Kapitel 1

Die Vorgeschichte

Wegen Alexanders Geburt, beendete ich mein nicht gerade heißgeliebtes Studium an der TU-Wien, und wir zogen zu meinen Eltern nach Grünbach. Zuerst hatten wir dort eine Zweizimmer-Wohnung, schön langsam aber gelang es uns, das gesamte obere Stockwerk meines Elternhauses auszubauen. Das Haus wurde wieder ein Zweifamilienhaus wie es eines vor Jahrzehnten war.
Wir hatten einen kleinen Garten, den wir mit meinen Eltern gemeinsam nutzten. Für die Kinder, mittlerweile waren es bereits drei geworden, war Freiraum für Spiel und Spaß im Sommer wie auch im Winter gegeben.
Ich sollte das elterliche Haus erben, und so war es mir auch um keine Stunde schade, die ich in dieses an Arbeitszeit investierte. Sieben Jahre wohnten wir in guter Eintracht mit meinen Eltern zusammen. Sie hatten wie wir selbst einen eigenen Wohnungseingang, verbunden durch ein geräumiges Stiegenhaus, so dass jeder seinen persönlichen Bereich wahren konnte.

Ich war erfolgreich geworden und konnte mir meinen Arbeitsplatz aussuchen. Für vier lange Jahre stürzte ich mich hartnäckig in eine zusätzliche Ingenieursausbildung für Maschinenbau, obwohl ich mich eher in der Elektrotechnik zu Hause fühlte. Durch die zweite Ingenieursausbildung erreichte ich für mich einen Status, den ich schon immer haben wollte. Entsprechend meinen Neigungen wollte ich mir meinen Beruf aussuchen können. Meine doppelte Ausbildung missbrauchte ich quasi dazu, zeigen zu können, dass ich auch bei noch so schwierigen Problemen, Durchhaltevermögen und Intellekt genug besäße, um sie auch lösen zu können. Schließlich erreichte ich, was ich wollte. Ich hatte meine Vorliebe für die Software entdeckt und es gelang mir, meine Interessen mit meinen Beruf zu verbinden, noch dazu bei einem guten Verdienst.

Meine Frau Erika hatte die Ausbildung für Werkerzieherin, war aber seit der ersten Schwangerschaft zu Hause geblieben. Als nun unser vorerst letztes Kind, unsere Tochter Elisabeth aus dem Gröbsten raus war, verwarf ich meinen bisherigen Grundsatz, die Mutter müsse bei den Kindern bleiben. Elisabeth war noch nicht ganze vier Jahre alt und ging bereits in den Kindergarten, als wir beschlossen, auf dem großen Grundstück meiner Schwiegereltern in Maiersdorf unser Haus zu bauen. Wesentliche Finanzausgaben plante ich immer im Voraus und so hatte ich bereits vor Jahren zu sparen begonnen, obwohl es uns nie finanziell gut ging. Endlich gelang es mir genügend Geld für die Familie zu verdienen, und sogleich wurden unsere Wünsche größer. So gab schließlich Erika meinem Drängen nach und bewarb sich um eine Stelle als Werkerzieherin. Nur so, mit einem zweiten Verdienst, könnten wir uns das Bauen eines Eigenheims leisten, ohne wieder am Hungertuch nagen zu müssen, überlegten wir. Unmittelbar vor Schulbeginn wurde ihr eine Stelle in Mödling zugesagt. Plötzlich standen wir vor dem Problem, für unsere Kinder eine Aufsicht tagsüber zu bekommen. Meine Eltern in Grünbach waren dazu nicht mehr in der Lage. Meine Mutter sorgte für meine Großmutter in Winzendorf, die bereits über 80 Jahre alt war. Sie musste täglich zu ihr fahren. Meinem Vater konnte ich meine Kinder nicht überantworten, da er selbst ein Kind von 70 Jahren geblieben war und ständig von meiner Mutter umsorgt werden musste. Tat sie es nicht, konnte er wie ein Kind trotzig reagieren.
Wir mussten eine Lösung finden und fanden sie in der Möglichkeit, auf Erikas Eltern in Maiersdorf auszuweichen. Auch ihr Haus bot jede Menge Platz, und es war auch der Vorteil gegeben, es nicht weit zur künftigen Baustelle zu haben. Wir zogen um, noch dazu in einer Blitzaktion... Alexander, der schulpflichtig geworden war, ging noch einen Tag in die Grünbacher Volksschule, den zweiten Tag musste er bereits in einer Nachbarortschaft von Maiersdorf verbringen. Auch Olivia und Elisabeth nahmen wir von einem Tag auf den nächsten aus dem gewohnten Kindergarten und steckten sie in den von Maiersdorf. Es war für uns alle sehr beschwerlich, sich so schnell auf eine neue Umgebung einstellen zu müssen.
Erika hatte eine halbe Lehrverpflichtung und war stundenweise am Tage, aber auch in der Woche zwei volle Tage, nicht zu Hause. Bis auf Olivia schienen alle Kinder dies akzeptiert zu haben. Oft erwähnte Erika, dass Olivia unter ihrer Abwesenheit am meisten litt. Alexander und Elisabeth hatten sich daran gewöhnt, Olivia müsse sich eben auch daran gewöhnen, war meine Einstellung.