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| 4. Eingesperrt hinter Betonmauern (Teil B) |
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Kapitel 4
Olivia: Eingesperrt hinter Betonmauern
(Teil B)
Montag, 2.10.1995:
Die „kronen“-Zeitung hatte die Bilder von „bild am sonntag“ gestohlen und veröffentlicht. Sitten herrschen in der Medienbranche...
Telefonat mit „news“-Chef, Herrn Fellner:
Er gab vor, das Kriegsbeil begraben und persönlich mit uns ein Interview führen zu wollen.
Wer hatte eigentlich das Kriegsbeil ausgegraben?
Telefonat mit „bild am sonntag“:
Es wurde uns bestätigt, dass „krone“ die Bilder gestohlen habe. Sie würden dagegen rechtlich vorgehen.
Besuch mit Dr. Leibold bei Olivia:
Er besprach sich kurz mit Prof. Dr. Urbanek. Somit war Dr. Leibold offiziell der die Therapie begleitende, homöopathische Arzt.
Ich konnte mit ihm ein sehr gutes und ausführliches Gespräch führen. Für ihn waren Olivias Unterleibsschmerzen die gleichen wie vor der Operation. Er werde sich einiges überlegen müssen und dann ein begleitendes Konzept schriftlich Prof. Dr. Urbanek unterbreiten.
Gespräch mit Prof. Dr. Urbanek:
Er belästigte uns mit dem Wunsch, der österreichischen Presse kostenlose Fotos von Olivia zur Verfügung zu stellen. Er habe wegen der Bildveröffentlichung in der deutschen Zeitung „bild am sonntag“ von der inländischen Presse starken Druck zu spüren bekommen. Diesem Wunsch verwehrten wir uns aber entschieden.
Er erlaubte mir, bei Olivia zu übernachten, ich müsse jedoch ein psychiatrisches Gutachten über meine Person von Prof. Friedrich erstellen lassen.
Olivia:
Doktor Langer war wieder einmal zu Besuch gekommen. Er war längere Zeit krank gewesen. Dieser Besuch von ihm, sollte für sehr lange Zeit der letzte bleiben. Warum er den Kontakt zu uns abbrach, konnten wir nicht in Erfahrung bringen, vermuten aber Unangenehmes. Sämtliche Bemühungen unsererseits, mit ihm wieder sprechen zu können, blieben erfolglos. Es tat uns leid, diesen uns lieb gewordenen Arzt verloren zu haben.
Olivia hatte einen beschwerdefreien Tag. Ihr wurden wieder Medikamente über einen Perfusor (= Apparat zur Kontrolle und Regulation von Infusionen) zugeführt, dadurch war sie an das Bett gefesselt. Sonst schien sie jedoch guter Dinge zu sein.
Als uns Prof. Dr. Urbanek zu einem Gespräch heraus bat, brach Olivia sofort in Tränen aus. In dieser Zeit war das völlig normal bei ihr. Ihre Fixierung auf Erika war ungewöhnlich stark. Als ich mit Dr. Leibold und den anderen Kindern dann gehen wollte, steckten wir diesen Perfusor einfach ab (dieser lief dann mittels Akku weiter) und Olivia begleitete uns noch bis zum Lift. Der diensthabende Wachbeamte begleitete uns argwöhnisch.
Wenn Olivia ging, trat sie seit kurzem mit den Zehen zuerst auf. Die Ärzte bezeichneten dies als Spitzfuß und verordneten Olivia Kunststoffschienen, welche ihren Fuß in einem 90° Winkel zum Bein hielten. War dies bereits die Nerven und Muskeln schädigende Wirkung der Chemo?
Telefonat mit einem Freund aus Bremen:
Vor ein paar Wochen meldete sich ein etwa 26jähriger Mann und erzählte mir von seinem Leidensweg. Er hatte Knochenzysten, und die Ärzte wollten gleich über ihn herfallen. Obwohl er damals erst 17 Jahre alt war, konnte er dies ablehnen und ging zu Dr. Hamer. Heute sind seine damaligen Leidensgenossen schon alle tot, und er war vorsichtig geworden. Er nannte nicht einmal seinen Namen. Er hatte den Wunsch, uns zu helfen und wollte kommenden Samstag zu Besuch kommen.
Medien:
„krone“: „DlE ERSTEN FOTOS UNSERER TAPFEREN OLIVIA“
„täglich alles“: „SPANIEN: GERICHT WIES KLAGE GEGEN HAMER-ÄRZTE ZURÜCK“
Dienstag, 3.10.1995:
Gespräch mit Dr. Leibold:
Es gab nicht viele Ärzte, mit denen man unter diesen Umständen noch normal und ungezwungen sprechen konnte, doch Dr. Leibold war ein solcher. Vor allem aber besaß er große Lebenserfahrung. Er bewunderte unser Durchhaltevermögen, riet aber zu mehr Ruhe. Gegenüber Dr. Hamer war er geteilter Meinung, betreffend seiner Leberdiagnose meinte er nunmehr doch, dass der Kölner Arzt hier irre. Über Olivias Zustand machte er sich ernstlich Sorgen.
Telefonat mit Herrn Puschler:
Er hatte mit der Pressesprecherin des AKH gesprochen und teilte mir nun mit, dass die Leitung des AKH sehr erbost darüber sei, keine Fotos von Olivia für die österreichischen Medien zu bekommen. Unsere Weigerung, diese Fotos auszuhändigen, sei aber unser Recht und dagegen sei das AKH machtlos. Soweit die Auskunft der dazu befragten Rechtsabteilung des AKH.
Ich gestehe, eine gewisse Schadenfreude genossen zu haben.
AKH:
Olivia litt unter spastischer Lähmung an den Händen und Füßen. Die Ärzte bezeichneten dies als Spitzfuß, und als Ursache gaben sie die nervenschädigende Nebenwirkung der Chemotherapie an.
Laut Dr. Hamer könnte hierfür zusätzlich aber auch ein Konflikt des Nicht-Entfliehen-Könnens verantwortlich sein.
Treffen mit Herrn Rebasso:
Herr Benedetto sah, so wie ich, in der Psychiatrisierung eine große Gefahr. Magister Rebasso teilte unsere Meinung nicht so. Er vertrat die Ansicht, dass ein negatives Gutachten im Strafverfahren nicht, aber sehr wohl im Pflegschaftsverfahren gefährlich sein könnte. Ich wurde für morgen instruiert, beim Richter Zak Akteneinsicht zu halten, vor allem aber bei Prof. Ängstler in naher Zukunft ein Privatgutachten erstellen zu lassen. Betreffend das weitere Vorgehen mit der Presse, erklärte sich Sigrun bereit, als Pressereferentin zu fungieren.
Medien:
Über diesen Artikel war ich momentan fassungslos. Es wurde die blanke Lüge verbreitet. Wer log, die Zeitung oder die Ärzte? Warum? Professor Urbanek hatte den Sicherheitsbeamten angewiesen, den Fotoreporter der deutschen Zeitung „bild am sonntag“ in das Zimmer von Olivia reinzulassen. Der Sicherheitsbeamte war die ganze Zeit des Besuches im Zimmer anwesend. Und was hieß „wegen Infektionsgefahr“? Olivia durfte die ganze Zeit Besuche empfangen. Niemand, auch nicht die Ärzte und Krankenschwestern, die Olivia betreuten, hatten bisher Mundschutz oder sonst irgendeine Vorkehrung wegen Infektionsgefahr getroffen. Es hatte bisher überhaupt keine Infektionsgefahr bestanden! Und abgesehen davon, wie hätte es gelingen sollen, den Fotoreporter in das Zimmer einzuschleusen? Rund um die Uhr war doch ein Wachbeamter vor der Tür zu Olivias Krankenzimmer abkommandiert. Es war unmöglich, unbemerkt am Sicherheitsbeamten vorbeizukommen!
Der Artikel war eine gemeine Revanche dafür, dass wir die ersten Fotos von Olivia an eine deutsche und nicht an eine österreichische Zeitung weitergegeben hatten.
Mittwoch, 4.10.1995:
Telefonat mit Frau Hildegard:
Sie rief fast täglich an und erkundigte sich nach Olivias und unserem Befinden. Sie sprach uns Trost und Zuversicht zu, und oft konnte sie mich durch ihren Optimismus wieder aufrichten. In einem früheren Schreiben hatte sie uns mitgeteilt:
Keine Entdeckung der letzten Jahrhunderte erreichte dieses gigantische Ausmaß, wie die 5 biologischen Naturgesetze. Doktor Hamer wurde für diese Entdeckung auserwählt, sichtbar an den 8 (!) Mordanschlägen, die er jedes Mal überlebt hat.
Mein Nachbar, der Internist W., sagte zu mir: „Wenn Dr. Hamer recht hat, dann sind wir Ärzte ja alle Mörder!“ Wenn der Internist die Sache so sieht ...
Trotzdem kann und darf es nicht sein, dass die Schulmedizin die dräuenden Schatten der Erinnerung an Auschwitz, Birkenau und Dachau wiedererweckt!
Aber auch schon Ärzte wie Ignaz Semmelweis und Wilhelm Reich wurden als Wahnsinnige hingestellt und erst spät rehabilitiert. Tausende von Müttern mussten noch sterben, bis die Schulmediziner einsahen, dass Semmelweis recht hatte und sie tatsächlich selbst das Problem waren, da sie durch ihr noch sorgloses, wenn nicht sogar trotziges Tun, erst die, in dieser Situation lebensgefährlich gewordenen Erreger, an das Wochenbett brachten.
Und genau so ist es eben heute mit den iatrogenen (= durch Ärzte verursacht) Folgen. Auch kann man sich manchmal des Eindruckes nicht erwehren, dass durch die weltweiten Massenmedien eine gedankliche Beeinflussung ohnegleichen versucht wird. (Das Feuerwasser den Indianern - den Österreichern manch Fernsehprogramm) Trotzdem kommt zunehmend mehr und mehr Klarheit an den Tag: „Nie wurde das Prinzip von Ursache und Wirkung so greifbar!“
Doktor Hamer mit seiner Neuen Medizin bringt uns:
- die gesundheitliche Freiheit
- die totale soziale Verbesserung
- die natur- und gesellschaftspolitische Verbesserung
Dies alles zu unterdrücken, kommt einer unerhörten Menschenverachtung gleich!
Wie oft schlagt ihr Jesus noch ans Kreuz?
Die Neue Medizin ist der Schlüssel zum Verständnis des Universums und zum Verständnis der Sinnhaftigkeit unseres Lebens - zur inneren Ausgewogenheit - zur LIEBE!
Ich liebe die Neue Medizin über alles - denn ich habe sie begriffen und so viele andere mit mir.
Für alle ist es wichtig,
- ihr Projektionssystem zu überdenken
- ihr Egodefizit zu überdenken
- ihre grenzenlose Macht- und Profitgier zu überdenken
- ihre Berührungsängste
- ihre Existenzängste
- und ihre Profilierungsängste loszulassen und wieder Demut zu lernen!
Die in der „ganze woche“ veröffentlichten Bilder von Olivia schockierten sie und genauso der dazu verfasste Artikel. Für die Redaktion dieser Zeitung war er ungewöhnlich negativ verfasst.
Akteneinsicht bei Richter Zak:
Er ging mit mir in das Zimmer im 2. Stock, wo sich der Akt befand. Dieser hatte bereits einen so großen Umfang, dass er bereits in einem Karton verstaut werden musste. Unser Akt war ein Teilakt von Dr. Hamer. Ich bat den Richter um Hilfe, und er kramte die letzten aktuellen Schriftstücke aus dem Karton hervor. Das wesentliche Schreiben über die Gutachtensbestellung musste er jedoch erst vom Staatsanwalt holen. Er meinte, ich könne dieses Schreiben nicht kopieren, da hierfür die Zeit nicht reiche, der Staatsanwalt brauche es sofort wieder. Ich solle die zwei Seiten abschreiben. Dies war mir eigenartig erschienen, da das Abschreiben ja viel mehr Zeit in Anspruch nehmen musste. Ich konnte auch nicht alles abschreiben, der Richter nahm mir das Schreiben wieder ab. Er war ungeduldig geworden und erklärte, dass dieses Schreiben sowieso bereits zu meinem Rechtsanwalt unterwegs sei. Ich wies auf das Datum. Demnach musste das Schreiben bereits eine Woche auf dem Postweg zugebracht haben.
Der Richter schnitt das Thema des psychiatrischen Gutachtens an, das nun von Prof. Franz-Blasius Pazl erstellt werden sollte, und ich fragte ihn, ob er das Schreiben des Herrn Prof. Friedrich kenne, was er bejahte. Ob es sein könne, dass aufgrund der geographischen Nähe des Psychiaters Prof. Pazl und des Prof. Jürgenssen sich diese besser kennen und mich nun neuerlich eine solche Falle erwarte? Er verneinte und bemerkte, dass die Ärzte ja untereinander nicht einig wären. Ich erwähnte die Geschichte um Prof. Franz-Blasius Pazl, die erzählt, dass er vor Jahren splitternackt auf einem Baum sitzend die Reaktionen der Passanten studiert hätte. Richter Zak kannte diese Geschichte, meinte aber: „Ja, ja! Das ist aber heute vorbei.“
Ich steckte meine Abschrift ein und machte mich unverrichteter Dinge auf den Weg. Vor der Tür fragte ich Richter Zak, ob es wirklich möglich sei, dass die Neue Medizin in einem EU-Land wie Spanien legal und in einem zweiten EU-Land wie Österreich, verboten sein könne. Er bejahte mit dem Beispiel des Canabis, welches bei uns verboten sei, in Deutschland hingegen nun legalisiert werden solle. Trotzdem, so meinte ich weiter, ginge es hierbei ja um Menschenleben. Dies werde er überprüfen, erwiderte er, und schloss unser Gespräch.
Später erst studierte ich die Gutachtensbestellung. Darin lautete es, „... insbesondere ob sie in der gegenständlichen Strafsache das Unrecht ihres Tuns erkennen konnten oder nicht und sohin als Überzeugungstäter eingestuft werden können ... "
Wir empfanden uns weder als Täter, noch Olivia als Opfer, wenn wir nach der Neuen Medizin hätten vorgehen können, noch sahen wir ein, durch unsere Wahl der Neuen Medizin ein Unrecht begangen zu haben.
