Dienstag, 31.10.1995:

Erikas Tagebuchnotizen:
Abends hatte Olivia Schnupfen und leichtes Fieber. Sie klagte über starke Bauchschmerzen. Obwohl die Halsschmerzen nachgelassen hatten, weigerte sie sich zu essen.

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Mittwoch. 1.11.1995:

Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia war sehr müde und depressiv. Beim Aufstehen vom Bett und Gehen im Zimmer weint sie vor Schmerz.
Veronika kam, um mich abzulösen. Ich fuhr nach Hause.

Medien

raum & zeit - HAMER ÜBERPRÜFEN, VON HAMER ÜBERZEUGT, HAMERHATZ

In der eintönig gleichgeschalteten Medienlandschaft ist diese Zeitung eine wahre Freude zu lesen. Ich bin froh, dass es noch so mutige Verleger gibt.
In dieser Ausgabe waren Leserbriefe veröffentlicht worden.

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Donnerstag, 2.11.1995:

Erikas Tagebuchnotizen:
Helmut verbrachte den Tag bei Olivia.

Medien

news - FALL OLIVIA: JETZT WIRD AUS DRAMA EIN SPIELFILM

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Freitag, 3.11.1995:

Erikas Tagebuchnotizen:
Bereits um 5:00 Uhr morgens fuhr ich wieder ins AKH, denn Helmut musste nach Köln fliegen.
Vormittags konnte ich Olivia dazu überreden, für eine Weile mit mir auf dem Gang spazieren zu gehen. Das Essen verweigert sie zur Gänze. Ansonsten war sie aber wieder fröhlicher. Während der Nacht erbrach sie.

Live-Sendung „punkt 12“:
Meine Möglichkeit, mich via Medien artikulieren zu können, nutzte ich. Vor allem Live-Sendungen wollte ich mir nicht entgehen lassen, da ich nur bei diesen die Möglichkeit hatte zu sagen, was wirklich war. Und das tat ich diesmal wieder. Ich konnte meine Bedenken wegen der immer noch verweigerten CTs loswerden. Dadurch, dass ich meine Sorgen öffentlich den ebenfalls öffentlichen Behauptungen der Ärzte entgegenstellen konnte, musste ich sie nicht in mich hineinfressen. Natürlich waren diese Auftritte auch risikoreich für mich, denn die Moderatoren waren durch die Bank gegen mich, vor allem aber für die orthodoxe Schulmedizin eingestellt. Somit kam es auf beiden Seiten auf das persönliche Geschick der Gesprächslenkung und Formulierung an. Auf alle Fälle hatte ich aber durch die Live- Sendung mit keiner unfairen Manipulation meiner eigenen Worte zu rechnen, wie es bei Aufzeichnungen gang und gäbe war.
Die Sendezeit betrug lediglich 5 Minuten und in meinen Antworten auf zwei gestellte Fragen der Moderatorin, verpackte ich alles mir Wesentliche.

Natürlich nutzte ich die Gelegenheit in Köln zu sein, um Dr. Hamer treffen zu können.

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Samstag, 4.11.1995:

Erikas Tagebuchnotizen:
Der erste Schnee war gefallen. Bereits um 6:00 Uhr wachte Olivia wegen starker Bauchkrämpfe auf.

Medien

das neue - KREBSKIND OLIVIA: WIE DAS KLEINE MÄDCHEN ALLE QUALEN TAPFER ERTRÄGT
express - KÖLNER GING ZUM WUNDERARZT – TOT

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Sonntag, 5.11.1995:

Medien

express - KREBSKIND: WILL VATER IHREN TOD?

Dieser Artikel war die Reaktion auf meinen Live-Auftritt in „punkt 12“. Von einer „hilflosen Moderatorin“ war die Rede und kommentiert wurden meine Sätze mit „allen Eltern musste das Blut in den Adern gefrieren“.
Auch schrie der Artikel wieder nach dem Psychiater.

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Montag, 6.11.1995:

Schreiben vom Arbeitsamt, in dem festgestellt wird, dass wegen Nichterscheinens bei Kontrolltermin die Zahlungen eingestellt werden müssten. Diesen Kontrolltermin hatte ich einfach vergessen.

