täglich Alles - Nach Haftbefehl: Deutsche ermitteln gegen Hamer

täglich Alles, 08.08.1995

zeitungsartikel



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Menschlich handeln

Da man dem bedauernswerten Kind nicht-rechtzeitig geholfen hat, ist es grauenhaft, in diesem Stadium, in dem sich das Kind befindet, noch eine Chemotherapie zu machen! Hier sollte man menschlich handeln und Schmerzen lindern, alles andere ist jetzt nur qualvolles Hinauszögern und Experimentieren! Habe auf diese Weise meinen Mann verloren und kann daher mitreden!
Elfriede Gössel, Wien


Versuchskaninchen

Wie viele Schulmediziner dürfen sich eigentlich noch in der Reihe anstellen, um das bedauernswerte „Versuchskaninchen“ OLIVIA zu testen? Wie lange brauchen sie noch, bis sie sich einig sind? Wenn dieses Kind jetzt stirbt - dann ist es der unerträglichen Experimentier-Gier und Gewaltherrschaft der Schulmedizin sowie der Brutalität des österreichischen Staates zum Opfer gefallen. Olivia gehört sofort nach Hause und in Ruhe gelassen. Weiters die Thesen Dr. Hamers innerhalb eines Tages geprüft. Dann würde man sehen, ob sie so unsinnig sind. Warum traut sich die Schulmedizin nicht drüber?
Josefa Köhler,
Heiligenkreuz


Wie Kopernikus

Die Titulierung Dr. Hamers als Wunderheiler soll ihn in die Nähe jener Männer wie den hallelujaschreienden Bäcker aus Kärnten rücken. Dr. Hamer hat ein abgeschlossenes Medizinstudium und jahrzehntelang als Arzt gewirkt. Berufsverbot bekam er nicht wegen eines Behandlungsfehlers, sondern weil seine Entdeckung, wie Krebs entsteht, nicht ins Credo der Schulmedizin paßte. So wie sich einst die Entdeckung des Kopernikus nicht mit der damaligen kirchlichen Meinung deckte (heliozentrisches Weltbild, die Erde dreht sich um die Sonne, Anm. d. Red.). Man verhängte einfach den Bannfluch über ihn, der übrigens erst vor kurzem aufgehoben wurde. Dr. Hamer entdeckte, daß alle seine Patienten ein Schockerlebnis hatten und alle im Gehirn-CT (Computer- Tomographie, Anm.) sichtbar einen Herd. Bei gleich empfundenem Erlebnis saß der Herd an der gleichen Stelle im Gehirn, und gleichartiger Krebs entstand im Körper. Alles schon von anderen Ärzten überprüft und bestätigt, aber man versucht gar nicht, es zu widerlegen, sondern lehnt es einfach ab.
Rubert Rainer,
Haslau an der Donau


Ungereimtheiten

Die Ungereimtheiten in dieser Tragödie sind himmelschreiend! In Spanien sah man das Kind noch munter umherlaufen, und es hieß, man könne ruhig bis September zuwarten. Nachdem man die Leute mit falschen Versprechen nach Wien gelockt hatte, war plötzlich „Gefahr“ - man nahm das Kind der Mutter weg, laut Dr. Marcovich das Ärgste, was man ihm antun konnte. Obwohl ein Primarius gesagt hat, niemand könne eine Zwangstherapie durchführen, wurde sie angeordnet. Als die Eltern nun eine Operation in Spanien vornehmen lassen wollten, hieß es plötzlich, das Kind sei nicht transportfähig, obwohl es vor wenigen Tagen mit Zwang nach Wien gebracht wurde.
Die genannten Überlebenschancen fielen innert weniger Tage von „guten 70%“ auf 50, 40, 20, auf weniger als 10%! Ausländische Kapazitäten durften nicht konsultiert werden, aber jeder, der von der Sache nichts verstand, konnte „Stellung nehmen“, von ORF-Sprecherinnen über einen Minister bis zu Dr. Klestil. Eine Untersuchung wird es wohl nie geben!
Dr. Gert Riemer, Wien


Ärger über Eltern

Ich ärgere mich über das Verhalten der Eltern von Olivia Pilhar! Was sind das für Eltern, die das Kind sterben lassen. Sie glauben diesem selbsternannten Wunderheiler Dr. Geerd Hamer. Wahnsinn! Olivia hätte sofort operiert werden müssen mit anschließender Chemotherapie, dann wäre sie heute fast wieder gesund!! Aber diese Eltern wollen, daß sie leidet, bis sie nicht mehr zu retten ist. Andererseits verstehe ich ihr Verhalten, ihre Angst um ihre kleine Tochter, aber so darf man nicht handeln.
Falls Olivia stirbt, wollen die Pilhars den Staat verklagen, so ein Schwachsinn! Wäre Olivia in Malaga gestorben, hätten die Pilhars und Hamer hinter Gitter gehört.
Die Eltern haben verhindert, daß Olivia rechtzeitig behandelt und gesund wird. So ein großer Tumor geht nicht von selbst weg, so wie dieser Dr. Hamer glaubt. Arme Olivia!
Theresia W.


