Kapitel 9

Die Flucht

Dienstag, 06.06.1995:

Morgens holten wir die Kinder bei den Bekannten ab. Diese hatten wunderbaren Spaß, und auch mit Olivia hatte es keinerlei Probleme gegeben. Erika und Olivia wurden von der Cousine Karin mit nach Kärnten genommen. Mir war leichter. Olivia war in Sicherheit.

Telefonat mit Frau Ingrid:
Ärzte werden beim heutigen Treffen dabei sein. Sie fand es umsichtig, Olivia zu verstecken.

Ich machte mich auf den Weg zum Treffen. Überpünktlich, wie ich oft war, verblieb mir einige Zeit. Ich begann das Buch „Geheimgesellschaften“ von Jan van Helsing zu lesen und schließlich bereitete ich mich für dieses von der „1. Österreichischen Gesundheitskasse“ organisierte Treffen vor.

Ich schrieb:

„Einleitend möchte ich festhalten, dass alle bisherigen von mir getroffenen Schritte und Handlungen in vollem Einverständnis mit meiner Frau und meinen allernächsten Verwandten getroffen wurden und nur ein Ziel bezwecken: Die Gesundung meiner Tochter.
Wir verwahren uns gegen jeden Vorwurf, aus religiösen oder abergläubischen Gründen oder einfach aus Leichtgläubigkeit oder Glaubenwollen heraus gehandelt zu haben. Und doch glauben wir. Wir glauben an die Vernunft und daran, Vernünftiges erkennen zu können.
Wir bedauern keinen unserer Schritte, im Gegenteil. Heute wissen wir, richtig entschieden zu haben. Wir tragen die volle Verantwortung. Richter Masizek meinte, im Falle einer Zwangstherapierung von Olivia die Verantwortung übernehmen zu können.
Die Mediziner können nach ihren Erklärungen gar nichts, nicht einmal das Überleben nach der sog. Therapie garantieren und der Richter entscheidet, die Verantwortung zu tragen, als wäre die Verantwortung über das Leben unseres Kindes ein Ding, das man in die Hosentasche stecken könnte.
Seit wir über die Existenz der Neuen Medizin wissen, erscheint es uns nicht mehr zu verantworten, Olivia Leuten auszuliefern, die per Gesetz beauftragt werden, Kinder laut jeweilig gültigem, bei Nichtbewährung änderbarem, Chemoprotokoll zu therapieren.
Um dieser angedrohten Zwangstherapierung zu entgehen, entschlossen wir uns, Olivia dem direkten Zugriff der Behörden zu entziehen und meinen Beruf vorerst aufzugeben, um mich voll auf die zu erwartende behördliche Auseinandersetzungen konzentrieren zu können.
Mein zweitdringlichster Wunsch, nach dem Ziel, Olivias Krankheit in Ruhe und ohne Verfolgung ausheilen zu können, war folgender:
Die menschenrechtliche Anerkennung, dass der Mensch aus Psyche, Gehirn und Organe eine untrennbare Einheit bildet und als solcher ein gesetzliches Recht hat, bei Krankheit entsprechend dieser Einheit ärztlich behandelt zu werden.
Die Wechselwirkung zwischen Psyche und Organ verspürt jeder Mensch. Man muss es ihm nur bewusst machen.
Vielleicht ist die Möglichkeit jedes einzelnen, sich mit diesem Wunsch an die Menschenrechtskommission zu wenden, der Schlüssel zum Erfolg.“

Es kam aber nicht zu diesem geplanten Vortrag.
Streng genommen war dieses Wiener Treffen für mich sehr enttäuschend. Es kam überhaupt keine konkrete Hilfe heraus. Lediglich Bekanntschaften wurden geknüpft, die sich aber im Laufe der Zeit als sehr nützlich herausstellen sollten. Die Idee, durch den Fall Olivia die Schulmedizin zu zwingen, sich mit der Neuen Medizin auseinander zu setzen, lag auf der Hand. Weitere Teilstrategien wurden besprochen. Dr. Kleiner schied als verlässlicher Rechtsanwalt für uns aus.
Frau Ingrid erzählte mir ihren Leidensweg durch die schulmedizinische Therapie und wie es ihr gelang, mit Hilfe der Neuen Medizin doch noch gesund zu werden.
Am Tag genau, als sie erfuhr, sie sei schulmedizinisch „austherapiert“, bekam sie das „Goldene Buch“ des Dr. Hamer in ihre Hände. Sie las es mit Begeisterung und verstand es sofort. Die von Dr. Hamer postulierten psychischen Ursachen für jenen Krebs, an dem sie ebenfalls litt, trafen bei ihr völlig zu. Sie vereinbarte einen Termin bei ihm in Köln und Dr. Hamer erklärte ihr eine Möglichkeit zur Lösung ihres persönlichen Konfliktes und sagte ihr 4 Monate starke Heilungsschmerzen voraus, die sie aber unbedingt, ohne Morphium, durchstehen müsse.
Ihr psychischer Konflikt betraf ihre Bindung zu ihrer Mutter. Diesen musste sie nun lösen und es gelang. Ganze vier Monate, wie es Dr. Hamer korrekt vorhersagte, quälten sie in der Heilung unerträgliche Schmerzen, sodass sie großteils das Bett hüten musste. Ihr unerschütterlicher Glaube half ihr, diese schreckliche Zeit zu überwinden. Obwohl sie von den Schulmedizinern aufgegeben worden war und nach deren Einschätzung heute eigentlich nicht mehr am Leben sein dürfte, zeigten diese bis jetzt absolut kein Interesse daran zu erfahren, wie es ihr gelingen konnte, doch noch gesund zu werden. Mit gewissen Ärzten der Schulmedizin hatte sie durch ihre lange, aber doch erfolglose Behandlungszeit, freundschaftliche Bande geknüpft. Jetzt wurde sie von diesen Ärzten regelrecht verleugnet, sie erklärten, Frau Ingrid persönlich nicht zu kennen.
Welch ein Ignorantentum!

Erikas Tagebuchnotizen:
Wir fuhren mit Karin nach Kärnten. Olivia hatte tagsüber etwas Bauchweh, abends Kopfweh.



Mittwoch, 07.06.1995:

Ich war gerade bei meinem Freund Sepp, als mir meine Schwägerin am Telefon mitteilte, dass der Richter bereits mehrmals angerufen hätte und forderte, dass wir bei ihm noch am gleichen Tag erscheinen sollten, sonst würde er noch im Laufe dieser Woche etwas unternehmen.
Was war geschehen? Wieso ließ mir der Richter nicht wie versprochen drei Wochen Zeit, einen Arzt der Neuen Medizin oder Dr. Hamer selbst zu organisieren? Wieso sollten jetzt unsere Aussagen zu Protokoll gegeben werden? Es schien ernst zu werden. Ich geriet leicht in Panik, da ich noch nicht einmal einen Rechtsanwalt hatte. Hier konnte Sepp mir helfen. Über eine Arbeitskollegin von ihm konnte er mir einen angeblich zuverlässigen und nicht ängstlichen Rechtsanwalt vermitteln. Sein Name war Mag. Benedikt17 aus der Rechtsanwaltskanzlei Müllberger18, Wien. Ich rief sofort an und bekam wirklich auch einen vernünftigen Rat: Ich solle den Richter anrufen und mir einen Termin für die nächsten Tage ausmachen. Damit konnte ich mir zumindest ein paar Tage Luft verschaffen. Weiters wäre ein Gegengutachten eines Arztes absolut notwendig.
Genau das war es: Ich musste den Richter überreden, mit laufenden CTs beweisen zu können, dass Olivias Nierenzyste sich nicht weiter vergrößerte. Wir selbst wollte ja nichts anderes, als die Behauptung von Dr. Hamer, die Nierenzyste werde nicht weiter wachsen, mit CTs zu kontrollieren.

17 Name geändert
18 Name geändert

Telefonat mit Ingeborg:
Sie war wundervoll. Als ich ihr die Wankelmütigkeit des Richters klagte, erklärte sie sich sofort bereit, mir einen Termin bei der „Grünen“-Abgeordneten, Frau Dr. Petrovic, zu verschaffen.

Telefonat mit Frau Dr. Rostovsky:
Ich erklärte ihr meinen Plan und wenig später hatte sie einen Termin mit einem befreundeten Urologen aus dem 1. Bezirk für abends vereinbart, jedoch sei dieser Arzt nicht unbedingt für die Neue Medizin, aber auch kein ausgesprochener Gegner.

Telefonat mit Dr. Herz:
Herr Dr. Herz versuchte ich mit der Mitleidstour für unsere Sache und einen Gegengutachter zu gewinnen. Doch er erklärte, er hätte absolut keine Lust, sich für einen einzigen Fall den Kopf abreißen zu lassen. Das sei für ihn absolut absurd. Es gäbe noch so viele Menschen, die seine Hilfe benötigen. Außerdem sei er auch kein Urologe. Es gelang mir nicht, ihn umzustimmen. Ich konnte ihn auch verstehen. Er konnte mir lediglich empfehlen, mich mit meinem Anliegen an das „Institut für Ethik in der Medizin“ zu wenden.
Es blieb mir nichts übrig. Ich musste den Richter anrufen.

Telefonat mit Richter Masizek:
Sofort machte ich ihm Vorwürfe, die Abmachung nicht einzuhalten. Er entgegnete, er hätte mit Ärzten gesprochen und diese meinten, es sei Gefahr im Verzug und man dürfe auf keinen Fall noch länger zuwarten. Wir vereinbarten für Freitag, den 9.6.95 um 13:00 Uhr einen Termin, bei dem Erika und ich erscheinen sollten, um unsere Aussagen zu Protokoll zu geben.

Zwei Tage ließ er mir Zeit alles vorzubereiten. Ich hatte keinen Rechtsanwalt und keinen Arzt, der sich traute, mit Gegengutachten die Neue Medizin zu verteidigen. Ich entschloss mich, auf keinen Fall Erika am kommenden Freitag mitzunehmen und als Entschuldigung die Empfehlung unseres Arztes vorzubringen, Olivia bräuchte Ruhe und ihre Mutter sei daher mit ihr auf Erholung gefahren.

Telefonat mit Frau Stauffer (Gesundheitsreferentin der „Grünen“):
Sie bestätigte mir einen Termin mit der „Grünen“-Obfrau Dr. Petrovic für morgen 10:00 Uhr. Einen geeigneten Rechtsanwalt für mich zu finden, wäre sicherlich keine Schwierigkeit.

Am frühen Nachmittag trafen die bestellten Reporter von „täglich alles“ ein. Sie kamen zu zweit. Einer führte das Interview, der andere schoss Fotos. Frau Ingrid war mir als persönliche Stütze zu Hilfe gekommen. Es war ein ruhig geführtes Gespräch und der Reporter machte sich viele Notizen. Auch Frau Ingrid gab ihre eigenen Erfahrungen kund und ich hatte den Eindruck, dass das Interview durchaus in unserem Sinne gelingen könnte.
Der Reporter machte mich darauf aufmerksam, dass Prof. Jürgenssen ja ein entsprechendes Interesse an Olivia haben müsste, wenn er wirklich das „Österreichische Wilmstumorprojekt“ begründet habe und diese Krebsart lediglich 8- 10 mal im Jahr aufträte.

Frau Ingrid brachte mich nach Wien zu dem Treffen mit Frau Dr. Rostovsky und dem Urologen.

Gespräch mit dem Urologen Thomas Untreu19 und Frau Dr. Rostovsky:
Er ist Schulmediziner, Freund von Frau Rostovsky und auch gegenüber alternativen Behandlungsmethoden offen. Frau Dr. Rostovsky versuchte, ihn für Olivia zu gewinnen. Er sagte, dass seine Frau (eine reine Schulmedizinerin) oft verzweifelt über die vielen Thesen in der Krebsbehandlung klage, und dass die Heilung anscheinend von so vielen Faktoren abhinge. Er erwiderte ihr dann, so sagte er, sie solle die psychische Seite, die Historie des Patienten berücksichtigen und in die Therapie mit einbeziehen. Dr. Hamer hätte seiner Meinung nach in vielen Punkten Recht, wäre aber vielleicht nicht das richtige Sprachrohr für die Neue Medizin. Dr. Hamer ginge zu wenig auf qualifizierte Gegenargumente seiner Arztkollegen ein.
Auf seine, an andere Mediziner gerichtete Frage und Bitte um Bestätigung der Behauptung, dass Krebszellen in den Arterien schwimmen und sich sogar von einer z.B. Darmkrebszelle in eine Knochenkrebszelle verwandeln könnte, hatte er bis dato jedoch auch keine befriedigende Antwort erhalten.
Würde er, Dr. Untreu, als einfacher Urologe ein Gegengutachten erstellen, würde dies aus hierarchischen Gründen vom St. Anna-Kinderspital mit Leichtigkeit hinweggefegt werden. Die Aussage eines Krankenhauses hätte schlichtweg mehr Gewicht. Disziplinäre Folgen befürchte er nicht. Olivia wollte er allerdings auch nicht in seine Behandlung übernehmen.
Auf meine Frage, ob ich mich auf dieses Gespräch berufen könnte, bekam er es sichtlich mit der Angst zu tun. Tatsächlich war seine gerade Haltung plötzlich gebeugt. Er fragte nach, auf welchen Gesprächspunkt ich mich denn berufen wolle. Als ich seine Aussagen über die hierarchische Struktur zitierte, verwehrte er mir meine Bitte brüsk und drohte sogar, dass dann Aussage gegen Aussage stehen würde.
Die so selbstherrliche Arztautorität war plötzlich eine lächerliche, ängstliche Figur geworden. Ich verlor jeden Respekt vor ihm. Ich sagte ihm auch ins Gesicht, dass er mir als Arzt im Grunde Leid täte, Patienten nach Therapien behandeln zu müssen, die er selbst anzweifelte. Ohne mit der Wimper zu zucken, gab er zu, dass auch er lieber Bibliothekar geworden wäre.
Nach diesem unfreundlichen Gespräch verabschiedeten wir uns vor diesem Arzt. Der nächste Schicksalsschlag ließ nicht lange auf sich warten.

19 Name geändert

Gespräch mit Frau Dr. Rostovsky:
Sofort als wir die Ordination verlassen hatten, eröffnete sie mir, die Behandlung von Olivia zurückzulegen. Dies würde sie mir in Form eines Schreibens mitteilen. Ich war entsetzt. Sie beschwichtigte mich und meint, dieses Schreiben würde erklären, dass sie aus Angst vor Sanktionen der Ärztekammer die Behandlung zurücklegen müsste, ich aber dieses Schreiben bei der Presse verwenden könnte. Der Wortlaut:

ERKLÄRUNG:

Ich, Dr. Johanna E. Rostovsky, prakt. Ärztin in Wien, teile hiermit mit, dass ich gegen meine ethische Überzeugung die Behandlung der Pat. Olivia Pilhar (6 Jahre), Wilmstumor, nur aufgrund meiner disziplinären Verantwortlichkeit gegenüber der Ärztekammer, sowie der bestehenden strafrechtlichen Situation, die auf die derzeitige sachverständige Beurteilung der überwiegenden Ärzteschaft zurückzuführen ist, mit sofortiger Wirkung zurücklegen muss. Um meine Approbation als praktischer Arzt beibehalten zu können, sowie eine strafrechtliche Verurteilung hintan zu halten.

Ich tue das wissentlich um die Folgen für Olivia und ihre Familie, um anderen Patienten (nur Erwachsene aufgrund ihrer eigenen Entscheidung) weiterhin als Ärztin, die die Neue Medizin nach Dr. Hamer vertritt, auch in Zukunft zur Verfügung stehen zu können. Ich stelle hiermit fest, dass es mir aus den oben genannten Gründen derzeit nicht ohne strafrechtliche Folgen möglich ist, Kinder nach der Neuen Medizin zu therapieren.

Dr. Johanna E, Rostovsky

Die Situation war schrecklich. Jetzt hatte ich überhaupt keinen behandelnden Arzt für Olivia. Ich brauchte zwar einen Arzt nicht ständig, sondern kurze Visiten oder Telefonaten in den meisten Situationen würden genügen. Dies hatten schon viele Hamer-Patienten bewiesen. Aber vor dem Richter käme ich ohne Arzt nie durch, das war mir völlig klar.
Mein Vertrauen in das medizinische System war derart erschüttert, dass ich mir für die Zukunft vornahm, es mir zweimal zu überlegen nochmals ein Spital aufzusuchen. Es gab offensichtlich wirklich keine Ärzte, die offen für ihre Überzeugung eintraten. Welch ein Druck muss auf diese Ärzte ausgeübt werden, dass sie aus Angst vor disziplinarischen    Sanktionen    der    Ärztekammer,    Patienten    gegen    ihren Hippokratischen Eid, nicht nach bestem Wissen und Gewissen behandeln?
Die Nacht verbrachte ich bei meiner Schwester in Brunn am Gebirge. Mein Schwager musste mich von Wien abholen. Ich hatte Gelegenheit, ihm kurz die bisherige Geschichte zu schildern. Er schüttelte nur den Kopf und meinte, ich dürfe
mich da nicht mit Kräften einlassen, die mich mit Leichtigkeit vernichten könnten.

Ich war müde und abgehetzt, die Aussicht auf ein Gespräch mit Frau Dr. Petrovic ermutigte mich jedoch sehr und ich verfasste das Schreiben an die Menschenrechtskommission.

Schreiben an die Internationale Helsinki Föderation für Menschenrechte:

Mein Anliegen

Besteht die menschenrechtliche Anerkennung, dass der Mensch aus Psyche, Gehirn und Organ eine untrennbare Einheit bildet und als solcher ein gesetzliches Recht erlangt, bei Krankheit entsprechend dieser Einheit ärztlich behandelt zu werden? Ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch diese Wechselbeziehung zwischen psychischem und körperlichem Wohlempfinden verspürt und sich deren gegenseitiger Beeinflussung als Selbstverständlichkeit bewusst ist. Ich werde aller Voraussicht nach per Gesetz gezwungen, mein Kind einer Therapie auszusetzen, die einzig und allein die symptomatischen Erscheinungen ihrer Organe behandelt und die psychische Ursache der Krankheit völlig außer Acht lässt. Wenn meine oben angeführte menschenrechtliche Anerkennung besteht, so muss ich doch das Recht besitzen, mich auch für mein Kind als Erziehungsberechtigter für eine Therapie entscheiden zu können, die alle Komponenten des Menschen berücksichtigen.

Mit freundlichem Gruß.

Erikas Tagebuchnotizen aus Kärnten:
Gegen 9.00 Uhr waren wir erst aufgestanden. Ich hatte ein bisschen gebügelt und gekocht. Helmut hatte um 12.00 Uhr und um 14.00 Uhr nochmals angerufen. Er machte uns alle wegen der Vorladung bei Gericht für kommenden Freitag etwas nervös.

Am Nachmittag gingen wir mit Karins Sohn Johannes, unserem sehr guten Reiseführer, eine große Runde spazieren. Olivia klagte über Bauchweh.



Donnerstag, 08.06.1995:

Mein Schwager brachte mich nächsten Morgen auch wieder nach Wien. Eigentlich hätte ich für den Vormittag ein erstes Treffen mit meinem Anwalt vorgehabt. Das Gespräch mit Frau Dr. Petrovic erschien mir jedoch wichtiger.

Telefonat mit Frau Rötig (Institut für Ethik in der Medizin):
Sie erinnerte sich, dass bereits einmal eine Beschwerde über das Wr. Neustädter Krankenhaus eingereicht wurde. Im Allgemeinen sollte ich mich aber zuvor an den Patientenanwalt Prof. Dr. Viktor Pickl wenden. Das Institut sammelt Beschwerdeschreiben von Patienten und leitet sie dann an die betreffenden Ärzte weiter. Bei schweren Fällen finden Expertengespräche statt, die dann auch veröffentlicht werden.

Telefonat mit Ingeborg:
Ich dankte ihr für das organisierte Treffen. Auch sie meinte, dass ein Rechtsanwalt, von Frau Dr. Petrovic empfohlen, wohl besser sei als jener, den ich zufällig vermittelt bekam.

Telefonat mit Frau Ingrid:
Ich bat sie eindringlich, mir bei dem bevorstehenden Gespräch mit Frau Dr. Petrovic beizustehen. Sie erklärte sich sofort bereit und wenig später trafen wir uns vor dem Parlament.

In der verbleibenden Zeit zum Termin bereitete ich mich ein wenig vor. Folgende Punkte erschienen mir wichtig:

Der Arzt entscheidet nicht, ob ein Medikament verwendet wird oder nicht. Siehe Dr. Manns Bemerkungen gegenüber dem Vertreter.
- Ein erstelltes Gutachten einer Klinik gilt als unantastbar, ein Facharzt würde mit einem Gegengutachten aus rein hierarchischen Gründen nicht durchkommen.
- Jene Ärzte, in deren Händen Olivia war (u.a. Prof. Jürgenssen; St. Anna- Spital) leiteten das Wilmstumorprojekt und es war anzunehmen, dass sie auch wegen der Seltenheit eines Wilmstumors persönliches Interesse an Olivia hatten.
- Sobald die Diagnose Krebs ein Kind trifft, wird dieses zwangsweise zu einer durch ein internationales Chemoprotokoll festgelegten Therapie verurteilt. Ich hatte in Erfahrung gebracht, dass solche Protokolle im Durchschnitt jedes halbe Jahr korrigiert werden.

Gespräch mit Frau Dr. Petrovic:
Zugegen waren Frau Ingrid und Frau Stauffer. Frau Dr. Petrovic versicherte mir, für den morgigen Termin bei dem Richter einen Anwalt verschaffen zu können. Dies sollte zufälligerweise Dr. Kleiner sein, den ich schon einmal konsultiert habe. Weiters erklärte sie, eine parlamentarische Anfrage zu stellen, denn sie war überzeugt, dass Dr. Hamer nicht irrt. Auch sie hatte bereits einmal ihre Tochter vor der Chemotherapie retten müssen. Die Interessen der Pharmaindustrie stellte sie dem volkswirtschaftlich höher zu bewertenden Berufsbereich der Psychologen und Gesundheitstherapeuten gegenüber, so dass, wirtschaftlich gesehen, auch in Zukunft nicht weniger Arbeitsplätze zur Verfügung stehen würden, sonder mehr. Ihrer Meinung nach brauchte ich mir keine Sorgen zu machen.

Ich war in Hochstimmung. Jetzt hatte ich die Klubobfrau der „Grünen“ auf meiner Seite. Dies würde den Richter Masizek sicherlich zu einer in unserem Sinne positiven Entscheidung zwingen. Frau Ingrid brachte mich in ihrem Wagen zum Zug nach Mödling. Während der Fahrt erzählte sie mir die Geschichte der Makkabäer-Brüder aus dem Alten Testament. Sie verlief ungefähr folgendermaßen: Ein König verlangte von den drei Makkabäer-Brüdern die Anbetung einer goldenen Statue. Diese Brüder verweigerten aber diese Götzenanbetung und beriefen sich auf ihren einzigen Gott. Da sie sich strikt weigerten, dem König Folge zu leisten, zwang sie dieser in einen riesigen, von außen einsehbaren Ofen zu steigen. Bevor die Brüder ihren Gott verleugnen wollten, nahmen sie dieses Schicksal auf sich und vertrauten darauf, dass sie Gott beschützen werde. Sie mussten den lodernden Ofen besteigen und siehe da, das Feuer konnte ihnen nichts anhaben. Erstaunt verfolgten die Umstehenden das Schauspiel. Die Brüder schritten im Ofen aufrecht im Kreise Runde um Runde ab und plötzlich waren statt drei, vier Gestalten im brennenden Ofen sichtbar geworden. Erschrocken ließ der König den Ofen öffnen und völlig unversehrt schritten die drei Brüder heraus. Der vierte Mann war verschwunden. Es war der Schutzengel der Makkabäer-Brüder, der sie vor den Flammen bewahrte. Für mich war der Sinn dieser Geschichte der, dass mit Gottvertrauen die schlimmste Situation zu meistern ist. Man musste auf Gott vertrauen und durfte nicht aus Angst vor einem möglichen Schicksal zu zweifeln beginnen.