Telefonat mit Dr. Leibold:
Ich spürte, dass er mir mit Vorwürfen entgegnen würde, vermutete als Anlass jedoch meine weitere ungestüme Vorgehensweise im Fernsehen vergangenen Freitag. Seiner Meinung nach sollte ich mich ja eher ruhig verhalten und jeder Konfrontation mit den Behörden und Ärzten aus dem Weg gehen.
Dr. Leibold hatte jedoch diese Fernsehsendungen gar nicht gesehen, beklagte sich jedoch, dass wir den Kontakt mit ihm in letzter Zeit minimiert hatten und weiters, dass wir ihn augenscheinlich für die Zwecke der Neuen Medizin missbrauchen wollten. Dieser Vorwurf traf mich unvermittelt, und ich erklärte ihm, dass ich zwar die Neue Medizin ihm näher bringen wollte, ihn jedoch vorwiegend als ärztlichen und damit gewichtigen Fürsprecher für unser Ziel, Olivia nach Hause zu bekommen, vor den Behörden brauche. Wenn nämlich lediglich wir Eltern mit unserem Anwalt diesen Wunsch äußerten, hat dies bei weitem nicht das Gewicht, als würde dies ein Arzt äußern. Auch erzählte ich ihm von meiner Absicht, ihn bei der nächsten Visite in Wien mit unserem Rechtsanwalt zusammenzubringen.
Völlig verblüfft war ich allerdings, als er erzählte, Prof. Urbanek hätte ihn heute angerufen und gemeint, er wäre dafür, Olivia in häusliche Pflege zu entlassen. Prof. Urbanek stünde zwar als einziger in der Ärzteschaft des AKH mit dieser Absicht da, aber in Hinblick auf den, von Dr. Leibold unterbreiteten brieflichen Vorschlag mit der Absicherung eines Ärztekomitees, wäre dies in der jetzigen Situation verantwortbar. Ich konnte dies wirklich nicht fassen und vermutete, dass der schlechte Gesundheitszustand von Olivia die Motivation von Prof. Urbanek wäre. Dies räumte aber Dr. Leibold aus. Dr. Leibold meinte weiters, dass seine Taktik die sanfte Vorgehensweise sei. Diese Erfahrung hätte er bereits als wirkungsvoller erkannt, und er wolle weder mit einem Rechtsanwalt zu schaffen haben, noch mit Medien.
Es war mir zwar nicht möglich, den Grund hinter dem Meinungsumschwung von Prof. Urbanek zu erahnen, doch war meine Freude so groß, dass ich Dr. Leibold versprach, ihn vor allem ihm Unangenehmen zu schützen.

Begeisterung, solch einen Arzt zu kennen, ergriff mich, und ich musste sofort Erika diese Nachricht mitteilen. Auch sie war begeistert und konnte es kaum fassen. Olivia kommt nach Hause!!! Als nächsten musste ich Schwiegervater einweihen, und auch er freute sich riesig und mahnte mich, behutsamer weiter vorzugehen.
Dass Dr. Leibold mir unterstellte, ihn zu missbrauchen, tat mir weh, denn es war wirklich nicht der Fall.
Natürlich verstand ich Dr. Leibold soweit, dass er wegen der strikten Ablehnung Dr. Hamers gegenüber der Homöopathie vermutete, dass auch wir diese medizinische Richtung als Humbug abtaten. Dies war aber nicht der Fall, und kurz möchte ich meinen Standpunkt dazu erläutern.
Wie gesagt hatten die beiden anderen Kinder das gleiche Schicksal wie Olivia. Der Grund für die Konfliktbereitschaft lag also in der persönlichen Psyche von Olivia, also innen und nicht außen. Hier wäre es auch für mich logisch, Ursachen für diese Disposition in ihren Vorleben zu suchen. Natürlich verlasse ich hiermit das „wissenschaftlich anerkannte“ Gebiet, ich verlasse aber auch hiermit bereits die wissenschaftlichen, vor allem aber die reproduzierbaren Erkenntnisse der Neuen Medizin.
Zurück zur Homöopathie. Diese funktioniert auf der Ebene der Schwingung, der reinen Information. Eine Information an den Organismus, an die Psyche, an die Aura des Patienten.
Meiner Meinung nach ergänzt sich die Homöopathie mit der Neuen Medizin wunderbar. Schafft es der Patient nicht von sich aus, seinen Konflikt, seine Psyche, seine Sichtweise der Dinge zu ändern, benötigt er diese Hilfe. Mir persönlich sind vor allem „Bachblüten“ als Informationsträger bestens bekannt, und ich schwöre auf deren Wirkung, ohne irgendjemanden davon überzeugen zu wollen.
Dr. Hamers Neue Medizin hat die „grobstofflichen“ Zusammenhänge des menschlichen (wie auch tierischen) Organismus erkannt. Er erkannte aber auch die „feinstoffliche“ Ursache des Krebsausbruches, das isolative Schockerlebnis. Die Konfliktolyse muss wiederum „feinstofflich“ über Konfliktbewältigung erfolgen. Die Zusammenhänge zwischen dem krebsbetroffenen Organ und dem dafür spezifischen Konflikt sind durch seine Forschungen bekannt. Und hier kann die Homöopathie einsetzen. Wenn ein homöopathischer Arzt weiß, dass aufgrund eines ganz bestimmten psychischen Konfliktes bei diesem Patienten der Krebs ausgebrochen ist, so kann er doch viel effizienter seine homöopathischen Informationen setzen. Wie gesagt, oft liegt die Lösung bereits in einer geänderten Sichtweise der Dinge. Die Devise muss lauten: „Weg von dieser Brutalmedizin, die den Patienten, aber auch den Arzt entmenschlicht!“

