Dienstag, 21.11.1995:

Telefonat Dr. Hamer:
Er machte sich große Sorgen, wegen der verlangten Psychiatrisierung. Seiner Meinung nach sei es ein gangbarer Weg, Prof. Franz Blasius Pazl für befangen zu erklären und schlug als Begründung folgendes vor:

- das von Prof. Pazl geführten Telefonat mit Mag. Rebasso, in dem er feststellte, genügend Video material von mir zu besitzen, um ein Gutachten erstellen zu können. Diese Vorgehensweise verstoße gegen die Standesregeln und zeuge auch von einer vorgefassten Absicht bzw. von einem gewissen Grad an Abnormität des Gutachters.
- Prof. Pazl selbst sei, so sei ihm mehrfach berichtet worden, laut Zeitungsberichten vor Jahren Exhibitionist gewesen und Exhibitionismus müsse bekanntlich psychiatrisch behandelt werden. In so einem Fall bestünde die Gefahr, dass Pazl auch dadurch erpressbar und gefügig gemacht worden sei bzw. gemacht werden könne.

Auch fände er es gut, Richter Zak für befangen zu erklären. Dr. Hamer hatte dies bereits in seinem eigenen Strafverfahren veranlasst. Seine Begründung hierfür wäre: Richter Zak hätte bisher noch nicht feststellen lassen, dass es sich um einen Medizinerstreit handele und sein Vorgehen im Verfahren stütze sich rein auf schulmedizinische Gutachter.

Telefonat mit Benedetto:
Dr. Hamers Befangenheitsanträge würden keinerlei Eindruck auf das Gericht machen, es werde im Gegenteil Dr. Hamer dies als Querulantentum ausgelegt.
Er riet mir dabei zu bleiben, jeden Psychiater abzulehnen. Eine Befangenheitserklärung würde ja nur Prof. Pazl ausschalten, würde aber auch einen nächsten Psychiater auf den Plan rufen. Ablehnungsformulierung:
Wir haben berechtigte Gründe, - die wir nicht näher erläutern wollen, da sie uns bisher immer nur falsch ausgelegt wurden - , in diesem Verfahren jede Art von psychiatrischen Gutachten abzulehnen.

Telefonat mit Frau Binaz, „täglich alles“:
Sie hatte bereits von Herrn Ehgartner erfahren, dass Erika guter Hoffnung ist. Auch hatte ihr Dr. Hamer die Problematik mit Prof. Pazl ausführlich erklärt. Sie selbst war tief erschüttert über diese Vorgehensweisen und ratlos, wie uns zu helfen wäre. Sie werde Prof. Pazl anrufen und ihn über seinen damaligen Exhibitionismus befragen.

Verrückte Geschichte. Eigentlich ging es jetzt bei uns um Kopf und Kragen. Alles ist möglich. Man konnte uns Olivia, ja sogar die beiden anderen Kinder wegnehmen oder uns vorbestrafen oder mit Gefängnis bestrafen. Und was machen wir? Wir bekommen ein weiteres Kind! Wir lassen uns nicht unterkriegen!

Eigentlich verwunderlich, dass wir dies alles ertragen. Woher nehmen wir die Kraft? Momentan geht es mir ausgesprochen gut. Angst habe ich keine. Ich kenne meine Gegner und weiß, dass wir gegen sie keine Chance haben. Oder vielleicht doch? Wir haben eine einzige Waffe, mit der wir uns wehren können. Die Wahrheit, die Wahrhaftigkeit!

Eine kleine einfache Waffe, aber in ihrer Wirkung kann sie und wird sie jedes Lügengebäude zum Einsturz bringen. Der Wahrheit braucht man im Gegensatz zur Lüge keine weitere Energie mehr zuzuführen. Die Wahrheit steht für sich alleine und sendet ununterbrochen Energie. Jeder kann die Wahrheit erkennen und erfühlen. Die Lüge benötigt ständig zugeführte Energie. Sie muss aufrecht erhalten werden. Man muss sie immer wieder aufs neue erklären, um sie anderen mitteilen zu können. Die Lüge hat einen fürchterlichen Nachteil. Sie besitzt keine Harmonie, sie kann nicht auf natürliche Weise im Einklang schwingen.
Überlegen Sie nur, wie schwer es ist, sich für immer und ewig eine „kleine“ Lüge zu merken.

Arbeitsamt:
Alle mir empfohlenen Stellen waren bereits vergeben.

Erikas Tagebuchnotizen:
Die Nacht hatte Olivia ungestört durchgeschlafen. Am Morgen hatte sie allerdings wieder Bauchschmerzen. Noch immer stellte sich kein Appetit ein. Nachmittags ging ich mit ihr ein wenig im Freien spazieren. Daraufhin verlangte sie nach einer Wurstsemmel.

Strafverfahren:
Als Beweisantrag dafür, dass wir unser Kind nicht vorsätzlich gequält haben konnten, nannten wir die Zeugen Frau Ingrid, Joseph D., Dr. Leibold, Dr. Liebner und Dr. Bauml.
Nochmals wiesen wir darauf hin, dass die psychiatrische Gutachtensbestellung grundsätzlich von einem vorhandenen inneren Tatbestand ausginge, was aber nicht gegeben war und dass wir aufgrund dessen keinem Psychiater zur Verfügung stehen werden.