Telefonat mit Erika:
Sie wollte bereits am Samstag mit Olivia zurückkehren. Olivia hatte bereits Sehnsucht nach ihren Geschwistern.

Ich hatte Zeit und vor allem nunmehr die innere Ruhe wiedererlangt. Was sollte nun schon Schlimmes geschehen können? Ein naher Gastgarten animierte mich, mir ein Mittagessen zu gönnen.

An diesen Dr. Untreu aus Wien musste ich einen Brief schreiben:

Sehr geehrter Herr Dr. Untreu!

Sie als Arzt bedauere ich sehr, wenn Sie gegen Ihre persönliche Überzeugung Patienten jeder Altersgruppe, aus Angst vor Sanktionen der Ärztekammer, einer nicht zielführenden Therapie zuführen müssen. Sie besitzen wohl besser als ich den Einblick in jene Machtverhältnisse, die Sie als Arzt derart unter Druck setzen können. Ich verstehe Ihr Motiv, so zu handeln. Es heißt Angst. Angst, dass all ihre Ausbildung umsonst war, Ihre gesellschaftliche Position und vielleicht sogar Ihre Existenz gefährdet werden. Wenn Ihnen Ihre Approbation entzogen würde, kämen Sie wohl in ein derart aussichtsloses Dilemma, wie es mir als Techniker wohl kaum passieren kann. Sie könnten dann Ihren Beruf wohl in kaum einem Land mehr ausüben. Ich bedauere, Sie als Arzt erpressbar zu sehen. Aber ich verurteile Sie, wenn Sie, so wie Sie sagten, auch Ihr eigenes Kind auslieferten, würde dieses sich in der Situation des meinigen befinden. Ich gebe zu, Ihnen dies nicht zu glauben. Meiner Meinung würden Sie sehr wohl Dr. Hamer um seinen Rat befragen und würden Ihr Kind vor dieser fürchterlichen Chemotherapie retten. Es würde Ihnen auch leichter als mir gelingen. Ohne viel Aufhebens würde Ihr Kind gesunden und Sie könnten weiter Ihren Beruf ausüben. Alles würde so bleiben wie es war. Für den Großteil der Bevölkerung würde die Diagnose Krebs mit einem Todesurteil gleichbedeutend bleiben. Wie viele Menschen leiden und sterben heute an Krebs? Wie viele Kinder? Und Sie wären weiterhin bereit, nichts zu sagen. Ich möchte von Ihnen nicht verlangen, ab heute offen Dr. Hamer gegenüberzustehen und sich zu verteidigen.
Ich als Techniker, der sich immer auf dem Laufenden halten muss, verlange aber auch von einem Arzt, sich immer auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse zu halten und diese auch weiterzugeben. In diesem Sinne, leisten Sie weiter Aufklärung unter Ihren Kollegen und vor allem, vertrauen Sie Ihrer eigenen Kraft.
Das Bessere ist der Feind des Guten.

Ich schaffte es leider nicht mehr, diesen Brief auch wirklich abzuschicken.

Telefonat mit Herrn B. („täglich alles“):
Der Inhalt des Gespräches mit Frau Dr. Petrovic wurde kurz erläutert. Bezüglich des erscheinenden Artikels am kommenden Sonntag bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen. Über den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung mit dem Richter sollte ich ihn auf dem Laufenden halten.

Zu Hause angekommen, rief ich Frau Stauffer zurück, um mich zu erkundigen, ob nun der Rechtsanwalt Dr. Kleiner auch wirklich morgen mit mir vor dem Pflegschaftsgericht erscheinen werde. Ihre Aussage war niederschmetternd: Dr. Kleiner lehne meine Vertretung ab. Frau Stauffer wüsste im Moment keinen weiteren Anwalt, sie versicherte aber, sich weiterhin zu bemühen.

Panik ergriff mich.

Telefonat mit Frau Dr. Petrovic:
Sie war gerade in Graz. Sobald es ihr möglich sei, werde sie dort nach einem Anwalt forschen, versicherte sie mir. Kommenden Montag würde Sie mich sicherlich zurückrufen.

Aber der kommende Montag war zu spät. Ich fuhr zu unserem Verwandten Karl, der beim OGH beschäftigt war.

Gespräch mit Karl:
Er hatte entsprechende Erkundigung eingezogen und konnte mir deshalb von meinem Vorhaben, Olivia der schulmedizinischen Behandlung vorzuenthalten, nur abraten. Würde die Sache schief laufen und Olivia sterben, würde ich wegen fahrlässiger Tötung oder Unterlassen der Hilfe angeklagt werden. Auf Kindesentführung, also wenn uns Olivias Obsorge entzogen werde und wir sie trotzdem vor den Behörden verstecken würden, stünde auf alle Fälle eine Freiheitsstrafe.

Ich war am Boden zerstört. Was sollte ich tun? Wir hatten weder einen behandelnden Arzt noch einen Rechtsanwalt zu unserer Vertretung und morgen musste ich vor den Richter. Auf dem Nachhauseweg streikte mein Wagen und lies sich nicht mehr schalten. Bei all meinen Problemen, berührte mich dieses am wenigsten. Ich ging zu Fuß heim und setzte meinen Schwiegervater vom defekten Auto in Kenntnis. Es war ersichtlich, dass auch ihn diese Problematik um Olivia stark belastete. Später holten wir zu zweit den Wagen. Für den kommenden Tag nahm sich mein Schwiegervater vor, den Wagen zu reparieren, damit ich zum Gericht fahren konnte.
Ich wusste weder ein noch aus. Olivia wollte ich auf keinen Fall der absurden Chemotherapie ausliefern.

Es konnte meiner Meinung nach nur einer absolut krankhaften, pharmahörigen Medizinerideologie entspringen, einen Krebs mit einem Mittel bekämpfen zu wollen, das im Verdacht steht, selbst krebserregend zu sein.

Die kommenden Stunden waren für mich die schwärzesten meines ganzen Lebens. Ich beschloss, diese ganze abstruse Geschichte mit all ihren Widersprüchen niederzuschreiben und sie am nächsten Morgen an alle Zeitungen zu verteilen. Dann würde ich mich alleine dem Richter stellen. Dieser sollte tun, was er für richtig hielte. Ich schrieb mir die Finger wund, die Zeit lief mir davon.

Mein Freund Sepp kam auf Besuch und war sichtlich betroffen. Wir waren absolut ratlos. Als wir uns an der Tür verabschiedeten, liefen ihm und mir die Tränen über die Wangen. Ich schrieb bis spät nach Mitternacht weiter an meinem Bericht.

Erikas Tagebuchnotizen:
Des Nachts und auch am Morgen klagte Olivia über Bauchschmerzen.



Freitag, 09.06.1995:

Gegen 2.00 Uhr morgens legte ich mich schlafen, war aber zu erschöpft und innerlich aufgewühlt, als dass ich wirklich Erholung finden konnte. Um 6.00 Uhr sprang ich bereits wieder auf und machte mich weiter an meine Schreibarbeit. Wieder kam Sepp, diesmal mit seiner Frau Maria um nach dem Rechten zu sehen. Ich musste ihnen vorgekommen sein wie ein gehetztes Tier, das verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit sucht, um zu entkommen.
Sepp war entrüstet, dass zuerst die „Grünen“ Hilfe versprachen und nun nicht halten konnten. Seines Wissens war Frau Dr. Petrovic selbst Anwältin, auch ich glaubte dies bereits einmal gehört zu haben. Also rief ich sie nochmals an.

Telefonat mit Frau Dr. Petrovic:
Sie empfahl mir, ein Schreiben aufzusetzen, in dem ich um Verschiebung des heutigen Termins beim Pflegschaftsgericht ersuchte und riet mir, dieses sofort an das Gericht zu faxen.

Ich setzte dieses Schreiben auf und bat Sepp, dies für mich von der Post aus zu faxen. Es läutete das Telefon und Erika erreichte mich.

Telefonat mit Erika:
Verzweifelt versuchte ich ihr unsere jetzige Situation mit all den Konsequenzen zu vermitteln, die wir zu tragen hätten, sollten wir nicht klein beigeben. Erika hörte mir ruhig, ohne Einwand zu. Plötzlich geschah etwas mit mir, was ich noch nie erlebt hatte. Erika fragte mich, wofür ich denn eigentlich kämpfe? Was sei das Ziel? Hieß denn dieses Ziel nicht: Olivia?

Ich konnte wieder klar denken. Der Weg, der vor mir lag, war sonnenklar. Jetzt wusste ich auch, warum der „Zufall“ es wollte, dass mir Frau Ingrid die Geschichte der Makkabäer-Brüder erzählt hatte. Ich war für Olivia bereit, alles auf mich zu nehmen, komme was da wolle!
So am Boden zerstört, wie ich vor dem Telefonat mit Erika war, so voll Selbstvertrauen konnte ich nun wieder Sepp gegenübertreten. Er und auch Maria trauten ihren Augen kaum und auch sie hatten wieder neuen Optimismus. Glücklich, dass es mir besser ging, verabschiedeten sie sich.
Ich dachte an Frau Ingrid und wollte sie anrufen. Obwohl ich sie nicht erreichen konnte, wusste ich, dass sie sowieso sicher gerade an mich denken würde. Frau Ingrid war in diesen aufregenden Tagen ein sehr wichtiger Mensch für mich. Sie schenkte mir Vertrauen und Zuversicht und dadurch, dass sie selbst durch die Neue Medizin, als eine von der Schulemedizin „Austherapierte“, ihren Krebs besiegen konnte, auch die notwendige Überzeugung, meinen eingeschlagenen Weg weiter fortzusetzen. Ich fühlte mich so stark und hatte absolut keine Angst mehr vor dem Gespräch mit dem Richter. Im Gegenteil. Ich hatte ein klares Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnte. Ein Bild meiner Familie lag vor mir auf dem Tisch. Ich musste es lange liebevoll betrachten. Ab nun würde ich es ständig bei mir führen. Nun war ich nicht mehr einsam. Die Kraft der vielen an uns denkenden und mit uns fühlenden Menschen war plötzlich real und greifbar. Vor mir lag ein Dunkel, durch das ich schreiten musste. In diesen Augenblicken war klar, dass alles nur von der persönlichen Einstellung abhing. Der Richter war real und unabwendbar. Wenn ich ihm mit Angst begegnen würde, hatte ich absolut keine Chance, ihn zu unseren Gunsten zu beeinflussen. Könnte ich aber die Angst in Zuversicht transformieren, so wären die Karten auf alle Fälle besser und ausgewogener verteilt.
Plötzlich erkannte ich meinen Riesenvorteil gegenüber diesem Dunkel vor Gericht und sturer, bornierter Ärzteschaft. Ich hatte ja die Überzeugung! Oft konnte ich es bereits erleben, dass man diesen Herren nur wirklich einmal in die Augen zu blicken brauchte und schon beugten sie sich vor einem nieder. Mir war klar, dass sie drohen, schreien und mich von meiner Überzeugung abzulenken versuchen werden, aber ich nahm mir vor, ruhig auf mein Familienfoto zu blicken.
Frau Dr. Rostovskys Absicht, sich mit dem Schreiben offen zur Neuen Medizin zu bekennen, fiel mir ein. Ob dies nicht zu voreilig von ihr war? Ich versuchte sie, von ihrem Vorhaben abzubringen, sie blieb aber dabei.

Es war früher Vormittag. Ich beschloss, ein wenig spazieren zu gehen und bei der Familie K., ebenfalls eine sehr gut befreundete Familie, vorbeizuschauen. Dort erhielt ich einen weiteren Anruf:

Telefonat mit Frau Stauffer, „Grüne“:
Sie versuchte, mir schonend beizubringen, dass auch ihre weiteren Bemühungen um einen Rechtsanwalt fehlgeschlagen seien. Ich entgegnete ihr, dass ich damit gerechnet hätte und überhaupt nur mehr einen Rechtsanwalt annehmen würde, der 1. nichts kostet, 2. beim Prozess seinen Mund hält und 3. dadurch berühmt werden möchte. Frau Stauffer lachte und wünschte mir viel Glück.

Meine Tagebücher versteckte ich in der Scheune meines Freundes Sepp, allerdings ohne sein Wissen. Irgendwie rechnete ich mit der Möglichkeit, sofort verhaftet zu werden. Mein Spaziergang führte mich auf die Weide von Maiersdorf. Gedanken an den Glauben schossen mir durch den Kopf. An und für sich war ich bisher überzeugter Atheist. Nein, das stimmt nicht ganz. Eigentlich war ich bis zur Schulzeit in der HTL20 1980 ein gläubiger Mensch, der oft im Geheimen seine Gebete sprach und auch viel Kraft durch sie erhalten hatte.
In der HTL hatten wir einen Religionslehrer, der uns Camus und Sartre näher brachte. Deren Weltbild faszinierte mich. Vieles wurde erklärbarer und einfacher. Ich wurde überzeugter und konsequenter Atheist. Auch in Extremsituationen verkniff ich es mir, plötzlich einen Gott um Hilfe anzuflehen. Für mich galt immer nur „Entweder – Oder“. Jetzt aber konnte ich mit diesem Atheismus die derzeitige Situation absolut nicht erklären und schon gar nicht mein persönliches Erlebnis an diesem Vormittag. Der Atheismus vermittelte mir plötzlich nur mehr das schale Gefühl, das Wunder Leben mit Zufall, Ego und Sinnlosigkeit erklären zu wollen, wogegen ich derzeit ganz deutlich das Leben als Polarität verstand. Als Polarität zwischen Gut und Böse, männlich und weiblich, als Yin und Yang. Ich fühlte mich unsagbar leicht, die Farben der Natur waren noch nie so rein und klar. Ich war völlig gefasst und blickte allem ruhig entgegen.

20 HTL = Höhere Technische Lehranstalt

Telefonat mit Richter Masizek:
Zirka eine Stunde vor dem vereinbarten Termin rief er mich an und meinte, ich solle unbedingt Olivia zu dieser Verhandlung mitbringen, denn es sei ein Sachverständiger anwesend, der sofort Olivia untersuchen und ein Gutachten stellen würde. Ich erwiderte höflich, dass ich wie vereinbart zum Termin erscheinen werde, alles Weitere werde sich dann zeigen.

Mein Schwiegervater schloss die Reparaturarbeiten an meinem Wagen ab und ich machte mich auf den Weg zum Bezirksgericht Wr. Neustadt.

Erste Pflegschaftsverhandlung
Richter Masizek verspätete sich um ca. 10 Minuten. Der Sachverständiger Dr. Hawel kam kurze Zeit später hinzu, verhielt sich aber in der ersten Stunde der Verhandlung absolut ruhig. Dem Richter legte ich ein Schreiben vor, in dem ich um eine schriftliche Vorladung bat. Richter Masizek missverstand, wurde böse und drohte, dass es nun mit seiner Geduld aus sei. Ich könne dieses Schreiben haben, aber auf sein „goodwill“ bräuchte ich nicht mehr zu hoffen. Ich musste ihn beruhigen und erklärte ihm, dass ich lediglich die Vorladung schriftlich haben möchte, die Verhandlung könne er ruhig eröffnen. Ein Sekretär tippte schnell die Vorladung, fertigte jedoch auch jene für Erika aus, welche mir der Richter auch überreichen wollte. Ich verweigerte deren Annahme, denn Erika war ja auch nicht anwesend.
Als ich meine Vorladung in den Händen hielt, erklärte ich offen, Olivia nach den Therapievorschlägen der Neuen Medizin von Dr. Hamer therapieren zu wollen. Der Richter machte sich über meine Aussagen Notizen, die er nach einiger Zeit umformuliert zu Protokoll sprach. Ich musste sehr aufpassen, unterbrach ihn oft und ließ ihn umformulieren. Er spielte den Ungeduldigen, mir war dies gleichgültig. Ich sprach, er unterbrach mich, darauf unterbrach ich ihn, worauf er forderte, ich solle ihn aussprechen lassen und ich darauf hinwies, dass er mich unterbrochen hatte. Natürlich behaupteten der Richter und der Urologe, nichts von Dr. Hamer zu wissen. Ich erklärte, dies nicht zu glauben, da Dr. Hamer seine Schriften ja an alle Kliniken, Universitäten und Gesundheitsministerien versandt hatte. Es könne sich niemand ausreden, von nichts gewusst zu haben, und ich verurteilte alle, dennoch an dieser menschenunwürdigen Chemotherapie festzuhalten. Ich kann nicht mehr genau sagen, was alles auch auf Tonband gesprochen wurde. Ich hörte mir das Band zwar ein zweites Mal an, empfand diese Protokollierung jedoch als Farce. Nur ein Teil entsprach meinen Aussagen. Wesentliches war nicht darauf gesprochen worden. Der Urologe behauptete, dass die schulmedizinische Erklärung der Metastasenbildung keine Hypothese sei.
Der Richter erklärte im Protokoll, ich spräche nur Unsinn und ich käme ihm vor, als sei ich hypnotisiert. Ärgerlich fand ich seine ständig falsche Aussprache des Namens Hamer als „Harmer“. Zwei, dreimal korrigierte ich ihn, dann ließ ich es sein. Nach einiger Zeit mimte der Richter Hoffnungslosigkeit, mich umstimmen zu können, verwarnte mich eindringlich, doch ohne Erfolg, schlug den Akt zu und erklärte, mir hiermit das Sorgerecht entzogen zu haben. Offenbar glaubte er, dass ich somit zusammenbrechen würde.
Ein paar Augenblicke waren alle still. Ich blickte dem Richter in die Augen und nickte stumm mit dem Kopf. Da war aber nun der Richter betroffen, schaute hilflos zum Urologen und rang nach Worten. Er bat mich, doch noch alles mit meiner Frau zu besprechen und alles nochmals zu überschlafen. Die Auseinandersetzung begann von vorne. Wieder redeten sie auf mich ein. Schließlich spitze sich die Situation auf folgende Problematik zu: Dr. Hamer war überzeugt, dass sich der Tumor nicht weiter vergrößern werde und nach seiner völligen Indurierung und bei nicht störender Größe auch ruhig im Körper verbleiben könnte. Die Schulmedizin vertritt aber die Meinung, dass von jedem Tumor aus die potentielle Gefahr einer Metastasenbildung ausginge. Diese vermeintliche Gefahr bestätigte der Urologe. Jetzt griff der Richter auf überraschende Weise ein. Er unterbreitete den Vorschlag, ich solle Olivias Tumor durch weitere CTs kontrollieren lassen und wenn dieser seine Größe nicht ändert, werde er als Richter die Gefahr der Metastasenbildung verantworten.
Ich war verblüfft über die plötzliche Wendung dieser Verhandlung, womit sich dann auch die vorherige Aussage über den Sorgerechtsentzug als Bluff erwiesen hatte! Der Urologe verließ ohne Einwand den Verhandlungsraum und ich bedankte mich noch für die mir entgegengebrachte Umsicht des Richters.

Meine Freude war riesig und meine Stimmung in Hochform. Wie war doch die Bibelgeschichte mit den Makkabäer-Brüdern verlaufen? Ich dankte Gott, dass ich ihn wieder finden durfte. Sofort informierte ich Erika über die richterliche Entscheidung. Somit war klar, dass Erika und Olivia nächsten Tag wieder nach Hause kommen konnten. Als Röntgenologen wählte ich wiederum jenen aus Mödling.

Vereinbarungsgemäß informierte ich „täglich alles“ vom jetzigen Stand.

Telefonat mit der Rechtsanwaltskanzlei Müllberger:
Der Konsulent Herr Mag. Benedikt rief mich an und meinte, dass seine Kanzlei nicht
zweite Wahl sei. Damit machte er mir zum Vorwurf, dass ich mich auf Rechtsanwälte von Frau Dr. Petrovic verlassen hätte und eben auch enttäuscht wurde. Außerdem kenne er jemanden beim „ORF“, der sicherlich an dieser Geschichte Interesse habe. Wir vereinbarten, dass, sollte neuerlich ein Anwalt erforderlich sein, ich mich ganz sicher an seine Kanzlei wenden würde.

Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia musste den ganzen Tag über wegen ihrer Schmerzen im Bett verbringen.



Samstag, 10.06.1995:

Für diesen Tag war für mich eine Sitzung für Persönlichkeitsschulung mit einer deutschen Therapeutin in Wien geplant. Am Nachmittag sollte Gerald mit dem Auto Erika und Olivia bei der Autobahnabfahrt Wr. Neustadt absetzen und der Schwiegervater sollte die beiden dann nach Maiersdorf bringen.
Ich machte mich auf den Weg nach Wien. Während der Fahrt studierte ich in Gedanken die jetzige Situation. Anscheinend stünde jetzt Olivias Genesung von der Krankheit Krebs entsprechend der Neuen Medizin nichts mehr im Wege. Alles schien so weit geklärt. Olivia könnte jetzt in aller Ruhe zu Hause therapiert werden.
Wir hatten auch schon Angebote von einer Frau Hildegard erhalten, dass sie des Öfteren nach dem Rechten sehen könnte, bzw. auch bereit wäre, sich überhaupt ständig bei Olivia einzuquartieren. Frau Hildegard war ehemalige Diplomkrankenschwester auf einer internen Station mit Krebspatienten und Chemotherapie.
Als sie zunehmend auf die Psyche der Patienten und deren Konflikte einging, war es ihr nicht mehr möglich, die Chemoinfusionen herzurichten und sie kündigte deshalb im Krankenhaus. Sie machte sich mit einer Beratungsstelle selbstständig und hatte bereits große Erfahrung im Umgang mit Krebskranken. So weit, so klar. Ich hätte eigentlich beruhigt sein können, aber irgendetwas passte nicht ganz, irgendetwas hatte ich außer Acht gelassen.
Plötzlich wurde mir klar, was mich nicht zur Ruhe kommen lassen wollte. Dr. Hamer durfte nicht Recht bekommen! Schon gar nicht mit einem Fall, der bereits von den Medien aufgegriffen wurde. Mir fiel die Geschichte des Herrn Bauml wieder ein. Vor zwei Jahren, als er 120 Fälle entsprechend der Neuen Medizin untersucht und dokumentiert der Universität vorgelegt hatte, wurde er von der österreichischen Ärztekammer mit einem Brief zurückbefohlen. Die Medien griffen seinen Fall auf und bis auf „täglich alles“ verleumdeten sie ihn auf das Abscheulichste. Der Gipfel des Martyriums wurde durch anonyme Morddrohungen gegen seine Kinder erreicht. Ich hatte auch schon gehört, dass ehemalige Hamer-Patienten, die allzu sehr in die Öffentlichkeit gingen, plötzlich mysteriös verstarben.
Olivia war wohl noch nie so sehr in Lebensgefahr. Mir wurde direkt schlecht bei dem Gedanken. In Wien angekommen, telefonierte ich sofort mit Sepp, damit dieser Erika und Olivia selbst von Wr. Neustadt abholen sollte. Meine Bedenken schilderte ich ihm kurz.

