Dienstag, 3.10.1995:

Gespräch mit Dr. Leibold:
Es gab nicht viele Ärzte, mit denen man unter diesen Umständen noch normal und ungezwungen sprechen konnte, doch Dr. Leibold war ein solcher. Vor allem aber besaß er große Lebenserfahrung. Er bewunderte unser Durchhaltevermögen, riet aber zu mehr Ruhe. Gegenüber Dr. Hamer war er geteilter Meinung, betreffend seiner Leberdiagnose meinte er nunmehr doch, dass der Kölner Arzt hier irre. Über Olivias Zustand machte er sich ernstlich Sorgen.

Telefonat mit Herrn Puschler:
Er hatte mit der Pressesprecherin des AKH gesprochen und teilte mir nun mit, dass die Leitung des AKH sehr erbost darüber sei, keine Fotos von Olivia für die österreichischen Medien zu bekommen. Unsere Weigerung, diese Fotos auszuhändigen, sei aber unser Recht und dagegen sei das AKH machtlos. Soweit die Auskunft der dazu befragten Rechtsabteilung des AKH.
Ich gestehe, eine gewisse Schadenfreude genossen zu haben.

AKH:
Olivia litt unter spastischer Lähmung an den Händen und Füßen. Die Ärzte bezeichneten dies als Spitzfuß, und als Ursache gaben sie die nervenschädigende Nebenwirkung der Chemotherapie an.
Laut Dr. Hamer könnte hierfür zusätzlich aber auch ein Konflikt des Nicht-Entfliehen- Könnens verantwortlich sein.

Treffen mit Herrn Rebasso:
Herr Benedetto sah, so wie ich, in der Psychiatrisierung eine große Gefahr. Magister Rebasso teilte unsere Meinung nicht so. Er vertrat die Ansicht, dass ein negatives Gutachten im Strafverfahren nicht, aber sehr wohl im Pflegschaftsverfahren gefährlich sein könnte. Ich wurde für morgen instruiert, beim Richter Zak Akteneinsicht zu halten, vor allem aber bei Prof. Ängstler in naher Zukunft ein Privatgutachten erstellen zu lassen. Betreffend das weitere Vorgehen mit der Presse, erklärte sich Sigrun bereit, als Pressereferentin zu fungieren.

Medien

kurier - AUFREGUNG UM BILDER VON OLIVIA: ÄRZTE HATTEN FOTOTERMINE WEGEN INFEKTIONSGEFAHR UNTERSAGT

Über diesen Artikel war ich momentan fassungslos. Es wurde die blanke Lüge verbreitet. Wer log, die Zeitung oder die Ärzte? Warum? Professor Urbanek hatte den Sicherheitsbeamten angewiesen, den Fotoreporter der deutschen Zeitung „bild am sonntag“ in das Zimmer von Olivia reinzulassen. Der Sicherheitsbeamte war die ganze Zeit des Besuches im Zimmer anwesend. Und was hieß „wegen Infektionsgefahr“? Olivia durfte die ganze Zeit Besuche empfangen. Niemand, auch nicht die Ärzte und Krankenschwestern, die Olivia betreuten, hatten bisher Mundschutz oder sonst irgendeine Vorkehrung wegen Infektionsgefahr getroffen. Es hatte bisher überhaupt keine Infektionsgefahr bestanden! Und abgesehen davon, wie hätte es gelingen sollen, den Fotoreporter in das Zimmer einzuschleusen? Rund um die Uhr war doch ein Wachbeamter vor der Tür zu Olivias Krankenzimmer abkommandiert. Es war unmöglich, unbemerkt am Sicherheitsbeamten vorbeizukommen!
Der Artikel war eine gemeine Revanche dafür, dass wir die ersten Fotos von Olivia an eine deutsche und nicht an eine österreichische Zeitung weitergegeben hatten.



Mittwoch, 4.10.1995:

Telefonat mit Frau Hildegard:
Sie rief fast täglich an und erkundigte sich nach Olivias und unserem Befinden. Sie sprach uns Trost und Zuversicht zu, und oft konnte sie mich durch ihren Optimismus wieder aufrichten. In einem früheren Schreiben hatte sie uns mitgeteilt:

Keine Entdeckung der letzten Jahrhunderte erreichte dieses gigantische Ausmaß, wie die 5 biologischen Naturgesetze. Doktor Hamer wurde für diese Entdeckung auserwählt, sichtbar an den 8 (!) Mordanschlägen, die er jedes Mal überlebt hat. Mein Nachbar, der Internist W., sagte zu mir: „Wenn Dr. Hamer recht hat, dann sind wir Ärzte ja alle Mörder!“ Wenn der Internist die Sache so sieht ...

Trotzdem kann und darf es nicht sein, dass die Schulmedizin die dräuenden Schatten der Erinnerung an Auschwitz, Birkenau und Dachau wiedererweckt!
Aber auch schon Ärzte wie Ignaz Semmelweis und Wilhelm Reich wurden als Wahnsinnige hingestellt und erst spät rehabilitiert. Tausende von Müttern mussten noch sterben, bis die Schulmediziner einsahen, dass Semmelweis recht hatte und sie tatsächlich selbst das Problem waren, da sie durch ihr noch sorgloses, wenn nicht sogar trotziges Tun, erst die, in dieser Situation lebensgefährlich gewordenen Erreger, an das Wochenbett brachten.
Und genau so ist es eben heute mit den iatrogenen63 Folgen. Auch kann man sich manchmal des Eindruckes nicht erwehren, dass durch die weltweiten Massenmedien eine gedankliche Beeinflussung ohnegleichen versucht wird. (Das Feuerwasser den Indianern - den Österreichern manch Fernsehprogramm) Trotzdem kommt zunehmend mehr und mehr Klarheit an den Tag: „Nie wurde das Prinzip von Ursache und Wirkung so greifbar!“
Doktor Hamer mit seiner Neuen Medizin bringt uns:

die gesundheitliche Freiheit
die totale soziale Verbesserung
die natur- und gesellschaftspolitische Verbesserung

Dies alles zu unterdrücken, kommt einer unerhörten Menschenverachtung gleich! Wie oft schlagt ihr Jesus noch ans Kreuz?
Die Neue Medizin ist der Schlüssel zum Verständnis des Universums und zum Verständnis der Sinnhaftigkeit unseres Lebens - zur inneren Ausgewogenheit - zur LIEBE!
Ich liebe die Neue Medizin über alles - denn ich habe sie begriffen und so viele andere mit mir.
Für alle ist es wichtig,

ihr Projektionssystem zu überdenken
ihr Egodefizit zu überdenken
ihre grenzenlose Macht- und Profitgier zu überdenken
ihre Berührungsängste
ihre Existenzängste
und ihre Profilierungsängste loszulassen und wieder Demut zu lernen!

Die in der „ganze woche“ veröffentlichten Bilder von Olivia schockierten sie und genauso der dazu verfasste Artikel. Für die Redaktion dieser Zeitung war er ungewöhnlich negativ verfasst.