Liegt denn irgendeine Überprüfung vor, die belegen könnte, dass die Neue Medizin keinen Erfolg versprechen kann?
Gegen Mittag erhielten wir durch die Post die Vorladung des Prof. Pazl zur psychiatrischen Begutachtung. Ich leitete sofort alles meinem Rechtsanwalt weiter. Es zeigte sich, dass durch die Formulierung des Gutachtensauftrags sich folgende Konstellation ergab:
Sollte das Gutachten ergeben, dass wir das Unrecht unseres Tuns erkennen konnten, dann sind wir im Strafverfahren voll dran, konnten wir dagegen unser Unrecht nicht erkennen, dann wären wir im Pflegschaftsverfahren voll dran, denn dann würde der Richter sagen, was sind das für Eltern, die nicht einmal erkennen konnten, ihr Kind gequält zu haben, und wir würden nicht nur das Sorgerecht von Olivia nicht zurückerhalten, sondern wären auch in Gefahr, das Sorgerecht für die anderen Kinder zu verlieren.
Das war wirklich klug eingefädelt. Aber ohne uns!
AKH:
Olivia peinigten starke Bauchschmerzen.
Mein Verhältnis zu meiner Mutter wie auch zu meiner Schwester Silvia, die beide zu Besuch bei Olivia waren, war recht frostig. Mutter litt darunter, das sah man ihr an. Aber wie sollte ich ihr helfen? Für die beiden war Dr. Hamer genau der Scharlatan, den die Medien verbreiteten und kein Argument, dieses Bild zu korrigieren, ließen sie gelten.
Die kommende Nacht durfte ich das erste Mal bei Olivia im Zimmer verbringen.
Ein mir nicht bekannter Arzt kam in das Zimmer und horchte Olivias Bauch ab. Er meinte, die AKH-Leitung versuche nun, mir entgegenzukommen, ich hätte aber bereits früher über Nacht hierbleiben können, Olivia hätte ja auch nach mir verlangt. Er mutmaßte, dass ich wohl Wichtigeres zu tun gehabt habe und spielte damit auf meine Interviews im Fernsehen an.
Das war typisch. Zuerst wird uns alles Mögliche strikt verboten, und wenn sie es schließlich doch erlaubten, meinten sie, es wäre ein Missverständnis oder dergleichen gewesen. Aber ich ließ mich nicht provozieren und entgegnete gelassen, dass mir erst vergangenen Montag Prof. Urbanek für eine Nächtigung die Erlaubnis gegeben hatte und immerhin auch Olivia zumindest damit einverstanden sein musste, dass nun ich den Platz der Mutter einnehmen sollte.
Etwas später erschien Prof. Horcher. Er brachte ein für Olivia abgegebenes Päckchen. Wahrscheinlich hatte er mit meiner Anwesenheit absolut nicht gerechnet, denn er brachte nur zwei kurze Bemerkungen Olivia gegenüber hervor, drehte sogleich wieder um und verließ das Zimmer.
Gegen 22:00 Uhr schlief Olivia ein, gegen 23:30 Uhr wachte sie wegen Bauchschmerzen auf, erbrach und machte ins Bett, gegen 2:00 Uhr erbrach sie nochmals, ebenso gegen 4:30 Uhr.
Man weiß, dass das Kind vergiftet wird, dass es leidet, und dass die Therapie absolut falsch ist und kann nichts dagegen machen. Mit gebunden Händen muss man der Folter seines Kindes beiwohnen und darf nicht einmal murren, denn sonst wird man mit Gewalt von dem Kind entfernt.
Medien:
„ganze woche“: „OLIVIA: 'ICH WÄR SCHON GERN DAHEIM!'“
Donnerstag, 5.10.1995 AKH:
Olivia aß zum Frühstück einen Bissen Semmel und ein kleines Stück Birne. Gegen 9:00 Uhr wurde ihr Blut abgenommen, und sie wurde von der künstlichen Ernährung abgeschlossen. Sie hatte gute Laune. Zwischen 9:45 und 10:45 Uhr besuchte sie mit zwei weiteren Kindern die Schule an der Station. Als sie wieder ins Zimmer zurückkam, klagte sie über Übelkeit.
Fast jeden Tag kam Hanni, eine ehemalige Krankenschwester, die nun mit Olivia energetische Körperarbeit betrieb. Sie wirkte auf Olivias Aura durch Handmagnetismus ein, damit Olivias eigene Körperenergien wieder in korrekten Bahnen fließen konnten. Viel verstand ich nicht davon, aber Olivia schien Hanni recht gut zu leiden, und mir war dies besonders wichtig.
Diese Zeit nützte ich für einen Kaffee im Restaurant vis-a-vis, denn der Kaffee an der Station war einfach nicht zu trinken. Das Essen bekam mir übrigens auch nicht, und ich verstand, dass sich Olivia damit doppelt überwinden musste.
Einer der Sicherheitsbeamten war Ägypter, und wir waren einander sympathisch. Er zeigte mir den letzten „news“-Artikel, in dem Fotos von Olivia aus der deutschen „bild am sonntag“ abgebildet waren. Also hatte auch „news“ diese Bilder gestohlen! Über den „kurier“-Artikel vom vergangenen Dienstag konnte der Sicherheitsbeamte nur den Kopf schütteln, so derart verlogen war dieser!
Er wusste vom wirklichen Hergang und bestätigte mir nochmals, dass Prof. Urbanek per Telefon seinen Kollegen angewiesen hatte, den Reporter zu Olivia zu lassen. Damals war er wegen der Dienstablösung hinzugekommen.
Gegen Mittag kam Erika mit den Kindern und brachte für Olivia Selbstgekochtes mit. Es war wirklich erstaunlich, mit anzusehen, wie plötzlich Olivia voll Heißhunger über das Essen herfiel, obwohl sie noch kurz zuvor alle Speisen abgelehnt hatte. Sie aß wirklich viel.
Kurz vor Mittag war die Onkologin Frau Dr. Slavc bei uns im Zimmer gewesen und hatte mir erklärt, dass Olivia wegen ihres Untergewichts morgen eine Magensonde bekommen sollte.
Es war verrückt! Den aufgewärmten Krankenhausfraß brachte ich auch nicht runter. Die Ärzte sollten doch berücksichtigen, dass Olivia, das von ihrer Mutter Gekochte sehr wohl mit Appetit essen konnte. Aber wie sollte ich in meiner Situation mit diesen Ignoranten über derlei, für sie lediglich eine weiter Unwesentlichkeit, diskutieren können?
MENSCH, DU MUSST WIE EINE MASCHINE FUNKTIONIEREN, UND BIST DU NICHT WILLIG, SO GEBRAUCHEN WIR GEWALT.
Um Olivias spastische Lähmung in den Griff zu bekommen, kam regelmäßig nach der Schule eine Physiotherapeutin und versuchte mit einer Haarbürste mit weichen Borsten, Olivias Zehen zu kitzeln und somit die Nerven zu stimulieren.
Auch nahm sie einige Dehnungsübungen mit ihren Beinen und Füßen vor.
Am späten Nachmittag fuhr ich mit den Kindern nach Hause, und Erika blieb wieder bei Olivia zurück.
Bezirkshauptmannschaft:
Unser Rechtsanwalt bat um Klärung wegen
- der allfällig entstanden Kosten rund um den Krankenhausaufenthalt von Olivia, wie Bewachung durch Sicherheitsdienst usw.
- Nichtbeantwortung seines Schreibens vom 21.9.95
Medien:
„stern“: „DIAGNOSE VOM SCHEIN-HEILER“; „OPERATION UNTER PROTEST“
Freitag, 6.10.1995:
Telefonat mit Erika:
Man hatte Olivia unter vielen Mühen eine Magensonde gesetzt, mehrmals erbrach sie diese wieder. Armes Kind ...
Samstag, 7.10.1995:
Besuch von Freunden aus Bremen:
Es kamen Vater und Sohn. Martin war körperbehindert, deshalb wollte ihn sein Vater nicht alleine die weite Reise antreten lassen.
Sie scheuten weder Mühen noch Kosten, um uns persönlich kennenzulernen. Mit knapper Not war Martin der schulmedizinischen Krebstherapie entronnen und ging zu Dr. Hamer. Damals leitete Dr. Hamer noch eine Klinik, welche er dann durch Schikanen seiner Neider schließen musste. Martins Leidensgefährten, die er damals bei der Schulmedizin kennengelernt hatte und die sich von ihr auch behandeln ließen, waren nun alle tot.
Einem geheilten Hamer-Patienten zu erklären, Dr. Hamer sei ein Scharlatan oder die Neue Medizin sei absolut falsch, käme dem Versuch gleich, einem Mathematikstudenten zu erklären, zwei und zwei sei fünf. Beide würden einen auslachen.
Sonntag, 8.10.1995:
AKH:
Frau Dr. Slavc konnte der Bitte Erikas, mit der Chemo so lange zu pausieren, bis Olivia wieder bei Kräften sei, nicht entsprechen. Sie erklärte, dass derzeit nach dem Chemoprotokoll für das Stadium II vorgegangen werde, und dass die Chemodosen vor und nach der Operation bereits um die Hälfte reduziert wurden. Diese Reduktion hätte allein sie zu verantworten und tat dies aus der Überlegung, Olivias spastische Lähmung nicht noch weiter zu verschlimmern.
Es sei aber anzunehmen, dass in Olivias Körper noch um die 10 Millionen Krebszellen umher schwömmen, denen man nun den Garaus machen müsse. Auf weitere Bestrahlung könne verzichtet werden, da bei der Operation festgestellt worden sei, dass der Tumor nicht mit anderen Organen verwachsen war, eine feste Kapsel hatte und nur mehr aus 10-35% lebender Krebszellen bestand.
Die Chemo selbst setze sich aus drei Präparaten zusammen, welche in einem Rastersystem (Chemoprotokoll) verabreicht würden. Derzeit wären die Befunde über das Blutbild und die Kreatininwerte in Ordnung.
Allerdings sei Olivias Herzmuskel vergrößert. Dies wurde dadurch erklärt, dass der „Riesentumor“ durchblutet werden musste. Diesbezüglich müsste noch ein Herzspezialist befragt werden, wie die Werte zu interpretieren seien.
Olivia hatte um die 20,8 kg. Frau Dr. Slavc gab Order, dass Olivias Gewicht niemals mehr unter 21 kg fallen dürfe. Wenn Olivia um die 25 kg Gewicht habe, wieder normal essen und gehen könne, könnte sie, medizinisch gesehen, stationär entlassen werden. Vielleicht wäre es in 7 Wochen so weit. Die Ärztin meinte wegen der Lähmungserscheinungen noch, dass vielmehr als die Chemo das ständige Liegen die Schuld trage.
Während der Ausführungen der Dozentin gelang es mir wirklich, den Mund zu halten. Aber ich prägte mir natürlich so viele Aussagen wie möglich ein.
Olivia begleitete mich noch zum Aufzug. Natürlich schritt ihr sogleich ein argwöhnischer Sicherheitsbeamter nach.
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| 8.10.1995: Olivia mit Magensonde |
Telefonat mit Sigrun:
Sie erklärte sich bereit, als Pressereferentin für uns aufzutreten. Für kommenden Vormittag vereinbarten wir ein Treffen.
Telefonat mit Frau Taube, „bild“-Zeitung:
Sie wollten unbedingt von Olivia gemalte Bilder veröffentlichen.
Telefonat mit einem Freund aus Deutschland:
Schon öfter hatte er mit uns Kontakt aufgenommen. Diesmal erzählte er ein bisschen mehr über sich selbst. Er war um die 72 Jahre und vor 3 Jahren war ihm seine Frau verstorben. Zur Zeit meditierte er über einem Foto von Olivia, welches ihm zugeschickt worden war. Der alte Mann war Geistheiler und hatte bereits viele Messen für Olivia lesen lassen. Zum Schluss des Gespräches segnete er mich noch.
Montag, 9.10.1995:
Treffen mit Sigrun:
Wir besprachen alle notwendigen Schritte und Vorbereitungen, damit sie ihren Job antreten konnte.
Meine größte persönliche Sorge galt dem angedrohten psychiatrischen Gutachten. Ich musste diesem mit einem Privatgutachten zuvorkommen und da hatte ich eine Idee. Doktor Herz und Prof. Ängstler waren im selben Spital tätig. Wenn nun Dr. Herz als Kenner der Neuen Medizin mit dem Psychiater Prof. Ängstler ein Gespräch quasi unter Kollegen führen würde, so wäre dem Psychiater sicher schneller ein korrektes Bild über den Sachverhalt zu vermitteln, als wenn ich es ihm erklären wollte.
Sogleich brachte ich Dr. Herz meinen Wunsch vor und dieser klärte sich auch dazu bereit.
Als ich von meinem Treffen mit Sigrun auf dem Weg zurück auf der Südautobahn unterwegs war, versuchte ich Erika zu erreichen, es hob aber meine Mutter ab. Erika sei gerade mit dem Richter Masizek auf dem Gang bei einem Gespräch, teilte sie mir mit.
Mir gerann das Blut in den Adern, und ich versuchte sofort, Mutter zu überreden, Erika aus dem Gespräch zu mir ans Telefon zu holen. Zu tief saß noch die Angst vor solchen „Gesprächen“ mit dem Richter aus der Tullner Zeit in meinen Knochen. Aber Erika beschwichtigte mich. Es ging lediglich um ein formloses Geplauder.
Telefonat mit Prof. Ängstler:
Mein Freund Sepp hatte ihm bereits meinen Anruf angekündigt. Als ich ihm von der Vorladung des Prof. Franz-Blasius Pazl berichtete, war er bestürzt. Er kannte ihn bereits und ahnte nichts Gutes. Er war damit einverstanden, dass ihm Dr. Herz morgen Vormittag den Gerichtsakt überbringen und mit ihm ein kurzes Gespräch führen sollte.
Nochmals betonte er, dass ein Privatgutachten nicht akzeptiert werden würde und es viel besser wäre, wenn er als Gutachter vom Gericht bestellt werden könnte.
Das Gericht würde mir niemals die Gefälligkeit erweisen und einen von mir vorgeschlagenen Gutachter bestellen, dessen war ich mir sicher. Und ein Privatgutachten wäre immer noch besser als keines. Ich musste damit rechnen, dem gerichtlich bestellten Psychiater zwangsvorgeführt zu werden.
