Kapitel 5

Olivia - das erste Mal zu Hause


Sonntag, 3.12.1995:

Telefonat mit Erika:
Sie möchte mit Olivia gegen Mittag nach Hause kommen.

Besuch bei meinen Eltern in Grünbach:
Ich versuchte, meiner Mutter meinen Standpunkt betreffend der Übertragung des Teilsorgerechts darzustellen. Als ich aber einleitend die Geschichte des elfeinhalbjährigen Buben mit der „Fastamputation“ beider Beine begann, verließ meine Schwester Michaela das Zimmer. Sie ertrug nicht diese schreckliche Geschichte, vor allem aber, weil sie nicht in Erwägung ziehen wollte, dass Dr. Hamer doch Recht haben könnte.
Ebenso mein Vater. Auch für ihn zählte kein belegbares Argument, sondern er polemisierte, wie er es aus den Medien vorgekaut bekommen hatte.

Erikas Tagebuchnotizen:
Heute fuhr ich mit Olivia das erste Mal nach Hause. Abends besuchten wir noch, bevor wir wieder in die Klinik zurückfahren mussten, das Haus des Meeres in Wien.
3.12.1995.· Olivia das erste Mal für ein paar Stunden zu Hause

Medien:
„täglich alles“: „OLIVIA DURFTE MIT IHRER TANTE INS KINO“



Montag, 4.12.1995:

Telefonat mit Dr. Hamer:
Der Sender „tm3“ gehört angeblich zum „spiegel“.

Das muss man sich einmal vorstellen! Über das französische Büro aus Paris nahm „swiss news“ mit uns Kontakt auf, verlor aber über „spiegel-tv“ kein Wort. Mich hatte also mein Gespür, das Interview gleiche einem Verhör, nicht getrogen!

Olivia:
Während der Nacht wachte sie einmal laut weinend auf, konnte aber schnell wieder beruhigt einschlafen. Wahrscheinlich hatte sie ein böser Traum geplagt.
Von ca. 9:00 Uhr bis 11:00 Uhr war sie in der Schule. Sogleich als sie wieder in das Zimmer kam, wurde sie an weitere Infusionen gehängt und ihr die Chemo verabreicht. Anschließend kam die Physiotherapeutin.
Gegen Abend tauchten wieder ihre Bauchschmerzen auf. Mit ätherischen Ölen, ihrem Lieblingsöl, der Zitrone, das ich in den Handflächen verrieb und ihr dann die warmen Hände auf den Bauch auflegte, war sie zu beruhigen.

Betreffend das Pflegschaftsverfahren überlegte ich mir Folgendes:
Wir lehnen den Vorschlag von Richter Masizek ab. Begründung: Wir empfinden es als Beleidigung, dass wir und meine Schwiegereltern, die immer hinter uns standen, derart übergangen werden. Das Gericht möchte die Verantwortung loswerden. Wir können es nicht verantworten, dass unsere Schwester ihren Beruf aufgibt und mit einem krebskranken Kind belastet wird.
Lieber belassen wir die Verhältnisse so, wie sie sind. Olivia bleibt also so lange im Krankenhaus, wie es die Therapie erfordert. Ausflüge nach Vereinbarung mit den Ärzten.
Wir beantragen eine Stellungnahme zu Dr. Hamers Schreiben Olivia betreffend und ein CT vom Abdomen und Gehirn und als Alternative dazu, sollte sich das AKH weigern, dass wir es selbst bei einem Radiologen erstellen lassen dürfen.
Schriftliche Erklärung von Silvia, worin sie die Teilsorgerechtsübernahme ablehnt.

Medien:

„krone“: „'WUNDERHEILER' BITTET UM GNADE“
„kurier“: „OLIVIA: SORGERECHT FÜR TANTE“




Donnerstag, 5.12.1995:

Olivia:
Am Morgen klagte sie wieder über Bauchschmerzen. Sie wirkte auch bedrückt.

Telefonat mit Silvia:
Sie wurde von der BH-Mödling angerufen. Es wurde ihr erklärt, dass Olivia über die Weihnachtszeit nach Hause dürfe, dafür aber müsste Silvia die Verantwortung übernehmen. Sie solle also einen Teil des Sorgerechts erhalten.
Ich sprach nochmals auf sie ein, diese Verantwortung abzulehnen, damit die Behörden den zweiten Vorschlag von Richter Masizek durchführen müssten.
Sie erklärte, nochmals mit Hofrat Marady sprechen zu wollen.
Danach rief sie abermals an. Für morgen um 8:00 Uhr war ein Termin mit ihr und mir bei Hofrat Marady vereinbart worden.

Telefonat mit Herr Mag. Rebasso:
Er erklärte sich bereit, morgen mitzukommen. Silvia solle ihn anrufen.

Telefonat mit Silvia:
Mit meinem Rechtsanwalt wollte sie absolut nichts zu tun haben. Dies fand ich stark. Wie kam sie dazu, mir meinen Rechtsbeistand zu verweigern? Diese Vorgehensweise kannte ich zur Genüge von den Behörden.
Hätte Erika bei dem Gespräch mit Richter Masizek im AKH einen Anwalt dabeigehabt, so würde sich der Richter jetzt schwertun, Erika, was seinen zweiten Vorschlag anbelangte, ein Missverstehen unterjubeln zu wollen.
Silvia blieb dabei, entweder ich alleine, oder sie sagt den morgigen Termin ab.
Ich ging auf's Ganze und erklärte ihr, wenn sie sich weiter in unsere Angelegenheit einmische, würden wir gegen sie vorgehen müssen. Wir könnten uns dies nicht gefallen lassen. Wir würden ihr den Zutritt zu Olivia verweigern, sollte ihr aber das Kind zugesprochen werden, werden wir Olivia aufklären, bzw. sie müsste dann mit Olivia völlig alleine zurande kommen, da wir uns zurückziehen würden. Das saß!

Telefonat mit Hofrat Marady:
Ich erklärte ihm, morgen mit meinem Rechtsanwalt kommen zu wollen. Er sagte, er sei Beamter und ob er wolle oder nicht, müsse er sich mit dem Fall auseinandersetzen. Er hätte aber gerne ein Gespräch von Mensch zu Mensch geführt, und wenn ich ihm und meiner Schwester misstraue, so könnten wir gleich zu Gericht gehen. Er wolle hier nicht den Botenjungen spielen. Er habe aber morgen Zeit, und wenn ich möchte, könne ich auch mit Rechtsanwalt erscheinen.

Telefonat mit Erika:
Ich erklärte ihr den bisherigen Verlauf und bat sie, sich mit Silvia in Verbindung zu setzen.
Danach rief sie mich zurück. Sie hatte Silvia erklärt, dass sie lieber im Krankenhaus mit Olivia Weihnachten feiere als bei ihr in Brunn am Gebirge. Sie verbot ihr nochmals, sich in unsere Angelegenheiten zu mischen, denn auch ihr wäre es umgekehrt nicht recht, wenn wir uns derart massiv in die ihrigen einmischen würden.
Den Termin mit Hofrat Marady hatte Silvia abgesagt!

Telefonat mit Silvia:
Sie las mir ihr Fax an Herrn Hofrat Marady vor mit dem Inhalt, sie werde weiterhin für den Notfall, sollte Olivia in ein Heim kommen müssen, zur Verfügung stehen, bat aber inständig, uns Eltern die Chance zu geben, das Sorgerecht zurückzubekommen. Wir hätten schon mehrmals gezeigt, dass wir mit Olivia wieder ins AKH zurückkommen würden, und außerdem hatten wir ihr glaubhaft versichert, nicht mehr flüchten zu wollen. Sie und auch meine ganze Familie würden für das Erscheinen von Olivia garantieren.
Dieses Fax legte zwar der Behörde wieder eine Schiene, denn sie bräuchte nur zu behaupten, es sei ein Notfall und Olivia komme in ein Heim, aber es schien mir doch, dass der Wunsch, uns eine Chance zu geben, erkennbar war.

Erika löste mich im AKH ab, und ich brachte meine Mutter nach Hause.

Telefonat mit Sigrun:
Unser Interview vom vergangenen Dienstag solle heute in „spiegeltv“ ausgestrahlt werden. Man hatte gewusst, dass wir nie für „spiegeltv“ ein Interview gegeben hätten, deshalb trickste man uns über „swiss-news“ / tm3 derart aus.
Ich entschied, keine weiteren Interview-Aufzeichnungen mehr zu geben. Lediglich Live-Sendungen würde ich noch annehmen. Auch das Angebot des Herrn Puschler einer Aufzeichnung für „rtl“ „Explosiv“, Termin: 23.12.95, lehnte ich ab.

Die Kinder waren bei der Familie D. abzuholen. Sepp war mit den Buben im Dorf Krampus ärgern.

Zu Hause lag ein Angebot eines Verlages für mein Tagebuch vor.



Mittwoch, 6.12.1995:

Telefonat mit Hofrat Marady:
Ich entschuldigte mich für mein Nichterscheinen und kündigte ein Schreiben vom Rechtsanwalt an, in dem wir um einen neuerlichen Termin mit ihm und Herrn Gruber bitten werden. Meiner Meinung würde die Angelegenheit derzeit stagnieren, und ich wolle sie deshalb konstruktiv vorantreiben.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Nach seinen Informationen war die gestrige „spiegel-tv“ - Sendung wieder eine der üblichen Hetzkampagnen gewesen. Er selbst hatte sie jedoch nicht gesehen.

Interview mit Frau Stampf, „focus“:
Der Artikel würde kommenden Montag erscheinen.

Telefonat mit Erika:
Vormittags, als Olivia in der Schule war, ließ sie sich von einem Frauenarzt untersuchen. Bei der Untersuchung erfolgte derart schnell eine Ultraschalluntersuchung, dass sie gar nicht reagieren konnte. In einem Gespräch billigte ihr aber dann der Arzt zu, in Zukunft von solchen Untersuchungen Abstand zu nehmen, da dies auch früher ohne diese funktioniert hätte. Mit dem Kind und ihr sei alles in bester Ordnung.

Telefonat mit Herrn SeIlin, „bild am sonntag“:
Es werde gegen die „kronen“-Zeitung (2.10.95) wegen Bildklaus und gegen den „kurier“ (3.10.95) wegen falscher Behauptung rechtlich vorgegangen. Dies bekam ich nun schon x-fach zu hören, hatte bisher aber darüber nichts Schriftliches erhalten.
Kurz erklärte ich ihm unsere derzeitige rechtliche Lage und wie es Olivia und uns ginge.
Für Weihnachten möchte er eine kleine, schöne Geschichte machen.

Am Abend kam der Nikolaus in den Kindergarten. Schon lange hatten Erika und ich geplant, dies für einen neuerlichen Versuch zu nutzen, Elisabeth den Kindergarten schmackhaft zu machen. Elisabeth war schon den ganzen Tag lang in Vorfreude und mehr als bereitwillig, ging sie mit mir mit.
So, als wäre sie nie vom Kindergarten ferngeblieben, bewegte sie sich in der Menge von Gleichaltrigen. Vor allem aber suchte sie die Gesellschaft der kleinen Nina D.. Nachdem die Veranstaltung vorüber war, versprach Elisabeth der Tante vom Kindergarten, morgen wiederzukommen. Und sie hielt ihr Versprechen.



Freitag, 8.12.1995:

Olivia verbrachte den Nachmittag in Maiersdorf. Für heute war ich wieder an der Reihe, die Nacht bei Olivia im AKH zu verbringen. Mit dem Wagen fuhren wir ins Krankenhaus zurück.



Samstag, 9.12.1995:

AKH:
Während der Nacht wachte Olivia weinend auf. Sie hatte Bauchschmerzen und schrie regelrecht nach ihrer Mutter. Ihren Oberkörper wippte sie im Bett sitzend vor und zurück und jammerte kläglich. Ich versuchte beruhigend auf sie einzureden und dachte, dass vielleicht auch sie die Magengrippe erwischt hatte, die gestern noch mir ziemlich zugesetzt hatte.
Sie musste erbrechen. Wohlweislich gab es dafür schon vorbereitete und anscheinend speziell für diesen Zweck konzipierte Papierschüsseln im Zimmer, sowie jede Menge Stoffwindeln.
Ich stellte fest, dass ich schon eine gewisse Routine darin besaß, meinem Kind bei seinen Übelkeitsanfällen beizustehen. Jeder Elternteil, der sein Kind während der Chemotherapie begleitet hatte, kennt dies zur Genüge. Nur, wie steht es mit der persönlichen Einstellung zu diesem Geschehen? Vermutlich ist es erträglicher, wenn man annimmt, dass nach der Therapie alles gut werden würde, wenn man glaubt, dieses momentane Leid des Kindes würde sich legen, man müsse dies eben in Kauf nehmen.
Aber mir fehlte dieser Glaube an die „Hoffnung Chemo“. Für meinen Wissensstand gab es keine Begründung, dieses Leiden meines Kindes rechtfertigen zu können. Diese „Therapie“ war lediglich eine Bürde. Eine unnötige Bürde, mit höchstem Risiko für mein Kind!
Was man als Vater oder Mutter hierbei mitleidet, kann man kaum beschreiben.
Aber auch ich hatte Hoffnung, denn ich brauchte nur an den Beginn der Chemotherapie zu denken, wie hoffnungslos damals alle waren. Alle, einschließlich mir, und doch schaffte es Olivia bis an den heutigen Tag. Olivia und auch wir wurden getragen. Es ist schwer zu formulieren, wer hier seine schützenden Hände über uns hielt und noch immer hält, aber dass es so ist, davon bin ich felsenfest überzeugt.

Am Morgen war ihre Übelkeit wieder verflogen. Gegen 9:00 Uhr kam meine Schwägerin Veronika, um mich abzulösen. Mit ihr sollte Olivia nach Maiersdorf fahren und dann abends wieder in das AKH zurückkommen.
Kurze Zeit später kam Hanni mit ihrer Tochter. Ihr frühes Erscheinen war ungewöhnlich und auch ihre Geschichte, die sie mir erzählte. Sie hatte einen Traum in dem sie Olivia auf dem Schoß hielt. Eine alte Frau, die Hanni des Öfteren im Traum erschien, erklärte ihr, dass ich mich vor den gegnerischen Mächten in Acht nehmen müsse. Dies müsse sie mir unbedingt mitteilen. Diese Mächte würden mich für gewisse Zeit, in der ich diesen hilfreich sei, benützen und mich dann wie eine heiße Kartoffel fallen lassen.

Gespräch mit Frau I., „Freya-Verlag“ in Linz:
Bis vor fünf Jahren führte sie im „orf“-Radio eine esoterische Sendung, bis sie ihren Verlag gründete. Zwei ihrer verlegten Bücher hatte ich bereits und eines davon war ein wirklich schöner und positiver Märchenroman.
Sie gab an, am kommenden Montag mit Herrn Falk in unserer Angelegenheit ein Gespräch zu führen und mich danach zu verständigen. Eventuell könnte sich Herr Falk bereit erklären, Auszüge aus dem Tagebuch vorab zu veröffentlichen.
Geplant war eine erste Auflage mit 10 000 Stück. Einen Vorschuss zu bekommen, hielt ich momentan nicht für wichtig. Wichtiger war es für mich, die Geschichte so wahrheitsgetreu als möglich unter das Volk zu bringen.
Frau I. kam in Begleitung eines etwa 28-jährigen Mannes, der vermutlich mit ihr den Verlag führte. Der Eindruck, den ich von beiden gewinnen konnte, war angenehm gut. Der junge Mann saß irgendwie auf Nadeln. Wahrscheinlich dachte er, für wichtigere Dinge notwendige Zeit zu vergeuden, jedenfalls machte er Andeutungen, im Büro weiter arbeiten zu wollen.

Auf dem Weg zurück hielt ich kurz an einer Raststation, um mich zu stärken und traf „zufällig“ Herrn Schmier von „plera-film“, mit dem ich bereits vor Wochen im AKH wegen unserer Filmgeschichte gesprochen hatte. An solche Zufälle war ich bereits schon fast gewöhnt. Wie gesagt, für mich gab es keine Zufälle mehr, alles hatte seinen Sinn und Zweck.
Er erkannte und grüßte mich und erzählte, dass er sich mit Dr. Martin Zimper besprochen hatte. jene Filmparts zu übernehmen, welche in Österreich gedreht werden sollten. Von dieser Abmachung wusste ich noch gar nichts. Das Gespräch war kurz, aber freundlich.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Ich schilderte ihm kurz Olivias Verfassung. Sie aß wiederum eher wenig, war aber fit genug, um mit ihren Geschwistern Schlitten zu fahren. Auch dass sie während der vergangenen Nacht wegen Schmerzen aufwachte und schließlich erbrach, teilte ich ihm mit.
Dr. Hamer machte darauf aufmerksam, dass die kritische Phase mit dem Heilungsprozess nach Absetzen der Chemo eintreten werde. Er vermutete nach wie vor, dass Olivia an einer Leberzirrhose leide und dies von den Ärzten des AKH totgeschwiegen werde. Wahrscheinlich, so meinte er weiter, rechneten sie gar nicht damit, dass Olivia so lange am Leben bleiben konnte, sie nahmen wohl eher an, Olivia stürbe viel früher und die leidige Diskussion um weitere CTs wäre somit hinfällig gewesen.
Er wüsste vielleicht zwei Ärzte, die als Gutachter für ein Gegengutachten zu dem schlechten onkologischen Gutachten, welches uns in unserem Strafprozess sehr belastete, fungieren könnten. Er wird es bis kommenden Montag geprüft haben, ob sie einwilligen.
Seinen Termin für eine Aussage vor der deutschen Staatsanwaltschaft hatte sein Rechtsanwalt auf Mitte Jänner verschoben. In der Zwischenzeit müsse er sämtliche Befunde und CTs von Olivia zur Verfügung gestellt bekommen. Übrigens müssten dies auch die oben erwähnten Gutachter bekommen.
Weitere Schritte habe er bereits eingeleitet, könne darüber aber am Telefon nicht sprechen.

Erika war zu Hause und als ich ankam, badete sie gerade die Kinder. An Erika konnte man bereits deutlich ihre Schwangerschaft erkennen.



10.12.1995 Olivia für einige Stunden zu Hause' Schlitten fahren in der „Hohen Wand“

Sonntag, 10.12.1995:

Gegen 11:00 Uhr kam Olivia mit Veronika in Winzendorf an. Es war ein nebliger Wintertag, deshalb fuhren wir später, als auch Christoph von meiner Schwester Silvia gebracht worden war, auf die Hohe Wand zum Schlittenfahren.
Oben am Berg war prächtigster Sonnenschein, und die Kinder konnten sich im Schnee austoben. Um Olivia kümmerte sich jedes der Kinder liebevoll. Fiel sie im Schnee nieder, waren sofort alle bereit, ihr aufzuhelfen. Meistens fuhr sie aber mit Erika gemeinsam auf einem Rodel.

AKH:
Ich musste mit Olivia nach Wr. Neustadt fahren, da wir den Zug in Winzendorf um Haaresbreite versäumten. Im Zug nach Wien saßen wir bei zwei Damen, die gar nicht wussten, wohin sie schauen sollten, da sie uns offensichtlich erkannt hatten.
In der Klinik angekommen, machten wir es uns beim Fernseher gemütlich. Olivia bekam Hunger, und wir bestellten eine Pizza. Davon aß sie gleich zwei Stücke fast vollständig auf. Zusätzlich aß sie noch einen ganzen Apfel und ein Stück After-eight.
Die Nacht verlief völlig ruhig.



Montag, 11.12.1995:

Gegen 8:00 Uhr wurden wir von einem Pfleger, der das Frühstück bringen wollte geweckt. Olivia war nur schwer wach zu bekommen, denn wir hatten wieder einmal bis 23:00 Uhr ferngesehen. Zum Frühstück wollte sie nichts, das war üblich.
Nach der Schule bekam sie die Chemospritze, und ich drehte mich zum Fenster. Kurz darauf kam die Physiotherapeutin, und wir gingen gemeinsam in den Turnsaal. Olivia musste ihren Gleichgewichtssinn trainieren, indem sie über einen Pfosten und dann über eine Springschnur balancierte. Die Therapeutin kontrollierte auch Olivias Reflexe an den Füßen und war mit dem Ergebnis zufrieden. Hocherfreut war sie, als Olivia ohne fremde Hilfe selbständig vom Boden aus dem Sitzen aufstehen konnte. Dazu musste sich Olivia allerdings auf allen vieren umdrehen, einen Fuß auf den Boden aufsetzen und sich dann mit beiden Händen an dem abgewinkelten Oberschenkel abstützen. Dies waren die Lähmungserscheinungen, welche durch das Chemopräparat Vincristin hervorgerufen wurden. Meine Freude über die sogenannten Fortschritte Olivias hielten sich in Grenzen und waren überhaupt zweigeteilt.

Zur Visite kam Frau Dr. Slavc ins Zimmer, begleitet von einem ganzen Anhang der üblichen Ärzte der Station. Sie fragte Olivia, wie es ihr gestern zu Hause gefallen habe, und zu mir gewandt meinte sie, dass wir diese Regelung nun beibehalten sollten, denn dann könnte die Behörde auch keine Einwände und vor allem keine Befürchtungen äußern.
Es war wirklich verwunderlich, aber sie hielt zu uns. Ich dankte ihr für ihr Vertrauen herzlichst. Sie bestätigte mir nochmals, dass die Chemotherapie nunmehr reduziert werde.

Erika kam mit Elisabeth und Alexander. Auch Mutter kam wieder zu Besuch.

Am Nachmittag lernte ich Helgas Freundin Schupsi kennen. Sie plante für morgen zum Dalai Lama zu fliegen. Wir führten bei einem Kaffee im Restaurant ein einstündiges Gespräch.
Sie erzählte mir vieles, was ich bereits früher erahnt und vor kurzem durch das Buch „Die Prophezeiungen der Celestine“ bestätigt gefunden hatte. Von Olivia nahm sie ein Foto mit.
Mit Alexander und Elisabeth fuhr ich später nach Hause.