Akteneinsicht bei Richter Zak:
Er ging mit mir in das Zimmer im 2. Stock, wo sich der Akt befand. Dieser hatte bereits einen so großen Umfang, dass er bereits in einem Karton verstaut werden musste. Unser Akt war ein Teilakt von Dr. Hamer. Ich bat den Richter um Hilfe, und er kramte die letzten aktuellen Schriftstücke aus dem Karton hervor. Das wesentliche Schreiben über die Gutachtensbestellung musste er jedoch erst vom Staatsanwalt holen. Er meinte, ich könne dieses Schreiben nicht kopieren, da hierfür die Zeit nicht reiche, der Staatsanwalt brauche es sofort wieder. Ich solle die zwei Seiten abschreiben. Dies war mir eigenartig erschienen, da das Abschreiben ja viel mehr Zeit in Anspruch nehmen musste. Ich konnte auch nicht alles abschreiben, der Richter nahm mir das Schreiben wieder ab. Er war ungeduldig geworden und erklärte, dass dieses Schreiben sowieso bereits zu meinem Rechtsanwalt unterwegs sei. Ich wies auf das Datum. Demnach musste das Schreiben bereits eine Woche auf dem Postweg zugebracht haben.
Der Richter schnitt das Thema des psychiatrischen Gutachtens an, das nun von Prof. Franz-Blasius Pazl erstellt werden sollte, und ich fragte ihn, ob er das Schreiben des Herrn Prof. Friedrich kenne, was er bejahte. Ob es sein könne, dass aufgrund der geographischen Nähe des Psychiaters Prof. Pazl und des Prof. Jürgenssen sich diese besser kennen und mich nun neuerlich eine solche Falle erwarte? Er verneinte und bemerkte, dass die Ärzte ja untereinander nicht einig wären. Ich erwähnte die Geschichte um Prof. Franz-Blasius Pazl, die erzählt, dass er vor Jahren splitternackt auf einem Baum sitzend die Reaktionen der Passanten studiert hätte. Richter Zak kannte diese Geschichte, meinte aber: „Ja, ja! Das ist aber heute vorbei.“
Ich steckte meine Abschrift ein und machte mich unverrichteter Dinge auf den Weg. Vor der Tür fragte ich Richter Zak, ob es wirklich möglich sei, dass die Neue Medizin in einem EU-Land wie Spanien legal und in einem zweiten EU-Land wie Österreich, verboten sein könne. Er bejahte mit dem Beispiel des Canabis, welches bei uns verboten sei, in Deutschland hingegen nun legalisiert werden solle. Trotzdem, so meinte ich weiter, ginge es hierbei ja um Menschenleben. Dies werde er überprüfen, erwiderte er, und schloss unser Gespräch.

Später erst studierte ich die Gutachtensbestellung. Darin lautete es, „... insbesondere ob sie in der gegenständlichen Strafsache das Unrecht ihres Tuns erkennen konnten oder nicht und sohin als Überzeugungstäter eingestuft werden können ... "
Wir empfanden uns weder als Täter, noch Olivia als Opfer, wenn wir nach der Neuen Medizin hätten vorgehen können, noch sahen wir ein, durch unsere Wahl der Neuen Medizin ein Unrecht begangen zu haben.
Liegt denn irgendeine Überprüfung vor, die belegen könnte, dass die Neue Medizin keinen Erfolg versprechen kann?

Gegen Mittag erhielten wir durch die Post die Vorladung des Prof. Pazl zur psychiatrischen Begutachtung. Ich leitete sofort alles meinem Rechtsanwalt weiter. Es zeigte sich, dass durch die Formulierung des Gutachtensauftrags sich folgende Konstellation ergab:
Sollte das Gutachten ergeben, dass wir das Unrecht unseres Tuns erkennen konnten, dann sind wir im Strafverfahren voll dran, konnten wir dagegen unser Unrecht nicht erkennen, dann wären wir im Pflegschaftsverfahren voll dran, denn dann würde der Richter sagen, was sind das für Eltern, die nicht einmal erkennen konnten, ihr Kind gequält zu haben, und wir würden nicht nur das Sorgerecht von Olivia nicht zurückerhalten, sondern wären auch in Gefahr, das Sorgerecht für die anderen Kinder zu verlieren.
Das war wirklich klug eingefädelt. Aber ohne uns!

AKH:
Olivia peinigten starke Bauchschmerzen.
Mein Verhältnis zu meiner Mutter wie auch zu meiner Schwester Silvia, die beide zu Besuch bei Olivia waren, war recht frostig. Mutter litt darunter, das sah man ihr an. Aber wie sollte ich ihr helfen? Für die beiden war Dr. Hamer genau der Scharlatan, den die Medien verbreiteten und kein Argument, dieses Bild zu korrigieren, ließen sie gelten.
Die kommende Nacht durfte ich das erste Mal bei Olivia im Zimmer verbringen.

Ein mir nicht bekannter Arzt kam in das Zimmer und horchte Olivias Bauch ab. Er meinte, die AKH-Leitung versuche nun, mir entgegenzukommen, ich hätte aber bereits früher über Nacht hierbleiben können, Olivia hätte ja auch nach mir verlangt.
Er mutmaßte, dass ich wohl Wichtigeres zu tun gehabt habe und spielte damit auf meine Interviews im Fernsehen an.
Das war typisch. Zuerst wird uns alles Mögliche strikt verboten, und wenn sie es schließlich doch erlaubten, meinten sie, es wäre ein Missverständnis oder dergleichen gewesen. Aber ich ließ mich nicht provozieren und entgegnete gelassen, dass mir erst vergangenen Montag Prof. Urbanek für eine Nächtigung die Erlaubnis gegeben hatte und immerhin auch Olivia zumindest damit einverstanden sein musste, dass nun ich den Platz der Mutter einnehmen sollte.
Etwas später erschien Prof. Horcher. Er brachte ein für Olivia abgegebenes Päckchen. Wahrscheinlich hatte er mit meiner Anwesenheit absolut nicht gerechnet, denn er brachte nur zwei kurze Bemerkungen Olivia gegenüber hervor, drehte sogleich wieder um und verließ das Zimmer.
Gegen 22:00 Uhr schlief Olivia ein, gegen 23:30 Uhr wachte sie wegen Bauchschmerzen auf, erbrach und machte ins Bett, gegen 2:00 Uhr erbrach sie nochmals, ebenso gegen 4:30 Uhr.

Man weiß, dass das Kind vergiftet wird, dass es leidet, und dass die Therapie absolut falsch ist und kann nichts dagegen machen. Mit gebunden Händen muss man der Folter seines Kindes beiwohnen und darf nicht einmal murren, denn sonst wird man mit Gewalt von dem Kind entfernt.

