das neue - Krebskind Olivia

das neue, 04.11.1995

zeitungsartikel


Krebskind Olivia

Wie das kleine Mädchen alle Qualen tapfer erträgt

Arme, kleine Olivia. Die schönen, braunen Haare sind ihr ausgefallen. Sie ist auf 21 Kilo abgemagert. Und ihr ist ständig übel. Folgen der Chemotherapie, die verhindern soll, daß der Krebs zurückkehrt.
Olivias Schicksal sorgte Monate für Schlagzeilen. Ihre Eltern Erika (28) und Helmut Pilhar (30) wehrten sich gegen eine Chemotherapie, flohen mit dem selbsternannten „Wunderheiler“ Geerd Hamer 13 Wochen vor Behörden und Schulmedizinern. Bis zum 24. Juli, als die Familie nach Österreich zurückkehrte. Das Sorgerecht für ihre Tochter wurde ihnen entzogen. Olivia wurde operiert.
Doch die Sechsjährige, die tapfer alle Qualen erträgt, ist noch nicht über den Berg. Olivia wird vermutlich bis März im Allgemeinen Krankenhaus Wien behandelt. Wie geht es Olivia wirklich? Die Ärzte sagen auf Anfrage lediglich: „Die Behandlung verläuft plangemäß.“ Doch die Eltern glauben ihnen nicht. das neue sprach mit ihnen in Wien.

Wie geht es Olivia zur Zeit?
Erika Pilhar: „Man sollte sie erstmal nach Hause entlassen, damit sie wieder kräftiger wird. Man gibt ihr ja gar nicht die Chance, zuzunehmen.“

Wie ist Olivias Tagesablaut?
Erika Pilhar (sie ist im Wechsel mit ihrem Mann Tag und Nacht bei ihrer Tochter): „Sie wird gegen acht geweckt. Dann bekommt sie Medikamente, macht Katzenwäsche. Um 9.30 Uhr geht sie in die Krankenhausschule oder wenn es ihr sehr schlecht geht, kommt die Lehrerin zu ihr ans Bett. Gegen 11 Uhr turnt die Physiotherapeutin mit ihr. Olivia leidet an spastischer Lähmung. Sie kann ihre Füße nicht anwinkeln. Nachmittags bekommt Olivia Besuch von der Familie und von Freunden. Zwischendurch läuft ununterbrochen der Fernseher. Am liebsten sieht Olivia Zeichentrickfilme. Dann lacht sie sogar mal.“

Darf Olivia nach der Therapie wieder nach Hause?
Helmut Pilhar: „Das entscheidet das Pflegschaftsgericht. Wenn ja, knüpfen sie Bedingungen daran. Wir dürfen keinen Umgang mehr pflegen mit bestimmten Personen, z.B. Hamer und anderen, die sich stark machen für alternative Heilmethoden. Und wir dürfen unsere Meinung nicht mehr öffentlich äußern. Das ist eine Form der Erpressung.“

Was sagen Ihnen die Ärzte über Olivias Zustand?
Helmut Pilhar: „Gar nichts. Wir bekommen keine Information, keine Befunde. Was wir seltsam finden: Seit der Operation ist keine Computer-Tomographie mehr gemacht worden. Wir wissen also gar nicht, ob es Metastasen gibt.“

Was befürchten Sie?
Helmut Pilhar: „Wir haben nie solche Sorgen gehabt um Olivias Leben wie jetzt.“

Beatrix Vaubel