Dienstag, 12.12.1995:

Elisabeth ging nun bereits mit Begeisterung in den Kindergarten. Es zeigte sich wieder der Unterschied zwischen Zwangsausübung auf ein Kind und dessen eigener Bereitschaft gegenüber einer Tätigkeit. Zwingen kann man jedes Kind, die Frage bleibt immer nur, welchen Schaden es davonträgt.

Telefonat mit Erika:
Sie hatte sich mit Richter Zak für kommenden Freitag um 9:00 Uhr einen Termin vereinbart. Er fragte sie, ob sie noch einen Termin mit einem Psychiater ausständig oder ob sie ebenfalls diese Gutachten abgelehnt hatte. Natürlich hatte sie es abgelehnt. Sicherheitshalber nahm ich mir vor, als Zeuge mit ins Gericht zu kommen.

Telefonat mit Frau Dr. Rostovsky:
Dr. Martin Zimper hatte sich an sie gewendet und um ein Interview für den Film gebeten. Sie wollte sich nun mit mir treffen, um über diese Angelegenheit zu sprechen.

Telefonat mit Dr. Martin Zimper:
Für morgen 17:00 Uhr vereinbarten wir einen Termin im Cafe.

Telefonat mit Dr. Hamer:
Eine Ärztin vom Gesundheitsamt würde sich vielleicht bereit erklären, über Olivia im Sinne der Neuen Medizin ein Gutachten zu erstellen. Sie gab an, wenn sie nicht Neue Medizin praktizieren dürfe, wolle sie den Beruf wechseln.

Eine sehr löbliche Einstellung, vor allem dann, wenn sie konsequent durchgeführt werden sollte.
Würden alle Menschen lediglich Berufe ausüben, zu denen sie wirklich „berufen“ sind, so wäre vieles klarer. Niemand müsste sich für irgendwelche perversen Ziele, des Geldes wegen, missbrauchen lassen. Jeder könnte seinem wirklichen Beruf entsprechende Taten setzen und leisten, welche nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für sämtliche seiner Mitmenschen sinnvoll und wünschenswert wären. Dazu bedarf es aber einer gesunden Portion Selbstvertrauen und Eigenverantwortung.
„Ich tue das, was ich auch verantworten kann“, dies müsste für jeden die Devise sein. Zur Zeit leben wir in einem System, das uns die persönliche Verantwortung abgenommen hat. Leider in sehr vielen Belangen wie Umwelt, Gesundheit, Kindeserziehung, Politik, Landesverteidigung usw.
Wenn ich mir nun einen Job wähle, bei dem ich einen sinnvollen Beitrag z.B. zum Umweltschutz leisten kann, so ziehe nicht nur ich, sondern viele andere ebenfalls daraus einen Nutzen. Vor allem aber unterstütze ich nicht mit meiner Arbeitskraft dieses perverse, lebensunfreundliche System und trage nicht zu dessen Machtvermehrung bei.

Mein nächster Job muss einen Sinn besitzen. Ich will nicht mehr ein einsamer Programmierer in einer Geisterfabrik sein, welche für den einfachen Arbeiter kaum erschwingliche, aber „lebensnotwendige“ Produkte herstellt, nur damit ein paar Superreiche noch reicher werden. Das kann ich nicht mehr verantworten!

Telefonat mit Olivia:
Ich erzählte ihr, dass es bei uns in Maiersdorf fürchterlich viel schneien würde und mindest fünf oder drei oder vielleicht auch zwei Meter Schnee bereits liegen müssten. Sie lachte und meinte, dass es in Wien bereits zu schneien aufgehört habe und sie sich nun für einen Spaziergang bereit machten. Soweit ginge es ihr ganz gut, versicherte sie.

Die Kinder versuchten, im dichten Schneetreiben weiter unten im Garten einen Schneemann zu bauen. Eine Nachbarfreundin half tatkräftig mit. Es begann bereits dunkel zu werden und mit der absoluten Windstille war es eine vorweihnachtliche, ruhige Stimmung.

Treffen mit Ernst bei Sepp:
Ernst erhielt vom Grünbacher Bürgermeister die Erlaubnis, sein altes Haus im Grünland am Fuße der Hohen Wand umzubauen. Nun fragte er nach, ob eventuell Sepp dafür einen Bauplan fertigen könne. Natürlich war Sepp damit einverstanden, zumal er und ich schon seit geraumer Zeit planten, uns in dieser Sparte selbständig zu machen.
Es wurde sehr spät.

Schreiben von Dr. Leibold an das AKH:
Er bat wiederholt um Befunde über / ob Metastasen usw.
Weiters, dass sich Prof. Dr. Urbanek verstärkt dafür einsetzen sollte, dass Olivia bald nur mehr zu Hause sein und wir Eltern unser Sorgerecht zurückerhalten sollten.



Mittwoch, 13.12.1995:

Erst gegen 11:00 Uhr kam ich aus dem Bett und konnte gerade noch zeitgerecht Elisabeth vom Kindergarten holen. Danach fuhr ich zum Treffen mit Frau Dr. Rostovsky.

Treffen Frau Dr. Rostovsky:
Ich überreichte ihr die Kopie meines Antichemo-Ordners und sie übergab mir die Kopie eines sehr brisanten Buches.
In einem Restaurant besprachen wir uns betreffend des Filmes. Ich riet ihr, einfach bei der Wahrheit zu bleiben, so dass keinerlei Widersprüche auftauchen könnten.
Ihr selbst ging es momentan eher schlecht. Durch den erfolgten Rufmord und das monatelange Berufsverbot hatte sie viele ihrer Patienten verloren und nun musste sie mit der Arbeitslosenunterstützung ihr Auskommen finden.

Telefonat mit „news“, Herr Pohl:
In einem älteren „profil“-Artikel, den ich gestern erst wieder durchgelesen hatte, hatte Herr Pohl gesagt, dass Olivia ohne schulmedizinische Behandlung „verendet“ wäre. Dies nahm ich ihm übel. Ein Tier kann vielleicht verenden, bei einem Menschen muss man schon eine andere Formulierung wählen.
Er unterbreitete den Vorschlag, für kommendes Wochenende bei uns zu Hause einen Weihnachtsbaum mit allem Drumunddran aufzustellen, von Olivia ein paar Fotos zu schießen und für die Ausgabe vor Weihnachten eine schöne Geschichte zu gestalten.
Ich behielt mir vor, darüber noch mit meiner Frau sprechen zu müssen.

AKH:
Erika und meine Mutter waren bei Olivia. Gerade machten sie sich für einen Spaziergang bereit. Im Cafe wartete ich auf Dr. Martin Zimper.

Treffen mit Dr. Martin Zimper:
Er roch den Braten. Wir forderten als weitere Sicherheit zur Vertragseinhaltung seitens „ARENA-Film GesmbH“ eine Woche vor Ausstrahlung die Einsichtnahme des fertigen Filmes. Natürlich zu dem Zwecke, eine einstweilige Verfügung erwirken zu können. Mit diesem Recht könnten wir Druck auf den Produzenten ausüben und sichergehen, dass wir eben nicht verrissen würden.
Nach langem Hin und Her erklärte er sich bereit, diesbezüglich mit Herrn Malmedy zu sprechen.
Betreffend der Aussage des Herrn Schmier erklärte Dr. Martin Zimper, es stimme, dass er mit diesem Herrn gesprochen habe, allerdings sei der Sachverhalt der, dass für die Dreharbeiten innerhalb Österreichs eine Ausschreibung erfolgen solle, bei der Herr Schmier sicherlich mitbieten könne. Herr Schmier soll angeblich erzählt haben, dass bei Inanspruchnahme von Filmförderungen, bis zu ÖS fünf Millionen möglich wären.

Telefonat mit Herrn Sellin, „bild am sonntag“:
Auch er machte den Vorschlag, bei uns zu Hause einen Weihnachtsbaum aufstellen zu wollen. Nach kurzem Überlegen entschied ich, dass er die Geschichte bekommen soll. Grund dafür war sicherlich auch die gerade geführten rechtlichen Auseinandersetzungen mit „kronen“, „kurier“ und „news“, bei denen ich nur profitieren konnte. Sigrun bat ich, ein entsprechendes Fax an Herrn Sellin zu schicken. Wegen „news“ musste ich mir noch etwas einfallen lassen, um sie nicht völlig zu verärgern.

Telefonat mit Frau Taube, „bild“:
Sie wollte Fotos von Olivia im Schnee. Ich erklärte ihr, dass diese Fotos nunmehr Herr Sellin erhalten werde. Sie war natürlich beleidigt.
Erika hatte den Wunsch, mit Maria D. und Helga K. einen gemeinsamen Abend zu verbringen. Also löste ich sie bei Olivia ab.

Die Nacht war schrecklich. Olivia wachte weinend auf und wand sich vor Bauchschmerzen, bis sie endlich erbrechen konnte. Dies geschah etwas später nochmals.



Donnerstag, 14.12.1995:

Morgens war Olivia etwas bedrückt. Es ging ihr nicht sonderlich gut. Gegen 9:00 Uhr brachte ich sie zur Schule.

Telefonat mit Frau Taube, „bild“:
Sie war sehr zudringlich. Schließlich gab ich nach und für 14:00 Uhr wollte sie einen Fotografen zu uns nach Maiersdorf schicken.
Ich veranlasste Erika, auch „täglich alles“ für diesen Termin zu bestellen. Wenn „bild“ diese Fotos erhalten soll, dann sollte auch diese österreichische Tageszeitung welche erhalten.

Gegen 10:30 Uhr machte ich mich mit Olivia auf den Weg nach Hause. Wir nahmen die öffentlichen Verkehrsmittel. Allerdings versäumten wir den gewünschten Zug und mussten auf einen späteren warten.
Im Zug erbrach sich Olivia, es waren aber sofort hilfsbereite Damen da, die mir Taschentücher und ein Plastiksackerl zur Verfügung stellten. Natürlich kannten sie Olivia. Nach dem Erbrechen ging es Olivia wieder besser. Zu Hause erwarteten wir die Fotografen. Mit der Zeit fiel uns dies bereits sehr lästig. Auch Olivia klagte deswegen und setzte gleich selbstbewusst den Fotografen gewisse Schranken. Ich musste darüber lächeln.

Telefonat mit Frau Schanza, „news“:
Ich bot ihr eine Vorweihnachtsgeschichte an, und sie war sofort einverstanden. Wir vereinbarten für kommendes Wochenende auf den Christkindlmarkt zu gehen. Interessant war ihr Angebot für einen „Runden Tisch“, bei dem zwei Herrn vom „orf“, ein Medienwissenschaftler, Frau Dr. Marcovich und ich teilnehmen sollten. Der Termin hierfür war morgen um 15:00 Uhr.

Telefonat mit Herrn Sellin, „bild am sonntag“:
Als ich ihm von der „news“ Story am Christkindlmarkt erzählte, erklärte er, nunmehr seine Weihnachtsstory fallenlassen zu müssen, da die von „news“ veröffentlichten Bilder dann von allen anderen Zeitungen abgekauft werden. Somit sei für ihn die Geschichte uninteressant geworden. Er müsse nun nochmals mit seinem Chef, Herrn Paulsen, sprechen.
Das tat mir für ihn leid, aber allen konnte ich es nicht recht machen.

Gegen 17:00 Uhr fuhr ich mit Olivia wieder in das AKH. Später am Abend kam Helga noch zu Besuch. Ich gab ihr die Kopie meines Antichemo-Ordners. Sie erzählte mir, dass an der Universität ein Professor das Thema „Freie Energie Maschinen“ behandle. Ich war natürlich sofort interessiert. mehr Informationen zu erhalten.



Feitag, 15.12.1995:

Die Nacht war ruhig verlaufen. Gestern waren wir einmal früher schlafen gegangen. so waren wir beide auch besser ausgeschlafen.

Ultraschall:
Seit der letzten Untersuchung hätte sich nichts verändert, erklärte mir der untersuchende Arzt. Ich machte gute Miene zu bösem Spiel und verhielt mich, wie sich ein braver Vater im Sinne der Schulmediziner eben zu verhalten hatte: ich stellte keine Fragen.

Telefonat mit Erika:
Sie hatte das Gespräch mit dem U-Richter gut überstanden.

Gegen 10:30 Uhr kam meine Mutter, um mit Olivia nach Maiersdorf zu fahren, jedoch fühlte sich Olivia nicht imstande, die Strapazen einer Zugfahrt zu ertragen. Ich war tief betroffen, wollte sie aber nicht überreden. Mutter fuhr unverrichteterdinge wieder heim. Da ich um 15:00 Uhr einen Termin bei „news“ hatte, musste Erika vorzeitig ins AKH kommen.

Runder Tisch bei „news“:
Teilnehmer: Chefredakteur Herr Schimmer und Frau Schanza von „news“, vom „orf“ Herr Besenböck und der „orf“-Stratege Herr Manola, ein Medienwissenschaftler namens Herr Bauer, Frau Dr. Marcovich und ich.
Das Thema war die Mediengeschichte rund um Olivia. Eine von „news“ organisierte Umfrage ergab, dass in den Rängen der Persönlichkeiten und Thematiken der „Fall Olivia“ jeweils den dritten Platz einnahm.
Ich hatte das Gespräch auf Tonband aufgenommen, jedoch ließ die Qualität zu wünschen übrig. Interessant war, dass Herr Besenböck seinen Job als „zib“-Verantwortlicher, wegen seiner Einstufung, die aktuellen Ereignisse rund um unsere Geschichte als Spitzenmeldungen in den „orf“-Nachrichten zu bringen, verloren hatte und dass der „orf“-Stratege eine absolut feindliche Haltung gegenüber der Alternativmedizin einnahm.
Damit bestätigte er die von Herrn Novak geäußerte Behauptung, der „orf“ hätte bereits im Februar einen „Schlag“ gegen die Alternativmedizin geplant.
Interessant war auch die oftmalige Betonung dieser Herren Meinungsmacher, dass es ja um das Kind ginge, so, als wären sie zu einer Hilfeleistung im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ihrer Standpunkte verpflichtet gewesen.
Allein, mir fehlte der Glaube. Herr Dipl. Ing. Fröhlich hatte unter anderem auch sämtliche Medien über die asbestverseuchten Infusionen und die Verwendung von nicht sterilisierten Implantaten in Wiener Spitälern informiert. Diese verseuchten Infusionen und Implantate wurden auch bei Kindern verwendet, welche nachweislich zu Tode gekommen waren!
Alles nachzulesen in „Der missbrauchte Patient“. Aber genauso wie die österreichische Ärztekammer und wie die österreichischen Politiker, haben auch die österreichischen Medien dieses Thema nicht aufgenommen. Warum nicht? Die vorgebrachten, ach so edlen Motive der Presseleute waren für mich absolut unglaubhaft.
Den Bock schoss schließlich noch Herr Schimmer ab, als er mir nach der Diskussion gegenübertrat und sich dafür entschuldigte, dass „news“ einen immensen Druck auf unsere Familie ausgeübt habe. Warum hatte „news“ das getan? Warum formulierte diese Zeitschrift in einem ihrer „Druck“-Artikel: „Terror des Vaters“? Warum nahm diese Zeitschrift uns gegenüber eine gegnerische Position ein? Waren Mediziner in ihrer Redaktion tätig, die die Neue Medizin des Dr. Hamer in einer Verifikation als falsch erkannt hatten? Vermutlich nicht! Aber selbst wenn, was veranlasste dieses Blatt, derart infame Lügen über einen besorgten Vater zu verbreiten? Mit ihren scheinheilig vorgebrachten, edlen Beweggründen war dies wirklich nicht vereinbar.
Erscheinen sollte diese Diskussion im neuen Magazin „tv-media“.

Wieder zurück im AKH, traf ich Ingrid mit ihren Kindern im Zimmer an. Sie hatte Olivia den versprochenen Schaffellschlafsack mitgebracht. Dieser Schlafsack hätte um die ÖS 8.000,- gekostet. Gegen ein Foto von Olivia im Schlafsack für die Erzeugerin war er nur mehr auf ÖS 5.000,- gekommen, und diesen Betrag sammelte Ingrid bei ihren Bekannten ein. Einer ihrer Bekannten, der ebenfalls gespendet hatte, war mein ehemaliger Deutschprofessor der HTL - Maschinenbau, Herr Prof. G. Dieser, so fiel es mir später im Gespräch wieder ein, hatte ebenfalls einen Verlag. Eventuell könnte dies noch von Interesse für mich sein.
Mit Ingrid und ihren Kindern fuhr ich gegen Abend wieder heim. Alexander und Elisabeth waren bei Familie D.. Sie wollten unbedingt bei ihnen nächtigen und kurz besuchte ich sie. um nach dem Rechten zu sehen.

Strafverfahren:
Neuerliche Einvernahme von Erika im Rahmen der Voruntersuchung.



Samstag, 16.12.1995:

Gleich nach dem Frühstück holte ich die Kinder von der Familie D. ab, und wir fuhren ins AKH. Gegen 14:00 Uhr hatten wir „news“ versprochen, mit den Kindern zum Christkindlmarkt am Rathaus zu gehen, was auch gelang, da Olivia es selbst so wollte. Die Kinder konnten auf Ponys reiten, mit dem Karussell und einem kleinen Zug fahren. Es wurden jede Menge Fotos gemacht. Nach ca. einer Stunde litt Olivia unter der Kälte, und wir fuhren wieder in das AKH.

Telefonat mit Frau Kustermann (Initiative für Elternrechte):
Es war ein sehr langes und ausführliches Gespräch, welches ich auch teilweise aufzeichnete. Der Kern war der gemeinsame Nenner, dass die Eltern über viel mehr Rechte verfügen müssten und wofür es sich zu kämpfen lohne.
Obwohl diese Frau nicht pro Dr. Hamer war, glaube ich trotzdem, in ihr eine wichtige Kampfkameradin gefunden zu haben.

Telefonat mit Dr. Leibold:
Er wurde für kommenden Montag zu einer Zeugenaussage in unserer Angelegenheit von seinem Bezirksgericht vorgeladen. Der Angelpunkt war das uns belastende onkologische Gutachten. Darin wurde auch behauptet, dass wir alles, auch eine primäre Operation abgelehnt hätten. Dies stimmte eigentlich nicht ganz. Damals erwähnte Dr. Mann, dass bei vorhergehender Chemo mit folgender Operation und Fortsetzung der Chemotherapie eine Erfolgschance von 90% bestünde, bei alleiniger Operation lediglich 40%. Das war für uns keine Alternative.
Für die Zeit kurz nach Weihnachten kündigte Dr. Leibold seinen Besuch an.

Vorbereitung für das deutsche Fernsehen:
Es wurde um ein Interview gebeten mit folgenden Fragen:
Wie geht es Olivia?
Olivia leidet nach wie vor an der spastischen Lähmung an Händen und Füßen, welche sie am normalen Greifen und Gehen hindert. Weiters leidet sie unter sporadisch auftretenden, starken, aber nicht eruierbaren Bauchschmerzen, die sie auch des Nachts oft nicht schlafen lassen. Dies alles sowie Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit und Depressionen sind Begleiterscheinungen der Chemotherapie, die für gerechtfertigt gehalten werden.
Trotzdem ist derzeit ihr herabgesetztes Immunsystem noch stark genug, so dass wir fast täglich mit ihr für Stunden das Krankenhaus verlassen können. Abends müssen wir sie aber wieder in das AKH zurückbringen, da sie über Nacht an eine künstliche Ernährung angeschlossen werden muss.
Was wünschen Sie sich für Olivia zu Weihnachten?
In erster Linie sicherlich, dass sie Weihnachten im Kreise ihrer Familie verbringen darf und vor allem auch kann. Weiters wünsche ich ihr, dass sie die Therapie überstehen soll, ein langes Leben und eine sorgenfreie Familie haben soll, wie sie es vor dieser Geschichte hatte.
Darf Olivia über Weihnachten nach Hause?
Dies hängt sicherlich primär von ihrem Gesundheitszustand ab. Sollte sich dieser nicht wesentlich verschlechtern, und wenn die Behörden keine Einsprüche erheben, so steht für Olivia einer Weihnachtsfeier im Kreise ihrer Familie nichts im Wege.
Was wünscht sich ihre Tochter?
Sicherlich, dass sie über Weihnachten und auch zu ihrem Geburtstag, welcher zu Silvester ist, zu Hause sein kann. Wie jedes andere Kind wünscht sie sich jede Menge Geschenke. Wessen ich mir aber auch sicher bin, ist, dass sich Olivia ein Ende ihres Krankenhausaufenthaltes wünscht.
Wie soll es jetzt weitergehen?
Das können wir nur wenig mitbestimmen. Wir, die Eltern von Olivia, haben zwei Strafverfahren im Stadium der Voruntersuchung offen. Eines lautet auf Kindesentführung, das andere auf Kindesmisshandlung. Weiters läuft auch noch ein Pflegschaftsverfahren. Das Pflegschaftsgericht hat uns das vollständige Sorgerecht über Olivia aberkannt.
Sowohl meine Frau als auch ich mussten bis heute von einer regelmäßigen Arbeit Abstand nehmen. Unsere derzeitige Situation lässt eine Arbeitsaufnahme einfach nicht zu.
Die Chemotherapie soll bis Ende März fortgesetzt werden, vorerst egal ob Olivia Metastasen hat oder nicht. Seit ihrer Operation am 18. September sind noch immer keine CTs erstellt worden. Wir wissen also nicht, ob andere Organe ebenfalls Krebs aufweisen oder nicht.
Sollten Ende März Metastasen vorhanden sein, dann gnade Gott Olivia!
Wir wissen nicht, was der morgige Tag mit sich bringen wird.