63 iatrogen = durch Ärzte verursacht

Medien

ganze woche - OLIVIA: ‚ICH WÄR SCHON GERN DAHEIM!‘

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Donnerstag, 5.10.1995:

AKH:
Olivia aß zum Frühstück einen Bissen Semmel und ein kleines Stück Birne. Gegen 9:00 Uhr wurde ihr Blut abgenommen, und sie wurde von der künstlichen Ernährung abgeschlossen. Sie hatte gute Laune. Zwischen 9:45 und 10:45 Uhr besuchte sie mit zwei weiteren Kindern die Schule an der Station. Als sie wieder ins Zimmer zurückkam, klagte sie über Übelkeit.
Fast jeden Tag kam Hanni, eine ehemalige Krankenschwester, die nun mit Olivia energetische Körperarbeit betrieb. Sie wirkte auf Olivias Aura durch Handmagnetismus ein, damit Olivias eigene Körperenergien wieder in korrekten Bahnen fließen konnten. Viel verstand ich nicht davon, aber Olivia schien Hanni recht gut zu leiden, und mir war dies besonders wichtig.
Diese Zeit nützte ich für einen Kaffee im Restaurant vis-a-vis, denn der Kaffee an der Station war einfach nicht zu trinken. Das Essen bekam mir übrigens auch nicht, und ich verstand, dass sich Olivia damit doppelt überwinden musste.

Einer der Sicherheitsbeamten war Ägypter, und wir waren einander sympathisch. Er zeigte mir den letzten „news“-Artikel, in dem Fotos von Olivia aus der deutschen „bild am sonntag“ abgebildet waren. Also hatte auch „news“ diese Bilder gestohlen! Über den „kurier“-Artikel vom vergangenen Dienstag konnte der Sicherheitsbeamte nur den Kopf schütteln, so derart verlogen war dieser!
Er wusste vom wirklichen Hergang und bestätigte mir nochmals, dass Prof. Urbanek per Telefon seinen Kollegen angewiesen hatte, den Reporter zu Olivia zu lassen. Damals war er wegen der Dienstablösung hinzugekommen.

Gegen Mittag kam Erika mit den Kindern und brachte für Olivia Selbstgekochtes mit. Es war wirklich erstaunlich, mit anzusehen, wie plötzlich Olivia voll Heißhunger über das Essen herfiel, obwohl sie noch kurz zuvor alle Speisen abgelehnt hatte. Sie aß wirklich viel.
Kurz vor Mittag war die Onkologin Frau Dr. Slavc bei uns im Zimmer gewesen und hatte mir erklärt, dass Olivia wegen ihres Untergewichts morgen eine Magensonde bekommen sollte.
Es war verrückt! Den aufgewärmten Krankenhausfraß brachte ich auch nicht runter. Die Ärzte sollten doch berücksichtigen, dass Olivia, das von ihrer Mutter Gekochte sehr wohl mit Appetit essen konnte. Aber wie sollte ich in meiner Situation mit diesen Ignoranten über derlei, für sie lediglich eine weiter Unwesentlichkeit, diskutieren können?

MENSCH, DU MUSST WIE EINE MASCHINE FUNKTIONIEREN, UND BIST DU NICHT WILLIG, SO GEBRAUCHEN WIR GEWALT.

Um Olivias spastische Lähmung in den Griff zu bekommen, kam regelmäßig nach der Schule eine Physiotherapeutin und versuchte mit einer Haarbürste mit weichen Borsten, Olivias Zehen zu kitzeln und somit die Nerven zu stimulieren.
Auch nahm sie einige Dehnungsübungen mit ihren Beinen und Füßen vor.

Am späten Nachmittag fuhr ich mit den Kindern nach Hause, und Erika blieb wieder bei Olivia zurück.

Bezirkshauptmannschaft:
Unser Rechtsanwalt bat um Klärung wegen

der allfällig entstanden Kosten rund um den Krankenhausaufenthalt von Olivia, wie Bewachung durch Sicherheitsdienst usw.
Nichtbeantwortung seines Schreibens vom 21.9.95

Medien

stern - DIAGNOSE VOM SCHEIN-HEILER, OPERATION UNTER PROTEST

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Freitag, 6.10.1995:

Telefonat mit Erika:
Man hatte Olivia unter vielen Mühen eine Magensonde gesetzt, mehrmals erbrach sie diese wieder. Armes Kind ...

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Samstag, 7.10.1995:

Besuch von Freunden aus Bremen:
Es kamen Vater und Sohn. Martin war körperbehindert, deshalb wollte ihn sein Vater nicht alleine die weite Reise antreten lassen.
Sie scheuten weder Mühen noch Kosten, um uns persönlich kennenzulernen. Mit knapper Not war Martin der schulmedizinischen Krebstherapie entronnen und ging zu Dr. Hamer. Damals leitete Dr. Hamer noch eine Klinik, welche er dann durch Schikanen seiner Neider schließen musste. Martins Leidensgefährten, die er damals bei der Schulmedizin kennengelernt hatte und die sich von ihr auch behandeln ließen, waren nun alle tot.

Einem geheilten Hamer-Patienten zu erklären, Dr. Hamer sei ein Scharlatan oder die Neue Medizin sei absolut falsch, käme dem Versuch gleich, einem Mathematikstudenten zu erklären, zwei und zwei sei fünf. Beide würden einen auslachen.

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Sonntag, 8.10.1995:

AKH:
Frau Dr. Slavc konnte der Bitte Erikas, mit der Chemo so lange zu pausieren, bis Olivia wieder bei Kräften sei, nicht entsprechen. Sie erklärte, dass derzeit nach dem Chemoprotokoll für das Stadium II vorgegangen werde, und dass die Chemodosen vor und nach der Operation bereits um die Hälfte reduziert wurden. Diese Reduktion hätte allein sie zu verantworten und tat dies aus der Überlegung, Olivias spastische Lähmung nicht noch weiter zu verschlimmern.
Es sei aber anzunehmen, dass in Olivias Körper noch um die 10 Millionen Krebszellen umher schwömmen, denen man nun den Garaus machen müsse. Auf weitere Bestrahlung könne verzichtet werden, da bei der Operation festgestellt worden sei, dass der Tumor nicht mit anderen Organen verwachsen war, eine feste Kapsel hatte und nur mehr aus 10-35% lebender Krebszellen bestand.
Die Chemo selbst setze sich aus drei Präparaten zusammen, welche in einem Rastersystem (Chemoprotokoll) verabreicht würden. Derzeit wären die Befunde über das Blutbild und die Kreatininwerte in Ordnung.
Allerdings sei Olivias Herzmuskel vergrößert. Dies wurde dadurch erklärt, dass der „Riesentumor“ durchblutet werden musste. Diesbezüglich müsste noch ein Herzspezialist befragt werden, wie die Werte zu interpretieren seien.
Olivia hatte um die 20,8 kg. Frau Dr. Slavc gab Order, dass Olivias Gewicht niemals mehr unter 21 kg fallen dürfe. Wenn Olivia um die 25 kg Gewicht habe, wieder normal essen und gehen könne, könnte sie, medizinisch gesehen, stationär entlassen werden. Vielleicht wäre es in 7 Wochen so weit. Die Ärztin meinte wegen der Lähmungserscheinungen noch, dass vielmehr als die Chemo das ständige Liegen die Schuld trage.
Während der Ausführungen der Dozentin gelang es mir wirklich, den Mund zu halten. Aber ich prägte mir natürlich so viele Aussagen wie möglich ein.
Olivia begleitete mich noch zum Aufzug. Natürlich schritt ihr sogleich ein argwöhnischer Sicherheitsbeamter nach.

