KURIER - Hilflos zusehen, wie Olivia stirbt?
KURIER, 29.07.1995
Situation um Olivia wird unerträglich
Haftbefehl gegen Hamer?
Die Situation um die krebskranke Olivia Pilhar im Tullner Spital wird unerträglich. Das Kind leidet große Schmerzen und darf nicht Medikamente bekommen. Es braucht Blut, die Eltern sind gegen eine Bluttransfusion. Die Ärzte wollen den Tumor mit Chemotherapie bekämpfen, dürfen aber nicht. Die Eltern wollen das Kind nach Hause nehmen, Olivia ist aber nicht mehr transportfähig. Inzwischen erwägt man bei der Justiz einen Haftbefehl gegen Geerd Hamer, der die Eltern beeinflußt.
Seite 9
Nachher
Der Vater redet wie verrückt, die Mutter schweigt. Der Vater sprudelt seine Wahnideen heraus, läßt ein Netz von Sympathisanten Faxe mit seinen offenen Briefen an Gott und die Welt abschicken – „Chemotherapie wird Olivia töten, ich gehe für die Behandlungsmethode von Dr. Hamer ins Gefängnis, ich trete in Hungerstreik.“ Die Mutter schweigt. Sie ist bei Olivia.
Die Eltern stimmen einmal zu, dann verweigern sie die Therapie. Man müßte Olivia von ihren Eltern isolieren, aber sie kann nicht ohne sie, vor allem ohne ihre Mutter, therapiert werden.
Wer in dieser Tragödie die Entscheidungen trifft, welches obskure Netz von Fanatikern und Helfern am Werk ist, kann man jetzt schon schattenhaft absehen. Volle Klarheit wird man erst haben, wenn es zu spät ist. Hilflos zucken die Behörden und Ärzte die Achseln. Nur die Justiz weiß, was sie tun wird. Nachher.
Rau
Hilflos zusehen, wie Olivia stirbt?
Nach Meinungsumschwung der Eltern wahnwitziger Verhandlungsmarathon / Kind nicht mehr transportierbar / Haftbefehl gegen Hamer wird erwogen
„Es ist eine wahnsinnige Situation, aus der es vermutlich keinen Ausweg mehr geben wird. Wir werden hilflos zusehen müssen, wie Olivia stirbt,“ meinte Staatsanwalt Erich Reisner zum. KURIER: „Die einzige mögliche Rettung für das Mädchen wäre eine sofortige chemotherapeutische Behandlung. Die behandelnden Ärzte haben mir erklärt, daß der Tumor und die ihn umgebenden Flüssigkeit von einer extrem dünnen Haut - wie die einer Eischale - umgeben ist. Wächst das Karzinom weiter, und das kann man als gesichert annehmen, wird diese Hülle platzen und Olivia sterben. Nur durch Chemotherapie könnte man das Wachstum hemmen. Aber dieser Behandlung stimmen die Eltern nicht zu. Für diese Behandlungsmethode ist es von unbedingter Notwendigkeit, daß der Patient selbst damit einverstanden ist. Solange das Kind unter dem Einfluß seiner Eltern steht, wird diese Methode nicht greifen.“
Mädchen muß leiden
Helmut und Erika Pilhar verweigerten am Freitag auch eine laut Medizinern dringend notwendige Bluttransfusion an Olivia. Schließlich wehrten sie sich auch gegen eine Schmerztherapie. Die Präparate lehnten sie ab, weil diese ihrer Meinung nach „die Leber schädigen“. Gegen den Willen der Eltern haben die Ärzte im Tullner Krankenhaus aber mit einer derartigen Behandlung begonnen - die Schmerzen wären für das Kind unerträglich. Dennoch meinte Primar Dr. Hans Vanura: „Wir können dem leidenden Mädchen nicht so helfen, wie es notwendig wäre.“
Der Arzt ist verzweifelt wie wahrscheinlich noch nie zuvor in seiner medizinischen Laufbahn. Er weiß, daß theoretisch noch eine Chance besteht, Olivia gesund zu machen, er hat aber keinen Handlungsfreiraum.
