Montag. 16.10.1995:

Gegen 9:00 Uhr kam ich nur schwer auf. Am liebsten hätte ich weitergeschlafen und geschlafen und geschlafen ...
Ich organisierte einen transportablen Computer mit Drucker für Sigrun.

AKH:
Erika und auch Olivia waren guter Dinge. Aber diese Woche sollte Olivia an fünf Tagen die Chemo verabreicht werden.
Ich konnte gar nicht zusehen. Am Fenster stehend überlegte ich, ob ich den Vorgang der Chemo-Verabreichung filmen sollte. Dazu hätte ich aber den Arzt um Erlaubnis fragen müssen, und das konnte ich mir sparen. Der Arzt zog sich Gummihandschuhe und darüber noch transparente Plastikhandschuhe an. Die Spritzen waren verhältnismäßig dünn und länglich. Eine war mit einer gelben Flüssigkeit gefüllt, die andere steckte leer in einem kleinen Fläschchen und wurde erst kurz vor der Injizierung aufgezogen.

Obwohl wir Eltern dagegen waren, erhielt unser Kind vor unseren Augen Gift verabreicht! Was verlangte man hier von uns, konnte sich überhaupt jemand unser Leid und unsere Qual vorstellen?

Unsere einzige Möglichkeit, unseren Schmerz hinauszubrüllen waren die Medien, aber auch dies war nur beschränkt befriedigend. Trotzdem war es einigen Leuten zuviel, und man drohte uns nun, sollten wir von der Presse nicht Abstand nehmen, mit dem Psychiater. Auch die Ärzte forderten in verschiedenen Gesprächen immer wieder ein psychiatrisches Gutachten. Man wollte uns ruinieren.

Olivia war nun glatzköpfig. Ihre letzten Haare hatte Erika abgeschnitten. Nun sah Olivia wenigstens optisch besser aus. Gestern noch hatte sie mit den vereinzelten, langen Haaren den Eindruck eines Tattergreises erweckt.
Olivia selbst fand es lustig, glatzköpfig zu sein. Erika hatte heute die Rechnung von dem Haarstudio erhalten, welches Olivia eine Perücke geschickt hatte. Das Haar der Perücke reichte Olivia bis über das Gesäß. Damit sah sie nun wieder wie eine ihrer Barbiepuppen aus. Erika schickte diese zurück und wenn die nächste Perücke nicht kindgerecht sein würde, wollte Erika darauf überhaupt verzichten. Ich persönlich hatte den Eindruck, dass die Glatze für Olivia nur halb so schlimm war.

Für 15:00 Uhr hatten wir einen Termin mit Prof. Dr. Urbanek, dem Leiter der Kinderklinik vereinbart. Dieser war aber in einer Besprechung.

Foto von Olivia
16.10.1995: Olivias Narbe musste gereinigt werden...

Olivias Narbe musste gereinigt werden. Sie schrie erbärmlich bei der Reinigung mit dem Alkoholtupfer und versuchte, sich schließlich selbst damit abzuwischen. Schließlich übernahm Erika die Prozedur, und alles unter einem Mordsgeschrei von Olivia.
Später konnten wir zum Essen gehen.
Danach kam Prof. Dr. Urbanek hoch und erklärte, nun Zeit für uns zu haben. Wir gingen in ein Schulzimmer. Professor Urbanek wurde von einem Arzt flankiert. Was den unwahren „kurier“-Artikel anging, so gab er an, hätte er gewusst, dass Herr Sellin von einer deutschen Zeitung sei, er ihm keine Erlaubnis erteilt hätte.
Dies war gelogen. Herr Sellin arbeitete immer mit Visitenkarte und auch auf der vorangegangenen Korrespondenz stand immer der Zeitungskopf auf den Schriftstücken. Warum die Pressestelle vom AKH verbreitete, wir hätten einen Reporter eingeschleust, wusste er nicht und gab an, dass ihn dies auch nichts anginge.
Seiner Meinung nach müsste Olivia metastasenfrei sein. Ich wies darauf hin, dass seit der Operation von Olivia noch immer keine weiteren CTs erstellt wurden und man so gar nicht sagen könne, ob sie wirklich metastasenfrei sei. Würde aber ein CT zeigen, dass der große Fleck innerhalb der Leber, der bis dato als vorgedrungener Wilmstumor interpretiert wurde, verschwunden war, so wäre dies für mich sehr beeindruckend. Wann also sollten die nächsten CTs erstellt werden, wollte ich wissen.
Plötzlich gaben beide Ärzte gleichzeitig unterschiedliche Antworten. Der begleitende Arzt gab „innerhalb der nächsten 14 Tage“ an, Prof. Dr. Urbanek hingegen „am Ende der Therapie“, also Mitte oder Ende März. Professor Dr. Urbanek meinte weiter, dass der Fleck trotzdem noch sichtbar sein könnte. Dies begründete er wieder mit einem seiner unmöglichen Beispiele: Ich solle mir einen zusammengedrückten Schwamm vorstellen. Dieser würde nach der Druckentlastung noch immer teilweise verdichtetes Gewebe aufweisen und somit würde dies auch ein CT an der Leber sichtbar machen können. Aber man wolle Olivia mit weiteren unnötigen CTs nicht noch mehr mit Strahlung belasten.
Man wurde wirklich für dumm verkauft. Ich glaubte ihnen gar nichts. Ich verließ mich auf meine Menschenkenntnis und die sagte mir, dass ich gerade belogen wurde. Meine Zweifel ließ ich mir aber nicht offensichtlich anmerken, sondern setzte nach. Olivia wurde jeden Morgen Blut abgenommen und im Labor auf Leukozyten und Verschiedenes mehr untersucht. Frau Dr. Slavc erklärte mir, in Olivias Blut wären noch ca. 10 Millionen Krebszellen vorhanden, die nun durch die Chemo bekämpft werden müssten. Nun wollte ich wissen, ob das Blut auch auf Krebszellen hin untersucht werde. Wie ein Lehrer, der seinen nicht immer aufmerksamen Schüler belehrt, erklärte Prof. Dr. Urbanek: „Nein, nach Krebszellen werde nicht gesucht, diese könnten gar nicht bei Wilmstumor nachgewiesen werden. Lediglich bei Leukämie gelänge dies.“
Professor Urbanek sah sich bemüßigt, mir das schulmedizinische Bild der Metastasenbildung zu erläutern: Die Theorie, so Prof. Dr. Urbanek, besage, dass sich irgendwo in Nischen der Organe Krebszellen festgesetzt haben.
Und für diese Theorie sei diese schwere Chemotherapie gerechtfertigt, fragte ich. Ja, sie sei international gleich, erwiderte Prof. Dr. Urbanek.
Noch eine Spezialfrage musste ich loswerden. Olivia schwitzte vor Beginn der Chemotherapie des Nachts so stark, dass wir ihr oftmals den Pyjama wechseln mussten. Auch roch ihr Schweiß ganz typisch. Laut Dr. Hamer war dies TBC in der Heilung des Leber- bzw. Nierensammelrohrkrebses. Seit der Chemo war diese Erscheinung schlagartig verschwunden. Wie erklärte sich dies Prof. Dr. Urbanek? Seines Wissens könnten Kinder in der REM-Phase (Abschnitt während des Schlafes, in dem stark geträumt wird, rapid-eyes-movement) sehr viel Schweiß produzieren. Sonst hätte er keine Erklärung.