Foto von Olivia, Helmut und Erika
8.10.1995: Olivia mit Magensonde

Telefonat mit Sigrun:
Sie erklärte sich bereit, als Pressereferentin für uns aufzutreten. Für kommenden Vormittag vereinbarten wir ein Treffen.

Telefonat mit Frau Taube, „bild“-Zeitung:
Sie wollten unbedingt von Olivia gemalte Bilder veröffentlichen.

Telefonat mit einem Freund aus Deutschland:
Schon öfter hatte er mit uns Kontakt aufgenommen. Diesmal erzählte er ein bisschen mehr über sich selbst. Er war um die 72 Jahre und vor 3 Jahren war ihm seine Frau verstorben. Zur Zeit meditierte er über einem Foto von Olivia, welches ihm zugeschickt worden war. Der alte Mann war Geistheiler und hatte bereits viele Messen für Olivia lesen lassen. Zum Schluss des Gespräches segnete er mich noch.



Montag, 9.10.1995:

Treffen mit Sigrun:
Wir besprachen alle notwendigen Schritte und Vorbereitungen, damit sie ihren Job antreten konnte.

Meine größte persönliche Sorge galt dem angedrohten psychiatrischen Gutachten. Ich musste diesem mit einem Privatgutachten zuvorkommen und da hatte ich eine Idee. Doktor Herz und Prof. Ängstler waren im selben Spital tätig. Wenn nun Dr. Herz als Kenner der Neuen Medizin mit dem Psychiater Prof. Ängstler ein Gespräch quasi unter Kollegen führen würde, so wäre dem Psychiater sicher schneller ein korrektes Bild über den Sachverhalt zu vermitteln, als wenn ich es ihm erklären wollte. Sogleich brachte ich Dr. Herz meinen Wunsch vor und dieser klärte sich auch dazu bereit.

Als ich von meinem Treffen mit Sigrun auf dem Weg zurück auf der Südautobahn unterwegs war, versuchte ich Erika zu erreichen, es hob aber meine Mutter ab. Erika sei gerade mit dem Richter Masizek auf dem Gang bei einem Gespräch, teilte sie mir mit.
Mir gerann das Blut in den Adern, und ich versuchte sofort, Mutter zu überreden, Erika aus dem Gespräch zu mir ans Telefon zu holen. Zu tief saß noch die Angst vor solchen „Gesprächen“ mit dem Richter aus der Tullner Zeit in meinen Knochen. Aber Erika beschwichtigte mich. Es ging lediglich um ein formloses Geplauder.

Telefonat mit Prof. Ängstler:
Mein Freund Sepp hatte ihm bereits meinen Anruf angekündigt. Als ich ihm von der Vorladung des Prof. Franz-Blasius Pazl berichtete, war er bestürzt. Er kannte ihn bereits und ahnte nichts Gutes. Er war damit einverstanden, dass ihm Dr. Herz morgen Vormittag den Gerichtsakt überbringen und mit ihm ein kurzes Gespräch führen sollte.
Nochmals betonte er, dass ein Privatgutachten nicht akzeptiert werden würde und es viel besser wäre, wenn er als Gutachter vom Gericht bestellt werden könnte.

Das Gericht würde mir niemals die Gefälligkeit erweisen und einen von mir vorgeschlagenen Gutachter bestellen, dessen war ich mir sicher. Und ein Privatgutachten wäre immer noch besser als keines. Ich musste damit rechnen, dem gerichtlich bestellten Psychiater zwangsvorgeführt zu werden.
Mein Plan schien aber zu gelingen.

AKH:
Ich hatte die Kinder mit ins AKH genommen. Für 18:30 Uhr hatte ich einen Termin mit einem Herrn Schmier von „plera-film“.

Gespräch mit Herrn Schmier:
Er wollte bereits vor einem Monat mit uns in Kontakt treten, nahm aber davon Abstand, da es ihm verfrüht schien. Aber jetzt, nach den positiven Prognosen über Olivia, sei die Situation eine andere.
Er hatte bereits ca. 12 Filme gedreht, unter anderem auch den aktuellen Streifen „Der Spritzenkarli“ mit Karl Meerkatz.
Er wollte unsere Geschichte verfilmen. Als Autor hätte er einen ehemaligen Psychiater, der seiner Meinung nach für unsere Geschichte sehr geeignet wäre. Ich spitzte die Ohren. Sollte dies eine Falle sein? Auch einen Kinofilm hielt Herr Schmier für möglich.
Er erschien mir aber sehr nervös und machte einen eher unseriösen Eindruck. Mit einem Trivialbeispiel wollte er seine Skepsis gegenüber den Ärzten zum Ausdruck bringen und wohl dadurch mein Vertrauen gewinnen.
Ich erzählte ihm von unseren laufenden Filmverhandlungen, was ihn jedoch nicht irritierte. Auch er meinte, unsere Persönlichkeitsrechte umgehen zu können, indem er unsere Geschichte dahingehend modifizierte, dass sie eben einem Buben aus Salzburg geschehen sei. Dies wolle er aber nicht. Die Tendenz des Filmes könnten wir allerdings nicht mitbestimmen.

Über manche Angebote konnte man wirklich nur den Kopf schütteln.

Es war bereits 21:30 Uhr, als ich mit den Kindern nach Hause kam. Sie waren bereits fest eingeschlafen. Alexander hatte morgen Geburtstag und wünschte sich ein „Lego“.
Die Kinder schliefen im Parterre bei den Großeltern, da ich noch viel für Prof. Ängstler zu kopieren und vorzubereiten hatte.
Erst gegen 2:00 Uhr morgens war ich mit dem Kopieren des Aktes und sämtlicher Unterlagen fertig.

AKH:
Schreiben von Erika an Prof. Dr. Urbanek:

Sehr geehrter Herr Prof. Urbanek!
Nachdem ich fast ausschließlich an der Seite von Olivia bin und daher ihr jeweiliges Befinden am besten beurteilen kann, würde ich Ihnen gerne von Olivia berichten: Nach der letzten Chemotherapie am 2.10.95 ging es Olivia sehr schlecht. Sie hat fast zwei Tage nicht gegessen, nur erbrochen und an Gewicht abgenommen. Auch die Schmerzen im Unterbauch waren öfter und stärker. Da ihr körperlicher Zustand relativ schwach ist und das Gewicht bei 21 kg ist, würde ich Sie sehr herzlich bitten, mit der Chemotherapie etwas auszusetzen, bis es Olivia besser geht und sie ein Gewicht von mindestens 25 kg erreicht hat.
Ich kann mir vorstellen, dass der Körper mit dieser schweren medikamentösen Behandlung nur fertig wird, wenn er kräftig genug ist und das Immunsystem wieder besser aufgebaut ist.
Außerdem klagt Olivia noch immer über Schmerzen im Unterbauch, das heißt der ganze Verdauungsapparat muss auch erst wieder in Gang kommen.
Ich bitte Sie für das Leben meiner Tochter Olivia, meine derzeitigen Bedenken ernst zu nehmen.
Ich denke, dass die individuelle Verfassung eines Menschen für den Erfolg einer so schweren Therapie letztendlich ausschlaggebend ist.
Mit freundlichen Grüßen

Strafverfahren:
Wir beantragten, von einem psychiatrischen Gutachten Abstand nehmen zu wollen und stattdessen ein Gutachten darüber einholen zu lassen, ob die übliche Onkologie Begleit- und Spätfolgen zeitigt und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass überhaupt keine Nebenfolgen auftreten werden.



