spezielles Chemopräparat gegen Wilmstumoren mit dem Namen „Doxorubizin“ her.
In einem Interview mit der Jungen ÖVP im Jahre 1992 erklärte er, die Pharmaindustrie sei ein wichtiger Industriezweig, welcher für sein Einkommen sorge...
Man bedenke, solch ein Mann ist Präsident der österreichischen Kinderkrebshilfe und des Vereins „Hilfe für Krebskranke Kinder“, Graz! Zu diesem Zeitpunkt war mir dieser Umstand aber nicht bekannt.

Wir waren tief betroffen von der überraschenden Wende. Mehrere Männer mit Rang und Namen waren in diesem Ärztekomitee vertreten:
Dr. Stacher, ehemaliger Gesundheitsstadtrat und nach dem Buch „Die legale Mafia“ von Karl Steinhauser31, Freimaurer.
Dr. Pickl, Patientenanwalt.
Prof. Gadner, Leiter des St. Anna-Kinderspitals.
Dr. Lechner, Abteilung Hämatologie.
Dr. Ludwig, Präsident des Österreichischen Forums gegen Krebs.

Was würden sie ausbrüten?

23.30 Uhr:
Herr Dr. Heinz Zimper weckte Erika und zwang sie, sich alleine bei dem Ärztekomitee einzufinden. Wieder half keiner meiner Einwände. Würde sie nicht mitkommen, so Dr. Heinz Zimper, würde sich dadurch ihre Lage nur verschlimmern. Ich blieb bei Olivia bis auch ich um 0.30 Uhr geholt wurde. Das Kind musste alleine bleiben, bis Erika später wieder kam.

Bezirksgericht, Übertragung des Schallträgerprotokolles:
Darin wurde festgehalten, dass sich Erika weigern würde, bei einer Chemotherapeutischen Behandlung von Olivia tätig mitzuhelfen, da sie der Meinung war, dass diese Behandlung unweigerlich zum Tod führen würde.
Primar Dr. Vanura erklärt, dass das Kind aufgrund der Chemotherapie überwiegend nur äußerliche Merkmale aufweisen würde, Schmerzen selbst würden durch die Chemotherapie beim Kind nicht vorkommen. ... Gestern wurde die Möglichkeit einer Zwangstherapie durchdiskutiert. Es wurde festgehalten, dass eine Zwangsbehandlung in Gegenwart der Eltern überhaupt nicht durchführbar ist. Bei der Trennung des Kindes von der Mutter wäre mit schweren Verhaltungsstörungen beim Kind zu rechnen ... und dadurch der Behandlungserfolg eingegrenzt oder beschränkt. Dr. Gardner gibt an, dass er eine Behandlung auch ohne Beisein der Mutter für durchaus möglich und durchführbar erachte, ... allerdings nicht in Tulln, sondern im AKH...
Laut Protokoll gebe ich an, dass ich nicht bei einer Chemotherapie mitwirken werde, sehr wohl aber bei einer Therapie laut der Neuen Medizin.

Dr. Gardner meint weiters, dass eine 100%-ige Aussage nicht zu treffen sei, dass sich der Tumor exponentiell vergrößern werde, wobei jetzt bereits kein Platz mehr für Lunge usw. vorhanden sei, dass eine ausschließlich orale Ernährung des Kindes eine Illusion der Eltern sei, die Nieren aber laut vorliegenden Befunden noch ausreichend funktionieren. ... Die mütterliche Präsenz ist auch ein Faktor der Beruhigung. Sie ist aber nur dann von dieser eminent wichtigen Funktion, wenn sie ... im Einklang mit dem, was die Ärzte tun, ist. Die Folgen einer solchen nichtsynchronen Vorgangsweise auf den Heilungsprozess ist nicht leicht in Prozenten zu fassen. ... Die Nachteile einer solchen Vorgangsweise ausgedrückt in Verlust an Prozenten einer möglichen Heilung sind schwer zu artikulieren, aber dürften sicher nicht den Ausschlag geben, um von einer als wirksamen Behandlung angesehenen Vorgangsweise Abstand zu nehmen.