Mutter muß bleiben
Freitag mittag wurde im Tullner Krankenhaus wiederum ein Krisengipfel einberufen. Dabei sollte geklärt werden, ob die Chemotherapie zwanghaft eingeleitet werden soll. Vanura: „Natürlich besteht die Möglichkeit, Herrn und Frau Pilhar von Olivia zu trennen und sie z. B. in eine Anstalt zu bringen, weil sie verwirrt sind, und endlich mit der notwendigen Behandlung zu beginnen. Doch: das Kind hat eine extrem starke Beziehung zur Mutter. Wenn die Frau das Zimmer kurz verlassen will, beginnt die Kleine zu weinen. Das Mädchen würde eine Trennung nicht verkraften.“
Eine Zwangtherapie ist nach Meinung Vanuras praktisch nicht durchführbar. „Täglich Streit oder sogar Rauferei mit den Eltern“, da könne keine Therapie wirken. „Aber ohne Therapie wird Olivia sterben.“
Die Pilhars wollen ihr Kind unbedingt mit nach Hause nehmen und es dort mit Hilfe einer ihrer „Vertrauensärzte“ gesundpflegen. Im Tullner Krankenhaus ist man der Meinung, daß dieser Transport das Kind das Leben kosten könne: „Bei der kleinsten Erschütterung kann der Tumor platzen.“
Staatsanwalt Reisner will Eltern und Geerd Hamer vor Gericht bringen: „Sie alle werden Olivias Qualen zu verantworten haben. Herr und Frau Pilhar haben die Wahnsinnstat ausgeführt, zu der sie Hamer angestiftet hat.“ Im Justizministerium erwägt man einen Haftbefehl gegen Hamer. Gegen Dr. Elisabeth Rozkydal hat die Wiener Ärztekammer ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Die praktische Ärztin aus Wien-Landstraße hatte die Pilhars an Hamer vermittelt.
Am Donnerstag, nach dem Einverständnis der Eltern zur Chemotherapie, hatte man schon die Vorbereitungen dafür getroffen. Dann freilich kam die für die Ärzte niederschmetternde Wende (der KURIER berichtete).
Nachdem Vater Helmut Pilhar am Abend plötzlich mit Hungerstreik gedroht hatte, um die nach der Meinung der Eltern tödliche Chemotherapie abzuwenden, begann im Krankenhaus Tulln eine neuer wahnwitziger Verhandlungsmarathon.
„Überrumpelt“
Ausgepumpt, erschöpft und zu keinem klarem Gedanken mehr fähig, wiederholte Pilhar vor den wartenden Journalisten stereotyp, daß er und seine Frau „überrumpelt und betrogen“ worden seien. Nicht Chemotherapie, nur die Hamer-Methode und ein Homöopathe aus der Weststeiermark könnten Olivia retten.
Alle Argumente des für die Behandlung Olivias zuständigen Chefs der Kinderabteilung und des Amtsvormundes Dr. Heinz Zimper von der BH Wiener Neustadt prallten ab. Die Prognose der Krebsspezialisten von St.Anna, daß die überraschenderweise noch metastasenfreie Olivia immer noch eine 50 bis 70 prozentige Heilungschance hätte, machte nicht den geringsten Eindruck.
Die ebenfalls nach Tulln geeilte Hamer-Befürworterin Dr. Elisabeth Rozkydal und „Diplomatin“ Dr. Marina Marcovich bemühten sich um die in der Kinderabteilung gebliebene Mutter Erika. Eine Sinnesänderung konnten auch sie nicht herbeiführen. Hamer-Fans bestärkten die Eltern in der Ablehnung der Therapie.
Staatsanwalt untersucht 37 Todesfälle nach Hamer-Therapien
Dunkle Wolken ziehen in der Steiermark gegen Geerd Hamer auf: 37 Todesfälle wurden am Freitag, von der steirischen Ärztekammer bei Dr. Erich Reisner von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt angezeigt. Der mit Berufsverbot belegte Deutsche wagt sich nicht in die Höhle der Löwen. Hamer nahm Freitag abend zwar an der regionalen Rundfunksendung „Leitung frei“ in Graz teil - allerdings nur über Draht aus Köln.