Dienstag, 10.10.1995:

Ich musste zeitig auf, denn Dr. Herz wollte bereits um 8:00 Uhr zu seinem Arbeitsplatz aufbrechen, und ich wusste nicht einmal seine genaue Wohnadresse. Doch ich schaffte es rechtzeitig, bei ihm anzukommen.
Anschließend fuhr ich zu Olivia und Erika.

AKH:
Die Magensonde musste Olivia um 10 cm weiter vom Magen in den Dünndarm geschoben werden. Die Ärzte versprachen sich dadurch eine Verringerung der Magentätigkeit, und somit glaubten sie auch, Olivias Bauchschmerzen reduzieren zu können. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass die Ärzte betreffend dieser Bauchschmerzen absolut im Dunkeln tappten. Es war ein Martyrium für Olivia.

Foto von Olivia
10.10.1995: ... es war ein Martyrium für Olivia

Wieder zeigte sich, dass ohne Beisein der Mutter, Olivia wahrscheinlich mit Medikamenten beruhigt hätte werden müssen.
Eine Zwangstherapierung, ohne Beisein der Eltern, wäre für Olivia der sichere Tod. Die Ärzte hätten keine Chance gehabt, sie durchzubringen. Es war unfassbar, wozu manche in diesem Staate imstande waren. Wie konnte man sie von der Mutter mit Gewalt entfernen und das Leben unseres Kindes derart leichtfertig aufs Spiel setzen?

Bei der Visite spielte aber Prof. Dr. Urbanek wieder den allwissenden, weisen Gott in Weiß und erklärte, Olivias Bauchschmerzen kämen von der neuerlichen Gewöhnung an die Nahrung. Professor Dr. Urbanek war mir bereits durch seine himmelschreiend blöden Vergleiche aufgefallen. So meinte er auch wegen Olivias Spitzfüßen, dass leider das Gute, damit meinte er die Chemo, auch seine schlechten Seiten hätte. Damit meinte er die Lähmungserscheinungen!
Ich konnte nur schlechte Seiten an der Chemo erkennen und keine einzige gute! Nicht nachweisbare Krebszellen mit einer generell verabreichten, 92%ig tödlichen Vergiftungsfolter zu bekämpfen, kommt perversen Menschenversuchen aus der Nazi-Zeit gleich!

Foto von Olivia, Erika, Elisabeth und Alexander
10.10.1995: Etwas gedrückte Stimmung in Olivias Zimmer. Rechts im Bild neben Alexander sieht man Olivias Plastikschienen liegen, die sie beim Gehen um die Beine schnallen muss, damit sie nicht hinfällt

Vortrag von Frau Dr. Marcovich in Mödling:
Sie brachte wirklich ungeheuerliche Fakten in ihrem Vortrag zur Sprache. Sie erzählte aus ihren Erfahrungen im unkonventionellen Umgang von Frühgeborenen. Es schien, als wäre sie wirklich eine mutige, aber auch erfolgreiche Frau. Es gelang, ein kurzes Gespräch mit ihr zu führen. Es schien mir aber, als wäre ihr unsere Anwesenheit nicht gerade willkommen.

Telefonat mit Dr. Herz:
Prof. Ängstler hatte Abstand genommen und meine Unterlagen ungesehen wieder zurückgewiesen. Er wollte über jeden Verdacht erhaben sein und mit unserem Fall absolut nichts zu tun haben. Ihm sei dies alles peinlich. Er empfahl mir, unverzüglich zum Psychiater zu gehen, da ich sonst von der Polizei geholt werden würde.

Ich fiel aus allen Wolken. Was war geschehen? Wie konnte Prof. Ängstler innerhalb eines Tages, innerhalb von Stunden seine Meinung derart ändern? Vor allem aber, wie konnte er innerhalb dieser kurzen Zeit seine Meinung über Prof. Pazl ändern? Das stank! Das roch förmlich nach einer Weisung von oben an Prof. Ängstler, ja die Finger von unserem Fall zu lassen. Aber wie war das möglich?
Eine Möglichkeit wäre, Prof. Ängstler hatte sich an höherer Stelle selbsttätig informiert und diese Weisung erhalten. Die andere Möglichkeit, welche ich für wahrscheinlicher hielt, war, dass von höherer Stelle direkt die Weisung an Prof. Ängstler erging. Man hörte unser Telefon ab, das wusste ich von einem befreundeten Polizisten, der Zugang zu entsprechenden Daten hatte. Ich vermutete, dass man Prof. Ängstler instruiert hatte.

Nun gut. Ich war wieder um eine Erfahrung reicher und wahrscheinlich auch Prof. Ängstler. Jedes Ding hat zwei Seiten und somit auch dieser Umstand, keinen vertrauenswürdigen Psychiater zu haben. Dr. Hamer erzählte mir vor längerer Zeit, dass er sich einmal zu einer psychiatrischen Gutachtenerstellung seiner Person überreden ließ. Damals war dieses Gutachten über ihn positiv ausgefallen. Allerdings maßte sich dieser Psychiater ein halbes Jahr später an, ein zweites, diesmal negatives Gutachten nachzureichen, ohne mit Dr. Hamer nochmals persönlich gesprochen, geschweige denn ihn untersucht zu haben. Man hatte diesen Gutachter gerichtlicherseits unter Druck gesetzt.
Ich beschloss, überhaupt kein Gutachten über mich oder über Erika erstellen zu lassen. So gesehen war es mir viel lieber, dass Prof. Ängstler sofort umgefallen war. In Österreich gab es derzeit nicht die Möglichkeit einer Zwangspsychiatrisierung. Ich hatte zwar auch schon gehört, dass man diese einführen möchte, derzeit aber konnte man noch das psychiatrische Gespräch ablehnen.

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Mittwoch, 11.10.1995:

Telefonat mit einer Reporterin von „focus“:
Sie bat um ein Interview und erzählte mir, dass die Pressestelle des AKH die Story verbreitete, wir hätten auf fahrlässige Weise einen Reporter in Olivias Zimmer eingeschleust. Ich erbat mir von ihr eine schriftliche Gesprächsnotiz über ihr, mit dem AKH geführtes Gespräch.

Somit war die Frage geklärt, wer die Schuld an dieser, im „kurier“ vom 3.10.95 veröffentlichten Lüge trug. Es war das AKH!

Mir reichte es! Als nächstes bat ich den Reporter von „bild am sonntag“ um eine schriftliche Erklärung über den tatsächlichen Hergang des Zustandekommens der erteilten Erlaubnis von Prof. Dr. Urbanek. Auch diese sollte ich noch erhalten.

