Dienstag, 8.8.1995:

Besuch von meinem Halbbruder Günther:
Er war bisher der einzige meiner Geschwister, der mit uns wieder Kontakt aufnahm. Seine Erzählungen über sein geführtes Gespräch mit dem Richter Masizek (damals waren wir noch in Spanien) waren hochinteressant. Während des Gespräches waren unzählige Leute der Interpol wegen unserer Angelegenheit beim Richter anwesend. Gegen Mittag brachte Günther Erika in das AKH zu Olivia.

Am späteren Nachmittag begab ich mich mit ein paar Verwandten nach Neunkirchen um Aufklärung unter der Bevölkerung zu betreiben. Es haben sich wirklich interessante Gespräche ergeben, und es gelang, zumindest den Großteil der Interessierten nachdenklich über den tatsächlichen Sachverhalt zu stimmen.

Wie es der Zufall wollte, gerieten wir an zwei Arztehepaare. Sofort entbrannte eine hitzige Diskussion, vor allem aber mit den Frauen, die selbst keine Medizinerinnen waren. Auf meine Frage, ob sie denn nicht selbst die Verantwortung bei einer Erkrankung ihrer Kinder tragen und sie sich für eine vertretbare Therapie entscheiden wollten, hoben sie abwehrend die Hände, schüttelten mit den Köpfen und erklärten hierfür die Verantwortung nicht übernehmen zu wollen.

Ich war erschüttert. Möge Gott den Kindern solche Eltern ersparen. Wie konnte man nur so denken und vor allem handeln?
Wir leben in einer Zeit, in der die Kinder, weil sie stören, in Kindergärten gesteckt werden. Sind sie krank, stecken wir sie in Spitäler. Sind die Angehörigen schwach und gebrechlich, stecken wir sie ebenfalls in Spitäler oder Pensionistenheime. Wir entledigen uns ihrer und schieben die Verantwortung auf die Institutionen ab. Und diese sind staatlich gefördert. Der Staat fördert dieses Abschieben von Verantwortung, er fördert die bürgerliche „Verantwortungslosigkeit“.

Zu Hause gab ich wiederum eine schriftliche Presseerklärung der letzten Ereignisse, welche ich auch wieder an die Behörden und an das AKH weitersandte.

Erklärung der Eltern von Olivia:

Am Sonntag, 6.8.95 erlaubte ich mir, ein Foto von Olivia mit Mutter zu machen. Sofort trat der Pfleger an mich heran und meinte, es wäre verboten, Fotos zu schießen, da diese sehr schnell von der Presse veröffentlicht würden.
Mein Recht als Vater von meiner eigenen Tochter ein vielleicht letztes Erinnerungsfoto zu besitzen, ignorierte er.
In dem folgenden Arztgespräch mit Frau Dr. Frenzel bestand diese darauf, den Fotoapparat zu beschlagnahmen. Als ich diesen aus der Tasche meiner Frau holen wollte, merkte ich, dass auch unser Zweitapparat darin war.
Wie hätten Sie reagiert? Ich griff nach dem Zweitapparat und gab ihn ab. Eine Bestätigung ließ ich mir ausstellen. Plötzlich trafen drei Sicherheitsbeamte des AKH in der Intensivstation (!!) ein und hielten mich fest. Einer von ihnen, Herr Ortner, erklärte, Fotografieren verstoße gegen die Hausordnung. Den Paragraphen konnte er nicht nennen. Mit Leibesvisite wurde gedroht. Ein Kriminalbeamter wurde gerufen. Als ich am Gang die ausgehängte Hausordnung durchlas und kein entsprechendes Verbot las, bat ich um eine Kopie. Dies wurde mir abgeschlagen. Im ganzen Bereich der Gänge war keine Verbotstafel diesbezüglich angebracht. Als ich neuerlich das AKH betreten wollte, wurde mir ein unbefristetes Besuchsverbot ausgesprochen.

Ich bin ein absolut gewaltfreier und beherrschter, eher ruhiger Mensch. Auch die vorhergehende Festnahme verlief völlig ruhig, ohne Aufsehen. Jede andere Darstellung ist Lüge.

Aber auch meine Geduld und mein überstrapaziertes Einsehen hat seine Grenzen. Schikanieren und gezielte Verbreitung von Lügen über meine Person veranlassten mich, auch gegen den Willen vom AKH dieses Foto zu veröffentlichen. Dieses Foto zeigt nicht nur meine Tochter, es zeigt vielmehr ein „chemobehandeltes“ Kind, aber vermutlich so, wie es in letzter Zeit vermieden wurde, zu zeigen. „Chemogequälte“ Kinder leiden, erbrechen und fallen oft vor Schwindelgefühl um. Ein lachendes, lustiges „Chemokind“ ist eher die Ausnahme als die Regel. Trotzdem werden aber gerade solche Fotos veröffentlicht.
Nun, zur Zeit wurde meine Besuchszeit auf eine Viertelstunde sanktioniert. Gleich nach dem obigen Vorfall wurde auch unserem Vertrauensarzt Dr. Langer der Zutritt zum Kind neuerlich verwehrt. Gestern, 7 8.95, durften wir aber beide zu Olivia. Ich musste um einen Termin ersuchen. Herr Dr. Waldhauser hatte um 18:00 Uhr Zeit für den Vater von Olivia. Ein Gespräch mit ihm unter Beisein meiner Frau Erika fand statt. Einleitend erklärte er, dass ich meine Aktivitäten (Faxe) ruhig einstellen könne, Olivia würde ich nicht rausbekommen. Den Kontakt zu Dr. Hamer und den Medien solle ich unterbrechen und mich ausruhen. Interessant ist seine Erklärung über die Entstehung der Metastasen:
Vom Tumor (vielleicht Wilmstumor) ausgehende, außer Rand und Band geratene Nierenkrebszellen wandern über die Arterie zur Leber und Lunge, setzen sich fest und vermehren sich dort weiter. Typisch hierfür wären die Rundherde. Eine histologische Untersuchung würde dann an Leber und Lunge wildwachsende Nierenzellen zeigen.
Ich brauche kein Dr. Hamer zu sein, um diese Aussage zu belächeln. Das ist Theorie pur oder Glaube an was-weiß-ich-was, aber keine Wissenschaft.
Ich fordere Beweise über diese Metastasenentstehung, Fotos von wandernden Krebszellen in einer Arterie und einen histologischen Beweis, dass auf z.B. Leber oder Lunge ein Nierengewebe wachsen kann. Und weiters eine histologische Differenzierung zwischen Metastasen und Karzinom und den Beweis dafür, dass man bereits am CT hierbei unterscheiden kann. Oder stoße ich wieder auf ein Theoriegebäude?
Mein krebskrankes Kind, unsere krebskranken Kinder werden einer Theorie entsprechend zwangstherapiert!
Ich fordere die Schulmedizin auf, öffentlich über das von ihr vertretene Krebsgeschehen reproduzierbare Beweise vorzulegen. Wenn sie das nicht kann, fordere ich sie auf, ebenfalls öffentlich Dr. Hamers Naturgesetzmäßigkeiten zu widerlegen. Wenn sie das ebenfalls nicht vermag, soll sie zumindest versuchen, sich bei den Hinterbliebenen der „Chemoopfern“ und den „Chemogeschädigten“ zu entschuldigen.

Wie gesagt, zur Zeit darf ich mein Kind Olivia eine Viertelstunde am Tag besuchen und ihr „beistehen“. Wie lange noch? Zur Zeit fordere ich noch eine medizinische KlarsteIlung, die innerhalb eines Tages erbracht werden könnte. Und nicht nur wir Eltern von Olivia haben ein Recht darauf. Es betrifft uns alle.
Warum gewährt man uns das nicht? Wer bestimmt darüber? Warum werden wir nicht aufgeklärt?
Wie lange müssen/dürfen wir diese Fragen stellen?