Mein Plan schien aber zu gelingen.
AKH:
Ich hatte die Kinder mit ins AKH genommen. Für 18:30 Uhr hatte ich einen Termin mit einem Herrn Schmier von „plera-film“.
Gespräch mit Herrn Schmier:
Er wollte bereits vor einem Monat mit uns in Kontakt treten, nahm aber davon Abstand, da es ihm verfrüht schien. Aber jetzt, nach den positiven Prognosen über Olivia, sei die Situation eine andere.
Er hatte bereits ca. 12 Filme gedreht, unter anderem auch den aktuellen Streifen „Der Spritzenkarli“ mit Karl Meerkatz.
Er wollte unsere Geschichte verfilmen. Als Autor hätte er einen ehemaligen Psychiater, der seiner Meinung nach für unsere Geschichte sehr geeignet wäre. Ich spitzte die Ohren. Sollte dies eine Falle sein? Auch einen Kinofilm hielt Herr Schmier für möglich.
Er erschien mir aber sehr nervös und machte einen eher unseriösen Eindruck. Mit einem Trivialbeispiel wollte er seine Skepsis gegenüber den Ärzten zum Ausdruck bringen und wohl dadurch mein Vertrauen gewinnen.
Ich erzählte ihm von unseren laufenden Filmverhandlungen, was ihn jedoch nicht irritierte. Auch er meinte, unsere Persönlichkeitsrechte umgehen zu können, indem er unsere Geschichte dahingehend modifizierte, dass sie eben einem Buben aus Salzburg geschehen sei. Dies wolle er aber nicht. Die Tendenz des Filmes könnten wir allerdings nicht mitbestimmen.
Über manche Angebote konnte man wirklich nur den Kopf schütteln.
Es war bereits 21:30 Uhr, als ich mit den Kindern nach Hause kam. Sie waren bereits fest eingeschlafen. Alexander hatte morgen Geburtstag und wünschte sich ein „Lego“.
Die Kinder schliefen im Parterre bei den Großeltern, da ich noch viel für Prof. Ängstler zu kopieren und vorzubereiten hatte.
Erst gegen 2:00 Uhr morgens war ich mit dem Kopieren des Aktes und sämtlicher Unterlagen fertig.
AKH:
Schreiben von Erika an Prof. Dr. Urbanek:
Sehr geehrter Herr Prof. Urbanek!
Nachdem ich fast ausschließlich an der Seite von Olivia bin und daher ihr jeweiliges Befinden am besten beurteilen kann, würde ich Ihnen gerne von Olivia berichten:
Nach der letzten Chemotherapie am 2.10.95 ging es Olivia sehr schlecht. Sie hat fast zwei Tage nicht gegessen, nur erbrochen und an Gewicht abgenommen. Auch die Schmerzen im Unterbauch waren öfter und stärker. Da ihr körperlicher Zustand relativ schwach ist und das Gewicht bei 21 kg ist, würde ich Sie sehr herzlich bitten, mit der Chemotherapie etwas auszusetzen, bis es Olivia besser geht und sie ein Gewicht von mindestens 25 kg erreicht hat.
Ich kann mir vorstellen, dass der Körper mit dieser schweren medikamentösen Behandlung nur fertig wird, wenn er kräftig genug ist und das Immunsystem wieder besser aufgebaut ist.
Außerdem klagt Olivia noch immer über Schmerzen im Unterbauch, das heißt der ganze Verdauungsapparat muss auch erst wieder in Gang kommen.
Ich bitte Sie für das Leben meiner Tochter Olivia, meine derzeitigen Bedenken ernst zu nehmen.
Ich denke, dass die individuelle Verfassung eines Menschen für den Erfolg einer so schweren Therapie letztendlich ausschlaggebend ist.
Mit freundlichen Grüßen
Strafverfahren:
Wir beantragten, von einem psychiatrischen Gutachten Abstand nehmen zu wollen und stattdessen ein Gutachten darüber einholen zu lassen, ob die übliche Onkologie Begleit- und Spätfolgen zeitigt und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass überhaupt keine Nebenfolgen auftreten werden.
Dienstag, 10.10.1995:
Ich musste zeitig auf, denn Dr. Herz wollte bereits um 8:00 Uhr zu seinem Arbeitsplatz aufbrechen, und ich wusste nicht einmal seine genaue Wohnadresse. Doch ich schaffte es rechtzeitig, bei ihm anzukommen.
Anschließend fuhr ich zu Olivia und Erika.
AKH:
Die Magensonde musste Olivia um 10 cm weiter vom Magen in den Dünndarm geschoben werden. Die Ärzte versprachen sich dadurch eine Verringerung der Magentätigkeit, und somit glaubten sie auch, Olivias Bauchschmerzen reduzieren zu können. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass die Ärzte betreffend dieser Bauchschmerzen absolut im Dunkeln tappten. Es war ein Martyrium für Olivia.
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10.10.1995: ... es war ein Martyrium für Olivia |
Eine Zwangstherapierung, ohne Beisein der Eltern, wäre für Olivia der sichere Tod. Die Ärzte hätten keine Chance gehabt, sie durchzubringen. Es war unfassbar, wozu manche in diesem Staate imstande waren. Wie konnte man sie von der Mutter mit Gewalt entfernen und das Leben unseres Kindes derart leichtfertig aufs Spiel setzen?
Bei der Visite spielte aber Prof. Dr. Urbanek wieder den allwissenden, weisen Gott in Weiß und erklärte, Olivias Bauchschmerzen kämen von der neuerlichen Gewöhnung an die Nahrung. Professor Dr. Urbanek war mir bereits durch seine himmelschreiend blöden Vergleiche aufgefallen. So meinte er auch wegen Olivias Spitzfüßen, dass leider das Gute, damit meinte er die Chemo, auch seine schlechten Seiten hätte. Damit meinte er die Lähmungserscheinungen!
Ich konnte nur schlechte Seiten an der Chemo erkennen und keine einzige gute! Nicht nachweisbare Krebszellen mit einer generell verabreichten, 92%ig tödlichen Vergiftungsfolter zu bekämpfen, kommt perversen Menschenversuchen aus der Nazi-Zeit gleich!
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| 10.10.1995: Etwas gedrückte Stimmung in Olivias Zimmer. Rechts im Bild neben Alexander sieht man Olivias Plastikschienen liegen, die sie beim Gehen um die Beine schnallen muss, damit sie nicht hinfällt |
Vortrag von Frau Dr. Marcovich in Mödling:
Sie brachte wirklich ungeheuerliche Fakten in ihrem Vortrag zur Sprache. Sie erzählte aus ihren Erfahrungen im unkonventionellen Umgang von Frühgeborenen. Es schien, als wäre sie wirklich eine mutige, aber auch erfolgreiche Frau. Es gelang, ein kurzes Gespräch mit ihr zu führen. Es schien mir aber, als wäre ihr unsere Anwesenheit nicht gerade willkommen.
Telefonat mit Dr. Herz:
Prof. Ängstler hatte Abstand genommen und meine Unterlagen ungesehen wieder zurückgewiesen. Er wollte über jeden Verdacht erhaben sein und mit unserem Fall absolut nichts zu tun haben. Ihm sei dies alles peinlich. Er empfahl mir, unverzüglich zum Psychiater zu gehen, da ich sonst von der Polizei geholt werden würde.
Ich fiel aus allen Wolken. Was war geschehen? Wie konnte Prof. Ängstler innerhalb eines Tages, innerhalb von Stunden seine Meinung derart ändern? Vor allem aber, wie konnte er innerhalb dieser kurzen Zeit seine Meinung über Prof. Pazl ändern?
Das stank! Das roch förmlich nach einer Weisung von oben an Prof. Ängstler, ja die Finger von unserem Fall zu lassen. Aber wie war das möglich?
Eine Möglichkeit wäre, Prof. Ängstler hatte sich an höherer Stelle selbsttätig informiert und diese Weisung erhalten. Die andere Möglichkeit, welche ich für wahrscheinlicher hielt, war, dass von höherer Stelle direkt die Weisung an Prof. Ängstler erging. Man hörte unser Telefon ab, das wusste ich von einem befreundeten Polizisten, der Zugang zu entsprechenden Daten hatte. Ich vermutete, dass man Prof. Ängstler instruiert hatte.
Nun gut. Ich war wieder um eine Erfahrung reicher und wahrscheinlich auch Prof. Ängstler. Jedes Ding hat zwei Seiten und somit auch dieser Umstand, keinen vertrauenswürdigen Psychiater zu haben. Dr. Hamer erzählte mir vor längerer Zeit, dass er sich einmal zu einer psychiatrischen Gutachtenerstellung seiner Person überreden ließ. Damals war dieses Gutachten über ihn positiv ausgefallen. Allerdings maßte sich dieser Psychiater ein halbes Jahr später an, ein zweites, diesmal negatives Gutachten nachzureichen, ohne mit Dr. Hamer nochmals persönlich gesprochen, geschweige denn ihn untersucht zu haben. Man hatte diesen Gutachter gerichtlicherseits unter Druck gesetzt.
Ich beschloss, überhaupt kein Gutachten über mich oder über Erika erstellen zu lassen. So gesehen war es mir viel lieber, dass Prof. Ängstler sofort umgefallen war.
In Österreich gab es derzeit nicht die Möglichkeit einer Zwangspsychiatrisierung. Ich hatte zwar auch schon gehört, dass man diese einführen möchte, derzeit aber konnte man noch das psychiatrische Gespräch ablehnen.
Mittwoch, 11.10.1995:
Telefonat mit einer Reporterin von „focus“:
Sie bat um ein Interview und erzählte mir, dass die Pressestelle des AKH die Story verbreitete, wir hätten auf fahrlässige Weise einen Reporter in Olivias Zimmer eingeschleust. Ich erbat mir von ihr eine schriftliche Gesprächsnotiz über ihr, mit dem AKH geführtes Gespräch.
Somit war die Frage geklärt, wer die Schuld an dieser, im „kurier“ vom 3.10.95 veröffentlichten Lüge trug. Es war das AKH!
Mir reichte es! Als nächstes bat ich den Reporter von „bild am sonntag“ um eine schriftliche Erklärung über den tatsächlichen Hergang des Zustandekommens der erteilten Erlaubnis von Prof. Dr. Urbanek. Auch diese sollte ich noch erhalten.
Man hielt es nicht für möglich, aber Prof. Jürgenssen bot uns brieflich „Olivia zuliebe“ ein Gespräch an. Wir waren zutiefst gerührt, bei diesem leidgeprüften und sich um Olivia sorgenden Medizyner, noch immer ein Anteil nehmendes Ohr zu finden.
In einem Retourschreiben an diesen Arzt, der den Stein ins Rollen gebracht hatte und schuld daran war, dass wir nun gleich zwei Strafprozesse hatten und Olivia zwangstherapiert wurde, wollte ich wissen, ob auch er dafür plädierte, dass wir nun auch noch psychiatrisiert werden sollten.
Mit Hilfe der Familie Benedetto verfassten wir eine Eingabe an das Bezirksgericht betreffend unserer nächsten Pflegschaftsverhandlung. Wieder einmal mussten wir feststellen, dass wir ohne diese Familie wohl schon längst verkauft und verloren wären und dankten Gott für diese Bekanntschaft.
Wir fuhren zu Olivia.
AKH:
Olivia konnte die Ankunft von Erika schon kaum erwarten, denn sie wusste, dass wir für sie ein Geschenk dabei hatten. Die Zeit der Freude über das Geschenk nutzten wir für ein gemütliches Abendmahl im Cafe. Meine Mutter blieb noch so lange bei Olivia.
Mutter brachte ich anschließend nach Grünbach, da ich sowieso ein Werkzeug aus meinem Werkzeugkasten holen musste. Während der Fahrt wurde kein Wort gesprochen. Zu tief saß noch der Schmerz des Verrats. Meinen Besuch zu Hause hielt ich mehr als nur kurz. Meine Eltern sollten nur am eigenen Leib verspüren, ein Kind zu verlieren.
Zu Hause in Maiersdorf begann ich mein Tagebuch am PC abzutippen.
Bezirkshauptmannschaft:
Laut Auskunft von Frau Dr. Rostovsky verfasste Dr. Heinz Zimper am Donnerstag, den 27.7.95 in Tulln ein Schreiben, dessen Inhalt ausdrücklich eine Zwangstherapierung von Olivia ohne Beisein der Eltern als undurchführbar erklärte.
Dies hätte, laut ihrer Auskunft, Dr. Heinz Zimper, Dr. Marcovich, sie und eine Kinderpsychologin unterfertigt. Wesentlich erschien mir die Tatsache, dass diese Entscheidung von einer Kinderpsychologin mitgetragen wurde, deshalb forderte ich dieses Schreiben von der BH an.
Medien:
„salzburger nachrichten“: „ANZEIGEFLUT IM FALL OLIVIA PILHAR“
Donnerstag, 12.10.1995:
An diesem Tag blieb ich zu Hause, ergänzte die Pressemappe und erledigte die Post.
Telefonat mit Erika:
Als sie mit Olivia und der Physiotherapeutin in den Turnsaal ging, erwartete sie dort ein Kameramann. Er erklärte, von Olivia Aufnahmen machen zu wollen, konnte aber weiters keine genaueren Angaben über seinen Auftrag machen. Auch die Physiotherapeutin wusste über diese Aktion nicht Bescheid. Erika lehnte korrekterweise sämtliche Aufnahmen ab.
AKH:
Schreiben von Dr. Leibold:
Brieflich zog Herr Dr. Leibold ein Resümee über seinen letzten Besuch bei Olivia. Darin teilt er Prof. Dr. Urbanek mit, dass ihm vor allem Olivias Schwäche, Appetitlosigkeit und die zeitweilig auftretenden Schmerzattacken in der Unterbauchregion aufgefallen seien. Homöopathische Heilmittel nannte er, welche dies bessern sollten.
Er machte auch den konkreten Vorschlag, Olivia in häusliche Pflege entlassen zu wollen, wobei er mit zwei weiteren Kollegen die ärztliche Überwachung übernehmen wolle.
Auch bat er um Übersendung gewisser Befunde.