Man hielt es nicht für möglich, aber Prof. Jürgenssen bot uns brieflich „Olivia zuliebe“ ein Gespräch an. Wir waren zutiefst gerührt, bei diesem leidgeprüften und sich um Olivia sorgenden Medizyner, noch immer ein Anteil nehmendes Ohr zu finden.
In einem Retourschreiben an diesen Arzt, der den Stein ins Rollen gebracht hatte und schuld daran war, dass wir nun gleich zwei Strafprozesse hatten und Olivia zwangstherapiert wurde, wollte ich wissen, ob auch er dafür plädierte, dass wir nun auch noch psychiatrisiert werden sollten.

Mit Hilfe der Familie Benedetto verfassten wir eine Eingabe an das Bezirksgericht betreffend unserer nächsten Pflegschaftsverhandlung. Wieder einmal mussten wir feststellen, dass wir ohne diese Familie wohl schon längst verkauft und verloren wären und dankten Gott für diese Bekanntschaft.

Wir fuhren zu Olivia.

AKH:
Olivia konnte die Ankunft von Erika schon kaum erwarten, denn sie wusste, dass wir für sie ein Geschenk dabei hatten. Die Zeit der Freude über das Geschenk nutzten wir für ein gemütliches Abendmahl im Cafe. Meine Mutter blieb noch so lange bei Olivia.
Mutter brachte ich anschließend nach Grünbach, da ich sowieso ein Werkzeug aus meinem Werkzeugkasten holen musste. Während der Fahrt wurde kein Wort gesprochen. Zu tief saß noch der Schmerz des Verrats. Meinen Besuch zu Hause hielt ich mehr als nur kurz. Meine Eltern sollten nur am eigenen Leib verspüren, ein Kind zu verlieren.

Zu Hause in Maiersdorf begann ich mein Tagebuch am PC abzutippen.

Bezirkshauptmannschaft:
Laut Auskunft von Frau Dr. Rostovsky verfasste Dr. Heinz Zimper am Donnerstag, den 27.7.95 in Tulln ein Schreiben, dessen Inhalt ausdrücklich eine Zwangstherapierung von Olivia ohne Beisein der Eltern als undurchführbar erklärte. Dies hätte, laut ihrer Auskunft, Dr. Heinz Zimper, Dr. Marcovich, sie und eine Kinderpsychologin unterfertigt. Wesentlich erschien mir die Tatsache, dass diese Entscheidung von einer Kinderpsychologin mitgetragen wurde, deshalb forderte ich dieses Schreiben von der BH an.

Medien

salzburger nachrichten - ANZEIGEFLUT IM FALL OLIVIA PILHAR

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Donnerstag, 12.10.1995:

An diesem Tag blieb ich zu Hause, ergänzte die Pressemappe und erledigte die Post.

Telefonat mit Erika:
Als sie mit Olivia und der Physiotherapeutin in den Turnsaal ging, erwartete sie dort ein Kameramann. Er erklärte, von Olivia Aufnahmen machen zu wollen, konnte aber weiters keine genaueren Angaben über seinen Auftrag machen. Auch die Physiotherapeutin wusste über diese Aktion nicht Bescheid. Erika lehnte korrekterweise sämtliche Aufnahmen ab.

AKH:
Schreiben von Dr. Leibold:
Brieflich zog Herr Dr. Leibold ein Resümee über seinen letzten Besuch bei Olivia. Darin teilt er Prof. Dr. Urbanek mit, dass ihm vor allem Olivias Schwäche, Appetitlosigkeit und die zeitweilig auftretenden Schmerzattacken in der Unterbauchregion aufgefallen seien. Homöopathische Heilmittel nannte er, welche dies bessern sollten.
Er machte auch den konkreten Vorschlag, Olivia in häusliche Pflege entlassen zu wollen, wobei er mit zwei weiteren Kollegen die ärztliche Überwachung übernehmen wolle.
Auch bat er um Übersendung gewisser Befunde.

Bezirkshauptmannschaft:
In einem Schreiben an unseren Rechtsanwalt wurde darauf hingewiesen, dass

uns die Obsorge rechtskräftig entzogen und der Jugendabteilung der BH übertragen wurde
der Jugendwohlfahrtsträger beauftragt wurde, die wissenschaftlich anerkannten Behandlungsmethoden gegen Wilmstumor durchzuführen
die Mindestrechte der Eltern gemäß §178 ABGB sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft gewährt seien
eine Einsicht in die Krankengeschichte, in die aktuellen CTs sowie des Operationsvideos weit über die Intentionen des Gesetzgebers hinausgehe und grundsätzlich abzulehnen sei.

Auf den ersten Punkt hinzuweisen, war wirklich freundlich und klärend.

§178 (1): Soweit einem Elternteil die Obsorge nicht zukommt, hat er, außer dem Recht auf persönlichen Verkehr, das Recht, von außergewöhnlichen Umständen, die die Person des Kindes betreffen, und von beabsichtigten Maßnahmen zu den im §154 Abs.2 und 3 genannten Angelegenheiten von demjenigen, dem die Obsorge zukommt, rechtzeitig verständigt zu werden und sich zu diesen, wie auch zu anderen wichtigen Maßnahmen, in angemessener Frist zu äußern.

Demzufolge, hätten wir zumindest in angemessener Frist vom Operationstermin in Kenntnis gesetzt werden müssen, um uns dazu zu äußern, was allerdings nicht geschah.

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Freitag, 13.10.1995:

Gegen 9:15 Uhr trafen wir uns mit Herrn Benedetto am Bezirksgericht. Er übergab uns ein von ihm bearbeitetes Schreiben an das AKH und instruierte uns, keine voreiligen Zusagen bei der Verhandlung zu treffen, sondern uns zuvor mit unserem Anwalt zu besprechen.
Kurze Zeit später traf sein Freund, unser Anwalt, und kurz vor 10:00 Uhr trafen Herr Hofrat Marady, Herr Gruber vom Jugendamt und deren Sekretärin, Frau Fugger, ein. Wir übergaben ihnen unseren schriftlichen Vorschlag an das Gericht zum Durchlesen. Dieser lautete folgendermaßen:

Vorschlag der Eltern zur Sicherstellung der von den Krankenhausärzten vorgeschriebenen Therapie:

Auszugehen ist davon, dass die Eltern in diesem Stadium der fortgeschrittenen Chemotherapie eine Umstellung auf eine alternative Methode nicht mehr verantworten können.
Die Eltern haben bereits seit der Aufnahme des Kindes im AKH lediglich pflichtgemäß ihre Bedenken angemeldet und nichts Gesetzwidriges zur Verhinderung der schulmedizinischen Vorgänge unternommen.
Die Mutter ist darüber hinaus Tag und Nacht beim Kind geblieben, um ihm beizustehen. Dem Vater wurde durch falsche Beschuldigungen und Unterstellungen der Aufenthalt beim Kind teilweise gänzlich unmöglich gemacht und teilweise in aller Öffentlichkeit entwürdigend, ohne sachliche Begründung eingeschränkt.
Aus verschiedenen Äußerungen aus der Ärzteschaft ist zu erkennen, dass die Entlassung des Kindes in häusliche Pflege als Druckmittel gegen die Eltern eingesetzt werden soll. Die Eltern sollten einsehen, dass die Chemotherapie für das Kind die beste Therapieform darstellt, sie dürfen keine öffentlichen Meinungsäußerungen abgeben, und sie sollten mit dem Anstaltspsychiater Prof. Dr. Max Friedrich „sprechen“.
Diese Forderungen bzw. Druckmittel sind weder in rechtlicher noch in moralischer Hinsicht gerechtfertigt.
Die Eltern schlagen daher vor:

1. Das Kind wird nach jenen Kriterien in häusliche Pflege entlassen, wie dies üblicherweise geschieht.
2. Die Krankenanstalt übermittelt die gesamte Krankengeschichte und das gesamte Bildmaterial in Kopie an das Pflegschaftsgericht, wo es zum Akt genommen wird.
3. Das Jugendamt Wr. Neustadt wird für die Dauer der vom AKH vorgeschriebenen Therapie ermächtigt, Tag und Nacht Zugang zum Kind zu haben. Es wird zu diesem Zweck dem Jugendamt ein Schlüssel ausgefolgt.
4. Die Eltern verpflichten sich weiters, mit dem Kind ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung des Amtsvormundes keine Auslandsreisen durchzuführen. Zusätzlich wird die Mutter - nur in ihrem Reisepass ist das Kind eingetragen - den Reisepass beim Anwalt der Kindeseltern deponieren und eine allfällige Auslandsreise mindestens acht Tage vorher dem Amtsvormund schriftlich bekannt geben, damit er, sollten Bedenken obwalten, entsprechende Überwachung nach Belieben vornehmen kann. Dies bieten die Eltern an, obwohl derzeit weder ein Bedarf noch Absicht, eine Auslandsreise anzutreten, besteht.
5. Sobald das Kind wieder in häuslicher Pflege sein kann und im Familienverband versorgt wird, ist mit einer erheblichen Entlastung des Kindesvaters zu rechnen, so dass dieser raschestmöglich seiner geregelten Arbeit nachgehen kann.

Wenn es den entscheidenden Stellen nur darum geht, die schulmedizinische Therapie durchzusetzen, so sind die obigen Maßnahmen ausreichend. Es wäre jedenfalls durch nichts gerechtfertigt, die Skepsis der Eltern gegen die Chemotherapie und sonstige ärztliche Praktiken durch Entzug des Kindes beseitigen zu wollen.

Pflegschaftsverhandlung:
Zu Beginn wurden unsere Vorschläge zerpflückt. Den Reisepass abzugeben schien ihnen zu wenig Sicherheit zu bieten. „Olivia könnte von einem Dritten ins Ausland gebracht werden“, oder „um ins Ausland zu gelangen, bräuchte man keinen Pass mehr“, wandten sie ein. Herr Hofrat Marady behauptete sogar, dass wir ja auch ohne Reispass bis nach Spanien gekommen wären.
Dies war natürlich völliger Unsinn, denn immerhin waren wir ja mit dem Flieger von der Schweiz nach Malaga geflogen und dies wäre uns ohne Pass wohl kaum gelungen. Die Übergabe eines Schlüssels zu unserer Wohnung, um jederzeit zu Olivia zu gelangen, taten sie ebenfalls ab. So weit wollten sie nicht gehen. Einen Sicherheitsbeamten wollten sie aber auch nicht in Maiersdorf abkommandieren. Richter Masizek begann mit meiner Befragung. Er fragte mich, ob ich weitere Live- Auftritte machen werde. Ich erklärte, ein Angebot zu haben, das Verfahren aber nicht belasten zu wollen. Er entgegnete, jetzt würde ich „brav“ tun, früher sei ich aber anders gewesen, und er vermutete, dass ich nach dem Erhalt der Obsorge mit meinen Auftritten weiter fortfahre.
Ich fragte ihn, nachdem ich erklärte, mein Recht auf freie Meinungsäußerung genützt zu haben, ob das Einstellen dieser Fernsehauftritte eine Bedingung sei. Grinsend erwiderte er, er werde diese sicher niemals stellen oder gar in einem Gesprächsprotokoll verlangen, er werde aber sicher danach entscheiden und urteilen.
Meiner Meinung nach war dies eine Erpressung!
Herr Gruber fragte mich, warum ich Prof. Friedrich ablehne und ob ich mich einem Psychiater stellen werde.
Die Ablehnung begründete ich mit dem von Prof. Friedrich an die BH geschickten Schreiben und stellte als weitere Bedingung für eine Begutachtung meiner Person einen mir einleuchtenden Grund.
Ich brauche keine Angst vor dem Psychiater zu haben, war der Tenor des Richters Masizek. Er selbst könne ja dabei anwesend sein. Das kostete mich nur ein müdes Lächeln.
Richter Masizek weiter, mein Umgang mit gewissen Personen spreche nicht für mich. Er führte Kari Nowak als Rechtsradikalen an und machte eine Andeutung auf einen Schweizer Herrn.
Er wollte mir wirklich vorschreiben, mit welchen Personen ich Umgang haben durfte und mit welchen nicht!
Einen Beschluss in dieser Sache werde Richter Masizek erst dann fassen, wenn laut Auskunft der Ärzte Olivia nach Hause entlassen werden könnte.
Herrn Rebasso gegenüber meinte Richter Masizek, er habe in seinem letzten Antrag blanken Unsinn geschrieben. Es kam zu einer unschönen und peinlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Herren.
Erikas Einvernahme64 war recht kurz. Herr Gruber fragte sie, ob sie sich vorstellen könne, dass jemand aus dem Verwandtenkreis vorübergehend die Obsorge übernehmen könnte. Erika zog ihre eigene Familie in Erwägung, Herr Gruber aber spielte eindeutig auf meine Schwester an. Er versprach sich, indem er sagte, es gäbe eine konkrete Möglichkeit ... und dies dann verbesserte auf: „Es wäre ja möglich, es besteht ja die Möglichkeit aus seiner Familie, vielleicht die Mutter ...“
Das war ja interessant. Was mag da wohl hinter unserem Rücken schon alles besprochen worden sein? Meine eigene Schwester glaubte also wirklich, Olivia auf irgendeine Weise zugesprochen zu bekommen!
Auch Herr Hofrat Marady wurde vernommen, und er hielt wieder seine ausschweifenden Reden.
Unser Rechtsanwalt bestand ebenfalls darauf, seine Aussagen zu Protokoll geben zu können. Des Weiteren stellte er uns für die Verhandlung recht hilfreiche Fragen, damit unser Standpunkt deutlicher hervorgekehrt werden konnte.
Nach der Verhandlung sprach Richter Masizek als letzten Satz noch die Bestellung eines Psychiaters auf Band und meinte vertrauensvoll zu Erika, ja schnell zu diesem Termin zu kommen. Damit wollte er feststellen lassen, ob wir überhaupt noch in der Lage wären, unser Kind zu erziehen.
Rebasso führte noch mit Herrn Hofrat Marady betreffend der Anzeige der BH auf Kindesentführung ein Gespräch auf dem Gang. Erika und ich, aber auch der Richter kamen hinzu. Hofrat Marady gab zu, die Anzeige nicht zurückziehen zu wollen, da er uns noch weiter „dunsten“ lassen wolle.