36 gestorbene Krebspatienten, ein toter Multiple-Sklerose-Patient: Sie alle wurden augenscheinlich von Hamer beraten oder behandelt. Sie verweigerten eine Chemotherapie oder die Operation. Diese schockierende Bilanz ergab sich nach einer ersten Auswertung der 200 Anrufe bei der Hotline der Ärztekammer (0316/8044/54).
Die Patientendramen ereigneten sich im Zeitraum von 1989 bis 1995 in der Steiermark, in Wien, Nieder- und Oberösterreich, Salzburg sowie in Deutschland.
Burgau, Hamers steirischer Wohnsitz, ist einmal mehr in den Mittelpunkt gerückt. Denn großteils wurden diese Patienten dort „behandelt“. VP-Bürgermeister Heinrich Wallner dürfte sich in seiner Haut nicht mehr lange wohlfühlen. Der Ortskaiser will seinem Du-Freund das noble Schloßdomizil noch sichern.
„Heilung“ mit Buch
Der steirische Ärztechef Wolfgang Routil las aus einem Protokoll: „Einer 35jährigen an Brustkrebs erkrankten Frau drückte Hamer ein Buch in die Hand und sagte, sie müsse sich von ihrer Mutter lösen. Das bittere Ende: Sie ist allein gestorben, verendet, muß man sagen.“
In ungewöhnlich scharfer Form geht Routil gegen Hamer vor. „Wir müssen den Zustand sanieren und auch ahnden, weil wir das Experimentieren an Menschen nicht tolerieren dürfen.“ Er erwähnt ein anderes Drama: Eine Frau mit Gebärmutterhalskrebs wurde vom Spital ferngehalten. Die Frau starb, obwohl diese Krebsart gut heilbar ist. „Es schockiert mich, zusehen zu müssen, daß Menschen so sinnlos sterben.“ Routil wirft Hamer inhumane Gnadenlosigkeit vor und sieht in den Anhängern verblendete und irregeleitete Menschen.
Die Dichte des vorgelegten Beweismaterials stimmt den steirischen Ärztechef optimistisch, „daß die Justiz ihrer Aufgabe gerecht werden kann.“
Haftbefehl gegen Hamer?
Die Situation um die krebskranke Olivia Pilhar im Tullner Spital wird unerträglich. Das Kind leidet große Schmerzen und darf nicht Medikamente bekommen. Es braucht Blut, die Eltern sind gegen eine Bluttransfusion. Die Ärzte wollen den Tumor mit Chemotherapie bekämpfen, dürfen aber nicht. Die Eltern wollen das Kind nach Hause nehmen, Olivia ist aber nicht mehr transportfähig. Inzwischen erwägt man bei der Justiz einen Haftbefehl gegen Geerd Hamer, der die Eltern beeinflußt.
Seite 9
Nachher
Der Vater redet wie verrückt, die Mutter schweigt. Der Vater sprudelt seine Wahnideen heraus, läßt ein Netz von Sympathisanten Faxe mit seinen offenen Briefen an Gott und die Welt abschicken – „Chemotherapie wird Olivia töten, ich gehe für die Behandlungsmethode von Dr. Hamer ins Gefängnis, ich trete in Hungerstreik.“ Die Mutter schweigt. Sie ist bei Olivia.
Die Eltern stimmen einmal zu, dann verweigern sie die Therapie. Man müßte Olivia von ihren Eltern isolieren, aber sie kann nicht ohne sie, vor allem ohne ihre Mutter, therapiert werden.
Wer in dieser Tragödie die Entscheidungen trifft, welches obskure Netz von Fanatikern und Helfern am Werk ist, kann man jetzt schon schattenhaft absehen. Volle Klarheit wird man erst haben, wenn es zu spät ist. Hilflos zucken die Behörden und Ärzte die Achseln. Nur die Justiz weiß, was sie tun wird. Nachher.
