NEWS - Aus für den Schein-Heiler

NEWS, 28.05.1997

zeitungsartikel


Aus für den Schein-Heiler

GEERD RYKE HAMER. Das Drama um die krebskranke Olivia Pilhar machte den „Arzt“ berühmt-berüchtigt. Die Behörden ermittelten, überprüften Hunderte Fälle. Jetzt – exakt zwei Jahre danach – sitzt der Wunderheiler in Haft. NEWS recherchiert bei seinen österreichischen Patienten.

ANKLAGE. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.


Die Bilder aus Malaga im Sommer 1995 berührten ganz Europa. Das kleine, österreichische Mädchen mit ihrem viel zu großen, von einem Tumor gefüllten Bauch an der Hand des 1,90-Meter-Hünen. Geerd Ryke Hamer - bis zu diesem Zeitpunkt bloß einer kleinen, eingeschworenen Fangemeinde bekannt - genoß seinen großen Auftritt. Der Mediziner aus Köln hatte der Familie zur Flucht vor Behörden und Schulmedizin nach Spanien geraten. Sieben Wochen war die Familie unterwegs gewesen, getrieben und immer unter Aufsicht des deutschen Wunderheilers Hamer - bis Erika und Helmut Pilhar dann am 24. Juli freiwillig nach Österreich zurückkehrten und ihre Tochter Olivia behandeln ließen (siehe Kasten rechts).
Für Geerd Ryke Hamer war bislang kaum ein Patient PR-trächtiger. Erstmals konnte er einem breiten Publikum via Fernseh- und Zeitungsinterviews seine Thesen zur „Neuen Medizin“ näherbringen. Und tingelte fortan durch deutsche, spanische und französische Gefilde, um Krebskranken von schulmedizinischen Behandlungen abzuraten.
Geht es nach der Kölner Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt, soll dem Herrn nun das Handwerk gelegt werden.
Am Mittwoch vergangener Woche verstellten drei zivile Polizeiautos dem ehemaligen Arzt den Weg. Unmittelbar vor seiner Villa in Köln klickten die Handschellen. Nach wochenlanger Observation wurde der 62jährige verhaftet. „Wie ein Schwerverbrecher“, empört sich sein Sohn Bernd im NEWS-Gespräch. „Wie man eben jemanden festnimmt, bei dem Fluchtgefahr besteht“, sagt die Kölner Staatsanwaltschaft trocken.

Fluchtgefahr. Tatsächlich lag bereits seit 7. Mai ein gültiger Haftbefehl vor. Bloß Geerd Ryke Hamer wurde man nicht habhaft. Der „Krebsheiler“ hielt sich in den letzten Monaten nur noch selten in Deutschland auf. Am 20. Mai war er eingereist, um sein altes Auto reparieren und anmelden zu lassen. Den Mietvertrag seiner Villa am Stadtrand von Köln hatte er längst gekündigt. Auch war er nicht mehr ordnungsgemäß gemeldet. Alles Gründe für die deutschen Behörden - nach zweijähriger Recherche -, zu handeln. „Sonst wäre er weggewesen“ , sagt ein ermittelnder Beamter.

Anklage in vier Wochen fix. Die Anklage soll in vier Wochen fertiggestellt sein. Der zuständige Staatsanwalt Heinrich Klaas vom Amtsgericht Köln muß sich bis dahin durch fast hundert angezeigte Fälle kämpfen: „Strafbare Handlungen dingfest zu machen ist in dieser Causa besonders schwierig, da mit Sicherheit feststehen muß, daß die jeweiligen Patienten ohne Hamersche Behandlung überlebt hätten oder gesünder wären.“
Neben vier Fällen aus Deutschland - drei davon endeten letal - soll auch die Causa „Olivia Pilhar“ von einem deutschen Richter entschieden werden.
Die österreichischen Behörden können sich diesmal rühmen, schneller als ihre Kollegen aus dem Nachbarland reagiert zu haben - bereits seit 7. August 1995 liegt bekanntlich in Österreich ein Haftbefehl gegen Hamer vor -, bloß gekriegt hätten sie ihn nie. Peter Gruber von der Staatsanwaltschaft Graz: „Hamer kann nicht nach Österreich ausgeliefert werden.“ Und der Wunderheiler vermied es seit Sommer '95, einzureisen.
Bis dahin war er ständiger Gast in Österreich gewesen. Im steirischen Burgau hatte Bürgermeister Hermann Wallner „seinem Leibarzt“ das Schloß für Seminarzwecke zur Verfügung gestellt. Hamer habe, so Wallner, seiner Frau das Leben gerettet.

