Kapitel 1

Chemotherapie - was ist das?

Zytostatika:

Was sagt das Lexikon?

Zyto - von griechisch kytos = Zelle, eigentlich Rundung, Wölbung.
statika - von griechisch statikós = zum Stillstehen bringend.

Zytostatika sind also Mittel, welche die Zellen des Körpers zum Stillstand bringen. Die Griechen sagten auch: Panta rei - alles fließt, Das Leben ist also eigentlich Bewegung, Wachstum, Zellteilung...

Die Schulmedizin teilt Zellen in gutartig und bösartig ein. Die einen werden als sinnvoll, die anderen als sinnlos bewertet.
Folglich ist ein Wachstum, in dem ein Schulmediziner keinen Sinn erkennen kann, automatisch sinnlos oder gar bösartig.

Gut und böse. Wir alle haben ein langes Training darin, wie wir zu reagieren haben... Böses und Bösartiges, böse Menschen wurden und werden bekämpft, verbrannt, ausgerottet, ganz klar.

Wussten Sie, dass das erste Chemotherapeutikum ein Nebenprodukt des 1. Weltkrieges war und aus dem Kampfgas Lost (=Senfgas) gewonnen wurde?

Es ist von diesem Verständnis aus auch klar, dass die in diesem Jahrhundert entdeckten Strahlen (Gamma- Alpha- Beta- u. Neutronenstrahlen) auch für das Zerstörungswerk gegen den Krebs eingesetzt wurden und werden.

Was sagt das medizinische Lexikon (Roche Lexikon Medizin)?

Zytostatika:

Substanzen, die den Eintritt der Kern- u./oder Plasmateilung verhindern oder erheblich verzögern bzw. ihren Ablauf unterbrechen, stören. Sie greifen entweder in die Reduplikation oder Transkription der DNS33 oder in die Ausbildung u. Trennung deren Trägerstrukturen ein u. führen zu teilungsstörenden Chromosomenaberrationen34 oder unterdrücken die Ausbildung bzw. stören die Funktion des Spindelapparates (u. sind fast stets mutagen35)...

33 DNS = Desoxyribonukleinsäure, wichtiger Zellbaustein, Träger der Erbinformation
34 Chromosomenaberrationen: Chromosom = ein das Erbgut tragende Teilchen in jedem Zellkern; Aberration = Abweichung, Fehler
35 mutagen = erbgutverändernd

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SCHUTZMAßNAHMEN BEIM UMGANG MIT ZYTOSTATlKA
(Erlass des Bundeskanzleramtes, Sektion Volksgesundheit, vom 13. Februar 1990)

Zytostatika besitzen neben ihren akuten und chronischen toxischen Effekten noch mutagene und karzinogene Eigenschaften. Bei der therapeutisch indizierten Anwendung am Patienten wurden Fertilitätsstörungen36 und Chromosomenaberrationen beschrieben.

Ebenso können sie zur Entwicklung eines Zweitkarzinoms führen. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass Zytostatika auch für die mit ihrer Anwendung betrauten Personen, also Ärzte und Pflegepersonen, ein gewisses Gesundheitsrisiko bedeuten.

Auch zytogenetische Untersuchungen beim Pflegepersonal weisen in diese Richtung. Bisher liegen nur wenige epidemiologische Untersuchungen vor, die in erster Linie eine erhöhte Fehlgeburtenrate bei Krankenschwestern zeigen konnten.

1.1. Am Zubereitungsort sollen während des Arbeitsvorganges nur die mit dieser Arbeit betrauten Personen anwesend sein. Der Raum soll eine Waschgelegenheit und eine Umkleidemöglichkeit besitzen. Essen, Trinken und Rauchen sind in diesem Raum striktest untersagt.