Sonntag, 17.12.1995:

Gegen 9:00 Uhr traf ich mich mit Sepp, und wir fuhren zu dem Haus von Ernst, um uns den Altbestand anzusehen. Ich machte ein paar Aufnahmen, und Sepp kontrollierte die Hausabmaße, ob sie sich auch mit den Angaben des 35 Jahre alten Planes deckten. Ernst selbst war nicht erreichbar.
Der Standort des Hauses war zwar unmittelbar am Waldrand, die Lage jedoch war abgeschieden und traumhaft. Typisch für die hohe Lage war auch der strahlend blaue Himmel, wogegen nur 100 m tiefer im Tal dichter Nebel herrschte.
Das Haus selbst schien nicht mehr erhaltenswürdig zu sein. Fragen über Widmung im Grünland und Genehmigung der Altbauförderung tauchten auf.
Als wir nach der Besichtigung nochmals zu Ernst fuhren, war dieser zwischenzeitlich zu Hause angekommen. Kurz besprachen wir die weiteren Schritte.

Erika und Olivia waren vom Großvater vom Bahnhof Winzendorf abgeholt worden. Gegen 11:00 Uhr waren sie zu Hause. Wir aßen zu Mittag und trafen uns anschließend mit der Familie D. und Familie K. auf der Kirchenwiese, um Schlitten zu fahren. Es war für alle sehr lustig. Die D.s haben drei, die K.s zwei Kinder. Mit unseren Kindern waren also gleich acht Kinder beisammen und unsere Stimmung entsprechend ausgelassen. Auch wir Erwachsenen tobten fleißig mit.

Gegen 17:00 Uhr musste ich mit Olivia wieder zurück in die Klinik.

Während der Nacht schrie Olivia wieder einmal vor Bauchschmerzen laut auf und musste sich übergeben. In solchen Momenten ist Olivia furchtbar arm dran. Klagend und wimmernd verlangte sie nach ihrer Mutter. So gut ich konnte, versuchte ich, sie zu beruhigen und sie von dem Erbrochenen zu befreien. Mir selbst ging es dabei auch recht schlimm, denn meine Sorge betreffend den bereits angerichteten und noch immer erzeugten Schaden der Chemo am Körper meiner Tochter ließ mich nicht los.



Montag, 18.12.1995:

Gegen 7:45 Uhr wurden wir durch den allgemeinen Lärm auf der Station geweckt.
Die Waage zeigte heute bereits 24 kg Körpergewicht an, obwohl Olivia kurz zuvor auf der Toilette war.
Sie ging zur Schule. Für heute stand Keksebacken auf dem Stundenplan.

Telefonat mit Mag. Rebasso:
Er nahm sich vor, mit Prof. Urbanek zu sprechen, damit für kommenden Mittwoch, den 20.12.95 entweder Erika oder auch er selbst bei der geplanten Konferenz im AKH anwesend sein könne.

Am Nachmittag wurde Olivia ein Mittel gegen Übelkeit gespritzt. Dabei vergaß der Arzt den Plastikverteiler, den Olivia am Ende ihres Herzkatheders ständig mit sich führen musste, korrekt mit einem Abschluss zu verschließen. Erst als eine Schwester Olivia fragte, ob auch die Klemme den Plastikschlauch zwischen dem Verteiler und ihrem Herzen fest abschließe, erwähnte Olivia den fehlenden Stopfen. Die Schwester ermahnte Olivia, dies immer gleich zu melden, denn sonst wäre es möglich, dass Luft über den Katheder ins Herz und den Blutkreislauf gelangen könnte.
Der verantwortliche Arzt, ein Ausländer, erschien daraufhin und behob sein Versehen. Es war noch einmal gut gegangen.

Mit den Medien hatte ich es satt, deshalb schaltete ich mein Handy ab. Somit verlief der Tag völlig ruhig. Olivia spielte oder sah fern, und ich las mich weiter in die „Geheimgesellschaften“ ein.

Gespräch mit einer Mutter auf der Station:
Ihr vierjähriger Sohn wurde nun bereits zum dritten Mal an einem „Kopftumor“ operiert. Diesmal mussten die Chirurgen allerdings einen „Rest“ zurücklassen, da bereits das Stammhirn befallen war.
Das Gespräch mit dieser leidgeprüften Frau berührte mich tief. In wenigen Sätzen brachte sie ihre Situation auf den Punkt. Trotz dieser aussichtslosen Situation zwang sie sich zur Fröhlichkeit und Unbeschwertheit, wenn sie das Krankenzimmer betrat. Ihr Mann arbeitete bei der Bahn und verdiente sicherlich nicht gerade ein Vermögen. Obwohl sie noch einen weiteren Sohn hatten, wurde ihr Karenzgeld auf lediglich ÖS 21 pro Tag gekürzt. Das ergab im Monat etwas mehr als ÖS 400!! Das konnte man wirklich nur mehr als Hohn bezeichnen!
Auch sie versuchte schon viele andere therapeutische Wege und war auch dazu noch immer bereit. Es schien aber immer am Finanziellen zu scheitern, so dass sie lediglich in der auf Krankenschein erhältlichen Chemotherapie Hilfe erwarten konnten.
Dass laut der Neuen Medizin Gehirntumore gar nicht in der ihr erklärten Form existierten, konnte ich ihr nicht erzählen. Ich hörte ihr vielmehr zu, und sie und ihr Kind taten mir unendlich leid.

Strafverfahren:
Zeugeneinvernahme des Dr. Leibold.



Dienstag, 19.12.1995:

Mitten in der Nacht schrie Olivia schrill auf. Mir blieb fasst das Herz vor Schreck stehen, bis ich mich endlich orientieren konnte. Sie war aus dem Bett gefallen und steckte mit ihrem Oberkörper zwischen Bettgestell und Nachtkästchen. Als ich ihr half, wieder ins Bett zu kommen, war auch schon eine Schwester, aufgeschreckt durch den Lärm, zu Hilfe herbeigeeilt. Sie erklärte, einen Arzt rufen zu müssen, damit dieser Olivia wegen des Sturzes untersuche.
Irgendwie hatte ich den Eindruck, sie befürchtete, ich wäre an diesem Zwischenfall schuld. Die gerufene Ärztin stellte aber nichts Böses fest. Sie untersuchte Olivia auf Schrammen und kontrollierte den Katheder. Olivia war mit dem Schrecken davongekommen.

Gegen 8:15 Uhr weckte mich eine Schwester, Olivia war bereits munter und spielte in ihrem Bett. Ich war wie gerädert, ein böser Traum hatte mich gequält.


Gleich nach dem Wachwerden vollführte ein Arzt die morgendliche Prozedur der Blutabnahme. Dabei zuzusehen, war für mich immer eine Überwindung, und meistens sah ich weg. Ich vergaß völlig, seine Arbeit zu kontrollieren, um einen Vorfall wie den gestrigen zu vermeiden. Der Arzt kam aber immer in Begleitung einer Schwester, so dass Fehler oder Unachtsamkeiten minimiert werden konnten. Vermutlich wurde der gestrige Vorfall sowieso gemeldet, und der Arzt von seinem Vorgesetzten zurechtgewiesen. Immerhin könnte ein solcher Zwischenfall von mir an die große Glocke gehängt werden.
Das Vergessen eines Abschlussstückes an einem Katheder ist sicherlich nicht ungefährlich, aber wenn man die Vorrichtung betrachtet, so müssten drei Ereignisse zur gleichen Zeit eintreten, damit es wirklich zu einem Unglück kommen kann. Erstens, der Abschluss muss fehlen, zweitens, das Drehventil muss in Durchflussrichtung gestellt sein und drittens, die Klemme am dünnen Schlauch zum Herzen muss offen sein. Sicherlich besteht auch hierfür eine gewisse Wahrscheinlichkeit, welche auf alle Fälle minimiert werden muss.
Leider ereignen sich immer wieder solche Anhäufungen von Zufällen, wie zuletzt bei der irrtümlichen Hodenamputation vor ein paar Wochen im AKH. Hierbei muss man aber sorgfältig unterscheiden zwischen unabsichtlichen, vielleicht auch fahrlässigen Tatbeständen und Vorgängen, welche von höherer Stelle „vorgeschrieben“ werden.
Hier möchte ich auch nochmals auf den §1 des Ärztegesetzes hinweisen: Verstößt der Arzt bei seiner Behandlung gegen auf medizinisch-wissenschaftlicher Erkenntnis aufbauende Regeln, begeht er einen Kunstfehler... Behandlungsfehler beruhen nicht auf Nichtwissen oder Nichtbeherrschen von Kunstregeln, sondern auf Nachlässigkeit.
Somit war die „Hodenamputation“ kein Kunstfehler, sondern pure Nachlässigkeit. Dagegen könnte man die Anwendung der üblichen Onkologie, also Chemo- und Strahlentherapie, voreilige und ein Zuviel an Operationen, sowie die Anwendung von Morphium gegen Schmerzen als Gesamtes als Kunstfehler bezeichnen. Denn Dr. Hamers fünf Naturgesetzmäßigkeiten sind auf reinen empirischen Erkenntnissen aufgebaut, und somit müssen sie auch eine rein medizinisch-wissenschaftliche Geltung besitzen. Leider schreibt aber dieses Ärztegesetz auch vor, dass sämtliche Heilmethoden durch den Obersten Sanitätsrat anerkannt werden müssen. Nicht dass diese Einrichtung an und für sich negativ einzuschätzen ist ... Es ist jedoch so, dass sich diese Kotrollinstanz in rein schulmedizinischem Oktroi befindet und dadurch ein Durchbruch des Dr. Hamer, der wirklich die gesamte Medizin auf den Kopf stellen würde, von vornherein keine Chance bekommt.


Es ist also nicht die Schulmedizin wegen eines einzelnen Arztpfuschers oder wegen einer unglücklichen Aneinanderreihung von Zufällen verdammenswürdig, man muss sie allerdings sehr in Frage stellen, wenn sie sich, wie im Falle der Neuen Medizin des Dr. Hamer, strikt und vehement, ohne Angabe von prüfbaren Gründen, einer Verifikation dieser und somit einem möglichen Fortschritt in den Weg stellt.


Gleich am frühen Morgen kam Hanni und vollführte ihre energetische Körperarbeit mit Olivia. Als Olivia in die Schule ging, lud ich Hanni auf einen Frühstückskaffee im Restaurant ein. Etwas später kam auch Sigrun hinzu, mit der ich die weitere Vorgehensweise betreffend der Medien besprach.
Sigrun machte mich darauf aufmerksam, dass zur Zeit lediglich eine schöne, liebliche Weihnachtsstory gefragt war, und wir keinerlei wesentliche Informationen an die Bevölkerung weitergeben konnten. Ich musste ihr Recht geben.


Gegen 11.30 Uhr machte ich mich mit Olivia auf den Weg nach Maiersdorf.

 

Telefonat mit Herrn Ehgartner „ganze woche“:

Herr Falk wünsche, ein fertiges Manuskript vorgelegt zu bekommen, um zu einer Entscheidung einer eventuellen auszugsweisen Vorveröffentlichung meines Tagebuches zu kommen.
Herr Ehgartner bat mich um ein schönes Weihnachtsbild und kündigte auch seine Absicht an, eine Geschichte rund um Olivias Geburtstag zu Silvester machen zu wollen.

 

Telefonat mit Dr. Leibold:

Er erzählte, dass bei seiner geleisteten Zeugenaussage ein eher junger willfähriger Richter ihm zugeteilt war, der kaum Verständnis für unsere Situation aufbringen wollte. Sein Protokoll gelang somit trotz seiner Vorbereitung nur zu einem gewissen Prozentsatz für uns positiv. Doktor Hamer käme in diesem Protokoll auch nicht sonderlich gut weg. Auch hatte Dr. Leibold dem Richter erklärt, dass Erika früher als mir Zweifel an der Neuen Medizin gekommen seien (?!).
Wegen Olivia meinte er, wenn ihre Bauchschmerzen stärker werden sollten, müssten wir ihr die zweite Dosis des erhaltenen homöopathischen Mittels verabreichen.


Auf dieses Protokoll war ich wirklich gespannt. Unklar war noch, ob Dr. Leibold der einzige vorgeladene Zeuge bleiben sollte, oder ob auch Dr. Liebner, Dr. Bauml sowie unsere Freunde Sepp und Frau Ingrid, wie von uns beantragt, vorgeladen würden.

 

Telefonat mit Herrn Mag. Rebasso:

Es gelang ihm wirklich, sich bei der morgigen Konferenz im AKH einzuladen. Laut Prof. Urbanek seien wir Eltern dabei jedoch nicht erwünscht.
Für nächste Woche nahm er sich den Angriff gegen die verschiedenen Zeitungen vor, welche in der Vergangenheit schändlich über uns berichtet hatten.

 

Telefonat mit Frau PichIer, „deutsches fernsehen“:

Sie hatte mir vor Tagen die Frageliste zu dem von ihr gewünschten Interview gesendet. Ich gab ihrem Wunsch nach und willigte in einen Interviewtermin für morgen ein.

 

Telefonat mit Frau I., „Freya-Verlag“:

Sie faxte mir einen Brief sowie einen üblichen Standardvertrag. Sie bat mich, sie so rasch als möglich mit den Arbeiten am Tagebuch beginnen zu lassen.

 

Telefonat mit Dr. Hamer:

Das Filmprojekt konnte seiner Meinung nach nur schädlich sein. Ich versuchte zwar, ihm meinen Standpunkt zu vermitteln, doch stieß ich nur auf taube Ohren. Keines meiner Argumente ließ er gelten. Ich verstand ihn nur zu gut, und wenn ich gekonnt hätte, hätte ich von diesem Projekt Abstand genommen. So aber, in dieser Zwangslage, musste ich versuchen, meinen eigenen Weg zu gehen.
Auf der einen Seite standen nun die Filmemacher, von denen ich kaum Gutes zu erwarten hatte, welche mir aber bei Nichtzusammenarbeit mit Prozessen und einem Film ohne unser Mitwirken drohten. Auf der anderen Seite stand Dr. Hamer, der sich vehement gegen den Film aussprach und mir prophezeite, dass ich damit der Neuen Medizin und Olivia schaden würde. Mein Plan war es, soweit als möglich auf dieses scheinbar unvermeidliche Filmprojekt Einfluss zu nehmen.

 

Telefonat mit Erika:

Sie war bereits gegen 17:00 Uhr mit Olivia ins AKH zurückgefahren und berichtete nun, dass Olivia eine Blutkonserve verabreicht wurde, damit sie auf alle Fälle über Weihnachten bei uns zu Hause sein könne. Wahrscheinlich waren die roten oder weißen Blutkörperchen wegen der Chemo gefallen.


Bei dieser Nachricht drehte sich mein Magen um. Welcher Leidensweg steht uns noch bevor?

 

Strafverfahren:

Ein Gnadengesuch eines Pfarrers i.R. wurde zurückgewiesen. Zeugeneinvernahme des Dr. Bauml.


 

Mittwoch, 20.12.1995:

Arbeitsamt:

Bis jetzt wurden mir Stellenausschreibungen gegeben, die bereits inaktuell waren. Die Sachbearbeiterin erklärte mir unumwunden, dass man mich nicht bis Herbst nächsten Jahres durchbringen werde und ich bald mit minderqualifizierten Arbeiten vorliebnehmen müsse. Kurz erwähnte ich meine Absicht, mich selbständig zu machen, und sie empfahl mir, bei der Handelskammer vorzusprechen.
Als ich mir den Ausdruck einer neuen Stellenbeschreibung abgeholt hatte, traf ich Richter Masizek.

 

Treffen Richter Masizek:

Verwundert fragte er, was ich hier suche. Was sucht man wohl als Arbeitsloser auf dem Arbeitsamt? Ob meine Frau diesen Nachmittag in der Klinik sei, wollte er wissen und erklärte, dass wir für den Zeitraum über Weihnachten und Neujahr, wenn Olivia zu Hause sein könne, unseren Reisepass abgeben müssten.
Mein Rechtsanwalt werde heute sowieso bei der im AKH stattfindenden Konferenz anwesend sein, und dann könne dies ja näher besprochen werden, gab ich zu verstehen.
Es war schon interessant, dass man nun unseren Reisepass haben wollte, wo dies doch unser eigener Vorschlag war, der damals aber höhnisch abgelehnt wurde!
Weiters beklagte sich Richter Masizek über ein Fax von Dr. Hamer, worin sämtliche mit Richter Masizek und mir besprochenen Punkte erwähnt wurden. Dies hatte ihm nicht gefallen. Er meinte, uns in jedem Punkte entgegenkommen zu wollen, wir aber würden derart sein Vertrauen missbrauchen. Er müsse die Verantwortung tragen, und es rechtfertigen, dass er uns Olivia mit nach Hause gäbe, bekomme aber immer wieder Schwierigkeiten, weil wir nicht gehorsam seien und nicht von weiteren Interviews Abstand nähmen.
Zum zweiten Mal erwähnte Richter Masizek, dass er Schwierigkeiten bekomme. Ich muss wirklich die Frage in den Raum stellen: Ja, von wem kann ein unabhängiger Richter in Österreich wohl Schwierigkeiten bekommen?


Gegen 12:00 Uhr holte ich Erika und Olivia vom Bahnhof Wr. Neustadt ab. Olivia war quietschvergnügt.


Um 14:30 Uhr kam ein Kamerateam mit Frau Pichler. Das von mir aufgenommene Interview sollte in der „ard“ ausgestrahlt werden. Frau Pichler versprach, mich noch über den Sendetermin rechtzeitig zu informieren.


Später kam Silvia, die in Winzendorf zu tun gehabt hatte, und brachte Erika und Olivia wieder zurück ins AKH. Silvia erwähnte kurz, dass Sonja, unsere Schwester, ebenfalls große Schwierigkeiten wegen ihres Sorgerechts mit ihrem Sohn, dem kleinen Erik, bekommen hatte. Eigentlich wollte ich damit genauso wenig zu tun haben wie Sonja mit mir zu tun haben wollte.

 

Telefonat mit Herrn Puschler:

Er bat um eine Dreherlaubnis bei uns kommenden Freitag, den 22.12.95 für „rtl“.
Später am Abend rief er nochmals an und erzählte mir den letzten Stand der vom AKH offiziell mitgeteilten Ergebnisse der heutigen Konferenz. Dass Olivia über Weihnachten und Neujahr nach Hause dürfe, wusste ich aber bereits.

 

Telefonat mit meiner Schwester Sonja:

Sie erzählte mir weinend ihre Sorgen und bat mich, ihr zu helfen. Ich konnte ihr lediglich versprechen, mich wegen eines Rechtsanwaltes umzusehen.
Es war grotesk. Zuerst wurde ich vor Wochen von ihr beschimpft und mit Medienaktionen ihrerseits gegen mich bedroht, und nun bat sie mich um Hilfe. Über meine eigene Familie konnte ich nur den Kopf schütteln.

 

Telefonat mit Mag. Rebasso:

Lustig war, dass das AKH seiner Kanzlei mitteilte, dass er bei der heutigen Konferenz doch nicht dabei sein dürfe. Herr Rebasso war aber nicht in der Kanzlei anwesend, erfuhr daher nichts von diesem Rückzieher, der sicherlich von Richter Masizek veranlasst worden war und ließ sich auch nicht von seinem Vorhaben, im AKH bei der Konferenz dabei zu sein, abbringen. Allerdings musste er eine geraume Zeit warten, bis er in die begonnene Konferenz reingebeten wurde. Anwesend waren Richter Masizek, Hofrat Marady, Prof. Dr. Urbanek, Frau Dr. Slavc und „Oberonki“ Gadner.
Herr Rebasso hatte den Eindruck, dass Richter Masizek und Hofrat Marady unterwürfig vor den Ärzten auf dem Bauch lagen.
Olivia dürfe vom 23. bis am Morgen des 25.12 sowie am 31.12 bis 1.1. und 6.1. bis 8.1.96 bei uns zu Hause bleiben. Dafür müssten wir aber unsere Reisepässe abliefern. Dies würde uns in einem Schreiben mitgeteilt werden, das ich auch morgen auf der BH zu unterschreiben hätte.
Olivia ist aber nur in Erikas Reisepass eingetragen. Nachforschungen des Herrn Hofrat Marady, meinen Reisepass betreffend, waren erfolglos geblieben. Er konnte nicht herausfinden, wo dieser ausgestellt worden war. Herr Rebasso empfahl vorerst, beide Pässe abzugeben und für später würde sicherlich Erikas Pass genügen.
Ein Einblick in die Krankengeschichte soll uns so rasch als möglich gewährt werden.
Viel diskutiert wurde auch über den geplanten Film. Lustigerweise machten sich die Ärzte des AKH dieselben Sorgen verrissen zu werden, wie wir es taten.
Interessant war auch, dass Prof. Dr. Urbanek bisher gegenüber Mag. Rebasso immer von einem CT-Termin um die Weihnachtszeit gesprochen hatte. Jetzt aber korrigierte er diesen CT-Termin auf Ende März, also wirklich am Ende der Chemopseudotherapie.


In den Nachrichten wurde gemeldet, dass Olivia über Weihnachten und Neujahr nach Hause dürfe.
Diese Meldung war eine Überlegung wert. Olivia war ja schon oft bei uns zu Hause gewesen und darüber existierten ja bereits veröffentlichte Bilder in Tageszeitungen.
Jetzt wurde es vom „orf“ so gebracht, als wäre es das erste Mal möglich, Olivia uns Eltern zu überlassen. Ich fragte mich, ob sich nicht „orf“ und die Leute, die hinter dieser Organisation stehen, lächerlich machen, so spät mit dieser Information rauszukommen.
Die Antwort erhielt ich kurze Zeit später. Zwei Bekannte riefen aufgrund dieser Nachrichtensendung an und vergewisserten sich, ob diese Meldung auch stimme. Sie hatten die Tageszeitung „täglich alles“ nicht gelesen.
So einfach war das. Objektiv betrachtet, hat ein jedes Medium eine gewisse Reichweite. So kann nun eine Milchmädchenrechnung folgendes Ergebnis bringen: Die Information dieser Tageszeitung hat z.B. 500.000 Leser erreicht. Im Gegensatz dazu hat der Rundfunk eine viel größere Reichweite, z.B. 3.000.000 Hörer. So ergibt sich ein Verhältnis 1 zu 6, also lediglich 16-17% der Bevölkerung wissen über den tatsächlichen Hergang Bescheid.
Sicherlich hat dieser Umstand, dass Olivia bereits oftmals vor Weihnachten nach Hause durfte, keine wesentliche Bedeutung. Dieses Beispiel zeigt aber, wie mit dem Werkzeug „Medien“ umgegangen werden kann.

