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Die ganze Woche - Wer hat hier Metastasen im Kopf?
Die ganze Woche, 28.05.1997
Wer hat hier Metastasen im Kopf?
Inder Vorwoche wurde Dr. med. Ryke Geerd Hamer in Köln verhaftet. Er ist der Gründer einer sektenartigen Gemeinschaft, die unter dem Titel „Neue Medizin“ die Krebsheilung ohne Skalpell, Strahlen und Chemotherapie erreichen will, wobei die Grundidee darin besteht, das Wechselspiel zwischen Körper und Geist, die psychosomatischen Wirkungen, bei der Krebsheilung heranzuziehen. Krebs ist nach Hamer durch seelische Probleme ausgelöst und infolgedessen auch auf demselben Weg zu heilen. Tatsächlich verhält es sich so, daß zahlreiche von der Schulmedizin als hoffnungslos eingestufte Fälle, auf der Suche nach alternativer Heilung, auch in den Bereich der Hamerschen Sekte kamen und dort auch starben; bezeugte und von der Schulmedizin anerkannte Heilungsfälle liegen nicht vor.
Der Vorwurf der deutschen Justiz gegen Hamer lautet: Mißachtung des Berufsverbots. Der in unserem Land bekannteste „Fall“, bei dem Geerd Hamer eine zentrale Rolle spielte, war der von Olivia Pilhar, die bekanntlich von den Eltern zunächst nach Spanien gebracht und danach mit Gerichtsbeschluß am 19. September 1995 im Wiener AKH vom Tumor durch Operation befreit wurde. Die kleine Olivia, 8, ist inzwischen so weit wiederhergestellt, daß sie in Stollhof die zweite Klasse der dortigen Volksschule mit gutem Erfolg besucht, und auch körperlich scheint sich der Zustand stabilisiert zu haben, denn sie hat von 21 auf 28 Kilo zugelegt.
Stollhof ist ein kleiner Ort in Niederösterreich an der Hohen Wand. Sechs Kilometer entfernt davon wohnt die Familie Pilhar in Maiersdorf. Im Oktober 1996 wurden Vater und Mutter Pilhar bekanntlich zu acht Monaten bedingter Haft wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Die Pilhars haben dagegen die Berufung eingebracht und erwarten demnächst den Prozeß beim Oberlandesgericht.
Mutter Erika Pilhar, 34, hat nun vier Kinder zu versorgen, das jüngste, Matthias, ist inzwischen elf Monte alt, so daß die frühere Lehrerin zur Zeit noch ihren Karenzurlaub in Anspruch nimmt.
Vater Helmut Pilhar, 32, der früher bei einer Telefonfirma als EDV-Mitarbeiter beschäftigt war, hat seinen Job aufgegeben und lebt nun nur noch Hamers neuer Medizin und der medialen Vermarktung seiner Tochter Olivia. Er hat Geld für Filmrechte, Buchrechte, Fotorechte, Interviews, Fernsehauftritte kassiert und scheint es nun nicht mehr nötig zu haben, in das normale Berufsleben zurückzukehren. Helmut Pilhar: „Ich lebe von Spenden und Rücklagen.“ Er verbringt eine Art Dauerurlaub im Garten seines Hauses, spielt dort mit den Kindern und pflegt seine Vorurteile gegen die Schulmedizin.
Haben Sie sich bei den AKH-Ärzten für die Heilung Ihrer Tochter bedankt? Dazu meint Erika Pilhar: „Wofür sollten wir uns bei diesen Leuten bedanken. Olivia ist bis heute nicht gesund!“ Und Helmut Pilhar meint: „Nur weil die Ärzte der Olivia nicht die volle Chemotherapie gegeben haben, ist sie davongekommen. Doch nach wie vor hat sie gelegentlich Bauchschmerzen. Sie ist kurzatmig, deshalb achten wir darauf, daß sie sich nicht überanstrengt. Außerdem hat sie nur 35 Prozent Herzleistung. Das AKH hat schon fast ein Jahr lang keine Herzuntersuchung gemacht. Die Leute dort wollen das gar nicht wissen. Und außerdem: Es gibt Befunde, die besagen, Olivia hat Kopfmetastasen. Das sagt ein Chirurg aus dem AKH. Ein anderer Professor allerdings schreibt uns, daß niemals Kopfmetastasen diagnostiziert wurden. Wir haben nach wie vor keine Obsorge für das Kind. Die liegt noch immer bei der Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt. Dort haben wir auch auf die Kopfmetastasen hingewiesen, doch keine Reaktion erfahren.“
Warum hat man, meinen Sie, Dr. Hamer gerade dieser Tage verhaftet und in Untersuchungshaft genommen? „Wie ich das einschätze, hat die Festnahme Dr. Hamers nur einen Grund: unseren bevorstehenden Prozeß. Beim ersten Verfahren konnten wir uns laufend bei Dr. Hamer telefonisch zu medizinischen Fragen Rat holen. Jetzt, bei der Verhandlung zweiter Instanz, haben wir keinen Dr. Hamer mehr. Und wenn sie uns so nun den Entdecker der Neuen Medizin geraubt haben, wer wird uns bei diesem Prozeß beraten? Schließlich rechnen wir jeden Tag damit, den Verhandlungstermin und die Vorladung zu bekommen.“
Wird Olivia noch vom AKH betreut? „Ja, in den nächsten Tagen müssen wir dort wieder zum vierteljährlichen Nachuntersuchungstermin mit dem Kind erscheinen.“
Inder Vorwoche wurde Dr. med. Ryke Geerd Hamer in Köln verhaftet. Er ist der Gründer einer sektenartigen Gemeinschaft, die unter dem Titel „Neue Medizin“ die Krebsheilung ohne Skalpell, Strahlen und Chemotherapie erreichen will, wobei die Grundidee darin besteht, das Wechselspiel zwischen Körper und Geist, die psychosomatischen Wirkungen, bei der Krebsheilung heranzuziehen. Krebs ist nach Hamer durch seelische Probleme ausgelöst und infolgedessen auch auf demselben Weg zu heilen. Tatsächlich verhält es sich so, daß zahlreiche von der Schulmedizin als hoffnungslos eingestufte Fälle, auf der Suche nach alternativer Heilung, auch in den Bereich der Hamerschen Sekte kamen und dort auch starben; bezeugte und von der Schulmedizin anerkannte Heilungsfälle liegen nicht vor.