1.3. Zur persönlichen Schutzausrüstung gehören vorne geschlossene Einmal-Mäntel und Latex-Einmal-Handschuhe mit einer Mindestschichtdicke von 0,17 mm. Bei Fehlen einer zentralen Werkbank müssen zusätzlich eine Schutzbrille und eine Atemschutzmaske P2 (= partikelfiltrierende Halbmaske entsprechend ÖNORM Z 1141) getragen werden.
[...] die Bestimmungen des Sonderabfallgesetzes, BGBL. Nr. 186/1983, zuletzt geändert durch BGBL. Nr. 256/1989, zu beachten sind. Der Arbeitsplatz ist nach Abschluss der Tätigkeit gründlich zu reinigen. Nach Ablegen der Arbeitskleidung und Entfernung der Einmal-Handschuhe sind die Hände mit Seife oder Seifenlösung gründlich zu reinigen.

2.1. Bei Vornahme von Zytostatikatherapien sind Einmal-Handschuhe zu tragen. Um den Patienten nicht unnötig zu verunsichern, kann auf das Tragen einer Atemschutzmaske verzichtet werden, wenn sichergestellt ist, dass es dabei zu keiner Aerosolbildung kommt.

4.2. Schwangere und stillende Frauen sowie Jugendliche müssen vom Umgang mit Zytostatika ausgeschlossen werden.

4.3. Kontinuierliches, vorwiegendes Arbeiten mit Zytostatika soll auf maximal 5 Jahren begrenzt werden.

5.3. Eine individuelle Aufzeichnung über den Umgang mit Zytostatika (Art des Umgangs, Präparate und Dosis) in Form eines Risikopasses wäre zu empfehlen.

36 Fertilitätsstörungen = Fruchtbarkeitsstörungen, Störungen der Fortpflanzungsfähigkeit

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Schreiben des Bundesministerium für Gesundheit, Sport und Konsumentenschutz, Radetzkystraße 2, A- 1031 Wien, vom 8. September 1993:

... Zu „Krebsheilung“: Es gibt eine Reihe von tierexperimentellen Studien an Ratten, die für DCA37 eine das Tumorwachstum anregende Wirkung wahrscheinlich erscheinen lassen (insbesondere Leber- und Enddarmtumore) - siehe auch die beiliegenden Kopien der Studien 2.00/000008, 2.00/000014, 2.00/000022 und 8.00/000001. Allerdings wäre einzuräumen, dass fast alle in Verwendung stehenden Chemotherapeutika (Krebstherapie) tumorerzeugende Effekte besitzen.

37 DCA = Gallensäure

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Was sagt der „SPIEGEL“?

Über das Magazin „Der Spiegel“ gelangte ich im Laufe unserer Geschichte zu einer zwiespältigen Meinung. Vor unserer Geschichte schätzte ich ihn als ein Medium mit hohem journalistischen Niveau ein. Jeder Beitrag erschien mir gewissenhaft recherchiert zu sein. Was ich aber über uns und über Dr. Hamer nun von dieser Zeitschrift vorgesetzt bekam, war haarsträubend. Von gewissenhafter und objektiver Recherche war keine Spur mehr zu finden. Das Gegenteil war der Fall. Ich habe sogar den Eindruck, dass sich nun dieses Blatt als Propagandainstrument jener Interessensvertretungen hergab, die es selbst im Jahre 1980 stark kritisierte.

Mit den nun folgenden Auszügen aus dieser Artikelserie, möchte ich dem „Spiegel“ einen Spiegel vorhalten.

DER SPIEGEL, Nr. 36/1980
„Begrabene Illusionen“

Erfolge und Scheinerfolge der Medizin (III) / Von SPIEGEL-Autor Hans Halter

... Professor Hans Schaefer, privat auf der Suche nach einer ganz anderen, einer „neuen Medizin“, hat 50 Jahre nach seiner Bestallung zum Arzt erkannt, dass die therapeutischen Leistungen der naturwissenschaftlichen Heilkunde sehr viel geringer sind, als man bisher im Taumel großer und unbezweifelbarer Siege der Medizin angenommen hatte. Sein Rat: „Die beste Lebensversicherung ist Gelassenheit und Anpassung.“
Der alte Herr empfiehlt den Verzicht auf Alkohol und Nikotin, Hetze, Ehrgeiz, Stress. Gegen die „Killer“ sei von den Doktoren kein wirksamer Beistand zu erwarten: „Die Behauptung, Krankheit lasse sich durch medizinische Maßnahmen verhüten, trifft jedenfalls bei den großen ‚Killern’ nicht zu.“
In der Tat sieht die Bilanz des medizinisch-industriellen Komplexes traurig aus. Gegen die gefährlichsten und weitestverbreiteten Volkskrankheiten - arztintern „Die bösen Sieben“ genannt - ist die Heilkunde machtlos:

Seit 25 Jahren gibt es keinen Behandlungsfortschritt bei Krebs;
Arterienverkalkung („Arteriosklerose“), häufigste Ursache von Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen, lässt sich nicht bessern;
kein einziges Medikament hilft der Leber, wenn sie bindegewebig („zirrhotisch“) schrumpft;
chronische Bronchitis nimmt kontinuierlich zu und mit ihr die Zahl der Lungentoten;
vergebens hoffen Millionen bundesdeutscher Rheumatiker auf Heilung;
sechs Millionen Hochdruckkranke offeriert der Medizinbetrieb eine nebenwirkungsreiche Dauertherapie mit ungewissen Erfolgsaussichten;
schließlich trügt die Hoffnung, die Heilkunst könne auch nur das Geringste gegen vorzeitiges Altern und Verschleiß ausrichten.

Krebs, Herzinfarkt, Leberzirrhose, Bronchitis, Rheuma, Hochdruck und Altersleiden - die „bösen Sieben“ - nehmen in der amtlichen Statistik von Jahr zu Jahr einen breiteren Raum ein, doch Rückwirkung auf den Alltag der Medizin hat das bisher kaum gehabt: Hartnäckig leugnen die offiziellen Standesvertreter der Ärzteschaft, aber auch die Mehrheit der Professoren und viele Doktoren aus dem dritten Glied das offensichtliche Desaster der Medizin.

... Selbst bei gutem Willen aller Beteiligten ist der Effekt der Früherkennungsmaßnahmen dürftig. Beim Brustkrebs etwa, dem häufigsten Tumor der Frau, enthält ein Gramm Krebsgewebe bereits mehr als eine Million bösartiger Zellen. Zu diesem frühestmöglichen Diagnosezeitpunkt ist der Tumor nicht einmal erbsgroß. „Seine Geschichte“, sagt der Schweizer Karzinomexperte Kurt Brunner, „ist bereits zu zwei Dritteln abgelaufen.“ Die sogenannte „Früh“-Erkennung ist mithin eine Spätdiagnose.

Nicht einmal auf die Kardinalfrage gibt es eine Antwort. „Was ist Krebs?“ rätselt der Tübinger Kinderarzt Dietrich Niethammer, der mit Interferon experimentiert. „Wir wären viel weiter, wenn wir das endlich wüssten.“ Eine Virusinfektion? Ein programmierter Fehler im Bauplan der Zelle? Ein Versagen der körpereigenen Abwehrkräfte? Durch tausenderlei Umweltgifte ausgelöst, also Schuld? Vornehmlich ein Altersleiden, also Schicksal? So viele Wissenschaftler, so viele Antworten.
Niemand weiß, warum von 100 starken Rauchern nur zehn einen Lungenkrebs bekommen.

Wird eine Krebsart, aus welchen Gründen auch immer, seltener, reklamieren die Heilkundigen das gewöhnlich als Erfolg ihres Tuns. So sind in der Bundesrepublik die Sterbeziffern an Gebärmutterhalskrebs deutlich zurückgegangen. Den Propagandisten der Vorsorgeuntersuchungen gilt das als schönster Beweis für die Effizienz ihrer Strategie. Die Wahrheit ist, dass in den meisten westlichen Ländern der Gebärmutterhalskrebs seit den fünfziger Jahren seltener auftritt, völlig unabhängig von den Vorsorgeuntersuchungen.
Doch selbst wenn die Ärzte durch die vorsorgliche Amputation des Gebärmuttermundes einen Krebsort radikal entfernen, so beseitigen sie damit nicht etwa die Krebsgefahr: Muttermundlose Frauen bekommen häufiger Brustkrebs. „Wir müssen“, gesteht Professor Krokowski, „die Krebsforschung und die Krebstherapie neu orientieren.“ Denn hinter der „Maske der Kosmetik“ verberge sich eine traurige Wahrheit: „In den letzten 5 Jahren ist es nicht gelungen, die Heilquote beim Krebs durch therapeutische Maßnahmen entscheidend zu verbessern.“