67 Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft. Nach Bekanntwerden von Olivias Martyrium hatte die steirische Ärztekammer eine „Hotline“ eingerichtet, bei der sich Opfer und Geschädigte melden sollten. Von den insgesamt 248 Fällen wählte die Ärztevereinigung 67 aus, die sie der Staatsanwaltschaft übergab. Ein Teil dieser Fälle wurde am Wege der Rechtshilfe nach Köln verschickt und könnte die Anklage gegen den deutschen Wunderheiler möglicherweise noch erheblich verlängern.
Droht Hamer bei den deutschen Fällen „bloß“ bis zu einem Jahr Haft wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz, muß er bei Verurteilung aufgrund der österreichischen Anzeigen mit einer wesentlich höheren Strafe rechnen.
Bei einem Großteil der 67 angezeigten Fälle (siehe auch Kasten rechts) handelt es sich um Patienten, die nach der Kontaktaufnahme mit Hamer verstorben sind. Der Strafrahmen dafür beträgt ein bis zehn Jahre Haft. Peter Gruber: „In vielen Fällen wird noch ermittelt. Es stehen ärztliche Gutachten aus, Sachverständige haben da zu entscheiden. Bis wir mit den restlichen Fällen fertig sind, werden einigen Monate vergehen.“ Einer Enthaftung bis zur Verhandlung (vermutlich im Herbst) wollen die deutschen Behörden nicht zustimmen. Es bestehe Verdunklungs- und Fluchtgefahr. Hamers Fangemeinde macht indessen mobil. Ähnlich wie während Olivias Krankheit verschicken Hunderte „Hamerianer“ täglich seitenlange Faxmessages in die Redaktionen deutscher, österreichischer und spanischer Medien. Da ist dann auch von „Inquisition“ und „Methoden wie im 3. Reich“ die Rede.

Spendenkonto für den Verteidiger. In Malaga wurde bereits ein Spendenkonto eingerichtet, um die bestmögliche Verteidigung des Wunderheilers zu ermöglichen. Geld, das Hamer - glaubt man seinem Sohn Bernd - dringend notwendig hat: „Mein Vater besitzt keinen Groschen. Im Gegenteil. Seit Wochen gehen hier die Exekutoren ein und aus und pfänden, was sie finden. Mein Vater hat ja nie etwas für seine Dienste verlangt.“
Verlangt vielleicht nicht. Aber für Spenden war Hamer stets offen - und die fielen nicht zu knapp aus. Bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit - deren gab es reichlich bei Seminaren, Vorträgen oder Patientenbesuchen - bettelte er für seine „Kasse im Kampf gegen die Schulmedizin“. Hamers Verlag „Amid di Dirk“ (benannt nach seinem verstorbenen Sohn Dirk) will nach eigenen Angaben bereits mehr als 100.000 Exemplare jener Bücher verkauft haben, in denen Hamer seine „Neue Medizin“ verkündet. Dabei handelt es sich nicht um schmale für jedermann erschwingliche Paperbacks, sondern um stattliche Wälzer, die erst für umgerechnet 700 Schilling zu erstehen sind.
Bei einer Hausdurchsuchung im ehemaligen Hamer-Stützpunkt in Burgau wurde offensichtlich, wie der Wunderheiler zu Geld gekommen ist. Die Beamten fanden Unterlagen über die Behandlung der krebskranken Frau eines steirischen Großindustriellen. Für die persönliche Betreuung der todgeweihten Frau bekam Hamer angeblich Spenden in der Höhe von insgesamt zehn Millionen Schilling.
Geld, das Hamer kaum in einen aufwendigen Lebensstil investierte. Weder in Deutschland noch in Österreich besitzt der „Schein-Heiler“ Immobilien oder Konten mit Beträgen zu seinen Gunsten. Was tatsächlich Unsummen verschlungen haben muß, waren die unzähligen Reisekosten und Flugtickets - Hamer war ständig auf Achse. Und den Löwenanteil der Spenden dürfte er für die Anmietung diverser Appartements in Spanien, Frankreich, der Schweiz und Italien verwendet haben.
Oft verordnete er seinen Krebspatienten Ortswechsel, um „ihre Konflikte zu lösen“. So auch der Familie Pilhar, die auf ihrer Flucht in einem solchen Appartement am Stadtrand von Malaga wohnte.