Medien

kurier - SCHULMEDIZIN DENKT SCHON GANZHEITLICH



Mittwoch, 22.11.1995:

Telefonat mit Dr. Hamer:
Er erhielt eine Vorladung von der Staatsanwaltschaft für den 30.11 oder 15.12.95 betreffend Olivia.
Für unsere morgige Vernehmung empfahl er, die Aussage zu verweigern. Begründung z.B.:

- Entzug des Sorgerechts wurde erst in Tulln rechtsgültig
- Es liefen noch die Fristen

Das Gericht befände sich in Beweisnot, und wir dürften uns nicht in Aussagen verfangen, die uns im Weiteren schaden könnten.
Er empfahl, Richter Masizek und Dr. Wegrostek unter Eid aussagen zu lassen, ob sie eine Absprache getroffen hätten, die Einspruchsfrist für den Rekurs (Berufung) verstreichen zu lassen.
Für den Zeitraum bis Tulln schlug er vor, jede Aussage zu verweigern.
Das Schreiben des Deutschen Bundestages über die mangelnde Effizienz der schulmedizinischen Krebstherapie liege als Original bei Rechtsanwalt Mendel65. Richter Zak setze voraus, dass die Neue Medizin falsch sei. Hat er irgendein Überprüfungsergebnis darüber?
Olivia leide wegen der Chemo wahrscheinlich bereits unter einer Leberzirrhose. Die Leber sei möglicherweise geschrumpft und könne nun kein Eiweiß in Aminosäuren zerlegen. Deshalb die künstliche Ernährung über Infusionen und das Erbrechen bei normaler oder Sondenernährung. Im Fernsehen hätten die Ärzte lediglich die CTs vom Anfang August gezeigt, wo die Leber noch groß war. Dann bildete sich aber bei Olivia durch die Chemo die Schwellung komplett zurück, d.h. noch vor der Operation war die Leber bereits geschrumpft. Späteren CTs wurden bekanntlich nicht mehr gezeigt. Sollte Olivia sterben, werde sich ein Pathologe finden, der beim Befund den Leberkrebs „übersehen“ werde.

65 Das Schreiben lautet im Originaltext: „Im Deutschen Bundestag wurde unwidersprochen festgestellt, dass man auf Anfrage aus dem mit 200.000 DM täglich (!) subventionierten deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg keinerlei Unterlagen bekommen habe, aus denen die Effizienz der konventionellen Krebstherapie auch nur mit einem Minimum an Überzeugungskraft hervorginge.“ Fiebig, MdB, Protokoll 184, Sitzung 8. Wahlperiode des dt. Bundestagey, 9.11.1987

Treffen mit Frau Pflanzl:
Mutter eines 7 jährigen Sohnes mit Wilmstumor. 1993 diagnostiziert, 1 Jahr Chemotherapie, 2 Operationen, St. Anna-Kinderspital, seit einem Jahr aus der Behandlung, einmal in 3 Monaten zur Kontrolle, letztes CT vor ca. einem Jahr. Sie hatte bereits einmal versucht mit uns schriftlich Kontakt aufzunehmen und kam jetzt angeblich aus freien Stücken Olivia besuchen.

Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia ging es gut, keine Bauchschmerzen, und sie hatte auch die Nacht gut geschlafen. Zu Mittag konnte sie ein bisschen essen. Abends fingen die Schmerzen aber wieder an und sie musste auch erbrechen.
 
AKH:

Gesundheitsbericht über das Kind Olivia:

Die postoperative Phase der zytostatischen Behandlung hat Olivia in den letzten zwei Wochen stärker beansprucht. Die im Behandlungsprotokoll vorgesehene kurzfristige Therapieintensivierung wurde allerdings gut vertragen. Olivia hat ihren Schulunterricht fortsetzen können und nahm auch regelmäßig an der physiotherapeutischen Behandlung teil. Die Ernährung wird nach wie vor mit Unterstützung von Infusionen gestaltet. In den nächsten zwei Wochen wird eine leichte Appetitbesserung erwartet. Die Eltern wechseln sich in der Mitbetreuung des Kindes in der Klinik ab.

Univ. Prof. Dr. R. Urbanek

Medien

ganze woche - OLIVIAS VATER: „ICH LASSE MICH NICHT PSYCHIATRISIEREN!
täglich alles - OLIVIA BEKOMMT NOCH EIN GESCHWISTERCHEN



Donnerstag, 23.11.1995:

Vernehmung durch Richter Zak:
Er wollte wissen, ob Olivia während der Zeit in Deutschland behandelt wurde. Ich erklärte, dass mit Dr. Hamer ein Termin vereinbart war und Dr. Hamer Olivia auch in Obing, Pension Seeblick, besucht habe. Weiters sei ich im ständigen Kontakt mit Dr. Leibold gewesen, und wir hätten Olivia auch während der ganzen Zeit homöopathisch versorgt.
Mit den Schreiben vom Gesundheitsministerium, Anfrage des Deutschen Bundestages an die Krebshilfe und von Dr. Routil an Landeshauptmann Krainer wollte ich weiter unsere Entscheidung und Überzeugung belegen, dass es sich hier um einen Medizinstreit handle. Diese wurden auch entgegengenommen.
Richter Zak wollte genauer wissen, warum ich immer mit „wir“ sprach. Ich erklärte, dass Erika und ich sehr wohl diskutierten und uns an hand von Fakten orientierten. Und wir seien der Ansicht, dass die schulmedizinische Krebstherapie kein Interesse daran habe, die derzeitige Mortalität von 92% in ihrer Onkologie zu ändern.
Es wäre aber auf keinen Fall so, dass einer von uns mehr als der andere in eine der beiden Richtungen tendiere. Wir seien einhellig der Meinung, dass die Chemotherapie abzulehnen ist, und die Neue Medizin neue Wege aufzeigen könne. Richter Zak zeigte mir den Brief von Dr. Hamer, in dem die Äußerung von Richter Zak zitiert war, die dieser mir gegenüber gemacht hatte, als ich ihn fragte, ob Prof. Pazl jener Psychiater sei, der vor Jahren nackt auf einem Baum saß. Seine Antwort war damals. „Ja, ja! Das ist aber heute vorbei.“ Richter Zak erklärte, er verwahre sich dagegen, dies so formuliert zu haben. Er habe viel eher gesagt, dass es zwar das Gerücht gäbe, Prof. Pazl jedoch für ihn (Richter Zak) gute Gutachten erstelle.
Was sollte ich jetzt tun, fuhr es mir durch den Kopf. Richter Zak war mir zwar sympathisch, aber ich musste erwidern, dass mir seine Aussage genau in dieser Form in Erinnerung war. Diese kleine Kontroverse wurde aber nicht zu Protokoll gegeben.
Das onkologische betreffend Gutachten war ich meiner nicht sicher. Ich gab an, dass solch ein Gutachten, mit dieser Formulierung, wohl von jedem schulmedizinischen Onkologen erstellt werde, und ich es eigentlich nicht ganz verstehe. Auch habe ich es nur einmal bei der Entgegennahme durchgelesen. Richter Zak wies daraufhin, dass darin unser verzögertes Erscheinen belastend gegen uns ausgelegt werde.
Warum ich das psychiatrische Gutachten ablehne, erklärte ich mit dem Rat meines Rechtsanwaltes und weiters, dass aufgrund eines Radioberichtes, in dem der steirischen Ärztekammerpräsident Dr. Routil erklärt hatte, ich hätte der Schulmedizin sehr geschadet, meiner Meinung nach jeder schulmedizinische Psychiater befangen sei. Ob ich generell jedes psychiatrische Gutachten ablehne, verneinte ich mit dem Hinweis, mich auf alle Fälle von Ärzten der Neuen Medizin begutachten zu lassen. Meines Wissens wären in Spanien solche zur Verfügung.