... Die Überlebensstatistiken beweisen, dass herkömmliche Krebstherapie das bösartige Leiden meist nicht besiegt, sondern dem Patienten nur zum letzten Martyrium seines Lebens verhilft: „Ärzte“, schreibt das Medizinerblatt „Selecta“, „bei denen die Diagnose Krebs gestellt wurde, weisen häufig jede Therapie strikt von sich.“
Mit gutem Grund: Der Verzicht auf radikale Operationen, hochdosierte Strahlentherapie und die Krebszellgifte („Zytostatika“) verlängern häufig nicht nur die Lebenserwartung. Die Kranken fühlen sich auch „wohler, sind in ihrer Arbeitsfähigkeit weniger beeinträchtigt und haben keine Ausfallserscheinungen“. („Selecta“)
Doch nur wenige Krebskranke vermögen sich der Intensivbehandlung zu entziehen. Zu groß ist der Sog der leeren Klinikbetten, zu schmal die Grenze zwischen der erforderlichen Diagnostik, die heilbare von unheilbaren Krankheiten trennt und der Sog der Therapie, die bei den meisten Krebsformen nichts bringt.
Zu diesem Eingeständnis sind die Heilkundigen jedoch weder dem betroffenen Patienten gegenüber bereit noch gegenüber der Allgemeinheit, die sie bezahlt. Obwohl seit 25 Jahren auf allen Gebieten der Krebsbekämpfung - Forschung, Vorsorge, Früherkennung, Therapie, Nachsorge - Stillstand herrscht, suggerieren die Experten dem krebsfürchtigen Volk, es gehe voran, und die Chancen des Kranken, vom tödlichen Leiden geheilt zu werden, würden immer besser.

... 16 Jahre lang, von 1962 bis 1978, verordneten Deutschlands Doktoren als „bestmöglichen Schutz vor einem Herzinfarkt“ - so die Werbung für „Regelan N 500“ - ihren Patienten Clofibrat. Unter 36 verschiedenen Handelsnamen war die billige Chemikalie, ein Abfallprodukt der Phenolproduktion, den Patienten ans kranke Herz gelegt worden. In diesem Zeitraum stieg die Herzinfarkthäufigkeit kontinuierlich, der Umsatz der Clofibrate wuchs gleich ums Fünfzigfache, auf zuletzt 110 Millionen Mark pro Jahr. Ende 1978 verbot das Bundesgesundheitsamt die Droge und beschränkte später ihre Zulassung auf engste Indikation: Das Mittel hatte die Sterblichkeit der Infarktkandidaten nachweislich erhöht, statt sie zu senken.

... Ganz sicher und ganz einig sind sich die Heilkünstler, wenn es den „Leberschaden“ zu deuten gilt: Schuld ist allein König Alkohol, Hilfe bringt nur Abstinenz. Die beiden Wahrheiten hindern die Ärzte indes nicht, in großen Mengen dubiose „Leberschutzpräparate“ zu verordnen. Garniert wird diese insuffiziente Therapie des drohenden Leberversagens durch ein Potpourri banaler oder falscher Ratschläge.

... In der Bundesrepublik hingegen verfolgen die ärztlichen Standesfunktionäre jeden Kritiker mit inquisitorischem Eifer. Offiziell gilt das Credo: „Das deutsche Gesundheitswesen ist das beste der Welt“ eine Standardbehauptung der Bundesärztekammer, die auch durch ständige Wiederholung nicht wahr wird.
Für den Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), den dänischen Facharzt Dr. Halfdan Mahler, ist jedenfalls der „schlechte Gesundheitszustand der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland“ schlichtweg ein „Skandal“. Sein Therapievorschlag: Deutschland, „eines der reichsten Länder der Welt“, müsse von der „süchtig machenden Hochglanzmedizin und den pharmazeutischen Dauerlutschern“ wegkommen, denn damit sei nichts geholfen.
Intuitiv, ohne die Kenntnis der Zusammenhänge, wird diese Ansicht offenbar von der Mehrheit der Deutschen geteilt: Den medizinischindustriellen Komplex finanzieren zwar alle Bürger gemeinsam - verarzten lässt sich indes nur eine Minderheit. Gerade 17 Prozent der Männer und nur 30 Prozent der Frauen nehmen an den Vorsorgeuntersuchungen gegen Krebs teil. Die anderen ahnen, dass dadurch nicht das Leben, sondern nur die Zeitspanne zwischen Diagnose und Tod verlängert wird.