Was sollte ich mit solch einem Ausweichen anstellen. Ich konnte es nur aufzeigen. Ein leitender Arzt einer Kinderklinik, der zugab, keine Krebszellen finden zu können, trotzdem aber die Chemo verabreicht und der die Symptome einer TBC bei einem Kind nicht kannte!

Ich wollte heimfahren, als Silvia mich anrief und von einer öffentlichen Diskussion mit Dr. Stacher im Kulturzentrum Ebreichsdorf berichtete. Sie wollte sich dies anhören. Ich erklärte mich bereit, und auch ihr Mann Thomas kam mit.
Wir kamen gerade zur Eröffnung der Diskussion in den Saal herein, als die Sprecherin als den Grund der Diskussion den aktuellen Fall Olivia Pilhar anführte und mich im selben Moment erblickte. Das Staunen der Podiumsteilnehmer war groß.
Dr. Stacher bezeichnete die Neue Medizin als Glaubensgemeinschaft und hielt einen uninteressanten, mit Behauptungen und Unwahrheiten über angebliche Erfolge der Schulmedizin gespickten Monolog von über einer Stunde.
Die beliebteste Lüge der Schulmediziner: „Es ist uns mit besseren Medikamenten und einer besseren Diagnostik gelungen, die Lebenserwartung der Menschen zu verdoppeln.“
Absoluter Schwachsinn! Epidemiologen belegen eindeutig, dass die höhere Lebenserwartung auf Hygiene, bessere Arbeitsbedingungen etc. zurückzuführen ist und gerade im Gegenteil dort, wo größere Ärztedichte herrscht, die Lebenserwartung rückläufig ist. Gegen jede noch so einfache Epidemie, wie Schnupfen etc. ist die Schulmedizin machtlos und muss abwarten, bis sie von selbst wieder zum Erliegen kommt. Siehe Buch von Autor Ivan Illich.
Später kam ich zu Wort und hielt Stacher vor, dass die Schulmedizin aufgrund ihrer statistischen Erfahrungen lediglich dem Patienten sagen könne, zu so und so viel Prozenten komme er durch und sie glaube oder vielmehr sie hoffe, dass auch er zu dieser Erfolgsquote zählen werde. Die Schulmedizin ist somit nicht weniger eine Glaubensgemeinschaft.
Stacher gab zu, dass Teile der Neuen Medizin als richtig anzuerkennen seien. Doktor Hamer wäre aber ein Mensch, mit dem man nicht reden könne. Ich machte Stacher den Vorwurf, Dr. Hamer eines auswischen zu wollen und somit wertvolle Erkenntnisse dem Patienten vorzuenthalten.

Der Vortrag war eine Lobhudelei auf die Schulmedizin. Es war deutlich zu erkennen, dass die sogenannte Komplementärmedizin zu einer Farce gemacht wurde, denn Nebensächlichkeiten durften homöopathisch behandelt werden, dann aber musste der Schulmedizin das Feld überlassen werden. Erst wenn diese wieder versagte, konnte wieder die Homöopathie zu Hilfe gerufen werden. Dann aber bestand bereits seitens der Schulmedizin kein weiteres Interesse an dem Patienten.
Wir gingen vorzeitig. Es war einfach zu langweilig. Das Thema der Diskussion war „Scharlatanerie“. Den Spaß, über die Neue Medizin herzufallen, hatte ich aber vermutlich Dr. Stacher verdorben.

Es kam noch zu einer Aussprache mit Silvia und Thomas. Ob sie verstanden hatten, dass ein Psychiater uns lediglich offiziell ausschalten sollte?

Am vergangen Wochenende fand in Deutschland ein Kongress des „Weltfundaments für Naturwissenschaft“ in Lindau statt. Frau Dr. Marcovich und auch Dr. Hamer kamen dort zu Wort. Doktor Hamer erhielt drei standing-ovations.

Mein Ziel war es nun, irgendwie zu weiteren CTs von Olivias Leber zu gelangen oder zumindest den Umstand des Nichterstellenwollens weiterer CTs seitens der Ärzteschaft zu veröffentlichen. Dazu konnten mir die Medien dienlich sein.
Es war wirklich grotesk. Als wir mit Olivia von der Wr. Neustädter Klinik in das St. Anna-Kinderspital übersiedelten, hatten wir alle erdenklichen CTs und Röntgenbilder von Wr. Neustadt mitgenommen. Im St. Anna-Kinderspital wurden sie ein weiteres Mal erstellt. Man erklärte uns, die Serie aus Wr. Neustadt sei nicht professionell angefertigt worden.
Heute wissen wir, dass das Erstellen von CTs und dergleichen eine einträgliche Einnahmequelle für jede Klinik darstellt, und diese Untersuchungen, egal ob sie der Patient bereits hat oder nicht, egal ob er schon x-fach mit der Strahlendosis belastet wurde oder nicht, einfach gemacht werden. In der zur Zeit laufenden politischen Diskussion um Einsparungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen wurde gerade dieser Punkt des ewigen Neuerstellens von Untersuchungsbildern bei Überstellung eines Patienten in ein anderes Krankenhaus von Abgeordneten heftig kritisiert. Damals war die wiederholte CT-Erstellung bei Olivia überhaupt kein Thema. Aber bereits damals im St. Anna-Kinderspital war der faustgroße Fleck in der Leber erkennbar. Allein von den Abmessungen her passte er in keiner Weise mit dem noch „kleineren“ Wilmstumor zusammen.

Andererseits sahen wir bei den Kindern der Station im AKH, dass die Ärzte regelrecht mit einem dichten Raster an CT-Terminen, auf ständiger Metastasenjagd waren. Nur bei Olivia schien sie dies nicht zu interessieren! Ein noch immer vorhandener Fleck in der Leber hätte mit einem Schlag ihre Erklärung vom 6-Liter Wilmstumor über den Haufen geworfen, das wussten sie.