Rau
Hilflos zusehen, wie Olivia stirbt?
Nach Meinungsumschwung der Eltern wahnwitziger Verhandlungsmarathon / Kind nicht mehr transportierbar / Haftbefehl gegen Hamer wird erwogen
„Es ist eine wahnsinnige Situation, aus der es vermutlich keinen Ausweg mehr geben wird. Wir werden hilflos zusehen müssen, wie Olivia stirbt,“ meinte Staatsanwalt Erich Reisner zum. KURIER: „Die einzige mögliche Rettung für das Mädchen wäre eine sofortige chemotherapeutische Behandlung. Die behandelnden Ärzte haben mir erklärt, daß der Tumor und die ihn umgebenden Flüssigkeit von einer extrem dünnen Haut - wie die einer Eischale - umgeben ist. Wächst das Karzinom weiter, und das kann man als gesichert annehmen, wird diese Hülle platzen und Olivia sterben. Nur durch Chemotherapie könnte man das Wachstum hemmen. Aber dieser Behandlung stimmen die Eltern nicht zu. Für diese Behandlungsmethode ist es von unbedingter Notwendigkeit, daß der Patient selbst damit einverstanden ist. Solange das Kind unter dem Einfluß seiner Eltern steht, wird diese Methode nicht greifen.“
Mädchen muß leiden
Helmut und Erika Pilhar verweigerten am Freitag auch eine laut Medizinern dringend notwendige Bluttransfusion an Olivia. Schließlich wehrten sie sich auch gegen eine Schmerztherapie. Die Präparate lehnten sie ab, weil diese ihrer Meinung nach „die Leber schädigen“. Gegen den Willen der Eltern haben die Ärzte im Tullner Krankenhaus aber mit einer derartigen Behandlung begonnen - die Schmerzen wären für das Kind unerträglich. Dennoch meinte Primar Dr. Hans Vanura: „Wir können dem leidenden Mädchen nicht so helfen, wie es notwendig wäre.“
Der Arzt ist verzweifelt wie wahrscheinlich noch nie zuvor in seiner medizinischen Laufbahn. Er weiß, daß theoretisch noch eine Chance besteht, Olivia gesund zu machen, er hat aber keinen Handlungsfreiraum.
Mutter muß bleiben
Freitag mittag wurde im Tullner Krankenhaus wiederum ein Krisengipfel einberufen. Dabei sollte geklärt werden, ob die Chemotherapie zwanghaft eingeleitet werden soll. Vanura: „Natürlich besteht die Möglichkeit, Herrn und Frau Pilhar von Olivia zu trennen und sie z. B. in eine Anstalt zu bringen, weil sie verwirrt sind, und endlich mit der notwendigen Behandlung zu beginnen. Doch: das Kind hat eine extrem starke Beziehung zur Mutter. Wenn die Frau das Zimmer kurz verlassen will, beginnt die Kleine zu weinen. Das Mädchen würde eine Trennung nicht verkraften.“
Eine Zwangtherapie ist nach Meinung Vanuras praktisch nicht durchführbar. „Täglich Streit oder sogar Rauferei mit den Eltern“, da könne keine Therapie wirken. „Aber ohne Therapie wird Olivia sterben.“
Die Pilhars wollen ihr Kind unbedingt mit nach Hause nehmen und es dort mit Hilfe einer ihrer „Vertrauensärzte“ gesundpflegen. Im Tullner Krankenhaus ist man der Meinung, daß dieser Transport das Kind das Leben kosten könne: „Bei der kleinsten Erschütterung kann der Tumor platzen.“
Staatsanwalt Reisner will Eltern und Geerd Hamer vor Gericht bringen: „Sie alle werden Olivias Qualen zu verantworten haben. Herr und Frau Pilhar haben die Wahnsinnstat ausgeführt, zu der sie Hamer angestiftet hat.“ Im Justizministerium erwägt man einen Haftbefehl gegen Hamer. Gegen Dr. Elisabeth Rozkydal hat die Wiener Ärztekammer ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Die praktische Ärztin aus Wien-Landstraße hatte die Pilhars an Hamer vermittelt.