Persönlichkeitsbildung bei Heidi:
Das Ziel war es, alte Verhaltensmuster abzulegen und entsprechende Gegenformulierungen zu finden. Über einen Lügendetektor führte sie mich in verschiedene Vorleben zurück. Ein Bild tauchte in mir auf. Es war um 1540 n. Chr. in England. Ich war auf einem grünen Hügel, vor mir lag Olivia am Boden. Nur, sie war meine Schwester und nicht viel jünger als ich. Rechts von mir stand ein Mann in Dunkelbraun. Um uns stand eine Runde von ebenfalls dunkel gekleideten Männern. Weiter vorne sah man die Front eines alten Schlosses. Olivia war verletzt und ich beugte mich über sie. Sie hatte Dolch- oder Degenverletzungen. Schuld war der Mann rechts von mir, die restlichen Männer waren aber auf seiner Seite und ich fühlte, dass wir gegen diese Männer gekämpft, aber verloren hatten.
Wir, Olivia und ich, waren Kinder des Schlossherren. Diese Männer führten eine Intrige gegen unseren Vater, ohne dass dieser dieses Spiel durchschaut hatte. Olivia und ich wussten davon und wollten auf eigenen Faust retten, was zu retten war. diese Verschwörer, mir fiel der Name „Illuminati“ ein, waren uns aber überlegen und nun mussten wir büßen.
Ich war durch einen ewigen Beschützerschwur an Olivia gebunden. Sämtliche meiner Vorleben zeichneten sich durch den Kampf gegen die „Illuminati“ aus, die ich aber nie besiegen konnte. Soweit das recht interessante Erlebnis. Meine Schlüsse daraus waren, dass ich mich nicht wieder in einen so aussichtslosen Kampf verwickeln lassen durfte. Es galt den „kampflosen Kampf“ zu führen.

Erikas Tagebuchnotiz:
Während der Nacht war Olivia alle 10 Minuten munter. Als ich ihr Bio-St.-Joseph gab, konnte sie Stunden durchschlafen. Wir fahren nach Hause.



Sonntag, 11.06.1995:

Bereits am frühen Morgen erhielten wir die erste Reaktionen auf den in „täglich alles“ erschienen Artikel. Es rief sogar der „orf“, Abteilung „help-tv“ an. Herr Thomas Rilk war von Rechtsanwalt Mag. Benedikt auf unseren Fall aufmerksam gemacht worden. Ich erklärte ihm, dass es zurzeit für uns recht gut aussehe. Sollten sich aber weitere Schwierigkeiten zeigen, so würden wir uns sicher auch an ihn wenden.

Es fiel mir meine Großmutter in Winzendorf ein. Vermutlich hatte sie ebenfalls den Artikel gelesen und machte sich nun sicherlich Sorgen. Bisher hatten wir alle unsere Schwierigkeiten von ihr ferngehalten. Ich rief sie gerade im richtigen Augenblick an und konnte sie soweit auch beruhigen.

Mein Vater hatte eine überaus interessante Mitteilung. Eine junge Mutter aus meinem Heimatort Grünbach war bei ihm zu Hause und erzählte folgende Geschichte: Im Jahre 1990 war sie mit ihrem drei Monate alten Mädchen in der Kinderklinik Wr. Neustadt bei Prof. Jürgenssen in Behandlung. Dieser stellte bei dem Mädchen Kugelzellenanämie, ein Vorstadium zur Leukämie, fest und erklärte der Mutter, dass lediglich eine sofortige und komplette Entfernung der Milz das Leben des Mädchens retten könnte. Die Mutter verweigerte das aber und ging stattdessen zu jenem, auch uns bekannten Naturheiler. Prof. Jürgenssen ging bei ihr damals genauso vor, wie jetzt bei uns. Er brachte sie beim Gericht Wr. Neustadt zur Anzeige und die Fürsorge wurde eingeschaltet. Heute, fünf Jahre später, ist das Mädchen gesund und hat ihre Milz noch immer. Da die Mutter jedoch alleinstehend ist und drei Kinder ihr Eigen nennt, fühlt sich das Jugendamt auch heute noch verantwortlich und erscheint regelmäßig.
Wir nahmen uns vor, diese Mutter einmal zu besuchen.

Medien

täglich alles - AUF DER FLUCHT VOR DER SCHULMEDIZIN



Montag, 12.06.1995:

Telefonat mit Dr. Herz:
Wir vereinbarten einen Termin für übernächsten Freitag. Gegen stärkere Schmerzen empfahl er ein halbes Kinderaspirin und weiters für die Leber Kohlblattumschläge.

Telefonat mit Bezirksgericht:
Vorsichtshalber meldete ich mich beim Sekretär des Richters und bestätigte, dass wir den morgigen Termin beim Radiologen wahrnehmen würden. Den Namen des Arztes nannte ich aber nicht.

Gespräch mit Dr. Grill:
Wir wollten unseren Hausarzt wechseln und uns wurde von unseren Freunden Dr. Grill empfohlen. Im Gespräch gelangte ich auch zu einem recht positiven Eindruck. Er ist eigentlich Homöopath, hat aber bereits von Dr. Hamer gehört. Über ihn konnte ich ein spezielles, von Dr. Herz empfohlenes Medikament für Olivia besorgen.



Dienstag, 13.06.1995:

Olivia war am Morgen fürchterlich fiebrig und sehr schwach auf den Beinen. Sie hatte die Nacht hindurch viel geschwitzt. Wir polsterten das Auto aus, um ihr die Fahrt so angenehm wie nur möglich zu machen. Auch klagte sie über starke Schmerzen im Bauch.

Untersuchung bei Dr. Hejda, Mödling:
Olivias Untersuchung war ein Desaster. Sie wehrte sich vehement, sich die für das Kontrastmittel erforderliche Spritze verpassen zu lassen. Sie musste von uns gezwungen werden. Sie schrie wie am Spieß. Wie sollte dieses Kind eine Chemotherapie durchstehen? Wie sollten wir mit ihr diese Marter durchstehen?
Nach der Untersuchung sprach ich mit dem dortigen Arzt Dr. Gruber. Ich erklärte ihm unsere komplizierte Situation. Er vertrat die Ansicht, eine Kombination von Chemotherapie und Neuer Medizin wäre das Optimale. Sofort vermutete ich eine Falle. Eine Kombination aus beidem ist widersprüchlich, denn Chemo und Morphium unterbinden eine natürliche Heilung.
Auch er war mit der Aussage des Prof. Jürgenssen über die Chemodosis, ausgehend vom Kind und hochgerechnet zum Erwachsenen, einverstanden. Auch ihm war klar, dass mit dieser Dosis ein Erwachsener sterben müsste, andererseits diese einem Kind aber durchaus verabreicht werden könnte.
Mir erschien solch eine Behauptung so widersinnig. Normalerweise werden Medikamente für Kinder immer schwächer als für Erwachsene dosiert. Mir ist wirklich kein Medikament bekannt, das hochgerechnet einen Erwachsenen töten könnte. Und ausgerechnet beim Zellgift werden derartige Dosen an Kinder verabreicht??

Wir fuhren Heim. Ich erzählte Erika von meinen Befürchtungen, dass Dr. Hejda ein Tumorwachstum bestätigen muss. Wieder einmal war mir vor Angst ganz übel. Olivia bestand auf den versprochenen Videos, so dass wir zusätzlich noch nach Wr. Neustadt fahren mussten, um diese zu holen. Trotz ihrer schlechten Verfassung ging sie sogar noch mit in die Videothek.

Nachdem wir Olivia nach Hause gebracht hatten, fuhr ich sofort, aber allein, wieder zu Dr. Hejda nach Mödling zurück. Ich war angespannt und nahm Notfallstropfen (Bachblüten). Blanker Schock! Wie befürchtet, nur noch schlimmer. Der Tumor war von 8 cm auf 15 cm gewachsen. Mir gelang es, nicht die Fassung zu verlieren. Ich blieb ruhig und ließ Dr. Hejda reden. Ich bat ihn, mir die Tumoraufnahmen zu zeigen. die neuen und die alten. Es schien, als habe er Recht. Ich war bestürzt, konnte aber ruhig diskutieren. Es liegt jetzt also ein Beweis vor, dass Dr. Hamer nicht Recht hat, bemerkte ich und blickte die beiden Ärzte Dr. Gruber und Dr. Hejda offen an. Wohl war ihnen bei meiner Bemerkung nicht. Jetzt haben sie doch endlich die Möglichkeit, Dr. Hamer eins auszuwischen, setzte ich nach. Die beiden Ärzte drückten sich vor einer konkreten Aussage, meinten aber, dass er in diesem Falle anscheinend irre. Ich verlangte die CTs. Sie waren nicht zu bewegen, sie mir vor morgen auszuhändigen. Sie erteilten mir immer wieder Ratschläge, sozusagen von Vater zu Vater.

Ich ging und rief Frau Dr. Rostovsky an. Sie war verwundert und meinte, nun müssten wir doch Chemotherapie machen. Ich fuhr heim. Wie wird es Erika auffassen? Hat Dr. Hamer sich geirrt? Offensichtlich! Sollten wir am Besten gleich wieder zurück in das St. Anna-Kinderspital fahren? Die Hetzjagd wäre vorbei, wir als Sündenböcke, Uneinsichtige, einem Irrtum Verfallene aufgedeckt und für Olivia würde ein Leidensweg beginnen, der kein Ende verspricht. Oder doch? Wie würden jetzt die Ärzte Olivia behandeln?
Olivia ist verloren! Wir sind schuld. Wir haben dieses Schlamassel inszeniert. Die Ärzte haben allen Grund, böse auf uns zu sein! Wie denken jetzt all jene, die mich in meinem Kampf begleitet haben? Frau Ingrid, Geralds Mutter.... Wie jene, die schon immer zweifelten?
Genau genommen wurde Erika von der Idee, zu Dr. Hamer zu gehen, angesteckt. Ich holte ihr ja nur die von ihr so sehnlichst gewünschten Sterne vom Himmel. Ich gehorchte dem Prinzip zwischen Mann und Frau. Und wer war dahinter? Wer infizierte Erika mit dieser Idee? Karin! Immer wieder Karin!
Und wenn ich nach Hause komme, wird Gerald, ihr Mann, bei uns sein. Ich hatte ihn bestellt für den Notfall einer eventuellen Flucht, wenn Dr. Hejda behaupten würde, der Tumor sei um 1 cm gewachsen. Aber der Tumor ist von 8 cm auf 15 cm gewachsen. Er hat sich fast verdoppelt.
Wir bringen Olivia ins St. Anna! Nie! Erika würde dem nie zustimmen! Aber sollte ich zusehen, wie der Tumor Olivia umbringt? Er sie zu Hause oder auf der Flucht umbringt? Ich musste mich mit Erika beraten. Haben wir als Eltern das Recht zu entscheiden? Haben wir ein biblisches Recht? Der reine Wahnsinn! Wieso trifft uns so ein Schicksal, ein so unabwendbares Schicksal?

Erika und Gerald waren vorerst sprachlos. Ich war kaputt. Gerald fing an, Zweifel anzumelden. Wir zweifelten. Waren das CTs von unserem Kind? Eine Ex- Krankenschwester meinte, den Ärzten sei alles zuzutrauen. Wurden mir die Bilder richtig interpretiert? Gerald meinte, für die Schulmedizin stehe viel auf dem Spiel. Vielleicht hat sich Dr. Hamer nur in der Krankheitsphase geirrt? Vielleicht müsste erst der Tumor noch ein Stück bis zum Stillstand wachsen? Vielleicht müsste überhaupt erst der Konflikt gelöst werden?
Wir mussten uns Zwingen, den Kopf nicht zu verlieren. Dr. Hamer und Frau Rostovsky hatten auch noch einen Leberkrebs erkannt, der im St. Anna letztlich bestritten wurde. Egal welche Art von Krebs Olivia hatten und egal in welchem Stadium sich dieser befand, die Frage lautete, welchen Weg sollten wir einschlagen? Und diese Frage war leicht zu beantworten: Auf keinen Fall die Chemotherapie! Wir mussten also weiter überlegen. Ein beratender Arzt war unbedingt erforderlich. Aber es erklärte sich keiner bereit, die Verantwortung zu übernehmen. Nun, vielleicht würde es gelingen, einen Arzt zu gewinnen, ohne diesen von den Behörden als Verantwortlichen deklarieren zu müssen. Es war klar, dass wir nunmehr in den Untergrund gehen mussten, also brächten wir auch keinen offiziell behandelnden Arzt, sondern lediglich einen, der uns berät. In diesem Sinne versuchten wir weiter vorzugehen.

Gespräch mit Dr. Herz:
Auch er schloss nicht aus, dass sich Dr. Hamer betreffend der Nierenzyste geirrt haben könnte. Dass er aber gleich bei zwei vorhandenen Krebsen falsch diagnostiziert, hielt er für unwahrscheinlich, zumal Olivias Symptome zutreffend waren. Am Telefon wäre aber eine konkrete Aussage nicht zu treffen. Für weitere beratende Auskünfte stand er aber nunmehr doch zur Verfügung.

Ich war überglücklich und habe sogar vor Freude geweint. Gerald, der dem Gespräch beiwohnte, war sehr berührt und betroffen.

Dr. Hamer war leider telefonisch nicht erreichbar.



Mittwoch, 14.06.1995:

Rechtsanwalt Mag. Benedikt war nicht erreichbar.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Dr. Hamer schloss ein derartiges Tumorwachstum absolut aus. Im Heilungsprozess (Indurierung) wäre eine maximale Vergrößerung um 1 cm möglich. Wir vereinbarten, dass wir ihm Kopien der neuen CTs zuschicken werden. Er sagte für die kommende „help-tv“-Sendung im „orf“ am 5. Juli `96 zu.

Telefonat mir Frau Dr. Rostovsky:
Sie wollte unbedingt die neuen CTs sehen.

Telefonat mit Herrn Rilk, „help-tv“:
Dieser schlug einen mir unbekannten Arzt namens Herr Dr. Röstler21 vor und war der Ansicht, dass generell eine zweite, also auch schulmedizinische Meinung, nicht schaden könnte. Er versicherte mir, dass Dr. Röstler für alternative Behandlungsmethoden aufgeschlossen sei.

21 Name geändert

Telefonat mir Frau Dr. Rostovsky:
Sie kannte diesen Dr. Röstler und warnte, dass dieser zwar nach außen sich alternativ gab, trotzdem aber alle Krebspatienten zur Chemo schickte.

Wie tags zuvor ausgemacht, holte ich den Befund und die CTs von Dr. Hejda ab. Auf weitere Diskussionen ließ ich mich nicht ein. Anschließend machten wir uns sofort auf den Weg zu Dr. Liebner.

Besuch mit Olivia bei Dr. Liebner:
In der Ordination von Dr. Liebner eingetroffen, spürten wir sofort eine überaus angenehme Atmosphäre der Ruhe und Entspannung. In einer Veranda, mit Blick auf einen schönen Hinterhofgarten, war der Warteraum eingerichtet. Leise Musik war im Hintergrund zu hören. Klein Heiligenbilder und aufgestellte Kreuze zeugten von der gläubigen Einstellung der Arztfamilie. Frau Dr. Liebner war lieb darum bemüht, die Wartezeit der Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten. Oft kam sie, um nach dem Rechten zu sehen.
Dr. Liebner stellte die Verfassung Olivias genauso fest, wie wir sie empfanden. Mit Hilfe der Irisdiagnose erkannte er Olivias sensibles und nervöses Wesen und vertrat offen und bestimmt die Ansicht, dass sie kaum eine Chemotherapie überleben werde.
Sollte eine Operation der Zyste erforderlich sein, empfahl er uns einen deutschen Urologen einer Klinik, mit dem er bereits vor einiger Zeit ein Kind mit Nierenproblemen entsprechend der Neuen Medizin heilen konnte. Dieses Kind war auch als Fall in der Celler-Dokumentation angeführt.

Zeichnung von Olivia
Diese und nachfolgende Seite: Zwei Zeichnungen Olivias ins Tagebuch des Vaters vom 14.06.1995
Zeichnung von Olivia

Frau Dr. Liebner meinte noch abschließend, dass sie als Ärzte einer ausbezahlten Praxis nicht so leicht angreifbar und erpressbar wären, wie viele ihrer Kollegen und daher könnten wir uns sehr wohl auf sie berufen. Bemerkenswert war auch noch der Umgang des Arztes mit unserer Tochter, die gerade wieder wegen Bauchschmerzen klagte. Er ließ sie auf der Couch niederlegen und massierte ihr mit der flachen Hand in kreisförmigen Linksbewegungen den Bauch. Dann griff er ihr in die Seite und hob ihren Körper ganz leicht an, worauf hin ein vernehmbares Glucksgeräusch hörbar wurde. Olivia hatte leichte Verdauungsprobleme.
Die ruhige und überaus sensible Vorgehensweise des Arztes hatte uns sofort Vertrauen fassen lassen. Heutzutage solche Ärzte zu kennen hat einen gewissen Seltenheitswert. Normal wird man innerhalb kurzer Zeit mit irgendeinem Pharmazeutikum entlassen, ohne dass man auch nur annähernd seine wirklichen Probleme vorbringen konnte.
Wenn wir schon untertauchen wollten, so wurde uns empfohlen, sollten wir auf alle Fälle mit der ganzen Familie einen sicheren, aber auch schönen Ort aufsuchen, damit den Kindern der Eindruck eines Urlaubes vermittelt werden könnte. Zu Hause angekommen, fingen wir sofort an für einen längeren Zeitraum zu packen. Mit dem Richter im Nacken, entschlossen wir uns, mit allen Kindern unterzutauchen. Die mit ihm vereinbarte Überbringung des Befundes hielten wir nicht ein.
Unser Ziel war der Bauernhof von Erikas Cousine Karin in Kärnten. Dieser befand sich recht abgelegen auf einem Berg in 850 m Seehöhe. Dort versprachen wir uns die für Olivia notwendige Ruhe und vor allem die Sicherheit vor einem Zugriff der Behörden. Ärztlichen Rat konnten wir jederzeit einholen und auch ein Termin bei Dr. Herz mit Olivia war bereits vereinbart worden. Auch wollten wir unbedingt mit einem von Dr. Liebner empfohlenen deutschen Arzt in Verbindung treten.

Für Karin und ihren Mann Gerald war die Neue Medizin schon seit längerem ein Begriff. Geralds Mutter hatte bereits einmal auf eigene Faust einen Patienten vor der Chemo bewahrt und ihn entsprechend der Neuen Medizin gesund gepflegt. Leider kam dieser Patient auf die Wahnsinnsidee, weiterhin den pflegebedürftigen Patienten spielen zu wollen. Wahrscheinlich war ihm das regelmäßige Arbeiten gehen zuwider und daheim in seiner türkischen Heimat entschloss er sich, seinen nachweislich nicht mehr vorhandenen Krebs mit Chemo weiter behandeln zu lassen. Kurze Zeit später verstarb er.

Ich fuhr nach Grünbach und hob unser Urlaubsgeld von unserem Konto ab. Weiters besprach ich die mögliche Notwendigkeit, ein paar unserer Bausparverträge auflösen zu müssen. Für unser momentanes Vorhaben war aber genügend Bargeld vorhanden.
Danach holte ich Elisabeth, die bei der Familie K. zu einer Geburtstagsparty eingeladen war. Maria war ebenfalls anwesend. Kurz erzählte ich ihnen von unserem Vorhaben, bat sie aber zu schweigen. Bei unserem Naturheiler holte ich noch einen Vorrat an Bio-St.-Josef, Zelloxigen und Gelee-Royale. Seine Frau bediente mich, er selbst war nicht da.
Als wir alles fertig gepackt hatten, fuhren wir los. Olivias Gesamtbefinden schwankte, wurde aber im Laufe des Nachmittags besser. Die mehrstündige Autofahrt war aber für alle drei Kinder sehr anstrengend. Gerald und Karin waren überrascht, nun die ganze Familie Pilhar bei sich zu haben, nahmen uns aber freundlich und hilfsbereit auf. Wenn ich bedenke, welche Kraft ich diesen beiden schon oft entgegengestellt, wie ablehnend ich mich gegen ihre Ansichten verhalten und Erika vor deren Einfluss gewarnt hatte... Jetzt schienen sie für mich die einzigen möglichen Retter für meine Familie und Olivia zu sein. Ich sehnte mich nach Frieden. Olivia brauchte unbedingt Ruhe.

Wir waren auf der Flucht. Sollten doch der Richter und seine beratenden Ärzte und auch die Medien richten und berichten, was sie wollten. Erika und ich tragen für Olivia die Verantwortung und wir werden diese auch immer tragen müssen. Das Gericht kann uns vielleicht per Geschriebenem das Sorgerecht aberkennen, kann es uns aber die Sorge, Angst und den Schmerz um unsere Tochter nehmen? Was zählt ein Stück Papier gegen unsere Tochter?

Als wir unsere Habseligkeiten in dem uns zugeteilten Zimmer verstaut hatten, setzten wir uns beim Abendbrot zusammen und besprachen die Situation. Erika bestätigte das Tumorwachstum anhand der Schwellung oberhalb Olivias Rippen. Wie konnte das Geschehen? Irrte Dr. Hamer? Dieser schloss dies aus. Lag hier ein Rezidiv vor? Wir waren ratlos. Wir wussten nur eines: Olivia konnte nur, wenn überhaupt möglich, mit sanften Mittel geheilt werden. Auch jetzt kam Chemo nicht in Frage. Es ist doch absurd, Krebs mit krebserregenden Mitteln bekämpfen zu wollen!

Medien

NÖN - MEDIZINERSTREIT ÜBER KREBSKRANKES KIND



Donnerstag, 15.06.1995:

Oh Wunder! Morgens war die Schwellung zurückgewichen. Olivia hatte eine ruhige Nacht. Überhaupt machte sie einen guten Eindruck. Sie hatte überhaupt keine Schmerzen und war quietschvergnügt. Wir könnten wieder hoffen. Gerald erzählt von einem deutschen Geistheiler namens Schuster. Dieser rief an und ohne zuvor mit Gerald über den jetzigen Zustand von Olivia gesprochen zuhaben, bestätigte er, dass ein wesentlicher Schritt in der Heilung gelungen wäre. Er erklärte, er hätte von Olivia irgendetwas abnehmen und auf sich selbst lenken können. Deshalb sei er auch zur Zeit fürchterlich müde und kraftlos.
Ich war beeindruckt. Was ging hier vor sich? Gerald, Karin und Herr Schuster sprachen von etwas Gewaltigem, dessen Existenz ich bisher streng geleugnet hatte. Jesus, Gott, allumfassende Liebe. Dämonen, Seele, Schwüre, Magie... Mir persönlich war Geistheilung suspekt, aber wenn ich zu mir selbst ehrlich war, musste ich zugeben, dass ich, ohne darüber Bescheid zu wissen, dies einfach nur als Unsinn ablehnte. Woher, so sagte ich mir, nahm ich mir dieses Recht? Dass es mehr zwischen Himmel und Erde gab, als wir Menschen wahrnehmen und verstehen konnten, musste ich eingestehen.
Und geschah zur Zeit nicht auch das gleiche mit der Neuen Medizin? Gut, die Neue Medizin ist gegenüber der sog. Geistheilung real, verständlich und begreifbar, aber doch lässt sie eine wichtige Frage außer Acht: Warum traf es gerade Olivia? Alexander ist älter, Elisabeth ist jünger als Olivia. Alle hatten aber das gleiche Schicksal, den gleichen Lebenslauf zu ertragen. Warum also hatten Alexander und Elisabeth keinen Krebs? Auch sie mussten doch ihre Mutter vermisst haben? Auch sie wurden von der gleichen Großmutter bekocht. Die Ursache ist sicherlich auch wieder in der unterschiedlichen Psyche der Kinder zu finden.
Aber warum sind die „Psychen“ der Kinder unterschiedlich? Olivia zeigte bereits eine große Begabung im Schreiben und Lesen, obwohl sie noch in den Kindergarten ging. Sie stand im raschen Entziffern und Buchstabieren von Wörtern Alexander, mit seiner Schulausbildung aus der ersten Volksschulklasse, kaum nach. Wieso konnte Olivia bereits so gut mit Buchstaben umgehen? Wir hatten sie dazu überhaupt nicht angehalten.