Allein der Umstand, dass Olivia zusätzlich zum Wilmstumor einen Leberkrebs hatte, würde die schulmedizinische Erklärung von „anfänglich über 90%“ Heilungserfolg als blanke Lüge entlarven! Ein Kind mit Wilmstumor und Leberkrebs hat meines Wissens laut Schulmedizin nicht einmal 10% Aussicht auf Heilung. Und ein Kind mit dieser schlechten „schulmedizinischen“ Prognose einer Zwangschemopseudotherapie auszuliefern, kommt einem Mord gleich!
Das ist meine persönliche Überzeugung.
Sie wollten nicht mit weiteren CTs Beweismaterial schaffen!

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Dienstag, 17.10.1995:

Morgens aufzustehen, fiel mir immer schwerer. Ich hatte kaum mehr Kraft. Der erste Gedanke war immer, ob heute ein Termin eines Psychiaters auf mich wartete oder ob vielleicht gar schon die Polizei kommen werde, um mich zwangsvorzuführen! Oder stand irgendein Gerichtstermin bevor, oder wird die Post wieder irgendeinen Gerichtsbeschluss überbringen?
Aber was sollte es schon. Irgendwie konnte man sich immer noch Zeit für eine entsprechende Gegenreaktion verschaffen. Man hatte Zeit, auch wenn es nur Tage waren. Ich fühlte mich gehetzt. Wir wurden psychisch unter Dauerstress gehalten. Man stellte uns Fallen. Einen Termin beim Psychiater um den anderen. Wir mussten uns winden, um diesen zu entgehen. Ich sah bereits den Zeitpunkt näher rücken, an dem ich vor Gericht einem Psychiater gegenübersitzen und jede Aussage verweigern müsste. Dann aber brauchte ich Zeugen, die meine Aussageverweigerung bestätigen konnten, denn sonst würde trotzdem ein Gutachten erstellt werden. Staatlicher Psychoterror!
Elisabeth hörte man durchs ganze Haus spielen. Ein Kind, mein Kind! Wie lange noch wird Elisabeth mein Kind sein?
Das Telefon läutete diesen Morgen bereits zum dritten Mal. Gott sei Dank gab es die Technik und einen Anrufbeantworter. Vom Bett aus hörte ich das Läuten, konnte aber nicht hören, wer darauf sprach. Was ist, wenn Erika meine Hilfe benötigt, schoss es mir durch den Kopf und sogleich sprang ich aus dem Bett und hörte den Anrufbeantworter ab. Alle Anrufe kamen von der Presse...
Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen und setzte einen Kaffee auf. Elisabeth hatte mir bereits Gebäck an den Frühstückstisch gebracht. Liebe, kleine Elisabeth. Was hast Du nur für einen Vater, der so wenig Zeit für Dich aufbringen kann.
Oft trinke ich morgens nur Kaffee und rauche eine oder zwei Zigaretten, ohne auch nur einen Bissen zu mir zu nehmen. Für mindestens 20 Minuten verharre ich dann völlig gedankenverloren am Tisch. Das brauchte ich seit jeher, sonst war ich nicht ansprechbar. Erst nach der Toilette konnte mein Tagwerk beginnen.
Für diesen Tag hatte ich mir den Presseordner zum Ergänzen vorgenommen. Bis Mittag war ich damit beschäftigt. Mit der Post erhielt ich ein Schreiben von meiner Rechtsschutzversicherung. Man will mir die Rechtsanwaltskosten nicht ersetzen. War es anders zu erwarten? Man schließt doch heute nur mehr Versicherungen ab, damit man sich dann im Ernstfall noch zusätzlich wegen der Nichtleistung der versprochenen Versicherungsdienste ärgern und eventuell noch interessiert die Begründung der Nichtleistung studieren darf! Es kommt immer einer Befriedigung gleich, zu erfahren, auf welche Art und Weise man wieder hereingelegt wurde.

Eine Versicherung und das Lotteriespiel haben eines gemeinsam: Beide kommen einer Deppensteuer gleich.

Wie hoch wohl meine bisherigen Anwaltskosten sein würden? Ich wusste es nicht. Jetzt sah es so aus, als müssten unsere Bausparverträge für die Anwaltskosten herhalten. Was soll es? Irgendwie war ich auf unvorhergesehene, zusätzliche Belastungen gefasst und wegen einer finanziellen Angelegenheit ließ ich mich schon gar nicht aus der Bahn werfen.

AKH:
Im Garten hatte ich ein paar Filmminuten mit den Kindern aufgenommen um diese dann Olivia im Krankenhaus vorspielen zu können. Es kam gut bei ihr an. Erika hatte an diesem Tag bereits ein Tief hinter sich. Sie sehnte sich ein Ende dieser Zwangsinhaftierung herbei. Wir mussten unbedingt zu einer fixen Regelung kommen, wer, wann bei Olivia sein sollte.
Olivia erhielt heute wieder die Chemo. Sie wog 21,2 kg. Veronika fuhr diesmal mit nach Hause und während der Fahrt erzählte sie mir von dem Terror meiner Schwester Silvia gegenüber meinen Schwiegereltern in der Zeit von Spanien.

Bezirkshauptmannschaft:
Auf mein Schreiben vom 11.10.95 wurde mir geantwortet, dass

das Besprechungsprotokoll vom 27.7.95 dem Bezirksgericht vorgelegt wurde. (Das stimmte. Frau Dr. Rostovsky irrte. Es gab dieses Schreiben bereits in meinem Besitz, nur unterfertigte dies keine Kinderpsychologin.)
gemäß §17 AVG mir keine Akteneinsicht gewährt werde.

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Mittwoch, 18.10.1995:

Der morgendliche Kampf um das Aufstehen war um nichts besser geworden. Meine Motivation, gegen diese Übermacht weiterzukämpfen bezog ich lediglich aus dem Wissen, menschlich gesehen, Recht zu haben. Was hier mit uns getrieben wurde, war Unrecht. Unangemeldet erschien ich auf dem Gericht und erbat das Protokoll der letzten Pflegschaftsverhandlung. Es wurde mir auch sofort ausgehändigt.

Des Öfteren sprachen mich Menschen von der Straße wegen Olivia an. Die meisten hatten die Informationen der Medien, welche oft den Gesundheitszustand von Olivia als regelrecht fabelhaft hinstellten.
Ich versuchte entsprechend zu berichtigen. Olivia litt an fürchterlichen Schmerzen in der Bauchgegend und musste sich oftmals übergeben. Des Nachts war sie ständig munter und jammerte. Sie konnte nicht mehr normal gehen, und es war ihr nicht möglich, einen Stift wie früher in den Fingern zu halten. Auch war sie depressiv.