Am Donnerstag, nach dem Einverständnis der Eltern zur Chemotherapie, hatte man schon die Vorbereitungen dafür getroffen. Dann freilich kam die für die Ärzte niederschmetternde Wende (der KURIER berichtete).
Nachdem Vater Helmut Pilhar am Abend plötzlich mit Hungerstreik gedroht hatte, um die nach der Meinung der Eltern tödliche Chemotherapie abzuwenden, begann im Krankenhaus Tulln eine neuer wahnwitziger Verhandlungsmarathon.
„Überrumpelt“
Ausgepumpt, erschöpft und zu keinem klarem Gedanken mehr fähig, wiederholte Pilhar vor den wartenden Journalisten stereotyp, daß er und seine Frau „überrumpelt und betrogen“ worden seien. Nicht Chemotherapie, nur die Hamer-Methode und ein Homöopathe aus der Weststeiermark könnten Olivia retten.
Alle Argumente des für die Behandlung Olivias zuständigen Chefs der Kinderabteilung und des Amtsvormundes Dr. Heinz Zimper von der BH Wiener Neustadt prallten ab. Die Prognose der Krebsspezialisten von St.Anna, daß die überraschenderweise noch metastasenfreie Olivia immer noch eine 50 bis 70 prozentige Heilungschance hätte, machte nicht den geringsten Eindruck.
Die ebenfalls nach Tulln geeilte Hamer-Befürworterin Dr. Elisabeth Rozkydal und „Diplomatin“ Dr. Marina Marcovich bemühten sich um die in der Kinderabteilung gebliebene Mutter Erika. Eine Sinnesänderung konnten auch sie nicht herbeiführen. Hamer-Fans bestärkten die Eltern in der Ablehnung der Therapie.
Ilse Schmid,
Martina Prewein
Martina Prewein
Staatsanwalt untersucht 37 Todesfälle nach Hamer-Therapien
Dunkle Wolken ziehen in der Steiermark gegen Geerd Hamer auf: 37 Todesfälle wurden am Freitag, von der steirischen Ärztekammer bei Dr. Erich Reisner von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt angezeigt. Der mit Berufsverbot belegte Deutsche wagt sich nicht in die Höhle der Löwen. Hamer nahm Freitag abend zwar an der regionalen Rundfunksendung „Leitung frei“ in Graz teil - allerdings nur über Draht aus Köln.
36 gestorbene Krebspatienten, ein toter Multiple-Sklerose-Patient: Sie alle wurden augenscheinlich von Hamer beraten oder behandelt. Sie verweigerten eine Chemotherapie oder die Operation. Diese schockierende Bilanz ergab sich nach einer ersten Auswertung der 200 Anrufe bei der Hotline der Ärztekammer (0316/8044/54).
Die Patientendramen ereigneten sich im Zeitraum von 1989 bis 1995 in der Steiermark, in Wien, Nieder- und Oberösterreich, Salzburg sowie in Deutschland.
Burgau, Hamers steirischer Wohnsitz, ist einmal mehr in den Mittelpunkt gerückt. Denn großteils wurden diese Patienten dort „behandelt“. VP-Bürgermeister Heinrich Wallner dürfte sich in seiner Haut nicht mehr lange wohlfühlen. Der Ortskaiser will seinem Du-Freund das noble Schloßdomizil noch sichern.