Erika und ich fuhren essen. Sie war frustriert über diese Verhandlung und weinte viel. Wir einigten uns, dass ich diese Nacht bei Olivia verbringen werde.

Auf dem Weg ins AKH entschied ich aber doch noch zur Familie Benedetto zu fahren. Herr Benedetto diktierte mir noch ein Schreiben an das Pflegschaftsgericht und instruierte mich im weiteren Vorgehen mit den Medien. Da dies mehr Zeit als geplant in Anspruch nahm, bat ich Olivia, doch für diese Nacht mit Veronika Vorlieb zu nehmen. Sie war einverstanden und so fuhr ich wieder heim.

Bezirksgericht:
Um den Richter künftig von solchen Äußerungen, wie die gegenüber unserem Rechtsanwalt heute Vormittag abzuhalten, tippte ich ein Schreiben, in dem ich ihn aufforderte, mir doch den angeblichen Unsinn meines Rechtsanwaltes mitzuteilen. Ich wies darauf hin, dass es mir leid tun würde, schon wieder einen neuen Anwalt suchen zu müssen.
Auch legte ich das Schreiben des österreichischen Gesundheitsministeriums bei, dass alle Zytostatika vermutlich krebserzeugend sind, sowie einen recht gut formulierten Artikel des Psychotherapeuten Dr. Rüdiger Dahlke, unseren Fall betreffend.

64 Einvernahme, österreichisch = Vernehmung vor Gericht, Verhör

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Samstag, 14.10.1995:

AKH:
Es kam zu einem Gespräch zwischen meiner Schwester Silvia, meinem Schwager Thomas, meiner Mutter und uns. Silvia erwähnte, dass Hofrat Marady sie bereits vor Wochen gefragt hatte, ob sie gewillt wäre, das Sorgerecht von Olivia zu übernehmen.
Sie bat ihn damals, uns noch Zeit zu gewähren, so dass sie uns noch für die Chemotherapie umstimmen könne. Auch meine Verwandten empfahlen mir einstimmig, den Forderungen des Gerichtes, ein psychiatrisches Gutachten erstellen zu lassen, nachzukommen. Kein Argument dagegen ließen sie gelten. Sie verstanden uns nicht, und wir konnten sie nicht verstehen. Es war furchtbar.

Foto von Olivia
14.10.1995: Erika versucht, Olivia zu füttern

Silvia verriet mir auch, dass sich Herr Hofrat Marady, ebenfalls vor Wochen, bei meiner Firma über die mögliche Wiedererlangung meines Arbeitsplatzes, informiert hatte.
Es wurde ihm von meiner Firma mitgeteilt, dass eventuell im Frühjahr eine Stelle für mich freiwerden könnte. Silvia riet mir nun, mich um einen baldigen Wiedereintritt zu kümmern.
Es war zum Verzweifeln. Meine eigenen Angehörigen schienen die Handlanger der Behörden zu sein, die Behörde selbst agierte im Hintergrund.

Das Gespräch wurde ziemlich laut geführt, aber wir setzten somit zumindest den Grundstock für weitere Gespräche.

Foto von Olivia und Großmutter Wilma
14.10.1995: Olivia mit meiner Mutter. Auch an den Händen (s. Olivias rechte Hand) macht sich eine Muskellähmung bemerkbar

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Sonntag, 15.10.1995:

Mit den Kindern und Verwandten aus Maiersdorf gingen wir auf die Weide. Die Weide in Maiersdorf ist eine große Wiese, welche sich am Fuße der Hohen Wand entlang zieht und im Sommer von vielen Rindern genutzt wird. Es war ein wunderschöner Tag und ein erholsamer Ausflug.
Über das Handy erzählte Olivia, dass sie heute das erste Mal im Garten gewesen war, natürlich unter Aufsicht einer Schwester.
Zu Hause angekommen, erzählte Großvater, dass zwei Reporter einer österreichischen Presseagentur ziemlich aufdringlich um Einlass baten. Großvater verwehrte ihnen aber natürlich den Zutritt.
Es dauerte nicht lange, da kamen sie schon wieder. Sie gaben vor, an der Geschichte „Olivia kommt nach Hause“ Interesse zu haben, wollten aber auch jetzt bereits aktuelle Fotos erhalten. Ich erklärte ihnen, dass die Medienarbeit nun eine Freundin unserer Familie übernommen habe und sie sich mit ihr in Verbindung setzen müssten, zeigte ihnen aber auch die letzten aktuellen Fotos. Unverrichteter Dinge zogen sie wieder ab. Nach einer Stunde, es war bereits dunkel, erschienen sie nochmals und meinten, es sich überlegt zu haben. Sie wollten mir sofort Geld für Fotos geben. Wir sprachen im Dunkeln über die verschlossene Gartentür hinweg. Ich erklärte, nicht im Halbdunkel Fotos meiner Tochter verhökern zu wollen. Mir kamen diese Männer widerwärtig vor und höflich bleibend wies ich sie wieder ab.

Ich saß dann längere Zeit am Küchentisch und dachte nach. Die Kinder waren bereits zu Bett gebracht. Plötzlich überkam mich der Wunsch, zu meinen Eltern nach Grünbach zu fahren. Ich packte die Kamera und meinen Antichemo-Ordner zusammen und brach auf. Überraschenderweise war auch meine Schwester Michaela bei meinen Eltern.
Argwöhnisch fragte mich meine Mutter, ob ich wegen des Sorgerechts gekommen sei.
Laut meinem Anwalt würde nur ein Teil des Sorgerechtes, genauer, die Verantwortung für die Therapieeinhaltung, vergeben werden. Dies erklärte ich ihr.

Ich konnte es mir nicht verkneifen und machte ein paar Aufnahmen. Auch meine Schwester wollte ich kurz filmen, aber sie entfernte sich sofort und ließ mir schnippisch über Mutter ausrichten, wenn ich etwas von ihr wolle, dann könne ich ja nach oben auf ihr Zimmer kommen.
Es entbrannte wieder eine heftige Diskussion, obwohl ich ursprünglich vorhatte, den Streit zu begraben. Aber alle noch so sachlichen Argumente wurden von ihnen mit der bereits von den Medien sattsam bekannten Polemik abgelehnt. Die Diskussion erreichte oft eine unerträgliche Lautstärke. Auch an gegenseitigen Vorwürfen wurde nicht gespart, und oft wurde man recht schmerzhaft an eigene Fehler erinnert.
Bis 3:00 Uhr morgens dauerte unsere Auseinandersetzung und mehr frustriert als zornig machte ich mich auf den Heimweg. Mutter meinte noch, ob es mir doch nicht so ernst damit war, den Streit zu beenden.
Ich würde es nicht zulassen, dass ein Riss durch unsere Familie bestehen bleibt, beruhigte ich sie.

Bezirkshauptmannschaft:
In einem Schreiben bat ich höflichst um Akteneinsicht.

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