Bezirkshauptmannschaft:
In einem Schreiben an unseren Rechtsanwalt wurde darauf hingewiesen, dass
- uns die Obsorge rechtskräftig entzogen und der Jugendabteilung der BH übertragen wurde
- der Jugendwohlfahrtsträger beauftragt wurde, die wissenschaftlich anerkannten Behandlungsmethoden gegen Wilmstumor durchzuführen
- die Mindestrechte der Eltern gemäß §178 ABGB sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft gewährt seien
- eine Einsicht in die Krankengeschichte, in die aktuellen CTs sowie des Operationsvideos weit über die Intentionen des Gesetzgebers hinausgehe und grundsätzlich abzulehnen sei.
Auf den ersten Punkt hinzuweisen, war wirklich freundlich und klärend.
§178 (1): Soweit einem Elternteil die Obsorge nicht zukommt, hat er, außer dem Recht auf persönlichen Verkehr, das Recht, von außergewöhnlichen Umständen, die die Person des Kindes betreffen, und von beabsichtigten Maßnahmen zu den im §154 Abs.2 und 3 genannten Angelegenheiten von demjenigen, dem die Obsorge zukommt, rechtzeitig verständigt zu werden und sich zu diesen, wie auch zu anderen wichtigen Maßnahmen, in angemessener Frist zu äußern.
Demzufolge, hätten wir zumindest in angemessener Frist vom Operationstermin in Kenntnis gesetzt werden müssen, um uns dazu zu äußern, was allerdings nicht geschah.
Freitag, 13.10.1995:
Gegen 9:15 Uhr trafen wir uns mit Herrn Benedetto am Bezirksgericht. Er übergab uns ein von ihm bearbeitetes Schreiben an das AKH und instruierte uns, keine voreiligen Zusagen bei der Verhandlung zu treffen, sondern uns zuvor mit unserem Anwalt zu besprechen.
Kurze Zeit später traf sein Freund, unser Anwalt, und kurz vor 10:00 Uhr trafen Herr Hofrat Marady, Herr Gruber vom Jugendamt und deren Sekretärin, Frau Fugger, ein. Wir übergaben ihnen unseren schriftlichen Vorschlag an das Gericht zum Durchlesen. Dieser lautete folgendermaßen:
Vorschlag der Eltern zur Sicherstellung der von den Krankenhausärzten vorgeschriebenen Therapie:
Auszugehen ist davon, dass die Eltern in diesem Stadium der fortgeschrittenen Chemotherapie eine Umstellung auf eine alternative Methode nicht mehr verantworten können.
Die Eltern haben bereits seit der Aufnahme des Kindes im AKH lediglich pflichtgemäß ihre Bedenken angemeldet und nichts Gesetzwidriges zur Verhinderung der schulmedizinischen Vorgänge unternommen.
Die Mutter ist darüber hinaus Tag und Nacht beim Kind geblieben, um ihm beizustehen. Dem Vater wurde durch falsche Beschuldigungen und Unterstellungen der Aufenthalt beim Kind teilweise gänzlich unmöglich gemacht und teilweise in aller Öffentlichkeit entwürdigend, ohne sachliche Begründung eingeschränkt.
Aus verschiedenen Äußerungen aus der Ärzteschaft ist zu erkennen, dass die Entlassung des Kindes in häusliche Pflege als Druckmittel gegen die Eltern eingesetzt werden soll. Die Eltern sollten einsehen, dass die Chemotherapie für das Kind die beste Therapieform darstellt, sie dürfen keine öffentlichen Meinungsäußerungen abgeben, und sie sollten mit dem Anstaltspsychiater Prof. Dr. Max Friedrich „sprechen“.
Diese Forderungen bzw. Druckmittel sind weder in rechtlicher noch in moralischer Hinsicht gerechtfertigt.
Die Eltern schlagen daher vor:
- Das Kind wird nach jenen Kriterien in häusliche Pflege entlassen, wie dies üblicherweise geschieht.
- Die Krankenanstalt übermittelt die gesamte Krankengeschichte und das gesamte Bildmaterial in Kopie an das Pflegschaftsgericht, wo es zum Akt genommen wird.
- Das Jugendamt Wr. Neustadt wird für die Dauer der vom AKH vorgeschriebenen Therapie ermächtigt, Tag und Nacht Zugang zum Kind zu haben. Es wird zu diesem Zweck dem Jugendamt ein Schlüssel ausgefolgt.
- Die Eltern verpflichten sich weiters, mit dem Kind ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung des Amtsvormundes keine Auslandsreisen durchzuführen. Zusätzlich wird die Mutter - nur in ihrem Reisepass ist das Kind eingetragen - den Reisepass beim Anwalt der Kindeseltern deponieren und eine allfällige Auslandsreise mindestens acht Tage vorher dem Amtsvormund schriftlich bekannt geben, damit er, sollten Bedenken obwalten, entsprechende Überwachung nach Belieben vornehmen kann. Dies bieten die Eltern an, obwohl derzeit weder ein Bedarf noch Absicht, eine Auslandsreise anzutreten, besteht.
- Sobald das Kind wieder in häuslicher Pflege sein kann und im Familienverband versorgt wird, ist mit einer erheblichen Entlastung des Kindesvaters zu rechnen, so dass dieser raschestmöglich seiner geregelten Arbeit nachgehen kann.
Wenn es den entscheidenden Stellen nur darum geht, die schulmedizinische Therapie durchzusetzen, so sind die obigen Maßnahmen ausreichend. Es wäre jedenfalls durch nichts gerechtfertigt, die Skepsis der Eltern gegen die Chemotherapie und sonstige ärztliche Praktiken durch Entzug des Kindes beseitigen zu wollen.
Pflegschaftsverhandlung:
Zu Beginn wurden unsere Vorschläge zerpflückt. Den Reisepass abzugeben schien ihnen zu wenig Sicherheit zu bieten. „Olivia könnte von einem Dritten ins Ausland gebracht werden“, oder „um ins Ausland zu gelangen, bräuchte man keinen Pass mehr“, wandten sie ein. Herr Hofrat Marady behauptete sogar, dass wir ja auch ohne Reispass bis nach Spanien gekommen wären.
Dies war natürlich völliger Unsinn, denn immerhin waren wir ja mit dem Flieger von der Schweiz nach Malaga geflogen und dies wäre uns ohne Pass wohl kaum gelungen. Die Übergabe eines Schlüssels zu unserer Wohnung, um jederzeit zu Olivia zu gelangen, taten sie ebenfalls ab. So weit wollten sie nicht gehen. Einen Sicherheitsbeamten wollten sie aber auch nicht in Maiersdorf abkommandieren. Richter Masizek begann mit meiner Befragung. Er fragte mich, ob ich weitere Live-Auftritte machen werde. Ich erklärte, ein Angebot zu haben, das Verfahren aber nicht belasten zu wollen. Er entgegnete, jetzt würde ich „brav“ tun, früher sei ich aber anders gewesen, und er vermutete, dass ich nach dem Erhalt der Obsorge mit meinen Auftritten weiter fortfahre.
Ich fragte ihn, nachdem ich erklärte, mein Recht auf freie Meinungsäußerung genützt zu haben, ob das Einstellen dieser Fernsehauftritte eine Bedingung sei. Grinsend erwiderte er, er werde diese sicher niemals stellen oder gar in einem Gesprächsprotokoll verlangen, er werde aber sicher danach entscheiden und urteilen.
Meiner Meinung nach war dies eine Erpressung!
Herr Gruber fragte mich, warum ich Prof. Friedrich ablehne und ob ich mich einem Psychiater stellen werde.
Die Ablehnung begründete ich mit dem von Prof. Friedrich an die BH geschickten Schreiben und stellte als weitere Bedingung für eine Begutachtung meiner Person einen mir einleuchtenden Grund.
Ich brauche keine Angst vor dem Psychiater zu haben, war der Tenor des Richters Masizek. Er selbst könne ja dabei anwesend sein. Das kostete mich nur ein müdes Lächeln.
Richter Masizek weiter, mein Umgang mit gewissen Personen spreche nicht für mich. Er führte Kari Nowak als Rechtsradikalen an und machte eine Andeutung auf einen Schweizer Herrn.
Er wollte mir wirklich vorschreiben, mit welchen Personen ich Umgang haben durfte und mit welchen nicht!
Einen Beschluss in dieser Sache werde Richter Masizek erst dann fassen, wenn laut Auskunft der Ärzte Olivia nach Hause entlassen werden könnte.
Herrn Rebasso gegenüber meinte Richter Masizek, er habe in seinem letzten Antrag blanken Unsinn geschrieben. Es kam zu einer unschönen und peinlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Herren.
Erikas Einvernahme war recht kurz. Herr Gruber fragte sie, ob sie sich vorstellen könne, dass jemand aus dem Verwandtenkreis vorübergehend die Obsorge übernehmen könnte. Erika zog ihre eigene Familie in Erwägung, Herr Gruber aber spielte eindeutig auf meine Schwester an. Er versprach sich, indem er sagte, es gäbe eine konkrete Möglichkeit ... und dies dann verbesserte auf: „Es wäre ja möglich, es besteht ja die Möglichkeit aus seiner Familie, vielleicht die Mutter ...“
Das war ja interessant. Was mag da wohl hinter unserem Rücken schon alles besprochen worden sein? Meine eigene Schwester glaubte also wirklich, Olivia auf irgendeine Weise zugesprochen zu bekommen!
Auch Herr Hofrat Marady wurde vernommen, und er hielt wieder seine ausschweifenden Reden.
Unser Rechtsanwalt bestand ebenfalls darauf, seine Aussagen zu Protokoll geben zu können. Des Weiteren stellte er uns für die Verhandlung recht hilfreiche Fragen, damit unser Standpunkt deutlicher hervorgekehrt werden konnte.
Nach der Verhandlung sprach Richter Masizek als letzten Satz noch die Bestellung eines Psychiaters auf Band und meinte vertrauensvoll zu Erika, ja schnell zu diesem Termin zu kommen. Damit wollte er feststellen lassen, ob wir überhaupt noch in der Lage wären, unser Kind zu erziehen.
Rebasso führte noch mit Herrn Hofrat Marady betreffend der Anzeige der BH auf Kindesentführung ein Gespräch auf dem Gang. Erika und ich, aber auch der Richter kamen hinzu. Hofrat Marady gab zu, die Anzeige nicht zurückziehen zu wollen, da er uns noch weiter „dunsten“ lassen wolle.
Erika und ich fuhren essen. Sie war frustriert über diese Verhandlung und weinte viel. Wir einigten uns, dass ich diese Nacht bei Olivia verbringen werde.
Auf dem Weg ins AKH entschied ich aber doch noch zur Familie Benedetto zu fahren. Herr Benedetto diktierte mir noch ein Schreiben an das Pflegschaftsgericht und instruierte mich im weiteren Vorgehen mit den Medien. Da dies mehr Zeit als geplant in Anspruch nahm, bat ich Olivia, doch für diese Nacht mit Veronika Vorlieb zu nehmen. Sie war einverstanden und so fuhr ich wieder heim.
Bezirksgericht:
Um den Richter künftig von solchen Äußerungen, wie die gegenüber unserem Rechtsanwalt heute Vormittag abzuhalten, tippte ich ein Schreiben, in dem ich ihn aufforderte, mir doch den angeblichen Unsinn meines Rechtsanwaltes mitzuteilen. Ich wies darauf hin, dass es mir leid tun würde, schon wieder einen neuen Anwalt suchen zu müssen.
Auch legte ich das Schreiben des österreichischen Gesundheitsministeriums bei, dass alle Zytostatika vermutlich krebserzeugend sind, sowie einen recht gut formulierten Artikel des Psychotherapeuten Dr. Rüdiger Dahlke, unseren Fall betreffend.
Samstag, 14.10.1995:
AKH:
Es kam zu einem Gespräch zwischen meiner Schwester Silvia, meinem Schwager Thomas, meiner Mutter und uns. Silvia erwähnte, dass Hofrat Marady sie bereits vor Wochen gefragt hatte, ob sie gewillt wäre, das Sorgerecht von Olivia zu übernehmen.
Sie bat ihn damals, uns noch Zeit zu gewähren, so dass sie uns noch für die Chemotherapie umstimmen könne. Auch meine Verwandten empfahlen mir einstimmig, den Forderungen des Gerichtes, ein psychiatrisches Gutachten erstellen zu lassen, nachzukommen. Kein Argument dagegen ließen sie gelten. Sie verstanden uns nicht, und wir konnten sie nicht verstehen. Es war furchtbar.
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14.10.1995: Erika versucht, Olivia zu füttern |
Es wurde ihm von meiner Firma mitgeteilt, dass eventuell im Frühjahr eine Stelle für mich freiwerden könnte. Silvia riet mir nun, mich um einen baldigen Wiedereintritt zu kümmern.
Es war zum Verzweifeln. Meine eigenen Angehörigen schienen die Handlanger der Behörden zu sein, die Behörde selbst agierte im Hintergrund.
Das Gespräch wurde ziemlich laut geführt, aber wir setzten somit zumindest den Grundstock für weitere Gespräche.
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| 14.10.1995: Olivia mit meiner Mutter. Auch an den Händen (s. Olivias rechte Hand) macht sich eine Muskellähmung bemerkbar |
Sonntag, 15.10.1995:
Mit den Kindern und Verwandten aus Maiersdorf gingen wir auf die Weide. Die Weide in Maiersdorf ist eine große Wiese, welche sich am Fuße der Hohen Wand entlang zieht und im Sommer von vielen Rindern genutzt wird. Es war ein wunderschöner Tag und ein erholsamer Ausflug.
Über das Handy erzählte Olivia, dass sie heute das erste Mal im Garten gewesen war, natürlich unter Aufsicht einer Schwester.
Zu Hause angekommen, erzählte Großvater, dass zwei Reporter einer österreichischen Presseagentur ziemlich aufdringlich um Einlass baten. Großvater verwehrte ihnen aber natürlich den Zutritt.
Es dauerte nicht lange, da kamen sie schon wieder. Sie gaben vor, an der Geschichte „Olivia kommt nach Hause“ Interesse zu haben, wollten aber auch jetzt bereits aktuelle Fotos erhalten. Ich erklärte ihnen, dass die Medienarbeit nun eine Freundin unserer Familie übernommen habe und sie sich mit ihr in Verbindung setzen müssten, zeigte ihnen aber auch die letzten aktuellen Fotos. Unverrichteter Dinge zogen sie wieder ab. Nach einer Stunde, es war bereits dunkel, erschienen sie nochmals und meinten, es sich überlegt zu haben. Sie wollten mir sofort Geld für Fotos geben. Wir sprachen im Dunkeln über die verschlossene Gartentür hinweg. Ich erklärte, nicht im Halbdunkel Fotos meiner Tochter verhökern zu wollen. Mir kamen diese Männer widerwärtig vor und höflich bleibend wies ich sie wieder ab.
