KURIER - Hamer-Jünger machen Terror
KURIER, 18.08.1995
Hamer-Jünger machen Terror
Telefondrohungen gegen Spitalsärzte und Stadtrat/Patientenanwalt wurde in der Nacht Pizza zugestellt/Olivia konnte aufstehen
Karin Mück
„Versammlungen“ von Hamer-Jüngern im Foyer des AKH, Flugblätter, die in ganz Wien - auch in Großkaufhäusern - verbreitet werden und in denen Krebs als harmlos bezeichnet wird, wüste Beschimpfungen und sogar Androhungen von Tätlichkeiten an die Adresse der behandelnden Ärzte im AKH, Anrufe im Büro des Wiener Gesundheitsstadtrates Sepp Rieder („Ihr seid's wie die Nazis, ihr bringt's die Kinder in den Krankenhäusern um . . .“).
Bisheriger Gipfelpunkt: Patientenanwalt Viktor Pickl erhielt nicht nur Drohanrufe in seinem Büro und in seiner Wohnung (!), ihm wurde zusätzlich mitten in der Nacht an die Privatadresse eine Pizza zugestellt. Wer hinter der mysteriösen Bestellung steckte, konnte Pickl nicht eruieren. „Ich war nicht zu Hause, meine 15jährige Tochter hat glücklicherweise richtig reagiert und die Tür nicht aufgemacht.“ Wie weit darf, wie weit kann Psychoterror, wie er im Fall der kleinen Olivia Pilhar seitens der Anhänger der „Neuen Medizin“ praktiziert wird, gehen?
In ganz Wien werden Flugblätter verteilt
Die Hamer-Jünger rufen zur Generalmobilmachung auf. Der Verein „Patientenkammer, Interessensgemeinschaft für eigenverantwortliche Patienten und freie Therapiewahl in Österreich, c/o K. Nowak“ mit Sitz in Mödling verteilt derzeit in ganz Wien Unterschriftenlisten für die „Letztverantwortung für Kind-Therapiewahl bei den Eltern“. Kari Nowak ist Chef des Alternativverlages „Besser Leben“. Die Behörden sind gegen das Treiben vorerst machtlos: „Wir können davon ausgehen, daß es natürlich auch in Wien bei dem einen oder anderen Arzt offene Sympathie für die Hamer-Lehre gibt“, heißt es im Büro von Gesundheitsstadtrat Sepp Rieder. Konkret eingeschritten ist das Gesundheitsamt als Aufsichtsbehörde freilich bisher nur in einem Fall: Die Wiener Ärztin Elisabeth Rozkydal, die seinerzeit Olivias Eltern an Hamer verwies, wurde vorläufig die Berufsausübung untersagt. Das Berufsverbot begründet sich auf das eingeleitete Strafverfahren. „Wir können nur im Fall einer Anzeige tätig werden“, beschreibt man im Büro Rieder das Problem.
Andererseits könne es nicht so sein, daß jeder „Arzt ums Eck“ ungerechtfertigt in Verruf kommt. „Es wird keine Gesinnungsschnüffelei geben.“
In Verruf gekommen sind freilich jene Alternativmediziner, die anständige Arbeit leisten. Eine exakte gesetzliche Regelung für „ergänzende Medizin“ gibt es (noch) nicht.
Olivia durfte die Intensivstation verlassen
Einzige erfreuliche und von allen Beteiligten herbeigesehnte Entwicklung: Der Zustand von Olivia hat sich weiterhin stabilisiert. Das Mädchen konnte auf eine Kinderstation verlegt werden. Olivia benötigt keinen zusätzlichen Sauerstoff mehr und begann zu essen und zu trinken. Sie konnte sogar für kurze Zeit aufstehen.
Telefondrohungen gegen Spitalsärzte und Stadtrat/Patientenanwalt wurde in der Nacht Pizza zugestellt/Olivia konnte aufstehen
Karin Mück
„Versammlungen“ von Hamer-Jüngern im Foyer des AKH, Flugblätter, die in ganz Wien - auch in Großkaufhäusern - verbreitet werden und in denen Krebs als harmlos bezeichnet wird, wüste Beschimpfungen und sogar Androhungen von Tätlichkeiten an die Adresse der behandelnden Ärzte im AKH, Anrufe im Büro des Wiener Gesundheitsstadtrates Sepp Rieder („Ihr seid's wie die Nazis, ihr bringt's die Kinder in den Krankenhäusern um . . .“).
Bisheriger Gipfelpunkt: Patientenanwalt Viktor Pickl erhielt nicht nur Drohanrufe in seinem Büro und in seiner Wohnung (!), ihm wurde zusätzlich mitten in der Nacht an die Privatadresse eine Pizza zugestellt. Wer hinter der mysteriösen Bestellung steckte, konnte Pickl nicht eruieren. „Ich war nicht zu Hause, meine 15jährige Tochter hat glücklicherweise richtig reagiert und die Tür nicht aufgemacht.“ Wie weit darf, wie weit kann Psychoterror, wie er im Fall der kleinen Olivia Pilhar seitens der Anhänger der „Neuen Medizin“ praktiziert wird, gehen?
In ganz Wien werden Flugblätter verteilt
Die Hamer-Jünger rufen zur Generalmobilmachung auf. Der Verein „Patientenkammer, Interessensgemeinschaft für eigenverantwortliche Patienten und freie Therapiewahl in Österreich, c/o K. Nowak“ mit Sitz in Mödling verteilt derzeit in ganz Wien Unterschriftenlisten für die „Letztverantwortung für Kind-Therapiewahl bei den Eltern“. Kari Nowak ist Chef des Alternativverlages „Besser Leben“. Die Behörden sind gegen das Treiben vorerst machtlos: „Wir können davon ausgehen, daß es natürlich auch in Wien bei dem einen oder anderen Arzt offene Sympathie für die Hamer-Lehre gibt“, heißt es im Büro von Gesundheitsstadtrat Sepp Rieder. Konkret eingeschritten ist das Gesundheitsamt als Aufsichtsbehörde freilich bisher nur in einem Fall: Die Wiener Ärztin Elisabeth Rozkydal, die seinerzeit Olivias Eltern an Hamer verwies, wurde vorläufig die Berufsausübung untersagt. Das Berufsverbot begründet sich auf das eingeleitete Strafverfahren. „Wir können nur im Fall einer Anzeige tätig werden“, beschreibt man im Büro Rieder das Problem.
Andererseits könne es nicht so sein, daß jeder „Arzt ums Eck“ ungerechtfertigt in Verruf kommt. „Es wird keine Gesinnungsschnüffelei geben.“
In Verruf gekommen sind freilich jene Alternativmediziner, die anständige Arbeit leisten. Eine exakte gesetzliche Regelung für „ergänzende Medizin“ gibt es (noch) nicht.
Olivia durfte die Intensivstation verlassen
Einzige erfreuliche und von allen Beteiligten herbeigesehnte Entwicklung: Der Zustand von Olivia hat sich weiterhin stabilisiert. Das Mädchen konnte auf eine Kinderstation verlegt werden. Olivia benötigt keinen zusätzlichen Sauerstoff mehr und begann zu essen und zu trinken. Sie konnte sogar für kurze Zeit aufstehen.
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