Die oben genannten Herren Doktoren wurden ad hoc als Sachverständige beeidigt, und es wurde ihnen die psychologische SteIlungsnahme des Dr. Neumayer zur Kenntnis gebracht. Die sachverständigen Universitätsprofessoren Dr. Lechner, Dr. Ludwig, Dr. Stacher sowie Dr. Pickl erstatten nach Befundaufnahme und Einsichtnahme in die vorliegenden Untersuchungsergebnisse nachstehendes wissenschaftlich begründetes Gutachten:

... Der Tumor hat von einer initialen Größe von 320 ml bei DiagnosesteIlung im Mai nunmehr ein Ausmaß von 4200 ml erreicht und verdrängt sämtliche intraabdomellen Organe, die Leber ist nach rechts verrutscht, die linke Niere sitzt in normaler Position und die rechte Niere zeigt immer noch gute Funktionsleistung in der Kontrastdarstellung. Der Tumor selbst ist als Ganzes eiförmig, noch in seinen Strukturen präsent mit einzelnen nekrotischen Aufweichungen, einzelnen Hinweisen für intratumorale Blutungsereignisse und zeigt eine Umschreibung mit einer Kapsel ...
... keinerlei Hinweise für eine Sekundärmetastasierung.
... Ohne Behandlung ist mit verschiedenen Komplikationen, wie z.B. Einblutung, Rupturierung, Gefäßkompression, Infektionskomplikationen und Metastasierung des Tumors zu rechnen, Komplikationen, die mit dem Leben des Kindes nicht vereinbar wären. Somit ist eindeutig festzustellen, dass ohne medizinische Intervention das Leben des Kindes zu Ende gehen wird.
... Auf Grund der massiven Tumormasse sind die sehr guten Heilungschancen bei frühem Tumorstadium nicht mehr erreichbar und dürften derzeit bei 20-40% liegen.
... Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die eingeleitete Chemotherapie möglicherweise auch das Ableben der Patientin beschleunigt.
... Auf Grund sorgfältiger Abwägung des zu erwartenden Nutzens und auch der möglichen Risiken kommen die vier Unterzeichneten zum Schluss, dass beim Kind unverzüglich eine aktive Chemotherapie eingeleitet werden soll. Darüber hinaus sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Mutter zu einer positiven Kooperation zu bewegen. Sollte dies aber nicht möglich sein, so überwiegen die Interessen des Kindes und ist die Therapie auch ohne Unterstützung der Mutter vorzunehmen.
Eine neuerliche von Seiten des Vaters in Diskussion gebrachte alleinige chirurgische Intervention im Ausland ist auf Grund der obgenannten Gründe nicht zielführend. Außerdem ist das Risiko eines länger dauernden Transportes inakzeptabel hoch.

Bezirkshauptmannschaft, Schreiben an das Bezirksgericht:
Es wurden die bisherigen Fakten von Beginn des Falles bis zum gestrigen Tag aufgelistet. Interessant war, dass mit keinem Wort der Umstand erwähnt wurde, dass wir Eltern Olivia nach Tulln gebracht hatten. Weiters, dass wir an dem Tag unserer Ankunft in Wien Schwechat nur deshalb nach Maiersdorf durften, damit wir uns psychisch beruhigen sollten. Vom Gespräch in der Ordination von Dr. Rostovsky wurde nicht mitgeteilt, dass sich sowohl die Ärztin als auch Dr. Bauml und ich, sich ganz klar gegen die Chemotherapie ausgesprochen haben und ich nur unter der Voraussetzung, dass Olivia von den beiden Vertrauensärzten entsprechend der Neuen Medizin behandelt wird, einwilligte, Olivia nach Tulln zu bringen.
Am 25.7.95 fand ein Ärztegespräch im St. Anna-Kinderspital statt, bei dem angeblich auch Frau Dr. Rostovsky die Ansicht vertrat, den von Dr. Hamer eingeschlagenen Weg des Zuwartens abbrechen zu müssen.
Es wurde die enge Mutter-Kind-Beziehung erwähnt und dass eine Therapie dadurch nur mit der Mutter vorstellbar sei. Außerdem hätte sowohl das St. Anna-Kinderspital als das Tullner Kinderspital eine Zwangstherapierung abgelehnt.
Natürlich wurde auch das Gespräch mit mir und Dr. Heinz Zimper, in dem dieser vorschlug, Herrn Dr. Hamer kommen zu lassen, mit keinem Wort erwähnt!
Da aber Primar Vanura aus Tulln, Frau Dr. Rostovsky und Frau Dr. Marcovich eine Zwangstherapie ohne Beisein der Mutter als nicht erfolgversprechend einstuften, erachtete auch die Bezirkshauptmannschaft die Durchführung des Gerichtsbeschlusses als unmöglich und bat hiermit das Gericht, geänderte Beschlüsse zu fassen.

Medien

bild - DER FANATISCHE WUNDERHEILER, HAT ER SIE AUF DEM GEWISSEN?
kronen zeitung - OLIVIAS ELTERN DROHEN JETZT MIT HUNGERSTREIK
kurier - TAED-BEFRAGUNG, HANDELN ELTERN RICHTIG?
täglich alles - OLIVIAS VATER IN HUNGERSTREIK

30 Rekurs = gerichtlicher Einspruch, Beschwerde
31 Steinhauser war jahrelang „Kurier“-Redakteur für Innenpolitik und Parlamentberichterstatter