Ich saß dann längere Zeit am Küchentisch und dachte nach. Die Kinder waren bereits zu Bett gebracht. Plötzlich überkam mich der Wunsch, zu meinen Eltern nach Grünbach zu fahren. Ich packte die Kamera und meinen Antichemo-Ordner zusammen und brach auf. Überraschenderweise war auch meine Schwester Michaela bei meinen Eltern.
Argwöhnisch fragte mich meine Mutter, ob ich wegen des Sorgerechts gekommen sei.
Laut meinem Anwalt würde nur ein Teil des Sorgerechtes, genauer, die Verantwortung für die Therapieeinhaltung, vergeben werden. Dies erklärte ich ihr.
Ich konnte es mir nicht verkneifen und machte ein paar Aufnahmen. Auch meine Schwester wollte ich kurz filmen, aber sie entfernte sich sofort und ließ mir schnippisch über Mutter ausrichten, wenn ich etwas von ihr wolle, dann könne ich ja nach oben auf ihr Zimmer kommen.
Es entbrannte wieder eine heftige Diskussion, obwohl ich ursprünglich vorhatte, den Streit zu begraben. Aber alle noch so sachlichen Argumente wurden von ihnen mit der bereits von den Medien sattsam bekannten Polemik abgelehnt. Die Diskussion erreichte oft eine unerträgliche Lautstärke. Auch an gegenseitigen Vorwürfen wurde nicht gespart, und oft wurde man recht schmerzhaft an eigene Fehler erinnert.
Bis 3:00 Uhr morgens dauerte unsere Auseinandersetzung und mehr frustriert als zornig machte ich mich auf den Heimweg. Mutter meinte noch, ob es mir doch nicht so ernst damit war, den Streit zu beenden.
Ich würde es nicht zulassen, dass ein Riss durch unsere Familie bestehen bleibt, beruhigte ich sie.
Bezirkshauptmannschaft:
In einem Schreiben bat ich höflichst um Akteneinsicht.
Montag. 16.10.1995:
Gegen 9:00 Uhr kam ich nur schwer auf. Am liebsten hätte ich weitergeschlafen und geschlafen und geschlafen ...
Ich organisierte einen transportablen Computer mit Drucker für Sigrun.
AKH:
Erika und auch Olivia waren guter Dinge. Aber diese Woche sollte Olivia an fünf Tagen die Chemo verabreicht werden.
Ich konnte gar nicht zusehen. Am Fenster stehend überlegte ich, ob ich den Vorgang der Chemo-Verabreichung filmen sollte. Dazu hätte ich aber den Arzt um Erlaubnis fragen müssen, und das konnte ich mir sparen. Der Arzt zog sich Gummihandschuhe und darüber noch transparente Plastikhandschuhe an. Die Spritzen waren verhältnismäßig dünn und länglich. Eine war mit einer gelben Flüssigkeit gefüllt, die andere steckte leer in einem kleinen Fläschchen und wurde erst kurz vor der Injizierung aufgezogen.
Obwohl wir Eltern dagegen waren, erhielt unser Kind vor unseren Augen Gift verabreicht! Was verlangte man hier von uns, konnte sich überhaupt jemand unser Leid und unsere Qual vorstellen?
Unsere einzige Möglichkeit, unseren Schmerz hinauszubrüllen waren die Medien, aber auch dies war nur beschränkt befriedigend. Trotzdem war es einigen Leuten zuviel, und man drohte uns nun, sollten wir von der Presse nicht Abstand nehmen, mit dem Psychiater. Auch die Ärzte forderten in verschiedenen Gesprächen immer wieder ein psychiatrisches Gutachten. Man wollte uns ruinieren.
Olivia war nun glatzköpfig. Ihre letzten Haare hatte Erika abgeschnitten. Nun sah Olivia wenigstens optisch besser aus. Gestern noch hatte sie mit den vereinzelten, langen Haaren den Eindruck eines Tattergreises erweckt.
Olivia selbst fand es lustig, glatzköpfig zu sein. Erika hatte heute die Rechnung von dem Haarstudio erhalten, welches Olivia eine Perücke geschickt hatte. Das Haar der Perücke reichte Olivia bis über das Gesäß. Damit sah sie nun wieder wie eine ihrer Barbiepuppen aus. Erika schickte diese zurück und wenn die nächste Perücke nicht kindgerecht sein würde, wollte Erika darauf überhaupt verzichten. Ich persönlich hatte den Eindruck, dass die Glatze für Olivia nur halb so schlimm war.
Für 15:00 Uhr hatten wir einen Termin mit Prof. Dr. Urbanek, dem Leiter der Kinderklinik vereinbart. Dieser war aber in einer Besprechung.
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| 16.10.1995: Olivias Narbe musste gereinigt werden... |
Später konnten wir zum Essen gehen.
Danach kam Prof. Dr. Urbanek hoch und erklärte, nun Zeit für uns zu haben. Wir gingen in ein Schulzimmer. Professor Urbanek wurde von einem Arzt flankiert. Was den unwahren „kurier“-Artikel anging, so gab er an, hätte er gewusst, dass Herr Sellin von einer deutschen Zeitung sei, er ihm keine Erlaubnis erteilt hätte.
Dies war gelogen. Herr Sellin arbeitete immer mit Visitenkarte und auch auf der vorangegangenen Korrespondenz stand immer der Zeitungskopf auf den Schriftstücken. Warum die Pressestelle vom AKH verbreitete, wir hätten einen Reporter eingeschleust, wusste er nicht und gab an, dass ihn dies auch nichts anginge.
Seiner Meinung nach müsste Olivia metastasenfrei sein. Ich wies darauf hin, dass seit der Operation von Olivia noch immer keine weiteren CTs erstellt wurden und man so gar nicht sagen könne, ob sie wirklich metastasenfrei sei. Würde aber ein CT zeigen, dass der große Fleck innerhalb der Leber, der bis dato als vorgedrungener Wilmstumor interpretiert wurde, verschwunden war, so wäre dies für mich sehr beeindruckend. Wann also sollten die nächsten CTs erstellt werden, wollte ich wissen.
Plötzlich gaben beide Ärzte gleichzeitig unterschiedliche Antworten. Der begleitende Arzt gab „innerhalb der nächsten 14 Tage“ an, Prof. Dr. Urbanek hingegen „am Ende der Therapie“, also Mitte oder Ende März. Professor Dr. Urbanek meinte weiter, dass der Fleck trotzdem noch sichtbar sein könnte. Dies begründete er wieder mit einem seiner unmöglichen Beispiele: Ich solle mir einen zusammengedrückten Schwamm vorstellen. Dieser würde nach der Druckentlastung noch immer teilweise verdichtetes Gewebe aufweisen und somit würde dies auch ein CT an der Leber sichtbar machen können. Aber man wolle Olivia mit weiteren unnötigen CTs nicht noch mehr mit Strahlung belasten.
Man wurde wirklich für dumm verkauft. Ich glaubte ihnen gar nichts. Ich verließ mich auf meine Menschenkenntnis und die sagte mir, dass ich gerade belogen wurde. Meine Zweifel ließ ich mir aber nicht offensichtlich anmerken, sondern setzte nach.
Olivia wurde jeden Morgen Blut abgenommen und im Labor auf Leukozyten und Verschiedenes mehr untersucht. Frau Dr. Slavc erklärte mir, in Olivias Blut wären noch ca. 10 Millionen Krebszellen vorhanden, die nun durch die Chemo bekämpft werden müssten. Nun wollte ich wissen, ob das Blut auch auf Krebszellen hin untersucht werde. Wie ein Lehrer, der seinen nicht immer aufmerksamen Schüler belehrt, erklärte Prof. Dr. Urbanek: „Nein, nach Krebszellen werde nicht gesucht, diese könnten gar nicht bei Wilmstumor nachgewiesen werden. Lediglich bei Leukämie gelänge dies.“
Professor Urbanek sah sich bemüßigt, mir das schulmedizinische Bild der Metastasenbildung zu erläutern: Die Theorie, so Prof. Dr. Urbanek, besage, dass sich irgendwo in Nischen der Organe Krebszellen festgesetzt haben.
Und für diese Theorie sei diese schwere Chemotherapie gerechtfertigt, fragte ich. Ja, sie sei international gleich, erwiderte Prof. Dr. Urbanek.
Noch eine Spezialfrage musste ich loswerden. Olivia schwitzte vor Beginn der Chemotherapie des Nachts so stark, dass wir ihr oftmals den Pyjama wechseln mussten. Auch roch ihr Schweiß ganz typisch. Laut Dr. Hamer war dies TBC in der Heilung des Leber- bzw. Nierensammelrohrkrebses. Seit der Chemo war diese Erscheinung schlagartig verschwunden. Wie erklärte sich dies Prof. Dr. Urbanek?
Seines Wissens könnten Kinder in der REM-Phase (Abschnitt während des Schlafes, in dem stark geträumt wird, rapid-eyes-movement) sehr viel Schweiß produzieren. Sonst hätte er keine Erklärung.
Was sollte ich mit solch einem Ausweichen anstellen. Ich konnte es nur aufzeigen. Ein leitender Arzt einer Kinderklinik, der zugab, keine Krebszellen finden zu können, trotzdem aber die Chemo verabreicht und der die Symptome einer TBC bei einem Kind nicht kannte!
Ich wollte heimfahren, als Silvia mich anrief und von einer öffentlichen Diskussion mit Dr. Stacher im Kulturzentrum Ebreichsdorf berichtete. Sie wollte sich dies anhören. Ich erklärte mich bereit, und auch ihr Mann Thomas kam mit.
Wir kamen gerade zur Eröffnung der Diskussion in den Saal herein, als die Sprecherin als den Grund der Diskussion den aktuellen Fall Olivia Pilhar anführte und mich im selben Moment erblickte. Das Staunen der Podiumsteilnehmer war groß.
Dr. Stacher bezeichnete die Neue Medizin als Glaubensgemeinschaft und hielt einen uninteressanten, mit Behauptungen und Unwahrheiten über angebliche Erfolge der Schulmedizin gespickten Monolog von über einer Stunde.
Die beliebteste Lüge der Schulmediziner: „Es ist uns mit besseren Medikamenten und einer besseren Diagnostik gelungen, die Lebenserwartung der Menschen zu verdoppeln."
Absoluter Schwachsinn! Epidemiologen belegen eindeutig, dass die höhere Lebenserwartung auf Hygiene, bessere Arbeitsbedingungen etc. zurückzuführen ist und gerade im Gegenteil dort, wo größere Ärztedichte herrscht, die Lebenserwartung rückläufig ist. Gegen jede noch so einfache Epidemie, wie Schnupfen etc. ist die Schulmedizin machtlos und muss abwarten, bis sie von selbst wieder zum Erliegen kommt. Siehe Buch von Autor Ivan Illich.
Später kam ich zu Wort und hielt Stacher vor, dass die Schulmedizin aufgrund ihrer statistischen Erfahrungen lediglich dem Patienten sagen könne, zu so und so viel Prozenten komme er durch und sie glaube oder vielmehr sie hoffe, dass auch er zu dieser Erfolgsquote zählen werde. Die Schulmedizin ist somit nicht weniger eine Glaubensgemeinschaft.
Stacher gab zu, dass Teile der Neuen Medizin als richtig anzuerkennen seien. Doktor Hamer wäre aber ein Mensch, mit dem man nicht reden könne. Ich machte Stacher den Vorwurf, Dr. Hamer eines auswischen zu wollen und somit wertvolle Erkenntnisse dem Patienten vorzuenthalten.
Der Vortrag war eine Lobhudelei auf die Schulmedizin. Es war deutlich zu erkennen, dass die sogenannte Komplementärmedizin zu einer Farce gemacht wurde, denn Nebensächlichkeiten durften homöopathisch behandelt werden, dann aber musste der Schulmedizin das Feld überlassen werden. Erst wenn diese wieder versagte, konnte wieder die Homöopathie zu Hilfe gerufen werden. Dann aber bestand bereits seitens der Schulmedizin kein weiteres Interesse an dem Patienten.
Wir gingen vorzeitig. Es war einfach zu langweilig. Das Thema der Diskussion war „Scharlatanerie“. Den Spaß, über die Neue Medizin herzufallen, hatte ich aber vermutlich Dr. Stacher verdorben.
Es kam noch zu einer Aussprache mit Silvia und Thomas. Ob sie verstanden hatten, dass ein Psychiater uns lediglich offiziell ausschalten sollte?
Am vergangen Wochenende fand in Deutschland ein Kongress des „Weltfundaments für Naturwissenschaft“ in Lindau statt. Frau Dr. Marcovich und auch Dr. Hamer kamen dort zu Wort. Doktor Hamer erhielt drei standing-ovations.
Mein Ziel war es nun, irgendwie zu weiteren CTs von Olivias Leber zu gelangen oder zumindest den Umstand des Nichterstellenwollens weiterer CTs seitens der Ärzteschaft zu veröffentlichen. Dazu konnten mir die Medien dienlich sein.
Es war wirklich grotesk. Als wir mit Olivia von der Wr. Neustädter Klinik in das St. Anna-Kinderspital übersiedelten, hatten wir alle erdenklichen CTs und Röntgenbilder von Wr. Neustadt mitgenommen. Im St. Anna-Kinderspital wurden sie ein weiteres Mal erstellt. Man erklärte uns, die Serie aus Wr. Neustadt sei nicht professionell angefertigt worden.
Heute wissen wir, dass das Erstellen von CTs und dergleichen eine einträgliche Einnahmequelle für jede Klinik darstellt, und diese Untersuchungen, egal ob sie der Patient bereits hat oder nicht, egal ob er schon x-fach mit der Strahlendosis belastet wurde oder nicht, einfach gemacht werden. In der zur Zeit laufenden politischen Diskussion um Einsparungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen wurde gerade dieser Punkt des ewigen Neuerstellens von Untersuchungsbildern bei Überstellung eines Patienten in ein anderes Krankenhaus von Abgeordneten heftig kritisiert. Damals war die wiederholte CT-Erstellung bei Olivia überhaupt kein Thema. Aber bereits damals im St. Anna-Kinderspital war der faustgroße Fleck in der Leber erkennbar. Allein von den Abmessungen her passte er in keiner Weise mit dem noch „kleineren“ Wilmstumor zusammen.