Telefonat mit Herrn Mag. Rebasso:
Herr Rebasso hatte von Herrn Dr. Martin Zimper die Presseaussendung zum Film erhalten. Ausgesendet wurde sie allerdings von „ARENA-Film GesmbH“, und der Inhalt deckt sich erschreckender Weise mit dem des „news“-Artikels.
Nun meinte auch unser Rechtsanwalt, dass nunmehr entsprechend unserem Wunsch, vom Film zurückzutreten, die Gelegenheit günstig sei, diese Presseaussendung als Anlass zu nehmen.
Vom Gespräch zwischen Prof. Dr. Urbanek und Dr. Leibold setzte ich ihn ebenfalls in Kenntnis. Zu der Aversion des Herrn Dr. Leibold, mit einem Anwalt in Kontakt zu treten, vermutete er, dass ich im Allgemeinen wohl zu wenig unsere Vertrauensärzte in diese Causa miteinbezogen habe.

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Dienstag, 7.11.1995:

AKH Olivia:
Olivia fing nun wirklich zu essen an. Man konnte es kaum glauben. Gestern wurde die Magensonde zur Reinigung entfernt und laut Frau Dr. Slavc sollte sie, so lange Olivia essen konnte, nicht mehr gesetzt werden. Olivia war sehr agil und aufgedreht. Großmutter und Helga waren zu Besuch. Ich löste Erika für weitere zwei Tage ab.

Bezirkshauptmannschaft:
Unser Rechtsanwalt wies darauf hin, dass

der Staatsanwalt, Dr. Reisner, empfahl, die BH solle den Strafantrag auf Kindesentführung zurückziehen und diesbezüglich Herr Hofrat Marady am 13.10.95 um eine Entscheidung gebeten werden.
die Ablehnung, uns die Einsicht in Olivias Krankengeschichte zu gewähren, weder rechtliche noch sachliche Qualitäten einer Begründung aufwies.

Bezirksgericht:
Unser Rechtsanwalt beantragte, auf Grund unverständlicher und nicht nachvollziehbarer Weigerung des Jugendwohlfahrtsträgers, uns Eltern Einblick in die Krankengeschichte unserer Tochter zu gewähren, eine diesbezügliche gerichtliche Entscheidung.
Er wies weiters darauf hin, dass der allgemein bekannte Konflikt zwischen Schulmedizin und Dr. Hamer nicht dazu führen darf, uns Eltern auch nur teilweise aus der Information auszuschließen. Das Gericht wurde ersucht, die diesbezüglich erforderlichen Differenzierungen exakt im Auge zu behalten.

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Mittwoch, 8.11.1995:

AKH Olivia:
Die Nacht verlief absolut ruhig, kein Erbrechen, keine Störung durch eine Schwester. Das derzeitige Befinden von Olivia war mir ein Rätsel. Ich hatte den Eindruck, dass ihr keine Chemo verabreicht worden war.

Olivia hatte für den Anfang auch an diesem Tag brav gegessen.
Morgens: 1/2 Banane
Mittags: 1/2 Nudelsuppe
Nachmittags: 1/2 Semmel mit Gulaschsaft, 1/2 Banane, 1 Stk. Keks Zusätzlich wurde sie weiterhin über Infusionen ernährt.
Gewicht 21,6 kg

Vormittags besuchte sie die Schule, und anschließend wurden wir von der Physiotherapeutin in den Turnsaal geleitet. Die Therapeutin war eine liebe Person und Olivia schien sie gerne zu mögen. Es machte dem Kind viel Spaß, im Rahmen seiner Möglichkeiten im Saal mit einem fast so großen Ball als es selbst war, herumzutollen. Das Bücken bereitete ihr offensichtlich Schwierigkeiten, was die Therapeutin auf die geschwächte Oberschenkelmuskulatur zurückführte.