Erklärbar wurde dies für mich aufgrund der erfahrenen Persönlichkeitsschulung. Jeder Mensch hat nach dieser Auffassung ja bereits Erfahrungen aus verschiedenen Vorleben gesammelt. Diese sind wie auf einer großen Festplatte eines Computers in der menschlichen Seele gespeichert und durch gewisse Ereignisse oder Umstände im Leben kann man auf diese bereits gemachten Erfahrungen zurückgreifen. Auch scheinbar unauslöschlich eingebrannte Verhaltensmuster können so immer wieder wie Reaktionen und leider auch ungewollt zum Vorschein kommen. Meine Persönlichkeitsschulung hatte ja den Zweck gehabt, solche Verhaltensmuster zu erkennen und bei Unbrauchbarkeit gezielt aufzulösen.
Mit diesem Wissen wurde mir auch Olivias mögliche seelische Vorbelastung bewusster. Ich war erwachsen und konnte meine Konflikte mit meinem Intellekt lösen. Olivia war ein Kind und brauchte eine reale Konfliktlösung, d.h. sie musste real ihre Mutter wieder zur Verfügung haben.
Je mehr ich über geistige Gesetze und Neue Medizin nachdachte, desto klarer wurde mir, dass sie sich ergänzten. Die Neue Medizin fängt mit dem embryonalen Leben im Mutterleib an und endet mit dem Tod. Von einer spirituellen Ebene her betrachtet, umfasst eine „geistige Heilung“ dagegen die ganze Zeitdauer eines Seelenlebens.
Es fiel mir wieder mein bisheriger Atheismus ein und er kam mir als absoluter Nonsens vor. Mir wurde bewusst, dass ich mich in einem persönlichen Umbruch befand, dessen Folgen noch nicht absehbar waren. Neugierig wollte ich mehr erfahren.
Ich hörte mir die Ausführungen von Gerald an. Er war geduldig und schien zu wissen, wovon er sprach. Vieles war mir bekannt, viel Wissen lag tief und fest in mir. Ich wusste schon immer, dass eine böse Tat irgendwann einmal auf einen zurückfällt. Deshalb versuchte ich ein gutes und gerechtes Leben zu führen. Aber warum? Warum war ich nicht verlogen, selbstsüchtig oder sonst irgendwie unmenschlich? Oft hatte mich diese Einstellung um persönliche Vorteile gebracht. Warum war ich kein Bösewicht? Warum war mir Unrecht ein Gräuel? Vom Blickwinkel eines Atheisten aus betrachtet, ergab meine Einstellung zum Leben und zu meinen Mitmenschen immer einen übergeordnetes Ziel vor, das eigentlich keinen logischen Grund hatte. Mit dem Tode war das Leben ja sowieso vorbei. Eigentlich war ich kein Atheist, ich wollte bloß einer sein!

Es gab interessante Zusammenhänge, die Gerald erklären konnte, und diese Erklärungen deckten sich mit den Aussagen von Heidis Persönlichkeitsschulung, und ich spürte, sie waren korrekt. Die Vorstellung, wir alle seien Seelen in einem vorübergehenden Körper, die in ihren verschiedenen „Leben“ Erfahrungen sammelten, Probleme lösten und immer wieder versuchten, zur Wahrheit oder zum Licht zurückzukehren, um sich endlich zu vergeistigen, gab meinem derzeitigen Leben eine vollkommen neue Dimension. Olivia war demnach also eine Seele, die Verwicklungen aus ihrem Vorleben nun zu lösen hatte. Wir Eltern und alle Involvierten, wie Ärzte, Behörden, Verwandte spielten hierbei eine wesentliche, wenn auch unterschiedliche Rolle.
Unsere Elternrolle müsste neu überdacht werden. Erika ließ sich oftmals willenlos vom kindlichen Ego ihrer Kinder leiten. Sie war oft nicht fähig, verschiedenem Drängen der Kinder standzuhalten. Dies zu ändern war ihre Aufgabe. Eltern haben die Aufgabe, ihre Kinder zu leiten und nicht allen ihren Wünschen nachzugeben. Olivia befand sich im Konflikt mit ihrem männlichen und weiblichen Prinzip. Es war ihr nicht möglich, ihre männliche Seite zu akzeptieren und dadurch gelangte sie nicht in Harmonie. Meine Aufgabe bestand nun darin, Olivias Liebe zu ihrem männlichen Prinzip zu wecken. Die mütterliche Fürsorge sollte mehr durch väterliche Ersetzt werden. Nichts war mir lieber als das. Anhaltspunkte für die Richtigkeit dieser Überlegungen fanden wir in ihren Zeichnungen. Sie malte vorwiegend Prinzessinnen. Erst später kamen männliche Bildnisse dazu.

Zeichnung von Olivia
Sie malte vorwiegend Prinzessinnen...
Zeichnung von Olivia
...erst später kamen männliche Bildnisse dazu



Freitag, 16.06.1995:

Olivia ging es zusehends besser. Sie schlief die Nächte durch und ihr Klagen über Bauchschmerzen war seltener geworden. Sie war oft im Freien und betrachtete belustigt das wilde Treiben ihrer Geschwister mit Johannes, dem Sohn von Gerald und Karin. Ein beliebter Spielplatz für Olivia war der Sandkasten.
Sie war furchtbar mager geworden. Ihre Rippen und Schulterknochen waren überdeutlich erkennbar. Aber sie aß! Gott sei Dank hatte sie Appetit! Ich half Gerald beim Verfliesen des überaus großen und renovierten Ganges. Erika war Karin bei den Vorbereitungen zum Bauernmarkt und im Haushalt behilflich.

Der Tag verlief ruhig. Mein Appetit, der sich in den vergangenen Wochen stark reduziert hatte, erholte sich sehr rasch. Tätigkeiten an der frischen Luft, aber vor allem auch die vermeintliche Ablenkung der drohenden Gefahr Olivia betreffend, trugen das ihrige bei.

Um 20.00 Uhr gingen wir für gewöhnlich schlafen.

Zeichnung von Olivia
Zeichnung Olivias ins Tagebuch des Vaters vom 16.06.1995



Samstag, 17.06.1995:

Erika, Olivia, Elisabeth und ich wachten gleichzeitig auf. Alexander schlief mit Johannes in einem Zimmer im Erdgeschoss. Ich ließ das bisherige Geschehen in Gedanken durchlaufen. Dunkel erinnerte ich mich, einen fürchterlichen Traum geträumt zu haben. All mein Handeln und alle meine Sorgen und Gedanken im vergangenen Monat drehten sich um Olivia. Was war nicht alles geschehen? Es schien mir, als hätte dies alles Monate in Anspruch nehmen müssen und trotzdem schrieben wir den 17. Juni. Es war also genau ein Monat seit der Diagnoseerstellung vergangen.

Für mich persönlich änderte dieser Monat meine Sichtweise von Recht und Gesetz, über Ärzte und Spitäler und vor allem, ich fing an, einen Sinn im Geschehen unserer Geschichte zu erkennen. Ich, der immer behauptete ein Atheist durch und durch zu sein, der ein Jahrzehnt lang in allen Religionen dieses falsche, den Menschen irreführende Prinzip des Gehorsams, des Erduldens und des jenseitigen Belohntwerdens erkannt und verdammt hatte. Gerade Gerald, den ich samt seiner Frau Karin immer nur belächelte und abtat, musste mir nun erklären, wie das göttliche Prinzip zu verstehen sei. Teile davon war mir bekannt, manche jedoch vollkommen neu. Noch spürte ich, wie sich mein Verstand wehrte, mein Herz sich aber sehnte, endlich Göttliches erkennen zu dürfen. Dieser Monat hatte meine persönliche Wahrnehmung entscheidend geformt.

Karin und Gerald waren am Bauernmarkt, um ihrem Geschäft nachzugehen. Sie mussten schon sehr früh aufgebrochen sein, denn ihre Abfahrt hatte mich nicht geweckt. Zwischen Erika und mir gab es kleine Differenzen, die allein meine Schuld waren. Ungeduld war ein in-Angriff-zu-nehmendes Laster von mir.

Nach einem Bad und dem Frühstück suchte ich mir eine Beschäftigung. Der Tag war herrlich klar und die Natur reichte mit ihren Eindrücken und Geräuschen fast bis in das Haus. Gegen Mittag fuhr ich mit Johannes als Führer in das entfernt gelegene Dorf einkaufen. Milch und Eier holten wir beim Bauern, den Rest aus dem Kaufhaus. Vor dem Kaufhaus fand ein Dorffest statt. Musik spielte und auf der Bühne wurde getanzt. Leute saßen auf Heurigenbänken bei ihrem Bier und begafften Neuankommende. Im Kaufhaus war reger Betrieb. Ich mied jeden direkten Blickkontakt mit den Fremden, aus Furcht durch die Medien bereits bekannt geworden zu sein. Beim Zeitungsstand nutzte ich Johannes’ Interesse für Comics, indem ich schnell die Tageszeitungen nach einem uns betreffenden Artikel durchblätterte und war beruhigt, keinen finden zu können. Später dachte ich mir, ob ich nicht zu pessimistisch war. Vielleicht würde ich gerade dadurch, entsprechend dem feinstofflichen Prinzip der Anziehung, negative Ereignisse anziehen. Wie funktioniert eigentlich schwarze Magie? Es wäre wohl besser, ich änderte meine Einstellung.
Nach dem Mittagessen gingen wir in den Garten Ball spielen. Olivia hatten ihren Spaß daran und ich Bedenken, dass sie sich überanstrengen könnte. Schon hatte ich wieder meine negativen Gedankenmuster angewandt, schmiss es aber sofort weg und überlegte, Olivia könnte wohl selbst am besten ihr Bedürfnis nach Spiel und Ruhe empfinden. Es entsprach auch nicht ihrem Charakter, sich zu etwas überreden zu lassen, was sie eigentlich nicht tun wollte. Unser Ziel war es, Olivia Erholung zu gewähren. Sie durfte nicht vor Langeweile frustriert Heimweh bekommen. Wir ließen, soweit wie möglich, das Kind selbst entscheiden.

Foto von Olivia
Ihre wachsende Schönheit wurde mir bewusster denn je (Foto: News/Zach-Kiesling)

Mein Bedürfnis in Olivias Nähe sein zu können, konnte ich mit Maß und Ziel voll ausleben. Ihre wachsende Schönheit wurde mir bewusster denn je und es war klar, dass sich viele Männer um sie einmal bemühen werden. Ich schwelgte in Vaterstolz und vollkommener Liebe. Es musste gelingen, ihr zartes, sensibles Wesen zu stärken!

Später unternahmen wir eine Wanderung, die länger ausfiel als geplant war. Der Weg durch den Wald war steil. Doch nachdem wir die ersten Eierschwammerln gefunden hatten, brach bei Johannes, Elisabeth und mir das gefürchtete Schwammerlfieber aus. Alexander und Olivia waren zwar nicht sehr begeistert, taten aber bereitwillig mit. Da es Olivia offensichtlich gut ging, schob ich aufkommende Bedenken über die Zumutbarkeit beiseite und es wurde wirklich eine schöne Wanderung. Elisabeth fand sogar einen Steinpilz und war durch meine Bewunderung und Anerkennung hellauf begeistert.
Die Gegend, Berge und Täler, Wälder und Wiesen, die Kühe auf den Wiesen und die vielen Bienen, die emsig umher flogen, all das wirkt so beruhigend auf mein Gemüt, dass ich es kaum zu beschreiben imstande bin. Was vermissen wir doch in unseren hochtechnisierten Städten, ohne dass es uns überhaupt bewusst wird? Was haben wir verloren, was tauschten wir gegen täglichen Stress, Smog und sonstige Belastungen bereitwillig ein? Wer hat uns dazu verleitet? Es gibt darauf eine mögliche Antwort und diese werde ich später noch zu Papier bringen. Tröstlich ist die Möglichkeit, durch Erkennen gegensteuern zu können.
Der „kampflose Kampf“. Wie dieser geht, erfahre ich durch Olivia. Auch heute noch. Ich versuche viele meiner Eindrücke aus der Natur meinen Kindern weiterzugeben, sie zu sensibilisieren. Johannes war ihnen darin bereits um vieles voraus. Alexander schien es zu langweilig zu sein. Aber ich hatte Geduld und Liebe und vor allem, ich nahm mir Zeit.



Montag, 19.06.1995:

Aus Sicherheitsgründen telefonierte ich niemals vom Telefon im Haus, sondern fuhr je nach Bedarf ins Dorf zum Postamt.

Telefonat mit Mag. Benedikt:
Ein Termin für 15:00 Uhr wurde vereinbart.

Telefonat mit Frau Stöckl, „help-tv“:
Sie versicherte, dass nur die komplette Diskussionsrunde, also mit Dr. Hamer, Prof. Jürgenssen, einem Anwalt und mir sinnvoll wäre. Ein Kurzfilm über Olivia sollte zwischen kommendem Mittwoch und Freitag gedreht werden.
Mein Eindruck von Frau Stöckl war der, dass sie zwar einen objektiven Bericht gestalten wollte, aber die wirkenden Kräfte der Schulmedizin unterschätzte, die sie aller Voraussicht nach bald zu spüren bekommen würde.

Termin bei Rechtsanwalt Müllberger:
Mit der Einstellung, dieses Rechtsanwaltbüro sei keine zweite Wahl (Aussage des Herrn Mag. Benedikt), betrat ich das Besprechungszimmer. Die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Herr Dr. Müllberger nahm recht bald seine ablehnende Haltung ein, ich hatte aber von Herrn Mag. Benedikt den Eindruck, dass ihm dies Leid tat. Herr Müllberger führte das Gespräch. Magister Benedikt schwieg sich betreten aus. Mehrer Telefonate wurden mit dem AKH geführt. Laut deren Auskunft gab es 30-50 Fälle an Wilmstumor im Jahr in Österreich. Dies widersprach der Auskunft des Herrn Prof. Jürgenssen. Neu war auch, dass Olivia aufgrund ihres Alters bereits als Risikokind eingestuft werden musste. Normalerweise trete Wilmstumor im Alter von 3-5 Monaten auf. Dies widersprach ebenfalls früheren Auskünften, bei denen das durchschnittliche Alter bei 3 Jahren lag.
Nach Herrn Müllbergers Meinung und nach seinen Informationen von Schulmedizinern riskierte ich das Leben meiner Tochter und deshalb könne er mich nicht vertreten. Er empfahl mir unbedingt einen verantwortlichen Arzt oder besser noch, ein verantwortliches Ärztekonsortium für Olivias Behandlung.
Magister Benedikt schlug noch eine Variante vor, gegen die Schulmedizin bis zum Verfassungsgericht zu gehen. Genau verstand ich nicht, was er meinte, jedenfalls ging darauf Herr Müllberger nicht ein. Unverrichteter Dinge fuhr ich wieder von Wien zurück nach Kärnten.

Telefonat mir Dr. Hamer:
Die Schwellung unterhalb Olivias Rippen komme von dem Leberkrebs, der in der Heilungsphase diese zum Schwellen bringt. Wir müssten auf Hepatitis achten. Dies wurde sich in braunem Urin und Appetitlosigkeit äußern.
Zusätzlich zum deutschen Urologen, den er natürlich ebenfalls kannte, empfahl er uns eine weitere Kinderärztin, die sicherlich ebenfalls bereit wäre, als Ärztin für Olivia einzustehen.

Ich bereitete mich auf die bevorstehende „orf“-Sendung vor. Es musste gelingen, nicht nur von Dr. Hamer Erfolge vorlegen zu lassen, sondern auch Prof. Jürgenssen müsste genaue Zahlen über Erfolg und Misserfolg vorweisen. Wo sind die vielen (95%) Erfolge in der Wilmstumorbehandlung? Können die Ärzte wirklich beurteilen, ob ein Kind die Chemotherapie übersteht oder nicht? Den Eltern wird ja diese Beurteilungsfähigkeit aberkannt. Wenn die Ärzte dies können, heißt das dann, dass sie im Vorhinein feststellen können, dieses oder jenes Kind wird diese Therapie nicht überleben? In der Schulmedizin bekommt ja jedes Kind mit Wilmstumor Chemotherapie. Es ist zu vermuten, dass auch die Ärzte dies nicht feststellen können, bzw. wenn dies überhaupt jemand beurteilen kann, dann doch nur die Eltern, die ihr Kind kennen und auch wissen, welches Martyrium so eine Therapie bedeutet.



Dienstag, 20.06.1995:

Morgens fuhr ich mit Alexander ins Dorf und brachte ihn zum Friseur. Anschließend führte ich folgende Telefonate:

Telefonat mit Dr. Papadakis22, Urologe:
Ich erklärte ihm kurz den Zustand von Olivia und auch das bereits vorhandene Medieninteresse. Vielleicht, so überlegte ich, war das mein erster Fehler gewesen.

22 Name geändert

Telefonat mit Burgau:
Nach einer kurzen Schilderung über die derzeitige Entwicklung erwähnte ich den beabsichtigten Besuch bei Dr. Papadakis, als mir plötzlich einfiel zu fragen, ob deren Telefon eventuell abgehört werde. Es könne nicht ausgeschlossen werden, war die Antwort. Vielleicht war dies mein zweiter Fehler gewesen, ärgerte ich mich.

Telefonat mit Herrn Rilk, „help-tv“:
Er bestätigte das Kommen von Prof. Jürgenssen. Statt der Live-Sendung solle ein längerer Beitrag aufgezeichnet werden. Ich musste lachen, und als er verwundert nach dem Grund meiner Belustigung fragte, meinte ich, dies geahnt zu haben. Es war klar, dass dadurch dem „orf“ ein Scheiden und Manipulieren des Beitrags möglich wurde. Ob darauf Dr. Hamer einsteigen würde, konnte ich nicht versichern. Den Termin für die Dreharbeiten beraumten wir für kommenden Freitag gegen 11:00 Uhr an. Den genauen Ort gab ich nicht bekannt, vereinbarte aber, ihn dann am Morgen gegen 7:00 Uhr anzurufen und bekannt zu geben. Lediglich den Umkreis von 2 Stunden Wegzeit verriet ich.

Telefonat mit Dr. Herz:
Der Termin wurde für den kommenden Freitagnachmittag fixiert.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Ich erzählte von meinen Misserfolgen, einen Rechtsanwalt zu bekommen. Er nannte einen aus Granz namens Dr. Antonescu23, der ihn bereits einmal vertreten hatte und auch die Neue Medizin so halbwegs kannte.

23 Name geändert

Dies war wirklich eine überaus erfreuliche Nachricht. Meine Bemühungen um einen Rechtsanwalt scheiterten alle daran, weil die Neue Medizin für sie absolut kein Begriff war. Jetzt endlich hatte ich einen Anwalt in Aussicht, der Dr. Hamer sogar schon einmal verteidigt hatte. Ich hätte vor Glück Purzelbäume schlagen können. Sofort rief ich ihn an und bekam wirklich auch gleich für kommenden Tag einen Termin.
Meine bisherigen Erfahrungen mit Ärzten und Rechtsanwälten waren nicht gerade die Besten, wie die bisherige Geschichte auch deutlich zum Ausdruck brachte. Nun war ich gespannt, wie sich der deutsche Urologe Papadakis und der Grazer Anwalt Antonescu verhalten würden.

Nachmittags malte ich den Anbau innen neu aus, in dem Gerald seine Säfte und Obst lagerte. Erika und Karin fuhren mit dem LKW voll Flaschen zu einer Flaschenreinigungsstelle und kamen erst gegen 22:00 Uhr zurück. Am Abend brachte ich die Kinder ins Bett.

Olivia war den ganzen Tag über lethargisch. Sie spielte kaum und ging mittags feiwillig schlafen. Sie erzählte mir ihr Mittagsschläfchen am Abend, ich hatte es gar nicht bemerkt. Gerald stellte bei Olivia eine Wirbelsäulenverkrümmung und ein paar in Richtung Körperinneren verschobene Wirbel fest. Dass Olivia über Rückenschmerzen klagte, sei kaum verwunderlich, meinte er. Fraglich war, seit wann sie darunter litt.

Abends, nach getaner Arbeit, überlegten Gerald und ich den Ablauf der „orf“- Dreharbeiten. Wir erkannten, dass wir bei einer von der Polizei gestellten Falle machtlos wären. Nach einer telefonischen Auskunft von Veronika hatte ich einen Brief von Dr. Rostovsky erhalten. Vermutlich war ihr Rücktrittsschrieben darin. Arme, mutige Frau Doktor! Sollte das wirklich ihr befürchteter Prozess werden?



Mittwoch, 21.06.1995:

Um 7:00 Uhr lief der Wecker ab. Olivia verleitete ich noch kurz, zu mir ins Bett kuscheln zu kommen. Sie war gut gelaunt und mit ihrem zerzausten, über die Schulter fallendem, dunklem Haar wunderhübsch anzusehen. Olivia war eine Schönheit. Ich konnte mich gar nicht satt sehen. Der Gedanke, sie verlieren zu können, schnürte mein Herz. Ich nahm mir vor, das meinige zu leisten, zu kämpfen wie ein Löwe und nichts unversucht zu lassen, sie aus den Klauen der Chemotherapie zu reißen. Alles würde ich mit mir geschehen lassen, man könnte mich erniedrigen und einsperren. Und wenn es sein müsste, würde ich mit meiner Familie auswandern. Die Frage war nur, wohin? In welchem Land gibt es noch medizinische Freiheit? Welches Land hat nicht diese medizinische Diktatur wie Österreich?

Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg nach Graz zu Rechtsanwalt Dr. Antonescu. Pünktlich betrat ich die Kanzlei, erhielt aber von der Sekretärin die Entschuldigung, die Terminvereinbarung sei ein Versehen der gestrigen Aushilfskraft gewesen und ich solle um 15:00 Uhr wieder kommen. Ich hatte Zeit, einige Telefonate zu führen.

Telefonat mit Frau Stauffer, „Grüne“:
Sie erzählte von der für heute geplanten Abstimmung der „Grünen“ über die parlamentarische Anfrage Dr. Hamer und Neue Medizin betreffend. Erstmals würden diese    Anfragen    gleichzeitig    an    das    Justiz-,    Gesundheits-    und Wissenschaftsministerium gestellt. Dies wäre nun die vierte (!) diesbezügliche Anfrage der „Grünen“ und bisher hätte immer ein Ministerium auf das andere wegen verschiedener Zuständigkeit verwiesen. Diese parlamentarische Anfrage würden fünf Abgeordnete unterschreiben und die Ministerien hätten dann acht Wochen Zeit, diese Anfrage zu beantworten.

Telefonat mit Herrn Rilk, „help-tv“:
Die parlamentarische Anfrage der „Grünen“ fand er als Druckmittel ausgezeichnet. Dr. Hamer wurde bereits vom geänderten Vorhaben verständigt. Herr Rilk versicherte mir, keine Behörden informiert zu haben. Er hatte auch mit Dr. Bauml telefoniert. Dieser rät, Olivia wöchentlich untersuchen zu lassen, da durch die Leberschwellung Komplikationen eintreten könnten. Was sich Dr. Bauml bei diesem Rat gedacht haben mag? Wo sollte ich Olivia untersuchen lassen? Jeder Röntgenologe würde uns sofort zur Anzeige bringen. Ich erzählte Herrn Rilk, dass Dr. Baumls Kinder anonym mit dem Tode bedroht wurden. Schön langsam, so war mein Eindruck, erfasste Herr Rilk die Ausmaße unserer prekären Situation.