Die abgegebenen Schreiben:

- Bundesministerium für Gesundheit: „Allerdings wäre einzuräumen, dass fast alle in Verwendung stehenden Chemotherapeutika (Krebstherapie) tumorerzeugende Effekte besitzen.“
- Fiebig, MdB, Protokoll 184, Sitzung 8. Wahlperiode des deutschen Bundestages, 9. Nov 1987: „Im deutschen Bundestag wurde - unwidersprochen - festgestellt, dass man auf Anfragen aus dem mit 200.000 DM täglich subventionierten Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg keinerlei Unterlagen bekommen habe, aus denen die Effizienz der konventionellen Krebstherapie auch nur mit einem Minimum an Überzeugungskraft hervorginge.“
- Vertrauliches Schreiben des steirischen Ärztekammerpräsidenten Dr. Wolfgang Routil an den steirischen Landeshauptmann Dr. Josef Krainer: „... Unsere Stellungnahme ist vielleicht nicht uninteressant, um unsere Position hinsichtlich der immer wieder geforderten und für uns nicht vertretbaren klinischen Prüfungen (der Neuen Medizin, Anmerkung) darzustellen."

Mag. Rebasso hatte mit dem Staatsanwalt folgende Vereinbarung getroffen und dies dem Richter in meiner Gegenwart und der meines Schwiegervaters mitgeteilt:
Es werde der Gutachtensauftrag auf eine reine Vorsatzfrage umformuliert und dann solle der psychiatrische Gutachter an hand der Akten zu einem Ergebnis gelangen, ohne ein persönlichen Gespräch und ohne das Ziel, ein psychiatrisches Gesamtgutachten über unsere Person zu erstellen.

Im Gespräch erklärte Richter Zak, aus den Büchern des Dr. Hamer sehr wohl logische Schlussfolgerungen erkennen zu können und auch, dass durch die Nichtüberprüfung böse Schlussfolgerungen auftauchen.

Alles in allem verlief die Vernehmung gut, und ich hatte ein gutes Gefühl für den weiteren Verlauf der Angelegenheit.

Telefonat mit Dr. Leibold:
Durch die Vorladung zum Psychiater hatte ich völlig den für heute Nachmittag vereinbarten Termin vergessen. Einen neuen vereinbarten wir für kommenden Montag Nachmittag. Dr. Leibold beabsichtigte, in der Universität Graz wissenschaftliche Arbeiten über Wilmstumoren herauszusuchen, um belegen zu können, dass nicht bei jedem Wilmstumor Chemo gegeben werden müsse.

Gegen 18:00 Uhr holte ich Erika vom Bahnhof ab. Da beide Kinder den Nachmittag bei Familie D. verbracht hatten und immer noch dort waren, holten wir mehrere Pizzas und Getränke und verbrachten gemeinsam noch einen angenehmen Abend bei Gesprächen und Kinderspiel.

Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia ging es ganz gut. Frau Dr. Slavc schaute sich Olivias Füße an. Die spastische Lähmung war schlimmer geworden. Sie meinte, nun verstärkt Übungen mit Olivia machen zu müssen und keinesfalls ihre Beinschienen zu vergessen.

Medien

täglich alles - OLIVIAS ELTERN SOLLEN HEUTE „BEGUTACHTET WERDEN“
  -  



Freitag, 24.11.1995:

Vormittags waren wir wieder fast eine normale Familie.
Um das mittlerweile angesammelte Material über unseren Fall ordentlich lagern zu können, mussten wir die Speisekammer fast völlig ausräumen.

Gegen 16:00 Uhr fuhr ich zu Olivia nach Wien.

Erikas Tagebuchnotizen:
Arztgespräch mit Frau Dr. Slavc und Dr. Seidl:
Frau Dr. Slavc machte sich Sorgen wegen Olivias Spitzfüßen. Vermutlich hatten sich die Sehnen verkürzt. Dr. Seidl teilte ihre Ansicht nach einer Untersuchung von Olivia allerdings nicht. Trotzdem meinte auch er, verstärkt mit Olivia Turnübungen zu machen und jede Nacht die Beinschienen anzulegen.
Olivia hatte keine Fußreflexe mehr. Doktor Seidl vermutete, dass diese auch nicht wieder zurückkommen würden. Er meinte, wahrscheinlich würden sie für immer wegbleiben, man würde sie aber nicht unbedingt benötigen (!). Der Gefühlssinn an ihren Füßen war aber anscheinend noch in Ordnung.

Medien

krone - DER ZUSTAND OLIVIAS WIRD BALD BESSER
kurier - OLIVIA ÜBERSTAND KRISE
täglich alles - GUTACHTER-STREIT UM OLIVIAS ELTERN



Samstag, 25.11.1995:

Besuch von Familie Wöck:
Ingrid kam zuerst mit ihren beiden Kindern, ihr Mann Erich etwas später. Obwohl wir einander bei weitem noch nicht gut kannten, war ab dem ersten Augenblick ein vertrautes, freundschaftliches Gefühl dominierend. Deren Kinder, Gunda und Patrick, beide im Alter von Elisabeth und Olivia, waren wirklich entzückend offenherzig. Im Schulraum brachten wir den Videorecorder zum Laufen, und die Kinder konnten sich einen Zeichentrickfilm anschauen.
Als Silvia ebenfalls kam, machten sie sich zum Aufbruch bereit.

