KURIER - "Krebsheiler" Hamer in Köln untergetaucht

KURIER, 07.08.1995

zeitungsartikel

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„Heiler“ verschollen

Köln: Hamer verschwand vor dem Amtshilfe-Entscheid

Dem steckbrieflich gesuchten „Krebsheiler“ Geerd Hamer steckt offenbar die Angst vor einem bedrohlichen „Justizkonflikt“ im Nacken.

Vor der für heute erwarteten Entscheidung der Kölner Staatsanwaltschaft über das Amtshilfeersuchen der österreichischen Justiz verschwand er am Sonntag von der Bildfläche. Angestellte seines Verlagsbüros wollten seinen Aufenthaltsort nicht kennen.

Olivia hat indes die erste Krise überwunden.

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„Krebsheiler“ Hamer in Köln untergetaucht

Gericht entscheidet heute über Amtshilfeersuchen / Olivias Zustand hat sich gebessert


„Nein, der Dr. Hamer ist derzeit nicht erreichbar, wir wissen nicht, wann er kommt!“ Sonntag, einen Tag vor der Entscheidung der Staatsanwaltschaft in Köln über das Amtshilfeersuchen der österreichischen Justiz, war der zur Verhaftung ausgeschriebene „Krebsheiler“ plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Weder in seinem Verlag „Amici de Dirk“ noch in einem von ihm geführten Ärztezentrum noch an seiner Privatadresse ließ sich eine Spur des sonst keineswegs öffentlichkeitsscheuen Medizinmannes ausmachen. Der unverkennbar verstörte und nervöse Herr am Verlagstelefon bestritt freilich, daß sein Mentor untergetaucht sei.

Der Heiler werde sich natürlich den deutschen Behörden stellen. Tatsächlich scheint fraglich, ob Geerd Hamer wirklich großes Vertrauen zur Justiz seines Heimatlandes hat. Schließlich wurde ihm schon vor neun Jahren wegen „bedenklicher Persönlichkeitsveränderungen“ Berufsverbot erteilt.

Dabei hätte der selbsternannte Krebsspezialist vorläufig noch gar nicht soviel zu fürchten. Zumindest im Fall Olivia Pilhar wird ihm derzeit „nur“ das Quälen und Vernachlässigen eines Kindes vorgeworfen. Und vielleicht rettet ihn ausgerechnet die Kunst der von ihm so geschmähten und gehaßten Schulmedizin vor schwereren Anklagen.

Dabei hatte der cholerische Guru im Verein mit Olivias Vater Helmut Pilhar noch wilde Attacken gegen die Ärzteschaft geritten. Er interpretierte die Metastasen in Lunge und Leber des Mädchens als Bestätigung seiner obskuren Diagnose, der große Tumor sei eine „Wasserkonflikt-Zyste“ in Begleitung von Karzinomen „in tuberkulöser Heilung“.

Inzwischen darf sich das Ärztegremium im Wiener AKH über erste kleine Erfolge freuen. Olivias Vormund, Bezirkshauptmann Herbert Marady aus Wiener Neustadt, berichtete Sonntag über eine leichte Besserung: „Die Lungenentzündung klingt ab, die abgedrückte Bauchvene ist wieder frei, und die Organe funktionieren gut. Die künstliche Beatmung konnte schon zurückgeschaltet werden!“

Sonntag konnten sich Mutter Erika und der skeptische Vater von der Besserung überzeugen: Der Weg zur Heilung ist freilich noch weit. Erst in drei Wochen sollte der Tumor auf operable Größe geschrumpft sein. Die winzigen Metastasen verändern die Gesamtprognose nicht. Die Chemotherapie greift auch sie an.

Ilse Schmid