... Bürger, die in einem Gebiet mit vielen Ärzten und reichlich Krankenhäusern wohnen, verwandeln sich rascher in Patienten, werden häufiger operiert, nehmen mehr nebenwirkungsreiche Medikamente und sterben - im statistischen Durchschnitt - früher. Ganz erschrocken hat das „Wissenschaftliche Institut“ der deutschen Ortskrankenkassen im vergangenen Jahr festgestellt: „Die Lebenserwartung der Bevölkerung sinkt ziemlich proportional mit der Zahl der Einwohner pro Arzt, also mit zunehmender Arztdichte.“
Wer im Arzt die magische Figur gegen Krankheit und Lebensangst erblickt, der ist meist gleichzeitig nervös, wetterfühlig, sensibel und abergläubisch. Diese vom Doktor als „dankbare Patienten“ eingestuften Zeitgenossen sind unterwürfig und geduldig. Sie betonen stets ihre leistungsmotivierte Arbeitsbereitschaft und haben häufig einen schmerzvollen Prozess sozialen Auf- und Abstiegs hinter sich.
Solche Kundschaft hat Vertrauen in den medizinisch-industriellen Komplex, weil die weißen Kittel durch die Forderung „therapeutischen Gehorsams“ Verhaltenssicherheit in bedrohlichen Situationen gewähren. Dann wird der Arzt zum Heilmittel. Wenn es erst soweit ist, spielen die objektiven Möglichkeiten seiner Kunst kaum noch eine Rolle: der Arzt als Droge, die süchtig macht.

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DER SPIEGEL, Nr. 26/1987
„Ein gnadenloses Zuviel an Therapie“
SPIEGEL-Serie über Krebsbehandlung in der Bundesrepublik – Teil 1: Zweifel an den chemischen Waffen

... „Es sollte uns nachdenklich stimmen“, fuhr Thomsen (Professor Klaus Thomsen, zwei Jahrzehnte lang Chef der Gynäkologie an der Hamburger Uni-Klinik) vor den internationalen Fachkollegen fort, „wenn eine zunehmende Zahl von Ärztinnen und Ärzten sagt: ‚An mir würde ich eine solche Therapie nicht vornehmen lassen.’“ Kritiker hätten bereits den Vorwurf erhoben, bestimmte aggressive Medikamenten-Kombinationen nützten nur der Pharma-Industrie und dem Arzt, „nicht aber dem sterbenskranken Menschen“.

... Zur überfälligen Wende in der Krebsmedizin bekennen sich deshalb zunehmend Onkologen, die bei der Jagd auf den Zellfeind die Sorge um den Kranken noch nicht verdrängt haben: Eine „Tumormedizin nach Maß“ forderte einer der prominentesten westdeutschen Onkologen, der Nürnberger Walter Gallmeier, letzten September. „Übertherapie“ und „Überdiagnostik“, so der Professor selbstkritisch, hätten die Krebsmedizin „zum Teil zu Recht in Misskredit“ gebracht.

„Den Versäumnissen der Vergangenheit“, beschrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ das Defizit der Krebsbekämpfer, stehe „heute ein gnadenloses Zuviel an Diagnostik und Therapie gegenüber“. Noch immer sterben jährlich rund 170 000 Bundesbürger an Krebs. Die Bilanz der Onkologen am Ende der achtziger Jahre ist mehr als entmutigend:

Der erhoffte Durchbruch im Kampf gegen das Zellleiden ist ausgeblieben. Gegen die zahlenmäßig entscheidenden Organkrebse (Lunge, Darm, Brust) sind die Mediziner, wie auch heftige Diskussionen in den USA bestätigen, hoffnungslos im Hintertreffen. Die Fortschritte der Krebstherapeuten in den letzten drei Jahrzehnten, so befand ein im März veröffentlichter, vom US-Kongress in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht, seien minimal gewesen. Bei den meisten der zwölf häufigsten Krebsarten hätten sich die Hoffnungen der Krebsforscher nicht erfüllt: „Die Verbesserungen waren geringfügig oder wurden durch die offiziellen Statistiken in einem zu günstigen Licht dargestellt.“

... Mit ihrer ganzen Palette von Stahl, Strahl und Chemotherapie haben die Medizinrecken bisher geradezu zwanghaft den Tumor bekämpft. Ihren um Hilfe flehenden Patienten haben sie damit oft mehr geschadet als genützt. „Supraradikale Eingriffe“, mit denen die Chirurgen das Leiden ebenso unerbittlich bekämpften, wie dieses mit den Opfern umsprang, haben sich weithin als medizinischer Irrweg erwiesen.

... Doch ramponiert hat den Ruf der Krebsmedizin in den letzten Jahren hauptsächlich das sogenannte dritte Bein der Onkologie: die Chemotherapie.

... Doch die medikamentöse Waffe gegen den Krebs unterscheidet nicht zwischen entarteten Tumor- und gesunden Wirtszellen. Patienten erleben die Therapie deshalb oft als Vorstufe zur Hölle: Ihre Haare fallen aus, die Schleimhäute entzünden sich, Übelkeit und Erbrechen geben ihnen einen Vorgeschmack auf das, was die Krankheit möglicherweise noch mit ihnen anstellen wird.
Am Anfang der Chemotherapie-Ära, in den 50er und 60er Jahren, war das Misstrauen gegen die Medikamente groß. „Ärzte und Patienten“, erinnert sich der Züricher Onkologe Professor Georg Martz, „mussten zur Therapie geradezu überredet werden“.
Das hat sich gründlich geändert. Einige der wirksamsten Zellgifte sind erst in den letzten zehn Jahren in die Hände der Mediziner gelangt. Durch das aggressive Marketing der Pharma-Industrie und nach spektakulären Erfolgen der Zellgift- Therapie bei einigen wenigen Krebsarten sind die Hemmschwellen nun allenthalben bedrohlich gesunken.
Mit den Zellgiften wird, wie der bedächtige Berliner Onkologe Professor Dieter Huhn feststellt, „ohne Nutzen-Risiko-Abwägung“ oft „genauso kopflos herumprobiert wie mit den Mitteln der Außenseiter“. Einen regelrechten „Zytostatika-Abusus“ prangert dagegen der erfahrene Züricher Onkologe Martz an.
Beim Verkauf der zweischneidigen Waffe legen die Pharmahersteller weltweit jährlich rund 20 Prozent zu. Weder die wachsende Zahl der Krebspatienten noch die intensive Krebsforschung können diesen Boom bewirkt haben. Den wahren Grund machen kritische Mediziner in der täglichen Praxis aus: Die noch vor 15 Jahren häufig beklagte Untertherapie ist in eine Übertherapie umgeschlagen.

... Der Patient überstand die Strapazen mit Müh und Not. Während der sechsmonatigen Behandlung nahm er stark ab, verbrachte mehrere Wochen im Krankenhaus und fühlte sich am Ende „sehr viel schlechter als zuvor“. Seine Chancen, mit der Krankheit noch eine Weile zu leben, waren durch die strapaziöse Behandlung nicht besser geworden. Trotzdem verbuchten die Ärzte ihr Vorgehen als Erfolg: Sie „konnten sagen“, so Gallmeier, „dass der Tumor kleiner geworden ist“.

... Der weitaus größten Zahl der Patienten verspricht die chemische Waffe dagegen nur vorübergehende oder gar keine Hilfe:
Etwa zehn Prozent der Patienten mit Metastasen können durch eine Chemotherapie geheilt werden.

... Doch Patient und Arzt wandeln dabei auf einem gefährlich schmalen Grat. Jeder zehnte Patient stirbt laut Onkologe Huhn in den ersten Wochen an den Nebenwirkungen der chemischen Behandlung.