 

Telefonat mit Dr. Hamer:

Klüger wäre es, mit meinem Tagebuch „Farbe zu bekennen“. Damit meinte er, dass sein Verlag es verlegen sollte. Außerdem möchte er einen medizinischen Teil zum Fall „Olivia“ herausgeben, und dieser würde sicher von seinem Verlag gedruckt werden.
Selbst dann, wenn wir das Buch anderswo verlegen lassen sollten, erklärte er sich bereit, uns finanziell zu unterstützen, damit wir finanziell unabhängig sein könnten.
Allerdings hätte er ja einen Vertrieb in Deutschland und Österreich und für den Vertrieb des Tagebuchs könne noch jemand zusätzlich engagiert werden.


Dr. Hamer hatte Recht. Wenn ich nun das Tagebuch bei einem anderen Verlag verlegen würde, wären zwei Nachteile gegeben. Erstens, die Möglichkeit, dass ein wesentlicher Inhalt des Buches gefälscht wiedergegeben werden konnte, und zweitens, dass es dann den Anschein hätte, wir würden uns von Dr. Hamer distanzieren. Der unbestrittene Vorteil eines etablierten Verlages wäre aber der, dass eine professionelle Vermarktung und ein funktionierender Vertrieb garantiert wäre.
Was war mir wesentlich? Wesentlich war mir, die Information über die Richtigkeit der Neuen Medizin unter die Bevölkerung zu bringen. Dazu war ich direkt gezwungen, diesen Schachzug, also die Wahl seines Verlages, zu treffen. Es besteht sicher ein großes Interesse in der Bevölkerung, mein Tagebuch betreffend. Es würde sicherlich gekauft werden. So konnte ich dieses Ziel erreichen, dass Dr. Hamer darin direkt und unverfälscht zu Wort kommen kann.

 

Medien:
„nön“: „FILM ÜBER DAS SCHICKSAL VON OLIVIA DROHTE ZU SCHEITERN“

 

Donnerstag, 21.12.1995:

Gegen 11:00 Uhr kam Herr Sellin von „bild am Sonntag“ mit einem Fotografen. Sie hatten einen kleinen Tannenbaum im Dorf gekauft und brachten auch Christbaumschmuck, sowie Geschenke für Olivia mit. Während sie den Baum schmückten, erhielt ich jede Menge Telefonanrufe.

 

Telefonat mit Herrn Rebasso:

Er las mir die Vereinbarung zwischen uns und der BH vor und empfahl mir, so rasch als möglich zum Bezirkshauptmann, Herrn Hofrat Marady, zu fahren und diese Vereinbarung zu unterzeichnen. Herr Hofrat Marady fühle sich nicht wohl und sei allein unseretwegen im Amt.


Nun gut, ich machte mich auf den Weg. Sicherheitshalber sperrte ich sämtliche wichtigen Unterlagen und Gegenstände, wie Videos etc. weg und ließ die beiden Herren alleine.

 

Auf der Bezirkshauptmannschaft, Herr Hofrat Marady:

Herr Hofrat Marady schien wirklich kränklich zu sein. Er war überaus höflich und las mir die Vereinbarung sowie eine Genehmigung über eine finanzielle Unterstützung für Olivia vor. Hofrat Marady meinte, dass er den Gendarmerieposten wegen unserer Observierung verständigt hätte. Unsere Beschattung werde aber ohne Aufsehen und diskret erfolgen, versicherte er mir. Ich gab beide Reisepässe ab. Diese Reisepässe würde er am Gendarmerieposten hinterlegen, so dass ich sie jederzeit, auch feiertags, wiederbekommen könnte. Zuletzt wünschte er uns noch alles Gute, und ich ging.


Gegen 13:00 Uhr kam Herr Dr. Martin Zimper zwecks Arbeiten am Drehbuch. Etwas später brachte Großvater Erika und Olivia von einem Theaterstück in Wr. Neustadt nach Hause. Nachdem genügend Fotos gemacht worden waren, brachten die Zeitungsherren Erika und Olivia noch nach Wr. Neustadt zur Bahn. Ich konnte mit Herrn Martin Zimper das erste Gespräch über das Drehbuch führen.

 

Drehbucharbeit mit Dr. Martin Zimper:

Er machte sich Notizen in einem kleinen Heftchen und stellte verschiedene Fragen über den Beginn der Geschichte. So gut ich mich erinnern konnte, gab ich sie wahrheitsgetreu wieder. Bis gegen 20:00 Uhr saßen wir beisammen, und Herr Zimper war über das Ergebnis recht zufrieden.
Interessant war seine Vermutung, dass „orf“ und „news“ gemeinsam den Jet der Airambulanz bestellt hatten. Es schien, als hätten die beiden Medien hier unsere Geschichte gesteuert.
Für den 26. Dezember vereinbarten wir den nächsten Termin.

 

Medien:
„news“: „EIN CHRISTKIND FÜR OLIVIA“

 

Freitag, 22.12.1995:

Gegen 7:30 Uhr fuhr ich Richtung Graz, um mich mit Sigrun zu treffen. Sie erklärte, ihre Arbeit mit den Medien niederlegen zu wollen. Sie konnte darin keinen Sinn mehr erkennen und warf mir vor, mich nicht an getroffene Vereinbarungen gehalten zu haben. Damit meinte sie meine Wankelmütigkeit, einmal den Medien den Rücken kehren zu wollen, dann aber doch am laufenden Band Interviews zu geben. Für sie war ich schlichtweg unzuverlässig. Ihr Absprung traf mich, ich wollte sie aber nicht umstimmen.


Gegen 11:30 Uhr holte ich Erika und Olivia vom Bahnhof Wr. Neustadt ab, und wir fuhren abermals zur BH, damit auch Erika die geforderte Vereinbarung unterschreiben und eine Kopie davon erhalten konnte.


Ein Interview mit Herrn Puschler verlief eher gezwungen, ging aber auch vorüber.


Für diese Nacht kam ich wieder an die Reihe, mit Olivia ins AKH zu fahren. Im Zug trafen wir meine Mutter, die es sich nicht nehmen ließ, Olivia täglich für ein, zwei Stunden zu besuchen.


Die Nacht überstand Olivia ohne Erbrechen, wachte aber doch einmal, laut über Bauchschmerzen klagend, auf.

 

Medien:
„krone“: „WEIHNACHTSFEST FÜR DIE KLEINE OLIVIA“

 

Samstag, 23.12.1995:

Gegen 8:00 Uhr wurden wir munter. Bald darauf kam Hanni mit ihrer Tochter und machte mit Olivia ihre Übungen.
Die Ärzte verspäteten sich mit dem Abschließen der künstlichen Ernährung derart, dass ich schließlich mit Olivia zur U-Bahn laufen musste. Die Bürokratie verlangte sogar noch einen Schrieb, welchen wir uns an einem Schalter im AKH abholen sollten. Aus Zeitmangel übernahm dies Hanni.
Erika und die Kinder holten uns in Winzendorf vom Bahnhof ab, und wir gingen vis-a-vis in ein Restaurant essen.
Danach waren wir so erschöpft, dass wir uns zu einem Mittagsschläfchen niederlegen mussten.

 

Telefonat mit Frau Dr. Marcovich:

Sie hatte auf den Anrufbeantworter eine Bitte um Rückruf gesprochen. Spontan fragte mich Erika, welcher Zeitung Frau Dr. Marcovich nun ein Interview vermitteln sollte?
Ich musste lächeln, dachte aber, dass sie uns lediglich Weihnachtsgrüße bestellen wollte. Der Rückruf ergab aber beides. Frau Dr. Marcovich erzählte, dass sie beim „orf“ wegen eines Interviews gewesen war. Dieser gestaltete soeben für die Sendung „report“ einen Jahresrückblick und natürlich kam da auch der Fall Olivia vor. Frau Dr. Marcovich erzählte von einem letzten Interview des Herrn Prof. Dr. Urbanek, der uns sehr für unsere Mitarbeit lobte. Ihr Wunsch war es nun, dass auch wir uns zu Wort melden sollten.


Für mich war die Situation soweit klar. Man wollte Olivia in einem Interview präsentieren, um ihren derzeitigen Gesundheitszustand zu zeigen. Frau Dr. Marcovich stellt sich als Katalysator zur Verfügung. Die Frage blieb, ob unser Interview dann auch wirklich ausgestrahlt werden würde.


Noch spät abends erinnerte mich ein metallisches Geräusch von der Straße her an die angekündigte Observierung, und es wurde mir bewusst, dass der österreichische Staat merkwürdig viel Aufwand „zum Wohle des Kindes“ betrieb.

 

Medien:

„die zwei“: „SIE WOLLTE IHR TODKRANKES KIND STERBEN LASSEN. DARF SO EINE FRAU NOCH EIN KIND BEKOMMEN?“
„tv-media“: „OLIVIA: KREBSKIND ALS MEDIENAFFÄRE“


 

Sonntag, 24.12.1995:

Olivia hatte die Nacht völlig ruhig durchgeschlafen. Am frühen Vormittag hielt ich Ausschau nach einem zivilen Beobachter und bemerkte zufälligerweise sofort einen grauen Passat, welcher an unserem Haus vorbei ins Dorf fuhr, nach hundert Metern wieder wendete und nochmals vorbei an unserem Haus das Dorf verließ. Da war er also. Wie versprochen wurde unauffällig observiert. Ein ständiges Gendarmerieauto an unserer Grundstücksgrenze wäre sicherlich ein Foto wert gewesen.


Als ich Großvater von der polizeilichen Beschattung erzählte, meinte er, dies bereits gestern Abend und während der Nacht bemerkt zu haben. Mein Schwiegervater war Jäger und hatte einen leichten Schlaf. Angeblich hatte gegen 5:00 Uhr morgens ein PKW in unserer Einfahrt gewendet. Vermutlich wollte der Beamte mit dem Scheinwerferlicht den Hof ausleuchten, um zu erkennen, ob mein Audi noch am alten Platz stehe.


Ich überlegte, ob nicht ein kleiner Scherz angebracht war. Mit den Kindern musste ich das Haus verlassen, damit Erika Gelegenheit hatte, die weihnachtliche Bescherung vorzubereiten. Wenn ich nun mit den Kindern fortfahren würde, so musste ich annehmen, dass uns jemand folgte, aber nur dann, wenn unsere Abreise beobachtet werden sollte. Wenn diese erst später bemerkt werden sollte, würde vielleicht sogar vermutet werden, ich machte mich mit Olivia wieder aus dem Staub. Dann würde ich eine Fahndung riskieren. Mir verging die Lust auf einen Scherz. Ich wog die Möglichkeiten ab und entschied mich, „deinem Freund und Helfer“ bei seiner Arbeit behilflich zu sein.
Ich rief am Posten an und gab bekannt, dass ich nun mit den Kindern, vor allem aber mit Olivia das Haus verlassen würde und führte auch die Gründe an. Der Diensthabende versprach, dies sofort weiterzuleiten.


Zuerst fuhren wir zu meinen Eltern nach Grünbach und sahen uns ein Video an. Danach besuchten wir meine Großmutter in Winzendorf, die Weihnachten alleine verbringen wollte. Später reservierten wir uns Plätze im Kino und gingen essen. Nach dem Kino, die Kinder konnten es schon gar nicht mehr erwarten, war es so weit. Das Christkind war gekommen!
Die Kinder hatten schon über Herzklopfen und Bauchweh vor Aufregung geklagt. Ich selbst war von einer besinnlichen Weihnachtsstimmung weit entfernt.

Vorbereitung für morgiges Interview „orf“-Report:

Wie geht es Olivia?
Olivia leidet wegen der Chemotherapie an spastischer Lähmung der Hände und Füße. Die Ärzte können nicht mit Sicherheit sagen, ob sich diese derzeitige Beeinträchtigung normalisieren wird, oder nicht. Bauchschmerzen, deren Ursache bis jetzt noch nicht lokalisiert werden konnte, lassen sie des Nachts oft nicht schlafen. Die künstliche Ernährung garantiert einstweilen für ihr Überleben. Montag nach Weihnachten soll mit der Chemotherapie fortgefahren werden, dann wird sich bei ihr auch wieder eine psychische Depression einstellen. Da seit der Operation noch keine CTs der Leber und der Lunge gemacht wurden, wissen wir auch nicht, ob sie zur Zeit krebsfrei ist oder nicht.
Wie stehen Sie nun zu Olivias erfolgreicher Behandlung?
Olivia lebt. Die Frage bleibt nur, ob nicht mit der menschlicheren Therapieform der Neuen Medizin von Dr. Hamer ein besseres Ergebnis hätte erzielt werden können. Es liegen uns viele positive Überprüfungen der Neuen Medizin von Schulmedizinern vor, und es gibt bis dato kein einziges negatives Überprüfungsergebnis.

Bild am Sonntag, Titelseite vom 24.12.1995

 

Wir finden es von der österreichischen Ärztekammer grob fahrlässig zu erklären, dass eine offizielle Überprüfung der Neuen Medizin „nicht vertretbar“ sei. Wir bezichtigen hiermit den Ärztekammerpräsidenten der Steiermark, Dr. Routil, der Unterdrückung von wichtigen medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Jetzt von einem schulmedizinischen Erfolg zu sprechen, empfinden wir als Sarkasmus. Olivia besitzt nur mehr eine Niere und wegen der Fortsetzung der Chemo läuft sie Gefahr, ein Dialysefall zu werden. Sie wurde stark radioaktiv bestrahlt, so dass es fraglich ist, ob sie jemals selbst Kinder bekommen kann. Sie muss bis dato künstlich ernährt werden, sonst würde sie verhungern. Sie hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Leberkrebs, was die Ärzte durch Nichterstellen von weiteren CTs zu vertuschen trachten. Letztendlich besitzt die Chemotherapie eine Mortalität von 92% und wir fragen, wer jetzt von einer erfolgreichen Behandlung sprechen kann?

 


 

Montag, 25.12.1995:

Besuch von Frau Dr. Marcovich mit „report“- Team:

Die Sendung „report“ soll kommenden Freitag ausgestrahlt werden. Es wurden die Kinder, vor allem aber Olivia, beim Spielen und Malen gefilmt und ein Interview von uns am Küchentisch aufgezeichnet. Frau Dr. Marcovich bestätigte mir, dass die Flugambulanz vom „orf“ bestellt worden war. Sie versicherte Erika, sie könne sich wegen ihrer Schwangerschaft jederzeit an sie wenden.


Es war offensichtlich, dass diese Ärztin vom „orf“ dazu benutzt wurde, um an Filmmaterial über Olivia zu kommen. Leider kam es zu keinem ausführlichen Gespräch zwischen uns. Ich hätte viele Fragen an sie gehabt, denn viele von ihr gesetzte Aktionen im Verlaufe unserer Geschichte bedurften einer Erklärung.


Erika fuhr mit Olivia ins AKH zurück. In dieser Woche sollte Olivia an jedem Tag eine Chemo erhalten. Wie lange würde Olivia das noch durchstehen?

Besuch von Andi (ehemaliger Schulkollege) mit Freundin:

Wir führten ein langes Gespräch, indem ich mich ihnen vermutlich gut erklären konnte. Andis Freundin war im AKH tätig und hatte Olivia in der Zeit ihrer Strahlentherapie betreut. Sie selbst litt als Kind an Leukämie und hatte zwei lange Jahre eine Chemotherapie erhalten.
Ihre damaligen Leidensgenossen waren alle bereits gestorben. Sie selbst bezeichnete ihr Überleben als Glück, räumte aber ein, dass die heutigen Chemotherapien bei weitem erfolgreicher als damals seien. Dass diese Therapieform eine Mortalität von 92% hätte, konnte sie kaum glauben.
Sie wusste sicherlich einiges über unseren Fall zu berichten, ich wollte aber nicht in sie dringen, damit ich ihr eventuelle Schwierigkeiten ersparen konnte.


 

Dienstag, 26.12.1995:

Ich konzentrierte mich auf mein Tagebuch. Für morgen war meine Reise nach München geplant. Dort sollte ich bei der Familie Gärtner jenen Emir treffen, der mich als Vertreiber eines Wasseraufbereitungsgerätes für Österreich gewinnen wollte. Ich rief am Gendarmerieposten in Wr. Neustadt an und fragte nach, ob die Pässe wie versprochen von Herrn Hofrat Marady hinterlegt worden waren. Sie waren es nicht. Ich erhielt die Auskunft, dass sie in einem Safe lägen, zu dem niemand Zutritt hätte. Morgen in der Früh könnte ich sie mir aber holen.

 

Drehbucharbeit mit Dr. Martin Zimper:

Abgesehen von der Arbeit war für mich interessant, auch den Menschen Dr. Martin Zimper kennenzulernen. Er selbst bezeichnete sich als gläubig und verstand recht gut, was mit uns innerlich im Verlaufe der Geschichte passiert war.
Auf meine Frage, wer denn im „orf“ zu den Freimaurern zählen könnte, nannte er ein paar hochgestellte Namen, von denen er es vermutete. Er selbst bezeichnete sie als Nichtfreunde und gab dies auch als Grund an, warum er von dort weggegangen war.
Mein Eindruck von dem Filmprojekt war, dass ich Dr. Martin Zimper sehr wohl ein gutes Drehbuch zutraute. Selbstverständlich blieb noch völlig offen, was der Regisseur aus diesem Drehbuch machen würde.
Wir arbeiteten bis gegen 21:00 Uhr, bis ich schließlich Veronika und die Kinder, die Olivia besucht hatten, von der Bahn in Winzendorf holen musste.


 

Mittwoch, 27.12.1995:

Morgens auf der Bezirkshauptmannschaft:

Herr Hofrat Marady kam erst gegen 8:00 Uhr. Er erklärte, dass wir nicht vereinbart hätten, den Reisepass an einem Feiertag am Gendarmerieposten zu hinterlegen. Da ich dementierte, dies mit ihm sehr wohl vereinbart zu haben, versuchte er es schließlich als ein Missverständnis hinzustellen. Vermutlich hatte er es einfach vergessen, überlegte ich und beließ es dabei.
Er holte die Reisepässe und übergab mir den meinigen. Eigentlich bräuchte überhaupt nur Erika ihren Pass zu hinterlegen, da nur bei ihr Olivia eingetragen sei und meinen könnte ich ja in Hinkunft behalten, schlug ich dem Hofrat vor. Er erwiderte, dass er aber gerade vor mir „Angst“ habe, dass ich unüberlegt handeln könnte. Die Frauen, so erklärte er weiter, seien im Allgemeinen besonnener.
Eigenartig umständlich war sein Vorschlag, ich sollte hinkünftig meinen Reisepass in Bad Fischau abliefern, der Reisepass von Erika sollte aber auf der BH - Wr. Neustadt bleiben.
Typisch war wieder sein geführter Monolog, welchen er wiederholt mit der Bemerkung schmückte, mit mir nicht diskutieren zu wollen und eigentlich von mir keine Antwort und kein Statement wünsche, da sowieso unsere beiden Ansichten über die Chemotherapie grundverschieden seien. Einen sarkastischen Lacher konnte ich nicht unterdrücken, hörte ihm aber höflich bei seinen Ausführungen zu, obwohl ich schon längst auf der Autobahn Richtung München unterwegs hätte sein müssen. Mit mehreren ausführlichen Beispielen erklärte er mir, dass viele ihm persönlich bekannte Leute zu Belangen, von denen sie absolut keine Ahnung hätten und nur aus Büchern wüssten, öffentlich ihre Meinung kundtäten.
Damit spielte er natürlich auf mich an. Er wollte mir erklären, dass ich wohl belesen war, aber absolut keine tiefgreifenden medizinischen Zusammenhänge verstand. Weiters war es für Herrn Hofrat Marady typisch, immer wieder zu betonen, dass er auch selbst von medizinischen Fragen absolut nichts verstehen würde und sich absolut auf die Ärzte verließe.
Der tragische Unterschied zwischen ihm und mir war aber doch der, dass er, trotz selbst eingestandener Unwissenheit, in der Position stand, Entscheidungen über die Therapie meiner Tochter treffen zu dürfen. Zumindest offiziell ...
Dann meinte er, mit mir „von Mann zu Mann“ sprechen zu können und erklärte, dass leider oftmals eine Chemotherapie nur mehr zur Lebensverlängerung gegeben werden würde, dies aber, Gott sei Dank, bei Olivia nicht der Fall sei.
Ich überlegte, ob ich ihn erneut auf die Studie des Herrn Dr. Dr. habil. Abel, Universität Heidelberg, hinweisen sollte, die eine Lebensverlängerung durch diese Therapieform sehr in Frage stellt. Ich verkniff mir aber meine Bemerkung. Es hätte keine Sinneswandlung beim Hofrat erzielt.
Herr Hofrat Marady trat mir aber sonst absolut freundlich gegenüber auf, so dass es mir schwer fiel, ihm überhaupt böse zu sein. Freundlich erkundigte er sich über die mit den Kindern verbrachten Weihnachtsfeiertage. Wenn mir ein Mensch freundlich entgegenkommt, so ist es mir nur schwer möglich, ihn zu brüskieren, es sei denn, ich erkenne sein doppeltes Spiel. Beim Hofrat war ich mir da nicht sicher.