Es war eine typische Vorgehensweise der Medien erkennbar. Olivias Zustand in Deutschland und Spanien wurde als lebensbedrohend hingestellt. Wir Eltern wurden verdammt, unsere Tochter derart leiden zu lassen.
Jetzt litt Olivia um ein Vielfaches mehr, und niemand fand etwas daran auszusetzen, zumal dies von den Medien und Ärzten immer auch beschönigt wurde. Schmerzen in einer natürlichen Heilung zu haben, wurde als unmenschlich hingestellt, Schmerzen in der schulmedizinischen Vegiftungstherapie schienen allgemein akzeptiert zu werden. Es war pervers!
Es wurde mit keinem Deut der Umstand hervorgekehrt, dass bei einer natürlichen Heilung keine, bei dieser Pseudotherapie aber schwerste Nebenwirkungen zu erwarten waren.

Von der Apotheke besorgte ich die von Dr. Leibold verschriebenen homöopathischen Mittel und brachte sie nach Grünbach zu meiner Mutter, damit sie diese bei ihrem Besuch Olivia mitbringen konnte. Wieder wurde eine Diskussion ausgelöst. Meine Eltern warfen mir vor, ich würde dauernd den Tod von Olivia prophezeien. Ich entgegnete, dass sie selbst, eigentlich aber die Schulmediziner damit begonnen hätten, als wir Olivia noch bei uns hatten.
Jetzt aber, bei einer 92%-igen Mortalität der Therapie, von sicherer Heilung zu sprechen, wäre Schwachsinn.

Vor ein paar Tagen hatte ich die Rechnung der Anwaltskanzlei Wegrostek erhalten, und da mir die Forderung unangemessen erschienen war, zählte ich in einem Retourschreiben alle Verfehlungen der Kanzlei auf und bat um entsprechende Reduzierung des Honorars. Nun kam wiederum ein Schreiben dieser Kanzlei. Darin wies Dr. Wegrostek sämtliche Vorwürfe zurück, ließ aber einen gewissen Betrag aus seiner Honorarforderung nach.

Herr Sellin von „bild am sonntag“ sicherte mir zu, ein Protokoll über den Hergang seiner erhaltenen Erlaubnis von Prof. Dr. Urbanek zuzuschicken. Auch sein Chef fand es eine Sauerei, im Nachhinein Tatsachen derart zu verdrehen. Auch die Redaktion könne den Vorwurf, auf fahrlässige Weise zu dem Bildmaterial gelangt zu sein, nicht auf sich sitzen lassen. Sie werden rechtliche Schritte gegen den, am 3.10.95 erschienen „kurier“-Artikel unternehmen. Auch gegen die „kronen“-Zeitung, die am 2.10.95 von „bild am sonntag“ gestohlene Bilder veröffentlichte, würden sie vorgehen.
Somit brauchte ich mich mit der rechtlichen Angelegenheit gegen diese beiden österreichischen Tageszeitungen nicht weiter zu befassen.

AKH:

17. Medizinisches Bulletin:

Die stationäre Behandlung des Mädchens gestaltet sich planmäßig. Die Gaben von zytostatischen Medikamenten (gegen Krebs) werden toleriert. Olivia wird zusätzlich regelmäßig physiotherapeutisch behandelt. Ihre einerseits von der Grunderkrankung her, andererseits auch von der zytostatischen Therapie kommende Appetitlosigkeit hat sich nicht gebessert. Eine zusätzliche Ernährung mit Hilfe von Infusionen und Magensonde ist erforderlich. Obwohl Olivia darüber nicht sehr glücklich ist, ist diese Art der Kalorienzufuhr unbedingt von Nöten.
Olivia besucht regelmäßig unsere Klinikschule und hat auch schon erste Spaziergänge zum Spielplatz in unserem Garten mit ihren Eltern gemacht. Wiederholte Gespräche mit den Eltern und Familienangehörigen finden zur Aufarbeitung der Krankheitsproblematik statt.
Univ. Prof. Dr. R. Urbanek

„ ... einerseits von der Grunderkrankung her, andererseits auch von der zytostatischen Therapie kommende Appetitlosigkeit hat sich nicht gebessert.“

Ein jämmerlicher Versuch, Olivias Appetitlosigkeit nicht zur Gänze der Pseudotherapie zuweisen zu wollen! Olivia war vor der Zwangstherapie in der Heilungsphase und hatte entsprechenden Appetit. Sie aß und hatte normalen Stuhlgang. Sie war zugegebenerweise von der Krankheit und den Strapazen der Flucht her ausgemergelt, das war sie nun vermehrt.
Damals aber konnte sie essen, heute nicht mehr.

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Donnerstag, 19.10.1995:

Am Morgen erhielt ich einen Anruf einer Frau aus Wr. Neustadt. Sie war bei dem Vortrag von Dr. Hamer in Deutschland gewesen. Sie informierte mich über ein angeblich wunderbares Krebsmittel, welches aus einer, in Peru wachsenden Liane gewonnen und als Tee verabreicht werde. Ich sollte zu einer Bekannten von ihr nach Wr. Neustadt kommen und diese werde mir diesen Tee zur Verfügung stellen.
Bevor ich mit Elisabeth und Veronika nach Wien fuhr, machte ich einen kurzen Abstecher zu dieser Dame.
Es war ein Arzt aus Peru anwesend, der über unsere Geschichte gut Bescheid wusste. Mir fiel das kürzlich von mir gelesene Buch „Die Prophezeiungen der Celestine“ ein, verkniff es mir aber, ihn danach zu fragen. Wir konversierten auf Englisch, und obwohl ich nicht sehr bewandert in dieser Sprache bin, konnte ich trotzdem alles verstehen. Verwundert registrierte ich diesen Umstand nebenbei. Er erklärte mir, wie ich mit Olivia Bewegungsübungen, Massagen usw. vollführen sollte. Dafür gab er mir mehrere ätherische Öle mit. Er hatte ein ruhige und interessante Ausstrahlung auf mich.

AKH:
Für heute war ich an der Reihe, bei Olivia zu bleiben.

Gespräch mit Dr. Zevaluschi:
Ich fragte ihn, wann nun die nächsten CTs bei Olivia erstellt werden sollten. Er zeigte mir das internationale Chemoprotokoll und sagte, dass laut diesem das nächste CT am Ende dieses Therapieblockes, also in rund 8 Wochen erstellt werden solle.
Ich bat ihn, uns zweifelnden Eltern doch insofern zu helfen, CTs erstellen zu lassen, damit wir uns davon überzeugen könnten, dass kein Fleck mehr in der Leber vorhanden wäre.
Er meinte, er sei nicht dazu verpflichtet, Eltern von der Therapie zu überzeugen, und außerdem liege dies nicht in seinem Zuständigkeitsbereich. Der eigentliche Grund für dieses Gespräch war das baldig zu erwartende Infektionsrisiko bei Olivia. Voraussichtlich nächste Woche sollten die Leukozyten auf einen gefährlichen Tiefstand fallen, sodass die Besucheranzahl auf maximal zwei reduziert und zusätzlich das Tragen von Mundschutz vorgeschrieben werden müsste.
Dem Arzt war dieses Gespräch natürlich nicht angenehm, und die nächstbeste Gelegenheit nützte er, um diesem zu entkommen.