Hochachtungsvoll ...

Erikas Tagebuchnotizen:
Gespräch mit Dr. Trittenwein:
Er holte mich zu einem Gespräch in sein Büro und wollte wissen, ob ich wirklich glauben könnte, dass durch meine Arbeit und übersiedlung Olivia erkrankt sei. Ohne aber von mir eine Antwort abzuwarten, erklärte er, dass für Wilmstumor die Anlage bereits vor der Geburt festgelegt sei. Außerdem war er auch der Ansicht, dass es das zweite Kind immer am schwierigsten hätte.
Doktor Trittenwein redete und redete, stellte Fragen in den Raum und wollte aber gar keine Antwort hören. Zum Schluss aber wollte er von mir wissen, ob ich noch irgendwelche Fragen hätte. Ein wirklich komisches Gespräch.
Olivia atmete zusehends selbständiger, so dass die Beatmungsmaschine schwächer gestellt werden konnte. Sie sah mich an, und von den Lippen las ich ab: „Ich möchte, dass Du bei mir bleibst.“ Olivia ist aber noch sehr schwach und bald war sie wieder eingeschlafen. Die Ärzte erklärten, Olivia bekäme nun mehr Beruhigungsmittel, damit sie nicht mehr so nervös sei.
Professor Dr. Waldhauser meinte am Gang noch: „Es kann uns nur mehr das Gebet helfen.“ Zynisch, oder nicht?

Bezirkshauptmannschaft:
Man schrieb an das Bezirksgericht folgenden Nachhang zur Stellungnahme vom 7.8.95:
Am 7.8.95 fand eine Besprechung zwischen Herrn Hofrat Marady, Prof. Waldhauser, Prof. Pollak (Leiter der Intensivabteilung), OA Trittwein, Prof. Laggner, Dir. Kaspar, Prof. Horcher, Prof. Pötter, Dozentin Slavc und dem Vertreter von Prof. Gadner statt. Dabei wurde bekanntgegeben, dass der progressive Tumor zum Stillstand gekommen, die Eigenatmung aber noch nicht möglich sei, weil das Kind zu schwach sei. Olivia hätte allgemein nur sehr geringe Chancen, da der Tumor eben so groß sei.
Unser Vertrauensarzt Dr. Langer und ich sollten „ausgeschaltet“ werden, weil wir auf die ganze Abteilung belastend wirkten. Jedoch solle, um das Vertrauen zu uns Eltern nicht abzubauen, Dr. Langer gelegentlich mit Prof. Dr. Waldhauser sprechen können. Weiters seien Befürchtungen geäußert worden, dass ich in meiner außerordentlichen Situation unberechenbare Handlungen setzen könne, deshalb dürfe ich nur in Begleitung eines Polizeiorganes oder einer Hauswache für kurze Zeit am Tag mein Kind besuchen. Dies allerdings nur dann, wenn ich mich voranmeldete. Bei Nichteinhaltung würde dieses Recht verfallen.

Doktor Langer behandelte bereits vielfach Krebspatienten und war auch als Assistent von Prof. Horcher mit dabei, als einem noch nicht vierjährigem Kind im AKH ein 6kg Wilmstumor herausoperiert wurde, dieser hatte aber wirklich nach der Operation auf der Waage nachgewogene 6kg.

Zur Zeit führt Dr. Langer eine Ordination und war aber zusätzlich auch in Spitälern tätig. Ihm nun zu unterstellen, er wirke belastend, war wirklich außerordentlich unfair einem Arztkollegen gegenüber und zeigte lediglich, dass man sich nicht gerne in die Karten schauen ließ.
Die Behauptung, ich könne unberechenbare Handlungen setzen, verdankte ich der Aussage des Herrn Dr. Heinz Zimper aus der Tullner Zeit. Dies wurde nun dafür verwendet, um mich zu diskriminieren.

Medien

bild - KREBSKIND OLIVIA DARF AUFSTEHEN
kronen zeitung - HAMER ÜBER OLIVIA: ‚DIE IST DOCH SCHON TOT ... ‘
täglich alles - DEUTSCHE BEHÖRDEN PRÜFEN HAMER-HAFTBEFEHL
tz - KEINE ZUFLUCHT FÜR HAMER



Mittwoch, 9.8.1995:

Gespräch zwischen Prof. Dr. Friedrich und Erika:
Professor Dr. Friedrich will ein Gutachten innerhalb 14 Tagen erstellen.

Gespräch mit Czogalla, „spiegel-tv“:
Er besaß wirklich die Frechheit, um ein weiteres Interview zu bitten. Ganz freundlich erklärte ich ihm, dass sich vielleicht schneller als er vermutet, das jetzige Blatt wenden könne und ich ihn dann, entsprechend einem Gutachten durch einen Arzt der Neuen Medizin, gerichtlich belangen werde.

Telefonat mit Herrn Fliege, „ard“:
Herr Fliege moderiert die gleichnamige Sendung. Er ist ehemaliger Pfarrer und möchte mich nun für eine seiner nächsten Talkshows haben. Diese werde eine Stunde vorher aufgezeichnet.

Erikas Tagebuchnotizen:
Gespräch mit Dr. Trittenwein:
Immer wieder sprach er mich darauf an, ob es uns wirklich um das Leben unserer Tochter ginge. Er redete sehr eindringlich. Wir sollten doch nicht unsere Ehe und unser familiäres Leben aufs Spiel setzen, sondern vielmehr unserem Kind beistehen. Es wäre ihm lieb gewesen, wenn ich mich von der Neuen Medizin völlig distanziert hätte. Wir sollten uns doch viel mehr für die Schulmedizin interessieren.
Ich wandte ein, dass ich keine 10 Jahre Zeit hätte, Medizin zu studieren. Meinen Standpunkt betreffend die Chemotherapie konnte ich ihm verständlich und glaubhaft vermitteln, er wehrte sich jedoch vehement, Dr. Hamers Neue Medizin in die Therapie mit einzubeziehen. Was Dr. Hamer sage, wäre für Dr. Trittenwein alles Unsinn.

Medien

ganze woche - OLIVIAS LEBEN HÄNGT AN SCHLÄUCHEN UND DRÄHTEN
täglich alles - OLIVIA FLÜSTERT: ‚MAMA, PAPA ...‘



Donnerstag, 10.8.1995:

Telefonat mit Prof. Dr. Friedrich:
Wir vereinbarten für das verlangte Gespräch einen Termin für Montag, 14.8.95, 13.00 Uhr im AKH. Von seinem Schreiben, mit welchem er sich selbst zum Gutachter eingeladen hatte, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nichts.

Als wir zu Olivia wollten, wurde ich von einem Zivilbeamten aufgehalten mit der Absicht, mich durchsuchen zu wollen. Jetzt reichte es mir. Ich wollte nicht mehr!