„Heilung“ mit Buch
Der steirische Ärztechef Wolfgang Routil las aus einem Protokoll: „Einer 35jährigen an Brustkrebs erkrankten Frau drückte Hamer ein Buch in die Hand und sagte, sie müsse sich von ihrer Mutter lösen. Das bittere Ende: Sie ist allein gestorben, verendet, muß man sagen.“
In ungewöhnlich scharfer Form geht Routil gegen Hamer vor. „Wir müssen den Zustand sanieren und auch ahnden, weil wir das Experimentieren an Menschen nicht tolerieren dürfen.“ Er erwähnt ein anderes Drama: Eine Frau mit Gebärmutterhalskrebs wurde vom Spital ferngehalten. Die Frau starb, obwohl diese Krebsart gut heilbar ist. „Es schockiert mich, zusehen zu müssen, daß Menschen so sinnlos sterben.“ Routil wirft Hamer inhumane Gnadenlosigkeit vor und sieht in den Anhängern verblendete und irregeleitete Menschen.
Die Dichte des vorgelegten Beweismaterials stimmt den steirischen Ärztechef optimistisch, „daß die Justiz ihrer Aufgabe gerecht werden kann.“
Ulli Jantschner
Kranke Kinder trösten Eltern
Umweltminister Bartenstein: Als Präsident der Kinderkrebshilfe kämpft der betroffene Vater für Unterstützung von Familien
Petra Ramsauer
„Meistens sind es die kranken Kinder, die ihre Eltern wieder aufrichten“, sagt Umweltminister Martin Bartenstein. Für den fünffachen Vater ist der Umgang mit krebskranken Kindern und ihren Eltern längst ein fixer Bestandteil seines Lebens.
Denn vor zehn Jahren haben ihm Ärzte mitgeteilt, daß sein Kind Krebs hat: „Diese - im wahrsten Sinne des Wortes - bösartige Diagnose ist wie ein Keulenschlag. Die ersten paar Wochen danach nimmt man alles nur mehr durch einen Grauschleier wahr.“
Sein Kind gilt heute als geheilt, aber Bartenstein ist nach wie vor engagiert. Mittlerweile ist er Präsident der Kinderkrebshilfe, die vor allem die Angehörigen der kleinen Patienten unterstützt.
„Diese Kinder bekommen viel, viel mehr mit, als man glaubt. Sie wissen, wie schlecht es um sie steht. Doch ich habe oft in Stationen kleine Krebspatienten gesehen, die lachend herumtollen. Obwohl sie den Tropf mitschleppen, durch den sie die Chemotherapie bekommen.“
Meistens leiden die Eltern am meisten unter der Situation. Sie brauchen deshalb diese Aufmunterung, zu sehen, daß es dem Kind einigermaßen gutgeht. Und die kleinen Patienten benötigen die Wärme der Familie.
Jährlich erkranken in Österreich 220 Kinder an Krebs, zum Großteil an Leukämie. „Es kommt leider immer wieder vor, daß sich die Eltern in ihrer Verzweiflung gegen die schulmedizinische Betreuung wehren“, so die Erfahrungen Bartensteins, dessen Vertrauen in die Ärzte „nicht einmal eine Sekunde erschüttert war“.
Denn die Heilungschancen von krebskranken Kindern liegen in Österreich zwischen 60 und 75 Prozent.In den beiden Spezialkliniken in Graz und St. Anna in Wien arbeite man mit den besten Methoden. „Ich bekenne mich deshalb absolut dazu, daß jenen Eltern, die ihren krebskranken Kindern eine solche Therapie vorenthalten, die Obsorge entzogen wird.“
Das Engagement Bartensteins in der Kinderkrebshilfe - auch noch zehn Jahre nach der Erkrankungen seines Kindes - zeigt, wie sehr „Krebs“ das Leben der ganzen Familie verändert. Trotzdem möchte er über seine persönliche Geschichte nicht mehr allzuviel reden: „Ich hätte dabei das Gefühl, das Schicksal herauszufordern. Denn ich werde immer Angst haben um mein Kind.“
Die Kinderkrebshilfe
In erster Linie ist die österreichische Kinderkrebshilfe (Tel. 0 22 2 / 402 88 99) ein „Elternhilfsverein“. Denn viele Familien von krebskranken Kindern können die Diagnose - vor allem finanziell - kaum bewältigen. Oft muß ein Elternteil den Beruf aufgeben, um beim Kind sein zu können.