Die Methoden des Wunderheilers. Wie Hamer an seine Patienten kam, schildert Ewald K., ein Krankenhausseelsorger aus Steyr, dessen Vater nach einer Behandlung des Mediziners verstarb: „Bei uns im Krankenhaus lieferte eine Familie ein krebskrankes Kind ab. Eine Stunde später standen schon Hamers Leute am Krankenbett und priesen die ,Neue Medizin'. In ihrer Not bissen die Leute an und nahmen ihr Kind aus der Klinik.“
Helmuth Hammer von der steirischen Ärztekammer verfolgt Hamers Treiben seit acht Jahren: „Er ist meine Bürde.“ Bei einem Vortrag auf Schloß Burgau hörte er den Medizin-Mann zum ersten Mal. „Er behauptete, Tuberkulose wäre nicht ansteckend und Aids eine Erfindung profitgieriger Ärzte. Da wußte ich, da steht ein Irrer vor mir.“
Dabei hatte die Karriere des Ostfriesen außerordentlich vielversprechend begonnen. Das erste Mal war sein Namen in den Zeitungen zu lesen, als er als jüngster Deutscher mit 23 Jahren den Doktortitel verliehen bekam. 1986 war ihm dann wegen haarsträubender Thesen und Heilungsmethoden die ärztliche Approbation entzogen worden.

Den Krebs „eingegipst“.
Auch der Konflikt mit dem Gesetz ist für Hamer kein Neuland. Bereits 1993 war der Arzt in Köln zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Hamer behandelte damals einen 17jährigen Burschen, der an einem Krebsgeschwür am Knie litt. Hamer gipste das Bein ein und versicherte, die Sache wäre „in sechs Wochen ausgestanden“.
Alexanders Bein mußte amputiert werden. Die Begründung des Richters bei Hamers Verurteilung: „Die Einstellung des Angeklagten, Taten wie die vorliegende weiterhin zu begehen, zeigt den Angeklagten als einen besonders gefährlichen, hinsichtlich der abgeurteilten Tat mit einer erhöhten kriminellen Energie vorgehenden Menschen.“
Alexanders Vater zu NEWS: „Unser Sohn war anfangs ganz begeistert von diesem charismatischen Mann. Er konnte zuhören und pickte sich aus den Erzählungen genau das heraus, was uns berührte.“
Drei Sitzungen absolvierte Alexander bei Hamer. Das angeschwollene Knie sah er sich dabei nur kurz an. Hamer wußte gleich, woran der junge Mann laborierte. Er hatte einen „Sportkonflikt“, der sich in der Geschwulst am Bein manifestierte. „Hamer meinte damals, Alexander hätte den Knoten am Knie, weil er vor Jahren ein Tennismatch verloren hatte. Wenn er das endlich bewältigt, würde der Krebs auch verschwinden.“



„Es ist besser, du stirbst im Wald allein ...“

HAMERS „PATIENTEN“. NEWS sprach mit überlebenden Krebspatienten, die von Geerd Ryke Hamer betreut wurden. Drei mußten qualvoll sterben.


FALL 1 Dunja Huszar
Ärzte gaben der Leukämiekranken eine 90prozentige Überlebenschance. Sie brach die Therapie ab.