Gespräch mit Prof. Dr. Waldhauser, Dr. Trittenwein, Dr. Langer und mir:
Ich begründete meine Absicht von weiteren Besuchen meiner Tochter Abstand zu nehmen wie folgt:

Regt sich das Kind durch meine Anwesenheit auf, wird die Dosis des Schlafmittels erhöht.
Obwohl ich mich völlig ruhig verhalten habe, wurde mir unterstellt, Drohungen ausgerufen und randaliert zu haben.
Wurde mir Besuchsverbot verhängt, so wurde auch unserem Vertrauensarzt Dr. Langer der Zutritt verwehrt
Willkür gegenüber meiner Person seitens der Leitung des AKH, z.B. 15 Minuten Besuchsrecht
Leibesvisite ist diskriminierend

Nach dem Gespräch, machte mir meine Mutter harte Vorwürfe. Ich sei ein Sturschädel und berücksichtige nicht, dass Olivia mich benötige. Es war furchtbar. Mutter hatte absolut kein Verständnis für mich, ja selbst die Leibesvisite war für sie nicht weiter schlimm. Mich ekelte das, ich sah aber von meinem Vorhaben ab und ließ mich visitieren, um zu meiner Tochter zu kommen. Meine Besuchszeit wurde von 15 auf 5 Minuten herabgesetzt. Innerlich kochte ich vor Wut.
So schikanierte man uns, um zu zeigen, wo die Macht lag. Das Foto, welches heute auf einer Titelseite erschienen war, hatte man mir übel genommen.

Erika war nun jeweils für 6 Stunden am Tag bei Olivia. Wir fuhren gemeinsam jeden Tag von Maiersdorf nach Wien in das AKH. Für 5 Minuten durfte ich zu meinem Kind. Die restliche Zeit nutzte ich für Interviews, welche ich im Cafe nebenan gab. So war meine Wartezeit wenigsten halbwegs sinnvoll genutzt. Natürlich mokierte man sich später seitens des Krankenhauses auch darüber.

Erikas Tagebuchnotizen:
Gespräch mit Dr. Trittenwein:
Die Leukozyten gab er mit 400 an und meinte, sie wären stabil. Um eine Entzündungsgefahr zu vermeiden, sollten die Nadeln an Olivias Händen entfernt werden. Die Beatmungsmaschine wollte er reduzieren und erklärte, dass noch jede Menge Antibiotika erforderlich wären. Wenn Olivias Atmung bis Mittwoch stabil werden sollte, würde sie von der Intensivstation weg, einen Stockwerk tiefer, auf die Ebene 9 verlegt werden können.
Er deutete an, dass sehr viele Ehen an solcher Belastung, wie wir sie nun hätten, zerbrochen wären. Betreffend die Zeitungsartikel, in welchen behauptet worden war, man würde uns die Kinder wegnehmen, meinte er, so einfach ginge das nicht. Allgemein war er recht höflich und nett.
Auf meine Bitte hin, auch Berestropfen einsetzen zu dürfen, meinte er, nichts gegen homöopathische Mittel einwenden zu wollen. Dies würde er aber auch noch mit anderen Ärzten besprechen.
Selbst brachte er die Sprache auf „Ukrain“ und erklärte, dass die Wirksamkeit dieses Mittels nicht wissenschaftlich erwiesen sei, und es daher nicht angewendet werden dürfe. Wogegen Mistelpräparate als Zusatz möglich wären.
Betreffend den Medienrummel meinte er, dass dieser eine ruhige Arbeit störe und deshalb nicht gut sei.
Wenn Helmut kommen möchte, so werde man diesbezüglich sprechen müssen.

Medien

news - HAMER: DAS NETZWERK DES SPINNERS
stern - BEWACHT WIE EIN AUßERIRDISCHER
täglich alles - OLIVIAS VATER: ‚DEM WUNDER DOCH EINE CHANCE GEBEN...‘



Freitag, 11.8.1995:

Endlich hatte ich einen Rechtsanwalt! Herr Benedetto, der in Rechtsfragen sehr bewandert war, konnte die Kanzlei Gürtler, bei der auch sein Freund, Magister Rebasso, tätig war, für mich gewinnen. Außerdem erteilte mir Herr Benedetto ab nun sehr wertvolle Tipps und erwies sich als treuer und loyaler Berater in Rechts- sowie in Medienfragen. Aber auch menschlich gesehen war die Familie Benedetto vollkommen in Ordnung. Sie zeigten Verständnis und Anteilnahme an unserer außerordentlich schwierigen Situation. Unzählige Male durfte ich ihren Rat in Anspruch nehmen, ohne dass jemals irgendwelche Gegenforderungen gestellt wurden, außer Disziplin im Verfahren und im Umgang mit den Ärzten und Medien. Wieder einmal war mir zur rechten Stunde die richtige Hilfe zuteil geworden!
Der Rat von Mag. Rebasso war es, zuerst um Akteneinsicht zu bitten und dann erst zu diesem Psychiater zu gehen. Wenn der Psychiater einen Auftrag erteilt bekommen hätte, so müsste dies im Akt vermerkt sein. Weiters sollte ich den vereinbarten Termin mit der Begründung, den Akt erst studieren zu wollen, verschieben.

Am Bezirksgericht Wr. Neustadt:
Ich wollte ein Schreiben mit der Bitte um Akteneinsicht dem Gericht überbringen. Es wurde mir aber vorerst der Eingangsstempel verweigert und man verwies mich an eine weitere Beamtin. Herr Dr. Spies las sich das Schreiben zuerst durch, und dann erst wurde der Eingangsstempel genehmigt.
Der Name Pilhar genoss bereits eine Sonderbehandlung.

Gegen den Abend erhielt ich einen mysteriösen Anruf einer gewissen Elisabeth Schmidt. Sie tat sehr geheimnisvoll und meinte, uns helfen zu wollen. Sie war der Ansicht, dass Olivia so schnell wie möglich aus dem AKH raus und nach Barcelona müsste. Sie nahm zwar an, dass Dr. Hamer Olivia behandeln werde, wollte sich jedoch bei ihm selbst noch vergewissern. Dazu gab ich ihr Dr. Hamers Privatnummer durch. Kurze Zeit später meldete sie sich wieder bei mir, und da ich ihr zuvor zu verstehen gab, dass unser Telefon abgehört werde, verlangte sie von mir eine „saubere“ Nummer eines wirklichen Freundes, um sich mit mir einen Treffpunkt vereinbaren zu können. Sie gab weiters vor, nicht offen auftreten zu wollen, da sie Menschen wie uns weiterhin helfen möchte. Sie habe sehr gute Beziehungen in der Ärzteschaft sowie in der Justiz und kenne viele wichtige Persönlichkeiten, vor allem aber wüsste sie, wer „Dreck am Stecken“ habe, bzw. für oder gegen uns sei. Sie habe sogar so viel Macht und Wissen, hochrangigen Ärzten Prozesse anzuhängen, was sie auch schon gemacht habe.
Da ich an diesem Nachmittag zu Tode betrübt war, erschien sie mir als rettender Engel in letzter Sekunde. Ich bezweifelte zwar, Olivia sofort transportfähig zu bekommen, aber was jetzt noch nicht war, hätte ja noch werden können. Vielleicht wäre es wirklich möglich, die Ärzte unter Druck zu setzen, damit wir Olivia doch noch überstellen könnten. So überlegte ich, als ich dieser Frau die Nummer meines Freundes durchgab und bemerkte, wenn dieser zu Hause wäre, könnten wir uns in der nächsten Viertelstunde einen Treffpunkt vereinbaren. Aber mein Freund war nicht zu Hause. Etwas später rief sie erneut an und wir vereinbarten über mein Telefon ein Cafe in Wien als Treffpunkt für 22:00 Uhr desselben Tages.

Gegen 19:00 Uhr fuhr ich ins AKH zu Erika und später fuhren wir mit Dr. Langer gemeinsam in das vereinbarte Cafe, trafen dort jedoch zufällig Ingeborg.