Telefonat mit Frau Ingrid:
Sie erzählt von einem Treffen mehrerer Freunde, bei dem beraten wurde, wie betreffend der „orf“-Sendung weiter vorgegangen werden sollte. Sollte eine Live- Sendung stattfinden, so musste rechtzeitig für Eintrittskarten gesorgt werden. Sie selbst wäre jederzeit bereit, als Hamer-Geheilte ein Interview zu geben.

Telefonat mit Herrn Rilk, „help-tv“:
Ein Interview mit Frau Ingrid passte nicht in sein Konzept. Er versprach aber, sich mit ihr in Verbindung zu setzen.
Bis zum bevorstehenden Termin um 15:00 Uhr hatte ich noch Zeit, meine Gedanken auf Papier zu bringen.

„orf“-Vorbereitung:
Uns Eltern wird die Fähigkeit einer Beurteilung Schulmedizin kontra Neue Medizin abgesprochen. Zu Dr. Hamers Neuer Medizin: Nicht nur uns, sondern jedem Menschen ist der direkte Einfluss der Psyche auf die Organe klar und verständlich. Jedermann hat, vielleicht am eigenen Körper oder vielleicht im Bekanntenkreis, die Erfahrung gemacht, dass bei psychischer Belastung der Körper ein symptomatisches Krankheitsbild entwickelt. Vielen ist der Sachverhalt klar, dass die Schulmedizin primär leider nur die Symptome behandelt und die psychische Ursache vollkommen außer Acht lässt.
Nicht so bei Dr. Hamer. Er erklärt, durch Beseitigung der psychischen Ursache gesunde der Körper zwangsweise. Zur schulmedizinischen Krebstherapie: Nicht, dass sie nur Symptome behandelt, sie formuliert auch blanke Hypothesen derart, dass diese als Tatsachen oder Fakten erscheinen. Mit der nicht bewiesenen Behauptung der Metastasenbildung, ausgehend von einem Primärtumor, wird derart gedroht und unnötig Angst verbreitet, dass jedermann zur sofortigen Behandlung einwilligt. Wir alle haben diese Behauptung schon so oft in den Medien und von Ärzten gehört, immer nur ohne den Hinweis, lediglich eine Behauptung zu sein, dass es uns als Laien bereits in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das gleiche geschieht mit der Zeckenimpfung, mit dem Rauchen und vielem mehr.
Bis dato wurde noch keine einzige Krebszelle in einer Arterie entdeckt. Bis dato konnte eine Krebszellenänderung von z.B. einer Darmkrebszelle in eine Knochenkrebszelle nicht wissenschaftlich bewiesen werden. Gleich zwei Hypothesen auf einmal, nur um die Metastasenbildung vertreten zu können.
Im Gegensatz dazu kann Dr. Hamer wissenschaftlich beweisen, dass ein spezifisches, isolatives Schockerlebnis bei einem eindeutig zum jeweiligen Konflikt zugeordneten Organ Krebs hervorruft. Und dass gerade eine Chemotherapie, abgesehen von ihren Nebenwirkungen, Nährboden für eine Vielzahl von psychischen Konflikten bereitet, liegt wohl auf der Hand.
Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen die Haare ausfallen, wenn Sie durch nicht nachwachsende Schleimhäute nicht mehr schlucken können, wenn Ihnen tagelang speiübel ist, wenn Ihnen aufgrund eines kleinen Knötchens in der Brust, diese vollständig entfernt wird und wenn Ihnen nach Jahren der Chemotherapie eröffnet wird, Ihr Körper sei hoffnungslos voll Metastasen, und sie hätten nur mehr ein paar Wochen zu leben? So geschehen bei Frau Ingrid im Jahre 1991.
Wenn wir Eltern es nicht beurteilen können, ob unsere Tochter eine solche Therapie aushält, fragen wir: Wer dann? Die Ärzte? Aber was ist mit den angeblichen 10% Misserfolg, die diese Behandlung birgt? Wissen die Ärzte im Vorhinein, welches Kind unter diese 10% fällt? Kann das ein Gericht beurteilen, das sich auf die Aussagen dieser Ärzte stützt?

Telefonat mit Großvater:
Ich solle mich mit einem gewissen Herrn Bengt Pflughaupt in Verbindung setzten.

Telefonat mit Herrn Pflughaupt:
Er wurde über uns von Dr. Hamer unterrichtet, sei freier Mitarbeiter zweier Fernsehgesellschaften sowie der Zeitschrift „spiegel“ etc. Den Herrn Dr. Hamer habe er durch den Tod seines Sohnes kennen gelernt24 und bereits im Laufe der Zeit fünf Artikel über die Neue Medizin gebracht.
Er bat mich um Erlaubnis, unsere Story an seine Nachrichtenagentur weiterzuleiten. Natürlich war ich einverstanden. Kommenden Freitag solle ich ihn anrufen, dann werde er wissen, ob Interesse vorliegt. Sollte dies sein, würden wir dann einen Termin vereinbaren, bei dem ebenfalls unsere Familie gefilmt werden könnte.

Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Jetzt würden wir sogar im deutschen Fernsehen gebracht werden. Ob Prof. Jürgenssen oder Richter Masizek damit wohl gerechnet hatten?

Termin bei Rechtsanwalt Dr. Antonescu:
Er hatte bald unsere Situation erkannt und war bereit, unsere Vertretung zu übernehmen. Da aber noch nichts vorlag, konnte er auch nicht aktiv werden. Ich war so froh, dass ich ihn am liebsten umarmt hätte. Jetzt fühlte ich mich wieder stark genug um weitere Schritte zu setzen.



Donnerstag, 22.06.1995:

Telefonat mit Dr. Hamer:
Kommenden Montag sei ein Termin in Burgau mit dem „help-tv“-Team. Wir vereinbarten, dass auch wir mit Olivia erscheinen würden, um sie nochmals von ihm anschauen zu lassen. Außerdem wollte ich wissen, was er zu den letzten CTs sagen würde. Er versicherte nochmals, sich nicht derart geirrt haben zu können und schätzte die Dauer der Leberschwellung noch auf ein paar Wochen.

Telefonat mit Herrn Rilk, „help-tv“:
Laut Auskunft von Prof. Jürgenssen beurteilte ein sachverständiger Urologe im Auftrag des Gerichts, ob für Olivia Lebensgefahr bestehe. Sei diese gegeben, so würden wir gesucht. Die „Grünen“ hätten in ihrem Klub beschlossen, folgende parlamentarische Anfragen zu stellen:

1. Freie Behandlungswahl
2. Dr. Hamers Neue Medizin wissenschaftlich zu untersuchen

Laut Herrn Rilk war die Verlagerung unseres Falles auf die politische Ebene die Chance, aus der Illegalität herauszukommen. Würden wir nun aber mit allen Mitteln weitere Medien mobilisieren, könnte sich dies auf eine Entscheidung negativ auswirken. Meiner Meinung nach hatte Herr Rilk Sorge, nicht als erster die Story bringen zu können.
Laut Herrn Rilk wäre Herr Prof. Gadner mit einer Tumorbeobachtung einverstanden gewesen (?): Für uns kamen allerdings nur mehr Ultraschalluntersuchungen in Frage, aus Angst, Olivia könnten andere als hierfür vorgesehene Mittel gespritzt werden.
In Sachen Drehort für den Filmvorspann konnten wir uns lediglich auf einen Kinderspielplatz einigen. Einen Platz in der Nähe unseres Heimatortes wollte Herr Rilk nicht. Er hatte vielmehr die Absicht, unsere Flucht zu verkaufen. Seinem Wunsch gemäß sollte der Drehort weiter entfernt sein und die leer stehende Wohnung zu Hause in Maiersdorf sollte auch gefilmt werden. Der Großvater sollte nebenbei ebenfalls interviewt werden, um zu zeigen, dass es nicht nur die Entscheidung einer überängstigten Jungfamilie gewesen sei.

Telefonat mit dem Schwiegervater.
Vom Gericht sei das Protokoll der Pflegschaftsverhandlung eingetroffen. Es gab sonst kein weiteres Schreiben.



Freitag, 23.06.1995:

Um 7:00 Uhr rief ich Herrn Rilk wie vereinbart an und wir einigten uns auf die Raststation Bad Fischau als Drehort für den Filmvorspann. Dann machten wir uns auf den Weg nach Maiersdorf, um die eingetroffene Post du sonstiges abzuholen. Um 11:00 Uhr waren wir auf der vereinbarten Raststation. Wenig später traf Frau Stöckl ein. Das durchgeführte Interview war sehr ungewohnt für mich. Erika tat sich anscheinend leichter und hatte ein selbstbewusstes Auftreten. Das Team fuhr danach weiter nach Maiersdorf, um den Großvater zu interviewen.

Termin mit Dr. Herz:
Er machte einen sehr sympathischen Eindruck. Er bestätigte Dr. Hamers Diagnosen und machte mich auf Dr. Hejdas „erscheint“ im Befund aufmerksam, das das Tumorwachstum gemeint hatte. Der im CT gemessene Tumor konnte auch das Leberkarzinom gewesen sein!
Es wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass das Lesen eines CTs eine gewisse Erfahrung voraussetzte und selbst dann noch nicht einfach war. Die Schulmedizin ist ja rein nur auf diese Bilder der Organe angewiesen. Dr. Hamers Technik dagegen ist überdeterminiert. Sie schließt Bilder des Gehirns mit ein. Somit können Fehlerquellen ausgeschlossen werden. Das Gehirn besitzt sogenannte Organrelais. Das gesamte Gehirn kann in diese dreidimensional unterteilt werden. Erleidet der Patient nun ein isolatives Schockerlebnis, so ist sofort, innerhalb von Sekunden oder Minuten, in dem betroffenen, vom Konflikt abhängigen Organrelais im Kopf ein schießscheibenartiges Muster erkennbar. Das Organrelais ist gestört, das Krebsgeschehen nimmt seinen Lauf. Ab diesem Zeitpunkt sendet das Gehirn „Fehlsignale“ an das korrelierende Organ. Streng genommen darf man dies nicht als Fehler betrachten, denn wie bereits erwähnt ist dieses Verhalten des Organismus ein sinnvolles Notprogramm, das dem Menschen hilft zu überleben und aus dem er bei Konfliktbewältigung gestärkt hervorgehen kann. Tritt nun tatsächlich eine Konfliktbewältigung ein, so ändert sich das „Schießscheibenmuster“ im Gehirn und wird zu den so genannten Hamerschen Herden, die bisher irrtümlich von der Schulmedizin als Gehirntumore interpretiert und chirurgisch entfernt wurden. In Wirklichkeit sind dies nichts weiter als relativ harmlose Ödem-Einlagerungen, die allerdings bei einer überschließenden Heilung zu Kopfschmerzen und bis hin zu einem Überdruck im Kopf führen können. Ein Arzt, der diese Vorgänge verstanden hat, kann dies aber voraussehen und den Heilungsverlauf mit Cortison entsprechend verlangsamen.
Das Herz und das Gehirn sind die beiden einzigen Organe, die keinen Krebs entwickeln können. Somit ist es der Neuen Medizin möglich, zwischen einem aktiven Krebs und einem Krebs in der Heilung zu unterscheiden. Aber Dr. Hamers Neue Medizin hat noch einen weiteren Anhaltspunkt, um das Krebsstadium zu bestimmen. Dies ist der Patient selbst. Hat dieser kalte Hände, so ist er wahrscheinlich konfliktaktiv, sind sie dagegen warm, so befindet er wahrscheinlich in der Heilung. Somit besitzt die Neue Medizin drei Anhaltspunkte, wogegen die Schulmedizin lediglich die CTs des Körpers zur Verfügung hat. Diese CTs werden noch dazu in einem Schichtverfahren aufgenommen. Dazu wird der menschliche Körper sozusagen scheibchenweise geröntgt. Zwischen diesen Schichtaufnahmen liegt aber oft noch 1 cm nicht erfasstes Gewebe. Somit ist die Gefahr groß, einen Tumor mit weniger als 1 cm Durchmesser nicht erfasst zu haben. Nach Dr. Herz’ Meinung hätte das nächste CT in drei Monaten erstellt werden können. Homöopathische Mittel sollten wir weiter verabreichen. Es entwickelte sich ein angenehmes, vertrautes Gespräch. Olivia vertrieb sich die Wartezeit mit Malen. Die Zeichnungen schenkte sie dann Dr. Herz. Elisabeth schaltete bald überhaupt ab und schlief friedlich auf der Couch zwischen ihren Geschwistern ein.

Telefonat mit Herrn Rilk, „help-tv“:
Er beabsichtigte, den Beitrag nun wie folgt zu gestalten: Filmvorspann von Dr. Hamer gefolgt von einem Vorspann über uns. Dann sollte ein Diskussionsgespräch zwischen Frau Dr. Petrovic und Prof. Jürgenssen stattfinden, das durch ein kurzes Telefonat mit mir unterbrochen werden sollte. Ob die Sendung live sein werde, wusste er noch nicht. Die Dauer war nun mit 30 Minuten geplant, normalerweise wären die Beiträge um die 15 Minuten.

Die Nacht verbrachten wir in Maiersdorf.



Samstag, 24.06.1995:

Wir nutzten die Gelegenheit und besuchten Frau O. aus Grünbach, die uns von ihrem Schicksal ihrer kleinen Tochter mit Herrn Prof. Jürgenssen berichtete. Sie wohnte in einem kleinen verwahrlosten Haus, war aber gerade mit ihrem Vater dabei, ein neues zu bauen. Sie hatte drei kleine Kinder. Ich kannte sie von früher, als ich noch in Grünbach in die Volksschule ging. Wir fragten sie, ob sie prinzipiell bereit wäre, ihre Geschichte den Medien mitzuteilen. Sie war damit einverstanden.

Am Weg zurück nach Kärnten setzten wir ein Schreiben auf, das ich am Telefon zur „orf“-Sendung vortragen wollte:

Vorbereitung zur „orf“-Sendung:
Bei Prof. Jürgenssen möchte ich mich für sein vielleicht bezahltes „Inserat“ in „täglich alles“ vom 22.6.95 bedanken, da dieses für mich seinen wahren Charakter offenbart. Bei fehlenden Argumenten weicht Prof. Jürgenssen auf Unterstellungen und Unwahrheiten aus. Seine Behauptung, unserer Hamer-Ärzte prophezeiten den Tod unserer Tochter Olivia, weise ich hiermit als infame Unterstellung zurück und fordere Prof. Jürgenssen auf, die Namen dieser von ihm als Heiler bezeichneten zu nennen! Weiters behauptet Prof. Jürgenssen in einem unserer Telefonate, ein Fall wie der unserer sei ihm noch nie untergekommen. Eine blanke Lüge! Ich behaupte hiermit, dass Prof. Jürgenssen nicht die Wahrheit sagt und behaupte weiters, was ich im Folgenden auch beweisen werde, dass seine Vorgehensweise uns Eltern gegenüber, die sich nicht seiner Doktrin unterwerfen, keineswegs eine Ausnahme ist. Ich möchte Prof. Jürgenssen folgenden Fall in Erinnerung rufen: Im Jahre 1990 diagnostizierte Prof. Jürgenssen bei der drei Monate alten Margret B. Kugelzellanämie, ein Vorstadium zur Leukämie. Der Mutter, Christa O., gegenüber vertrat er die Notwendigkeit der sofortigen Entfernung der Milz. Nachdem sich diese Mutter gegen den Willen des Prof. Jürgenssen für eine alternative Heilbehandlung entschlossen hatte, veranlasste dieser Arzt, wie in unserem Fall, das Jugendamt, diese Mutter unter ständiger Aufsicht zu halten.
Heute, fünf Jahre später, zeigt sich, dass die damalige Entscheidung der Mutter richtig und Prof. Jürgenssens Absicht voreilig und nicht zielführend war. Die kleine Margret ist heute fünf Jahre und erfreut sich bester Gesundheit. Ich fordere Prof. Jürgenssen auf, sein Verhalten zu rechtfertigen, auf besorgte und anders denkende Eltern behördlich massiven Druck auszuüben, zumal nun offenkundig seine schulmedizinischen Entscheidungen doch nicht so zutreffend sind, wie er sie gerne erscheinen lassen möchte.
Ist Ihnen, Herr Prof. Jürgenssen, der Umstand nicht bewusst, dass es behördlich verfolgten Eltern unmöglich wird, ihr krankes Kind in Ruhe gesund zu pflegen? Es liegt mir die Vermutung nahe, dass nicht die Gesundung des Kindes, sondern Ihr Wunsch, Recht zu behalten, im Vordergrund steht.
Ich fordere Sie weiters auf, Ihre Panik verursachenden Behauptungen von der so genannten Metastasenbildung nun einmal mit Fakten und Bildern zu belegen, die diese These erhärten könnten. Auch von schulmedizinischer Seite wurde mir bestätigt, dass bis dato noch keine wandernde Krebszelle im arteriellen Blut entdeckt werden konnte. Weiters konnte bis dato nicht wissenschaftlich fundiert bewiesen werden, dass eine Zelländerung von z.B. einer Darmkrebszelle in eine Knochenkrebszelle erfolgt. Diese Thesen erheben Sie, mit Hilfe medizinischer Unkenntnis der Patienten, zu einem Faktum, wogegen Sie Dr. Hamers „Eiserne Regel des Krebs“ in keinem einzigen Punkt widerlegen und nur durch falsche Behauptungen diesen Entdecker der Neuen Medizin diffamieren können.
Ich fordere Sie hiermit auf, Ihre schulmedizinische Fehlbarkeit zuzugeben, uns Eltern Dr. Hamer bei Ihrem Mangel an wissenschaftlich fundierten Gegenargumenten als Alternative wählen zu lassen und von einer behördlichen Verfolgung Abstand zu nehmen!

Am frühen Nachmittag erreichten wir Karins Bauernhof in Kärnten. Vorsichtig, wie wir einmal waren, fuhr ich sogleich den Wagen hinter die Scheune, so dass dieser von der Straßenseite nicht einsehbar war. Wir waren gerade in der Küche, als von weitem ein Auto hörbar wurde. Erschrocken stellte ich das Näherkommen eines Polizeiwagens fest. Karin beruhigte mich und meinte, dies geschähe oft an diesem Wochentag. Durch die durchscheinende Verglasung der Hintertür konnten wir erkennen, dass der Wagen im Hof abgestellte wurde. Hektik brach aus. Ich schnappte Olivia und verschwand im Obergeschoß, mit den anderen Kindern in einem ebenerdigen Zimmer. Die Polizisten betraten das Haus und wurden von Gerald und Karin herzlich willkommen geheißen und in die Küchenstube gebeten. Mir schlug das Herz bis zum Hals. Vielleicht waren dies bereits unsere Fahnder oder aber lediglich ein zufälliger Besuch. Ich beschloss, ein wenig zu lauschen. Leise schlich ich mit Olivia zu Erika runter. Sie war aber bereits von Karin informiert, dass der Grund des Besuchs lediglich eine Geschwindigkeitsübertretung war. Langsam beruhigte ich mich, als aber durch die Küchentür der Name von Dr. Hamer fiel, geriet ich erst recht in helle Aufregung. Was hat eine Radaranzeige mit Dr. Hamer zu tun? Kurz entschlossen fasste ich Olivia bei der Hand und unter dem Vorwand, ein wenig spazieren fahren zu wollen, fuhr ich vom Hof.
Gute zwei Stunden blieben wir aus. Mit dem Wagen fuhren wir so lange die schottrigen Wege des Berges hinauf, bis kurz vor der Baumgrenze eine Schranke uns das Weiterkommen verwehrte. Olivia hatte diese Aufregung meinerseits sicherlich mitbekommen, wollte aber nun unbedingt nach Hause.
Gott sei Dank, die Polizei war weg. Gerald konnte sich vor Lachen kaum halten, als er mir erzählte, er hätte seiner Gewohnheit gemäß jeden Interessierten und somit auch den beiden Polizisten über Dr. Hamer erzählt und nu mein verdutztes Gesicht sah. Außerdem hätte er diesen Beamten auch das Buch „Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert“ von Jan van Helsing zum Studium geborgt. Das konnte ich nun gar nicht mehr fassen.

Abends ließ Gerald Erika und mich seine Künste als Masseur spüren. Er bearbeitete unsere Wirbelsäulen gekonnte, sodass wir uns nach der Prozedur recht wohl fühlten.



Sonntag, 25.06.1995:

Olivias Befinden hatte sich seit unserer Ankunft bei Gerald und Karin gebessert und war stabil. Sie klagte nicht mehr über Bauchschmerzen, aß normal und spielte mit Johannes und ihren Geschwistern oder saß auch bei Schlechtwetter am Küchentisch und malte.
Wie bisher verabreichten wir ihr die homöopathischen Mittel und legten ihr auf die noch immer geschwollene Leber Kohlblätter bzw. Heilerde auf. Das Naturprodukt Bio-St.-Joseph sowie Gelee-Royale erhielt sie ebenfalls in regelmäßigen Abständen. Als Zeichen ihrer psychischen Verfassung war folgendes markant: Aussagekräftige Zeichnungen, Zähneknirschen in der Einschlafphase, wenn ihre Mutter für sie nicht sofort greifbar war.

Zeichnung von Olivia



Montag, 26.06.1995:

Besuch in Burgau:
Wie vereinbart trafen wir dort Dr. Hamer. Neu und überraschend für uns war, dass Olivia auch noch an einem Flüchtlingskonflikt leide. Dieser hätte ein Sammelrohrkarzinom, ebenfalls an der rechten Niere ausgelöst. Olivia hatte somit drei verschiedene Karzinome. Dr. Hamer beruhigte uns, denn anhand der letzten CTs konnte er erkennen, dass sich sämtliche Geschehen in der Lösung befanden.

Das „help-tv“-Team drehte Aufnahmen mit Dr. Hamer. Herr Pflughaupt, der kurze Zeit später eintraf, ließ uns für die „taff“-Sendung in „pro7“ filmen.



Dienstag, 27.06.1995:

Telefont mit Herrn Rilk, „help-tv“:
Er hatte schon wieder eine neue Variante über die Beitragsgestaltung. Weder Prof. Jürgenssen noch Dr. Hamer sollten zu Wort kommen, sondern es sollte allgemein das Recht auf freue Therapiewahl zum Schwerpunkt werden. In vier Monaten solle ein weiterer Beitrag dazu ausgestrahlt werden.

Telefonat mit Frau Bettel, „profil“:
Sie hatte die Exklusivrechte mit Herrn Pflughaupt besprochen und somit gab ich ihr ein ausführliches Interview über den bisherigen Verlauf der Geschichte.

Telefonat mit Ingeborg:
Sie berichtete über einen aktuellen Vorfall im St. Anna-Kinderspital. Eine jugoslawische Familie namens Dan wollte ihren Sohn Stefan wegen Krebs weiter behandeln lassen, wurde jedoch, da die schulmedizinische Behandlung keinen Erfolg mehr versprach, regelrecht rausgeschmissen. Prof. Gadner habe sarkastisch erklärt, dass dem Jungen nur mehr eine „Kopftransplantation“ helfen könne, so sehr sei sein Körper verkrebst. Über dies sei der Familie eine Rechnung in Millionenhöhe gestellt worden. Der alleinstehende Vater musste eine mehrköpfige Familie mit einem Lohn knapp über dem Existenzminimum ernähren. Von diesem Vorfall berichtete soeben die Presse.