Gespräch mit Silvia:
Beide waren wir um gegenseitiges Verständnis bemüht. Silvia war für mich, sie selbst gab es auch offen zu, ein Idealbild einer Konsumentin. Ihre größte Freude empfand sie, wenn sie in einen Flieger steigen konnte, um zu einem fernen Urlaubsort gelangen zu können. Glück und Zufriedenheit in ihrem Inneren zu suchen, war für sie kein Thema. Sie lebte für die äußerliche Abwechslung.

Olivia:
Ihr Appetit hielt sich weiterhin in Grenzen. Aber auch ihre Übelkeit und Bauchschmerzen waren deutlich geringer geworden. Ihre Gemütsverfassung war ebenfalls mit der Chemopause gestiegen. Sorgen machte mir ihr Bauch. Unterhalb der langen, den ganzen Bauch durchkreuzenden Narbe, gab es einen Bereich rechts vom Nabel, der absolut gefühllos war. Wodurch war diese Taubheit entstanden? Durch die Operation oder durch die Bestrahlung? Vermutlich durch die Bestrahlung. Durch den Schnitt wohl kaum, denn oberhalb der Narbe und unterhalb dieser links vom Nabel hat sie sehr wohl ein Empfinden.

Krankenschwestern:
So sehr der Kampf zwischen uns und den Ärzten auch getobt haben mag, von den Krankenschwestern kann man nur das Allerbeste festhalten. Sie opferten sich wirklich für ihre Patienten auf, und wenn einmal ein Lachen auf der Station zu hören war, so konnte man sicher sein, dass es von einer gutgelaunten Schwester stammte.



Sonntag, 26.11.1995:

Olivia hatte während der ganzen Zeit, in der ich bei ihr war, nicht erbrochen. Man merkte die Chemopause sehr deutlich. Des Öfteren erlaubte sie mir, bei ihr im Bett zu liegen, um gemeinsam fernsehen zu können. Hatte sie Bauchschmerzen, so bat sie mich, meine Hände in Duftöl zu reiben und sie ihr dann zwischen Schambein und Nabel aufzulegen.
Olivia konnte jedoch auch recht ungehalten und unhöflich sein. Prinzipiell sprach sie mit keinem Arzt oder fremden Besuch. Aber auch schon näher Bekannten gelang es nur sehr schwer, von Olivia eine Antwort auf eine Frage zu erhalten. Auch mit dem Grüßen kam es oft zu etwas peinlichen Situationen. Ganz schlimm fand ich es von Olivia, wenn mit ihr gesprochen wurde, sie aber völlig unbeteiligt weiter fernsah. Wegen des doofen Fernsehprogramms gerieten wir einander nicht selten in die Haare. Sie sah am liebsten alle Zeichentrickfilme und fand sich in all den verschiedenen Sendern derart gut zurecht, dass wir wirklich ohne Fernsehprogramm das Auslangen66 fanden.

Am Nachmittag hatten wir wieder jede Menge Besuch. Auch Helga war gekommen und wollte Olivia mit Süßem vom Christkindlmarkt verwöhnen. Leider beeindruckte dies Olivia nicht im Mindesten und erst viel später kostete sie von einer Schaumrolle. Es ist wirklich ungewöhnlich, ein Kind Süßigkeiten mit solch einer Vehemenz ablehnen zu sehen!

66 das Auslangen finden, österreichisch = auskommen können



Montag, 27.11.1995:

Telefonat mit Dr. Hamer:
Er wird mir das Videoband schicken, in dem der Oberste Sanitätsrat, Herr Dr. Rauter, dem aufgrund eines vorherigen Schreibens vom steirischen Ärztekammerpräsident, Herrn Dr. Routil, die Leistung der Unterschrift unter das Ärzteprotokoll verboten wurde, den Saal nach der erfolgreichen Überprüfung der Neuen Medizin „wie ein Hase“ unter „Buh-Rufen“ aller anwesenden Ärzte verließ.
Dieses Material werde ich dem U-Richter übergeben.
Doktor Hamer hat mit Prof. Stammer über Olivia gesprochen und beide waren der Ansicht, dass Olivia an einer Leberzirrhose leide. Deshalb kann sie auch nur über Infusionen mit Aminosäuren ernährt werden. Die Leber kann ihre Aufgabe, Eiweiß in Aminosäuren zu zerlegen nicht mehr nachkommen. Deshalb verspürt Olivia nach zwei, drei Löffeln bereits ein Völlegefühl und bei Magensondenernährung erbricht sie überhaupt.

Gespräch mit Dr. Leibold und Mag. Rebasso in L.:
Es wurde versucht, Prof. Dr. Urbanek Argumente in die Hände zu spielen, mit denen er eine Entlassung von Olivia in häusliche Pflege verantworten könnte. Doktor Leibold, Dr. Grill, unser Hausarzt, und ein weiterer Homöopath sollten ein Ärztekomitee bilden, das die Verantwortung übernehmen würde.
Z.B. Hospitalsinfektionen: Es gibt wissenschaftlich fundierte Aussagen, die belegen, dass Patienten bei zu langem Krankenhausaufenthalt Infektionen erleiden, die sie zu Hause nicht bekommen hätten. Wir Eltern sind absolut vertrauenswürdig: Unsere bisherige Unbescholtenheit in allen Belangen soll als Argument dienen.
Weitere Strategien: Beipackzettel der Zytostatika dem Gericht vorlegen, Fortsetzung der Chemotherapie nach vollständiger Entfernung des Tumors und Metastasenfreiheit ist reines unwissenschaftliches Vorbeugen und durch nichts erhärtbar.
Dr. Leibold und Mag. Rebasso waren sich gegenseitig sehr sympathisch und zollten einander Anerkennung.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Rechtsanwalt Mendel wird morgen Richter Zak vorschlagen, die Amtsärztin Mühlengart mit Dr. Hamer gemeinsam als Gutachter für ein Gegengutachten zu beantragen. Bezug genommen wird auf Richter Zaks Vorschlag mir gegenüber, ihm einen Gutachter zu nennen. Es müsste hierfür der Haftbefehl gegen Dr. Hamer ausgesetzt werden. Das AKH wäre gezwungen, sämtliche Befunde und Bilder von Olivia, ja sogar neue und noch zu erstellende CTs auszuhändigen, wenn dies Richter Zak beantragen würde.
Dies wäre das erste Gutachten der Neuen Medizin. Allerdings hatte sich Amtsärztin Mühlengart noch bis morgen Bedenkzeit erbeten. Professor Stammer war dies zu riskant, und er lehnte dies von vorne herein ab. Frau Mühlengart befinde sich derzeit in Mutterschutz.

Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia hatte gut geschlafen. Es ging ihr auch sonst gut, und sie verlangte sogar, einen Striezel zu essen.



Dienstag, 28.11.1995:

Mich quälten wieder eigenartige Träume.
Der erste verlief folgendermaßen: An einem öffentlichen Platz waren viele Leute versammelt. Ich schritt auf eine Frau mit einem etwa drei Monate alten Mädchen im Arm zu. Das Kind war von mir, mit der Frau lebte ich zusammen. Das Mädchen streckte die Arme nach mir aus und blickte mich offen an. Auch die Mutter drehte sich zu mir her. Es war nicht Erika, das war sicher. Von Erika hatte ich mich getrennt, warum wusste ich nicht, und jetzt tat es mir im Herzen weh. Ich wollte nicht zu dieser Frau mit dem Kind. Das Gesicht des Mädchens war für sein zartes Alter voll ausgeprägt, es war aber sehr schmal und seine Augen waren wässrig hellbraun. Es war mir aber unmöglich, mich mit diesem Paar zu identifizieren. Ich wollte zurück zu Erika. Die Menschen rundherum beobachteten uns.
Der zweite Traum war ebenfalls schrecklich: Ich blätterte in meinem Tagebuch, jedoch war dieses aus der Zukunft. Als ich realisierte, dass ich nunmehr den Ausgang der Geschichte von Olivia lesen werde, blätterte ich wie verrückt an das Ende des Heftes. Zu Anfang war noch sehr viel Text geschrieben, welcher durch schöne Heiligenbilder aufgelockert war. Je weiter ich gegen das Ende vordrang, desto weniger wurde der geschriebene Text, und die schönen Heiligenbilder verwandelten sich in abstrakte, hässliche Bilder. Eines habe ich noch sehr gut in Erinnerung. Das Bild stellt mich mit Jesus dar. Jesus wandte mir den Rücken zu und nahm eine leicht gebeugte Haltung ein. Er war ein Automat. An seinem Rücken befand sich ein Schlitz, um Geld einwerfen zu können.

Als ich erwachte, war ich müde und wollte gar nicht aufstehen. Schließlich fiel mir ein, dass ich mich heute Vormittag mit Ingrid in Wr. Neustadt treffen sollte. Schnell kopierte ich noch Schreiben aus meinem Antichemo-Ordner, um dies dem Kamerateam von „swiss news“ zu übergeben, das uns heute interviewen sollte. Ingrid wartete schon auf mich, und wir gingen noch schnell zu einer Bekannten von ihr, die für Olivia ein Massageöl zusammengestellt hatte. Ingrid hatte mir eine ganze Einkaufstasche voll Naturprodukte für Olivia mitgegeben, ohne auch nur einen Schilling dafür zu verlangen.
Als ich schließlich im AKH eintraf, begegnete ich Helga. Wir hatten sie gebeten, während wir bei diesem Interview waren, auf Olivia zu achten. Zusammen gingen wir ins Zimmer. Erika war gerade beim Aufräumen, Olivia in der Schule. Bei meinem Wagen war zuvor der Ventilator ausgefallen und meine Laune entsprechend.
Das Interview fand im Hotel Regina statt. Es verlief zwar ganz gut, auch Sigrun, die dort zu uns traf, war dieser Meinung, ich konnte mich aber des Gefühls kaum erwehren, dass dies lediglich ein Verhör war.
Bei solch einem Interview werden die unmöglichsten Fragen gestellt und die Reaktionen des Befragten aufgezeichnet. Ausgestrahlt wird immer nur ein kleiner Bruchteil, welcher zuvor von irgendjemandem ausgesucht wurde. Nach welchen Kriterien sucht dieser „jemand“ aus? Was passiert eigentlich, wenn das vollständige Material an einer Stelle landet, welche höchstes Interesse an unseren preisgegebenen Informationen hat?
Ich vermute, dass unsere Interviews ungeschnitten in jene Hände gelangen, welche eigentlich gegen uns vorgehen. Damit meine ich nicht unbedingt das Gericht oder jene Ärzte, mit denen wir direkt zu tun haben. Nein, ich meine jene Hintermänner, die unsere Kritik an dem medizinischen System am allermeisten stört. Dazu zählen sicherlich jene, welche mit Vehemenz die Neue Medizin unterdrücken wollen. Nach dem Interview gingen Erika, Sigrun und ich essen und anschließend fuhren wir wieder ins AKH. Da ich an meinem Auto keinen Kontaktfehler am Ventilator erkennen konnte, fuhr ich mit voll aufgedrehter Heizung und offenen Fenstern heim. Es gelang mir dadurch die Motortemperatur auf normaler Betriebstemperatur zu halten. Zu Hause legte ich mich bereits gegen 19:00 Uhr ins Bett und schlief recht bald ein. Der Tag war für mich frustrierend und äußerst belastend gewesen.



Mittwoch, 29.11.1995:

Trotzdem schlief ich bis 9:00 Uhr.
Der Ventilator des Autos hatte wirklich einen Kontaktfehler, den ich mit meinem Schwiegervater schnell behoben hatte. Es wäre sicherlich besser, die gesamte Elektrik rund um den Ventilator erneuern zu lassen.