Der Vorwurf der deutschen Justiz gegen Hamer lautet: Mißachtung des Berufsverbots. Der in unserem Land bekannteste „Fall“, bei dem Geerd Hamer eine zentrale Rolle spielte, war der von Olivia Pilhar, die bekanntlich von den Eltern zunächst nach Spanien gebracht und danach mit Gerichtsbeschluß am 19. September 1995 im Wiener AKH vom Tumor durch Operation befreit wurde. Die kleine Olivia, 8, ist inzwischen so weit wiederhergestellt, daß sie in Stollhof die zweite Klasse der dortigen Volksschule mit gutem Erfolg besucht, und auch körperlich scheint sich der Zustand stabilisiert zu haben, denn sie hat von 21 auf 28 Kilo zugelegt.
Stollhof ist ein kleiner Ort in Niederösterreich an der Hohen Wand. Sechs Kilometer entfernt davon wohnt die Familie Pilhar in Maiersdorf. Im Oktober 1996 wurden Vater und Mutter Pilhar bekanntlich zu acht Monaten bedingter Haft wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Die Pilhars haben dagegen die Berufung eingebracht und erwarten demnächst den Prozeß beim Oberlandesgericht.
Mutter Erika Pilhar, 34, hat nun vier Kinder zu versorgen, das jüngste, Matthias, ist inzwischen elf Monte alt, so daß die frühere Lehrerin zur Zeit noch ihren Karenzurlaub in Anspruch nimmt.
Vater Helmut Pilhar, 32, der früher bei einer Telefonfirma als EDV-Mitarbeiter beschäftigt war, hat seinen Job aufgegeben und lebt nun nur noch Hamers neuer Medizin und der medialen Vermarktung seiner Tochter Olivia. Er hat Geld für Filmrechte, Buchrechte, Fotorechte, Interviews, Fernsehauftritte kassiert und scheint es nun nicht mehr nötig zu haben, in das normale Berufsleben zurückzukehren. Helmut Pilhar: „Ich lebe von Spenden und Rücklagen.“ Er verbringt eine Art Dauerurlaub im Garten seines Hauses, spielt dort mit den Kindern und pflegt seine Vorurteile gegen die Schulmedizin.
Haben Sie sich bei den AKH-Ärzten für die Heilung Ihrer Tochter bedankt? Dazu meint Erika Pilhar: „Wofür sollten wir uns bei diesen Leuten bedanken. Olivia ist bis heute nicht gesund!“ Und Helmut Pilhar meint: „Nur weil die Ärzte der Olivia nicht die volle Chemotherapie gegeben haben, ist sie davongekommen. Doch nach wie vor hat sie gelegentlich Bauchschmerzen. Sie ist kurzatmig, deshalb achten wir darauf, daß sie sich nicht überanstrengt. Außerdem hat sie nur 35 Prozent Herzleistung. Das AKH hat schon fast ein Jahr lang keine Herzuntersuchung gemacht. Die Leute dort wollen das gar nicht wissen. Und außerdem: Es gibt Befunde, die besagen, Olivia hat Kopfmetastasen. Das sagt ein Chirurg aus dem AKH. Ein anderer Professor allerdings schreibt uns, daß niemals Kopfmetastasen diagnostiziert wurden. Wir haben nach wie vor keine Obsorge für das Kind. Die liegt noch immer bei der Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt. Dort haben wir auch auf die Kopfmetastasen hingewiesen, doch keine Reaktion erfahren.“
Warum hat man, meinen Sie, Dr. Hamer gerade dieser Tage verhaftet und in Untersuchungshaft genommen? „Wie ich das einschätze, hat die Festnahme Dr. Hamers nur einen Grund: unseren bevorstehenden Prozeß. Beim ersten Verfahren konnten wir uns laufend bei Dr. Hamer telefonisch zu medizinischen Fragen Rat holen. Jetzt, bei der Verhandlung zweiter Instanz, haben wir keinen Dr. Hamer mehr. Und wenn sie uns so nun den Entdecker der Neuen Medizin geraubt haben, wer wird uns bei diesem Prozeß beraten? Schließlich rechnen wir jeden Tag damit, den Verhandlungstermin und die Vorladung zu bekommen.“
Wird Olivia noch vom AKH betreut? „Ja, in den nächsten Tagen müssen wir dort wieder zum vierteljährlichen Nachuntersuchungstermin mit dem Kind erscheinen.“
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