Foto von Olivia
19.10.1995: Olivia - gezeichnet von der Chemo

Olivia:
Sie war natürlich untröstlich, dass Erika heimfuhr, aber als ich mit ihr alleine war, hatte sie bald wieder eine gute Stimmung. Bis 22:00 Uhr sahen wir fern. Die Nacht war schrecklich. Olivia erbrach viermal und machte auch während eines Erbrechenskrampfes ins Bett. Ich rief jedes Mal die Schwestern.
Für sie war dies nichts Besonderes. Sie schienen einfach ihren Job erledigen zu wollen.
Irgendwie kam es mir komisch vor, Olivia auch während der Nacht so massiv über die Magensonde zu ernähren. Es war auch tatsächlich zu beobachten, dass bei Rücknahme der Nahrungsmenge auch Olivias Übelkeit geringer wurde. Ruht der Magen nicht während der Schlafenszeit? Wussten dies die Ärzte nicht, oder war dies nur ein weiteres Zeichen ihrer Ignoranz? Mit dem ständigen Piepsen der Geräte, dem Erbrechen Olivias und den ständigen nächtlichen Besuchen der Schwestern konnte von einem erholsamen Schlaf nicht mehr gesprochen werden. Im Durchschnitt war Olivia, und somit auch ich, mindestens einmal pro Stunde wach. Was musste Erika bereits durchgemacht haben?

Foto von Olivia und Erika
19.10.1995: Was wäre mit Olivia gewesen, hätte Erika ihr nicht beigestanden?



Feitag, 20.10.1995:

Der Spuk des ständigen Erbrechens war am Morgen vorüber, und Olivia erbrach auch während des ganzen Tages kein weiteres Mal mehr. Eine feste Nahrungsaufnahme verweigerte Olivia aber konsequent. Sie aß und trank überhaupt nichts.

Am Nachmittag kamen immer unzählige Besucher. Olivias Hauptbeschäftigung war Fernsehen.
Die kommende Nacht verlief genauso wie die vorangegangenen. Olivia erbrach wieder im Stundentakt. Warum diese Prozedur?
Die Krankenhausroutine verlief ruhig. Auf Diskussionen mit Schwestern ließ ich mich nicht ein.

Telefonat mit meinem Chef:
Er relativierte die Aussicht auf einen Wiedereintritt mit der im Frühjahr zu erwartenden Auftragslage. Mein Arbeitsplatz war mittlerweile besetzt worden, und man war mit der getroffenen Wahl durchaus zufrieden.
Das Gespräch war kurz und kühl. Für mich war gut verständlich, dass meine Firma froh war, mich los zu sein. Sie hatten im AKH seit Jahren einen Dauerauftrag, der eine Menge Arbeiter und Angestellte beschäftigte.



Samstag, 21.10.1995:

Telefonat mit Dr. Martin Zimper:
Ein deutscher Produktionschef war in Wien angekommen und wollte mit uns sprechen.

Telefonat mit Herrn Mag. Rebasso:
Gestern wurde mit Dr. Martin Zimper ein Vorvertrag aufgesetzt. Die Vertragspartner wären bereit ÖS 500.000,- zu zahlen. Wir vereinbarten ein Treffen aller gegen 15:00 Uhr im Cafe.

Filmbesprechung im Café:
Teilnehmer: Dr. Martin Zimper und sein Anwalt, Herr Malmedy von „ARENA-Film GesmbH“, unser Anwalt Herr Rebasso, Erika und ich.
Das Vorvertragskonzept wurde allen unseren Wünschen entsprechend angepasst. Den Namen Dr. Hamer im Film zu verwenden, obliege alleine dem Sender.
So lange am Drehbuch gearbeitet werde, könnten wir aktiv Einfluss nehmen. Ab Drehbeginn wäre dies nicht mehr möglich.
Alle hatten Sorge, dass bald irgendein anderer Sender die Story ankündigen könnte, deshalb wurde auf eine Entscheidung bis spätestens kommenden Montag gedrängt. Immer wieder hörten wir die unterschwellige Drohung, auch ohne uns einen Film machen zu wollen.

Besuch bei Familie D.:
Mit ihnen über Ereignisse und Situationen sprechen zu können, tat mir ungemein wohl. Auch das Filmthema wurde erörtert, und ich fasste den Entschluss, unsere Mitarbeit zu verweigern. Meine Vermutung war, dass der Film aller Voraussicht nach eine Lobhudelei auf die Schulmedizin werden sollte. Sogleich rief ich Erika im AKH an und fragte sie nach ihren Entschluss. Auch sie erklärte, nicht an diesem Projekt mitarbeiten zu wollen. Sie vermutete, dass wir Eltern im Film als Psychopathen dargestellt werden sollten, so dass ein offizielles Gutachten überflüssig werden würde.
Für uns beide war die Gefahr einer Verfälschung der Geschichte zu groß. Ein negativer Film könnte außerdem die Neue Medizin für Jahre zurückwerfen.



Sonntag, 22.10.1995:

Treffen mit Herrn Rebasso:
Herr Rebasso fand unsere Entscheidung, das Filmprojekt abzulehnen, unklug, akzeptierte sie aber und half mir, ein Schreiben an die Filmgesellschaft aufzusetzen. Seiner Meinung nach entginge uns damit die Möglichkeit, aktiv an einer korrekten Darstellung der Begebenheit mitzuwirken, und es würde uns eine schöne Stange Geld entgehen.
Dass das Filmprojekt auch ohne unser Mitwirken durchgeführt werden könnte, war anzunehmen, aber nicht sicher. Immerhin hätten wir noch einige juristische Möglichkeiten, diesem entgegenzuwirken, und um Geld war es uns nie gegangen. Sollte der Film trotzdem gemacht werden, würde er sicher inkorrekter die Story wiedergeben.
Es war ein Für und Wider, und ich war mit diesem Problem auch überfordert, so dass mir einmal unser Nichtmitwirken, das andere Mal wieder unser Mitwirken am Film erfolgversprechend und vor allem schadensminimierend erschien.

Alles in allem erfüllte mich aber Zorn über die Unverfrorenheit dieser Filme- und Geschäftemacher, die uns Eltern in dieser schwierigen Situation mit zusätzlichen Problemen konfrontierten.