 

Treffen bei Familie Gärtner in München:

Nach einer kleinen Autopanne (der Stecker des Thermostates war abgegangen, so dass der Kühler fast übergekocht wäre) erreichte ich, dank der ausgezeichneten Wegbeschreibung, problemlos mein Ziel. Ich wurde herzlich von Gärtners empfangen, und nach einer kleinen Kaffeepause fuhren wir zu deren Gärtnerei, wo schon ein paar Leute auf die Vorführung des Wassersäuberungsgerätes warteten.
Da sich Emir Ismail etwas verspätete, hatte ich Gelegenheit, mit einem in Not geratenen Pharmakologen Bekanntschaft zu schließen. Er war Franzose und Halbjude, hatte in aller Herren Länder an renommierten Universitäten studiert und vertrieb für einen großen Konzern Pharmazeutika und Gerätschaften. Die genauen Gründe seiner derzeitigen misslichen Lage verstand ich nur zur Hälfte, da seine Aussprache für mich sehr schwer verständlich war. So weit verstand ich aber, dass einer der Gründe eine Auseinandersetzung mit der Pharmalobby war, bei der er den Kürzeren gezogen hatte.
Ein für mich wichtiges Argument gegen die behandelnden Ärzte von Olivia kristallisierte sich aber im Laufe des Gespräches heraus. Die Ärzte erklärten immer wieder, Olivia mit zusätzlicher Strahlenbelastung eines CTs nicht belasten zu wollen. Warum erstellten sie dann kein NMR (Magnetresonanz)?
Bei diesem Verfahren wird statt einer Radiobestrahlung ein elektrisches Magnetfeld verwendet, welches den menschlichen Körper nicht belasten würde, die Bilder aber wesentlich schärfer darstellen konnte. Ich nahm mir vor, diese Frage bei nächster Gelegenheit auf das Tablett zu bringen.
Herr Ismail hatte das Gerät gebracht, und sofort wurde mit einer Brühe aus einer Sickergrube ein Versuch vorgenommen. Das Ergebnis war enttäuschend. Das gewonnene Wasser war trübe und roch. Erst mit der Zeit wurde klar, dass dieses Gerät lediglich ein Teil einer Gesamtanlage war, welche man sich wie Bausteine zusammensetzen musste. Dieses Gerät kann Festkörper bis 0,02 Mikrometer heraussieben. Bakterien haben einen Durchmesser von 1 µm. Nachgeschaltet werden kann ein Aktivkohlefilter und ein Gerät, das die Nitrate sowie Viren entfernen kann. Für einen Haushalt würde aber völlig ein Feststofffilter genügen.
Mitte Jänner, wenn der Emir wieder in Deutschland sein würde, wären auch die Überprüfungsergebnisse aus Oslo zur Verfügung und auch Prospektmaterial. Sollte ich mit meiner Selbständigmachung seitens der Behörden Schwierigkeiten bekommen, so wäre auch eine andere Lösung für Herrn Ismail denkbar. Ich würde eben auf reiner Provisionsbasis arbeiten und könnte es mir aussuchen, ob diese in Österreich oder in den Emiraten ausbezahlt werden sollte.
Beide, der Franzose sowie der Emir erklärten mir, dass der Fall „Olivia“ in deren Ländern niemals möglich gewesen wäre [Hier irrt der Franzose leider. So hatten französische Eltern, die im Falle ihres leukämiekranken Kindes vor 4 Jahren die Chemotherapie abgelehnt hatten u. darauf das Sorgerecht verloren, mit ihrem heute gesunden Kind damals eine Flucht nach Kanada angetreten und angeboten, die Adresse an Familie Pilhar weiterzuleiten, was jedoch zeitlich mit deren Spanienaufenthalt zusammenfiel. Auch ist es in Frankreich so, dass ein Patient mit diagnostiziertem „Hirntumor“ automatisch entmündigt wird. (Anm d. Verlages)]. Die Elternrechte wären dort unantastbar. Der Franzose erwähnte auch, dass wahrscheinlich aus diesem Grunde diese Geschichte nicht derart präsent in den französischen Medien gewesen wäre.
Schließlich lernte ich noch einen Mann kennen, der ein homöopathisches Mittel gegen Algenbefall von Teichen und auch für Wachstumsförderung von Pflanzen entwickelt hatte.
Nach dem Abendessen bei den Gärtners brach ich meine Heimreise an. Dies tat ich gegen den Willen der Familie, die mich gerne bei ihr nächtigen lassen wollte. Sie überhäuften mich mit Proviant und Geschenken für Olivia und auch von ihrem 10-jährigen Sohn erhielt ich mehrere schöne Mineralienexemplare als Präsent für meine Kinder. Ein interessantes Mittel, welches imstande war, Wasser zu binden, wurde mir ebenfalls mitgegeben.
Die Heimreise war anstrengend, da meine Scheibenwischanlage zur Gänze ausgefallen war. Auf Deutschlands Autobahnen war Schneematsch, und ich musste mir schließlich wegen der verschmierten Windschutzscheibe etwas einfallen lassen. Bei einer Tankstelle fand ich eine leere Plastikflasche, in der sich ein Scheibenreinigungsmittel befunden hatte. Ich füllte sie mit Wasser, bohrte mit meinem Taschenmesser ein Loch in den Verschlussdeckel und konnte somit unter der Fahrt, Wasser mit Reinigungsmittel auf die Windschutzscheibe aufsprühen. Gegen 1:30 Uhr kam ich müde zu Hause an.


 

Donnerstag, 28.12.1995:

Gegen 11:00 Uhr war ich noch völlig erschöpft, quälte mich aber vom Bett hoch.


Erika kam gegen 13:00 Uhr nach Hause. Olivia wollte den Nachmittag bei meiner Schwester Silvia in Brunn am Gebirge verbringen. Dort erwarteten sie verspätete Weihnachtsgeschenke, denen sie natürlich nicht widerstehen konnte. Meiner Schwester Silvia gegenüber hatte ich zur Zeit starke Vorbehalte.
Olivia wünschte, dass Veronika kommende Nacht bei ihr verbringen sollte. So war Erika und mir eine gemeinsame Zeit gegönnt.


 

Samstag, 30.12.1995:

Am Morgen machte ich Olivia bereit zur Abreise. Veronika und Helga kündigten Telefonisch an, mit nach Maiersdorf zu fahren. Am Meidlinger Bahnhof kam es zu einer größeren Verspätung, da die Lokomotive kaputtging. Schließlich stiegen wir in einen IC-Zug um, setzten uns in einen Speisewagen und nahmen ein Getränk zu uns. Erika holte uns von Wr. Neustadt ab.
Zu Hause war dann reger Betrieb. Erika und Helga kochten, die Kinder spielten, und ich überlegte, was wir wohl bei dem heutigen Interview alles sagen sollten.

 

Vorbereitung für „pro 7“:

Wie geht es Olivia?
Nach den naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten der Neuen Medizin wäre sie seit Mitte September gesund. Die derzeitigen Nebenerscheinung der Zwangschemopseudotherapie sind: spastische Lähmung an Händen und Füßen, Appetitlosigkeit, Depressionen, Übelkeit, Knochenmarksschädigung, Schädigung der Nerven und starke, sporadisch auftretende Bauchschmerzen, deren Ursache die Ärzte im AKH nicht orten können.
Unzählige Überprüfungen der Neuen Medizin von vielen Schulmedizinern bestätigen die Reproduzierbarkeit und die Korrektheit der von Dr. Hamer erkannten 5 Naturgesetzmäßigkeiten.
Die langjährige Unterdrückung der offiziellen Überprüfung der Neuen Medizin lässt die Machenschaften der Pharmalobby erkennen, die über Personen wie die des Herrn Martin Bartenstein bis in die Regierung reicht. Im Sinne sämtlicher Krebspatienten ist die Mitteilung des Ärztekammerpräsidenten Dr. Routil an den Landeshauptmann Herrn Krainer, die medizinische Prüfung der Neuen Medizin nicht vertreten zu können, unverständlich.


Nebenbei erwähnte Helga einen Artikel aus „tv-media“, indem auch der „Runde-Tisch“ veröffentlicht worden war. In dieser Ausgabe kündigte der Moderator und Chef der „orf“-„report“-Sendung, Herr Brandstätter, an, dass im „report-Spezial“ beim geplanten Jahresrückblick über die Ereignisse rund um Olivia, Dr. Hamer und Herr Pilhar sicherlich nicht zu Wort kommen werden.
Ich Vollidiot hatte diese Seite nicht aufgeschlagen gehabt, wusste also von dieser Absicht der „report“-Redaktion nichts, ließ sie aber zu uns nach Hause kommen und gab gutgläubig ein Interview.
In Wirklichkeit war nur Filmmaterial über Olivia gebraucht worden.


Herr Puschler verspätete sich, brachte aber dafür eine Riesentorte und zwei Flaschen Sekt mit. Nach ca. zwei Stunden hatten sie alles im Kasten und brachen wieder auf. Am 2.1.96 soll in der Sendung „taff“ dieser Beitrag ausgestrahlt werden.


 

Sonntag, 31.12.1995:

Olivia hatte die Nacht vollkommen ruhig verbracht. Tagsüber drängten die Kinder darauf, endlich Feuerwerkskörper knallen lassen zu können. Olivia wurde von allen mit Geschenken regelrecht überhäuft. Heute hatte sie Geburtstag.


Gegen Mittag kam mein Bruder Günter auf Besuch. Von all meinen Geschwistern verstand ich mich mit ihm noch am besten. Auch er konnte nicht verstehen, aus welchen Motiven heraus Silvia sich derart massiv in unsere Angelegenheit eingemischt hatte.


Erika, die Kinder und ich fuhren in eine nahegelegene Pizzeria essen. Elisabeth stürmte in einen Raum des Lokals und riss aus Neugier eine Plastikkrabbe von der Wand. Zur Strafe musste sie während des Essens völlig ruhig sitzen.
Anschließend fuhren wir zu einer befreundeten Familie nach Grünbach. Diese hatte vor kurzem ein ehemaliges Wirtshaus erstanden, und sie waren gerade dabei, es zu renovieren. Auch an diesem Tag ließen sie die Arbeit bis 16:00 Uhr nicht ruhen. Dann allerdings konnten wir uns für ein paar Stunden gemütlich zusammensetzen. Er, Roman, war Grafiker und mit ihm besprach ich eine Zeichnung von Olivia als Motiv für eine Postkarte verwenden zu wollen. Er erklärte sich einverstanden, mir dabei zu helfen.


Als es bereits dunkel geworden war, fuhren wir zurück nach Maiersdorf, holten die Knallkörper und fuhren mit der Familie D. und K. raus auf ein Feld und verschossen alles, was wir hatten. Für die Kinder und uns war dies ein Mordsspaß.
Olivia war müde geworden, und ich brachte sie mit Erika nach Hause. Mit allen anderen fuhren wir wiederum in die Pizzeria, da sämtliche Kinder Hunger angemeldet hatten. Zwei Tische mussten zusammengestellt werden, damit insgesamt sieben Kinder daran Platz finden konnten. Der Älteste war 10, die Jüngste war vier Jahre alt. Die Kinder an ihrem Tisch beim Essen und in lustige Gespräch vertieft sitzen zu sehen, war ein fröhlicher Anblick.


Schließlich holte ich wieder Erika, Olivia war bereits schlafen gelegt worden, und wir setzten uns noch bei den D.s zusammen um den Jahreswechsel abzuwarten. Es wurde jede Menge getrunken, vor allem aber von mir.


 

Montag, 1.1.1996:

Die Nachwirkungen der gestrigen Feier hatte ich schrecklich zu spüren. Mir brummte der Kopf und ich schwor mir, nie wieder einen Tropfen Alkohol zu trinken.


Noch völlig kaputt fuhr ich mit Olivia gegen 16:00 Uhr nach Wien ins AKH. Dort angekommen wurde ihr sofort die „Therapie“ gespritzt, und gegen 20:00 Uhr wurde ihr die künstliche Ernährung angeschlossen. Die Waage zeigte 22,9 kg, also einen Gewichtsverlust von 1,5 kg. Einerseits war dies leicht durch ihre erhöhte Aktivität zu Hause und durch ihren sehr eingeschränkten Appetit erklärbar. Andererseits hatte ich starke Bedenken, ob Olivia wohl jemals wieder normal essen würde. In Verbindung mit dieser fürchterlichen Vergiftungstherapie würde ein Absetzen der künstlichen Ernährung unweigerlich zum Tode durch Verhungern führen.


So aufgeweckt Olivia zu Hause in Maiersdorf auch war, im AKH änderte sich ihr Gemütszustand schlagartig. Sie machte den Eindruck, schwer depressiv zu sein. Nichts schien ihr Freude zu bereiten und sowohl mir als auch anderen Personen gegenüber war sie sehr verschlossen.
Wie üblich verbrachten wir den Abend mit Fernsehen. Des Nachts wachte sie zwar einige Male wegen Bauchschmerzen auf, musste sich jedoch nicht übergeben. Ihr Zähneknirschen war diese Nacht besonders ausdauernd.


 

Dienstag, 2.1.1996:

Ich glaube, ich war mindestens zehnmal munter. Diese ständigen Schlafunterbrechungen verursacht durch das unmögliche Stahlrohrbett, die abscheuliche Klimaanlage und das nicht abdunkelbare Zimmer, das ständige Zähneknirschen von Olivia und die oftmaligen Schwesternbesuche während der Nacht ließen einen erholsamen Schlaf nicht zu. In meinen Armen und in der Schulter hatte ich am Morgen ein Gefühl, als hätte ich die Nacht durch Holz gehackt. Ich war völlig verspannt.
In so einem Krankenzimmer kann ja kaum ein Mensch gesund bleiben, wie soll erst dann ein Kranker seine Krankheit loswerden?


Gegen 8:00 Uhr kamen ein Arzt und eine Schwester und schlossen Olivia von der Ernährung ab. Ich bat darum, sobald wie möglich für Olivia Ausgang zu bekommen, musste aber erst die Physiotherapie abwarten, die für 10:00 Uhr vorgesehen war. Für eine halbe Stunde Dehnübungen mussten wir nun zwei Stunden im Krankenzimmer warten! Vermutlich hätte Olivia in diesen zweieinhalb Stunden ein Vielfaches an Übungen freiwillig in unserem Garten an frischer Luft beim Spielen absolviert. Aber sollte ich das irgendeinem der Ärzte zu erklären versuchen? So nett und verständnisvoll die Physiotherapeutin auch war, die Grundlage ihrer Berufsberechtigung durfte ich ihr nicht abgraben.
So nahmen wir dann auch gegen 10:00 Uhr Stiefel und Wintergewand mit runter in den 4. Stock, wo ein kleiner Turnsaal für die Physiotherapie eingerichtet war.
Olivia musste sich auf eine Matte langlegen, und die Therapeutin bog ihren Fuß so weit wie möglich zum Schienbein hin. Das Ziel dieser Übung sollte das Dehnen der Sehnen sein, die sich durch die Chemotherapie und das ständige Liegen im Krankenbett verkürzt hatten.
Zu diesen Übungen musste Olivia ihre Kunststoffbeinschienen abnehmen.
Nach einer halben Stunde konnten wir zum Zug eilen.


Erika und die Kinder holten uns vom Bahnhof Winzendorf ab. Karins Sohn war auf Besuch bei uns, und die Kinder hatten eine schöne Zeit.
Ich rief den Richter Zak an und bat, Akteneinsicht halten zu dürfen.

 

Akteneinsicht Landesgericht:

Richter Zak war deutlich reservierter als früher. Er überließ es vorerst mir, mich im Akt zurechtzufinden. Schließlich zeigte er mir die letzten neu hinzugekommenen Aktenstücke. Darunter befanden sich die Zeugenaussagen des Dr. Leibold und Dr. Baumls.
Die weiteren von uns genannten Zeugen bräuchte er nicht mehr einvernehmen zu lassen, bemerkte der Richter. Interessant war auch ein Aktenstück, das ein Gnadengesuch, betreffend Erika und mich, eines Pfarrers im Ruhestand zurückwies.
Kommenden Freitag werde der Psychiater Prof. Pazl sein Gutachten über uns abliefern. Dieses Gutachten wurde aus sämtlichen zur Verfügung stehenden Materialien, wie dem Akt, aber auch aus Videomaterial usw. erstellt.
Richter Zaks persönliche Meinung war es, dass es zu keiner Anklage wegen Kindesmisshandlung kommen werde, sehr wohl aber wegen der Kindesentführung. Es sei denn, die BH würde die Anzeige zurückziehen.
Da die Kopierstelle zur Zeit nicht besetzt war, vereinbarten wir für den kommenden Tag die Kopien der neuen Aktenstücke anzufertigen.


Da ich annahm, dass auch im Pflegschaftsakt Neuigkeiten sein würden, ging ich vis-a-vis zum Bezirksgericht. Da der zuständige Mann, Herr Brodträger nicht anwesend war, wurde ich an den Chef persönlich verwiesen.

 

Gespräch mit Richter Masizek:

Er versicherte mir, dass zum Pflegschaftsakt seit der letzten Pflegschaftsverhandlung am 13. Oktober 95 nichts Neues hinzugekommen war. Bereitwillig öffnete er den Akt, um den Beweis anzudeuten, und ich sah, dass sämtliche Zeitungsartikel darin gesammelt zu sein schienen. Zuoberst lag die Ausgabe von der „ganze woche“ mit der Überschrift „Der Kämpfer“. Das Titelbild zeigt mich mit Olivia. Grinsend erklärte Richter Masizek, dass dies ein schönes Bild von uns sei. Er bot mir einen Sessel an, und ich setzte mich.
Auch er erklärte mir ein weiteres Mal, dass seiner Ansicht nach keine Anklage wegen Kindesmisshandlung erfolgen werde. Wegen der Kindesentführung würden wir aber vermutlich ein paar Monate bedingt erhalten. Er sei kein Strafrichter, betonte er ebenfalls zum wiederholten Mal, riet uns aber, dieses Urteil dankend anzunehmen, es aber auf keinen Fall mit Einspruch usw. zu bekämpfen, da dies die Angelegenheit unnötig in die Länge ziehen würde.


Rügend ermahnte er mich, nicht nochmals unser geführtes Gespräch öffentlich laut auszuposaunen, es vor allem aber nicht Dr. Hamer mitzuteilen. Dieser hätte ihm sofort nach unserem letzten Gespräch, in dem es um eine Teilsorgerechtsübertragung an meine Schwester Silvia ging, einen beschimpfenden Brief geschrieben.
Von dieser Teilsorgerechtsübertragung auf meine Schwester hatte er Abstand genommen, da ihm damals Erika sehr leid getan hatte, als sie diesbezüglich sofort in Tränen ausgebrochen war.
Er komme uns in allen Belangen auf das Möglichste entgegen, das müssten wir ja doch schon längst erkannt haben, meinte er, aber solche Interviews, wie sie Erika in der letzten „report“ - Sendung zum Jahreswechsel gegeben hatte, würden ihm (als freiem Richter!) Schwierigkeiten einbringen. Wie, so meinte er, solle er sein uns erteiltes Entgegenkommen rechtfertigen, wenn Erika erkläre, dass sie sofort die Chemotherapie absetzen würde, wenn es in ihrer Macht stünde?
Richter Masizek betonte nun bereits zum dritten Mal seine Pflicht, sich rechtfertigen zu müssen. Wieder fragte ich mich, vor wem er sich denn rechtfertigen müsse?


Betreffend das Pflegschaftsverfahren selbst gab er zu verstehen, dass er als Richter, rechtlich gesehen, sehr viel Freiheit hätte, und es somit für jeden Anwalt zwangsläufig schwer sei, gegen ihn vorzugehen. Durch die Blume wollte er mir damit zu verstehen geben, dass es in seiner Macht läge, Beschlüsse gleich oder erst später zu fassen.
Er betonte, dass wir ihn nicht an eine Rückübertragung des Sorgerechtes erinnern müssten, er wisse sehr wohl, wann und in welcher Form er es tun werde. Als Termin nannte er mir das voraussichtliche Ende der Therapie von Olivia, also Ende März.
Die Rechte, über Olivias Geld aus dem Filmvertrag verfügen zu können, würden wir aber unter keinen Umständen bekommen, es sei denn für Hausbau etc., was aber dann auch entsprechend als Teilbesitz von Olivia Eingang ins Grundbuch finden müsste. Er versicherte mir, dass das Geld auf keinen Fall für Ausgaben, wie für die Bezahlung der Wachebeamten im AKH oder dergleichen verwendet werde. Auch über die Glaubwürdigkeit der derzeitigen Therapieform wurde gesprochen. Ich betonte, bis jetzt keine einzige negative Überprüfung der Neuen Medizin zu kennen, da es eine solche auch nicht gebe. Im Gegenteil, viele Schulmediziner würden die Ansicht des Dr. Hamer teilen.
Verwundert war ich, als Richter Masizek eingestand, dass auch seiner Meinung nach Dr. Hamer ein überaus kluger Forscher sei. Als er aber zu erklären versuchte, dass Dr. Hamer zufällige Spontanheilungen als seinen Erfolg ausgegeben hätte, entgegnete ich, dass dies auf keinen Fall stimme. Spontanheilungen seien ja auch aufgrund eines natürlichen Prozesses zustandegekommen und Dr. Hamer hätte eben diese Naturgesetzmäßigkeiten erkannt, könne damit umgehen und solche Vorgänge damit erklären.
Richter Masizek räumte ein, dass er sehr wohl gegen die verantwortlichen Ärzte vorgehen werde, sollte sich herausstellen, dass sie mit der verordneten Chemotherapie beabsichtigt oder fahrlässig falsch vorgegangen wären.
Allein, mir fehlte der Glaube...


Erika war mit Olivia ins AKH zurückgefahren.