Andererseits sahen wir bei den Kindern der Station im AKH, dass die Ärzte regelrecht mit einem dichten Raster an CT-Terminen, auf ständiger Metastasenjagd waren. Nur bei Olivia schien sie dies nicht zu interessieren! Ein noch immer vorhandener Fleck in der Leber hätte mit einem Schlag ihre Erklärung vom 6-Liter Wilmstumor über den Haufen geworfen, das wussten sie.
Allein der Umstand, dass Olivia zusätzlich zum Wilmstumor einen Leberkrebs hatte, würde die schulmedizinische Erklärung von „anfänglich über 90%“ Heilungserfolg als blanke Lüge entlarven! Ein Kind mit Wilmstumor und Leberkrebs hat meines Wissens laut Schulmedizin nicht einmal 10% Aussicht auf Heilung. Und ein Kind mit dieser schlechten „schulmedizinischen“ Prognose einer Zwangschemopseudotherapie auszuliefern, kommt einem Mord gleich!
Das ist meine persönliche Überzeugung.
Sie wollten nicht mit weiteren CTs Beweismaterial schaffen!
Dienstag, 17.10.1995:
Morgens aufzustehen, fiel mir immer schwerer. Ich hatte kaum mehr Kraft. Der erste Gedanke war immer, ob heute ein Termin eines Psychiaters auf mich wartete oder ob vielleicht gar schon die Polizei kommen werde, um mich zwangsvorzuführen! Oder stand irgendein Gerichtstermin bevor, oder wird die Post wieder irgendeinen Gerichtsbeschluss überbringen?
Aber was sollte es schon. Irgendwie konnte man sich immer noch Zeit für eine entsprechende Gegenreaktion verschaffen. Man hatte Zeit, auch wenn es nur Tage waren. Ich fühlte mich gehetzt. Wir wurden psychisch unter Dauerstress gehalten.
Man stellte uns Fallen. Einen Termin beim Psychiater um den anderen. Wir mussten uns winden, um diesen zu entgehen. Ich sah bereits den Zeitpunkt näher rücken, an dem ich vor Gericht einem Psychiater gegenübersitzen und jede Aussage verweigern müsste. Dann aber brauchte ich Zeugen, die meine Aussageverweigerung bestätigen konnten, denn sonst würde trotzdem ein Gutachten erstellt werden. Staatlicher Psychoterror!
Elisabeth hörte man durchs ganze Haus spielen. Ein Kind, mein Kind! Wie lange noch wird Elisabeth mein Kind sein?
Das Telefon läutete diesen Morgen bereits zum dritten Mal. Gott sei Dank gab es die Technik und einen Anrufbeantworter. Vom Bett aus hörte ich das Läuten, konnte aber nicht hören, wer darauf sprach. Was ist, wenn Erika meine Hilfe benötigt, schoss es mir durch den Kopf und sogleich sprang ich aus dem Bett und hörte den Anrufbeantworter ab. Alle Anrufe kamen von der Presse...
Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen und setzte einen Kaffee auf. Elisabeth hatte mir bereits Gebäck an den Frühstückstisch gebracht. Liebe, kleine Elisabeth. Was hast Du nur für einen Vater, der so wenig Zeit für Dich aufbringen kann.
Oft trinke ich morgens nur Kaffee und rauche eine oder zwei Zigaretten, ohne auch nur einen Bissen zu mir zu nehmen. Für mindestens 20 Minuten verharre ich dann völlig gedankenverloren am Tisch. Das brauchte ich seit jeher, sonst war ich nicht ansprechbar. Erst nach der Toilette konnte mein Tagwerk beginnen.
Für diesen Tag hatte ich mir den Presseordner zum Ergänzen vorgenommen. Bis Mittag war ich damit beschäftigt. Mit der Post erhielt ich ein Schreiben von meiner Rechtsschutzversicherung. Man will mir die Rechtsanwaltskosten nicht ersetzen.
War es anders zu erwarten? Man schließt doch heute nur mehr Versicherungen ab, damit man sich dann im Ernstfall noch zusätzlich wegen der Nichtleistung der versprochenen Versicherungsdienste ärgern und eventuell noch interessiert die Begründung der Nichtleistung studieren darf! Es kommt immer einer Befriedigung gleich, zu erfahren, auf welche Art und Weise man wieder hereingelegt wurde.
Eine Versicherung und das Lotteriespiel haben eines gemeinsam: Beide kommen einer Deppensteuer gleich.
Wie hoch wohl meine bisherigen Anwaltskosten sein würden? Ich wusste es nicht. Jetzt sah es so aus, als müssten unsere Bausparverträge für die Anwaltskosten herhalten. Was soll es? Irgendwie war ich auf unvorhergesehene, zusätzliche Belastungen gefasst und wegen einer finanziellen Angelegenheit ließ ich mich schon gar nicht aus der Bahn werfen.
AKH:
Im Garten hatte ich ein paar Filmminuten mit den Kindern aufgenommen um diese dann Olivia im Krankenhaus vorspielen zu können. Es kam gut bei ihr an. Erika hatte an diesem Tag bereits ein Tief hinter sich. Sie sehnte sich ein Ende dieser Zwangsinhaftierung herbei. Wir mussten unbedingt zu einer fixen Regelung kommen, wer, wann bei Olivia sein sollte.
Olivia erhielt heute wieder die Chemo. Sie wog 21,2 kg. Veronika fuhr diesmal mit nach Hause und während der Fahrt erzählte sie mir von dem Terror meiner Schwester Silvia gegenüber meinen Schwiegereltern in der Zeit von Spanien.
Bezirkshauptmannschaft:
Auf mein Schreiben vom 11.10.95 wurde mir geantwortet, dass
- das Besprechungsprotokoll vom 27.7.95 dem Bezirksgericht vorgelegt wurde. (Das stimmte. Frau Dr. Rostovsky irrte. Es gab dieses Schreiben bereits in meinem Besitz, nur unterfertigte dies keine Kinderpsychologin.)
- gemäß §17 AVG mir keine Akteneinsicht gewährt werde.
Mittwoch, 18.10.1995:
Der morgendliche Kampf um das Aufstehen war um nichts besser geworden. Meine Motivation, gegen diese Übermacht weiterzukämpfen bezog ich lediglich aus dem Wissen, menschlich gesehen, Recht zu haben. Was hier mit uns getrieben wurde, war Unrecht. Unangemeldet erschien ich auf dem Gericht und erbat das Protokoll der letzten Pflegschaftsverhandlung. Es wurde mir auch sofort ausgehändigt.
Des Öfteren sprachen mich Menschen von der Straße wegen Olivia an. Die meisten hatten die Informationen der Medien, welche oft den Gesundheitszustand von Olivia als regelrecht fabelhaft hinstellten.
Ich versuchte entsprechend zu berichtigen. Olivia litt an fürchterlichen Schmerzen in der Bauchgegend und musste sich oftmals übergeben. Des Nachts war sie ständig munter und jammerte. Sie konnte nicht mehr normal gehen, und es war ihr nicht möglich, einen Stift wie früher in den Fingern zu halten. Auch war sie depressiv.
Es war eine typische Vorgehensweise der Medien erkennbar. Olivias Zustand in Deutschland und Spanien wurde als lebensbedrohend hingestellt. Wir Eltern wurden verdammt, unsere Tochter derart leiden zu lassen.
Jetzt litt Olivia um ein Vielfaches mehr, und niemand fand etwas daran auszusetzen, zumal dies von den Medien und Ärzten immer auch beschönigt wurde. Schmerzen in einer natürlichen Heilung zu haben, wurde als unmenschlich hingestellt, Schmerzen in der schulmedizinischen Vegiftungstherapie schienen allgemein akzeptiert zu werden. Es war pervers!
Es wurde mit keinem Deut der Umstand hervorgekehrt, dass bei einer natürlichen Heilung keine, bei dieser Pseudotherapie aber schwerste Nebenwirkungen zu erwarten waren.
Von der Apotheke besorgte ich die von Dr. Leibold verschriebenen homöopathischen Mittel und brachte sie nach Grünbach zu meiner Mutter, damit sie diese bei ihrem Besuch Olivia mitbringen konnte. Wieder wurde eine Diskussion ausgelöst. Meine Eltern warfen mir vor, ich würde dauernd den Tod von Olivia prophezeien. Ich entgegnete, dass sie selbst, eigentlich aber die Schulmediziner damit begonnen hätten, als wir Olivia noch bei uns hatten.
Jetzt aber, bei einer 92%-igen Mortalität der Therapie, von sicherer Heilung zu sprechen, wäre Schwachsinn.
Vor ein paar Tagen hatte ich die Rechnung der Anwaltskanzlei Wegrostek erhalten, und da mir die Forderung unangemessen erschienen war, zählte ich in einem Retourschreiben alle Verfehlungen der Kanzlei auf und bat um entsprechende Reduzierung des Honorars. Nun kam wiederum ein Schreiben dieser Kanzlei. Darin wies Dr. Wegrostek sämtliche Vorwürfe zurück, ließ aber einen gewissen Betrag aus seiner Honorarforderung nach.
Herr Sellin von „bild am sonntag“ sicherte mir zu, ein Protokoll über den Hergang seiner erhaltenen Erlaubnis von Prof. Dr. Urbanek zuzuschicken. Auch sein Chef fand es eine Sauerei, im Nachhinein Tatsachen derart zu verdrehen. Auch die Redaktion könne den Vorwurf, auf fahrlässige Weise zu dem Bildmaterial gelangt zu sein, nicht auf sich sitzen lassen. Sie werden rechtliche Schritte gegen den, am 3.10.95 erschienen „kurier“-Artikel unternehmen. Auch gegen die „kronen“-Zeitung, die am 2.10.95 von „bild am sonntag“ gestohlene Bilder veröffentlichte, würden sie vorgehen.
Somit brauchte ich mich mit der rechtlichen Angelegenheit gegen diese beiden österreichischen Tageszeitungen nicht weiter zu befassen.
AKH:
17. Medizinisches Bulletin:
Die stationäre Behandlung des Mädchens gestaltet sich planmäßig. Die Gaben von zytostatischen Medikamenten (gegen Krebs) werden toleriert. Olivia wird zusätzlich regelmäßig physiotherapeutisch behandelt. Ihre einerseits von der Grunderkrankung her, andererseits auch von der zytostatischen Therapie kommende Appetitlosigkeit hat sich nicht gebessert. Eine zusätzliche Ernährung mit Hilfe von Infusionen und Magensonde ist erforderlich. Obwohl Olivia darüber nicht sehr glücklich ist, ist diese Art der Kalorienzufuhr unbedingt von Nöten.
Olivia besucht regelmäßig unsere Klinikschule und hat auch schon erste Spaziergänge zum Spielplatz in unserem Garten mit ihren Eltern gemacht.
Wiederholte Gespräche mit den Eltern und Familienangehörigen finden zur Aufarbeitung der Krankheitsproblematik statt.
Univ. Prof. Dr. R. Urbanek
" ... einerseits von der Grunderkrankung her, andererseits auch von der zytostatischen Therapie kommende Appetitlosigkeit hat sich nicht gebessert."
Ein jämmerlicher Versuch, Olivias Appetitlosigkeit nicht zur Gänze der Pseudotherapie zuweisen zu wollen! Olivia war vor der Zwangstherapie in der Heilungsphase und hatte entsprechenden Appetit. Sie aß und hatte normalen Stuhlgang. Sie war zugegebenerweise von der Krankheit und den Strapazen der Flucht her ausgemergelt, das war sie nun vermehrt.
Damals aber konnte sie essen, heute nicht mehr.
Donnerstag, 19.10.1995:
Am Morgen erhielt ich einen Anruf einer Frau aus Wr. Neustadt. Sie war bei dem Vortrag von Dr. Hamer in Deutschland gewesen. Sie informierte mich über ein angeblich wunderbares Krebsmittel, welches aus einer, in Peru wachsenden Liane gewonnen und als Tee verabreicht werde. Ich sollte zu einer Bekannten von ihr nach Wr. Neustadt kommen und diese werde mir diesen Tee zur Verfügung stellen.
Bevor ich mit Elisabeth und Veronika nach Wien fuhr, machte ich einen kurzen Abstecher zu dieser Dame.
Es war ein Arzt aus Peru anwesend, der über unsere Geschichte gut Bescheid wusste. Mir fiel das kürzlich von mir gelesene Buch „Die Prophezeiungen der Celestine“ ein, verkniff es mir aber, ihn danach zu fragen. Wir konversierten auf Englisch, und obwohl ich nicht sehr bewandert in dieser Sprache bin, konnte ich trotzdem alles verstehen. Verwundert registrierte ich diesen Umstand nebenbei. Er erklärte mir, wie ich mit Olivia Bewegungsübungen, Massagen usw. vollführen sollte. Dafür gab er mir mehrere ätherische Öle mit. Er hatte ein ruhige und interessante Ausstrahlung auf mich.
AKH:
Für heute war ich an der Reihe, bei Olivia zu bleiben.
Gespräch mit Dr. Zevaluschi:
Ich fragte ihn, wann nun die nächsten CTs bei Olivia erstellt werden sollten. Er zeigte mir das internationale Chemoprotokoll und sagte, dass laut diesem das nächste CT am Ende dieses Therapieblockes, also in rund 8 Wochen erstellt werden solle.
Ich bat ihn, uns zweifelnden Eltern doch insofern zu helfen, CTs erstellen zu lassen, damit wir uns davon überzeugen könnten, dass kein Fleck mehr in der Leber vorhanden wäre.
Er meinte, er sei nicht dazu verpflichtet, Eltern von der Therapie zu überzeugen, und außerdem liege dies nicht in seinem Zuständigkeitsbereich.
Der eigentliche Grund für dieses Gespräch war das baldig zu erwartende Infektionsrisiko bei Olivia. Voraussichtlich nächste Woche sollten die Leukozyten auf einen gefährlichen Tiefstand fallen, sodass die Besucheranzahl auf maximal zwei reduziert und zusätzlich das Tragen von Mundschutz vorgeschrieben werden müsste.