Um Punkt 22:00 Uhr war Frau Schmidt da. Da sie suchend durch das Cafe ging, konnte ich sie leicht erkennen und sprach sie an. Wir nahmen an einem abgelegenen Tisch Platz.
Sie begann mit dem Gespräch zwischen ihr und Dr. Hamer. Er hätte mit ihr übereinstimmend die Universität Heidelberg ausgewählt, unter der Bedingung, wir würden Olivia auf legalem Wege aus dem AKH rausbekommen. Sonst, so versicherte sie mir, würde Dr. Hamer abspringen. Mir kam Dr. Hamers Antwort aus ihrem Munde eigenartig vor, und ich vermutete, dass er ihr misstraut hatte.
Und wenn dort mit der Chemo fortgesetzt werden würde, wollte ich von ihr wissen. Sie sagte, Dr. Hamer würde dies ausschließen. Das stimmte wiederum. Dr. Hamer war der Ansicht, dass bei jedem anderen Kind mit der Anzahl von Krebsen wie bei Olivia auf keinen Fall mehr die Chemotherapie eingesetzt würde.
Wir müssten Olivia von der Beatmungsmaschine wegbekommen und sie zu Kräften bringen. Dann würde sie nach Heidelberg geflogen werden.
Als ich sie fragte, ob sie dies ihrem eigenen Kind auch antun würde, ließ sie das Thema Verlegung schlagartig fallen.
An vielen Aussagen von ihr merkte ich, dass sie von der Neuen Medizin keine Ahnung hatte. Sie erzählte, sie habe selbst Leukämie gehabt, und ihr half einzig und allein die Chemo, sonst wäre sie jetzt nicht mehr am Leben. Auch musste sie sich zweimal einer Wirbelsäulenoperation unterziehen.
Nach der Neuen Medizin, erklärte ich, sei Leukämie die Heilungsphase von Knochenkrebs. Das bezweifelte sie aber stark und meinte, Medizin studiert zu haben und daher sehr gut Bescheid zu wissen. Das Gespräch lenkte sie immer mehr in Richtung Sorgerecht. Ich müsse mich mehr von Dr. Hamer und den Medien distanzieren und mehr Kooperationsbereitschaft mit den Ärzten zeigen. Prof. Friedrich bezeichnete sie als unbestechlichen Psychiater. Man könnte ihm 1 Million ÖS bieten, es würde sein Urteil nicht beeinflussen. Sie schätzte die Wahrscheinlichkeit seines Gutachtens über mich für 50% zu 50% als positiv ein. Würde das Gutachten für mich sprechen, hätte ich innerhalb von zwei Jahren das Sorgerecht wieder. Wäre es schlecht für mich, so würde ich auch das Sorgerecht der anderen Kinder verlieren, und bei etwas Pech und dem falschen Richter würden dann die Kinder in ein Heim kommen.
Beruhigend meinte sie, sie habe überall ihre Vertrauensleute sitzen. Sowohl im Gericht, als auch bei der Staatsanwaltschaft, und sie könne mir auch daher den Antragsteller dieses psychiatrischen Gutachtens ausforschen. Auch könne sie an hand des geltenden Dienstplanes der Richter Vorsorge treffen, damit wir nicht an einen Falschen geraten würden.
Sie wusste, dass ich schon früher in diesem Cafe verkehrte und dass mein Telefon abgehört werde.
Je länger ich mit dieser Frau sprach, um so misstrauischer wurde ich. Sie schien zu allem Zugang zu haben. Über verschiedene Computernetze hatte sie bereits Olivias Krankengeschichte eingesehen. Als sie aber meine Handynummer wollte, wandte ich instinktiv ein, das Handy gehöre einem Bekannten und ich dürfe daher die Nummer nicht preisgeben. Warum wusste sie diese Nummer nicht bereits?
Alle Telefone meiner Bekannten werden abgehört, schilderte sie weiter. Erika und ich wären die am stärksten überwachten Personen Österreichs. Journalisten hätten uns verraten und sich an unserem Elend finanziell bereichert.
Aus Sicherheitsgründen hatte sie mein Vorleben durchforstet, schließlich müsse sie ja wissen, wem sie ihre Hilfe angedeihen ließe. Ich hatte starkes Misstrauen ihr gegenüber. Als sie mir schließlich auch noch riet, von meiner Absicht, Akteneinsicht zu halten, Abstand zu nehmen und dies zu widerrufen, nahm ich sie nicht mehr ernst und wollte sie nur mehr loswerden. Gegen 24:00 Uhr verabschiedeten wir uns und am kommenden Vormittag erklärte ich ihr am Telefon, dass ich ihr gegenüber keinerlei Vertrauen habe. Sollte ich ihr damit Unrecht tun, so bäte ich sie hiermit um Verzeihung.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Ich rief ihn an und wollte seine Meinung über diese Person erfahren. Auch Dr. Hamer vermutete in ihr ein „U-Boot“. Er warnte mich eindringlich vor einer Psychiatrisierung, welche nur den Zweck hätte, mich auszuschalten. Alle Zeitungen könnten mich dann entsprechend dem negativen Gutachten diffamieren.
Ich bekam Angst vor dem undurchsichtigen Doppelspiel der Mächtigen.

Medien

kronen zeitung - OLIVIA: ZUSTAND KRITISCH, ABER TUMOR SCHRUMPFT
täglich alles - NEBENWIRKUNG BEI OLIVIA



Samstag, 12.8.1995:

Treffen mit Herrn Benedetto:
Ich erzählte Herrn Benedetto von der gestrigen Begegnung mit dieser mysteriösen Person. Auch er war sehr misstrauisch. Er ermahnte mich eindringlich, mich mit dem Juristischen auseinanderzusetzen. Nur so hätte ich eine Chance.
Sein Freund hatte bereits mit seiner Kanzlei geklärt, unseren Pflegschaftsfall zu übernehmen. Ich war überglücklich.

Anschließend fuhr ich ins AKH und traf Dr. Langer im Cafe. Er war leicht grippig.

Telefonat mit Herrn Hofrat Marady:
Wir vereinbarten für Mittwoch, 16.8.95, einen Gesprächstermin. Ich bat Herrn Hofrat Marady um Auskunft, wie das Sorgerecht nun weiter gehandhabt würde. Herr Hofrat Marady teilte mit, dass die BH solange Vormund bliebe, bis das Gericht anders entschiede. Herr Hofrat Marady wusste nichts von dem Telex, welches Herr Dr. Heinz Zimper uns nach Spanien sandte. Ich solle bei Gericht beantragen, die Vormundschaft wieder zu erhalten. Betreffend das Sorgerecht für die beiden anderen Kinder, erteilte mir Herr Hofrat Marady die Auskunft, läge seitens der BH und des Gerichts nichts vor. Das Gutachten des Herrn Friedrich kam durch den Antrag auf Besuchsrecht zustande (speziellen Dank an die Rechtsanwaltskanzlei Wegrostek) Tags zuvor war Herr Hofrat Marady das letzte Mal bei Olivia, würde sich aber jeden Tag telephonisch über ihren Gesundheitszustand informieren. Viel wichtiger sei es, meinte er, wenn Olivias Vater bei ihr sei.
Als ob das an mir gelegen hätte!

Gespräch mit Herrn Nowak:
Die Gründung der „Patientenkammer“ stand im Mittelpunkt. Empfohlen wurde mir die Studie von Dr. Dr. habil. Abel über die Chemotherapie. Diese Studie ist für die Chemotherapie wirklich vernichtend.