... In neun von zehn Fällen können Zytostatika und Hormone das Leiden nicht mit der Wurzel ausrotten.

... Denn keine anderen Medikamente der Schulmedizin sind giftiger und riskanter als die gegen den Tumor eingesetzten. Einige der Zytostatika, wie beispielsweise Cyclophosphamid, können, wie der Hamburger Strahlenmediziner Professor Hans Peter Heilmann einräumt, auch noch Jahre nach der erfolgreichen Behandlung Zweitkrebse auslösen.

...drohen dem Patienten schwere bis schwerste Nebenwirkungen:

lokaler Venenschmerz, Übelkeit, Erbrechen, aber auch Leber- und Nierenschäden schon bei kurzer Behandlung;
Haarausfall, Lungenfibrose, Nervenlähmungen oder Herzstörungen bei längerer Therapie;
Zweitkrebse, Chromosomenveränderungen, Sterilität und Behinderung von Wachstumsfunktionen als eventuell erst nach Jahren auftretende Spätfolgen.

Die Chemotherapie hat, wie der Züricher Onkologe Martz warnt, „wohl mehr als die Behandlung anderer Krankheiten zur Zeit einen noch weitgehend experimentellen Charakter“.

... Für die über 200 behandelten Patienten, laut Dold (Dr. Ulrich Dold, Chefarzt am Zentralkrankenhaus Gauting bei München) eine „Negativauslese“, bei denen die Ärzte eine Chemotherapie nicht mehr riskiert hatten, lohnte sich der Abstecher zur Alternativmedizin. Sie lebten mit dem Tumor im Schnitt zwölfeinhalb Monate; ihren Leidensgenossen, bei denen die chemischen Krebsmittel eingesetzt werden, bleibt in der Regel nur ein halbes Jahr.
Nicht den Außenseitermedikamenten, so erkannten die Mediziner, war der schmale, aber immerhin lebenswerte Zeitgewinn zu verdanken. Ausschlaggebend war vielmehr die Lebenskraft der Patienten, die ohne die Chemotortur bis zuletzt ungebrochen blieb. Verstärkte Zuwendung tat ein übriges. Einige der Testpatienten konnten bis kurz vor ihrem Tod arbeiten.
Dem Privatdozenten an der bayrischen Klinik hat dieses Ergebnis die Augen noch weiter geöffnet: „Wir haben“, sagt er, „im Eifer, den Krebs überall totzuschlagen, übersehen, dass die Patienten oft mehr unter der Therapie als unter dem Krebs leiden.“

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Unter dem Titel „Eine deutliche Warnung“ hatte die ÄRZTE ZEITUNG am 2./3. Dezember ein Positionspapier kommentiert, das onkologische Fachgesellschaften veröffentlicht haben. In diesem Papier heißt es, dass der alleinige Einsatz therapeutischer Verfahren, deren Wirksamkeit nicht bewiesen sei, bei Patienten mit Tumorerkrankungen, die potentiell durch Chirurgie, Radiotherapie oder Chemotherapie heilbar seien, den Tatbestand der Körperverletzung erfülle. Doktor Ulrich Kübler, Arzt in München, schreibt in seinem Diskussionsbeitrag dazu: Die Standpunkte der Autoren des Positionspapiers sind schlichtweg patienten- und kollegenverachtend:

„DEUTSCHE ÄRZTE-ZEITUNG“ vom 20.12.1994:
„Das Ziel muss sein, Krebs ohne Operation, Chemotherapie und Bestrahlung zu heilen.“
Von Dr. Ulrich Kübler