Dem Arzt war dieses Gespräch natürlich nicht angenehm, und die nächstbeste Gelegenheit nützte er, um diesem zu entkommen.
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| 19.10.1995: Olivia - gezeichnet von der Chemo |
Olivia:
Sie war natürlich untröstlich, dass Erika heimfuhr, aber als ich mit ihr alleine war, hatte sie bald wieder eine gute Stimmung. Bis 22:00 Uhr sahen wir fern. Die Nacht war schrecklich. Olivia erbrach viermal und machte auch während eines Erbrechenskrampfes ins Bett. Ich rief jedes Mal die Schwestern.
Für sie war dies nichts Besonderes. Sie schienen einfach ihren Job erledigen zu wollen.
Irgendwie kam es mir komisch vor, Olivia auch während der Nacht so massiv über die Magensonde zu ernähren. Es war auch tatsächlich zu beobachten, dass bei Rücknahme der Nahrungsmenge auch Olivias Übelkeit geringer wurde. Ruht der Magen nicht während der Schlafenszeit? Wussten dies die Ärzte nicht, oder war dies nur ein weiteres Zeichen ihrer Ignoranz? Mit dem ständigen Piepsen der Geräte, dem Erbrechen Olivias und den ständigen nächtlichen Besuchen der Schwestern konnte von einem erholsamen Schlaf nicht mehr gesprochen werden. Im Durchschnitt war Olivia, und somit auch ich, mindestens einmal pro Stunde wach.
Was musste Erika bereits durchgemacht haben?
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| 19.10.1995: Was wäre mit Olivia gewesen, hätte Erika ihr nicht beigestanden? |
Feitag, 20.10.1995:
Der Spuk des ständigen Erbrechens war am Morgen vorüber, und Olivia erbrach auch während des ganzen Tages kein weiteres Mal mehr. Eine feste Nahrungsaufnahme verweigerte Olivia aber konsequent. Sie aß und trank überhaupt nichts.
Am Nachmittag kamen immer unzählige Besucher. Olivias Hauptbeschäftigung war Fernsehen.
Die kommende Nacht verlief genauso wie die vorangegangenen. Olivia erbrach wieder im Stundentakt. Warum diese Prozedur?
Die Krankenhausroutine verlief ruhig. Auf Diskussionen mit Schwestern ließ ich mich nicht ein.
Telefonat mit meinem Chef:
Er relativierte die Aussicht auf einen Wiedereintritt mit der im Frühjahr zu erwartenden Auftragslage. Mein Arbeitsplatz war mittlerweile besetzt worden, und man war mit der getroffenen Wahl durchaus zufrieden.
Das Gespräch war kurz und kühl. Für mich war gut verständlich, dass meine Firma froh war, mich los zu sein. Sie hatten im AKH seit Jahren einen Dauerauftrag, der eine Menge Arbeiter und Angestellte beschäftigte.
Samstag, 21.10.1995:
Telefonat mit Dr. Martin Zimper:
Ein deutscher Produktionschef war in Wien angekommen und wollte mit uns sprechen.
Telefonat mit Herrn Mag. Rebasso:
Gestern wurde mit Dr. Martin Zimper ein Vorvertrag aufgesetzt. Die Vertragspartner wären bereit ÖS 500.000,- zu zahlen. Wir vereinbarten ein Treffen aller gegen 15:00 Uhr im Cafe.
Filmbesprechung im Cafe:
Teilnehmer: Dr. Martin Zimper und sein Anwalt, Herr Malmedy von „ARENA-Film GesmbH“, unser Anwalt Herr Rebasso, Erika und ich.
Das Vorvertragskonzept wurde allen unseren Wünschen entsprechend angepasst.
Den Namen Dr. Hamer im Film zu verwenden, obliege alleine dem Sender.
So lange am Drehbuch gearbeitet werde, könnten wir aktiv Einfluss nehmen. Ab Drehbeginn wäre dies nicht mehr möglich.
Alle hatten Sorge, dass bald irgendein anderer Sender die Story ankündigen könnte, deshalb wurde auf eine Entscheidung bis spätestens kommenden Montag gedrängt.
Immer wieder hörten wir die unterschwellige Drohung, auch ohne uns einen Film machen zu wollen.
Besuch bei Familie D.:
Mit ihnen über Ereignisse und Situationen sprechen zu können, tat mir ungemein wohl. Auch das Filmthema wurde erörtert, und ich fasste den Entschluss, unsere Mitarbeit zu verweigern. Meine Vermutung war, dass der Film aller Voraussicht nach eine Lobhudelei auf die Schulmedizin werden sollte. Sogleich rief ich Erika im AKH an und fragte sie nach ihren Entschluss. Auch sie erklärte, nicht an diesem Projekt mitarbeiten zu wollen. Sie vermutete, dass wir Eltern im Film als Psychopathen dargestellt werden sollten, so dass ein offizielles Gutachten überflüssig werden würde.
Für uns beide war die Gefahr einer Verfälschung der Geschichte zu groß. Ein negativer Film könnte außerdem die Neue Medizin für Jahre zurückwerfen.
Sonntag, 22.10.1995:
Treffen mit Herrn Rebasso:
Herr Rebasso fand unsere Entscheidung, das Filmprojekt abzulehnen, unklug, akzeptierte sie aber und half mir, ein Schreiben an die Filmgesellschaft aufzusetzen. Seiner Meinung nach entginge uns damit die Möglichkeit, aktiv an einer korrekten Darstellung der Begebenheit mitzuwirken, und es würde uns eine schöne Stange Geld entgehen.
Dass das Filmprojekt auch ohne unser Mitwirken durchgeführt werden könnte, war anzunehmen, aber nicht sicher. Immerhin hätten wir noch einige juristische Möglichkeiten, diesem entgegenzuwirken, und um Geld war es uns nie gegangen.
Sollte der Film trotzdem gemacht werden, würde er sicher inkorrekter die Story wiedergeben.
Es war ein Für und Wider, und ich war mit diesem Problem auch überfordert, so dass mir einmal unser Nichtmitwirken, das andere Mal wieder unser Mitwirken am Film erfolgversprechend und vor allem schadensminimierend erschien.
Alles in allem erfüllte mich aber Zorn über die Unverfrorenheit dieser Filme- und Geschäftemacher, die uns Eltern in dieser schwierigen Situation mit zusätzlichen Problemen konfrontierten.
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| Olivia am 22. 10.1995 |
AKH:
Hildegard kam mit ihrer Familie zu Besuch. Sie war wegen des Gesundheitszustandes von Olivia zutiefst traurig und dem Weinen nahe. Sie fasste sich jedoch wieder und wir führten ein längeres Gespräch im Cafe.
Später im Krankenzimmer ereignete sich folgender Vorfall: Ich filmte gerade, als eine Schwester ins Zimmer kam und Olivias steril gehaltene Ventile des Herzkatheders offenlegte. Diesen Vorgang nahm ich auf. Die Schwester dürfte angenommen haben, dass sie gefilmt wurde. Etwas später, ich filmte gerade Olivias Fußauftritt beim Gehen am Gang der Station, kam ein etwas älterer Arzt auf mich zu und sprach mich darauf an, ja nicht die Schwester zu filmen. Ich räumte seine Befürchtungen aus und versicherte ihm, sehr wohl über die Wahrung von Persönlichkeitsrechten Bescheid zu wissen und mir diesbezüglich keine weiteren Schwierigkeiten aufhalsen zu wollen. Der Arzt zeigte großes Interesse an meiner technisch hochwertigen Kamera.
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| Olivia mit ihrer Mutter am 22. 10.1995 |
Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia hatte morgens starke Halsschmerzen, und ich hielt sie an, Propolistropfen zu gurgeln.
Montag, 23.10.1995:
Mit der Sorge, welche Probleme der heutige Tag wieder mit sich bringen würde, wachte ich auf. Oft hatte ich das Gefühl, dass innerhalb der nächsten Stunden irgendetwas Schreckliches passieren könnte.
Ich versuchte Ordnung in meine gesammelten Unterlagen und Dokumente zu bekommen. Vormittags wurde der bestellte Laptop geliefert.
Später fuhr ich nach Wr. Neustadt, machte ein paar Besorgungen und fuhr nach Wien ins Cafe Landtmann weiter. Dort traf ich, wie vereinbart, Frau Stampf von der Zeitschrift „focus“, und wir besprachen das geplante Interview. Anwesend bei diesem Gespräch war Sigrun und Benedetto.
Noch vor meinem Betreten des Cafes erhielt ich einen Anruf des Herrn Malmedy von der „ARENA-Film GesmbH“. Er hatte meine Nachricht, beim Filmprojekt nicht mitwirken zu wollen, erhalten, erzählte, dass „sat1“ einen Film ohne unser Mitwirken produzieren möchte und bat mich noch einmal, in eine Weiterführung der Verhandlungen einzuwilligen.
Ich erklärte mich bereit. Was hätte ich auch sonst tun sollen? Wenn nun eine Filmgesellschaft unsere Geschichte ohne unser Einverständnis verfilmen wollte, so war doch bei der anderen Filmgesellschaft, welche sich um unser Mitwirken bemühte, immerhin eine gute Absicht erkennbar.
Das Gespräch mit Frau Stampf leitete Herr Benedetto. Es wurde eine Vereinbarung getroffen, den Text vor Drucklegung autorisieren zu können.
Telefonat mit Herrn Puschler:
„rtl“ bot mir eine Live-Sendung an, wenn ich Videomaterial von Olivia zur Verfügung stellen könnte.
Natürlich konnte ich. Eine Live-Sendung, in der ich unmanipuliert meinen Standpunkt darlegen konnte, wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Telefonat mit Herrn Dr. Martin Zimper:
Wir vereinbarten einen Termin zur Weiterführung der Filmverhandlung für Nachmittag 17:30 Uhr.
Weiterführung der Filmverträge:
Die Verhandlung verlief äußerst zäh, es wurden aber sämtliche von mir gestellten Bedingungen akzeptiert. Es gab Abschnitte in der Verhandlung, bei denen die beiden Rechtsanwälte, Herr Rebasso und der Rechtsanwalt von Dr. Martin Zimper, langweilige juristische Spitzfindigkeiten ausfechten mussten. Oft warf eine neue Vereinbarung mehrere nicht geregelte Möglichkeiten auf.
Mein Hauptanliegen war, dass Olivias Entschädigung von ÖS 300.000,- nicht in Herrn Hofrat Maradys Hände fallen durfte, damit dieser entstandene Kosten von Sicherheitsbeamten im Krankenhaus und dergleichen bestreiten konnte und dass wesentliche Schritte von öffentlichen Stellen, wie Behörden, Ärzten und Medien, Eingang in das Drehbuch finden mussten.
Schließlich gelang ein zufriedenstellender Vertragsabschluss.
Erikas Tagebuchnotizen:
Noch immer litt Olivia unter starken Halsschmerzen und konnte nichts essen. Immer wieder klagte sie über Bauchschmerzen und erbrach. Vor allem erbrach sie dann, wenn sie an Infusionen angeschlossen wurde.
AKH:
Gespräch mit Frau Pilhar am Montag, den 23.10.95
Im Gespräch mit der Mutter wurde festgelegt, dass Familie Pilhar keine Aufnahmen des Kindes mit medizinischer Einrichtung bzw. mit medizinischem Personal oder mit anderen Kindern, die sich in Behandlung unserer Klinik befinden, fertigt. Es wurde darauf hingewiesen, dass eine Nichtbeachtung der für uns bindenden Auflagen zu rechtlichen Problemen führen würde, was die Beteiligung der Eltern an der stationären Behandlung von Olivia unnötig gefährden könnte.
Ferner wurde besprochen, dass die Schwester von Frau Pilhar nicht in die Tätigkeit unseres Personals bzw. in die Behandlung von Olivia eingreift, sondern ihre Maßnahmen auf die Beschäftigung von Olivia konzentriert.
Univ. Prof. Dr. R. Urbanek
Die Schwester von Frau Pilhar, Veronika, bereitete den Ärzten kleine Schwierigkeiten. Des Öfteren war sie bei Olivia über Nacht geblieben. Musste nun beispielsweise die Magensonde neu gesetzt werden, so weigerte sich Veronika, ohne Beisein von Erika dies an Olivia vornehmen zu lassen. Das war den Ärzten nicht recht. Sie hätten gerne ihren Job erledigt. Ob nun Olivia mit Gewalt niedergehalten oder mit Beruhigungsmitteln niedergespritzt werden musste, war ihnen primär egal. Ohne künstliche Beruhigung oder ohne Gewalt war Olivia ohne ihre Mutter seitens der Ärzte nicht beizukommen.
Stellten die Ärzte an Olivia Fragen, erhielten sie keine Antwort. Wollten sie Olivia gar körperlich berühren, zog sie sich sofort zurück. Und mussten sie ihr Schmerz zufügen, z.B. beim Lösen des Verbandes, konnte Olivia schreien, als ginge es um ihr Leben.
Olivia ohne Beisein ihrer Mutter zwangszutherapieren, kommt schlichtweg einem Mord gleich.
Die gewaltsame Trennung Olivias von ihrer Mutter in Tulln wäre auch fast schief gegangen. Damals musste um ihr Leben in der Intensivstation des AKH gekämpft werden.
Eine Zwangstherapierung von Kindern ohne Eltern ist tolerierter Totschlag am Kind und aus menschlichen Gründen abzulehnen! Die sog. „ethischen“ Gründe kennen wir ja mittlerweile. Die Ethikkommission, zusammengesetzt aus Ärzten, Theologen und Juristen, vertritt „ihre“ ethische Ansicht und lässt Patienten hierbei nicht zu Wort kommen. Dies ist weltweit (!), sozusagen „international“ geregelt.
Medien:
„news“, Titelseite: „OLIVIA: BILDER EINER TRAGÖDIE“
Das erste Mal (!) berichtet „news“ wahrheitsgetreu über Olivias Befinden. Wir waren erstaunt.
Dienstag, 24.10.1995:
Zeitig am Morgen musste ich den mittlerweile getippten Filmvertrag von der Rechtsanwaltskanzlei holen, diesen Erika im AKH zum Unterzeichnen vorlegen und ihn schließlich Dr. Martin Zimper, der im Cafe wartete, überreichen.