Abel, Ulrich, Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Dr. biol. hum. habil., geb. 1952. 1970 bis 1979 Studium der Mathematik, Physik, Philosophie und Betriebswirtschaft an den Universitäten Düsseldorf, Hannover, Aix-en-Provence und Bielefeld. 1977 Promotion an der TU Hannover in Mathematik, 1986 Promotion in Humanbiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover; 1989 Habilitation in Epidemiologie und Biometrie an der Fakultät für Theoretische Medizin der Universität Heidelberg. 1977 bis 1980 tätig als wissenschaftlicher Assistent an der Fakultät für Angewandte Mathematik der Universität Bielefeld, 1980 bis 1993 als Biometriker des Tumorzentrums Heidelberg/Mannheim am Deutschen Krebsforschungszentrum, seit 1993 am Institut für Medizinische Biometrie der Universität Heidelberg, Hauptarbeitsgebiete: Planung und Auswertung klinischer und labormedizinischer Studien, Epidemiologie des Krebses. Ulrich Abel ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Artikel und Bücher und Träger mehrerer Wissenschaftspreise.

Auszug aus dem Vorwort der Studie:

Die zytostatische Therapie gilt als feste Säule in der Behandlung maligner Erkrankungen. Ihre Erfolge bei manchen Krebsformen wie Leukämie oder Lymphomen sind bekannt und unbestritten. Wie sieht es aber in ihrem Hauptanwendungsgebiet, den fortgeschrittenen Karzinomen, aus?
Dieser Frage geht das vorliegende Buch - verfasst von einem seit 15 Jahren in der Krebsforschung tätigen Biometriker - nach. Die Analyse der bis heute durchgeführten wissenschaftlichen Studien mündet in den ernüchternden Schluss, dass bei den meisten Organkrebsen keinerlei Belege dafür existieren, dass die Chemotherapie - speziell auch die immer mehr um sich greifende aggressive Hochdosistherapie - die Lebenserwartung verlängert oder die Lebensqualität verbessert. Vieles spricht eher gegen solche Effekte, eine Tatsache, die heute von namhaften Onkologen unverblümt zugegeben wird. Ausführlich geht das Buch auf zahlreiche in der Onkologie verbreitete Fehlschlüsse ein. Auch werden die Fragen diskutiert, wie es kommt, dass Onkologen die Therapie im Bewusstsein der Erfolglosigkeit dennoch anwenden, und welche Auswirkungen das Dogma „Chemotherapie“ in der Onkologie hatte und hat.
...
Die vorliegende Schrift ist das Resultat einer langjährigen Auseinandersetzung mit dem Thema. In ihr hat sich, was anfänglich nur Verdacht war, zur Gewissheit verdichtet: Auch heute noch, nach mehreren Dekaden intensiver klinischer Therapieforschung an zytostatischen Substanzen, fehlt für die allermeisten Krebse jegliche Evidenz dafür, dass die mit diesen Substanzen durchgeführte Krebsbehandlung, überhaupt einen günstigen Einfluss auf Lebenserwartung ausübt. Die gemeinhin verbreiteten Erfolgsmeldungen sind, was die epithelialen Krebse anbetrifft, zumindest irreführend. Sie beruhen in der Regel auf falschen Schlüssen aus unzulänglichem Datenmaterial.
...
Einstweilen erscheint jedoch in dieser von Erfolglosigkeit geprägten Situation die derzeitige starke Konzentration der Studienkapazitäten auf die Chemotherapie schwerlich gerechtfertigt. Und auch die Vorwürfe, die die Schulmedizin, sicherlich meistens zu Recht, den „Außenseitern“ der Medizin macht, dass sie nämlich außerstande seien, ihre Erfolgsbehauptungen wissenschaftlich zu untermauern, fallen auf sie selbst zurück. Ein Umdenken in Krebstherapie und Krebsforschung erscheint nicht nur aus wissenschaftlichen Gründen, sondern vor allem im Interesse der Patienten dringend erforderlich...

Doktor Abel möge mir verzeihen, seine Studie vielleicht unterschwellig als Werbung für die Neue Medizin zu verwenden. Dies liegt aber nicht wirklich in meiner Absicht. Die Neue Medizin benötigt keine Werbung. Die Wahrheit wird sich über kurz oder lang immer durchsetzen. Nur Lügen und Halbwahrheiten benötigen laufend Reklame. Vielmehr beabsichtige ich, gegen das Dogma „Chemotherapie“ aufzutreten.
Zur Erinnerung: Wir verließen das St. Anna-Kinderspital aus intuitiver Angst vor dieser Pseudotherapie, ohne noch eine wirkliche Alternative in Aussicht gehabt zu haben. Hätten wir nicht die Neue Medizin gefunden, wären wir damals aller Voraussicht nach zu einem Alternativarzt, Homöopathen oder Naturheiler gegangen.

Gespräch mit Ingeborg:
Ich übergab ihr eine Kopie meiner Tagebücher. Sie riet mir, leisezutreten. Es sollten Patientengeschichten von Geheilten der Neuen Medizin gesammelt werden.

Besuch bei Familie D.:
Auch ihnen gab ich einen Abzug meiner Tagebücher.

Medien

täglich alles - OLIVIA UNTERSUCHT: NIERENTUMOR UM EIN DRITTEL GESCHRUMPFT



Sonntag, 13.8.1995:

Telefonat mit Dr. Hamer:
Seiner Meinung nach müsste nun die Neue Medizin in 14 Tagen an der Uni Tübingen überprüft werden.

Besuch bei Familie Fuchs:
Ich gab ihnen einen Satz meiner kopierten Tagebücher.



Montag, 14.8.1995:

Telefonat mit Herrn Zoran Dobric, „orf“:
Er hatte meine Nummer vom Vater des kleinen Dan Stefan erhalten und bat um ein Interview. Dazu würde sich ein gewisser Herr Lesnik mit mir noch in Verbindung setzen.

Telefonat mit Herrn Fliege:
Klärung Flugtickets

Telefonat mit Prof. Friedrich:
Ich teilte Prof. Friedrich meinen schriftlichen Wunsch um Akteneinsicht mit und bat um Verschiebung des Termins. Herr Friedrich bemerkte, noch nicht in seiner Ordination gewesen zu sein und keines meiner beiden Faxe (Wunsch auf Akteneinsicht wurde von mir an das AKH und in seine Ordination gefaxt, sowie eingeschrieben an ebenfalls beide Adressen geschickt) erhalten zu haben.

Treffen mit Herrn Rebasso:
Herr Rebasso empfahl mir, nicht als Pressesprecher der Neuen Medizin aufzutreten. Wir sollten Vertrauensärzte ausfindig machen, dies Herrn Hofrat Marady mitteilen, und er soll als Vormund von Olivia diese auch dem AKH vorschlagen.
Die Krankengeschichte sollte der Herr Hofrat Marady wöchentlich von den Ärzten verlangen und sie dem Pflegschaftsakt beilegen, damit nicht später gegenseitige Vorwürfe erhoben werden können.

Medien

täglich alles - OLIVIA: ‚MAMA, NIMM MICH MIT NACH HAUSE!‘



Dienstag, 15.8.1995:

Ich erhielt ein sehr ausführliches Buchmanuskript eines deutschen Autors über die Krebsgeschichte. Sein Name war Herr Averhofer, er vertritt die immunstärkende „BIONK-Therapie“.

