der Standard - Ärzte einigten sich auf Behandlung Olivias

der Standard, 26.07.1995

zeitungsartikel


Ärzte einigten sich auf Behandlung Olivias

Ergebnis der Verhandlungen geheim, „um Druck zu nehmen“


Wien - Drei Stunden lang beriet Dienstag nachmittag ein Ärtztekonsilium im St. Anna Kinderspital über die weitere Behandlung der krebskranken Olivia Pilhar. Anwesend war auch der Wiener Neustädter Bezirkshauptmann-Stellvertreter Heinz Zimper, der das Fürsorgerecht für das sechsjährige Mädchen „verwaltet“. Der trat um 18 Uhr schließlich vor die versammelte Presse: „Es hat interessante Ergebnisse gegeben. Ich kann Ihnen den Weg aber nicht skizzieren.“ Mehr wollte der Behördenvertreter nicht über das Ergebniss der Verhandlungen sagen, „um den Druck von Olivia zu nehmen“. Die Eltern des kranken Mädchens nahmen übrigens nicht an diesem Gespräch teil.

Sechs Ärzte hatten sich am Dienstag nachmittag im St. Anna Kinderspital unter der Leitung von Helmut Gadner, dem Chef der Klinik, zusammengefunden, um Olivias weitere medizinische Behandlung zu besprechen. Ohne Olivias Eltern konnte aber freilich zu keiner Einigung gefunden werden. Behördenvertreter Zimper meinte aber, daß die Familie Pilhar wohl mit der jetzt besprochenen Vorgangsweise einverstanden sein werde. Der erste Schritt: „Sehr umfangreiche Untersuchungen.“

Marina Marcovich, die ebenfalls an dem „Ärztegipfel“ teilnahm, zeigte sich erschöpft: „Ich habe in den letzten Tagen so viel geredet, so viel verhandelt.“ Die Neonatologin ist aber erleichtert: „Als ich gesehen habe, wie man mit Olivia in Malaga umgeht, habe ich gewußt, sie muß zurück.“

Olivia Pilhar und ihre Eltern sind seit Montag wieder zu Hause. Gendarmen bewachen die Familie auf Anordnung Heinz Zimpers von der Bezirkshauptmann von Wr. Neustadt. Das dortige Jugendamt hat nach wie vor das Sorgerecht für Olivia.

Für Marcovich ist vordringlich, daß „ein Konsens zwischen Schulmedizin und Neuer Medizin gefunden werden muß, den die Eltern akzeptieren“. Das scheint nun gelungen zu sein. Den ersten Schritt in diese Richtung hatte Marcovich bereits in Malaga gesetzt. Sie und der österreichische Konsul Walter Esten unterfertigten ein Schreiben, in dem sie versicherten, daß nichts gegen den Willen der Eltern getan wird. Daran wolle man sich halten. Hinzu kam die Zusage Heinz Zimpers, daß bei einer Rückkehr die Rückgabe des Sorgerechts unterstützt werde.

Marcovich unterstrich, daß die Methoden der Neuen Medizin gar nicht so weit von der Schulmedizin abwichen. Bei beiden stünde am Ende ein operativer Eingriff, lediglich „die Vorbereitungen sind anders“, so Marcovich. Hinzu komme, daß Ryke Geerd Hamer es besser verstanden habe, auf die Eltern einzugehen als Gadner. Gadner zeigte sich bis zuletzt davon überzeugt, daß eine Chemotherapie die einzige Möglichkeit ist - falls eine Operation nicht durchzuführen ist. Dazu brauche er ein umfassendes Einverständnis der Eltern. „Ich kann nicht wegen jeder Spritze um Erlaubnis bitten“, so Gadner. (fei/simo)