Doktor Zimper lernte erstmals Erika kennen. Für uns war es ein eigenartiges Gefühl zu wissen, dass nun ein Teil unseres Lebens verfilmt werden sollte. Herr Dr. Martin Zimper gestand, nun erstmals ein Drehbuch für einen 90 minütigen Film zu schreiben. Erst vor kurzem hatte er sich selbständig gemacht (!). Seines Wissens gab es bisher keine so rasche Verfilmung einer wirklichen Story und noch dazu mit Namensnennung.
Interview der Zeitschrift „focus“:
Mit Frau Stampf war ein gewisser Herr Thielde und ein Fotograf gekommen. Wir trafen sie im Cafe. Frau Stampf ging mit mir zu Olivia, um von ihr ein kurzes Interview zu erhalten, sie wurde aber sofort von mehreren Schwestern hinausgebeten. Frau Dr. Fuiko, Psychologin an der Station, behauptete, dass nur die nächsten Verwandten Olivia besuchen dürften. Ich widersprach, das könne nicht stimmen. Frau Dr. Fuiko bestand aber darauf, und Frau Stampf wollte man sogar den Fotoapparat abnehmen, was sie aber nicht zuließ. Sie ging daraufhin in das Büro des Prof. Dr. Urbanek und erhielt die Auskunft, dass lediglich ausländischer Presse der Zutritt zu Olivia verweigert werde.
Ich ging, um selbst Fotos von Olivia zu machen und traf wieder auf Frau Dr. Fuiko. Sie erklärte, soeben mit Prof. Dr. Urbanek Telefonisch gesprochen zu haben und dass dieser nun ein Schreiben verfassen werde, das jeder Presse, auch der inländischen, den Zutritt zu Olivia verweigern sollte. Damit konnte ich mich einverstanden erklären. Eine einseitige Beschränkung der Presse durch das AKH wollte ich nicht akzeptieren.
Nach dem kleinen Tumult stellte sich die Ursache der raschen Reaktion der Schwester auf die Reporterin, Frau Stampf, heraus. Der Fotograf hatte uns nicht gleich gefunden, und durch sein hartnäckiges Auftreten auf der Station, unbedingt zu unserem Zimmer vorgelassen zu werden, alarmierte er die Direktion des AKH, welche wiederum unkoordinierte Befehle an die Ärzte weitergab.
Während des Zwischenfalls auf der Station hatte Sigrun die nunmehr bei jedem Interview anwesend war, Gelegenheit, mit Herrn Thielde zu sprechen, und sie fand heraus, dass er selbst aus einer Arztfamilie stammte und Dr. Hamer sehr skeptisch gegenüberstand. Sie warnte mich nun, beim Interview entsprechende Vorsicht walten zu lassen. Das Interview fand in einer Hotelhalle in der Wiener Innenstadt statt. Wir wollten kein unnötiges Aufsehen im Cafe des AKH erregen.
Nach dem Interview mit „focus“ hetzten wir zum nächsten Termin mit dem Chef der Zeitschrift „news“, Herrn Fellner, in die Kanzlei unseres Rechtsanwaltes.
Gespräch mit „news“-Chef, Herrn Fellner:
Bis dato hatte „news“ uns, vor allem aber mir persönlich, sehr geschadet, und wir waren gespannt, welches Ergebnis dieses Gespräch nun bringen sollte.
Herr Fellner sprach gekonnt. Erika blieb davon unbeeindruckt und konterte mit starken Vorwürfen. Er wiederum erklärte sich bereit, Raum für eine Klarstellung und mir eine finanzielle Entschädigung für die erlittene Rufschädigung zu zahlen. Herr Fellner gab vor, bei den Behörden zu recherchieren, wie weit diese nun zu ihren diversen Versprechungen aus der Vergangenheit stehen wollten und wollte von uns ein Interview erstellen.
Sein Ziel wäre es, dass Olivia, wie jedes andere Kind, nach Hause dürfe. Er gab vor, uns Eltern in unserem Kampf um unser Kind zu bewundern. Mit der Geschichte um Olivia wolle er nichts verdienen, vielmehr wolle er uns allen Gewinn zur Verfügung stellen. Eine Autorisierung des Textes durch unseren Anwalt wurde vereinbart.
Trotz meiner negativen Erfahrungen mit dieser Zeitung hätte ich Herrn Fellner sofort vertrauensvoll für seine bekundete lautere Absicht herzlich die Hand schütteln wollen und wäre augenblicklich für ein Interview zur Verfügung gestanden, wenn da nicht meine besonnenen Freunde gewesen wären. Ich musste mir selbst eingestehen, leicht beeindruckbar zu sein.
Veronika hatte sich bereiterklärt, die Nacht bei Olivia zu verbringen. Olivia war damit überhaupt nicht einverstanden und war zutiefst beleidigt. Sie verhielt sich unmöglich. Veronika schien überfordert. Aus Erfahrung wussten wir aber, dass lediglich die ersten Minuten der Trennung für Olivia schlimm waren. Etwas später begnügte sich Olivia sehr wohl mit den gegebenen Umständen. Wir hielten den Einsatz von Veronika oder meiner Schwester Michaela bei Olivia ohnehin in Grenzen. Einen Tag gemeinsam verbringen zu können, schien für Erika und mich aber auch unentbehrlich und für unsere Beziehung erforderlich zu sein.
Zu Hause schnitt Erika meine Haare. Zuletzt tat sie dies vor vielen Jahren, als ich sie noch länger trug. Obwohl sie von meinen Wünschen stark abwich, störte mich mein neuer Schnitt kaum. Was bedeuteten mir schon Äußerlichkeiten?
AKH:
Verordnung:
Hiermit wird nochmals festgelegt, dass jeglicher Besuch von inländischen oder ausländischen Journalisten sowie Fotografen bzw. Personen, die die Krankheitsereignisse des Kindes Olivia Pilhar bekannt machen wollen, auf der Station E9 der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde untersagt ist.
Die Eltern dürfen private Aufnahmen des Mädchens ohne Einbeziehung von medizinischen Einrichtungen sowie Personen, die das Kind pflegen oder im Allgemeinen Krankenhaus sich befindenden Patienten, nur zu deren Privatdokumentation machen. Eine Weiterleitung an Dritte, vor allem an die Medien, ohne Einverständnis der Pressestelle des Allgemeinen Krankenhauses ist nicht gestattet.
Eine Verletzung der vereinbarten Bedingungen ist sowohl dem Krankheitszustand des Mädchen Olivia Pilhar als auch der Behandlung desselben Kindes nicht dienlich und daher ausdrücklich untersagt.
Univ. Prof. Dr. R. Urbanek
Wieso sollte eine „Verletzung der vereinbarten Bedingungen“ dem Krankheitszustand von Olivia nicht dienlich sein? Wenn sich Olivia nicht ausdrücklich gegen eine filmische Aufnahme aussprach und somit angenommen werden konnte, dass sie dies nicht weiter störte, war selbstverständlich klar, dass Aufnahmen keine Therapie, vor allem keine Chemotherapie unterstützen konnten. Würden sie das können, vielleicht hätte man diese dann eingeführt. Grundsätzlich glaube ich, davon ausgehen zu dürfen, dass filmische Aufnahmen weder positiv noch negativ auf die Gesundheit einer Person einwirken, vorausgesetzt, die Person ist mit der Aufnahme einverstanden, was Olivia größtenteils auch war. Erklärte sie sich nicht damit einverstanden, was durchaus auch vorkam und lagen die Aufnahmen in meinem Machtbereich, so stellte ich sie sofort ein. Es gab Zeiten, wo ich sie nicht verhindern konnte.
Um einen Grund finden zu können, warum filmische Aufnahmen die von den Ärzten des AKH verabreichte Behandlung beeinflussen könnten, musste man schon subtiler forschen.
Kurzum, diese Verordnung musste man als Frechheit empfinden, wenn man die Vorgehensweise des AKH uns gegenüber noch nicht kannte. Ich empfand es wirklich nur als Kuriosum, als Ausgeburt eines durch und durch kranken und schuldbewussten Systems.
Mittwoch, 25.10.1995:
Wegen der Vereinbarung mit „focus“, den Text vor Drucklegung zu autorisieren, waren wir an das Zuhausebleiben gebunden. Verspätet traf endlich das Fax ein, welches ich sofort an Sigrun und Herrn Benedetto weiterleitete. Einiges hatte ich daran auszusetzen und koordinierte eine Korrektur mit Sigrun. Herr Benedetto war leider nicht erreichbar. Den korrigierten Text faxte ich zurück und erhielt eine neuerliche Fassung. Daran fand ich die Überschrift schauderhaft und verfasste im Gegenzug ein Schreiben an die Redaktion, indem ich nochmals an unsere getroffene Vereinbarung, nichts Abwertendes zu schreiben, erinnerte.
Sigrun war über den Artikel nicht begeistert, ich selbst fand ihn nicht so schlecht. Alles in allem war aber das Hin- und Hersenden und Korrigieren des Textes sehr arbeitsintensiv und stressreich.
Donnerstag, 26.10.1995:
Erikas Tagebuchnotizen:
Bis heute war Veronika bei Olivia. Zu Mittag fuhren wir alle zu ihr ins AKH. Sie war recht gut gelaunt, konnte aber nur zwei Esslöffel Suppe zu sich nehmen. Immer wieder traten diese Bauchschmerzen und das Erbrechen auf.
Freitag, 27.10.1995:
Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia klagte über Halsschmerzen. Frau Dr. Slavc sprach mit mir über die derzeitige Ernährung von Olivia und riet mir, dass ich sie zu mehr Bewegung animieren sollte. Zwischen 10:00 und 11:45 Uhr ging Olivia regelmäßig in das Schulzimmer auf der Station.
Samstag, 28.10.1995:
Erikas Tagebuchnotizen:
Helmut blieb bei Olivia.
Sonntag, 29.10.1995:
Erikas Tagebuchnotizen:
Gegen 8:30 Uhr war ich wieder im AKH. Olivia hatte laut Helmut die ganze Nacht durchgeschlafen, das Bauchweh schien besser geworden zu sein.
Abends musste sie jedoch nach der Medikamentenverabreichung wieder erbrechen. Gegen 21:00 Uhr erwachte sie, klagte wieder über Bauchschmerzen und erbrach die künstliche Ernährung.
Montag, 30.10.1995:
Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia war stark depressiv und blieb nur eine halbe Stunde in der Schule.
Dr. Seidl meinte, um die Therapie nicht zu gefährden, müsste entweder die Magensonde tiefer in den Dünndarm hinein verlegt werden oder ein Zugang durch die Bauchdecke geschaffen werden.
Es wurde die Magensonde weiter geschoben. Olivia schrie wie am Spieß.
Zusätzlich zur Ernährung über die Magensonde erhielt sie intravenöse Ernährung über den Herzkatheder. Über diesen wurde ihr auch wieder die Chemo gespritzt.
Man versuchte nicht, Olivia eine Pause zu gönnen. Das Programm musste erfüllt werde, egal wie es Olivia dabei erging, egal wie stark sie unter Bauchschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Halsschmerzen und Depressionen litt.
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| 30.10.1995: Das Programm musste erfüllt werden... | ||
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| 30.10.1995: ... egal wie es Olivia dabei ging |
Medien:
„focus“: „HEILUNG GEGEN DIE ELTERN“
Dienstag, 31.10.1995:
Erikas Tagebuchnotizen:
Abends hatte Olivia Schnupfen und leichtes Fieber. Sie klagte über starke Bauchschmerzen. Obwohl die Halsschmerzen nachgelassen hatten, weigerte sie sich zu essen.
Mittwoch. 1.11.1995:
Erikas Tagebuchnotizen:
Olivia war sehr müde und depressiv. Beim Aufstehen vom Bett und Gehen im Zimmer weint sie vor Schmerz.
Veronika kam, um mich abzulösen. Ich fuhr nach Hause.
Medien:
„raum & zeit“: „HAMER ÜBERPRÜFEN, VON HAMER ÜBERZEUGT, HAMERHATZ“
In der eintönig gleichgeschalteten Medienlandschaft ist diese Zeitung eine wahre Freude zu lesen. Ich bin froh, dass es noch so mutige Verleger gibt.
In dieser Ausgabe waren Leserbriefe veröffentlicht worden.
Donnerstag, 2.11.1995:
Erikas Tagebuchnotizen:
Helmut verbrachte den Tag bei Olivia.
Medien:
„news“: „FALL OLIVIA: JETZT WIRD AUS DEM DRAMA EIN SPIELFILM“
Freitag, 3.11.1995:
Erikas Tagebuchnotizen:
Bereits um 5:00 Uhr morgens fuhr ich wieder ins AKH, denn Helmut musste nach Köln fliegen.
Vormittags konnte ich Olivia dazu überreden, für eine Weile mit mir auf dem Gang spazieren zu gehen. Das Essen verweigert sie zur Gänze. Ansonsten war sie aber wieder fröhlicher. Während der Nacht erbrach sie.
Live-Sendung „punkt 12“:
Meine Möglichkeit, mich via Medien artikulieren zu können, nutzte ich. Vor allem Live-Sendungen wollte ich mir nicht entgehen lassen, da ich nur bei diesen die Möglichkeit hatte zu sagen, was wirklich war. Und das tat ich diesmal wieder. Ich konnte meine Bedenken wegen der immer noch verweigerten CTs loswerden. Dadurch, dass ich meine Sorgen öffentlich den ebenfalls öffentlichen Behauptungen der Ärzte entgegenstellen konnte, musste ich sie nicht in mich hineinfressen.
Natürlich waren diese Auftritte auch risikoreich für mich, denn die Moderatoren waren durch die Bank gegen mich, vor allem aber für die orthodoxe Schulmedizin eingestellt. Somit kam es auf beiden Seiten auf das persönliche Geschick der Gesprächslenkung und Formulierung an. Auf alle Fälle hatte ich aber durch die Live-Sendung mit keiner unfairen Manipulation meiner eigenen Worte zu rechnen, wie es bei Aufzeichnungen gang und gäbe war.
Die Sendezeit betrug lediglich 5 Minuten und in meinen Antworten auf zwei gestellte Fragen der Moderatorin, verpackte ich alles mir Wesentliche.
Natürlich nutzte ich die Gelegenheit in Köln zu sein, um Dr. Hamer treffen zu können.
Medien:
„täglich alles“: „'OLIVIA' - DER FILM“






