Auszüge, aus dem mir sehr wertvoll gewordenen Manuskript:

Bei jährlich über 350.000 Krebsneuerkrankungen werden mit den Familienangehörigen über 1.000.000 Menschen mit dieser Krankheit konfrontiert.
... es deutet schon heute alles darauf hin, dass die Krebsmortalität bereits in wenigen Jahrzehnten der heute noch führenden Herz- und Kreislaufsterblichkeit den ersten Rang ablaufen wird. Der Gesundheitskommissar der Europäischen Union, P Flynn, prognostizierte im Frühjahr 1994 anhand der ihm vorliegenden Gutachten eine jährliche Steigerung von mind. 1% = 8400 Krebstote mehr in der EU.
Diese erschreckenden, beeindruckenden Zahlen über die Zunahme der Krebserkrankungen fordern uns alle, Therapeuten sowie die gesamte Bevölkerung, zu einem totalen Umdenken bei der Krebsbekämpfung auf. Die orthodoxe, aggressive Schulmedizin steckt nach den Aussagen weltweit renommierter Onkologen in einer Sackgasse.
Mit dem alleinigen Einsatz der sogenannten klassischen schulmedizinischen Therapie wie Chirurgie, Strahlen- und Chemotherapie sind keine weiteren nennenswerten Erfolge zu erwarten.
Hierzu Prof. Schmähl, Heidelberg: „Wir wissen heute, dass sowohl die chirurgische wie auch die radiologische Technik an die Grenzen des Möglichen gestoßen ist. Entscheidende Verbesserungen der Heilungsrate des Krebses sind von diesen beiden Behandlungsarten nicht mehr zu erwarten.

Eine „heilende“ Strahlungstherapie gibt es nicht, nur eine schädigende und zerstörerische. Es wird geschätzt, dass es jährlich 2000 - 10.000 Tote durch Strahlung in Deutschland gibt.

Prof. Dr. med. Schmähl, Institut für Toxikologie und Chemotherapie am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg:
„Die übergroße Masse der menschlichen Tumore reagiert indessen nicht oder kaum auf eine Chemotherapeutische Behandlung. So erweisen sich bis heute das Magen- und Darmkarzinom, maligne Tumore der Niere und Blase als praktisch chemoresistent. Eine Chemotherapie solcher Geschwülste führt häufig genug eher zu einer Belastung der betreffenden Patienten als zu einer positiven Beeinflussung der Krankheit. Bei einer Krebschemotherapie muss vor allen Dingen daran gedacht werden, dass Zweittumore durch eben jene Zytostatika ausgelöst werden.“

Prof. Dr. med. J Stjernward, ein weltweit anerkannter Brustkrebsspezialist und Leiter der Krebsabteilung der Weltgesundheitsorganisation in einem Interview der „Welt“ vom 10. Juli 1989:
„Allerdings führen uns Politiker hinters Licht, denn die von ihnen veröffentlichten Daten der angeblichen Erfolge der Krebsbehandlung entsprechen nicht der Wahrheit. Außerdem müssen viele Stellen einen Leistungsnachweis erbringen, um von Politikern und Spendern neues Geld für die Forschung zu bekommen. Dasselbe gilt für die Krebsgesellschaften. Eine Studie aus Besançon / Frankreich hat gezeigt dass 60% der Lungenkrebspatienten Chemotherapeutika erhalten. Das ist Unsinn, denn damit unterdrückt man nur das Immunsystem. Das ist lediglich Therapie für den Arzt, doch ethisch nicht zu vertreten. Außerdem verschwendet man für die weitere Erforschung der Chemotherapeutika sehr viel Geld. Weltweit werden mindestens zwei Drittel aller Krebspatienten an ihrer Tumorerkrankung versterben. Deshalb muss es hier zu einem völligen Umdenken kommen.“

Im Jahre 1971 wurde das amerikanische Krebsgesetz mit dem Programm „Kampf dem Krebs“ unterzeichnet und eingeleitet. Es wurden viele Milliarden Dollar für die Erforschung und Bekämpfung des Krebs bereitgestellt.
Obwohl das Programm wegen Misserfolg 1978 eingestellt wurde, forschten Firmen in der Hoffnung auf lukrative Gewinne weiter. Zwischen 1974 und 1993 erhöhte sich die Zahl der Zytostatika in Deutschland von 22 auf 67.
Schon im Jahre 1978 wurde vom McGovern Komitee im US-Senat insbesondere die Chemotherapie des Krebses als gescheitert erklärt. Dieser Erkenntnis schließt sich die Arbeit von Prof. Bailar 1984 im New England Journal of Medicine an, in der nachgewiesen wird, dass die gesamte Krebstherapie praktisch als fehlgeschlagen klassifiziert werden müsse, weil die Krebssterblichkeit in den letzten 20 Jahren von 164 auf 182 pro 100.000 gestiegen sei: „Wir verlieren den Kampf gegen den Krebs.“

Prof. Dr. med. Nagel, Universitätsklinik Göttingen:
„Die mit Chemotherapie heilbaren Tumore sind durchwegs selten und machen gesamtheitlich weniger als 10% aus. Bei den häufigen Tumoren (Mammakarzinom, Bronchialkarzinom und Magen-Darmtumoren) war bisher in keinem Fall (!) Heilung möglich.“

Die Entwicklung aller zytostatischen Chemotherapeutika erfolgte unter idealen Laborbedingungen an Monokulturen von Krebszellen, die in dieser Form als homogenes Krebsgewebe in einem Organismus niemals vorkommen. Sie beruht auf der Erkenntnis, dem Wissensstand und der Vorstellung vom Krebsgeschehen der 50er und 60er Jahre dieses Jahrhunderts.

Ein verhängnisvoller Fehler ist die falsche Interpretation des Begriffs der sogenannten Remission, also des zeitweiligen Rückgangs der Geschwulste. Dieser durch bildgebende Verfahren nachweisbare Tumorrückgang wird fälschlicherweise gleich- oder in Relation gesetzt mit der Abnahme der Bösartigkeit und Zunahme der Überlebenszeit. Dieses ist eine Fehlinterpretation der Tumorremission, wie sie nur bei der Entwicklung und Testung unter Laborbedingungen erfolgen kann. Heute wissen wir, dass eine Krebsgeschwulst nicht homogen ist, also nicht nur aus Krebszellen besteht. Bis zu 50% der Tumormasse besteht aus physiologischen, also normalen Zellen des Bindegewebes (Fibroblasten) und vor allem aus GefäßzeIlen (Endothelzellen) und Immunzellen. Bis zu 20-30% der Tumormasse machen allein Immunzellen aus. Heute wissen wir, dass die Zellen des Immunsystems sich am häufigsten und schnellsten teilen. Ca. 200 Milliarden Immunzellen produziert der Organismus täglich, also ein Vielfaches mehr als der bösartigste Krebs jemals in der Lage wäre, sich zu teilen und zu vermehren. Die häufigste, von allen Herstellern eingeräumte Nebenwirkung der Chemotherapeutika ist eine Knochenmarkssuppression, die nachweislich zur Leukopenie führt. Normalerweise sind mehr als 5.500 Leukozyten in einem mm3 zirkulierenden Blutes vorhanden. Auf 5 Liter Blut umgerechnet kommen wir auf 27,5 Milliarden zirkulierende Immun- und Abwehrzellen. Es sei hier noch einmal daran erinnert, dass sich die weitaus meisten Abwehrzellen in den Organen befinden.
Bei 27% der mit Taxol (hier stellvertretend für alle Zytostatika) behandelten Patienten trat eine schwere Leukopenie von nur noch 500 Immunzellen pro mm3 auf. Auf wieder 5 Liter Blut umgerechnet, bedeutet dies eine Abnahme auf nur noch 2,5 Milliarden Abwehrzellen. Wenn wir also von nur 5.500 Immunzellen (normal 5.500 - 9.000) pro mm3 vor einer Chemotherapie ausgehen und es während der Therapie zu einem Abfall auf nur 500 Immunzellen pro mm3 kommt, bedeutet dies, dass diese hochgiftigen chemischen Substanzen in kurzer Zeit mess- und nachweisbar 25 Milliarden Abwehrzellen vernichteten. Der Untergang an Immunzellen überwiegt immer den Untergang an Krebszellen. Wie hoch der Verlust an den nicht zirkulierenden, sich in den Organen befindenden Abwehrzellen ist, lässt sich nur schätzen. Aber gerade dieser Verlust an Immunzellen ist es, der eine Tumorremission anzeigt.