„Seit etwa 1890 haben die Bemühungen, etwa 300 verschiedene Krebserkrankungen des Menschen allein mit Stahl, Strahl und Chemie zu Linderung und Heilung zu bringen, leider vollkommen versagt. Ausweislich einer seriösen Industriestatistik - nicht von habilitierten Meinungsträgern und onkologischen Fachgesellschaften verfasst sind von den adulten Krebsen nur vier Prozent, von den kindlichen Krebsen nur acht Prozent allein mit Stahl, Strahl und Chemie zu heilen. Es bleiben also rund 92 Prozent der Krebskranken ungeheilt.
Bei diesem Prozentsatz auch nur von potentieller Heilbarkeit der Erkrankung Krebs durch Stahl, Strahl und Chemie zu sprechen, stellt den Tatbestand des Etikettenschwindels dar.
Nachdem sich immer mehr Patienten und Ärzte von diesem monomanen Konzept abwenden und nachdem es der europäischen Medizin bisher nicht gelungen ist, schonende biotechnologische Ansätze den Erkrankten flächendeckend anzubieten, muss hier von einem moralischen und medizinischen Versagen gesprochen werden. Dies führt zur Frage nach der Fähigkeit unserer medizinischen Lehrer zum Paradigmenwechsel. Wir haben offensichtlich einen Typ Telekomprofessor, der bis ins Jahr 3000 Anspruch auf die medizinischen wissenschaftlichen Definitionsmonopole erhebt.
Ist den medizinischen Fachgesellschaften eigentlich klar, dass Therapie- und Diagnosefreiheit in Deutschland gesetzlich garantierte Güter sind? Die Fachgesellschaften sollten die Verfolgung tatsächlich vorhandener Scharlatanerie anderen überlassen und dabei keine scheinheilig vom eigenen Versagen ablenkende Hilfestellung leisten. Sie sollten einmal der Bevölkerung vorrechnen, wie die volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Relation der Behandlung des Krebses alleine mit Stahl, Strahl und Chemie aussieht.
Auf einem kürzlich in London veranstalteten onkologischen Kongress, wo kaum deutsche Spitzenforscher anzutreffen waren, sagte der englische Professor Karel Sikore, dass die Effizienz von Stahl, Strahl und Chemie nicht mehr zu steigern sei. Er gestand also das teilweise Scheitern des Konzeptes ein.
Er sagte, es seien dem Patienten keine weiteren Dosissteigerungen an Chemotherapeutika zumutbar. Ich begrüße die Verfeinerung von Operationsmethoden und bewundere die chirurgischen Fähigkeiten, aber ich verabscheue die Kriminalisierung des individuellen Heilversuches aus niederen finanziellen Motiven und die Vorverurteilung derer, die in vollkommener Aufklärung des hilfesuchenden Patienten solche durchführen. Immer mehr Patienten verweigern die Anwendung von Stahl, Strahl und Chemie.
Ich selbst habe eine Mamma-Karzinom-Patientin in Behandlung, die vor zwölf Jahren die Mamma-Ablation ebenso verweigerte, wie die Strahlen- und Chemotherapie. Sie kam vor über einem halben Jahr erstmals in unsere Diagnose und Behandlung mit schwerer Pleurakarzinose und beginnendem Lungenödem. Der punktierende Professor gab ihr noch 14 Tage Überlebenszeit, und wir fragten uns, ob hier der Einsatz immunadaptiver Verfahren helfen könnte. In dem Fall führten wir eine Therapie mit Lak-Zellen durch und stellten eine therapeutische Vaccine her.
Nach acht Anwendungen erreichte die Patientin eine stable disease. Sie hat in der Zwischenzeit zehn Kilogramm an Gewicht zugenommen, seit mehreren Monaten bereits braucht die Lunge nicht mehr punktiert zu werden.
Dies heißt nun nicht, dass wir jemals irgendeiner Patientin empfehlen werden, auf eine sinnvolle operative Krebstherapie zu verzichten. Jedoch es zeigt den onkologischen Gesellschaften die Fragwürdigkeit ihres Standpunkts.
Offensichtlich nehmen die Fundamentalisten nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wissenschaft wieder zu. Das Ziel muss es sein, Krebs ohne Operation, Chemotherapie und Bestrahlung zu heilen, und dieses Ziel wird auch erreicht werden, jedoch nicht von diesen neurotischen Fundamentalisten, die offensichtlich nur Angst haben, ihre Pfründe zu verlieren.
Die Standpunkte der Autoren des Positionspapiers sind schlichtweg patienten- und kollegenverachtend und geeignet, die Freiheit von Forschung, Lehre und Medizin zu beeinträchtigen.“

Soweit Herr Dr. Kübler.