Das war doch grotesk! Zur gleichen Zeit wurde ein Bub „hinausgeschmissen“, dessen Eltern eine Weiterführung der Therapie nicht zahlen konnten und uns Eltern, die wir beide krankenversichert waren, wollte man mit unserem Kind „einfangen“!
Der Fall des kleinen Stefan Dan und der unserer Oliva zeigte, welche Motive die schulmedizinische Krebstherapie wirklich zu haben schien! Die Sorge um das Leben des Kindes stand wohl auf keinen Fall im Vordergrund!



Mittwoch, 28.06.1995:

Telefonat mit Schwiegermutter:
Sie erzählte, dass soeben die Polizei mit dem Jugendamt Olivia abholen wollte. Da wir aber nicht da waren, hatten sie zwei Briefe vom Gericht hinterlassen. Kurz ließ ich mir diese von der Schwiegermutter vorlesen und instruierte sie, diese sofort an meinen Rechtsanwalt weiterzufaxen.
Der Inhalt der Briefe war ungefähr dieser: Uns wurde das Sorgerecht über Olivia aberkannt und eine sofortige Durchführung der Therapie angeordnet. Beängstigend war die Polizeigewalt. Es war zu vermuten, dass sie auch Gewalt angewandt hätten, um uns Olivia zu entreißen.

In welchem Land und in welcher Gesellschaft leben wir? Wir hatten eindeutige Beweise in der Hand, dass Prof. Jürgenssen sehr wohl irren kann und Beweise dafür, dass Dr. Hamers Neue Medizin von vielen Ärzten anerkannt wird und Erfolge verweisen kann. Dies konnte aber nicht in entsprechender Form vor Gericht diskutiert werden. Dogmatisch wird mit Polizeigewalt vorgegangen. Gegen Eltern, ja sogar gegen Kinder! Schrecklich!
Es war jetzt anzunehmen, dass wir in Österreich gesucht werden würden. Der Aufenthaltsort bei Erikas Cousine erschien uns nicht mehr sicher genug. Schließlich fanden wir eine vorerst sichere Bleibe bei Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft „Fiat-Lux“, der Familie Pfennig. Wir machten uns sofort zum Aufbruch bereit. Den Kindern erklärten wir. nun Urlaub am Bauernhof machen zu wollen.
Dieser Bauernhof lag recht abgeschieden. Ein verspielter, aber großer Hund war für die Kinder ein willkommener Spielgefährte. Für die nächsten Tage hatte sich eine weitere Urlauberin mit einer sechsjährigen Tochter angekündigt und wir hofften, dass auch dies den Kindern die Langeweile nehmen könnte. Die Familie Pfennig bestand aus einer alten und einer jungen Generation. Die Jüngeren waren in unserem Alter, hatten jedoch selbst keine Kinder. Alle Mitglieder der Familie trugen ein großes, weithin sichtbares Kreuz Jesu auf der Brust.
Wir mussten nun doppelt vorsichtig sein und beschlossen daher, so wenig als möglich mit fremden Personen zusammenzutreffen. Wir mussten damit rechnen, dass wir bekannt waren und daher leicht von x-beliebigen Leuten erkannt werden konnten. Das Telefonieren wurde zum Problem. Das Haustelefon wollte ich aus den bekannten Gründen nicht benutzen und musste daher oft Wegzeiten bis zu einer Stunde in Kauf nehmen, um zu einer halbwegs abgelegenen Telefonzelle in Dorfnähe gelangen zu können. Ein mobiles Telefon wäre ideal gewesen.

Wieder einmal versuchte ich unsere Standpunkte zu konkretisieren.

Betreffend Dr. Hamer Neue Medizin:

Wie im Mittelalter müssen Ärzte, die von der Neuen Medizin überzeugt sind, aus Angst vor Sanktionen, die Behandlung von Patienten zurücklegen.
- Obwohl eindeutige Beweise über Erfolge der Neuen Medizin vorliegen und obwohl die Neue Medizin in keinem einzigen Punkt bisher wissenschaftlich widerlegt werden konnte, wird diese zum Schaden aller Krebspatienten von der Schulmedizin vehement unterdrückt. Der Patient wird unwissend gehalten. Ein wesentlicher Grund für die Ablehnung seitens der Schulmedizin ist der, dass sie dann zugeben müsste, Patienten falsch behandelt zu haben und schuld an deren Tod zu sein. Und dies seit nunmehr fast 14 Jahren.
- Die Behandlungskosten entsprechend der Neuen Medizin würden auf ca. 1% der bisherigen Kosten sinken. Leer ausgehen würden dabei vor allem die Pharmaindustrien. Gewinnen würden wir alle damit, vor allem in der heutigen Zeit, die zeigt, dass das Gesundheitswesen nicht mehr finanzierbar ist.
- Tierversuche würden sich als absolut sinnlos erweisen. Es ist allgemein bekannt, dass Tierversuche nicht auf den Menschen übertragbar sind, ja nicht einmal innerhalb verschiedener Tierrassen (siehe dazu das Buch „Die Pharmastory, der große Schwindel“ von Hans Ruesch). Wenn gegen Krebs keine chemischen Präparate mehr getestet zu werden brauchen, entfällt somit unsägliches Tierleiden.
- Die Überprüfung (Verifizierung) der Neuen Medizin könnte innerhalb eines Tages erfolgen, und somit wäre endlich Klarheit geschaffen. Dagegen wird in der Universität Tübingen von Schulmedizinern über das Habilitationsverfahren immer nur so befunden, als würde ein Automechaniker ein Auto mit Motorschaden lediglich von außen herum betrachten und die Vermutung über das Funktionieren oder Nichtfunktionieren äußern. Die Universität Tübingen weigert sich seit Jahren, die Neue Medizin zu überprüfen.
- Es hat allen Anschein, dass nicht die Sorge um die Volksgesundheit im Vordergrund steht, sondern für gewisse Kreise lediglich Macht und Reichtum. Eine gesunde Bevölkerung bedeutet den Tod der Pharma- und Geräteindustrie.
- Echte Wissenschaft setzt freie Information und den Meinungsaustausch über unterschiedliche Standpunkte voraus. In Wirklichkeit werden Entdecker in der Medizin dogmatisch unterdrückt und verfolgt. Als Beispiel möchte ich hier nur Dr. Semmelweis (Entdecker der Ursache für Kindbettfieber) und Dr. Schleich (Endecker der lokalen Anästhesie) anführen. Erst Jahre nach deren Entdeckung konnte sich die Schulmedizin durchringen, diese auch anzuerkennen. Dr. Semmelweis kam aber leider nicht mehr in diesen Genuss. Er starb elendiglich an einer simplen Infektion in einer psychiatrischen Anstalt, in die man ihn verdammt hatte. In der Zwischenzeit wurden damals die Patienten falsch und gegen den wirklichen letzten Stand der Wissenschaft behandelt.

Betreffend unserer Flucht:

Prof. Jürgenssens Vorgehensweise gegen uns war als typische Vorgehensweise der gesamten schulmedizinischen Onkologie zu werten. Nicht nur er, sondern viele Onkologen verteidigen mittels blanker Staatsgewalt ihre auf wankenden Füßen stehende Therapie.
- Der Richter wurde von der Schulmedizin als durchführendes Organ ihrer Ziele missbraucht. Die Schulmedizin klagt an, berät den Richter mittels schulmedizinischer Gutachten und schließlich möchte sie das Urteil exekutieren. Dieser Umstand erinnert stark an die Hexenverfolgung vor 500 Jahren. Damals nahm die Kirche die Position als Verfolger ein.
- Wir alle, jeder Österreicher für sich, tragen Verantwortung dafür, in welcher Art und Weise per Gesetz und Staatsgewalt gegen anders denkende Eltern und deren Kinder vorgegangen werden kann.
- Ein aberkanntes Sorgerecht kann uns Eltern nicht von unserer Verantwortung unserer Tochter gegenüber entbinden. Da wir erkannt haben, dass uns diese dogmatische Therapie, die so wenig Erfolg vorweisen kann, unsere Tochter unserer Meinung nach unnötig in Lebensgefahr gebracht wird, müssen wir uns gegen diesen Missbrach der Staatsgewalt auflehnen.
- Anfang dieses Jahrhunderts war die schulmedizinische Meinung über das Zustandekommen der Geschlechter bei Menschen die, dass aus dem männlichen rechten Hoden ein Junge, aus dem linken ein Mädchen entstehen würde. Vor zehn Jahren war die schulmedizinische Lehrmeinung über die Krebsursache noch eine angebliche Virenübertragung. Heute lacht man über beides. Zurzeit glaubt man, Krebs sei eine embryonale Störung, die man weder nachweisen noch deren Ausbruchsbeginn vorhersagen kann. Weiters vermutet man, dass krebserregende Stoffe verantwortlich sind. Tierversuche ergaben, dass durch Berauchung Mäuse Lungenkrebs bekommen, Hamster hingegen ein längeres Leben erhalten. Schulmedizinisch steht man hier vor einem Rätsel. Erklärbar wird es durch die Neue Medizin. Lungenkrebs setzt einen Todesangstkonflikt voraus, den die Mäuse, die vor Feuer höllisch Angst haben, erleiden. Hamster, die ja bekanntlich unter der Erde leben, brauchen sich vor Feuer nicht so zu fürchten. Sie haben daher auch nicht das natürliche Programm in ihrem Gehirn, wie es die Mäuse besitzen. Dies zeigt wiederum, dass Tierversuche absolut Unsinn sind und lediglich für Pseudoaussagen herhalten müssen. Mit Tierversuchen kann man somit alles und auch nichts bestätigen. Wussten Sie, dass ein Fuchs verendet, wenn man ihm einen Mandelkern zu fressen gibt? Heißt dies nun, dass Mandelkerne absolut tödlich für den Menschen sind?

Bezirkshauptmannschaft, Aktenvermerk:
Die Wegnahme des Kindes von den Eltern wurde für den 28.6.95 geplant. Hierfür wurden zwei Gendarmeriebeamte mitgenommen. Da wir aber nicht zu Hause waren, wurde lediglich der Gerichtsbeschluss bei unseren Großeltern hinterlegt. Nun wurde vermutet, dass wir uns in Burgau oder auch im Raume Köln aufhalten könnten.



Donnerstag, 29.06.1995:

Frühstück im Freien. Es versprach ein wunderschöner Tag zu werden. Das Ehepaar Pfennig war fürsorglich und überaus behilflich, uns in unserer schwierigen Situation den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Alexander übte sich im Gehen auf Stelzen und hatte schon fast den Dreh rausgefunden. Elisabeth war von dem sieben Monate alten Hofhund Uno, ein vermutlicher Labrador, begeistert. Es war schwer zu erkennen, wer mit wem spielte, Elisabeth mit dem Hund oder umgekehrt. Deren Lieblingsspiel war Ballwerfen. Olivia betrachtete den Hund eher mit Misstrauen. Er war ihr zu unberechenbar und wild, und sie hatte Angst, von ihm verletzt zu werden.
Abgesehen von einem nahen Zementwerk erschien mir der jetzige Zufluchtsort überaus ruhig. Gelegentlich konnte man Autos am Weg zu oder von diesem Werk beobachten. An den Wochentagen Donnerstag und Freitag sollte im zugehörigen Steinbruch auch gesprengt werden. Herr Pfennig erzählte, dass er in diesem Steinbruch schon sehr schöne Fossilien gefunden hatte.
Ich beschloss, bei Gelegenheit ebenfalls mit den Kindern dort welche zu suchen. Überhaupt schien mir das mögliche Ferienprogramm für die Kinder beängstigend eintönig zu sein. Mit dem Auto weiter weg zu fahren war nicht mehr möglich. Wir mussten davon ausgehen, dass in erster Linie der Wagen gesucht werden würde. So gesehen saßen wir hier fest. Eine Möglichkeit bot uns Erna, die junge Frau von Gustav. Sie besaß einen Wagen, der noch immer das alte deutsche Kennzeichen hatte. Sie selbst war Deutsche, die durch ihre Heirat hierher verschlagen wurde. Natürlich hätten wir Kilometergeld bezahlt. Pro Tag wurde uns für die Ferienwohnung ÖS 750.- verrechnet und für den Zeitraum von drei Wochen konnte uns diese zur Verfügung gestellt werden. Das machte also ÖS 15750.-. Finanziell brauchten wir uns einstweilen noch keine Sorgen zu machen. Unsere einzige Hoffnung, aus dieser unhaltbaren Situation zu gelangen, war eine Gesetzesänderung. Dies würde aber noch mindestens die zwei Monate dauern, bis die parlamentarische Anfrage der „Grünen“ beantwortet werden musste. Zwei Monate. Ein weiterer Standortwechsel stand bevor. Noch wussten wir nicht weiter. Auch die Finanzen würden knapp werden. Hier hofften wir auf die voraussichtlichen Tantiemen der Sender und Zeitungen.

Telefonat mit Dr. Antonescu:
Er werde einen Einspruch gegen den Bescheid des Sorgerechtentzugs einreichen. Für die „help-tv“-Sendung empfahl er mir ein Handy, damit man mich nicht mittels einer Fangschaltung lokalisieren konnte.

Telefonat mit Herrn Rilk, „help-tv“:
Frau O. aus Grünbach hätte abgesagt, persönlich in der Sendung erscheinen zu wollen. Weiters schlug er vor, einen Arzt der Neuen Medizin zu gewinnen, damit dieser im Publikum sitzend auf Behauptungen des Prof. Jürgenssen fachlich eingehen könnte. Dr. Hamer sollte nun nicht mehr eingeladen werden.
Das ewige Hin und Her des Herrn Rilk nervte mich!

Telefonat mit Dr. Herz:
Er wird sich meinen Vorschlag, für diese Sendung im Publikum anwesend zu sein, überlegen.

Telefonat mit Dr. Liebner:
Per Telefon würde er im Fernsehen Stellung beziehen. Sich in das Publikum setzen wollte er allerdings nicht.

Telefonat mit Frau Dr. Rostovsky:
Auch sie musste sich diesen Vorschlag erst gründlich überlegen. Sie äußerte, sich nicht verheizen lassen zu wollen.

Telefonat mit Herrn Rilk, „help-tv“:
Er erklärte, dass bei der Vergabe der Publikumskarten eine Doppelbuchung passiert sei. Ich vermutete sofort auf Schiebung, ging jedoch von meinen geforderten 10 Karten auf 5 runter. Auf meine Frage, wie das Kräfteverhältnis im Publikum aussehe, erwiderte er, nach solche Kriterien nicht vorgegangen zu sein. Dr. Hamer sollte noch immer nicht eingeladen werden.

Es war frustrierend. Am Weg von der Telefonzelle nach Hause versuchte ich abzuschalten. Es war heiß und die psychische Belastung erdrückend. Eine Bank am Wegesrand nutzte ich, um mich auszuruhen und um wieder einmal die Natur bewusst zu empfinden.

Zeichnung von Olivia
Zeichnung Olivias ins Tagebuch ihres Vaters vom 29.06.1995



Freitag, 30.06.1995:

Nachmittags traf die angekündigte Urlauberin mit ihrer Tochter am Bauernhof ein. Ich sah ihr die Ärztin auf 100m an. Kurz geriet ich deshalb in Panik, fasst mich jedoch schnell wieder. Wir lernten einander kennen. Sie hieß Annemarie und ihre sechsjährige Tochter Clara. Sie hatte ihr Medizinstudium aus Mangel an Vertrauen in die Schulmedizin abgebrochen, bereiste einige Länder, war bei einem Zen-Lehrer in Schule und arbeitete derzeit in einem Labor für Lebensmitteluntersuchung. Sie war von Fiat-Lux überzeugt. Nunmehr getrauten wir uns ihr von unserer Geschichte zu erzählen. Für uns war es besser sie einzuweihen, als dass sie sich auswärts ungewollt verplauderte.
Abends konnte ich alle zu einem Spaziergang überreden. Olivia hatte vor Langeweile geweint. Später lud mich der Senior der Bauernfamilie zu einem Kontrollbesuch seiner Viehherde in ein entfernteres Tal ein. Er war ein sympathischer Mensch und die Gegend war wunderschön.



Samstag, 01.07.1995:

Morgens hatte ich Streit mit Erika. Zornig ging ich aus dem Haus und wanderte zu der zwei Stunden entfernten Kirche, dir mir tags zuvor aufgrund ihrer dominierenden Position auf einem kleineren Berg aufgefallen war. Solche Spaziergänge halfen mir immer, wieder mit mir selbst ins Reine zu kommen. So auch dieser. Diese Wanderung war so schön, dass ich es bald bedauerte, Erika und die Kinder nicht mitgenommen zu haben.

Olivia bereitete uns weiter ernstlich Sorgen. Die Leberschwellung wurde größer und größer.

Am späten Nachmittag kamen Gerald und Karin und versorgten uns mit Nahrungsmitteln. Gerald hatte einen ganz guten Plan. Er wusste von einem Richter und einem Arzt, die beide unter Umständen für uns zu gewinnen waren. Sowohl der Richter als auch der Arzt waren gegen Chemotherapie eingestellt, um aber in den Zuständigkeitsbereich des Richters zu fallen, hätten wir den Wohnort wechseln müssen.
Geralds Mutter war weiterhin sehr aktiv. Mittlerweile hatte sie bereits bei Wiens Altbürgermeister Zilk und den beiden Fernsehmoderatoren Nora Frey und Herr Schijok vorgesprochen.

Medien

täglich alles - GENDARMERIE SUCHT KREBSKRANKES MÄDCHEN



Sonntag, 02.07.1995:

Gerald verständigte mich, dass auch die Zeitung „kurier“ und der Sender „rtl“ Interesse an dieser Story meldeten.

Olivia war apathisch und hatte leichtes Fieber. Abends stieg es weiter an. Sie bekam Kopfschmerzen und klagte über brennende Augen.



Montag, 03.07.1995:

Olivias Bauch wuchs zusehends. Wir machten uns schreckliche Sorgen. Trotzdem ging Olivia spazieren, aß normal und manches Mal auch zuviel. Sie hatte Stuhlgang und auch ihre Harnwerte waren optimal. Diese überprüften wir täglich mittels Papierindikatoren, um rechtzeitige Anzeichen für Gelbsucht erkennen zu können. Die Situation war zum Verrücktwerden. Wir waren völlig auf uns allein gestellt. Ein Arzt war unbedingt erforderlich.

Die Informationsarbeiten für die Medien erreichten bereits einen beträchtlichen Umfang. Endlich erhielt ich auch eine Adresse eines sehr guten Homöopathen, des Herrn Dr. Leibold25 aus Graz. Sofort vereinbarte ich mit ihm einen Termin für morgen.

25 Name geändert

Für den kommenden Tag war in Burgau ein Vortrag von Dr. Hamer geplant. Gerald erzählte mir von bereits mehr als 130 Anmeldungen. Natürlich wollte ich unbedingt mit Olivia zu diesem Vortrag fahren, doch wäre dies zu gefährlich gewesen.

Die folgende Nacht war die bei weitem schlimmste für Olivia, aber auch für uns. Sie war fast jede Stunde auf und jammerte vor Schmerzen.

Bezirkshauptmannschaft: Schreiben an die Staatsanwaltschaft:
Das bisher Bekannte und die Vermutung, wir seien mit Olivia bei einem Kurpfuscher und untergetaucht, wurde weitergegeben. Es wurde darauf hingewiesen, dass wir wegen Kindesmisshandlung und Kindesentführung strafrechtlich zu verfolgen und auszuforschen seien.

Medien

kurier - DRAMA UM KREBSKRANKES KIND: SORGERECHT ENTZOGEN
profil - SIE KANN GAR NICHT STERBEN



Dienstag, 04.07.1995:

Olivias Schwellung ist wieder größer geworden. Sie liegt im Bett, ist aber guter Dinge. Gerald rät dringend von einem Besuch in Burgau ab. Es haben sich unzählige Journalisten angemeldet. Dafür wurde aber für kommenden Donnerstag ein Treffen mit Dr. Hamer in München geplant. Um mir eine gewisse Aktionsfreiheit zu verschaffen, besorgte ich mir ein Handy.
Am späteren Nachmittag machte ich mich mit Olivia auf den Weg zu Dr. Leibold.

Besuch mit Olivia bei Dr. Leibold in L.:
Dr. Leibold erklärt seine Negativerfahrung mit der sofortigen Medikamentenverschreibung. Er ist Homöopath und erzielte bereits mit dieser anerkannten medizinischen Richtung Erfolge in der Krebsbehandlung. Seine Erkundigungen über den Wilmstumor von kompetenten Stellen brachten auch nur widersprüchliche Aussagen hervor.
Über Olivia wollte er alles, jede Krankheit seit ihrer Geburt, ob sie oft weinte, wann sie ihre Windeln abgelegt hatte usw. wissen. Leider war Erika nicht mit dabei. Sie hätte dies alles genauer gewusst. Trotzdem konnte ich ihm so viel an Information geben, dass er sich über Olivia ein Bild machen konnte. Nach eingehender Untersuchung des Kindes gab er Olivia eine gezielte Hochpotenz. Welche, weiß ich heute nicht mehr. Sollte sich in den nächsten Tagen keine Besserung einstellen, empfahl er uns, Olivia ins Spital zu bringen. Allgemein riet er mir abzuwägen, ob vielleicht die von der Schulmedizin gewünschte, sofortige Operation die Situation der Familie nicht erleichtern würde. Die Chemotherapie, so glaubte er, könnte ja weiterhin verweigert werden.
Ich glaubte, auch aus seinem Reden einen tiefen Glauben an Gott herausgehört zu haben. Mein gewonnener Eindruck von diesem Arzt war überaus positiv. Abschließend warnte er mich vor dem Umgang mit den Medien. Seiner Meinung nach könnten viele, jetzt noch positiv schreibende Redakteure, sehr schnell durch den auf sie ausgeübten Druck umfallen.
Er sprach aus eigener Erfahrung im Umgang mit den Medien. Wir sollten uns täglich bei ihm melden und über Olivias Befinden berichten. Auch wäre es erforderlich, ihm Olivia öfters zu zeigen. Nochmals wies er darauf hin, nicht in allen Punkten mit Dr. Hamer übereinzustimmen.

Telefonat mit Gerald.
Es wäre für uns besser, ins Ausland zu flüchten. Für den kommenden Morgen um 3:00 Uhr sei geplant, dass Bekannte von ihm uns abholen kommen könnten. In einem Gespräch mit Dr. Hamer wäre auch dieser für diesen Schritt gewesen. Er ließe uns weiters ausrichten, dass wir uns um Olivia keine Sorgen zu machen bräuchten.

Dieses Angebot wollten wir annehmen, da wir uns in Österreich nicht mehr sicher fühlten und sowieso Ärzte der Neuen Medizin in Deutschland aufsuchen wollten. Die Bezahlung der Ferienwohnung verlief so, wie Gerald es bereits einmal vorausgesagt hatte. Frau Pfennig verrechnete uns wirklich jeden Brotkrümel und zuletzt fragte sie sogar noch nach, ob in der Wohnung etwas kaputt gegangen sei. Wahrheitsgemäß gestand ich den Bruch zweier Trinkgläser. Ihr Rechenstift zuckte, dann machte sie jedoch eine großzügige Geste, die wohl die Geringfügigkeit des Schadens zum Ausdruck bringen sollte. Ich überlegte mir, auf den Schilling genau rausgeben zu lassen, rundete dann jedoch erst recht den Betrag auf. Als die Sprache auf unser zurückbleibendes Auto fiel, merkte ich deren Sorgen, dass es bei ihnen entdeckt werden könnte. Vieles wurde in Erwägung gezogen. Wie klein doch deren Glaube war, dachte ich bei mir! Wo war denn nun ihr Gottvertrauen? Ohne Rückfrage bei Uriella (Führerin der Glaubensgemeinschaft) schienen sie sich nicht wohl zu fühlen. Für mich hatten sie zu vieles dieser Frau überantwortet. Schließlich, nach langem Hin und Her, konnte ich das Auto bei ihnen lassen, ich musste jedoch versprechen, dieses so rasch wie möglich abzuholen.

