die Presse - Neue Kehrtwendung im "Fall Olivia / Hungerstreik gegen Chemotherapie
die Presse, 28.07.1995
Neue Kehrtwendung im „Fall Olivia“
Hungerstreik gegen Chemotherapie
Eklat um die krebskranke Olivia Pilhar: Nach einer nächtlichen Einigung mit den Ärzten in Tulln wehrt sich nun der Vater wieder gegen die Überlebensnotwendige Chemotherapie.
VON GERHARD HOFER
WIEN/TULLN. „Nach der heißen Verhandlungsrunde wurde endlich ein Konsens mit den Eltern gefunden“, zeigte sich der Tullner Kinderfacharzt Hanns Vanura gestern mittags bei einer Pressekonferenz im Tullner Spital noch erleichtert. Die Eltern Pilhar hatten in der Nacht schließlich doch in eine Chemotherapie eingewilligt. Mit der Behandlung hätte heute begonnen werden sollen.
Doch um 17.15 Uhr waren alle Hoffnungen wieder zunichte. Der „Wunderheiler“ Geerd Ryke Hamer meldete sich beim ORF und teilte lapidar mit, daß die Eltern ihre Zustimmung zurückzögen. Im Spital wußte man zunächst nichts davon.
Wenig später wurden die Befürchtungen Gewißheit: Vater Helmut Pilhar gab bekannt, daß er aus Protest gegen die Chemotherapie in den Hungerstreik trete. Und mit ihm „viele andere“. Er wisse nur, daß es nicht angehe, daß der Staat über das Leben seiner Tochter verfügen könne. „Die Chemotherapie bringt Olivia um“, sagte er zur „Presse“.
Um 18 Uhr rief Helmut Pilhar dann im Spital an und forderte, sein Kind sofort herauszugeben. Daraufhin riegelte die Gendarmerie auf Befehl des Bezirkshauptmannes das Krankenhaus hermetisch ab. Drinnen begannen neuerlich hektische Verhandlungen zwischen Bezirkshauptmann Zimper, dem zuständigen Amtsarzt, der Mutter Olivias und der „Vertrauensärztin“ Marina Marcovic.
Olivia sei geschwächt, könne kaum noch gehen, habe Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme und Schmerzen, erklärte Dr. Vanura, bevor er am Abend nach Wien fuhr. Der Befund Olivias war von zwei Ärzten unabhängig voneinander begutachtet worden. Einhellige Meinung: Der Tumor ist derzeit nicht operativ zu entfernen. Eine Chemotherapie ist notwendig, um das Geschwür operationsfähig zu machen. Nach vier bis sechs Wochen könne man über einen Operationstermin sprechen.
Der Tumor im Bauch geht von der rechten Niere aus und hat derzeit bereits einen Durchmesser von 24 Zentimetern. Er drückt auf Leber und Lunge, die Funktion der beiden Organe ist aber noch nicht beeinträchtigt. Die positivste Nachricht des Mediziners: „Es gibt keinen Hinweis auf Metastasen.“
Am Abend kam es dann zum Kräftemessen zwischen Helmut Pilhar und Bezirkshauptmann Zimper, der ja der rechtliche Vormund Olivias ist. Der 30jährigen Vater von Olivia wollte ins Spital zu Mutter und Kind, Zimper spazierte stattdessen mit ihm eine Dreiviertelstunde lang durch den Spitalspark und beschwor ihn zum Nachgeben. Vergebens. Inzwischen trafen auch die ersten „Jünger“ Hamers ein, um die Pilhars in ihrem Widerstand zu ermutigen. Nach mehreren Stunden verließ Pilhar mit dem Bezirkshauptmann den Schauplatz.
Die oststeirische Gemeinde Burgau hat übrigens die Entscheidung, ob der Mietvertrag mit Hamers „Amici di Dirk“-Verlag im Schloß gekündigt wird, auf Herbst verschoben. „Wenn die Wellen so hoch schlagen, ist es nicht sinnvoll, eine Diskussion darüber zu führen“, meinte Bürgermeister Hermann Wallner zur „Presse“.