Foto von Olivia
Olivia am 22. 10.1995

AKH:
Hildegard kam mit ihrer Familie zu Besuch. Sie war wegen des Gesundheitszustandes von Olivia zutiefst traurig und dem Weinen nahe. Sie fasste sich jedoch wieder und wir führten ein längeres Gespräch im Café.

Später im Krankenzimmer ereignete sich folgender Vorfall: Ich filmte gerade, als eine Schwester ins Zimmer kam und Olivias steril gehaltene Ventile des Herzkatheders offenlegte. Diesen Vorgang nahm ich auf. Die Schwester dürfte angenommen haben, dass sie gefilmt wurde. Etwas später, ich filmte gerade Olivias Fußauftritt beim Gehen am Gang der Station, kam ein etwas älterer Arzt auf mich zu und sprach mich darauf an, ja nicht die Schwester zu filmen. Ich räumte seine Befürchtungen aus und versicherte ihm, sehr wohl über die Wahrung von Persönlichkeitsrechten Bescheid zu wissen und mir diesbezüglich keine weiteren Schwierigkeiten aufhalsen zu wollen. Der Arzt zeigte großes Interesse an meiner technisch hochwertigen Kamera.

Foto von Olivia und Erika
Olivia mit ihrer Mutter am 22. 10.1995

Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia hatte morgens starke Halsschmerzen, und ich hielt sie an, Propolistropfen zu gurgeln.



Montag, 23.10.1995:

Mit der Sorge, welche Probleme der heutige Tag wieder mit sich bringen würde, wachte ich auf. Oft hatte ich das Gefühl, dass innerhalb der nächsten Stunden irgendetwas Schreckliches passieren könnte.
Ich versuchte Ordnung in meine gesammelten Unterlagen und Dokumente zu bekommen. Vormittags wurde der bestellte Laptop geliefert.

Später fuhr ich nach Wr. Neustadt, machte ein paar Besorgungen und fuhr nach Wien ins Café Landtmann weiter. Dort traf ich, wie vereinbart, Frau Stampf von der Zeitschrift „focus“, und wir besprachen das geplante Interview. Anwesend bei diesem Gespräch war Sigrun und Benedetto.
Noch vor meinem Betreten des Cafes erhielt ich einen Anruf des Herrn Malmedy von der „ARENA-Film GesmbH“. Er hatte meine Nachricht, beim Filmprojekt nicht mitwirken zu wollen, erhalten, erzählte, dass „sat1“ einen Film ohne unser Mitwirken produzieren möchte und bat mich noch einmal, in eine Weiterführung der Verhandlungen einzuwilligen.
Ich erklärte mich bereit. Was hätte ich auch sonst tun sollen? Wenn nun eine Filmgesellschaft unsere Geschichte ohne unser Einverständnis verfilmen wollte, so war doch bei der anderen Filmgesellschaft, welche sich um unser Mitwirken bemühte, immerhin eine gute Absicht erkennbar.

Das Gespräch mit Frau Stampf leitete Herr Benedetto. Es wurde eine Vereinbarung getroffen, den Text vor Drucklegung autorisieren zu können.

Telefonat mit Herrn Puschler:
„rtl“ bot mir eine Live-Sendung an, wenn ich Videomaterial von Olivia zur Verfügung stellen könnte.
Natürlich konnte ich. Eine Live-Sendung, in der ich unmanipuliert meinen Standpunkt darlegen konnte, wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Telefonat mit Herrn Dr. Martin Zimper:
Wir vereinbarten einen Termin zur Weiterführung der Filmverhandlung für Nachmittag 17:30 Uhr.

Weiterführung der Filmverträge:
Die Verhandlung verlief äußerst zäh, es wurden aber sämtliche von mir gestellten Bedingungen akzeptiert. Es gab Abschnitte in der Verhandlung, bei denen die beiden Rechtsanwälte, Herr Rebasso und der Rechtsanwalt von Dr. Martin Zimper, langweilige juristische Spitzfindigkeiten ausfechten mussten. Oft warf eine neue Vereinbarung mehrere nicht geregelte Möglichkeiten auf.
Mein Hauptanliegen war, dass Olivias Entschädigung von ÖS 300.000,- nicht in Herrn Hofrat Maradys Hände fallen durfte, damit dieser entstandene Kosten von Sicherheitsbeamten im Krankenhaus und dergleichen bestreiten konnte und dass wesentliche Schritte von öffentlichen Stellen, wie Behörden, Ärzten und Medien, Eingang in das Drehbuch finden mussten.
Schließlich gelang ein zufriedenstellender Vertragsabschluss.

Erikas Tagebuchnotizen:
Noch immer litt Olivia unter starken Halsschmerzen und konnte nichts essen. Immer wieder klagte sie über Bauchschmerzen und erbrach. Vor allem erbrach sie dann, wenn sie an Infusionen angeschlossen wurde.

AKH:

Gespräch mit Frau Pilhar am Montag, den 23.10.95

Im Gespräch mit der Mutter wurde festgelegt, dass Familie Pilhar keine Aufnahmen des Kindes mit medizinischer Einrichtung bzw. mit medizinischem Personal oder mit anderen Kindern, die sich in Behandlung unserer Klinik befinden, fertigt. Es wurde darauf hingewiesen, dass eine Nichtbeachtung der für uns bindenden Auflagen zu rechtlichen Problemen führen würde, was die Beteiligung der Eltern an der stationären Behandlung von Olivia unnötig gefährden könnte.

Ferner wurde besprochen, dass die Schwester von Frau Pilhar nicht in die Tätigkeit unseres Personals bzw. in die Behandlung von Olivia eingreift, sondern ihre Maßnahmen auf die Beschäftigung von Olivia konzentriert.

Univ. Prof. Dr. R. Urbanek

Die Schwester von Frau Pilhar, Veronika, bereitete den Ärzten kleine Schwierigkeiten. Des Öfteren war sie bei Olivia über Nacht geblieben. Musste nun beispielsweise die Magensonde neu gesetzt werden, so weigerte sich Veronika, ohne Beisein von Erika dies an Olivia vornehmen zu lassen. Das war den Ärzten nicht recht. Sie hätten gerne ihren Job erledigt. Ob nun Olivia mit Gewalt niedergehalten oder mit Beruhigungsmitteln niedergespritzt werden musste, war ihnen primär egal. Ohne künstliche Beruhigung oder ohne Gewalt war Olivia ohne ihre Mutter seitens der Ärzte nicht beizukommen.
Stellten die Ärzte an Olivia Fragen, erhielten sie keine Antwort. Wollten sie Olivia gar körperlich berühren, zog sie sich sofort zurück. Und mussten sie ihr Schmerz zufügen, z.B. beim Lösen des Verbandes, konnte Olivia schreien, als ginge es um ihr Leben.
Olivia ohne Beisein ihrer Mutter zwangszutherapieren, kommt schlichtweg einem Mord gleich.
Die gewaltsame Trennung Olivias von ihrer Mutter in Tulln wäre auch fast schief gegangen. Damals musste um ihr Leben in der Intensivstation des AKH gekämpft werden.
Eine Zwangstherapierung von Kindern ohne Eltern ist tolerierter Totschlag am Kind und aus menschlichen Gründen abzulehnen! Die sog. „ethischen“ Gründe kennen wir ja mittlerweile. Die Ethikkommission, zusammengesetzt aus Ärzten, Theologen und Juristen, vertritt „ihre“ ethische Ansicht und lässt Patienten hierbei nicht zu Wort kommen. Dies ist weltweit (!), sozusagen „international“ geregelt.