Nachmittags stellte sich Besuch ein. Silvia und Christoph sowie meine Mutter kamen ja fast täglich. Diesmal besuchte aber auch meine Schwester Michaela Olivia wieder einmal. Es war zwar nicht meine Absicht, das Thema Dr. Hamer wieder aufzuwärmen, aber als Michaela erzählte, dass ihr Chef sich eine Knochentransplantation im Kiefer vornehmen lasse, erwähnte ich, dass sich dieser Chef (Zahnarzt) doch einmal mit der Neuen Medizin auseinandersetzen sollte.
Michaela gab darauf hin sarkastisch zur Antwort, dass er sicher noch länger leben wolle. Silvia lachte hämisch. Dann legte ich los, bis zumindest Michaela beleidigt abzog. Speziell ihr machte ich zum Vorwurf, kritiklos auf die Medienkampagne aufzuspringen und sich ungerufen in meine Familienangelegenheit einzumischen. Meiner Meinung nach müsste vor allem sie sich um eine spirituelle Weiterentwicklung bemühen, um dieses zur Zeit grausig betriebene Spiel durchschauen zu können.

Der Laptop war für Olivia ein neues Spielzeug, welches sie mit großem Interesse erforschte. Ein Malprogramm hatte es ihr sehr angetan. Als ich ihr zeigte, dass auch Stimmen und Geräusche aufgenommen und modifiziert wiedergegeben werden konnten, war sie verzückt.
Den Zeitpunkt für das Schlafengehen konnte sie immer sehr diplomatisch hinauszögern. Vor 23:00 Uhr drehten wir kaum das Licht ab.

AKH:

Gesundheitsbericht über das Kind Olivia Pilhar:

Die Behandlung des unter einem Wilmstumor (Nephroblastom) leidenden Mädchens verläuft planmäßig. Die verbliebene linke Niere hat die Funktion der mit dem Tumor entnommenen rechten Niere übernommen und hat sich in ihrem Ausmaß vergrößert. Die aufgrund der Appetitlosigkeit vorgenommene Infusions- und Sondennahrung hat das Körpergewicht auf 22 kg ansteigen lassen, weshalb wir kurzfristig von der für das Kind unangenehmen Sondennahrung absehen wollen. Die mit dem Ultraschall durchgeführten Kontrolluntersuchungen ergeben keinen Hinweis für ein Tumorrezidiv. Die Leber, die unmittelbar mit dem Tumor in Kontakt stand, stellt sich krebsfrei dar. Olivia besucht regelmäßig unsere Klinikschule und lässt sich im Spiel mit anderen Kindern aufheitern. Die Eltern werden regelmäßig über die Behandlung und unsere Befunde informiert. Univ. Prof. Dr. R. Urbanek

Foto von Olivia und Elisabeth
Olivia nach Entfernung der Magensonde mit ihrer Schwester Elisabeth

Als ich Dr. Hamer von der angeblichen Vergrößerung der linken Niere berichtete, zweifelte er an der angegebenen Ursache der Vergrößerung. Seine Befürchtung war es, dass nunmehr das Gehirn den vorhandenen und noch nicht völlig ausgeheilten Flüchtlingskonflikt der rechten Niere, nunmehr auf die linke übertragen hatte. Wenn dies der Fall wäre, würde nun die linke Niere ein Sammelrohrkarzinom entwickeln und dadurch vorerst die Niere vergrößern. Abgesehen von diesem Umstand standen noch mehrere Lügen in dem Schreiben und zwar:
Olivia hatte mit einem 8-jährigen Mädchen Bekanntschaft geschlossen, soweit korrekt. Nur dieses Mädchen kam einmal pro Monat für zwei, drei Tage zu einer ambulanten Behandlung in die Klinik. Mit den übrigen Kindern hatte Olivia keinen Kontakt.
Und die regelmäßige Information über Behandlung und Befunde sah so aus, dass wir die Behandlung zwangsläufig wegen unserer ständigen Begleitung von Olivia miterlebten. Befunde jedenfalls bekamen wir niemals zu Gesicht. Die Behauptung, mit Ultraschalluntersuchungen nachgewiesen zu haben, dass Olivia krebsfrei sei, konnte wirklich nur ein absoluter Laie glauben. Würden Ultraschalluntersuchungen genügen, so frage ich mich, wozu dann CTs und MRs notwendig seien. Mit Ultraschall konnte man vielleicht Geschwülste größeren Ausmaßes nachweisen, aber Metastasen in Millimeterbereich sicherlich nicht. Es war klar, dass dem AKH mein öffentlicher Hinweis in der Sendung „punkt 12“ peinlich war.

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