...
Diese Nebenwirkungen könnte man akzeptieren, wenn wirklich eine deutliche Überlebensverlängerung erzielt werden würde. Viele Patienten nehmen sie aus Unwissenheit und aufgrund falsch geweckter Hoffnung in Kauf. Aber häufig genug verkürzt man die Überlebenszeit bei gleichzeitigem Verlust der noch verbleibenden Lebensqualität, so dass für viele Krebskranke der Tod dann eine Erlösung darstellt.

Erschütternd, erschütternd! Es wurde Zeit, sämtliche Unterlagen systematisch zu ordnen und zu archivieren.

AKH:
Olivia hatte furchtbar traurige Augen. Keine besonderen Vorfälle.

Treffen mit Herrn Benedetto:
Ich solle ab nun nur mehr über den Rechtsanwalt vorgehen. Die BH hätte derart negative Schreiben über mich verfasst, welche schließlich auch darüber hinaus für immer dem Akt beigelegt werden. Morgiger Termin mit Herrn Hofrat Marady sollte verschoben werden.

Medien

kronen zeitung - OLIVIA ATMET WIEDER ALLEIN



Mittwoch,16.8.1995:

Akteneinsicht am Bezirksgericht:
Video von Prof. Dr. Rius aus Barcelona sowie jede Menge Post von Sympathisanten lagen dem Akt bei. Die Akteneinsicht ermöglichte uns Dr. Spies, der Vertreter des Richters Masizek. Er machte mich darauf aufmerksam, dass die Frist für den Einspruch gegen den Sorgerechtsentzug bereits verstrichen war. Sofort rief ich über das Handy meinen Anwalt Herrn Miklautz an, dieser aber erklärte, die Frist liefe noch. Seiner Meinung nach wären noch weitere zwei Wochen Zeit. Doktor Spies dementierte, als er sich in einem Buch von der Korrektheit seiner Behauptung überzeugt hatte. Was war hier nun richtig?
Weiters machte ich Dr. Spies auf das ungerechtfertigte Schreiben von Hofrat Marady aufmerksam, welches mir vielleicht sogar den Psychiater eingebracht hatte. Dr. Spies meinte, es wäre sicherlich möglich, diesbezüglich Prof. Friedrich aufzuklären. Wir bekamen sämtliche Kopien ausgehändigt.

Anschließend fuhren wir mit Elisabeth in das AKH, Alexander war zu Hause geblieben. Wieder musste ich eine Leibesvisite über mich ergehen lassen, damit ich für 5 Minuten zu Olivia durfte. Warum diese Zeitbeschränkung? Reine Schikane! Olivia war von der Intensiv- in die Kinderabteilung verlegt worden. Sie sah sehr schlecht aus. Laut Prof. Dr. Urbanek, Vorstand der Kinderklinik, sollte diese Besuchsregelung vorerst noch aufrecht bleiben. Nach den 5 Minuten Besuchszeit setzte ich mich ins Cafe und fing an, die Akten zu studieren.
Ich erschrak über das Schreiben von Prof. Friedrich. Es las sich fürchterlich böswillig.

Gespräch mit Dr. Langer:
Er interpretierte das Schreiben aber völlig anders. Seiner Meinung nach erkannte Prof. Friedrich die Gefahr einer Psychiatrisierung meiner Person und wollte mich durch ein von ihm erstelltes Gutachten retten. Das konnte ich nicht aus dem Schreiben erkennen und war völlig ratlos, was ich nun tun sollte. Meiner Meinung nach wollte mich Prof. Friedrich kassieren.
Wir überlegten uns folgendes Konzept:
Nach wie vor sind wir von der Neuen Medizin überzeugt und absolut gegen die Chemotherapie eingestellt, beugen uns aber der derzeitigen Gesetzeslage. Unserem Kind werden wir immer beistehen.

Erikas Tagebuchnotizen:
Gegen 15:00 Uhr wurde Olivia auf die Kinderstation, Ebene 9 gebracht. Professor Friedrich war hier und meinte, es wäre nötig, mit uns zu sprechen. Kommenden Dienstag müsste er das Gutachten abgeben.

Medien

salzburger volkszeitung - OLIVIA MUSS NICHT MEHR KÜNSTLICH BEATMET WERDEN
täglich alles - HAMER-FREUNDIN JETZT MIT BERUFSVERBOT BELEGT

Gemeint war Frau Dr. Rostovsky. Die Wahrsagerin, die ihr vor 14 Jahren einen großen Prozess geweissagt hatte, behielt recht.



Donnerstag, 17.8.1995:

Telefonat mit Prof. Friedrich:
Er bemerkte, dass das Gutachten auch das Sorgerecht der beiden anderen Kinder betreffe. Ich sollte Prof. Friedrich kommenden Freitag zwischen 11:30 und 12:30 Uhr anrufen, um einen Termin für Montag, 21.8.95 auszumachen.

Am Nachmittag trafen sich Frau Dr. Rostovsky, Herr Marian und ich zu einem Essen. Da besprachen wir unter anderem auch den morgigen Sendetermin von „ard-Fliege“. Zufällig schauten wir im Fernsehprogramm nach, unter welchem Titel diese Sendung angekündigt wurde und waren überrascht, dass dieser „Autismus“ lautete!
Dr. Hamer wurde bereits einmal als autistisch bezeichnet. Ich roch die Falle.

Erikas Tagebuchnotizen:
Ich habe die erste Nacht bei Olivia verbracht, konnte aber erst gegen 2:00 Uhr morgens einschlafen. Ich war völlig kaputt. Olivia fühlte sich schon besser und konnte einen Kakao trinken. Bei der Morgentoilette hatten wir viel Spaß. Nach dem Lungenröntgen und der Physiotherapie war sie ziemlich müde. Tante Veronika und Helmuts Mutter waren auf Besuch und spielten mit Olivia Dr. Barbie, was sie sehr erfreute. Gegen 15:00 Uhr war Olivia eingeschlafen bis abends, dann lasen wir ein paar Geschichten, und sie schlief weiter.

Medien

kronen zeitung - ANHÄNGER VON HAMER VERTEILEN KETTENBRIEF VOR DEM WIENER AKH

Der sog. Kettenbrief beinhaltete einen Aufruf zur Gründung einer Patientenkammer und rief sofort die Strategen der Ärztekammer auf den Plan. Eine Patientenkammer konnte die Ärztekammer wirklich nicht gebrauchen! Warum wohl nicht?
Was fürchtet ein mercedesfahrender, tennisspielender, von der Pharmaindustrie finanziell verwöhnter, sich als ein „Gott in Weiß“ fühlender, Patientenmassen abfertigender Arzt wohl mehr, als mit einem mündigen, kritischen und vor allem wissenden Patienten umgehen zu müssen?

Gerade der Grad der Vehemenz, mit der echter Fortschritt bekämpft wird, ist der direkte Maßstab für seine wahre Bedeutung!!



Freitag, 18.8.1995.

Gegen 6:00 Uhr lief der Wecker ab. Die Nacht hatte ich sehr unruhig verbracht. Träume über meine bevorstehende Psychiatrisierung quälten mich. Für 6:30 Uhr war ein Taxi von der Redaktion „Fliege“ für mich bestellt worden, welches ich jedoch zurückschickte. Kurze Zeit später rief mich der Redakteur von „Fliege“, Herr Linde, an und beschimpfte mich nach längerem, nutzlosen Hin und Her auf das Schlimmste. Er meinte, mir sagen zu müssen, was alle Leute bereits von mir dachten und zwar, ich sei ein Verrückter und ein sehr schlechter Vater.