Dunja Huszar, 20, war die persönliche Sekretärin Geerd Ryke Hamers. Die junge Frau lernte „ihren“ Arzt bei einem Vortrag kennen. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits an Leukämie erkrankt. Als sie schwanger wird, raten ihr die Schulmediziner ab, das Kind auszutragen. Bei Hamer findet sie Gehör. Er diagnostiziert an hand der Computertomographie einen „Sexualkonflikt“. Wenn sie ihre Probleme löst, würde auch die Krankheit verschwinden. Dunja bekommt ihren Sohn, aber schon nach der Geburt verschlechtert sich ihr Zustand rapide. Nach einem Blutsturz wendet sie sich neuerlich Hamers Theorien zu. Er behandelt sie ab diesem Zeitpunkt regelmäßig. Der Krebs greift die ersten Organe an. Ein Milztumor läßt ihren Bauch anschwellen. Einen Monat vor ihrem Tod wälzt sie sich am Boden. Hamer streichelt ihr über den Kopf und sagt: „Du wirst gesund.“ Eine Stunde vor ihrem Tod verlangt Dunja einen anderen Arzt. Hamer lapidar: „Bevor du ins Spital gehst, ist es besser, du stirbst im Wald allein.“


FALL 2 Friedrich K.
Noch am Sterbebett schrieb der Zuckerbäcker ein Gedicht für Hamer. Die Witwe: „Er starb qualvoll.“

Der Zuckerbäcker aus Burgau glaubte bis zu seinem qualvollen Ende an die Theorien Geerd Ryke Hamers. Noch am Sterbebett dichtete er für den Wunderheiler, den auch er bei einem Vortrag kennengelernt hatte, einige Verse: „Sein Werk wird vollendet / trotz Lu', die verblendet / von unwissendem Jammer / es gibt nur einen Hamer.“ Sechs Monate vor seinem Tod hatte sich Friedrich K. zum ersten Mal mit den Thesen der „Neuen Medizin“ auseinandergesetzt. Hamer riet ihm: „Brechen Sie die schulmedizinische Behandlung ab. Erkennen Sie Ihre Probleme, dann werden Sie wieder gesund. Seine Ehefrau Margarete erinnert sich: „Er war so vernarrt in Hamer. Er hat sogar seine Bücher auswendig gelernt. Selbst als die Schmerzen unerträglich wurden, verweigerte er jedes Medikament: Es war furchtbar. Mein Mann verendete wie ein Tier. Er war völlig verblendet.“ Friedrich K.s Sohn Ewald heute: „Mir ist unklar, warum man diesem Menschen nicht schon viel früher das Handwerk gelegt hat. Seine Fans werden nach der Verurteilung einen Märtyrer aus ihm machen. Seine Anhänger werden sich bestätigt fühlen und wieder den Feind im System verantwortlich machen. Es gibt einen Hamer-Virus, der schon zu viele Leute befallen hat. Die einzige Schutzimpfung dagegen ist Aufklärung. Man muß die Menschen vor diesem Mediziner warnen.“


FALL 3 Emilia B.
Nach der Krebsdiagnose holte sie Hamers Rat ein - und kehrte zur Schulmedizin zurück. Sie lebt.

Im April 1994 wurde Emilia B. mit der Schreckensnachricht „Gebärmutterkrebs“ konfrontiert. Damals 36jährig, lehnte sie eine Operation ab: „Die Unmöglichkeit, ein Kind zu bekommen, hat mich wütend gemacht. Ich wollte mich nicht amputieren lassen.“ Eine Freundin vermittelte sie an Hamer, der eine „postmortale Schizophrenie“ und einen „Trennungs- und Herzbeutelkonflikt“ diagnostizierte. „Er sagte, die Schulmediziner wollten mir nur wegen Gebärneides die Gebärmutter herausschneiden.“ Als sie dann plötzlich starke Blutungen bekommt, denkt sie, jetzt beginne der Heilungsprozeß, wie es eben Hamer vorausgesagt hatte. „Doch bald konnte ich mich nicht mehr auf den Beinen halten.“ Als sie auf offener Straße zusammenbricht, wird sie von der Rettung ins Spital gebracht. Im Krankenhaus Lainz dann die Diagnose: Inoperabel. Emilia B: „Das war der Moment, als ich mich fürs Leben und gegen Dr. Hamer entschieden habe.“ Nach einer Operation und zweimonatiger Bestrahlung konnte Emilia B. das Krankenhaus wieder verlassen.