Telefonat mit Erika:
Olivia hob den Hörer ab und erklärte, Erika sei soeben mit zwei Herren aus dem Zimmer gegangen. Ärzte wären es sicher nicht gewesen.
Ich sagte ihr, sie solle schnell zu Erika gehen und ihr sagen, sie solle mich dringend zurückrufen. Meine Gedanken rotierten. Schließlich rief ich nochmals an und Olivia erklärte, sie wüsste auch nicht, warum Erika nicht zum Telefon gehen wollte. Erika sprach noch immer mit den beiden Herren. Meine Vermutung fiel auf Dr. Martin Zimper und seinen Rechtsanwalt. Tatsächlich waren es aber Herr Hofrat Marady und Richter Masizek. Die beiden Herren machten sich schon einen Brauch daraus, unangemeldet bei meiner Frau zu erscheinen. Sie kamen und fragten Erika, ob es ihr recht sei, dass die Verantwortung der Therapieeinhaltung meiner Schwester Silvia übertragen werden sollte.
Wir könnten uns dann mit ihr ausmachen, wo schließlich Olivia wohnen sollte. Eine baldige Normalisierung der Angelegenheit lag den beiden Herrschaften am Herzen. Mit dieser Lösung würden auch die psychiatrischen Gutachten überflüssig werden. Ich sollte morgen dazu befragt werden. Erika war über die Aussicht, dass meiner Schwester ein Teilsargerecht übertragen werden sollte, untröstlich und kaum zu beruhigen.

Erika bat mich, sie im AKH abzulösen. Dort erfuhr ich, dass Richter Masizek nach einer Konferenz mit den Ärzten zu einem neuerlichen Lösungsvorschlag gekommen war. Es wird uns gestattet, Olivia für einige Stunden aus dem AKH zu nehmen. Wir könnten uns frei innerhalb von Wien bewegen. Sollte sich dies bewähren, so könnten wir auch mit Olivia jeweils am Morgen nach Hause fahren und bräuchten dann erst gegen Abend wieder zu kommen. Über Nacht müsste sie an die künstliche Ernährung geschlossen werden. Mitte Jänner könnten wir dann einen Teil des Sorgerechts zurückerhalten. Mit dieser Lösung würden sämtliche psychiatrischen Gutachten überflüssig werden. Auch würden wir Einblick in die Krankengeschichte von Olivia erhalten.

Glasnost in der Medizin?

Der zweite Vorschlag wäre für uns wünschenswert gewesen. Erika hatte sich wieder beruhigen können.

Erika erzählte, dass ein Kind von der Station „austherapiert“ nach Hause geschickt wurde. Die Mutter war verzweifelt, da das Kind unerträgliche Schmerzen zu ertragen hatte.
Unser Zimmernachbar, ein 15-jähriger Bub, hatte vor Tagen einen Blutsturz, jetzt war er auf die Intensiv verlegt worden.
Verenas Mutter war bestürzt, als sie erfuhr, dass Verenas Leukozyten auf 400 gesunken waren. Bis jetzt waren ihr immer nur die besten Aussichten auf Erfolg vermittelt worden.

Foto von Olivia und Elisabeth
29.11.1995: kleines „Familientreffen“ an und in Olivias Krankenbett. Von li. nach re.: Erika, Alexander, Olivia, Elisabeth mit Cousin Christoph, meine Schwiegereltern, meine Schwester Silvia



Donnerstag, 30.11.1995:

Die Nacht bei Olivia war grauenhaft. Die Klimaanlage erhitzte den Raum auf unerträgliches Maß, dann wieder war einem fürchterlich kalt. Das Gebläse erzeugte einen andauernden Luftstrom. Am Morgen hatte ich einen steifen Rücken und eine verstopfte Nase.

Telefonat mit Richter Masizek:
Er meinte, der von ihm unterbreitete Vorschlag könnte von Erika falsch verstanden worden sein, deshalb würde er gerne mit mir morgen um 14:00 Uhr am Gericht Wr. Neustadt ein nicht förmliches Gespräch führen. Sollte sein Vorschlag, der seiner Meinung nach einiges vereinfachen könnte, nicht angenommen werden, so würde dieser eben fallen gelassen werden.
Erika war erbost. Wieso vermutet der Richter jetzt, sie hätte ihn nicht richtig verstanden? Wollte er damit sein gestriges Angebot widerrufen?

Telefonat mit Mag. Rebasso:
Er wäre morgen um 14:00 telefonisch erreichbar. Bei auftauchenden Fragen solle ich ihn einfach anrufen. Sollte der Richter morgen trotzdem unsere Aussagen zu Protokoll geben, müssten wir festhalten, dass dies nicht vereinbart war und wir erst Zusagen geben werden, wenn wir dies zuvor mit unserem Rechtsanwalt besprochen hätten.

Telefonat mit Silvia:
Sie hatte am Vormittag mit Herrn Hofrat Marady gesprochen und nochmals festgehalten, dass sie nicht die Verantwortung tragen könne, wenn Olivia bei uns zu Hause sei. Herrn Hofrat Marady war dieser Umstand klar.
Sie besprachen die weitere Vorgehensweise im Sinne des letzten Vorschlags von Richter Masizek, also ohne ihr einen Teil des Sorgerechts zu übertragen. Silvia bestätigte aber nochmals, dass sie auf uns „aufpassen“ werde. Es wurde ihr erklärt und glaubhaft gemacht, dass bei Fortsetzung der Therapie bis zu 80%, bei Unterbrechung der Therapie lediglich nur mehr 40% Überlebenschance bestünden.