So wäre also der Hase gelaufen. Das Volk musste dumm bleiben. Nur so war es lenkbar. Hierzu war jedes Mittel recht. Man ging auch skrupellos über Einzelschicksale, ja sogar über die Schicksale einzelner Familien hinweg, wenn es darum ging, den Schein wahren zu müssen.

Wie sollte ich aus dieser Geschichte jemals wieder heil rauskommen? Wie sollte ich den Psychiater abwenden?

Besuch bei Olivia:
Der abkommandierte Sicherheitsbeamte blieb während der gesamten Besuchszeit in der Krankenzimmertür stehen. Er konnte jedes gesprochene Wort mithören. Frau Dr. Slavc gestattete mir, an diesem Tag Olivia ein zweites Mal zu besuchen. Sie teilte dem Sicherheitsbeamten und dem Pflegschaftspersonal mit, dass ich auch künftig mein Kind öfters als bisher sehen dürfe.
Als ich wieder auf den Weg zur Tiefgarage war, schritt ich zufällig direkt auf einen parkenden Wagen zu, in dem der Fahrer saß. Wir waren in direktem Blickkontakt. Dieser wurde plötzlich sichtlich nervös, und als ich an ihm vorüberging, wandte er sich mir nach. Wer war das? War er ein Beschatter oder war dies alles bloß ein Zufall? Ich getraute mich nicht, mit meinem Wagen wegzufahren. Unschlüssig schritt ich in der Tiefgarage auf und ab. Schließlich ging ich nochmals zurück, um nachzusehen, was nun dieser Mann machte. Er war samt seinem Wagen verschwunden. Sicherheitshalber fuhr ich mit der U-Bahn zu meinem Rechtsanwalt in die Innenstadt.
An der U-Bahnstation erkannte mich ein altes Ehepaar. Die ältere Dame deutete unverhohlen mit dem Kopf in meine Richtung und fragte ihren Mann, ob auch er mich wiedererkenne.
Mein Bekanntheitsgrad war bereits unerträglich geworden. Wie sollte ich unterscheiden zwischen bloßem Erkennen und gezieltem Überwachen meiner Person? Ich musste mich beherrschen, um nicht dieser blöden Alten eine Grobheit an den Kopf zu werfen.

Treffen mit Herrn Magister Rebasso:
Er besprach sich kurz mit Prof. Friedrich in meinem Beisein am Telefon. Professor Friedrich zeigte sich recht ungehalten und meinte sogar, meine Verzögerungstaktik werde sich in dem Gutachten niederschlagen. Magister Rebasso war sehr über den Zorn des Professors verwundert und führte ein weiteres Gespräch mit dem Richter Spies, damit dieser den Professor von dem vermeintlichen behördlichen Druck zur Erstellung des Gutachtens befreite.

Telefonat mit „Radio Bremen“:
Es wurde mir eine Fernseh-live-Sendung mit Dr. Hamer angeboten.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Er hatte bereits „Radio Bremen“ sein Kommen zugesagt.
Für kommenden Donnerstag oder Freitag sei eine freiwillige Überprüfung der Neuen Medizin von der Uni Tübingen geplant. Die Universität erhalte unzählige Anrufe mit der Frage, ob nun die Neue Medizin bereits überprüft worden ist oder nicht und sie würde dadurch unter starkem Zugzwang stehen. Am 1. Oktober wäre in Tübingen ein Dekanwechsel, und der neue Dekan wäre mit Dr. Hamer bekannt. Sollte diese freiwillige Überprüfung in einer Woche nicht erfolgen, so müsse sie Anfang Oktober, spätestens aber Ende Oktober auf seine Forderung hin mit Gerichtsbeschluss erfolgen57.

Ich getraute mich gar nicht, Freude aufkommen zu lassen. War Dr. Hamer nicht schon wieder einmal zu optimistisch? Würde er anerkannt werden? Konnten seine Gegner wirklich noch nachgeben? Wenn ja, was passiert dann? Wenn nein, was dann? Krieg?
Welche Aufgabe war da uns zuteil geworden? Was hat da das kleine „Steinchen“ Olivia nicht alles ins Rollen gebracht?

Mit Sepp fuhr ich abends in ein Beisl58. Dort traf ich einen ehemaligen Arbeitskollegen, merkte aber sofort, dass dieser mit mir nichts zu tun haben wollte. Wie verhetzt die Menschen durch die Medien waren!

Erikas Tagebuchnotizen:
Ich habe sehr gut geschlafen, auch Olivia. Heute sprach sie bereits viel mehr als gestern. Um 11 :00 Uhr wurde Olivia von den Infusionen abgehängt und mit Hilfe der Schwestern ging sie zum Waagesessel, blieb dann eine Viertelstunde im Lehnsessel sitzen und ging dann wieder zu Bett.





















































57 Die Universität Tübingen war bereits im Januar 1994 gerichtlich vollstreckt worden, da sie ihren Verpflichtungen, Dr. Hamers Habilitationsverfahren korrekt durchzuführen, nicht nachgekommen war.
58 Beisl, österreichisch = Kneipe

Medien

salzburger volkszeitung - OLIVIA PILHAR IST AUFGESTANDEN
täglich alles - MUTTER DARF BEI OLIVIA SCHLAFEN



Samstag, 19.8.1995:

Am Morgen hätte ich fast einen Verkehrsunfall am Gürtel verursacht. Dieser Vorfall war vielleicht wieder ein Zeichen für mich, nicht übermütig zu werden.
Ein Fotoreporter wollte ein Foto von Olivia haben. Da ich keine weiteren Schwierigkeiten bekommen wollte, musste er selbst sein Glück versuchen, um am Sicherheitsbeamten vorüberzukommen. Von Seiten Olivias bestand keinerlei Infektionsgefahr, und Besuch empfing sie in großem Ausmaß. Der Fotoreporter sollte sich als Freund der Familie ausgeben. Dies scheiterte jedoch an der genauen schriftlichen Weisung des Sicherheitsbeamten. In dieser waren alle Personen vermerkt, die Olivia besuchen durften. Sogar meine eingeschränkte Besuchszeit von 5 Minuten war daraus ersichtlich. Jedoch ließen die Wachbeamten, die rund um die Uhr im Schichtbetrieb Olivias Zimmer bewachten, gelegentlich auch andere Personen, vorwiegend allerdings Frauen, in das Krankenzimmer.

Ein zweites Mal ging ich zu Mittag zu Olivia. Frau Dr. Slavc hatte ja gemeint, dass es für Olivia besser wäre, wenn ich sie öfters und länger besuchen würde.
Olivia war im Rollstuhl am Gang, und ich führte sie ein paar Mal auf und ab, als ein Sicherheitsbeamter mir gegenübertrat. Er erklärte, sein Chef, jener korpulente, unhöfliche Herr Ortner (aus der Fotostory), hätte in beauftragt, mich aus der Klinik zu weisen. Es bestünde noch immer die Anweisung, dass ich lediglich für einmal und für fünf Minuten pro Tag meine Tochter besuchen dürfte. Dem Beamten war dies sicherlich peinlich, einen Vater von seiner kranken Tochter zu trennen, zumal er wusste, dass sein Chef sich nur an mir rächen wollte, selbst aber nicht die Courage hatte, mir gegenüberzutreten. Ich musste also wieder gehen und auf eine neue schriftliche Weisung warten.

Medien

kurier - ES WIRD ENG FÜR DIE HAMER-JÜNGER
salzburger volkszeitung - GEMEINGEFÄHRLICHE SCHARLATANERIE