Spät abends, nachdem die Kinder zu Bett gebracht wurden, packten wir unsere Habseligkeiten zusammen.



Mittwoch, 05.07.1995:

Gegen 3:00 Uhr morgens kamen wie vereinbart Geralds Bekannte mit zwei Autos. Es waren Irene und Otto, zwei Mittvierziger. Wir hatten bereits alles so weit vorbereitet, weckten die Kinder und tranken noch einen kräftigenden Grüntee. Für die Kinder war der Aufbruch mitten in der Nacht abenteuerlich und deshalb interessant. Wir verstauten alles in den beiden Wagen. Alexander und ich fuhren mit Irene, Erika und die beiden Mädchen bei Otto im Auto. Unser Ziel war die österreichisch-deutsche Grenze bei Salzburg zu überqueren. Der Gedanke an den bevorstehenden Grenzübertritt verursachte mir ein flaues Gefühl im Magen. Wir nahmen die Route über die Tauern. Irene und Otto fanden den langen Tunnel schrecklich und als wir mit den Autos die Berge erklommen hatten, war ich ihnen für diese Entscheidung dankbar. Das Panorama war überwältigend, wir konnten uns kaum satt sehen.
Während der Fahrt lernten wir einander kennen. Irene arbeitete mit den Heilkräften der Steine und war darin sehr bewandert. Otto war früher am Finanzamt tätig und heute erforschte er geistige Energiequellen. Verschiedene seiner Experimente sahen sehr vielversprechend aus. Beide, Irene und Otto, waren nun schon seit Jahren bei der Glaubensgemeinschaft Fiat-Lux. Ihre selbstlose Bereitschaft, uns zu helfen und vielleicht selbst dadurch in Schwierigkeiten zu geraten, beeindruckte mich tief.
Mit welch unterschiedlichen und faszinierenden Personen wir durch unsere Odyssee doch immer wieder in näheren Kontakt kamen! Unser Schicksal hatte bereits sehr arge Formen angenommen. Wir wussten nicht, was der kommende Tag bringen könnte, ja selbst nicht einmal, was uns innerhalb der nächsten Stunden widerfahren würde. Könnte es beim Grenzübertritt Probleme geben?
Irene hatte eine „geistige Waffe“ bei sich. Sie sandte „Licht“ aus. Dazu spreizte sie Daumen und Zeigefinger beider Hände zu einem Dreieck und konzentrierte sich auf ihr Ziel. Der Grenzübertritt kam näher, die Nervosität stieg und wurde sofort durch Jubelstimmung ersetzt, als uns der Grenzbeamte durchwinkte. Wir hatten es geschafft. Wir waren in Deutschland.
Gleich nach der Grenze überlegten wir uns unser nächstes Ziel und beschlossen die paar Tage bis zum Treffen mit Dr. Hamer am Chiemsee zu verbringen. Die lange Autofahrt hatte Olivia, entgegen unseren Befürchtungen, nicht viel ausgemacht. Im Gegenteil, am Chiemsee angekommen, war sie quietschvergnügt und voller Tatendrang. Wir führten dies auf die von Dr. Leibold verabreichte homöopathische Hochpotenz zurück.
Nach einem ausgedehnten Frühstück, bei dem wir die dort „herrschenden“ Preise kennenlernen durften, unternahmen wir eine einstündige Motorbootsfahrt. Alexander durfte sich als Kapitän beweisen. Unsere Stimmung war bestens. Es schien, als hätten wir alle unsere Sorgen in Österreich zurückgelassen.
Von einem Postamt aus führte ich mehrere Telefonate mit österreichischen sowie deutschen Medien. Deren Anzahl war bereits beträchtlich. Übertölpelt wurde ich durch das österreichische Radio, das mein Gespräch sogleich für eine spätere Ausstrahlung verwendete. Ohne vorhergehende Vorbereitung fühlte ich mich unsicher.

Mit Herrn Pflughaupt hatte ich für den kommenden Tag einen Drehtermin am Chiemsee vereinbart.

Für die „help-tv“-Sendung am Abend brauchten wir noch ein Zimmer mit Fernsehen und Telefon. Direkt am Chiemsee war allerdings alles ausgebucht und so suchten wir in entfernteren Ortschaften nach Geeignetem. Fündig wurden wir in einem schönen Ort, der ebenfalls an einem Badesee lag. Eine Wirtin konnte uns ein Gastzimmer mit Fernsehen und Telefon zur Verfügung stellen, vermietete aber auch moderne Ferienzimmer. Wir quartierten uns ein.
Kurz vor Beginn der Sendung gab ich Herrn Rilk die Telefonnummer durch, sodass ich angerufen werden konnte. Als ich zurückgerufen wurde, erhielt ich die Anweisung, die Leitung zu halten. Die Sendung lief und ich hielt die Leitung. Die Sendung ging zu Ende und ich hielt noch immer die Leitung, ohne durchgeschaltet worden zu sein. Was war hier wieder geschehen? Ich war zornig, diesen Menschen vertraut zu haben. Wahrscheinlich hatten sie richtig vermutet, dass ich mir Prof. Jürgenssen vornehmen wollte. Herr Rilk kannte ja meine Absicht. Zu Beginn der Sendung bezeichnete die Moderatorin, Barbara Stöckl, das Publikum als nicht ausgewogen. Es wären mehr Hamerfans als andere zugegen. Dies sei durch unfaire Reservierungen erreicht worden. Diese Behauptung fand ich unverschämt. Dem „orf“ selbst war ein Missgeschick bei der Kartenvergabe geschehe, hatte mir Herr Rilk mitgeteilt. Später erfuhr ich sogar, dass kurz vor Beginn der Sendung Barbara Stöckl das Publikum ermutigte, ruhig Emotionen zu zeigen und dann teilte sie so einen gemeinen Dämpfer aus.
Trotzdem war die Sendung fabelhaft. Dr. Hamer hielt sich im Zaum und Prof. Jürgenssen verlor einmal fast seine Ruhe. Das Publikum war eindeutig auf Hamers Seite. Ich setzte mich mit meinem Rechtsanwalt in Verbindung und erhielt eine interessante Information. Nach der Sendung wäre die Diskussion weitergeführt worden und man hätte den Vorschlag gemacht, ein Ärztekonsortium zu bilden, das die Behandlung von Olivia übernehmen sollte. Dieses Konsortium sollte aus gleichen Teilen Schulmedizinern, als auch Ärzten der Neuen Medizin zusammengesetzt werden. Der dafür Verantwortliche war der in der Sendung an der Seite von Prof. Jürgenssen stehende, Prof. Pichler. Er ist Universitätsprofessor und des Patientenrechts kundig. Ich war begeistert und rief sofort Frau Dr. Petrovic zurück, um mich zu bedanken. Ärzte der Neuen Medizin für dieses Konsortium zu finden, das nun unter dem Auge der Öffentlichkeit gebildet werden soll, war sicherlich kein Problem. Dr. Hamer kannte sicher geeignete Personen.

Medien

kronen-zeitung - PATIENTEN AUF DER FLUCHT



Donnerstag, 06.07.1995:

Am frühen Nachmittag fuhren wir zurück zum Chiemsee. Die Kinder waren begeistert, endlich wieder ins Wasser zu dürfen. Indessen drehte Herr Pflughaupt für eine „taff“-Sendung in „pro7“ einen Beitrag über uns. Unerfahren wie wir waren, ließen wir uns sehr vieles in den Mund legen, was wir später bedauerten. Hier mussten wir noch viel dazulernen.



Freitag, 07.07.1995:

Bereits am Morgen hatte Olivia schreckliche Schmerzen. Sie kamen schubweise und trieben ihr Schweißperlen rund um den Lippen hervor. Es war fürchterlich, sie so leiden zu sehen. Vor Angst und Sorge wusste ich weder ein noch aus.

Otto machte mir große Vorwürfe. Seiner Meinung nach war mein Verhalten nicht gottgefällig. Ich brächte keinerlei Opfer, wohingegen er, der nicht Vater von Olivia war, bereits ab dem ersten Tag unserer Bekanntschaft ein Opferfasten begonnen hätte. Ich wäre nicht einmal bereit, mein lasterhaftes Rauchen aufzugeben.
Sein Vorwurf traf mich. Meiner Meinung nach befand ich mich bereits auf dem Wege, Gott zu erkennen, doch räumte ich mir schon ein wenig Geduld ein. Ich konnte nicht so schnell zum praktizierenden Gläubigen werden. Einfach nur Riten zu übernehmen, war mir zu billig. Das Rauchen aufzugeben dagegen, schien mir als Beweis meiner Aufrichtigkeit angebracht zu sein. Auch ich war bereit Opfer zu bringen, daran sollte es nicht scheitern! Für Olivia war ich bereit alles zu tun und zu geben! Sofort packte ich sämtliche Zigarettenpackungen und Feuerzeuge in einen Sack und stopfte ihn in die Mülltonne. In Hinkunft griff ich jedes Mal beim Bedürfnis nach einer Zigarette an mein Kreuz am Halsketterl und schaffte es so, der Versuchung zu widerstehen. Otto und Irene waren beeindruckt, aber auch ich musste mich wundern, wie leicht mir diese Abgewöhnung gefallen war.

Ich rief Dr. Leibold zurück und erzählte ihm Olivias Zustand, der sich nach zwei Tagen nun so verschlimmert hatte. Er empfahl mir ein weiteres homöopathisches Schmerzmittel zu kaufen. Weiters erzählte er von einem Grazer Chirurgen, mit dem er Olivia in Behandlung nehmen wollte. Ich getraute mich aber nicht, Olivia in eine Grazer Klinik zu überstellen. Wäre sie einmal in einer Klinik, so könnte ich die Chemo nicht mehr verhindern.

Auch mit Prof. Pichler setzte ich mich in Verbindung und versuchte meine Vorstellungen eines Ärztekonsortiums zu konkretisieren bzw. auszuhandeln.

Medien

nz - Neue Hoffnung für krebskrankes Kind
täglich alles - Alle wollen Olivia helfen



Samstag, 08.07.1995:

Olivias Schmerzen hielten weiter an. Der einzige Lichtblick in dieser katastrophalen Situation versprach das heutige Treffen mit Dr. Hamer zu werden. Gleich nach dem Frühstück fuhren Otto und ich nach München.

Treffen mit Dr. Hamer:
Im vereinbarten Hotel am Bahnhof angekommen, wurden wir von einem Herrn Schneider, ein freier Fotograf, angesprochen. Dieser hatte über dieses Treffen von Dr. Hamer erfahren. Er wollte unbedingt Fotos von uns und Olivia. Ich hatte keinen guten Eindruck von diesem Herrn.
Etwas später traf Dr. Hamer ein. Ich sprach über meine Sorgen Olivia betreffend, und obwohl er gerade auf dem Weg nach Spanien war, erklärte er sich bereit, uns in unserer Ferienwohnung zu besuchen. Mehr nebenbei erwähnte er, dass Olivia auch an einer Knochenosteolyse in einem unteren Wirbel der Wirbelsäule leide. Diese wäre auch für ihre Rückenschmerzen verantwortlich. Auch Gerald hatte bereits erkannt, dass hier eine Störung vorlag. Somit hatte Olivia also vier verschiedene Krebse: die Nierenzyste und das Sammelrohrkarzinom an der rechten Niere, das Leberkarzinom und ein Knochenkarzinom an einem Wirbel. Wieso? Warum muss Olivia gleich so massiv von Krebskrankheiten betroffen sein?
Er erzählte von der „help-tv“-Sendung. Herr Rilk habe ihm gesagt, es wäre von den Studiogästen niemand so recht vorbereitet gewesen, da angenommen wurde, die Suchaktion der Polizei von Mittwoch, den 5. Juli, begonnen um 8:00 Uhr morgens, würde erfolgreich verlaufen. Es war geplant, uns festzusetzen, Olivia sofort in das St. Anna-Kinderspital einzuliefern und die Sendung dann kurzfristig abzusetzen.
Ich war schockiert. Um 7:00 Uhr hatten wir die Grenze überschritten und um 8:00 Uhr wurde eine österreichweite Großfahndung nach unserer Familie gestartet.
Wir fuhren mit Dr. Hamer zurück zu Olivia. Dem Reporter gestattete ich mitzukommen, und in seinem roten Porsche fuhr er hinter uns her.
Olivia lag noch immer in argen Schmerzen. Dr. Hamer meinte aber, dass die Leberschwellung doch nicht so arg sei, wie ich ihm erzählt hatte. Die Schmerzen könnten aber noch bis Ende Juli andauern. Dass Organe dadurch lebensbedrohend gequetscht werden könnten, befürchtete er nicht.
Dr. Hamer beabsichtigte, in Spanien einen kompetenten Schulmediziner für ein Gegengutachten aufzusuchen.
Betreffend das Ärztekonsortiums überlegten wir folgendermaßen:
Ärzte der Neuen Medizin könnten sein: Prof. Stammer26, Dr. Papadakis, Dr. Mühlengart27 und Dr. Hamer.
Die Leitung und Aufsicht könnte Frau Dr. Petrovic übernehmen. Wir bräuchten schriftlich, dass keine Zwangstherapie oder Zwangsoperation durchgeführt werde mit Entzug unseres Sorgerechts. Das erste Treffen hätte in Deutschland stattfinden können.

Gespräch mit dem Fotografen, Herrn Schneider:
In seinem Porsche brachte er Dr. Hamer zum Flughafen. Nach seiner Rückkehr besprachen wir mögliche weitere Medienschritte. Unsere, an Herrn Pflughaupt abgetretene Exclusivrechte, bezeichnete Herr Schneider als Fehler. Herr Pflughaupt ginge seiner Meinung nach absolut unklug vor. So sei die Sendung „taff“ in „pro 7“ eine neue und damit nicht bekannte Sendung und hätte dadurch auch keine nennenswerte Einschaltquote. Außerdem würde Herr Pflughaupt mit unserer Story viel zu viel Geld verlangen, was wiederum die Medienlandschaft verärgert. Durch diese Vorgehensweise werde die Möglichkeit versperrt, auflagenstarke Zeitungen und einschaltstarke Fernsehsender zu gewinnen. Der Reporter meinte weiters, dass Herr Pflughaupt anscheinend zu wenig Bescheid wisse über die Medienwelt. Er selbst wäre zwar durch seinen derzeitigen Auftrag vertraglich gebunden, fand aber unsere Story sehr stark und meinte, einiges daraus machen zu können.
Otto verhielt sich dem Reporter gegenüber überaus aufgeschlossen. Er erzählte ihm viel von seiner persönlichen Weltanschauung, die sehr geistig tendiert ist. Der Reporter war sichtlich überfordert, Otto in allem zu folgen. Mir war dies schon recht peinlich, wollte aber Otto nicht bremsen, da ich der Meinung war, er müsse dies selbst alles vertreten können.
Natürlich begann ich an der Seriosität des Herrn Pflughaupt zu zweifeln und wollte ihn zur Rede stellen, konnte ihn aber nicht erreichen.

26, 27 Name geändert



Sonntag, 09.07.1995:

Olivia hatte bereits den dritten Tag starke Schmerzen und lag hauptsächlich nur im Bett. Der Weg aufs WC wurde ihr zur Qual. Sie hatte Fieber, Kopfschmerzen und Schmerzen im Bauch, konnte aber normal essen und hatte normalen Stuhlgang. Ihr Schlafbedürfnis war groß.
Wir machten uns schreckliche Sorgen und beteten viel für Olivia. Um Alexander und Elisabeth von Olivias Schmerzen abzulenken, ging ich mit ihnen auf einen mehrstündigen Spaziergang rund um den See. Im Gespräch mit ihnen erkannte ich aber, dass auch sie sich sehr um ihre Schwester sorgten.

Medien

kleine zeitung - Ärzte über „ORF“ entrüstet
kurier - Einer gegen alle Ärzte



Montag, 10.07.1995:

Telefonat mit Frau Stauffer, „Grüne“:
Ich wollte mit ihr das geplante Ärztekomitee besprechen, als sie mir unvermittelt vorwarf, mir ginge es eher im die Neue Medizin als um meine Tochter. Ich war schockiert. Wieso wurde mir dies unterstellt? Was war nun schon wieder passiert? Ich wurde den Eindruck nicht mehr los, dass sich die „Grünen“ wegen des Einsatzes ihrer Clubchefin, Frau Dr. Petrovic, für die Neue Medizin und uns in Schwierigkeiten befanden.

Telefonat mit Dr. Leibold:
Ich berichtete ihm über Olivias Gesundheitszustand. Er empfahl ein homöopathisches Mittel zu besorgen, das die Schwellung abklingen lassen könnte. Eine Operation zog er nur für den Notfall, wie Atemnot, in Erwägung. Für meine Abneigung, Olivia nach Österreich zurückzubringen, zeigte er Verständnis. Seiner Meinung nach war ein Großteil der Bevölkerung auf unserer Seite. Die Chemotherapeuten würden sich verzweifelt wehren.

Telefonat mit Dr. Antonescu:
Dr. Antonescu wurde die Großfahndung nach uns am vergangenen Freitag mitgeteilt. Er versprach, mir darüber ein Schriftstück aus unserem Gerichtsakt zu organisieren. Sollte Olivia sterben, müssten wir mit drei Jahren Haftstrafe rechnen.

Telefonat mit Karin:
Sie berichtete, dass Dr. Hamer das gewünschte Gegengutachten aus Spanien von einem gewissen Prof. Rius erhalten habe. Damit sei die Fehldiagnose des Dr. Jürgenssen und des St. Anna-Kinderspitals erwiesen. Prof. Rius bestätigte das Vorhandensein des Lebekarzinoms. In Kürze würde mein Rechtsanwalt Dr. Antonescu dieses Gutachten erhalten.

Dieses Gegengutachten in Form eines Videos erhielten wir erst in Ulm von Dr. Hamer. Die Abschrift davon machte ich erst viel später. Dr. Hamer verschickte dieses Video an alle wichtigen Fernsehstationen und auch an den Richter Masizek nach Wr. Neustadt.

Abschrift des Interviews zwischen Dr. Hamer und Prof. Rius, Chefradiologe der Universitätsklinik Barcelona vom 10. Juli 1995:
Diskussionsgegenstand: CT-Bilder von Olivia Pilhar