Auf Psyche vergessen

Der vergessene Faktor - die Psyche! Viel zuwenig Bedeutung findet, daß das krebserkrankte Kind kein Tumorträger ist, sondern ein Mensch. Das Schicksal der Eltern und der kleinen Olivia hat sich plötzlich geändert. Etwas, an das sie nie gedacht hatten, hat von ihnen Besitz ergriffen. Während alle anderen normal weiterleben, als gäbe es dieses Schicksal nicht, sind sie damit geschlagen worden, und es gibt keinen Zweifel, daß die Stimmungs- und Gemütslage, die dieser Erkenntnis entspricht, den Krebs des Kindes zusätzlich fördert. Im Grunde wäre zu sagen, daß die zuständigen Ärzte hier überfordert sind, ich meine damit, wenn die grausame Wahrheit so brutal übermittelt wird, könnte man von einem Aufklärungsschaden sprechen. Übrigens wird durch die Behördenwillkür nur mehr eine palliative (schmerzlindernd, aber nicht die Krankheitsursache bekämpfend, Anm.) Behandlung möglich sein.
Albin Pichler,
Lichtenwörth


Millionen „Olivias“

Die Ärzteschaft führt so einen wilden Kampf gegen Dr. Hamer, weil ihnen das Schreckgespenst im Nacken sitzt, seine Erkenntnisse könnten zum Durchbruch kommen. Dies wäre zwar ein Glück für alle Krebskranken, doch eine Katastrophe für seine Gegner. Der Medienrummel um die kranke Olivia ist aus dieser Sicht zu betrachten. Es gibt Millionen „Olivias“, nach denen kein Hahn kräht.
Margareta und Franz Kalischnik,
Trofaiach




Nach Haftbefehl: Deutsche ermitteln gegen Hamer

Jetzt ermitteln die deutschen Behörden gegen den umstrittenen Krebsarzt. Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung, der fahrlässigen Tötung. Deutschen Haftbefehl gegen Dr. Geerd Hamer gibt es laut Staatsanwaltschaft Köln vorläufig keinen.

Internationaler Haftbefehl gegen Dr. Geerd Hamer. Montag nachmittag entsprach die Staatsanwaltschaft Köln dem Ersuchen um Amtshilfe eines Wiener Neustädter Richters: „Wir haben das Ermittlungsverfahren eingleitet, das weitere Vorgehen hängt vom Ergebnis ab.“ Derzeit gebe es keinen deutschen Haftbefehl gegen den Mediziner.
Hamer, nach dessen Methoden die Eltern Pilhar ihr Kind behandeln lassen wollten, ist derzeit nicht greifbar. Aber errichtete eine Fax-Nachricht an den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau. Er schlägt vor:
Ein Gremium (drei Schulmediziner und drei Ärzte der Neuen Medizin) soll öffentlich 20 oder 30 freiwillige Hamer-Patienten untersuchen. Der Richter von Wiener Neustadt wird eingeladen. „Wenn die Neue Medizin falsch ist - nach den fünf biologischen Gesetzmäßigkeiten der Neuen Medizin nicht reproduzierbar -, dann geht Dr. Hamer freiwillig mit dem Richter nach Österreich und läßt sich dort verhaften.“ Sei sie reproduzierbar, müsse sich der Richter schon vor der Verhandlung verpflichten, 29 Haftbefehle gegen die behandelnden Ärzte von Olivia auszustellen! Hamer: „Ich stehe mit Einsatz meiner ganzen Existenz für diesen Beweis bereit.“
Im AKH gilt Olivias Zustand als kritisch. Sie hat 40 Grad Fieber. Der Vater: „Eine Ärztin hat meiner Frau und mir gesagt, Olivia wird behandelt, solange ein Funken Hoffnung besteht. Hoffnung besteht, bis alle Organe versagen.“
Verzweifelt versuchen die Eltern, ihr Kind aus der Zwangsbehandlung zu holen. Weder der gesetzliche Vormund des Kindes (Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt) noch Ärzte wollen für die Entscheidung zuständig sein.
Vor der Überweisung ins AKH hatte es noch geheißen: Wenn Olivias Überlebenschancen zwischen zehn und null Prozent liegen, dürfe sie gegen Revers nach Hause. Drei Tage später erklärte Univ. Prof. Franz Waldhauser: „Ihre Überlebenschancen liegen unter zehn Prozent.“
Laut neuesten Untersuchungen hat das Kind jetzt Metastasen an Leber und Lunge. Richard Pötter, Vorstand der AKH-Uni-Klinik für Strahlentherapie: „Die auf dieser Untersuchung abgrenzbaren Rundherde in Lunge und Leber sind wahrscheinlich Metastasen, das heißt Absiedelungen des von der Niere ausgehenden Tumors. Derartige Absiedelungen in diesen Organen finden sich typischerweise in fortgeschrittenen Tumorstadien bei von der Niere ausgehenden Tumoren im Kindesalter. Es findet sich bei der Computer-Tomographie von Olivia keinerlei Hinweis auf einen von der Leber ausgehenden lebereigenen Tumor (,Leberkarzinom'). An der Diagnose Nierentumor (wahrscheinlich ,Willms-Tumor') besteht somit weiter kein Zweifel. Leider ist aufgrund der langen Therapieverzögerung neben dem massiven lokalen Tumorwachstum anscheinend auch eine Absiedlung von Zellen des Nierentumors in andere Organe wie Lunge und Leber eingetreten.“
Hamer: „Das ist eine onkologische Märchenerzählung. Kein Arzt der Welt, schon gar kein Onkologe, würde eine solch unsinnige Pseudotherapie an seinem eigenen Kind machen lassen. Dagegen kann ich schwören, daß ich mein Kind genauso behandeln würde, wie ich es Olivias Eltern geraten habe.“