die Presse - Vater einer Schlagzeile: Olivia-Photo für Zeitung

die Presse, 10.08.1995

zeitungsartikel


Vater einer Schlagzeile: Olivia-Photo für Zeitung

Helmut Pilhar schoß ein Photo von seiner todkranken Tochter und ließ es auf der Titelseite einer Wochenzeitung abdrucken."

WIEN (g. h.). „Olivias Leben hängt an Schläuchen und Drähten“, titelt „Die ganze Woche“ in ihrer jüngsten Ausgabe. Den Beweis liefert das Boulevard-Blatt großflächig dazu. Olivias Todeskampf in Farbe auf Hochglanzpapier. Photographiert wurde das Mädchen von seinem Vater. Und das, obwohl ihm vom gesetzlichen Vormund seines Kindes Bildberichterstattung in eigener Sache verboten worden war.

In einer schriftlichen Erklärung erläutert Helmut Pilhar sein Vorgehen: „Am Sonntag erlaubte ich mir, ein Photo von Olivia mit Mutter zu machen. Sofort trat ein Pfleger an mich heran und meinte, es wäre verboten Photos zu schießen. Mein Recht als Vater, von meiner eigenen Tochter ein vielleicht letztes Erinnerungsphoto zu besitzen, ignorierte er.“ Das „Erinnerungsphoto“ wurde zum Titelbild.

„Das Bild ist auf Wunsch des Vaters veröffentlicht worden“, erklärte „Woche“-Chefredakteur Ben Ehgartner der „Presse“. „Ich habe für das Photo kein Geld genommen“, sagte Helmut Pilhar, „‚News’ hätte mir 20.000 Schilling dafür angeboten.“ Beim, Wochenmagazin „News“ bestreitet man Pilhars Darstellung: „Natürlich hätten wir auch gerne das Phote gehabt, aber nur zum Preis eines normalen Photo-Honorars.“

Um den „Schnappschuß“ aus der Intensivstation zu schmuggeln, bediente sich Pilhar eines simplen Tricks: Bevor die Ärzte die Kamera beschlagnahmten, „merkte ich, daß auch unser Zweitapparat in der Tasche meiner Frau war“, berichtete Pilhar. Der Vater gab ganz einfach den falschen Apparat ab. In diesem befand sich nur ein leerer Film.