Olivia:
Am Morgen hatte sie nichts, gegen Abend jedoch immer mehr gegessen. Erst gegen 22:00 Uhr klagte sie über leichte Bauchschmerzen. Sonst war sie frei von Schmerzen und Übelkeit. Ihre Gemütsverfassung war gut und sie gab sich recht aufgeweckt. Ihr Gewicht betrug 22,4 kg bei zwei Litern Infusion zur Ernährung jede Nacht.
Die nunmehr seit vergangenem Montag währende Chemopause tat Olivia sichtlich gut. Der Beginn der Therapie am kommenden Montag bereitete mir Sorgen.
Gleich nach dem Erwachen mussten wir zu einer Ultraschalluntersuchung. Die untersuchende Ärztin meinte, dass dieses Verfahren keine genauen Aussagen zulasse, jedoch Grobes könne man erkennen. Die Niere war vergrößert.
Laut der Ärztin hatte die Niere nun die Aufgabe der entfernten, rechten Niere übernehmen müssen.
Dr. Hamer vertrat diesbezüglich eine andere Ansicht, jedoch ließ ich mich auf keine Diskussion ein. Die Untersuchung an der Leber ergab ein homogenes Gewebe und keine auffälligen Flecken, auch die Darmuntersuchung ergab nichts Auffälliges, zumindest nach den Aussagen der untersuchenden Ärztin.



Freitag, 01.12.1995:

Um 9:30 Uhr kam meine Mutter, damit ich nach Hause fahren konnte. Erika musste mich von Wr. Neustadt holen und ging dann zum Elternsprechtag von Alexander.

14:00 Uhr, Gespräch mit Richter Masizek:
Sein Vorschlag war der, dass Silvia die Verantwortung für das regelmäßige Erscheinen bei der Therapiefortsetzung tragen müsste. Für die Gesundheit von Olivia müsste sie keine Verantwortung übernehmen. Er wusste nicht von dem letzten Gespräch zwischen Silvia und Herrn Hofrat Marady, bei dem Silvia zu verstehen gab, dass es ihr nicht möglich sei, hierfür die Verantwortung zu tragen.
Als Alternative käme auch meine Mutter hierfür in Betracht. Diese Verantwortung würde dann bis Ende der Therapie, also bis Ende März von Silvia getragen werden. Sollten bis dahin keine „weiteren Probleme“ mit uns auftreten, so wäre er bereit, uns das Erziehungsrecht und vielleicht sogar das Vermögensrecht von Olivia zu übertragen. Das Jugendamt würde dann nur mehr gelegentlich bei uns vorbeischauen und würde aber weiter die Verantwortung für die Einhaltung der Nachsorgeuntersuchung tragen.
Würde sich weder Silvia noch meine Mutter dazu bereit erklären, müsste er auf dem psychiatrischen Gutachten über uns bestehen und sollte dies schlecht ausfallen, so sähe er überhaupt keine Chance mehr, uns Olivia überlassen zu können.
Wegen der derzeit erlaubten Ausflüge mit Olivia, empfahl er, sie nicht nach Hause mitzunehmen, damit Olivia nicht auf die Idee kommen könnte, nicht mehr ins AKH zu wollen. Lustigerweise hatte mir genau das auch Dr. Hamer empfohlen.
Betreffend die Einsichtnahme in die Krankengeschichte, gab er zu verstehen, dass die letzte Entscheidung des Hofrats Marady, sie uns zu verwehren, korrekt war. So dürfe sich z.B. ein Elternteil, dem ebenfalls das Sorgerecht über sein Kind entzogen wurde, zwar über die Schule des Kindes informieren, einen Einblick in das Zeugnis würde ihm jedoch verweigert werden können.
Trotzdem werde er Hofrat Marady anweisen, uns den Einblick in die Krankengeschichte zu ermöglichen. Wir dürften dann alles sehen und Fragen stellen, Kopien würde man uns allerdings nicht aushändigen.
Olivias Gesundheitszustand sei laut Ärzteauskunft relativ gut.
Richter Masizek betonte immer wieder, dass von seiner Seite alles unternommen werde, um uns entgegenzukommen. Ich dürfte es ihm aber durch meine ständigen Interviews nicht schwer machen, seine Entscheidungen zu rechtfertigen. Soeben habe er eine Videokassette mit all meinen Interviews dem Strafgericht übergeben. Erstaunlich war, dass er bereits über das gelaufene Interview vom Dienstag, dem 28.11.95 und über den Sendetermin am Dienstag, dem 5.12.95 Bescheid wusste.
Er erkannte, dass Erika aufgrund der Schwangerschaft nicht sehr belastbar war. Sie war beim letzten Gespräch im AKH mit ihm sofort in Tränen ausgebrochen. Richter Masizek sorgte sich, dass sie dadurch vielleicht sogar ihr Kind verlieren könnte.
Das Strafverfahren betreffend meinte er, dass ein Vorsatz wohl kaum haltbar sein werde, wir aber sicherlich wegen präventiver Maßnahmen mit einer bedingten Strafe wegen Kindesentführung rechnen müssten. Ein Zurückziehen der Anzeige könne Herr Hofrat Marady nicht mehr selbst entscheiden. Es müsse ein Exempel statuiert werden, damit nicht in Zukunft weitere Eltern bei Entzug des Sorgerechts untertauchten.
Aber so schlimm wäre eine „Bedingte“67 ja auch nicht, meinte er. Seiner Meinung nach hätten sich in der Zeit rund um Spanien, viele über ihre Kompetenzen hinweg verhalten und Zusagen getroffen, zu denen sie keinerlei Befugnis hatten. Als Beispiel führte er Konsul Esten, Dr. Heinz Zimper und Dr. Marcovich an. Die Letztere war seiner Meinung nach auf unsere Bitte hin nach Spanien geflogen. Konsul Esten sei damals einfach nicht erreichbar gewesen. Man schickte ihm Faxe, auf die er nicht antwortete.
Er erwähnte die bestehende Klage von der Rechtsanwaltskanzlei Wegrostek gegen uns. Für ihn sei dies die Bestätigung seiner Vermutung von Tulln, dass die Wahl dieses Anwaltes falsch von mir war. Als Tipp meinte er, es bräuchte niemand zur Verhandlung hinzukommen, dann würde sie eingestellt werden(?).
Wegen Film: Olivia-Vertrag wurde von ihm genehmigt.

Es war zum Verrücktwerden. Die zweite, Erika unterbreitete Variante, Olivia nach einer „Bewährungszeit“ tagsüber nach Hause zu lassen, ließ er einfach unter den Tisch fallen, mit der Bemerkung, er vermute, sie habe ihn nicht richtig verstanden.

