täglich Alles - "Olivias Chancen liegen unter zehn Prozent"
täglich Alles, 02.08.1995
„Olivias Chancen liegen unter zehn Prozent“
• Mediziner zweifeln, ob sie das Mädchen retten können
Olivia ringt mit dem Tod. Chemotherapie. Zusätzlich als Notmaßnahme zweimal täglich Radio-Therapie. Sie wird künstlich beatmet, im Dämmerschlaf gehalten. Weniger als zehn Prozent Überlebenschance. Vater und Mutter lehnen die Zwangsbehandlung ihrer Tochter ab. Sie vertrauen dem umstrittenen Krebsarzt Dr. Geerd Hamer. Hamer jetzt: „Man hat den Eltern ihr Kind ermordet!“
30 Ärzte kümmern sich um Olivia. Universitätsprofessor Franz Waldhauser von der Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde: „Ihre Überlebenschancen liegen sicher unter zehn Prozent.“
Am Samstag, nach der Überstellung von Tulln, begann sofort die „vorsichtige Chemotherapie“. Waldhauser: „Olivias Bauchumfang wächst pro Tag um einen Zentimeter. Es dauert etwa eine Woche, bis der Patient auf die Chemo anspricht.“ Deshalb die Notmaßnahme: zweimal täglich 45 Sekunden Radio-Therapie. Bis auf weiteres. Eine Behandlung, die laut Ärzten „die Nebenwirkung der Chemotherapie nicht verstärkt“. Universitätsprofessor Richard Pötter, Vorstand der Klinik für Strahlentherapie und -biologie: „Eine klassische, bewährte Methode zur lokalen Behandlung des Wilms-Tumors.“ Man hofft, so das Wachstum des fast fünf Kilo schweren Tumors zu stoppen, damit der Druck auf die anderen Organe genommen wird. „Die Lunge ist nicht mehr voll funktionstüchtig, der Tumor drückt auf eine Vene, dadurch ist die Blutversorgung der Beine nicht mehr optimal.“ Die Ärzte wissen nicht, ob die Organe funktionieren, bis die Chemo wirkt. Laut Universitätsprofessor Anton Laggner, dem stellvertretenden ärztlichen Direktor des AKH, tritt alle 24 Stunden ein Fachgremium zusammen, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.
Daß Olivia ins AKH gebracht wurde, stützte sich auf das Urteil von vier Universitätsprofessoren. Wie berichtet, hatte man Helmut Pilhar (30) gesagt, daß seine Tochter auf Revers nach Hause dürfe, wenn ihre Überlebenschance bei einer Chemo ohne Unterstützung der Eltern zwischen zehn und null Prozent liege. Alles über zehn bis 50 Prozent bedeute Zwangstherapie. Damalige Prognose: 20 bis 40 Prozent. Die Eltern fuhren am Nachmittag ins AKH. Um eine Sache bittet Helmut Pilhar: „Uns wird vorgeworfen, wir hätten unser Kind gequält. Deshalb bitte ich den Bundespräsidenten, endlich Klarheit zu schaffen. Er soll eine öffentliche, wissenschaftliche Untersuchung der Neuen Medizin von Dr. Geerd Hamer veranlassen!“
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