Außerdem belasten hohe Hotelrechnungen (wenn es nicht möglich ist, beim Kind im Spital zu wohnen) das Familienbudget. Deshalb wurden in Graz in Krankenhausnähe ein Familienwohnheim mit zwölf Betten und in Wien beim St.-Anna-Kinderspital ein Wohnhaus gebaut. Außerdem hat der Verein beim Aufbau einer Datenbank für Knochenmarkspender mitgearbeitet.
Umweltminister Bartenstein: Als Präsident der Kinderkrebshilfe kämpft der betroffene Vater für Unterstützung von Familien
Petra Ramsauer
„Meistens sind es die kranken Kinder, die ihre Eltern wieder aufrichten“, sagt Umweltminister Martin Bartenstein. Für den fünffachen Vater ist der Umgang mit krebskranken Kindern und ihren Eltern längst ein fixer Bestandteil seines Lebens.
Denn vor zehn Jahren haben ihm Ärzte mitgeteilt, daß sein Kind Krebs hat: „Diese - im wahrsten Sinne des Wortes - bösartige Diagnose ist wie ein Keulenschlag. Die ersten paar Wochen danach nimmt man alles nur mehr durch einen Grauschleier wahr.“
Sein Kind gilt heute als geheilt, aber Bartenstein ist nach wie vor engagiert. Mittlerweile ist er Präsident der Kinderkrebshilfe, die vor allem die Angehörigen der kleinen Patienten unterstützt.
„Diese Kinder bekommen viel, viel mehr mit, als man glaubt. Sie wissen, wie schlecht es um sie steht. Doch ich habe oft in Stationen kleine Krebspatienten gesehen, die lachend herumtollen. Obwohl sie den Tropf mitschleppen, durch den sie die Chemotherapie bekommen.“
Meistens leiden die Eltern am meisten unter der Situation. Sie brauchen deshalb diese Aufmunterung, zu sehen, daß es dem Kind einigermaßen gutgeht. Und die kleinen Patienten benötigen die Wärme der Familie.
Jährlich erkranken in Österreich 220 Kinder an Krebs, zum Großteil an Leukämie. „Es kommt leider immer wieder vor, daß sich die Eltern in ihrer Verzweiflung gegen die schulmedizinische Betreuung wehren“, so die Erfahrungen Bartensteins, dessen Vertrauen in die Ärzte „nicht einmal eine Sekunde erschüttert war“.
Denn die Heilungschancen von krebskranken Kindern liegen in Österreich zwischen 60 und 75 Prozent.In den beiden Spezialkliniken in Graz und St. Anna in Wien arbeite man mit den besten Methoden. „Ich bekenne mich deshalb absolut dazu, daß jenen Eltern, die ihren krebskranken Kindern eine solche Therapie vorenthalten, die Obsorge entzogen wird.“
Das Engagement Bartensteins in der Kinderkrebshilfe - auch noch zehn Jahre nach der Erkrankungen seines Kindes - zeigt, wie sehr „Krebs“ das Leben der ganzen Familie verändert. Trotzdem möchte er über seine persönliche Geschichte nicht mehr allzuviel reden: „Ich hätte dabei das Gefühl, das Schicksal herauszufordern. Denn ich werde immer Angst haben um mein Kind.“
Die Kinderkrebshilfe
In erster Linie ist die österreichische Kinderkrebshilfe (Tel. 0 22 2 / 402 88 99) ein „Elternhilfsverein“. Denn viele Familien von krebskranken Kindern können die Diagnose - vor allem finanziell - kaum bewältigen. Oft muß ein Elternteil den Beruf aufgeben, um beim Kind sein zu können.
Außerdem belasten hohe Hotelrechnungen (wenn es nicht möglich ist, beim Kind im Spital zu wohnen) das Familienbudget. Deshalb wurden in Graz in Krankenhausnähe ein Familienwohnheim mit zwölf Betten und in Wien beim St.-Anna-Kinderspital ein Wohnhaus gebaut. Außerdem hat der Verein beim Aufbau einer Datenbank für Knochenmarkspender mitgearbeitet.
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