Unklar ist, wie hoch bei einer Kündigung die Ablöse wäre - laut Wallner gebe es für die Räume im Schloß auch keine anderen Interessenten.
Hungerstreik gegen Chemotherapie
Eklat um die krebskranke Olivia Pilhar: Nach einer nächtlichen Einigung mit den Ärzten in Tulln wehrt sich nun der Vater wieder gegen die Überlebensnotwendige Chemotherapie.
VON GERHARD HOFER
WIEN/TULLN. „Nach der heißen Verhandlungsrunde wurde endlich ein Konsens mit den Eltern gefunden“, zeigte sich der Tullner Kinderfacharzt Hanns Vanura gestern mittags bei einer Pressekonferenz im Tullner Spital noch erleichtert. Die Eltern Pilhar hatten in der Nacht schließlich doch in eine Chemotherapie eingewilligt. Mit der Behandlung hätte heute begonnen werden sollen.
Doch um 17.15 Uhr waren alle Hoffnungen wieder zunichte. Der „Wunderheiler“ Geerd Ryke Hamer meldete sich beim ORF und teilte lapidar mit, daß die Eltern ihre Zustimmung zurückzögen. Im Spital wußte man zunächst nichts davon.
Wenig später wurden die Befürchtungen Gewißheit: Vater Helmut Pilhar gab bekannt, daß er aus Protest gegen die Chemotherapie in den Hungerstreik trete. Und mit ihm „viele andere“. Er wisse nur, daß es nicht angehe, daß der Staat über das Leben seiner Tochter verfügen könne. „Die Chemotherapie bringt Olivia um“, sagte er zur „Presse“.
Um 18 Uhr rief Helmut Pilhar dann im Spital an und forderte, sein Kind sofort herauszugeben. Daraufhin riegelte die Gendarmerie auf Befehl des Bezirkshauptmannes das Krankenhaus hermetisch ab. Drinnen begannen neuerlich hektische Verhandlungen zwischen Bezirkshauptmann Zimper, dem zuständigen Amtsarzt, der Mutter Olivias und der „Vertrauensärztin“ Marina Marcovic.
Olivia sei geschwächt, könne kaum noch gehen, habe Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme und Schmerzen, erklärte Dr. Vanura, bevor er am Abend nach Wien fuhr. Der Befund Olivias war von zwei Ärzten unabhängig voneinander begutachtet worden. Einhellige Meinung: Der Tumor ist derzeit nicht operativ zu entfernen. Eine Chemotherapie ist notwendig, um das Geschwür operationsfähig zu machen. Nach vier bis sechs Wochen könne man über einen Operationstermin sprechen.
Der Tumor im Bauch geht von der rechten Niere aus und hat derzeit bereits einen Durchmesser von 24 Zentimetern. Er drückt auf Leber und Lunge, die Funktion der beiden Organe ist aber noch nicht beeinträchtigt. Die positivste Nachricht des Mediziners: „Es gibt keinen Hinweis auf Metastasen.“
Am Abend kam es dann zum Kräftemessen zwischen Helmut Pilhar und Bezirkshauptmann Zimper, der ja der rechtliche Vormund Olivias ist. Der 30jährigen Vater von Olivia wollte ins Spital zu Mutter und Kind, Zimper spazierte stattdessen mit ihm eine Dreiviertelstunde lang durch den Spitalspark und beschwor ihn zum Nachgeben. Vergebens. Inzwischen trafen auch die ersten „Jünger“ Hamers ein, um die Pilhars in ihrem Widerstand zu ermutigen. Nach mehreren Stunden verließ Pilhar mit dem Bezirkshauptmann den Schauplatz.
Die oststeirische Gemeinde Burgau hat übrigens die Entscheidung, ob der Mietvertrag mit Hamers „Amici di Dirk“-Verlag im Schloß gekündigt wird, auf Herbst verschoben. „Wenn die Wellen so hoch schlagen, ist es nicht sinnvoll, eine Diskussion darüber zu führen“, meinte Bürgermeister Hermann Wallner zur „Presse“.
Unklar ist, wie hoch bei einer Kündigung die Ablöse wäre - laut Wallner gebe es für die Räume im Schloß auch keine anderen Interessenten.
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