Dr. Hamer: Herr Prof. Rius, Sie sind der Leiter hier des radiologischen Institutes der Universität von Barcelona. Sie haben einer Reihe von Mitarbeitern diese Bilder von Olivia gezeigt, der eine Mitarbeiter war Herr Prof. Lucaja, Kinder- Computertomographie-Fachmann, dann Prof. Romero, der Neuroradiologe.
Prof. Rius: Und Prof. Alvarez.
Dr. Hamer: Und Prof. Alvarez. Prof. Lucaja ist ja nun ein Spezialist für Nierentumoren, meint er, er schreibt ein Buch darüber, er war sich nun aber nicht sicher, was dies nun sein sollte.
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Er sagt mit so und soviel Prozent ein Wilmstumor, mit so und soviel Prozent ein Nephroblastom.
Prof. Rius: Ein Neuroblastom, ein Wilmstumor.
Dr. Hamer: Ja. Und er meinte, es könnte auch ein atypischer Wilmstumor sein, weil er schon eine Hirnmetastase hätte, da (Dr. Hamer zeigt auf Schädel-CT), das wäre nicht typisch. Und so weiter und so fort. Und der Neuroradiologe, der Prof. Romero, der meinte, ja, das wäre auf alle Fälle eine Metastase und das würde im...
Prof. Rius: Ein Artefakt.
Dr. Hamer: Ja, ein Artefakt. Und, also die wussten eigentlich so gar nichts Rechtes. Und die Schwierigkeit ist ja die, dass wir bisher eigentlich immer ‚statisch’ gesehen haben. Wir haben also... Dann wurde ein Kind operiert und dann hat der Pathologe gesagt, das ist das und das. Ja?. Und da gibt es nun verschiedene Möglichkeiten: Wilmstumor, Nierenzyste, Hypernephrom, Neurinom, Nephroblastom...
Prof. Rius: Neuroblastom.
Dr. Hamer: Neuroblastom. Alles Mögliche gibt es da. Und dann entscheidet irgendwann der Pathologe, das ist nun das und dann anschließend wird eine Arbeit daraus gemacht und so und so viele Fälle mit dem. In Wirklichkeit könnte es ja sein, nicht, dass es ja nur verschiedene Studien der gleichen Sache sind.
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Nicht?
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Das wäre ja möglich.
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Denn sonst kommt man ja nicht zusammen mit dem, was der Prof. Pfitzer sagt, der ‚Papst’ der deutschen Histopathologen, dass an der gleichen Stelle des Organs immer die gleiche Art von Tumor gefunden wird. Ja?
Prof. Rius: (nickt zustimmend)
Dr. Hamer: Also muss alles, was von dem Nierenparenchym ausgeht, also jetzt nicht das Sammelrohr, nicht die Collecteurs, sondern vom Nierenparenchym ausgeht, muss ja das gleiche sein? Nicht?
Prof. Rius: (nickt zustimmend)
Dr. Hamer: Ist doch eigentlich logisch.
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Und das Sammelrohrkarzinom, das sagt der Prof. Lucaja, das kennt er überhaupt nicht bei Kindern, das gibt es da nicht.
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Das hat er noch nicht gesehen.
Prof. Rius: Niemals.
Dr. Hamer: Noch niemals gesehen. Das hat gewisse Gründe hier in Spanien. Da haben die Leute noch viel mehr Tuberkulosekeime und die Kinder verkäsen das dann auch wieder, und man sieht das dann auch nicht mehr.
Prof. Rius: (nickt zustimmend)
Dr. Hamer: In diesem Fall hat nun das Kind aber, nach meiner Meinung, drei verschiedene Tumore, das heißt eine Nierenzyste, die man auch Wilmstumor nennt, ein Sammelrohrkarzinom, was wie hier sehen (Dr. Hamer zeigt auf Organ-CTs) nicht? An der Vorderlippe, Vetrallippe der Niere oder auch da zu sehen und ein Leberkarzinom, was allerdings ein bisschen strittig ist, aber es wäre ja sonst nicht erklärbar, wie so eine Zyste – die ist ja noch liquide. Wie soll eine liquide Geschichte da bis drei Zentimeter unterm Zwerchfell hochdrücken, zentral in die Leber hinein. Das gibt keinen Sinn eigentlich, nicht? Denn sie ist ja noch liquide, sie ist ja noch gar nicht fest. Also wie kann eine liquide Zyste so drücken? Wir wissen das ja bei der Geburt. Wenn der Säugling sich unter der Geburt nicht anstemmt, dann rutscht er nicht durch.
Prof. Rius: Vielleicht ist sie nicht nur liquide?
Dr. Hamer: Ja? Also halbliquide?
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Na gut. Also das können wir uns alles vorstellen. Es gibt also viele Meinungen. Aber, nun sind sie ja ein besonderer Professor, der also schon sehr viel mit der Neuen Medizin gearbeitet hat. Da sind Sie ja den anderen nun weit voraus.
Prof. Rius: (nickt zustimmend)
Dr. Hamer: Und Sie wissen ja nun, dass also in der Neuen Medizin jeweils zu einem bestimmten Organprozess auch ein entsprechender zerebraler Prozess, genannt Hamerscher Herd, dazugehört.
Prof. Rius: Ich habe schon gesehen.
Dr. Hamer: Das haben Sie schon gesehen. Ja.
Prof. Rius: Das ist aber schwer für einen Normalradiologen zu sehen.
Dr. Hamer: Ja. Der hat z.B. den Hamerschen Herd im Leberrelais, haben die alle für eine Metastase gehalten. Nicht?
Prof. Rius: Ja, ja.
Dr. Hamer: Das ist aber das Leberrelais. Also muss das Kind ein Leberkarzinom haben, und zwar ein Adenokarzinom. Ist klar, nicht? Nach den Regeln der Neuen Medizin ist das klar.
Prof. Rius: Aber nicht in der traditionellen Medizin.
Dr. Hamer: Nein, das ist klar. In der traditionellen Medizin können sie damit nichts anfangen, für die sind das Metastasen in der Leber allenfalls. Die sind da durchgekrabbelt durch mehrere Paritoneen...
Prof. Rius: Ja, ja.
Dr. Hamer: Retroperitoneum und bis zum Transperitoneum. Immer weiter gekrabbelt bis 3 Zentimeter unterm Zwerchfell sind die gekrabbelt. Nicht?
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Und das Ganze ist dann sog. metastasierendes Karzinom der Nieren, aber das ist natürlich Unsinn. Aber das Tolle ist ja, dass Sie das nun kennen und dass wir nun einen Professor wenigstens haben, der uns das nun bestätigen kann. Oder, vielleicht können Sie uns das ja bestätigen?
Prof. Rius: Ja
Dr. Hamer: Dass wir für diese drei Sorten Tumor auch drei...
Prof. Rius: Differente...
Dr. Hamer: Herde im Gehirn haben. Der dritte ist ja hier. Das ist ja dieses... das was man den Wilmstumor nennt, diese Nierenzyste. Das ist ja hier auf der rechten Seite.
Prof. Rius: Ja, aber ‚nein’ in der traditionellen Radiologie.
Dr. Hamer: Ja sicher.
Prof. Rius: Das ist Neue Medizin.
Dr. Hamer: Ja, das ist mir völlig klar.
Prof. Rius: Das ist wahr. Aber es ist schwer...
Dr. Hamer: Ja, es ist schwer für die anzuerkennen.
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Ja, das ist mir völlig klar. Ja, so ist das Ganze nun natürlich eine schwierige Sache, das, was ja nun keiner eigentlich verstehen kann, ist, wenn sie als Chefradiologe der Universität Barcelona nun sagen: ‚Das stimmt aber eigentlich, ich kenn das ja und ich weiß das.’ Dann ist das natürlich eine Aussage.
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Nicht? Und für die andern, die jonglieren mit Prozenten da herum. Nur ist es ja furchtbar, dass daraufhin ein Kind eingefangen werden sollte mit der Polizei. So geschehen, sollte es am 5. Juli eingefangen werden und sofort operiert werden, das heißt exekutiert werden. Und vielleicht können wir uns noch einmal darüber unterhalten. Also man hätte ja in diesem Fall die rechte Niere total weggenommen, ja? Die aber hervorragend funktioniert. Das sieht man ja.
Prof. Rius: Ich habe sie gesehen. Sie funktioniert.
Dr. Hamer: Ja, sie funktioniert hervorragend. Also man hätte die ganze rechte Niere weggenommen. Man hätte mehr als die Hälfte der Leber weggenommen. Ja?
Prof. Rius: (nickt zustimmend)
Dr. Hamer: Und man hätte natürlich diese Hirnmetastase gleich mitoperiert. Das heißt, dieses Kind hätte eine Chance von quasi Null gehabt zu überleben. Kann ich das wohl so sehen?
Prof. Rius: (nickt zustimmend)
Dr. Hamer: Ja? So viele Operationen auf einmal. Und solche Riesenorgane weg und Hirnoperation. Also, eine Chance quasi Null.
Prof. Rius: Aber...
Dr. Hamer: Selbst nach traditioneller Medizin sind die Chancen Null.
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Aber in der Neuen Medizin hat es eine Chance von 90-95% zu überleben, das Mädchen. Es geht ihm auch gut. Es schwimmt.
Prof. Rius: Ist auch gut.
Dr. Hamer: Prof. Jürgenssen hat gesagt, in 14 Tagen ist es tot. Das ist aber schon 5 Wochen her. Ja?
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Heute ist der 10. Juli. Und er hat das vor vier, fünf Wochen gesagt. Ich glaube schon fünf Wochen. Und das Kind lebt und das ist natürlich eine Katastrophe für die Schulmedizin, dass sie sich so festgelegt hat, denn das Kind stirbt ja gar nicht. Es geht ihm ja gut. Es isst, schläft. Es hat allerdings Nachtschweiß. Es hat eine Tuberkulose, offenbar der Leber und der Sammelrohre der Niere. Aber sonst fühlt es sich wohl. Es hat zwischendurch ein bisschen Schmerzen gehabt, es war auch ein bisschen weiter geschwollen. Jetzt geht es gerade zurück, wie ich gestern erfahren habe. Und dem Kind fehlt eigentlich nicht sehr viel. Nicht zu vergleichen mit dem, was passiert wäre, wenn man das nun alles rausgenommen hätte und sogar das Gehirn operiert hätte.
Prof. Rius: Aber für unsere Medizin (traditionelle) ist es schwer zu verstehen.
Dr. Hamer: Ja. Das ist klar. Aber man muss sich halt bemühen. Sie habe sich ja auch bemüht.
Prof. Rius: (nickt zustimmend)
Dr. Hamer: Und wir sind ja glücklich, dass wir eine Chef der radiologischen Universitätsklinik haben, der das versteht.
Prof. Rius: (nickt zustimmend)
Dr. Hamer: Und da muss man nun sagen für die Eltern des Kindes „in dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten).
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Denn nach dem, was Sie jetzt kennen und was man ja auch wirklich faktisch belegen kann, würde ja die Entscheidung, ob operieren oder nicht, ja ganz anders ausfallen. Meinen Sie nicht?
Prof. Rius: Ja.
Dr. Hamer: Sie würden ja ihr eigenes Kind nicht operieren?
Prof. Rius: Vielleicht nicht.
Dr. Hamer: Vielen Dank.
Prof. Rius: Bitte schön.

Ich war überglücklich und überzeugt, dass noch alles gut werden konnte.

Telefonat mit Herrn Czogalla „Spiegel-TV“:
Da meiner Meinung nach Herr Pflughaupt nicht effizient genug voranging, beschloss ich das Angebot der Herrn Czogalla, einen Beitrag über uns zu gestalten, anzunehmen.

Telefonat mit Prof. Pichler:
Nach unzähligen Versuchen gelang es mir endlich, ihn zu erreichen. Ich bedankte mich bei ihm für seinen Vorschlag des Ärztekomitees. Herr Prof. Pichler erwiderte, es liege ihm vor allem die Gesundheit der kleinen Olivia am Herzen. Diese Versicherung sollte ich im Laufe der Geschichte noch von vielen zu hören bekommen. Als ich konkret auf dieses Komitee einging, machte Herr Prof. Pichler einen Rückzieher und fragte, ob nicht wohl besser der Ärztekammerpräsident die Schulmediziner ernennen sollte, da er wohl kaum Ärzte hierfür finden würde. Natürlich erklärte ich mich einverstanden, schlug sogar vor, Herrn Prof. Jürgenssen und Herrn Dr. Mann oder Herrn Prof. Gadner in dieses Komitee zu berufen. Herr Prof. Pichler versicherte, sein Möglichstes zu tun, nur versprechen könne er nichts.

Telefonat mit Herrn Rilk, Redaktion help-tv:
Auch Herr Rilk bestätigte mir dir Großfahndung am 05.07.1995 nach unserer Familie. Weiters wusste Herr Rilk zu berichten, dass Frau Dr. Petrovic durch ihre Solidarität zu Dr. Hamer bereits beträchtliche Schwierigkeiten bekommen hätte. Welcher Art diese seien, wollte er am Telefon nicht näher erörtern.

Ein paar Zeilen ist die von gewählte uns Pension schon wert:
Angekommen, organisierten wir zuerst das Gasthauszimmer mit TV und Telefon. Der Sohn der Chefin war zuerst recht unfreundlich, nach der „help-tv“-Sendung jedoch durchaus zuvorkommend. Es gefiel ihnen jedoch nicht, dass wir nicht bei ihnen im Restaurant konsumierten. Wir hatten uns auf Selbstversorger umgestellt. Als Olivia diese Schmerzen bekam, beunruhigte dies die Pensionsleitung sehr. Die Chefin erklärte, ihren krebskranken Mann bis zu seinem Tode zu Hause gepflegt zu haben. Vorerst hatten wir vereinbart bis Samstag zu bleiben. Durch Olivia wurden wir aber gezwungen ein paar weitere Tage anzuhängen. Eher widerwillig gestatteten sie uns dies. Die Ferienwohnungen selbst waren erste Klasse. Einmal, nach der nicht geplanten Aufenthaltsverlängerung, mussten wir mit der wimmernden Olivia die Wohnung wechseln, da unsere alte vergeben werden sollte.
Wenn Otto guter Laune war, und das war er für gewöhnlich, war er über jeden Gesprächspartner erfreut, um ihn in ungewöhnliche Geheimnisse einzuweihen. So wurde auch einmal dieser Chefsohn sein Opfer. Als ihm Otto nun von der bevorstehenden großen Inflation, vom baldigen 3. Weltkrieg, von UFOs usw. erzählte, machte dieser ein so lustig doofes Gesicht, dass ich unvermittelt weggehen musste, um nicht lauthals aufzulachen. Ich überlegte, dass für den Juniorchef wohl einzig und allein das Geschäft seine Welt ausmache. Über derartige, von Otto vorgetragene Dinge, hatte er sich sicherlich noch nie den Kopf zerbrochen.
Aber auch wegen Otto machte ich mir Sorgen. Seine gutgläubige Offenheit und seine Überzeugung, ein jeder müsse ihn verstehen, wenn er nur lange genug auf ihn einsprach, konnte ins Auge gehen. Sein Gespräch mit dem Juniorchef war unbedenklich. Jenes mit dem Reporter aber schon nicht mehr. Durch sein Opferfasten zeigte er bereits körperliche Schwächen.

Universität Tübingen:
In einem weiteren „Gutachten“ wird die Habilitation Dr. Hamers von Prof. Dr. med. G. Rassner abgelehnt. Rassner: „ ... und möchte der Fakultät empfehlen, sie als schriftliche Habilitationsleistung abzulehnen.“
Die Erkenntnis der Neuen Medizin wurde bis dato immer nur begutachtet, aber niemals öffentlich verifiziert.
Dr. Routil, steirischer Ärztekammerpräsident, erklärte im Steirischen Rundfunk am 19.07.95: „Anerkannt oder nicht anerkannt kann normalerweise nur werden, was empirisch überprüft worden ist.“
Irgendwie kam mir die Schulmedizin immer öfter schizophren vor.



Dienstag, 11.07.1995:

Olivia ging es diesen Morgen wesentlich besser. Während der Nacht schwitzte sie dermaßen, dass wir ihren Pyjama zweimal wechseln mussten. Olivia hatte eindeutig die von Dr. Hamer vorhergesagte TBC.

Telefonat mit Dr. Bauml:
Dr. Bauml erklärte sich definitiv gegen den Einsatz der Chemotherapie. Er weigerte sich aber strikt, in unsere Angelegenheiten mit hineingezogen zu werden. Dr. Bauml hatte bisher weder Olivia, noch irgendeinen Befund gesehen, empfahl mir aber, mit ihr nach Graz in eine Klinik zu fahren.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Dr. Hamer hatte bereits das Gegengutachten und das Video von Barcelona verschickt. Der Gutachter war Chefradiologe Prof. Rius aus der Universitätsklinik Barcelona, jener Klinik, die auch die königliche Familie aufzusuchen pflegt.

Telefonat mit Dr. Antonescu:
Dr. Antonescu hatte das Gegengutachten erhalten, musste dies jedoch erst übersetzen lassen. Ich erklärte ihm, dass wir nunmehr den Spieß umdrehen und den österreichischen Staat auf Schadensersatz verklagen müssten.

Telefonat mit Frau Dr. Mühlengart:
Dr. Mühlengart erklärte sich bereit, Olivia zu behandeln. Wir müssten jedoch nach Nürnberg kommen.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Dr. Hamer teilte mit, dass Herr Prof. Pichler bisher keine Ärzte auftreiben konnte. Herr Prof. Pichler befürchtete, dass die Ärzte Angst vor dem Gegengutachten hatten und deshalb auch nicht kommen wollten. Seiner Ansicht nach müsste das Bezirksgericht nach Erhalt des Gegengutachtens uns sofort unser Sorgerecht zurückgeben.

Telefonat mit Dr. Antonescu:
Er erklärte plötzlich, dass er beabsichtige, das Mandat niederzulegen. Er beklagte sich, dass er mich bisher immer gut beraten und mich vor den Konsequenzen gewarnt hätte, ich jedoch trotzdem immer entgegen seinen Empfehlungen gehandelt habe.
Er hat bei der Staatsanwaltschaft nachgefragt und die Information erhalten, dass es keine Großfahndung gegeben hat, und das sei nunmehr für ihn gültig. Auch er teilte mir nochmals mit, dass sich kein Arzt für das geplante Komitee finden würde.

Dr. Antonescu war umgefallen. Warum? Er wusste doch, dass für uns die Chemotherapie nicht in Frage kam und wir deshalb gezwungen waren, vor dem Staatsapparat zu fliehen. Seine widersprüchlichen Aussagen betreffend die Großfahndung waren ebenfalls eigenartig.

Das Ärztekomitee schien auch nicht zustande zu kommen. Die österreichischen Ärzte hatten offensichtlich Angst vor einer Blöße. Sie wussten, dass nun bereits das Video vom Chefradiologen Prof. Rius existierte. Wo war nun ihre Sorge um Olivia? Ich konnte nur Sorge um ihr eigenes Ansehen erkennen.

Auch die „Grünen“ gingen nun auf Abstand. Eine ganze Partei gab dem Druck nach. Wer hatte hier so viel Macht?

Telefonat mit meinem Chef:
Er wies mich darauf hin, dass bei Dienstfreistellung trotzdem die Firma den Arbeitgeberanteil bezahlen musste. Dies müsste erst der Firmvorstand genehmigen. Sollte dies nicht geschehen, so müsste mir gekündigt werden.
Das war nun wirklich meine geringste Sorge. Es zeigte mir aber, dass ein Angestellter auch nur, solange er Gewinn abwirft, gehätschelt und gepflegt wird. Sobald dies nicht mehr gegeben ist, entledigt man sich seiner.

Medien

kleine zeitung - Kein Ende in der Diskussion um Hamer, ORF weist Kritik am ‚Heiler Auftritt’ zurück: Bericht war objektiv



Mittwoch, 12.07.1995:

Telefonat mit Frau Dr. Rostovsky:
Dr. Rostovsky wusste bereits, dass Dr. Antonescu das Mandat niederlegen wollte. Von Frau Dr. Petrovic erzählte sie mir, dass diese den Fall Olivia von Dr. Hamer getrennt wissen wolle. Dr. Hamer werde zugesichert, dass seine Neue Medizin überprüft werde. Ich erklärte ihr meine Vorstellungen, das Ärztekomitee betreffend. Sie erklärte sich bereit, wenn möglich, hierbei zu vermitteln. Sie hat weiters kurz mit Olivia gesprochen und kam zur Ansicht, dass es ihr ja gar nicht so schlecht gehe.

Telefonat mit Frau Fugger (Jugendamt):
Ich versuchte ein Treffen zu organisieren, indem den österreichischen Behörden das Gegengutachten vorgestellt werden sollte. Doch Frau Fugger ließ nicht mit sich reden und drohte mit Konsequenzen. Sie erklärte bestimmt, dass alles Notwendige unternommen werde, um Olivia einer ordnungsgemäßen schulmedizinischen Therapie zuzuführen.
Sie war überhaupt sehr unfreundlich und arrogant, sodass ich mich ärgerte überhaupt mit ihr und nicht mit ihrem Vorgesetzten, Herrn Gruber, gesprochen zu haben. Allerdings ließ sie, vermutlich ungewollt, durchblicken, dass ich auch mit einer Verfolgung innerhalb von Deutschland rechnen müsste.

Telefonat mit Dr. Antonescu:
Er unterbreitete mir den Vorschlag, in die Anthroposophische Klinik in Witten- Herdecke zu fahren. In dieser Klinik bestünde die Möglichkeit Herrn Dr. Hamer zuzulassen.
Diese Klinik war für mich kein Begriff, sollte aber Dr. Hamer als behandelnder Arzt von Olivia zugelassen werden, wäre es mir nur recht gewesen.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Diese Klinik, so Dr. Hamer, würde lediglich zur Chemotherapie ergänzende Mistel spritzen. Dass er dort als Arzt Olivia behandeln dürfe, hielt er für ausgeschlossen.

Mir schien die Situation komplett verfahren. Selbst das von Herrn Prof. Pichler vorgeschlagene und von Frau Dr. Petrovic unterstützte Ärztekomitee schien nicht zustande zu kommen. Aus dem Gespräch mit Frau Fugger war die konkrete Absicht erkennbar, unsere Familie auch in Deutschland aufzuspüren, um Olivia einer schulmedizinischen Krebstherapie zuzuführen, Wir überlegten uns, Deutschland zu verlassen.

Dreharbeiten mit „spiegel-tv“:
Sie kamen zu viert. Herr Czogalla tat, als wäre er wirklich von unserem Schicksal betroffen und interviewte uns mehr als eine Stunde. Seine Kollegen waren zu den Kindern, und vor allem zu Olivia, sehr freundlich. Ich ließ sie auch Olivias Bauch filmen und beabsichtigte damit eigentlich das Folgende:

Die Schulmedizin behandelt jeden Krebs sofort, also unmittelbar nach der Diagnose. Viele Patienten, die nach der Neuen Medizin vorgingen, hatten oftmals riesige Bauchschwellungen. Manche von einer geschwollenen Milz, manche von einer großen Heilungszyste. Mir war ein Fall eines Mannes bekannt, der sich in Klosterneuburg, eine 20 kg Nierenzyste entfernen ließ. Damals stritten sich der dortige Primar und Dr. Hamer darüber, ob es sich bei dieser Bauchschwellung des Mannes wirklich um eine Zyste handeln konnte. Dr. Hamer behielt mit seiner Prognose der indurierten Zyste recht. Wie bereits erwähnt, ist die Neue Medizin überdeterminiert und dagegen lagen dem Primar ja nur die CTs des Abdomens vor, die er leider falsch interpretierte. Dieser Primar tätigte damals den Ausspruch: „Himmel, der Hamer hat recht!“
Nun, da ich noch immer hoffte, Olivia entsprechend der Neuen Medizin behandeln und heilen lassen zu können, wollte ich den Menschen auch zeigen, wie der Verlauf einer solchen Therapie aussehen konnte. Ein dicker Bauch ist ungewöhnlich, das war mir völlig klar. Dass ein Krebspatient Schmerzen hat und auch darunter zu leiden hat, ist auch von der schulmedizinischen Onkologie her sattsam bekannt. Es gibt keinen Krebspatienten, der keine Schmerzen hat. Nach den schulmedizinischen Weisheiten steht allerdings der Patient bei Auftreten von Schmerzen kurz vor dem Tod, und man verabreicht ihm dann Morphium, um sein vermeintlich nahes Ende erträglicher zu machen. Dr. Hamer beschreibt dies ungeschminkt als „Einschläfern“ der Patienten.
Der Schmerz hat auch einen Sinn. Jeder weiß, dass er dem Menschen als Warnung dient. Tut man sich weh, lernt man, dies das nächste Mal zu vermeiden. Verspürt man ohne äußere Verletzung Schmerzen, dient dies dazu, auf eine Störung im Organismus hinzuweisen. Aber noch einen ganz wesentlichen Sinn hat der Schmerz, vor allem im Zusammenhang mit dem Krebsgeschehen. Krebs ist, laut Neuer Medizin, ein (entwicklungsgeschichtlich bedingtes bzw. verstehbares) Notprogramm der Natur. Krebs rettet vorerst das Leben, verlangt aber nach einer baldigen Lösung des ihn auslösenden Problems. Ein Mensch mit seiner vorhandenen psychischen Verfassung erleidet durch ein Problem ein isolatives Schockerlebnis, das zum Krebs führt. Ein aktiver Krebs verursacht in den wenigsten Fällen Schmerzen. Schafft der Patient durch Zufall oder wie auch immer eine Konfliktlösung, gelangt er in die Heilung und der Schmerz (Heilungs-schmerz) setzt ein. Seine psychische Verfassung konnte ihn nicht schützen, diesen isolativen Schock zu erleiden. Sein Ziel muss nun sein, seine Psyche zu stärken. Und hier ist die Sinnhaftigkeit des Schmerzerleidens bereits zu erkennen. Lang anhaltender Schmerz ändert die Persönlichkeit. Dies kann man oft an solchen Menschen beobachten. Und dies war ja auch gefordert. Der Mensch muss seine Psyche derart ändern, damit er bei einem weiteren, gleichgelagerten Problem, so wie andere Menschen auch, fertig werden kann, somit dieses Problem nunmehr besser bewältigt.
Man muss sich dies wie einen Knochenbruch vorstellen. Der Knochen war zu schwach, deshalb brach er. Was macht die Natur? Sie verstärkt diesen Knochen an der Bruchstelle, damit dies nicht nochmals geschieht.
In diesem Zusammenhang ist nun auch die fatale Wirkung von Morphium erkennbar. Abgesehen von der süchtig machenden Wirkung, wird dem Patienten die Möglichkeit genommen, seine Psyche ändern zu können. Sterben wird er allerdings an einer anderen, verhängnisvolleren Wirkung: Morphium lähmt nicht nur die Atmung, den Darm und das Gehirn, es verändert diese auch. Das Gehirn ist aber das wichtigste Organ überhaupt im Krebsgeschehen. Von hier aus erfolgen ja sämtliche Befehle an jede einzelne Zelle im Organismus. Wird nun das Gehirn ausgeschaltet, so tragen diese Folgen zu den bekannten Misserfolgen in der Onkologie bei.

Dies zu vermitteln lag in meiner Absicht als ich die Aufnahmen von „spiegel-tv“ zuließ und kilometerlange Interviews gab. Was Reporter, was Medien generell, imstande sind aus einer Geschichte zu machen, mussten wir erst leidvoll erfahren...

Telefonat mit Frau Ingrid:
Es war wundervoll wieder einmal mit ihr zu sprechen. Sie erzählte von einem Gottesdienst vergangenen Sonntag, in der Nähe ihres Heimatortes. Es stand eine Frau vor der Gottesgemeinde und erzählte, ihre behinderte Tochter gehe in Mödling in die Sonderschule und ihre nette Handarbeitslehrerin sei Erika, die dieses traurige Schicksal nun tragen müsse, das sie aus dem Sonntagskurier entnommen habe. Frau Ingrid meldete sich ebenfalls zu Wort und erzählte von ihrer Bekanntschaft zu mir. Sie erklärte der Gemeinde, man dürfe nicht auf Äußerlichkeiten und Randbemerkungen achten, man müsse vielmehr auf die Stimme des Herzens achten. Die ganze Gemeinde betete anschließend für uns. Ich war tief bewegt.

Da nun unser Aufenthaltsort bekannt war, entschlossen wir uns, ihn zu wechseln und bezahlten die Rechnung. Als ich sie prüfte, waren 50 Mark zuviel verrechnet worden. Bereits zum dritten Mal, innerhalb zweier Monate, versuchte mich ein Wirt oder Kellner übers Ohr zu hauen. Ich hasste diese Unehrlichkeit!