Medien

news - OLIVIA: BILDER EINER TRAGÖDIE

Das erste Mal (!) berichtet „news“ wahrheitsgetreu über Olivias Befinden. Wir waren erstaunt.

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Dienstag, 24.10.1995:

Zeitig am Morgen musste ich den mittlerweile getippten Filmvertrag von der Rechtsanwaltskanzlei holen, diesen Erika im AKH zum Unterzeichnen vorlegen und ihn schließlich Dr. Martin Zimper, der im Cafe wartete, überreichen.

Doktor Zimper lernte erstmals Erika kennen. Für uns war es ein eigenartiges Gefühl zu wissen, dass nun ein Teil unseres Lebens verfilmt werden sollte. Herr Dr. Martin Zimper gestand, nun erstmals ein Drehbuch für einen 90 minütigen Film zu schreiben. Erst vor kurzem hatte er sich selbständig gemacht (!). Seines Wissens gab es bisher keine so rasche Verfilmung einer wirklichen Story und noch dazu mit Namensnennung.

Interview der Zeitschrift „focus“:
Mit Frau Stampf war ein gewisser Herr Thielde und ein Fotograf gekommen. Wir trafen sie im Cafe. Frau Stampf ging mit mir zu Olivia, um von ihr ein kurzes Interview zu erhalten, sie wurde aber sofort von mehreren Schwestern hinausgebeten. Frau Dr. Fuiko, Psychologin an der Station, behauptete, dass nur die nächsten Verwandten Olivia besuchen dürften. Ich widersprach, das könne nicht stimmen. Frau Dr. Fuiko bestand aber darauf, und Frau Stampf wollte man sogar den Fotoapparat abnehmen, was sie aber nicht zuließ. Sie ging daraufhin in das Büro des Prof. Dr. Urbanek und erhielt die Auskunft, dass lediglich ausländischer Presse der Zutritt zu Olivia verweigert werde.
Ich ging, um selbst Fotos von Olivia zu machen und traf wieder auf Frau Dr. Fuiko. Sie erklärte, soeben mit Prof. Dr. Urbanek Telefonisch gesprochen zu haben und dass dieser nun ein Schreiben verfassen werde, das jeder Presse, auch der inländischen, den Zutritt zu Olivia verweigern sollte. Damit konnte ich mich einverstanden erklären. Eine einseitige Beschränkung der Presse durch das AKH wollte ich nicht akzeptieren.

Nach dem kleinen Tumult stellte sich die Ursache der raschen Reaktion der Schwester auf die Reporterin, Frau Stampf, heraus. Der Fotograf hatte uns nicht gleich gefunden, und durch sein hartnäckiges Auftreten auf der Station, unbedingt zu unserem Zimmer vorgelassen zu werden, alarmierte er die Direktion des AKH, welche wiederum unkoordinierte Befehle an die Ärzte weitergab.
Während des Zwischenfalls auf der Station hatte Sigrun die nunmehr bei jedem Interview anwesend war, Gelegenheit, mit Herrn Thielde zu sprechen, und sie fand heraus, dass er selbst aus einer Arztfamilie stammte und Dr. Hamer sehr skeptisch gegenüberstand. Sie warnte mich nun, beim Interview entsprechende Vorsicht walten zu lassen. Das Interview fand in einer Hotelhalle in der Wiener Innenstadt statt. Wir wollten kein unnötiges Aufsehen im Cafe des AKH erregen.

Nach dem Interview mit „focus“ hetzten wir zum nächsten Termin mit dem Chef der Zeitschrift „news“, Herrn Fellner, in die Kanzlei unseres Rechtsanwaltes.

Gespräch mit „news“-Chef, Herrn Fellner:
Bis dato hatte „news“ uns, vor allem aber mir persönlich, sehr geschadet, und wir waren gespannt, welches Ergebnis dieses Gespräch nun bringen sollte.
Herr Fellner sprach gekonnt. Erika blieb davon unbeeindruckt und konterte mit starken Vorwürfen. Er wiederum erklärte sich bereit, Raum für eine Klarstellung und mir eine finanzielle Entschädigung für die erlittene Rufschädigung zu zahlen. Herr Fellner gab vor, bei den Behörden zu recherchieren, wie weit diese nun zu ihren diversen Versprechungen aus der Vergangenheit stehen wollten und wollte von uns ein Interview erstellen.
Sein Ziel wäre es, dass Olivia, wie jedes andere Kind, nach Hause dürfe. Er gab vor, uns Eltern in unserem Kampf um unser Kind zu bewundern. Mit der Geschichte um Olivia wolle er nichts verdienen, vielmehr wolle er uns allen Gewinn zur Verfügung stellen. Eine Autorisierung des Textes durch unseren Anwalt wurde vereinbart.

Trotz meiner negativen Erfahrungen mit dieser Zeitung hätte ich Herrn Fellner sofort vertrauensvoll für seine bekundete lautere Absicht herzlich die Hand schütteln wollen und wäre augenblicklich für ein Interview zur Verfügung gestanden, wenn da nicht meine besonnenen Freunde gewesen wären. Ich musste mir selbst eingestehen, leicht beeindruckbar zu sein.

Veronika hatte sich bereiterklärt, die Nacht bei Olivia zu verbringen. Olivia war damit überhaupt nicht einverstanden und war zutiefst beleidigt. Sie verhielt sich unmöglich. Veronika schien überfordert. Aus Erfahrung wussten wir aber, dass lediglich die ersten Minuten der Trennung für Olivia schlimm waren. Etwas später begnügte sich Olivia sehr wohl mit den gegebenen Umständen. Wir hielten den Einsatz von Veronika oder meiner Schwester Michaela bei Olivia ohnehin in Grenzen. Einen Tag gemeinsam verbringen zu können, schien für Erika und mich aber auch unentbehrlich und für unsere Beziehung erforderlich zu sein.