 

Treffen mit Dr. Martin Zimper:

Bis spät in die Nacht führten wir unsere Gespräche. Wir mussten achten, nicht immer wieder vom Thema abzuschweifen. Es zeigte sich, dass ein Film mit 90 Minuten kaum ausreichen würde. Auch dann nicht, wenn lediglich die wichtigsten Passagen zum Ausdruck kommen sollten. Ihm persönlich wäre ein Zweiteiler lieber, auch Herr Malmedy von „ARENA-Film GesmbH“ hatte dies bereits geäußert. Bis 15. Jänner sollte Herr Martin Zimper eine erste Fassung des Drehbuches vorlegen können. Dies würde er aber kaum schaffen.


 

Mittwoch, 3.1.1996:

Akteneinsicht Landesgericht:

Wie besprochen erhielt ich die Kopien. Die Zeugenaussagen der beiden Ärzte Dr. Leibold und Dr. Bauml waren weder besonders schlecht noch besonders gut. Unverständlich war mir, wie Dr. Bauml die Ansicht äußern konnte, dass wir damals in Tulln auch unter anderem Einfluss als unter dem Dr. Hamers gestanden waren. Versuchte man hier die Schiene zum Sektierertum zu legen?
Gut in Dr. Baumls Aussage fand ich, dass er nochmals seine Ansicht und Überzeugung vertrat, dass psychische Konflikte für das Krebsgeschehen die Ursachen sind.

 

Treffen mit Mag. Rebasso:

Wir beschlossen, nun verstärkt auf eine Rückgabe des Sorgerechtes zu drängen.

 

Treffen mit Dr. Martin Zimper:

Dieses Mal trafen wir uns bei ihm in seiner Wohnung. Für ein paar Stunden konzentrierten wir uns auf die Geschichte rund um die Ereignisse in Tulln.
Er schien, betreffend das Filmprojekt von „sat1“, in großer Sorge zu sein.

 

AKH:
Gesundheitsbericht über das Kind Olivia:

Die Behandlung des an einem Wilmstumor (Nephroblastom) erkrankten Mädchens Olivia verläuft planmäßig. Da der Allgemeinzustand des Kindes eine kurzfristige Beurlaubung ermöglichte, konnte Olivia sowohl über die Weihnachtsfeiertage, als auch ihren Geburtstag zu Silvester zu Hause im Kreise ihrer Familie verbringen. Sie hat das sehr genossen und konnte auch an normalen spielerischen Aktivitäten, einschließlich des Rodelns teilnehmen. Das Körpergewicht hat zu Hause etwas abgenommen, so dass wir nach der erneuten Aufnahme in der Klinik die Ernährung weiterhin mit Infusionen unterstützen. Viele Menschen aus unserem Lande und auch aus dem Ausland haben aufrichtig Anteil an Olivias Behandlung genommen, wie uns sowohl Telefonisch als auch schriftlich mitgeteilt wurde.


Wir wünschen Olivia für das Neue Jahr alles Gute und viel Kraft für die gewünschte Genesung und möchten auch unsere Glückwünsche zu ihrem 7. Geburtstag von allen Schwestern, Ärzten und dem gesamten Personal der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien übermitteln.
Univ. Prof. Dr. R. Urbanek

 

Das ungewöhnlich freundlich formulierte Schreiben konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die künstliche Ernährung ein wesentlicher Faktor für Olivias Überleben sein musste.
Auffällig war auch noch, dass immer nur davon geredet wurde, dass die „Behandlung“ planmäßig laufe, jedoch von planmäßiger Gesundung Olivias nie die Rede war. Logisch war dann auch, dass man behauptete, viele Menschen hätten an Olivias „Behandlung“ großen Anteil genommen, wogegen sie vermutlich eher an ihrem Schicksal Anteil nahmen.

 

Medien:
„krone“: „'FALL OLIVIA' WIRD VERFILMT“

 

Donnerstag, 4.1.1995:

Den ganzen Tag über musste ich angefallene Post, Telefonate usw. aufarbeiten. Erika war wieder mit Olivia aus dem AKH gekommen. Olivia litt nun an Schluckbeschwerden und hatte einen offenen Rachen. Selbst das Sprechen fiel ihr schwer.

 

Telefonat mit Dr. Hamer:

Er und Friederike lagen zur Zeit wegen einer Grippe darnieder. Mein morgiger Flug nach Köln verschob sich somit um ein paar Tage. Eventuell konnte sogar Friederike nach Wien kommen.
Er erzählte mir von einem Telefonat mit dem Chefredakteur von „täglich alles“, Herrn F.. Dieser verriet ihm, dass an sämtliche Medien eine Direktive ergangen sei, Dr. Hamer „fertig“ zu machen. Es war erklärt worden, dass Olivia bis Weihnachten gesund sein würde. Jetzt wäre der schlechte Gesundheitszustand Olivias jedem Reporter peinlich, da er diesen als überaus gut darstellen sollte. Jeder wünsche sich nun, der Fall Olivia wäre niemals gewesen. Betreffend das Filmprojekt von „sat1“ vermutete Herr F., dass der Film ein Zusammenschnitt von Originalaufnahmen von uns und nachgestellten Filmsequenzen mittels Doubles sein würde.

 

Telefonat mit Frau O. aus Grünbach:

Vorsichtig versuchte ich auszuloten, wie weit sie Courage besitzen würde. Sie besaß leider wenig. Mein Plan war es, sie zu einer Zeugenaussage gegen Dr. Jürgenssen bewegen zu können, um darzustellen, dass sehr wohl andere Therapieformen als die der Schulmedizin möglich wären. Gleichzeitig hätte ich Dr. Jürgenssen eins auswischen können. Aber Frau O. wollte absolut nichts mehr damit zu tun haben. Ihrem Kind ginge es gut, und damit hatte es sich für sie. Leider kann sich mit solcher Einstellung von Eltern diese Medizindiktatur ihre Opfer weiter frei aussuchen.


Als ich Erika und Olivia wieder auf den Bahnhof brachte, versetzte mir auch Erika einen seelischen Schlag. Sie erklärte, gegen diese Übermacht nicht weiter kämpfen zu wollen. da sie keinerlei Chancen mehr sähe. Sie wünschte sich, dass sich kein von Dr. Hamer erfolgreich behandelter Patient für Dokumentationszwecke melden werde, damit diesem nicht auch ungeheure Probleme erwüchsen. Sie gab vor, sich aus öffentlichen Diskussionen zurückziehen zu wollen.
Wieder zu Hause blätterte ich in der Zeitschrift „raum&zeit“, die ich vor kurzem abonniert hatte. Herr Marian hatte mir eine Extraausgabe dieser Zeitschrift mit dem Titel „Freie Energie“ zukommen lassen. Darin fand sich ein Artikel über einen normalen VW-Motor, der mit Wasser als Treibstoff betrieben werden konnte. Das Prinzip dieser Verbrennung beruht auf Zerlegung des Wassers in Wasserstoff und Sauerstoff (Knallgas) mit Hilfe einer hohen Spannung bei sehr geringem Strom, kurz vor der Verbrennung. Weiters stand in diesem Beitrag, dass dem Erfinder (Amerikaner) vom Staat Personenschutz zugesagt worden war.
Dass man mit Knallgas einen Verbrennungsmotor betreiben kann, ist seit langem bekannt. Das Problem bisher war jedoch die nicht wirtschaftliche Zerlegung des Wassers. Dieser Erfinder schaffte es. Nebenbei widerspricht seine Errungenschaft der Wasserzerlegung den bisherigen physikalisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Überhaupt werde ich in letzter Zeit immer öfter mit Beispielen von Entdeckern der verschiedensten Gebiete konfrontiert, die die orthodoxe Wissenschaft schon vor Jahren widerlegt haben, deren Erkenntnisse aber konsequent unterdrückt bzw. vertuscht werden. Ein paar dieser Namen sind: Wilhelm Reich, Paracelsus, Viktor Schauberger, Nikola Tesla, Herr Granda...
Wären die Errungenschaften dieser Personen der heutigen Menschheit zur Verfügung, wir hätten viele unserer jetzigen Probleme nicht. Wer daran Interesse hat, die Menschen dumm, lenkbar und abhängig zu halten, erahnen wir immer mehr.

 

Medien:
„nön“: „OLIVIA BEI  THEATER-AUFFÜHRUNG“

 

Freitag, 5.1.1995:

Das Läuten des Telefons weckte mich. Eigenartigerweise war ich trotz anklingender Verkühlung erfrischt und sofort munter. Mir wurde bewusst, dass ich einen intensiven schönen Traum gehabt hatte, der mir aber gleich nach dem Telefonat wieder entfallen war.

 

Telefonat mit Frau Connery:

Sie spielte mir eine Aufnahme einer gestrigen Hörfunksendung vor, in der von einer Alternative zur Chemotherapie die Rede war. Manche Statements der Radiomoderatorin waren wirklich stark. So erklärte sie, die Chemo käme einer Reparatur eines Uhrwerkes mit einem Hammer gleich oder dem Öffnen einer Tür mit einem Sprengstoff. Das neue Mittel, das ebenfalls gespritzt werden musste, hätte keine Nebenwirkungen und könne die Krebszellen direkt angreifen. Ein Arzt aus dem Wiener AKH kam ausführlich zu Wort. Am erfolgreichsten sei das Mittel bei jenen Krebsarten, die am schnellsten wucherten. Als Beispiel wurde Brustkrebs genannt.
Schön langsam wurde mir klar, dass es sich hierbei um jenes Mittel handeln musste, von dem bereits in einer Augustausgabe der Zeitschrift „geo“ die Rede war. Dieses Mittel wäre den Botenstoffen des Gehirns nachempfunden, die die einzelnen Zellen steuern können.


Ich wiederhole mich vielleicht, es ist mir aber überaus wichtig darauf aufmerksam zu machen, nach welchen Grundüberlegungen die orthodoxe Schulmedizin vorgeht. Sie hat erkannt, dass das Gehirn die Zelle steuert. Dies kann das Gehirn über sogenannte Botenstoffe. Diese konnten nachgebildet und dem Patienten verabreicht werden, wenn dieser nicht selbst die notwendigen Botenstoffe über sein Gehirn produzieren kann.
Nun, Dr. Hamer sagt seit jeher, dass das Gehirn das wichtigste Organ im Krebsgeschehen sei und man es daher nicht mit Morphium ausschalten dürfe. Die Korrelation zwischen Krebs und Gehirn hatte er bereits vor rund 15 Jahren erkannt.
Die Schulmedizin spritzt also die künstlich erzeugten Botenstoffe, wenn diese vom Patienten nicht selbst produziert werden können. Wieder einmal ignoriert sie völlig die möglichen Fähigkeiten des menschlichen Gehirns, sich selbst wieder zu reparieren. Was aber sagt dem gegenüber die Neue Medizin? Sie sagt, wenn bis vor kurzem das Gehirn die richtigen, nunmehr aber die falschen Botenstoffe aussendet, dann muss der Mensch über seine Psyche den Großcomputer Gehirn wieder umprogrammieren. Wie? Natürlich über Konfliktlösung, also entweder durch reale Konfliktlösung oder durch intellektuelle Konfliktlösung. Ein Kind mit seinem noch nicht ausgeprägten Intellekt muss eine reale Konfliktlösung erfahren. Leidet es z.B. unter dem Verlust der Mutter, so muss die Mutter durch reale Anwesenheit bei dem Kind mithelfen, dessen Problem zu lösen.
Der Vorteil der Neuen Medizin liegt somit auf der Hand. Der Mensch bleibt sein persönlicher Chef, wie es Mutter Natur vorgesehen hatte und entgeht somit der schulmedizinischen Abhängigkeit. Die Schulmedizin übersieht es, den Patienten dazu anzuhalten, seinen Konflikt zu lösen und somit selbst wieder Herr über seine Krankheit zu werden Sie erzeugt Abhängigkeit.
Ich möchte damit nicht einen positiv gemeinten Ansatz der Schulmedizin von vornherein abtun, bei weitem nicht. Das sinnlose Chemomorden unschuldiger und nichtaufgeklärter Krebspatienten wäre damit sicher reduzierbar. Vielmehr geht es mir darum, aufzuzeigen, welche Logik die Schulmedizin leitet.
Einen Ausweg aus diesem teuflischen Kreis der Abhängigkeit, kann sicher nur jeder Patient (Mensch) für sich selbst finden. Dazu aber muss er an die nötigen Informationen gelangen, und zu diesen wird er wohl nur schwerlich über die Massenmedien kommen.


Welcher Pharmakonzern, der gerade Unsummen in die Reproduzierbarkeit der Botenstoffe gesteckt hat, wird einem bereitwillig erklären, dass man diese selbst und noch dazu auf natürlichem Weg über sein eigenes Gehirn produzieren kann? Welcher Arzt, der von diesen Pharmakonzernen die verschiedensten teuren Zuwendungen erhält, wie kostspielige Schulungen im Ausland usw., wird diesen Schwindel aufdecken wollen? Welche Ärztekammer, die ja die Kammer dieser Ärzte ist, wird sich selbst ins Fleisch schneiden? Welche Regierung, die mehrheitlich von Freimaurern besetzt ist, wird gegen die eigene Ideologie verstoßen?
All jene haben nur so lange die Macht über den Patienten (Menschen), solange dieser sie ihnen gibt. Der Patient wird sie ihnen solange geben, solange er keine Alternative kennt. Um diese Alternative muss er sich aber selbst kümmern.

 

Telefonat mit Dr. Hamer:

In der deutschen Tageszeitung „bild“ war ein Artikel über Olivia erschienen, in dem erklärt wurde, dass Olivia an Gewicht verloren hatte, nun wieder in der Klinik sei und an einem Nieren-Leberkrebs leide. Jetzt wollte er von mir wissen, ob denn nun in einer neuen Erklärung des AKH dieser Leberkrebs bereits zugegeben worden war. Davon wusste ich nichts.


Sogleich rief ich bei der Redaktion von „bild“ an, und es wurde mir erklärt, dass es sich hierbei um einen Fehler des Redakteurs handle. Es sei keine neue Nachricht seitens des AKH eingetroffen.
War das also ein „Freudscher Versprecher“?!

Telefonat mit Hildegard:

Im heutigen „kurier“ sei erklärt worden, dass Olivia an einem Wilmstumor und an einer Nierengeschwulst gelitten hätte.
War das auch noch Zufall oder jene konkrete Order an die Medien, das Gewünschte zu berichten? Wir vermuteten, dass nunmehr schön langsam die korrekte Version über die verschiedenen Krebse von Olivia unter die Bevölkerung gebracht werden sollte. Vielleicht könnte dies auch damit zusammenhängen, dass Dr. Hamer nun über das Wr. Neustädter Gericht ein Gegengutachten beantragt hatte, das auf alle Fälle sämtliche Krebsgeschehen von Olivia zum Vorschein bringen würde. Auch könnte es sein, dass nunmehr die Ärzte des AKH langsam Farbe bekennen müssten, da Olivias Gesundheitszustand statt besser immer kritischer wurde.


Meine Verkühlung war stärker geworden, und so musste Erika abermals mit Olivia ins AKH. Ich brachte sie nach Bad Fischau und wollte gleich meinen Reisepass, wie besprochen, am Gendarmerieposten abgeben. Dieser war aber nicht besetzt. Ich war gespannt, ob nun irgendwelche Probleme erwachsen sollten. Damit Olivia morgen über Nacht bei uns bleiben konnte, mussten wir ja beide unsere Reispässe abgeben, obwohl Olivia nur in dem von Erika eingetragen war.


 

Samstag, 6.1.1995:

Telefonat mit Erika:

Eigentlich wollte sie schon zeitiger am Vormittag weggehen, es war ihr aber bekanntgegeben worden, dass Olivia erhöhte Entzündungswerte habe. So mussten sie noch weiter im Spital verbleiben.
Später rief sie nochmals an und erklärte frustriert, dass eine Ärztin lediglich Werte in eine Tabelle eintragen musste, Olivias Gesundheitszustand nicht wesentlich schlechter als gestern sei und sie nunmehr heimfahren durften.


Gott sei Dank! Ich hatte wirklich schon Schlimmeres befürchtet.


Gegen 13:00 Uhr konnte ich die beiden vom Bahnhof holen. Olivia war aber trotzdem sichtlich kränker. Sie war depressiv und hatte starke Schluckbeschwerden. Den ganzen Tag über hatte sie keinen Bissen oder auch nur einen Schluck Tee zu sich genommen. Gegen die Hals- und Rachenschmerzen gurgelte sie mit in Wasser gelöstem Schüsslersalz. Es schien kein Spiel, keine Beschäftigung für sie zu geben, die sie von ihren Schmerzen längere Zeit abzulenken vermochten. So schlimm war es ihr mit den durch die Chemo ruinierten Schleimhäuten noch nie ergangen.


Unser Kind wurde vor unseren Augen kontinuierlich vergiftet. Diese Therapie mag zwar „ethisch vertretbar“ sein, menschlich gesehen konnte man sie nicht vertreten. In solchen Momenten empfand ich gegen diese verständnislosen Handlanger der perverskranken Chemodiktatur nur Hass. Wann mag wohl die Vernunft der Patienten die Größe erreicht haben, um sich erfolgreich gegen diese Scharlatane zur Wehr zu setzen?


Vor Monaten erzählte mir meine Tante von einem Gespräch mit einem Geistlichen, der vermehrt mit Eltern zu tun hatte, deren Kinder im St. Anna-Kinderspital behandelt wurden. Seiner Meinung nach war das Hauptproblem der geringen Erfolge in der orthodoxen Krebstherapie von Kindern das, dass sie von ihren eigenen Eltern aufgegeben wurden.
Diese Perspektive wurde mir bewusst, als Erika über ihre momentane Belastung klagte. Sie war nunmehr in der 17-ten Woche schwanger. Durch die momentane Krise von Olivia, war es ihr kaum mehr möglich, eine Nacht durchzuschlafen. Olivia selbst war gegenüber Erika viel ungehaltener als mir gegenüber. Ich selbst war in den vergangenen Tagen aber stark verkühlt und hatte überdies viele Besorgungen betreffend Arbeitsamt, Gericht, Rechtsanwalt usw. zu machen. Wir mussten achtsam sein, uns nicht aufreiben zu lassen.


Eine „Therapie“, die ein Kind derart vergiftet und belastet, dass das Leid des Kindes für Eltern unerträglich wird! Ein Teufelskreis, der sich aufschaukelt!


Olivia durfte diese Nacht bei uns in Maiersdorf verbringen. Wenn sich ihr Gesundheitszustand nicht verbessern sollte, wäre dies sicherlich vorerst die letzte Nacht.


 

Sonntag, 7.1.1996:

Gleich am frühen Vormittag bemerkte ich den bewussten grauen Passat an unserem Haus vorbeifahren. Wir wurden wieder observiert.


 

Montag, 8.1.1996:

Es ist zwar müßig, jeden Zeitungsartikel analysieren zu wollen, aber der in der Zeitung „profil“ (profil Nr. 2, 8. Jänner 1996) erschienene, ist es doch wert, ein paar Gedanken zu formulieren. Nebenbei bemerkt, bezeichnet der Herr Steinhauser (österreichischer Autor des Buches: „Die legale Mafia“) diese Zeitung als freimaurerisch.
Allein die Überschrift war bereits pervers. „... den Tod zu erlauben“, als hätten wir als Alternative zur Chemopseudotherapie den Tod unseres Kindes gewählt.
In Wirklichkeit ist doch gegenüber einer Chemotherapie, mit 92%-iger Mortalität alles, auch überhaupt keine Therapie, eine Chance.
Mit der Chemotherapie (mich stört fürchterlich diese Wortkombination: Chemo und Therapie. Das passt zusammen wie: Teufel und Weihwasser) schickt man die Patienten mit 92%-iger Wahrscheinlichkeit in einen qualvollen Tod.
An und für sich war der Artikel uns Eltern gegenüber positiv geschrieben, damit will ich sagen, dass keine offensichtlichen und negativen Lügen über uns verbreitet wurden. Trotzdem strotzte er regelrecht vor unzähligen, falschen Schlussfolgerungen.
Prof. Urbanek wurde darin wie folgt zitiert: „... Man sollte auch dem Vater keine Vorwürfe machen, denn auch er hat schließlich die Kraft aufgebracht zu kooperieren.“
Nun, mit der schulmedizinischen Krebstherapie habe ich niemals und werde ich niemals kooperieren. Nicht, solange sie diese menschenverachtende Diktatur ausübt, Geld und Macht ihr oberstes Leitmotiv ist und der Patient als Sondermülleimer für die Pharmaindustrie degradiert wird!
Wir standen unserem Kind bei, wir hätten Olivia niemals in Stich gelassen. Uns hatte man Olivia weggenommen, man hatte Olivia in Tulln mit Gewalt (!) von der Mutter entfernt.
Frau Dr. Slavc: „Wir haben schon das Gefühl, dass sie ihrer Tochter vermitteln, dass sie hier gesund werden kann und mittun muss.“ Wir versuchten unserer Tochter beizustehen, so gut wir konnten. Wir haben Olivia niemals über den Gegensatz der Neuen Medizin zur Schulmedizin aufgeklärt. Wir werden sie, so lange sie als ein Kind in dieser Zwangschemopseudotherapie steckt, niemals aufklären. Was sonst als Hoffnungslosigkeit könnten wir ihr vermitteln? Psychologisch gesehen gibt aber dieser Satz der Frau Dr. Slavc Aufschluss über ihre persönliche Einschätzung. Olivia kann gesund werden, muss aber mittun. Soweit die Einstellung einer Onkologin, die über eine Zwangschemopseudotherapie mit 92%-iger Mortalität spricht. Pervers war auch, dass man nun das AKH als solche Klinik hinzustellen versuchte, in der wir nun endlich Olivia auch Naturprodukte geben durften, was wir angeblich zuvor in anderen Spitälern so sehr vermisst hätten. Das AKH ist und bleibt eine Krankheitsfabrik. Man geht mit Blinddarm in die Klinik und, wenn man auch noch Infusionen erhalten hat, kommt man vermutlich auch heute noch asbestverseucht raus. Siehe veröffentlichtes Buch des Dipl. Ing. Fröhlich. Dieser Missstand, der auch nichtfunktionierende Sterilisatoren umfasst, betrifft demnach die Mehrzahl der öffentlichen Kliniken im Großraum Wien. Gab es diesbezüglich jemals eine Veröffentlichung, obwohl die Presse informiert worden war? Nein! Gab es jemals einen Aufruf der Ärztekammer, dass sich betroffene Patienten melden sollen, obwohl sie ebenfalls informiert worden war? Nein! Gab es jemals irgendeinen politischen Gesundheitssprecher, der diese Missstände zur öffentlichen Diskussion stellte, obwohl sämtliche informiert worden waren?
Nein! Man schwieg dies einfach tot, und man zerstörte die finanzielle Existenz des Aufdeckers dieser skandalösen Missstände. Wer wohl sollte soviel Macht besitzen? Wer wohl drängt Kritiker, die dieses freimaurerische Denksystem anprangern, in das rechtsradikale oder auch psychopathische Eck oder stellt diese als Sektierer hin, wenn nicht die Freimaurer selbst oder deren Handlanger?
Mir ist völlig bewusst, was ich da schreibe, aber mit der Lüge nehme ich es persönlich gerne auf. Was soll mir schon geschehen? Ein anonymer Anruf, in dem meine Kinder mit dem Tode bedroht werden, so wie es Dr. Bauml 1993 durchmachen musste? Ich darf erinnern, meine Tochter Olivia wird gerade zwangsexekutiert! Sollte man mir an mein Leben wollen, kann ich nur lachen. Jedem Atheisten, ich selbst war einer, zum Trotz: Ich komme wieder!
Aber das führt bereits zu weit, einerseits in die schauderhaften Machenschaften der Freimaurer, andererseits zu sehr in meinen persönlichen Glauben über den Sinn des Lebens, mit Wiedergeburt etc. Ein bisschen gönne ich mir noch die Freude, diesen Artikel zu zerpflücken.
Das Bild, das zu vermitteln dieser Artikel vermutlich zur Aufgabe hatte, bringt Frau Dr. Slavc auf den Punkt: „Die Eltern sind einfach in einer psychologisch schwierigen Situation. Sie wollen für ihr Kind ja immer nur das Beste. Wenn sie sich jetzt eingestehen müssten, dass sie auf einem Irrweg waren, bräche für sie eine Welt zusammen.“ Da Frau Dr. Slavc mit Abstand die umgänglichste Ärztin auf der Station war, und wir uns ihr diesbezüglich zu Dank verpflichtet fühlen, möchte ich ihr hiermit ihre Sorgen nehmen. Damit wir uns eingestehen müssten, auf einem Irrweg gewesen zu sein, müssten gleich zwei Unmöglichkeiten möglich werden.
Erstens müsste eine korrekt durchgeführte Verifikation der Neuen Medizin ergeben, dass diese falsch sei. Zweitens müsste Olivia wieder völlig gesund werden. Sowohl das eine, wie leider auch das zweite kann ausgeschlossen werden. Leider, auch uns wäre es lieber, es gäbe nur eine Medizin, nach der alle Leiden geheilt werden können. Aber bereits hier scheidet die orthodoxe Schulmedizin aus. Außerdem, die Welt, die zusammenbrechen könnte, hat dies für mich persönlich, Gott sei Dank, bereits getan, und eine viel schönere kam zum Vorschein. Sinnbildlich gesprochen brach für mich die Illusion des Materiellen zusammen, und erst dadurch gelang es mir, zu einem wirklichen, für mich real greifbaren Glauben zu finden.
Mich persönlich hat all das Leid der vergangenen Monate in einem ungeheuren Tempo reifer werden lassen. So widersprüchlich es klingen mag, ich finde das Leben schön, vor allem aber lebenswert. Keine Erfahrung möchte ich missen, und für jedes zukünftige Ereignis, das mir widerfährt, bin ich bereits jetzt dankbar. Wir durften etwas in Gang setzen, das viele Menschen zum Nachdenken gebracht hat.


 

Mittwoch, 17.1.1996:

Telefonat mit Mag. Rebasso:

Ich erzählte ihm von einem Schreiben meiner Rechtsschutzversicherung, die mir auch in den geplanten Rechtsstreitigkeiten mit den verschiedenen Medien ihren Beistand verwehrte. Magister Rebasso hatte dieses Schreiben ebenfalls erhalten, aber noch nicht studieren können. Ebenso lag bereits das psychiatrische Gutachten des Herrn Prof. Pazl auf seinem Tisch, welches er ebenfalls noch nicht eingesehen hatte. Es soll angeblich einen beträchtlichen Umfang haben.

 

Telefonat mit Herrn Marian:

Wir vereinbarten ein Treffen in Baden, damit er mir den letzten korrigierten Teil des Tagebuches übergeben könne.


In Wr. Neustadt musste ich tanken. Als ich auf die Autobahn auffuhr, bemerkte ich, dass die Benzinanzeige noch immer auf der Stellung „Reserve“ stand. Ich klopfte auf das Armaturenbrett, aber die Anzeige änderte sich nicht. Hatte mir der Tankwart Luft verrechnet? Bei der Anzeige an der Zapfsäule war mir aufgefallen, dass lediglich 44 Liter getankt worden waren, normalerweise aber um die 70 Liter in den Tank passten. Hatte er mir überhaupt kein Benzin eingefüllt?
In Baden fuhr ich nochmals auf eine Tankstelle und füllte nach. Tatsächlich, es flossen nochmals über 40 Liter rein. Ich vermutete, dass der Tankwart in Wr. Neustadt vergessen hatte, den Zapfhahn zu öffnen und mir den Betrag des vorhergehenden Kunden verrechnet hatte.


Herr Marian erwartete mich auf dieser Tankstelle und übergab mir seine Korrektur. Über seine qualifizierte Hilfe war ich sehr froh. Es zeigte sich, dass ich, abgesehen von vielen Tippfehlern, auch oft fürchterliche Satzstellungen kreiert hatte. Dies nun von einem ausübenden Lehrer korrigieren zu lassen, hob die Lesbarkeit meines Tagebuches erheblich.


Auf dem Rückweg versuchte ich den Sachverhalt an der Tankstelle in Wr. Neustadt zu klären. Der junge Tankwart schloss einen möglichen Defekt an der Zapfsäule nicht aus und versprach mir, mit seinem Chef Rücksprache zu halten.

 

Telefonat mit Olivia:

Sie rief mich an und wollte wissen, wie es mir ging. Ihr selbst ginge es gut. Helga wäre gerade bei ihr, weil Mama einen Arzttermin hatte. Ich erzählte ihr von dem strahlend schönen Wetter in Maiersdorf und dass alle Bäume vor Rauhreif ganz in Weiß seien. Olivia bat Helga aus dem Fenster nach Bäumen Ausschau zu halten, und erklärte mir dann, dass in Wien die Bäume leider nur schwarz wären und auch die Sonne nicht scheine.
Olivia war gut aufgelegt, das freute mich.

 

Telefonat mit Herrn Stern, „Schijok täglich“:

Herr Stern erinnerte mich, mit mir schon einmal gesprochen zu haben. Tatsächlich hatten wir zu Beginn der Geschichte, also Ende Mai, den ersten Kontakt auf mein Bestreben hin geknüpft. Damals allerdings wollte man unseren Fall nicht in der Sendung haben. Heute bot er sie mir aber an. Auf meine Frage, wie es zu diesem Gesinnungswandel im „orf“ gekommen sei, meinte Herr Stern dem Sinn nach, dass es ihnen jetzt in den Kram passe und weiters, dass es sonst keinerlei wie auch immer geartete Gründe gäbe.
Nach wie vor wollte ich mir keine Live-Sendung entgehen lassen und sagte ihm zu. Um die „Rahmenbedingungen“ auf beiden Seiten abzustecken, vereinbarten wir für 19:30 Uhr bei uns zu Hause ein Treffen.


Für mich war das plötzliche Angebot des „orf“ verwunderlich. Was sie wohl nun wieder aushecken würden?

 

Telefonat mit Erika:

Sie hatte um die Mittagszeit einen Termin bei ihrem Frauenarzt, Herrn Dr. Dinger. Diesem gelang es, wieder eine Ultraschalluntersuchung an Erika vorzunehmen. Erika war nach ihrer Aussage, der ewigen Diskussion und des ewigen Rechtfertigens müde geworden und ließ es geschehen.
Arme Erika, arme Frauen! Was dürfen die männlichen Ärzte noch alles mit euch anstellen?
Jetzt fragte mich Erika, ob ich wissen wolle, was es nun werden wird, ein Mädchen oder ein Junge? Lange brauchte ich nicht zu überlegen, denn mein momentanes Gefühl sagte mir es, unsere Kinder sagten es bereits von Anfang an und auch in verschiedenen, gemeinsamen Überlegungen mit Erika hatten wir es gemutmaßt. Leicht ärgerlich über ihr Nachgeben gegenüber dem Frauenarzt, sagte ich: „Was soll es schon werden? Dass es ein Junge wird, wissen wir doch!“ Lachend bestätigte sie es. Erika erzählte auch, dass Dr. Dinger bereits von Frau Dr. Marcovich informiert worden war, dass wir eine Hausgeburt planten.
Ob es gut war, Frau Dr. Marcovich von unserem Vorhaben zu informieren?
Erika hatte ihre liebe Not mit Olivia, welche darauf bestand, nur die von Erika selbstgekochte Griesnockerlsuppe zu essen und die vom Restaurant strikt verweigerte.


Olivias Werte wie Leukozyten, Entzündungswerte usw. waren einstweilen noch in Ordnung. Vergangenen Montag hatte sie wieder die Chemo erhalten (Vincristin und Adriamycin) und eine Ärztin hatte mir erklärt, dass am kommenden Wochenende mit einer Verschlechterung der Werte gerechnet werden müsse. Wahrscheinlich müsste dann Olivia im Spital bleiben und dürfe nicht nach Hause.

 

Gespräch mit Herrn Stern, „Schijok täglich“ in Maiersdorf:

Er kam zum vereinbarten Termin um 19:30 Uhr. Als er die Stufen zu unserem Stockwerk heraufkeuchte, erkannte ich einen Kettenraucher in ihm. Während des Gespräches langte ich des Öfteren zu meinen Zigaretten, er machte aber keine Anstalten, die seinen hervorzuholen. Schließlich griff er nach den meinen mit der Bemerkung, er habe seine Zigarettenpackung im Auto vergessen, sei aber ein Kettenraucher. Sein Atem ging schwer und sein Husten war tief. Ich hatte wirklich das Gefühl, selbst kaum Luft zu bekommen.
Er selbst war stellvertretender Produktionschef und betreute den medizinischen Bereich.
Vorsichtig tastete er sich im Gespräch vor. Seinen Vorstellungen entsprechend könnte sich die Diskussionsrunde aus bis zu fünf Personen zusammensetzen. Mit dem ehemaligen Gesundheitsstadtrat Herrn Dr. Stacher und mit Frau Dr. Marcovich habe er bereits Verbindung aufgenommen. Es liege an mir, noch weitere Personen vorzuschlagen, bzw. ich könnte auch vorgeschlagene Personen ablehnen. Dr. Hamer wolle er aber auf keinen Fall in der Sendung haben. Die Diskussion solle keine medizinischen Standpunkte erläutern oder versuchen zu klären, was richtig und was falsch sei. Sie solle vielmehr die Situation eines Betroffenen erklären, der das Vertrauen in die orthodoxe Behandlung verloren hatte. Der Sendetermin sei mit 30.1.96 fixiert.
Ich erklärte ihm, dass ich mich als Gast zur Verfügung stellen werde. Ich behielt mir aber vor, zurückzutreten, sollte der Titel der Sendung ähnlich wie „Autismus“ klingen.
„Strohhalm“ oder so ähnlich werde er lauten, versicherte Herr Stern. Er wolle mich auf keinen Fall als psychisch gestört verzerren. Zur Garantie versprach er mir, das erarbeitete Konzept der Sendung, Schritt für Schritt per Fax zu schicken. Er liebe perfekt durchgeplante Sendungen und auch bei dieser würden grob die einzelnen Fragen und ungefähren Antworten der Teilnehmer zuvor festgelegt werden. Er habe Verantwortung zu tragen, was und in welcher Qualität etwas dem Publikum präsentiert werde. Man dürfe mit Scharlatanen in der Bevölkerung keine falschen Hoffnungen wecken. Geistheiler und dergleichen wären für ihn persönlich überhaupt ein rotes Tuch. Sehr wohl aber glaube er an Selbstheilungskräfte. Seiner Ansicht nach wäre ich eine meinungsbildende Persönlichkeit.
Er widersprach sich in seinen Aussagen. Zuerst meinte er, seit 18 Jahren die rechte Hand von Herrn Schijok zu sein; als die Sendung mit dem Geistheiler produziert wurde, war er aber noch nicht dabei.
In unserer Geschichte habe sich der „orf“ selbst falsch verhalten. Dieser hätte niemals polemisieren dürfen, da sich dadurch die Fronten verhärtet hätten. Aber auch innerhalb des „orf“ hätte unsere Geschichte zu großen Debatten geführt.
Ich hatte das Gefühl, einem Mann gegenüber zu sitzen, der genau wusste, wie die „Erziehung der Bevölkerung“ weiter verlaufen sollte. Wozu wollten sie mich in dieser Sendung haben? Was war ihr Plan?
Eine Propagandamöglichkeit für die Neue Medizin wollten sie mir sicher nicht bieten.

 

Telefonat mit Erika:

Richter Masizek und Herr Hofrat Marady waren nach der Konferenz wieder zu ihr und Olivia gekommen. Richter Masizek bat Olivia um eine Zeichnung.


Richter Masizek wollte von Olivia eine Zeichnung! Mir fiel sofort ein, dass innerhalb der letzten drei Wochen bereits mehrere Personen von Olivia eine Zeichnung wollten. Zuerst bat Frau Dr. Marcovich bei ihrem letzten Besuch mit dem „report“-Team darum. Sofort war die Reporterin Frau Pavlicky mit der gleichen Bitte nachgezogen. Der Nächste war Herr Puschler. Er schien bereits mit dem Vorsatz, eine von Olivia gemalte Zeichnung zu bekommen, zu uns gekommen zu sein. Vertraulich machte er mich damals darauf aufmerksam, Olivias Zeichnungen aufzuheben, denn sie könnten eines Tages viel wert sein. Wollte sich jetzt Richter Masizek eine Art von Wertpapier verschaffen?

 

Telefonat mit Mag. Rebasso:

Er berichtete von der Konferenz im AKH. Richter Masizek wolle uns mit Ende der Therapie, konkret am 27.3.96, bis auf die Pflegeverantwortung sämtliches Sorgerecht zurückerstatten. Dann auch wird er die ausständigen Beschlüsse über unsere bisherigen Anträge fassen.
Die Regelung, wann Olivia nach Hause kommen dürfe, obliege ab nun Frau Dr. Slavc und war ab nun somit rein medizinischer Natur. Herr Hofrat Marady werde diesbezüglich jeweils vom AKH verständigt. Die Regelung mit der Passhinterlegung müssten wir beibehalten. Das psychiatrische Gutachten hatte er sich durchgelesen. In den nächsten Tagen werde ich es mit der Post erhalten. Seiner Meinung nach komme aufgrund dieses Gutachtens keine Anklage wegen Kindesmisshandlung zustande. Sicherlich nicht bei Erika, bei mir höchstwahrscheinlich nicht. Sollte ich nicht angeklagt werden, bräuchten wir einstweilen auch kein Gegengutachten erstellen zu lassen.


Ein Gutachten über meine Person eines schulmedizinischen Psychiaters, welcher selbst gerüchteweise im Verdacht stand, exhibitionistische Neigungen zu besitzen! Obendrein musste er aus dem vollständigen Mangel an persönlichen Gesprächen mit uns, an hand des vorliegenden Materials, wie Video und Gerichtsakte, begutachten. Sollte ich mich darüber aufregen? Soll ich mich darüber aufregen, wenn sich ein bemüßigt fühlender Schulmediziner anhand eines Fotos von mir eine „wissenschaftliche“ Abhandlung erstellt? Allein die Tatsache, dass so seitens der Schulmedizin vorgegangen wurde, zeigte, dass sie selbst bereits wie ein psychisch krankes Tier um sich schlug. Sie hat Angst, dass ihr Kartenhaus aus zigtausenden Lügen zusammenbricht.


Laut Mag. Rebasso sind im Gutachten Formulierungen enthalten, ähnlich wie: „Wenn Herr Pilhar von einer Idee überzeugt ist, verfolgt er sie fanatisch und lässt absolut keine Kritik zu.“ Das Wort „fanatisch“ komme überhaupt oft vor im Gutachten. Es wurde aber auch vermerkt, dass ich intelligent sei.
Wenn ich dies von Herrn Mag. Rebasso richtig verstanden habe, so muss ich sagen, dass ich zum Teil richtig eingeschätzt worden war. Kritik vertrage ich aber trotzdem.
Ich erlaube mir, anhand meines Gutachtens, der Schulmedizin einen Spiegel vorzusetzen. „Von einer Idee fanatisch überzeugt zu sein aber keine Kritik zu dulden“, könnte man das nicht trefflich von der schulmedizinischen Onkologie behaupten?
Wo sind denn die Beweise, die die Theorie der Metastasenbildung erhärten könnten, um endlich vom Status einer Hypothese wegzukommen? Wo sind denn die Onkologen, die nicht fanatisch an dieser Idee festhalten und Kritik vertragen?


 

Donnerstag, 18.1.1996:

Olivia und Erika holte ich gegen 13:00 Uhr von Winzendorf ab. Olivia war quietschvergnügt, hatte aber während der Heimfahrt einen Übelkeitsanfall. Den Nachmittag verbrachte sie beim Spiel mit ihren Geschwistern. Veronika sagte zu, Olivia gegen 17:00 Uhr von Winzendorf zu holen und mit ihr ins AKH zu fahren. Erika und ich konnten zu Hause bleiben.

 

Telefonat mit Frau Proser, „Radio Wien“:

Vor ein paar Tagen hatte sie bereits mit Erika Kontakt aufgenommen. Ihr Wunsch war es, uns mit Olivia während eines Tages hindurch zu begleiten. Für kommenden Mittwoch vereinbarten wir das Treffen.
Es läge nicht in ihrem Sinne, über „Richtig“ oder „Falsch“ der Therapie zu berichten. Laut Prof. Dr. Urbanek hatte sie die Auskunft erhalten, dass die meisten Ehen an solch einer Belastung scheitern würden. Vor allem, wie wir diese schwere Situation meistern, war für sie von Interesse.


 

Samstag, 20.1.1996:

Erika brachte meinen Reisepass nach Bad Fischau auf den Gendarmerieposten. Gerade noch zur rechten Zeit, denn Veronika und Olivia durften so lange nicht das AKH verlassen, bis der Beamte vom Gendarmerieposten gemeldet hatte, mein Reisepass sei hinterlegt.
Besuch von Matthias:
Er kam extra aus Salzburg angereist. Er war ein besonderer Mensch. Olivia durfte die Nacht bei uns verbringen. Ihre Werte dürften in „Ordnung“ gewesen sein.


 

Sonntag, 21.1.1996:

Den ganzen Tag über bauten Sepp und ich das Büro in seinem Haus auf unsere Ansprüche um.


Gegen Mittag fuhren wir mit unseren Familien gemeinsam in die nahe Pizzeria.


Erika fuhr mit Olivia ins AKH.


 

Montag, 22.1.1996:

Morgens versuchte ich ein bisschen aufzuräumen und die angefallenen Schreiben, welche sich in der Küche stapelten, einzuordnen. Gegen 14:00 Uhr holte ich Erika und Olivia von Winzendorf. Olivia war wohlauf. Seit uns Matthias besucht hatte, aß sie mit mehr Appetit.


Ich fühlte mich nicht wohl und war irgendwie ausgebrannt. Sicherlich hatte auch das heute erhaltene psychiatrische Gutachten von Prof. Pazl das seine dazu beigetragen.


Die Redaktion von „Schijok täglich“ bat mich um einen Termin für Mittwoch. Zuerst, als ich sie gebraucht hätte, lehnten sie mich ab. Jetzt traten sie mir die Tür ein.
Wozu das Ganze? Wozu soll ich mich noch länger als Schießscheibe missbrauchen lassen. Meiner Meinung nach verfolgten die Medien nunmehr ein Ziel. Sie möchten die Zeit nützen, solange es Olivia noch gut geht, um uns als verworrene Eltern darstellen zu können. Was noch alles auf Olivia zukommen wird, mag niemand vorauszusagen, das ist für die Medien auch momentan uninteressant. Das „Jetzt“ galt es zu nutzen!


Wir hatten eine Lawine losgetreten. Unzählige unangenehme Fragen wurden aufgeworfen. Die Auseinandersetzung darüber müssen nun andere führen. Einmal möchte ich noch in Form meines Tagebuches Stellung beziehen, dann möchte ich mich zurückziehen und wieder ein ganz normales Leben führen.
Die Aussichten, mit Sepp gemeinsam eine berufliche Verbindung einzugehen, ist mir viel wichtiger als diese unnötigen und aufreibenden Auftritte im Fernsehen und diese Interviews an Zeitungen. Mein Glück und mein Heil kann auch ich nur in meinem Inneren finden. Ich sehne mich nach Ruhe.

 

Telefonat mit Herrn Stern „Schijok täglich“:

Ich sagte ab, als Studiogast in der Sendung aufzutreten. Er war verwundert und meinte, ich dürfe mich doch nicht jetzt nach dem verursachten Schaden einfach zurückziehen. Frau Dr. Marcovich und Dr. Stacher hatten bereits zugesagt.
Meine Absage war ihm gar nicht recht, und er versuchte mich umzustimmen. Ich hätte etwas zu sagen, war sein Tenor. Auch könnte ich mein Tagebuch ankündigen und auch verschiedene Klarstellungen treffen. Er bezeichnete diese Sendung als Chance für mich, meiner Familie zu helfen, sie wieder ins rechte Licht zu rücken.