FALL 4 Sonja Bichl
Sie lernte Hamer einen Monat vor ihrem Tod kennen. Ihr Exmann: „Da konnte auch er nicht mehr helfen.“

Die 26jährige Verkäuferin aus dem Innviertel verstarb im Februar 1992 an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die junge Frau hatte sich nach einer Operation, bei der ihr Dreiviertel des Magens herausgenommen worden waren, an Hamer gewandt. Die Ärzte gaben ihr „Heilungschancen gleich null“. Etwa einen Monat vor ihrem Tod kontaktierte sie den Wunderheiler. Ihr ehemaliger Mann erinnert sich: „Meine Enttäuschung war groß, als Hamer nichts gegen ihre Schmerzen tun konnte. Er sagte, das seien Heilungsschmerzen, da müsse sie durch. Acht Wochen durchtauchen sozusagen. Dann würde es wieder bergauf gehen. Aber es war wohl schon zu spät in diesem Stadium.“ Sonja Bichl verstarb im Spital. Die Ärzte gaben ihr Morphium, um die Schmerzen zu lindern.
Hamer verlangte auch in diesem Fall kein Geld, sondern pries seine Videokassetten und Bücher zum Verkauf an. Karl Bichl heute: „Meine Frau war nicht überzeugt von Hamers Thesen. Ich glaube, es kommt halt aufs Stadium der Krankheit an. Am Anfang würde ich Hamers Methode vorziehen. Sein Problem ist wohl die Umsetzung - da ist er schwach.“


FALL 5 Olivia Pilhar
Nach ihrer spektakulären Flucht mußten die Pilhars ihre Tochter chemotherapieren lassen.

Nachdem Olivia im Mai 1995 über starke Bauchschmerzen klagt, diagnostizieren die Ärzte einen sogenannten Wilms-Tumor. Eine Krebsart, die fast ausschließlich bei Kindern vorkommt und - im Frühstadium erkannt - gute Heilungschancen hat. Im St.-Anna-Kinderspital wollte man gleich mit der Chemotherapie beginnen. Doch der Anblick anderer kleiner Krebspatienten und das Auftreten der Ärzte schreckten das Ehepaar Pilhar ab. Über eine Wiener Ärztin geraten sie an Geerd Ryke Hamer. Nach ihrer Flucht wird Olivia chemotherapiert und operiert. Nach wie vor liegt ein Teil der Obsorgepflicht bei der Wiener Neustädter Bezirkshauptmannschaft: „Um Olivias Genesung sicherzustellen.“
Olivia geht es heute sehr gut, der Krebs scheint vorläufig besiegt. Sie besucht die zweite Klasse Volksschule und trägt ihr Haar wieder schulterlang.



Marina Marcovich, zwei Jahre nach ihrer Vermittlung im Fall Olivia
Kinderärztin im ständigen Kontakt mit Olivia
Über Hamer: „Mir hat menschlich manches an ihm nicht gefallen.“


Marina Marcovich, Frühgeburtenspezialistin, schaltete sich während der Flucht der Pilhars als Vermittlerin zwischen den Behörden und den Eltern ein. Sie erreichte, daß Helmut und Erika Pilhar einer Rückkehr und einer Untersuchung ihrer Tochter Olivia zustimmten.
Wie beurteilen Sie zwei Jahre danach die Rolle Ryke Geerd Hamers?
Nicht anders als damals. Mir hat menschlich an ihm manches nicht gefallen. Er ist wie eine Glucke auf der Familie gesessen. Er hat Olivia ständig vor die Kameras geschubst, obwohl sie nicht mehr gehen konnte. Und er bezeichnete einen Therapievorschlag, den der Konsul und ich unterschrieben, als Vertrag – der keiner war.
Haben Sie ihm fachlich widersprochen?
Ich bin keine Krebsspezialistin. Mein einziges Ziel war, Olivia medizinische Hilfe in möglichst harmonischer Atmosphäre zukommen zu lassen.
Haben Sie noch Kontakt zur Familie Pilhar?
Ja, zuletzt habe ich vorige Woche telefoniert. Wenn mir das Schicksal eines Menschen nahegeht, muß ich mich auch im ihn kümmern. Ich habe den Eindruck, daß sich alles zur Normalität hin entwickelt.