Zu Hause schnitt Erika meine Haare. Zuletzt tat sie dies vor vielen Jahren, als ich sie noch länger trug. Obwohl sie von meinen Wünschen stark abwich, störte mich mein neuer Schnitt kaum. Was bedeuteten mir schon Äußerlichkeiten?

AKH:

Verordnung:

Hiermit wird nochmals festgelegt, dass jeglicher Besuch von inländischen oder ausländischen Journalisten sowie Fotografen bzw. Personen, die die Krankheitsereignisse des Kindes Olivia Pilhar bekannt machen wollen, auf der Station E9 der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde untersagt ist.

Die Eltern dürfen private Aufnahmen des Mädchens ohne Einbeziehung von medizinischen Einrichtungen sowie Personen, die das Kind pflegen oder im Allgemeinen Krankenhaus sich befindenden Patienten, nur zu deren Privatdokumentation machen. Eine Weiterleitung an Dritte, vor allem an die Medien, ohne Einverständnis der Pressestelle des Allgemeinen Krankenhauses ist nicht gestattet.

Eine Verletzung der vereinbarten Bedingungen ist sowohl dem Krankheitszustand des Mädchen Olivia Pilhar als auch der Behandlung desselben Kindes nicht dienlich und daher ausdrücklich untersagt.
Univ. Prof. Dr. R. Urbanek

Über diese „vereinbarte Verordnung“ konnte ich nur schmunzeln. Wer wollte mir verbieten, Fotos meiner eigenen Tochter weiterzugeben? Gegen welche vereinbarten Bedingungen würde ich damit verstoßen? Mit uns wurde nichts dergleichen vereinbart, das AKH glaubte, es diktieren zu können!
Wieso sollte eine „Verletzung der vereinbarten Bedingungen“ dem Krankheitszustand von Olivia nicht dienlich sein? Wenn sich Olivia nicht ausdrücklich gegen eine filmische Aufnahme aussprach und somit angenommen werden konnte, dass sie dies nicht weiter störte, war selbstverständlich klar, dass Aufnahmen keine Therapie, vor allem keine Chemotherapie unterstützen konnten. Würden sie das können, vielleicht hätte man diese dann eingeführt. Grundsätzlich glaube ich, davon ausgehen zu dürfen, dass filmische Aufnahmen weder positiv noch negativ auf die Gesundheit einer Person einwirken, vorausgesetzt, die Person ist mit der Aufnahme einverstanden, was Olivia größtenteils auch war. Erklärte sie sich nicht damit einverstanden, was durchaus auch vorkam und lagen die Aufnahmen in meinem Machtbereich, so stellte ich sie sofort ein. Es gab Zeiten, wo ich sie nicht verhindern konnte.
Um einen Grund finden zu können, warum filmische Aufnahmen die von den Ärzten des AKH verabreichte Behandlung beeinflussen könnten, musste man schon subtiler forschen.
Kurzum, diese Verordnung musste man als Frechheit empfinden, wenn man die Vorgehensweise des AKH uns gegenüber noch nicht kannte. Ich empfand es wirklich nur als Kuriosum, als Ausgeburt eines durch und durch kranken und schuldbewussten Systems.

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Mittwoch, 25.10.1995:

Wegen der Vereinbarung mit „focus“, den Text vor Drucklegung zu autorisieren, waren wir an das Zuhausebleiben gebunden. Verspätet traf endlich das Fax ein, welches ich sofort an Sigrun und Herrn Benedetto weiterleitete. Einiges hatte ich daran auszusetzen und koordinierte eine Korrektur mit Sigrun. Herr Benedetto war leider nicht erreichbar. Den korrigierten Text faxte ich zurück und erhielt eine neuerliche Fassung. Daran fand ich die Überschrift schauderhaft und verfasste im Gegenzug ein Schreiben an die Redaktion, indem ich nochmals an unsere getroffene Vereinbarung, nichts Abwertendes zu schreiben, erinnerte.
Sigrun war über den Artikel nicht begeistert, ich selbst fand ihn nicht so schlecht. Alles in allem war aber das Hin- und Hersenden und Korrigieren des Textes sehr arbeitsintensiv und stressreich.

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Donnerstag, 26.10.1995:

Erikas Tagebuchnotizen:
Bis heute war Veronika bei Olivia. Zu Mittag fuhren wir alle zu ihr ins AKH. Sie war recht gut gelaunt, konnte aber nur zwei Esslöffel Suppe zu sich nehmen. Immer wieder traten diese Bauchschmerzen und das Erbrechen auf.

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Freitag, 27.10.1995:

Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia klagte über Halsschmerzen. Frau Dr. Slavc sprach mit mir über die derzeitige Ernährung von Olivia und riet mir, dass ich sie zu mehr Bewegung animieren sollte. Zwischen 10:00 und 11:45 Uhr ging Olivia regelmäßig in das Schulzimmer auf der Station.
Bauchschmerzen und Erbrechen sind ständige Begleiter geworden. Gegen 21:30 Uhr löste mich Helmut ab.

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Samstag, 28.10.1995:

Erikas Tagebuchnotizen:
Helmut blieb bei Olivia.

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Sonntag, 29.10.1995:

Erikas Tagebuchnotizen:
Gegen 8:30 Uhr war ich wieder im AKH. Olivia hatte laut Helmut die ganze Nacht durchgeschlafen, das Bauchweh schien besser geworden zu sein.
Abends musste sie jedoch nach der Medikamentenverabreichung wieder erbrechen. Gegen 21:00 Uhr erwachte sie, klagte wieder über Bauchschmerzen und erbrach die künstliche Ernährung.

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Montag, 30.10.1995:

Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia war stark depressiv und blieb nur eine halbe Stunde in der Schule.

Dr. Seidl meinte, um die Therapie nicht zu gefährden, müsste entweder die Magensonde tiefer in den Dünndarm hinein verlegt werden oder ein Zugang durch die Bauchdecke geschaffen werden.
Es wurde die Magensonde weiter geschoben. Olivia schrie wie am Spieß.
Zusätzlich zur Ernährung über die Magensonde erhielt sie intravenöse Ernährung über den Herzkatheder. Über diesen wurde ihr auch wieder die Chemo gespritzt.

Man versuchte nicht, Olivia eine Pause zu gönnen. Das Programm musste erfüllt werde, egal wie es Olivia dabei erging, egal wie stark sie unter Bauchschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Halsschmerzen und Depressionen litt.

Foto von Olivia
30.10.1995: Das Programm musste erfüllt werden...
Foto von Olivia
0.10.1995: ... egal wie es Olivia dabei ging

Medien

focus - HEILUNG GEGEN DIE ELTERN

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