Telefonat mit Mag. Rebasso:
Richter Masizeks Sorge wegen meiner Interviews zeige, dass er unter dem Druck der Ärzte stand. Eigentlich hätte ihn das nicht im mindesten zu kümmern. Richter Masizek soll Entscheidungen treffen, welche er für richtig hält. Sein Vorschlag sei für uns nicht sehr befriedigend, vielleicht aber momentan doch akzeptabel.

Besuch bei Hildegard:
Es waren ca. 20 von Hildegard betreute Personen anwesend. Jeder trug seine Geschichte vor. Diese waren zum Teil erschütternd, so erzählte eine Mutter folgende Geschichte.
Wegen ihrer Scheidung gab sie ihren damals elfeinhalbjährigen Sohn in einen Hort. Fußball war für ihren Sohn das Allerwichtigste. Bis dahin war er regelmäßig beim Training und bei Spielen erschienen. In diesem Hort verbot ihm aber eine Erzieherin solange das Spiel, bis er seine Schulübungen korrekt erledigt hatte.
Dadurch konnte er an den Trainings nicht mehr teilnehmen und wurde infolge dessen aus der Liga ausgeschlossen. Er erlitt einen Selbstwerteinbruch an beiden Knien, welche fürchterlich anschwollen. Die Mutter ging mit ihrem Sohn in das Spital.
Dort entnahm man dem Kind bei vollem Bewusstsein eine Gewebsprobe und der Bub schrie: „Ihr Mörder! Ihr bringt mich um!“ Eine viermonatige Chemotherapie erfolgte. Im Befund stand, dass er an Knochenmarkseiterung leide und dass eine völlige Amputation beider Beine auch ohne Einwilligung der Eltern erfolgen werde. Man könne aber nicht ausschließen, dass sich die Eiterung bis ins Becken fortsetze. Als die Mutter diesen Befund las, nahm sie ihr Kind aus der Klinik und ging zu Dr. Hamer. Dieser erlaubte dem Buben das Fußballspielen. Für Frau Hildegard war dies natürlich ein großes Risiko, denn die Knochen waren geschwächt und bei einem Beinbruch hätten sie dann auf Deutschland in eine Klinik ausweichen müssen. Der Bub war ca. ein Jahr lang wegen großer Knochenschmerzen an das Bett gefesselt, aber alles ging gut. Heute ist er ca. 14 Jahre und spielt Fußball, natürlich mit seinen, von der Natur gegebenen beiden Beinen. Dass die Mutter auch wegen des Sorgerechtes große Schwierigkeiten bekam, ist selbstredend.

Hätte man damals diesen Buben zwangstherapiert, wäre er heute ohne Beine an den Rollstuhl gefesselt oder vielleicht gar schon gestorben!

67 „Bedingte“ = gemeint ist Bewährungsstrafe

Medien

krone - 'PAUSE' FÜR OLIVIA
kurier - OLIVIA: WEIHNACHTEN IN DER KINDERKLINIK?



Samstag, 02.12.1995:

Warum unterbreitet Richter Masizek uns den Vorschlag, meine Schwester Silvia solle die Verantwortung für das regelmäßige Erscheinen Olivias im AKH tragen, wo doch bisher das Jugendamt die Verantwortung getragen hatte und auch nach der Therapie, also nach Ende März dafür zu sorgen hatte, dass Olivia zu den Nachsorgeuntersuchungen erscheinen würde?
Wozu sollte Silvia für den Zeitraum von vier Monaten eine Verantwortung übernehmen, die sie eigentlich gar nicht tragen konnte, wenn Olivia unter der Hand, so wie Richter Masizek meinte, trotzdem bei uns sein könnte? Was steckte da dahinter?
Richter Masizek meinte, dass dadurch das psychologische Gutachten hinfällig werden würde.
Und wer garantierte nach der Therapie für den regelmäßigen Besuch der Nachsorgeuntersuchung? Hatte das Pflegschaftsgericht vielleicht sogar vor, das Sorgerecht bei meiner Schwester zu belassen?
Wie würden die Zeitungen drüber berichten? „Sorgerecht einer vernünftigen Tante übertragen!“ oder so ähnlich. Außerdem würde es auch für die Pharmaindustrie schöner aussehen, wenn eine Tante für die Therapiedurchführung Sorge trägt, als wenn dies das Jugendamt machen müsste. In Verbindung mit dem Jugendamt würde es weiterhin nach „Zwang“, bei der Tante könnte es nach „Vernunft“ aussehen.

Und mit Silvia hätten sie leichtes Spiel, sie ist 100% von der Chemotherapie überzeugt. In ihrem Wahn wäre sie sogar bereit, uns das Kind wegzunehmen. Ich vermute, dass sie sich bereit erklären würde, Olivia bei ihr zu Hause unter Polizeischutz steilen zu lassen.

Ich ging durch die Hölle. Unfähig, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, grübelte ich über einen möglichen Ausweg nach. Das einfachste wäre es, wenn Silvia und Mutter jede Verantwortung von vornherein ablehnen würden.
Was mag wohl in deren Köpfen vorgehen, die sich derart in unsere Familienangelegenheiten einmischen? Mein Schwiegervater war außer sich. Niemals würde er ein derartiges Verhalten meiner Angehörigen verstehen.
Ein Telefonat mit Silvia, die gerade im Zimmer von Olivia war, konnte mich ein wenig beruhigen. Sie erklärte, wenn Olivia bei uns zu Hause sei, könne sie niemals garantieren, dass wir auch wirklich zur Therapie erscheinen werden.
In diesem Sinne hatte sie ja bereits mit Hofrat Marady zuletzt gesprochen. Ich flehte sie weinerlich an, jede ihr angetragene Verantwortung strikt abzulehnen. Sie faselte irgendetwas von einem geleisteten Versprechen gegenüber dem österreichischen Staat und meinte ihre Zusage dem Hofrat Marady gegenüber, im Notfall einzuspringen.

Warum quälte man uns derart?