 

Dienstag, 23.1.1996:

Gegen 17:00 Uhr trafen wir uns mit Ingrid in Wr. Neustadt am Bahnhof. Erika fuhr nach Hause, Ingrid kam mit uns ins AKH. Im Cafe trafen wir auf Herrn Achtert. Helmut Achtert ist Lehrer, führt aber auch eine Naturheilpraxis und kennt Dr. Hamers Neue Medizin. In einem mehrstündigen Besuch im Krankenzimmer lernten wir uns kennen ...
Gegen 21:00 Uhr kam Herr Marian und brachte das korrigierte Tagebuch. Auch Sigrun war bei diesem Treffen im Cafe dabei.


 

Donnerstag, 25.1.1996:

Während der Heimfahrt im Zug korrigierte ich mein Tagebuch am PC.
Zu Hause angekommen, war bereits Matthias auf Besuch. Als er mich durch die Küchentür hereinkommen sah, meinte er, ich hätte so kleine Augen, als ob ich gerade etwas Kleingedrucktes angestrengt gelesen hätte. Matthias verblüffte mich immer mehr. Auch meinem Schwiegervater hatte er knapp zuvor seine sämtlichen Erkrankungen aufgezählt. Er aß mit uns zu Mittag.


 

Freitag, 26.1.1996:

Erika gelang es, Olivia bereits für heute nach Hause zu bekommen.


 

Samstag, 27.1.1996:

Fast den ganzen Tag verbrachte ich im Büro bei Sepp und versuchte meinen Computer anzupassen.


Herr Marian brachte das fast fertiggestellte Porträt von Olivia. Es war gelungen. Silvia und meine Mutter, welche gerade zu Besuch waren, wollten unbedingt davon eine Kopie.


 

Sonntag, 28.1.1996:

Vormittags half uns Sepp, das Kinderzimmer umzustellen. Wir ordneten das Kinderbett derart im Zimmer an, damit die Störstrahlen daran vorübergingen. Mit Großvater besprachen wir kurz unsere Absicht, das Haus umzubauen und zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Großvater war sofort begeistert.


Am frühen Nachmittag fuhr Erika mit den Kindern zu Ingrid, die uns zum Mittagessen eingeladen hatte. Ich blieb aber zu Hause, da ich noch ein Bewerbungsschreiben zusammenstellen musste. Den Nachmittag verbrachte ich bei Sepp.


Um 18:00 Uhr machten wir uns auf den Weg ins AKH.

 

AKH:

Olivia hatte 22,7 kg Körpergewicht. Obwohl sie zu Hause vor der Abreise einen ganzen Teller Suppe gegessen hatte, bat sie mich, ihr ein Wurstbrot zuzubereiten, welches sie auch noch zur Hälfte aufaß.

 

Telefonat mit Dr. Hamer:

Ich teilte ihm Olivias relativ guten Gesundheitszustand mit. Er riet mir, sobald wie möglich Einsicht in die Krankengeschichte zu nehmen und besonderes Augenmerk zu richten auf: Kreatininwerte, Harnstoffwerte in der Zeit rund um die Operation, sowie den histologischen Befund und auf die Befunde rund um Olivias Einlieferung in das AKH. Seiner Meinung nach hatte Olivia bei der Einlieferung einen Atemstillstand. Ich solle Werte und Befunde einfach abschreiben. Weiters solle ich auf diverse Korrespondenz achten.
Er warnte mich, zu großen Optimismus aufkommen zu lassen, sollte aber gleichzeitig versuchen, genügend Optimismus Olivia und Erika gegenüber auszustrahlen.
Gott gebe mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann...


 

Montag, 29.1.1996:

AKH:

Während der Nacht war Olivia mehrfach munter und stöhnte laut, schlief aber immer wieder rasch ein. Gegen 7:00 Uhr morgens musste ich ihr den Topf ans Bett bringen, dann schliefen wir bis 8:15 Uhr, bis uns eine Schwester, welche das Frühstück brachte, weckte.


Etwas später wurde bei Olivia die übliche, morgendliche Blutprobe genommen. Da ihre Infusionen noch nicht zur Gänze leer waren, musste der Arzt ein zweites mal am Vormittag kommen und sie dann von der künstlichen Ernährung abhängen.
Routinegemäß wurde ihre Körpertemperatur und Körpergewicht erfasst. Sie hatte 37,05° C und 22,9 kg.
Die Zeit bis zum Abhängen der Infusionen nützte Olivia zum Fernsehen. Ein Frühstück nahm sie morgens nie zu sich. Dies war auch durch die ununterbrochene künstliche Ernährung von ca. 2 Litern während der Nacht verständlich.
Meistens kam die Lehrerin zu uns ins Zimmer, um Olivia zum Unterricht abzuholen. Eine neue Regelung war getroffen worden. Ab nun ging der Schulunterricht bis 11:00 Uhr und anschließend bis 11:30 Uhr die Physiotherapie. Es hatte sich eingebürgert, dass wir mit Olivia um 11:30 Uhr das AKH verließen, um nach Hause zu fahren.
Heute, als ich den Ausgangsschein holen wollte, eröffnete mir eine Ärztin, dass Olivias Leukozyten (weiße Blutkörperchen) einen kritischen Wert von 1000 erreicht hätten. Es sei somit unbedingt erforderlich, dass Olivia einen Mundschutz tragen müsste. Auch die roten Blutkörperchen seien auf ein gefährliches Maß gesunken, könnten aber durch ein spezielles Medikament wieder hochstimuliert werden. Dieses Medikament musste Olivia somit noch vor unserer Heimreise gespritzt werden.
Abgesehen von der Unmöglichkeit, noch rechtzeitig unseren Zug nach Hause zu erwischen, war ich von den Eröffnungen der Ärztin betroffen. Seit Tagen war es Olivia dermaßen gut gegangen, dass wir große Zuversicht hatten. Jetzt wurde ich wieder auf den Boden der Realität zurückgestoßen.
Wir holten uns den Mundschutz und fuhren heim. Noch nie musste Olivia bisher Mundschutz tragen!


Der Mundschutz machte nun auf der Straße noch mehr Menschen auf Olivia aufmerksam als sonst. Sehr viele schienen sie zu erkennen.
Während der Heimreise erkannte ich dunkle Ringe um Olivias Augen. Diese verfluchte Chemo! Dieses Gift lässt einem keine Chance!


Zurück im AKH kam Herr Dr. Zevaluschi, um die künstliche Ernährung wieder an den ständigen Herzkatheder bei Olivia anzuschließen. Begleitet wurde er von einer Schwester. Üblich waren zwei große Flüssigkeitsbeutel, einer mit einer gelben, wässrigen Lösung, der andere mit einer weißen Fettlösung und eine große Spritze mit einer farblosen Flüssigkeit. Die Flüssigkeiten der Beutel wurden über jeweils eine volumetrische Infusionspumpe und die der Spritze über einen Perfusor Olivia zugeführt.
Alles war übliche Routinearbeit. Die Schwester hängte die Beutel an den zweimetrigen Ständer und spannte die weichen Kunstoffschläuche in die Pumpen ein. Die Spritze klemmt sie in den Perfusor und legte die drei Enden der Schläuche dem Arzt bereit, damit dieser sie an den Herzkatheder anschließen konnte. Dazu musste sich der Arzt feine Plastikhandschuhe anziehen, damit der Verteiler auch nach der Entfernung der Schutzumwicklung keimfrei blieb.
Ich lag neben Olivia auf ihrem Bett und beobachtete den Vorgang. Dabei fiel mir auf, dass in einem der Schläuche mehrere Luftblasen waren, und noch bevor ich den Arzt darauf aufmerksam machen konnte, verließ er nach Fertigstellung des Anschlusses das Zimmer, da er über sein Piepserl gerufen worden war. Ich machte die Schwester auf die Lufteinschlüsse aufmerksam. Sie erklärte, nochmals den Arzt zu rufen und stellte die Pumpen wieder ab.
Nach gut einer Stunde kam wieder eine Schwester vorbei, diesmal eine andere, welche anscheinend über den Sachverhalt informiert worden war. Sie teilte mir mit, dass in Bälde der Arzt kommen werde. Eine Ärztin kam und schloss den bewussten Schlauch wieder ab und ließ die Luft entweichen, dann steckte sie diesen wieder in den Verteiler. Auch sie hatte hierfür dünne Plastikhandschuhe angezogen. Die Schwester hatte bei diesem Vorgang die Aufgabe, den Verteiler von der Schutzhülle zu befreien, diesen dann in der Schutzumhüllung offen niederzulegen und nach getaner Arbeit des Arztes ihn wieder fest mit keimfreien Wickeln zu umbinden.
Diesmal klappte aber auch die Arbeit der Krankenschwester nicht. Nachdem die Ärztin das Zimmer verlassen hatte, vergaß die Schwester, ihre Arbeit zu Ende zu führen und ging ebenfalls. Der Verteiler lag in seiner alten, nassen Umwicklung, ohne mit einem Klebeband umwickelt worden zu sein. Olivia blickte mich vorwurfsvoll an und sagte: „Schau Papa! Jetzt haben sie wieder vergessen, den Verteiler zu umwickeln. Einfach schlampig!“
Wir riefen nochmals die Schwester.


 

Dienstag, 30.1.1996:

Die Nacht verbrachte Olivia relativ gut. Nur selten hörte ich sie stöhnen.


Nachdem ich mein Frühstück zu mir genommen hatte, überlegte ich, auf dem Balkon eine Zigarette rauchend, dass, seitdem wir in dieses Zimmer übersiedelt waren, ich nicht mehr auf Prof. Dr. Urbanek getroffen war. Oder dachte ich diesen Gedanken, weil eine feinstoffliche Quelle ihn mir eingegeben hatte? Jedenfalls leitete die morgendliche Visite Prof. Dr. Urbanek. Kaum gedacht, hatte ich bereits das Vergnügen. „Ja, ja. Die Leukozyten sind gesunken. Aber wenn wir es bisher geschafft haben, werden wir es auch noch weiterhin schaffen.“, meinte er zu Olivia und mir.
„Ja, ja. So kann man sich ein naives Alibi verschaffen und weiter Giftdosen einem kindlichen Körper verabreichen“, dachte ich bei mir. Misstrauisch war der Blick des Arztes, misstrauisch war ich ihm und seiner Pseudotherapie gegenüber. Ich kündigte an, bei nächster Gelegenheit mit unserem Vertrauensarzt Dr. Leibold, Einblick in die Krankengeschichte nehmen zu wollen.


Olivia hatte 35,7°C Körpertemperatur und 23,3 kg Körpergewicht. Nach dem Abwiegen musste sie aber auf die kleine Seite (österreichisch für: aufs Klo gehen).


Ist es normal, dass ein Chemotherapiertes Kind über 4,5 Monate hinweg jede Nacht an künstliche Ernährung angehängt werden muss? Kann man von Heilung sprechen, wenn sie nach dem Raster eines internationalen Protokolls Giftspritzen erhält?
Sitzen wir hier nicht einem „internationalen“ Schwindel auf?


Vormittags kam Helga auf Besuch. Sie brachte verschiedene Süßigkeiten mit, welche Olivia aber alle links liegen ließ. Morgens brachte sie keinen Bissen runter. Wie sollte sie auch, wenn sie soeben eine 12-stündige künstliche Ernährung erhalten hatte?
Während Olivia unterrichtet wurde, ging ich mit Helga ins Cafe. Sie erklärte sich optimistisch, dass unser Fall schließlich doch noch einen gewaltigen Umdenkprozess in der Bevölkerung auslösen werde.


Nach Auskunft einer Ärztin sei die Leukozytenanzahl auf 1700 gestiegen.


Nach der Schule brachte Helga Olivia in die Physiotherapie. Dr. Seidl, anscheinend ein Spezialist in der menschlichen Motorik, beobachtete Olivias Fortschritte in ihrer Bewegungsmöglichkeit der Füße und Beine. Olivia musste auf einem flachen Kegel hin- und herwippen und gleichzeitig das Gleichgewicht halten, wurde aber durch die Physiotherapeutin gestützt. Doktor Seidl schien zufrieden zu sein.
Sie wurde gelobt, als hätte sie sich speziell für weitere Fortschritte in ihrer Motorik bemüht! Es erschien mir so pervers. Ein Gift zerstört Olivias Nerven und schränkt dadurch ihre Beweglichkeit ein. Setzte man das Gift aus, konnte sich Olivias Körper erholen. Hatte sie sich erholt, fuhr man mit der Giftverabreichung weiter fort.


In meiner Schulzeit hatte ich doch von ähnlichen Experimenten mit Patienten aus jüngster Vergangenheit gehört. In welcher Zeit war das noch? Ach, hätte ich doch im Geschichtsunterricht aufgepasst!


Wegen der ach so wichtigen Physiotherapie und wegen der ach so wichtigen Begutachtung mussten wir, ach, leider eine Stunde auf den nächsten Zug warten. Zwei Wochen ohne Chemo, in denen Olivia mit ihren Geschwistern im Garten hätte herumtoben können, hätte den beiden „Therapeuten“ die Berechtigung ihrer Arbeit genommen!


Zu Hause angekommen, aßen wir zu Mittag. Mittlerweile hatte auch Olivia Appetit bekommen und leerte ihren Suppenteller. Danach ging sie mit ihren Geschwistern spielen. Nina, die Tochter von Sepp und Maria, war auf Besuch. Alexander vertrieb sich die Zeit mit einem Spiel am Kinderlaptop, die Mädchen schminkten sich a la Cats. Erika litt an einer leichten Grippe und war ziemlich schlapp. Ich schrieb an meinem Tagebuch weiter. Morgen sollte ich es vereinbarungsgemäß an Geerd zum Verlegen schicken.

 

Telefonat mit Dr. Hamer:

Er erklärte mir, dass er nun bald seine Approbation zurückerhalten werde. Der Grund war simpel. In Deutschland besagt das Gesetz, dass ein Approbationsentzug maximal für 10 Jahre andauern darf, und diese 10 Jahre waren nun fast zur Gänze um.
Mittlerweile hatte er auch einige Akten über die deutsche Staatsanwaltschaft erhalten. Daraus wären recht interessante Schlussfolgerungen zu ziehen, meinte er. So sei z.B. daraus ersichtlich, dass bereits vor unserem Fall beschlossen worden war, bei einer positiven Überprüfung der Neuen Medizin das Ergebnis doch noch geheim zu halten, damit die Bevölkerung nicht verunsichert werde.


Gegen 18:00 Uhr brachte ich Olivia nach Winzendorf zum Zug. Veronika holte sie ab und fuhr mit ihr ins AKH. Ich fuhr weiter zu einem Treffen mit Ingrid und einer Freundin, welche vor ca. 6 Monaten mit ihrer Familie nach Peru ausgewandert war und nun mit ihren beiden Söhnen auf einen längeren Besuch wieder zurück bei ihren Eltern war.
Fernweh ergriff mich, als ich die schönen Landschaftsfotos durchschaute. Sehnsucht, diesem Horror in Österreich zu entfliehen, war kurz dominant, - aber nur kurz. Mein Platz war hier und im Jetzt, das war mir bewusst! Irgendwie werden wir alles durchstehen, so leicht wollte ich nicht aufgeben, konnte es auch durch die Umstände gar nicht.
Später ging ich mit Ingrid noch essen. Auf dem Weg ins Restaurant erhielt ich einen erschütternden Anruf. Herr Berger, den ich bei der Demonstration am Stefansplatz kennen lernte und vor zwei Wochen im AKH wieder traf, klagte mir sein Leid.
Er war „Hamer-Patient“. Als ich ihn das erste Mal traf, hatte er ein ausgeglichenes Leben geführt. Mittlerweile war ihm seine Lebensgefährtin abhanden gekommen, und sein Firmenkompagnon hatte ihn im Stich gelassen. Sein alter Konflikt war wieder ausgebrochen. Obendrein quälte er sich seit Monaten mit einer Verkühlung herum, welche er einfach nicht los bekam. Deshalb war er ins AKH gegangen, damit man ihn mit Antibiotika behandeln sollte. Sein Krebs war wieder aktiv geworden. Er ließ ein Schädel-CT erstellen, welches man ihm nicht zeitgerecht aushändigen wollte. Er hatte aus seiner Überzeugung über die Richtigkeit der Neuen Medizin im AKH keinen Hehl gemacht. Er wusste genau, warum sein Krebs wieder aktiv geworden war. Jetzt aber hatte man ihn in ein anderes Krankenhaus überstellt, in eine psychiatrische Abteilung. Ich war schockiert. So ging man mit Hamer-Patienten um! An seiner undeutlichen Aussprache erkannte ich, dass er bereits eine Veränderung durchgemacht haben musste. Vor 14 Tagen konnte er noch normal sprechen. Es war für mich schwer abschätzbar, was wirklich vor sich gegangen war. Ich versicherte ihm, mich jederzeit anrufen zu können.


In welchem System leben wir?

 

Schreiben von Frau Connery:

Vor zwei Jahren ersuchte ich um ein CT des Kopfes (Dr. Hejda, Mödling), ohne Kontrastmittel, und es wurde mir - ohne Gegenfrage zu stellen - ein Termin vorgeschlagen. Ich hatte allerdings eine ärztliche Überweisung.
Dieses Mal spielte sich die Terminbestellung in etwa so ab:
Ich ersuche um einen Termin für ein CT des Kopfes.
„Ja, bitte sehr, um welche Beschwerden handelt es sich?“ „Schwindel, Übelkeit, Migräne; was kostet ein CT privat?“
„Warum wollen Sie es privat machen lassen, es zahlt ja die Krankenkasse?“
„Ich habe vor zwei Jahren eines erstellen lassen, und es war nichts zu sehen. Ich glaube, dass es mir die Kasse nicht noch einmal bewilligen wird.“
„Dann sollten Sie eine Magnetresonanz erstellen lassen, es wäre der Gehörnerv sichtbar, und hätte diese ...“ (Aufzählung von verschiedenen Vorteilen)
„Nein, ich möchte doch lieber beim CT bleiben - und zwar ohne Kontrastmittel bitte!“
„Aha, von daher weht der Wind, Sie glauben also nicht an die RICHTIGE Schulmedizin!?“ (Ihre Stimme klang erschreckend gehässig) „Wer ist Ihr Arzt?“


Es erfolgte anschließend eine Reservierung.
Für mich ist dieser Vorfall erschütternd. Denn es zeigt mir, dass der Fall OLIVIA seine Wirkung hinterlassen hat. Die Schulmedizin hat anscheinend reagiert. Vielleicht wurden alle Röntgenologen und besonders jene, die sich dadurch auffällig gemacht haben, dass sie vermehrt CT ohne ärztliche Verschreibung sowie ohne Kontrastmittel erstellen, mittels Rundschreiben unter Druck gesetzt. Unter Umständen wurden ihnen scharfe Damen als Rezeptionisten in die Ordination gesetzt ... als Kontrolle sozusagen.


Somit wird zweierlei erreicht: Zum ersten werden Hamer-Patienten von vornherein abgeschreckt und zum zweiten wird in Hinkunft dadurch erreicht, dass die für eine Diagnose nach der Neuen Medizin so wichtigen drei Ebenen (Psyche, Gehirn, Organ) unterbunden werden.


Somit wäre es für die Zukunft fast unmöglich gemacht oder zumindest sehr erschwert, nach Hamers Neuer Medizin exakt zu arbeiten.


Ich hatte jedenfalls kein gutes Gefühl mehr, diesen Termin einzuhalten. Mir ist die Technik in dieser Röhre zu wenig bekannt und so wollte ich mich nicht einem rein zufälligen längeren Braten meines Gehirns aussetzen. Außerdem widert es mich an, mich mit dieser scharfen Dame in eine Diskussion einzulassen, denn es ist eine ungeheure Frechheit, mir über das Telefon eine Wertung à la gehässige MEDIENKAMPAGNE abzugeben.


Soweit das Schreiben dieser Patientin. Soweit das Vorgehen der Schulmedizin. Bilden Sie sich selbst eine Meinung!



Mittwoch, 31.1.1996:

Vormittags brachte ich mein Tagebuch (1. Teil) nach Burgau zum Versand. Gegen 14:00 Uhr kam Herr Dr. Martin Zimper, und wir arbeiteten am Drehbuch weiter.

 

Telefonat mit Sigrid:

Sie faxte mir eine Abschrift vom „orf“-Teletext.

 

„orf“- Teletext S652/3

Krankenhausmitarbeiter, die bei Chemotherapien mit krebshemmenden Präparaten umgehen, können dadurch ihr eigenes Krebsrisiko erhöhen.
In 102 Spitälern wurden in fast allen Fällen erhebliche Mängel beim Umgang mit Zytostatika festgestellt.
Diese Substanzen können das Zellwachstum bremsen und so dadurch Krebskranke retten. Bei Gesunden erhöhen sie aber das Krebsrisiko.
Im Körper mehrerer Pfleger wurden Rückstände von Zytostatika gefunden. Die Sicherheitsvorkehrungen sollen nun verbessert werden.


„Diese Substanzen können das Zellwachstum bremsen und so dadurch Krebskranke retten. Bei Gesunden erhöhen sie aber das Krebsrisiko.“ Für wie dumm werden wir verkauft? Krebskranke sollen gerettet werden, bei Gesunden erhöht sich aber das Krebsrisiko! Stammt diese Behauptung von Schizophrenen oder ist sie für Schizophrene bestimmt?


Erika erzählte mir anlässlich dieses Schreibens, dass sie von einer Pflegerin aufmerksam gemacht worden war, mit Olivias Ausscheidungen als Schwangere ja nicht in Berührung zu kommen, da sie sonst den Fötus durch Zytostatikarückstände gefährden würde!
Eine schwangere Mutter, die ihr „therapiertes“ Kind nicht mehr küssen darf, die Angst vor dem Kontakt mit ihrem eigenen Kind haben muss!